Verblüfft Oktober 11, 2007, 8:37
Posted by Lila in Land und Leute.12 comments
Aus bester Quelle habe ich soeben gehört, daß es in Deutschland Leute gibt, die die globale Erwärmung - dem Mossad in die Schuhe schieben. Logisch, nicht wahr? Mensch, wieso bin ich da nicht von allein drauf gekommen? Das ist wirklich mal eine einsichtige, in sich schlüssige Erklärung.
Ich mußte natürlich sofort nachgoogeln, ob es noch mehr Scharfsinnige gibt, die dieser Verbindung auf die Spur gekommen sind. Dabei stellte sich raus, daß der Mossad die Bin-Laden-Videos zu verantworten hat, den 11. September (was wir alle natürlich schon wußten) und noch alles mögliche andere. Wirklich, wieso mit einem so tüchtigen Geheimdienst ausgestattet, Israel nach wie vor so winzig ist und sich noch nicht gegen seine Feinde durchgesetzt hat, bleibt ein komplettes Rätsel.
Und die Klimaveränderung hat der Mossad nur darum in Gang gesetzt, um eine Ausrede für einen Angriff auf Iran zu konstruieren. War eine Kleinigkeit, wirklich.
Die (englischen) Quellen sind so trübe, daß ich darauf verzichte, sie zu verlinken. Ich würde nach ihrer Lektüre aber davon ausgehen, daß die steigenden Scheidungsraten, der Konsum von Drogen und Psychopharmaka, die vielen Verkehrsunfälle, das Verschwinden von Sitte und Moral bei der Jugend, die Vermehrung der Kriebelmücke in den Rurauen, die Ersetzung des Christkinds durch Santa Claus und des St. Martin durch Halloween, das unmögliche Fernsehprogramm und die Mode der Plateau-Absätze auf die Umtriebe des Mossads zurückzuführen sind. Eindeutig. Fleißig sind die Kerle wenigstens.
Herz Oktober 10, 2007, 10:55
Posted by Lila in Land und Leute.17 comments
Beim Ausbruch des Kriegs im letzten Sommer liefen hier in Rungholt alle Arten von Reaktionen ein. Eine Leserin, mir bis dahin als verständnisvolle, sympathische, gedankenvolle Frau bekannt, entsetzte mich zutiefst mit einem Angriff auf Israel, der mich fast vom Bloggen abgebracht hätte. Warum wir den Libanon angegriffen hätten, wann Israels brutale Landnahme-Politik und Geiselnahme der ganzen Region endlich aufhört, die ganze Litanei der anti-israelischen Propaganda prasselte auf mich nieder, während ich mir überlegen mußte, wo ich mit den Kindern hingehe, wenn die Raketen hier fallen, denn der Bunker ist zu weit weg. (Ihr werdet Euch erinnern: das Treppenhaus. Gut, daß in unserer Gegend nicht viel gefallen ist!) Das habe ich nicht vergessen. Viele Kommentare habe ich gelesen im Laufe der Jahre, viele vergessen - aber der Kommentar dieser Frau, der von wahrem Haß geschrieben war und uns als wahre Monster darstellte, bleibt mir unvegessen.
Sie schleuderte mir schließlich entgegen: wann wird Israel sich endlich menschlich den Arabern gegenüber betragen? Warum hat Israel kein Herz? Auch diese Frage ist mir geblieben, und ich versuche, wenn Israel sich menschlich den Arabern gegenüber zeigt, das auch zu erwähnen. Wenn palästinensische Opfer, zum Beispiel bei den Kämpfen von Fatah und Hamas, in unseren Krankenhäusern behandelt werden - wenn israelische Rettungsmannschaften auf der ganzen Welt dabei sind, nach Katastrophen zu helfen - wenn israelische Lastwagenfahrer ihr Leben aufs Spiel setzen, um Gaza mit Lebensmitteln und Medikamenten zu beliefern - wenn israelische Offiziere ein palästinensisches Kind retten, nachdem das Auto seiner Eltern von andren Palästinensern mit Steinen beworfen wurde - wenn wir täglichen Raketenbeschuß nicht mit einer Aktion a la Russe beantworten und ganze Wohngebiete dem Erdboden gleichmachen, sondern nur ein bißchen drohen und nach Monaten punktuell reagieren - dann erwähne ich das, weil ich weiß, daß es sonst niemand tut.
