Was soll ich erzählen? November 2, 2007, 0:07
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Uncategorized.comments closed
Ich bin bis über beide Ohren beschäftigt, aber wie viel shop kann ich schreiben? Ich stecke in meinen Unterrichtsreihen so fest, daß ich schlecht zu was anderem zu gebrauchen bin.
Oder will wirklich jemand wissen, wie ich damit kämpfe, wenn ich Sachen unterrichte, in die ich mich höllisch wieder einlesen muß, wie Architekturgeschichte??? Ich träume von Balken und Bögen. Bin soweit gegangen, meinem Brüderchen, als es erkältet im Bett lag, zur Unterhaltung ein Buch über den Bau der Kuppel des Duomo in Florenz zu schicken. Brüderchen liebt Florenz nämlich.
Oder will jemand wissen, wie unser Katzen-Trio klarkommt? Drei katzulim, die sich nicht vertragen. Mini, die buschige Königin, war immer schon griesgrämig und schüttelt nur den Kopf über das schwarzfellige Treiben, das sich hier breitmacht. Kater Lutz, der als Kind so nach einem Spielkameraden suchte, erfährt nun das ewig-kätzische Schicksal des zu spät erfüllten Wunschs: der Neue paßt ihm nicht. Er knurrt ihn an.
Und Leonardo, der Neuzugang, schmust leidenschaftlich mit uns (er liebt Brusthaare, die kann ich ihm leider nicht bieten), und ist beneidenswert keck im Umgang mit seinen Vorgesetzten. Er lauert Lutz auf, hascht nach ihm, und wenn Lutz irritiert knurrt, rennt er ihm begeistert hinterher. „Er hat mich zur Kenntnis genommen! Bestimmt spielt er gleich mit mir!!!“ steht in seinen Augen geschrieben.
Die schwarzen Kerle sehen sich so ähnlich, daß wir sie bald verwechseln werden, sobald der Größenunterschied verschwindet. Beide lieben schwarze Schlafplätze – eine weiche schwarze Decke, meine Tasche oder einen schwarzen Sessel. Unverhofft gucken einen dann blanke gelbe Augen an, wenn man danach greift. Oder man hört ein genüßliches Lecken aus dem Wäschekorb mit den schwarzen T-shirts…
Ja, aber will das außer uns gluckenden Katzeneltern wirklich jemand wissen?
Quarta hat heute „verkehrten Tag“, das heißt, sie ist gerade, um acht Uhr abends, stolz und aufgeregt in die Schule gegangen. Da machen sie jetzt bis Mitternacht besondere Aktivitäten, mit einer Blindenlehrerin lernen sie Braille und so. Um Mitternacht holen wir das junge Volk wieder ab, morgen ist dann schulfrei. Tertia meinte etwas wehmütig, „ich weiß noch, als ich auf der Grundschule war und wir auch verkehrten Tag hatten….“
Secundus ist nur noch sporadisch zuhause. Er ist nun zum Vorsitzenden eines Ausschusses gewählt worden, rakas vaada, und verschwindet zu Sitzungen, seinem Kurs in organischer Landwirtschaft, Parties, Ausflügen und weiß der liebe Himmel was. Reichlich heftige Abnabelung, fällt mir schwer, aber er braucht es. Ich bin aber in Kontakt mit den Aufsichtspersonen in der Schule, damit er nicht außer Rand und Band gerät.
Der Streik, der fast seit drei Wochen meine drei Großen in einer Art künstliche Ferienstimmung versetzt hat, hält an und kein Ende ist abzusehen. Ich verstehe die Lehrer, diesmal ist eigentlich die allgemeine Stimmung auf ihrer Seite, und ich möchte auch nicht, daß dieser Berufsstand weiterhin so unterbezahlt wird. Leider fällt damit für uns die weihnachtliche Reise nach Deutschland dieses Jahr aus – wenn die Schule nämlich irgendwann wieder anfängt, kann ich die Kinder nicht einfach für eine Woche rausnehmen. Und Chanukka fällt dieses Jahr leider schon auf Anfang Dezember, da ist nichts zu machen. Besser nicht dran denken. Vielleicht streiken sie ja bis Januar?