Man kann leicht zynisch sein und sagen, ach was, das zählt alles nicht. Tropfen auf dem heißen Stein, unwichtig. Es zählt aber doch. Die 40 irakischen Kinder, die unter einer Herzkrankheit leiden und nun in Holon behandelt werden - jedes von ihnen zählt, jedes von ihnen möchte leben, jedes von ihnen hat eine Familie, für die seine Gesundheit alles bedeutet. Zum Beispiel Mustafa.
One child who was screened Tuesday was 4-year-old Mustafa, who Houri [der behandelnde israelische Arzt] said was diagnosed with a dangerous case of crossed arteries and would need two surgeries in Israel soon to unfold them before they harden.
Mustafa’s mother, a Kurdish woman who identified herself only as Suzanne because she feared retribution, said “traveling to Israel made her anxious … not because I’m going to a country considered an enemy of Iraq, but because I’m afraid of retribution by Iraqi militants, by the terrorists back home.”
“I’m afraid and it’s not easy for me at all, but I’m willing to take the risk to save my beloved son’s life,” she said as she caressed Mustafa.
“Israel is a good country. It’s a country that has mercy on other people,” she added.
Ja, das ist schwer zu glauben, und ich weiß, daß ein Teil meiner Leser es nicht glauben wird oder als Propaganda abtut. Wir sind ein kleines Land, wir kämpfen um unser Überleben, wir könnten, wie es das Vorurteil gegen Juden ja auch behauptet, uns darauf beschränken, “unseren Leuten” zu helfen. Aber das tun wir eben nicht. Jüdische, israelische Ärzte und wohltätige Organisationen sind überall aktiv. Das ist nicht selbstverständlich.
Und das Abartige? Elemente der arabischen Gesellschaft, wie die oben zitierte Mutter sagt, drohen den Menschen, die von Israel Hilfe annehmen, mit dem Tode. Das muß man sich mal vorstellen. Es ist gut möglich, daß Mustafa und seine Mutter, wenn sie aus Holon wieder nach Hause kommen und der Junge, bli ayn rah, geheilt ist, die Familie unter Repressalien leiden muß.
Ich finde das einfach mind-boggling, so sehr, daß mir kein deutsches Wort dafür einfällt! Und ich weiß immer noch nicht, woher die immer wieder laut vorgebrachte Klage, daß Israel kein Herz hat und die Araber wie Dreck behandelt, herkommt. (Und: auch arabische Familien haben schon Israelis Organe gespendet, arabische Ärzte haben israelische Leben gerettet, auf dieser Ebene der Zusammenarbeit und Menschlichkeit hat es schon viele nie erzählte Geschichten gegeben.)
Ein israelischer Arzt hat, wie ich gerade gesehen habe, auf Youtube einen Film von seiner Arbeit eingestellt, einen ganz einfachen. Er will sich damit gegen die Forderung der britischen Ärzteschaft wehren, Israel und israelische Mediziner zu boykottieren. Das schmerzt ihn persönlich, weil er jeden Tag arabische Patienten behandelt und den Boykott als großes Unrecht empfindet.
Ein weiterer Fim aus Youtube, was man da nicht alles findet!, erzählt die von mir damals schon erwähnte Geschichte der jungen Frau, die in einem israelischen Krankenhaus behandelt wurde und sich dort in die Luft sprengen wollte.
Na, und für die, die es damals nicht gesehen haben, noch mal der Film über das palästinensische Kind.
Also, wo ist unser Herz? Vielleicht sind wir doch nicht so durch und durch schlecht und herzlos? Menschen sind gut und schlecht zugleich, Israelis wie alle anderen auch. Woher kommt der Haß, die Verleumdung, der Unwille, das Gute anzuerkennen, woher dieser ewige Schrei nach Boykott?
Ach, man überzeugt eh nur die Überzeugten…
Ich hoffe, Oktober 10, 2007, 0:31
Posted by Lila in Uncategorized.8 comments
der strahlende Glanz, der mich umgibt, ist auch gebührend aufgefallen. Die Luft um mich herum knistert geradezu vor Nobelpreisen.
Vor drei Jahren waren es zwei Professoren vom Technion, die den Chemie-Nobelpreis bekamen. Na gut, mit dem Technion habe ich nicht genug zu tun, um mir das persönlich an den Jackenaufschlag zu heften - außer daß ich da ein paar Mitarbeiter und Studenten kenne. Aber immerhin: Haifa. Neue Heimat! Na ja, fast. Sie warnen jedenfalls regelmäßig vor den katastrophalen Folgen der ständigen Kürzungen im Erziehungs- und Bildungsbudget. Nicht als ob es hülfe: ab morgen fängt hier wieder ein endloser Lehrerstreik an….
Der diesjährige Physik-Nobelpreis geht an einen Jülicher. Alte Heimat! Als ich klein war, kämpfte ich mit dem Namen des väterlichen Arbeitsplatzes: die Kerschungs-For-Anlage. Inzwischen heißt es Forschungszentrum - wie banal. Die Bauern nannten es “dat Atom”. Ich bin nämlich in einem Land aufgewachsen, in dem die Zuckerrüben im Herbst hohe Berge bilden, kein Vokal an seinem Platz bleibt, selbst die Spatzen auf den Dächern katholisch sind, alle Mütter Lehrerinnen und alle Väter Physikprofessoren sind. Da mußte ja wohl mal an einen ein Nobelpreis abfallen. Ich gratulier auch schön!
Einziger Wermutstropfen: es gibt keine Nobelpreise für Geisteswissenschaften. Herrn Nobel standen die wohl zu fern, und Berthas wohltätiger Einfluß ging nicht weit genug, nun auch noch einen Preis für Historiker zu stiften. Vielleicht dachten sie auch, mit dem Literatur-Preis den Geisteswissenschaften schon genügend zu dienen. Fälschlich, wie ich finde. Denn Literatur-Nobelpreise gehen an schaffende Künstler, nicht an geisteswissenschaftlich Forschende. Es wäre interessant zu sehen, wessen Arbeit da belohnt würde. Zum Verständnis der Welt tragen auch Historiker und andere Geisteswissenschaftler bei. Na ja, so verpassen die Geisteswissenschaften ein jährliches Ereignis, das der Darstellung der Wichtigkeit des eigenen Fachs dient. Schade.
Aber das soll mich nicht verdrießen. Wie schön, Menschen zu sehen, die mit hoher Begabung ausgestattet sind, eigensinning in einem Fachgebiet forschen, das Außenseitern komplett esoterisch zu sein scheint, und dem menschlichen Wissen wichtige, bahnbrechende Impulse geben. Wie schön auch, daß wir in Gesellschaften leben, die diesen Freiraum geben und Forschung unterstützen.
In Ynet Oktober 9, 2007, 20:45
Posted by Lila in Land und Leute.add a comment
Soldiers patrol the scorched and blackened landscape. From atop military trucks and armored personnel carriers, they flash V for victory at stunned journalists.Destruction and death pervade this Palestinian refugee camp. It took three months of intense fighting between army troops and the Fatah Islam terrorists before the group was defeated. Nearly a month after the battle ended, the media finally reported on the toll: 164 soldiers and dozens of militants died, while 47 Palestinian civilians were killed. An additional 310 were injured.
In the aftermath, the United Nations issued a scathing condemnation. The European Union called for restraint in confronting the terrorists. And Palestinian President Mahmoud Abbas threatened to break off all diplomatic contact.
All of the above is true - except for the last paragraph. In reality, no indignant voices have been raised either in the West or in the Middle East over the civilian lives lost in the fighting.
Surprising? It should not be. Nahr al-Bared, the refugee camp where the terrorists were dug in, happens to be located in Lebanon. The army which, in the words of the New York Times, “ringed the camp (to) pound it with artillery and tank shells in prolonged bombardments” was Lebanese. Israel played no role in the confrontation. And that’s why the media coverage is so muted.
Mehr braucht man zum Thema doppelte Maßstäbe eigentlich nicht zu sagen.
Und hat eigentlich jemand von Euch mitgekriegt, daß die Fatah es inzwischen zugegeben hat: die Belagerung der Geburtskirche in Bethlehem, über die die Welt sich so erregt hat, war eine Farce. Eine Inszenierung Pallywoods, des erfolgreichsten kreativen Unternehmens und Exportschlagers der Palästinenser.
“The conspiracy was to make a siege and put all the fighters inside the church so Israel would make the siege. People from the Palestinian Authority collaborated with this conspiracy,” said Eiman Abu Eita, Fatah’s representative in the Bethlehem satellite town of Beit Sahour who at the time of the siege was Beit Sahour’s al-Aqsa Brigades chief.
Eita was speaking in the newly released book, “Schmoozing with Terrorists: From Hollywood to the Holy Land, Jihadists Reveal their Global Plans - to a Jew!” by author and Mideast reporter Aaron Klein.