Meine liebste Freundin (die mich Lilush nennt -) erlebt einen atemberaubenden, hollywoodreifen Liebesroman, den ich abendlich per Telefon brühwarm und lebensnah erzählt bekomme. Leider verbietet mir meine Diskretion, diese wie aus den Pfoten gesogen klingende Geschichte zu erzählen! Aber ich freu mich auf die Updates, die in meine von Triumphbögen und Viereck-Pfeilern beschwerte Gegenwart ein Echo von Herzklopfen und Schwerelosigkeit bringen. Also das würde mancher gern lesen, ich weiß es alles!!!, ich kann es aber nicht erzählen.
Nachrichten-Kram? Ich meide ihn nach wie vor. Da jeder Versuch, einen Hoffnungsschimmer zu erhaschen, nur in der Einsicht mündet, daß es keinen gibt… laß ich es lieber gleich. (Vielleicht seh ich ihn ja auch nur nicht???)
Was ich lese? Fachliteratur. Filme gucken? Gar keine, außer meinen BBC-DVDs, die mir manchmal das Ende des Tages veredeln, momentane Favoriten: Middlemarch und North and South. HEISS zu empfehlen. Auch wenn man die Bücher kennt, sind diese Filme einfach ein Genuß und ich kann die Bücher immer noch lesen, als hätte ich die Filme nie gesehen. Dabei sind sie oft spot on. (Kino ist nicht drin, zu weit weg und wir würden beide einschlafen, wir sind im Moment nicht in Ausgehlaune…)
Auch Wives and Daughters ist wunderbar, ich LIEBE Miss Phoebe.
Oh, und ich sehe mit den Kinder immer wieder und mit großem Vergnügen Harry Potter V. Die Aufnahmen, wie sie durch London fliegen, sind so schön. Und oh wie gut ist Imelda Staunton, ich bewundere sie, besonders nachdem ich ein paar quotes von ihr gelesen habe. You know you can be very famous without being a great actress, and that’s not good for me.

Amüsanterweise werden meine Häubchen-und-Handschuh-Filme für die Kinder interessant, wenn sie die Helden von Harry Potter wiedererkennen: Michael Gambom, Emma Thompson, Imelda Staunton, Robert Hardy, Alan Rickman – sie sind in beiden Universen zu finden. „Mama, Snape kann auch gut sein?“ Und da ich Harry Potter genauso gut finde wie meine Kinder, können wir uns die Zeit damit vertreiben, uns zu überlegen, in welchem Haus Professor Umbridge wohl war, als sie selbst in Hogwarts Schülerin war. ..
Ich habe zwar selten Zeit oder Nerven, so einen Film in Ruhe und in einem Stück anzugucken, aber trotzdem – eine Lieblingsszene bannt mich auch beim zwanzigsten Durchlauf – ich liebe Bekanntes und liebe es nur immer mehr. (Weswegen die Ehe mich auch so glücklich macht.)
Y. ist total übermüdet, er schultert Unmengen von Arbeit. So gern er das alles auch macht, seine Dutzende von Riesen-Projekten sind eigentlich zu viel. Die Politik der neuen Fabrikführung, mit Entlassungen und gezielter Überlastung der Belegschaft die Firma aus den roten Zahlen zu hieven, klappt übrigens. Unsere Marke erlebt einen Aufschwung . Y. als einer der Motoren dieses Erfolgs hat also Motivation, aber ich schraube meine häuslichen Ansprüche auf ein Minimum zurück. Hoffentlich ziehen da bald normalere Zeiten ein.
Nein, ich habe eigentlich nichts zu erzählen….