Aber bei der allgemeinen Empfindlichkeit, was Menschenrechte angeht (außer natürlich, sie werden von China, Rußland oder ähnlich wichtigen Handelspartnern begangen…), wird doch diese Meldung auch in deutschen Medien angekommen sein?
Hamas and Fatah committed “grave breaches” of international law in their brief civil war in the Gaza Strip in June, a Palestinian human rights group said on Tuesday, detailing a series of extra-judicial killings. In a new report, the Palestinian Center for Human Rights (PCHR) said 161 Palestinians, of whom 41 were civilians, were killed during fighting between June 7 and June 14 in which Hamas Islamists took control of the territory from secular Fatah. “The two sides perpetrated grave breaches of the provisions of international law concerning internal armed conflicts, including extra-judicial and willful killings and shooting at combatants and civilians after capturing them,” The PCHR said. In some cases, people were seized by gunmen in their homes and their bodies were later found dumped in remote areas. “The PCHR also documented a number of cases, in which militants executed wounded persons during their evacuation to hospitals,” The 105-page report said, citing testimony from relatives of the dead.At least two people — a Fatah fighter and a Hamas member — were pushed to their deaths from tall buildings, said the PCHR, the leading Palestinian human rights group in the Gaza Strip.
Und eine human interest story über einen Mann aus Haifa, der im Fernsehen eine Dokumentation über die kleine jüdische Gemeinde in Damaskus sah - und seine seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gesehenen Vettern erkannte.
The fact that he cannot contact his cousins weighs heavy on Kamao’s heart. “We don’t contact them on purpose, not out of fear that something will happen to us, but out of fear that they will be harmed. We don’t know what the government’s reaction would be if they knew they were making contact with Jews from Israel,” he said.
Kamao expressed anger at the fact that Israel allows its Druze citizens to cross the border and enter Syria, saying, “If I was a Druze from the Golan Heights, I could go to Damascus, visit my family and safely return to Israel. Nothing would happen to me.
“When talking about family unification and family visits, we must remember that not only the Druze have families in Syria – Jews have families there too, and they also want to stay in touch with them.”
Das stimmt - da diskriminiert der Staat seine jüdischen Bürger. Israelische Drusen können in Damaskus studieren - aber ein aus Syrien eingewanderter Jude seine Familie nicht besuchen. Es wäre aber auch sehr gefährlich, ich glaube nicht, daß die Syrer ihn so einfach reinließen. Auch der Libanon läßt ja offiziell keine Israelis rein, weswegen israelische Geschäftsleute verschiedene Pässe benutzen.
Ich hab noch mehr gefunden, aber das reicht jetzt erst mal.
Mentale Vorbereitung Oktober 9, 2007, 20:20
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute.7 comments
Der Countdown bis zu Primus´ Einberufung nächsten Juni läuft, wie wohl schon alle mitbekommen haben. Er geht zweimal die Woche zu einem Vorbereitungskurs, wo er rennt und liegestützt, er wird von Zeit zu Zeit zu Auswahlgesprächen und Tests eingeladen und diskutiert abends mit uns, was wohl das beste wäre. Wir sind für eine akademisch ausgerichtete Eliteeinheit der Aufklärung, er liebäugelt mehr mit der kernigen Artillerie (zu unserem Entsetzen! Artillerie!! Junge, da wird geschossen!!!)
Mir fällt, seit ich in Israel bin, immer wieder auf, wie wir darauf fixiert sind, die Armee als “unsere Kinder” zu sehen und um jeden Preis zu schützen. Das nimmt absurde Formen an. Über Jahre hinweg wird der Negev mit Qassams beschossen - das finden wir ja alle recht ärgerlich - aber zu einer Demo der Empörten kommt es erst, als Soldaten einer dort gelegenen Basis verletzt werden. Die wütenden “Eltern von Zikim” hätten am liebsten auf der Stelle den Ramatkal in Stücke gerissen. (Da hätte dessen Mutter aber wiederum protestiert!)
Jeder weiß, wie viele Soldaten im letzten Krieg gefallen sind - an die Zivilisten erinnern wir uns auch, ja ja, aber die Soldaten, die Kinder!, haben medial eine größere Rolle gespielt. Nicht etwa, weil Israel so militaristisch wäre. Manchmal glaube ich, genau das Gegenteil. Weil wir das Militär wie ein Kinderzimmer betrachten: da spielen unsere Kinder, und wir müssen auf sie aufpassen.
Die Aktion der Vier Mütter, einer Initiative verwaister Mütter von Soldaten, die Armee aus dem Libanon zu holen, bekam ihre Stoßkraft aus der moralischen Kraft der Mütter. Für nicht ganz bibelfeste Leser: die Vier Mütter beziehen sich natürlich auf die vier Erzmütter aus dem Alten Testament. Und die jüdische Mutter ist ja sowieso sprichwörtlich - wobei man dieses Syndrom in Israel als ima polania bezeichnet, als polnische Mama. “Sei nicht so polnisch” heißt: klage nicht so viel, misch dich nicht dauernd ein, oder auch: mach dir nicht dauernd Sorgen… In der Bezeichnung liegt also eine ganze Welt von Assoziationen.
Auch im Entscheidungsprozeß um die Räumung des Gazastreifens wurde immer wieder vorgebracht, auch von mir: warum sollten dort noch mehr Soldaten sterben? wofür? Und ich sehe voraus, daß dieses Argument auch in einer zukünftigen Räumung der besetzten Gebiete auftauchen wird.
Das ist einerseits ein menschlicher Zug an unserer Gesellschaft: daß wir die Armee nicht als ein Instrument sehen, das wir zur Durchsetzung machtpolitischer Interessen einsetzen, sondern daß wir von der Armeeführung erwarten, unsere Kinder in Uniform nur dann zu gefährden, wenn es nötig ist. Die israelische Öffentlichkeit ist da sehr kritisch, und ein Ramatkal, der den Eindruck erweckt, er setzt das Leben der ihm anvertrauten Soldaten leichtfertig aufs Spiel, kriegt Ärger - Dan Halutz kann ein Liedchen davon singen.
Andererseits führt das auch ein bißchen zu weit. Wenn am Ende aus lauter Sorge, einem Soldaten könnte ein Haar gekrümmt werden, Zivilisten preisgegeben werden, dann schießen wir uns selbst in den Fuß. Dann kann die Armee gleich einpacken. Wenn sie konsequent nach den Grundsätzen und Anweisungen besorgter Mütter und Väter geführt werden soll, dann verkriechen sich die Kinder im Kinderzimmer, und Ruchama, Dalia und ich kümmern uns um die Sicherung unserer Grenzen.
Oder wenigstens wäre es uns am liebsten, wir würden in die Basis gelassen, wo wir uns drum kümmern können, daß die Commander nett zu den Kindern sind, daß sie was Leckeres und Gesundes zu essen haben und genügend Schlaf abbekommen. Ich kann uns förmlich vor mir sehen, wie wir uns durchs Tor schieben und anfangen, uns überall einzumischen. Jeder Offizier, der junge Rekruten ausbildet oder anleitet, kann ein Lied davon singen, daß das Zeitalter der mobilen Telefone auch das Zeitalter der steten mütterlichen Anrufe bedeutet. Im Gegensatz zu mir waren Dalia und Ruhama auch selbst bei der Armee und würden sich schnell zurechtfinden.
Ja selbst in der Aktivität von MachsomWatch, den israelischen Frauen, die auf Einhaltung der Menschenwürde an den Checkpoints achten und dabei die Konfrontation mit den Soldaten nicht scheuen, liegt noch ein Körnchen dieser mütterlich-sorgenden Haltung: die Soldaten sollen erzogen, überwacht werden, nicht in die Falle der Unmenschlichkeit tappen, die sich an solchen Checkpoints bietet. Leider finde ich das Interview nicht mehr, in dem das deutlich zu erkennen war.
Ja, und darum habe ich mit großer innerer Zustimmung den Artikel in der JPost gelesen, der sich mit der Rolle der Soldatenmutter beschäftigt. Wir müssen die Kinder ja auf jeden Fall loslassen, schon wenn wir sie in den Kindergarten oder die Schule schicken, geht die schöne Illusion der 100% von Mama kontrollierten Umgebung in die Brüche. Meine drei Großen lösen sich, freundlich und ohne großen Aufstand, täglich mehr von uns. Das müssen sie ja auch - ich habe sie ja dazu erzogen, selbst Verantwortung zu übernehmen.
Aber der Schnitt zur Armee wird eisenhart, das weiß ich, und mit nichts anderem vergleichbar. Darum sind Dalia, Ruhama und ich, deren Söhne innerhalb weniger Monate nacheinander geboren wurden, seit dem Babyhaus in einem Boot. Für Dalia und Ruhama ist es der jeweils vierte Sohn, sie haben alle anderen Kinder schon durch die Armee geschleust. Nein, Ruhamas Dritter ist Fallschirmjäger, der Junge, der Y.s rotes Barett bekommen hat und vor ihm strammgestanden hat. (Er hat, mit Y.s Erlaubnis, das Barett weitergegeben, als er Offizier wurde - eine Ehre). Er wird nächstes Jahr entlassen, wenn sein jüngster Bruder eingezogen wird. Aber Dalia und Ruhama haben mir schon versprochen, daß es anstrengend wird. Dalia meint, “wenn du einen Sohn bei der Armee hat, schläfst du drei Jahre nicht. Ich habe immer das Radio angestellt gehabt, immer”.
Auch um Mädchen sorgt man sich. Ich denke noch nicht an die Mädchen, weil ich erstmal die Jungens wegschicken muß. Wie es mir geht, wenn ich erst mal mein mageres, oft so krankes Häseken oder gar meine Jüngste in Uniform sehe - an gefährlichen Orten, mit Waffe - daran mag ich nun gar nicht denken. Wenn sie lieber was anderes machen wollen, haben sie meine volle Unterstützung. Aber Gott sei Dank, das ist noch länger hin. Vielleicht haben wir ja bis dahin Frieden… äääh…
Seit ich in Israel bin, ist immer jemand aus der Familie bei der Armee, im regulären Dienst, gewesen. Y.s kleiner Bruder war glaube ich der erste, bei dem ich die Transformation vom Schüler zum Soldaten beobachten konnte. Die Kinder, die ich in meinem ersten Jahr im Kibbuz aufs Töpfchen gesetzt habe, sind entweder Offiziere oder aus der Armee wieder raus. Sämtliche Vettern und Cousinen, Nichten und Neffen - alle, alle bis auf eine Rebellin, die aus Gewissensgründen verweigert hat, waren bei der Armee, die meisten von ihnen Offizierslaufbahn. Dabei ist die Familie kein bißchen zackig angehaucht, wie man vielleicht bei einer solchen Häufung von Offizieren denken sollte.
Die Männer der Familie greifen selbstverständlich nach dem Familienfest zu Schrubber und Aufnehmer und wischen den Boden. Sie machen alle eher den Eindruck von post-feministischen Frauenverstehern, auch die Generation der Schwiegereltern. Irgendwie eine kaum zu vermittelnde Mischung von Weichheit und Härte, bei Männern und Frauen. Sie lassen weder ihr Gewissen noch ihre Verletzlichkeit zuhause, wenn sie bei der Armee sind. Sie sind allesamt Mundaufmacher und Protestierer, wenn ihnen was nicht gefällt. So arbeiten sie sich bis in die höheren Ränge vor. Auch die jüngste Cousine, die bei der Luftwaffe ist, denkt an einen Offizierskurs.
Ob diese Mentalität auch in anderen Armeen verbreitet ist, besonders bei Offizieren? Ich kenne so viele israelische Offiziere, Männer und Frauen, Kibbuzniks und Städter und Moshavniks, und keiner von ihnen ähnelte der Karikatur der eiskalten Kampfmaschine, die man im Fernsehen in israelischer Uniform sieht, auch nur im Geringsten. Nun, vielleicht wird es Primus ja gar nicht so schwerfallen, der Übergang.
Ich setze noch mal, obwohl ich es schon mal getan habe, den Clip von Harel Moyal rein, Emtza halaila bakvar, Mitten in der Nacht im Dorf. Nicht wegen der Soldaten - wegen der Eltern. (Wer die Zeichen nicht lesen kann: sie sind religiös und würden am Shabat, wenn die Kerzen brennen, niemals den Fernseher einschalten.)
Ich stecke also mitten in der mentalen Vorbereitung. Ich habe es vielleicht immer leicht im Leben gehabt - denn ich habe das Gefühl, ich habe noch nie etwas Schwierigeres gemacht. Tut mir auch leid, wenn solche Posts nun öfter auftauchen - haltet mir eben entweder das Händchen oder überlest es ![]()
In der ZEIT zu lesen Oktober 9, 2007, 10:26
Posted by Lila in Uncategorized.20 comments
Auf die Schnelle: ein kurzer Artikel zur Frage, was tun mit Spielern, die Israel boykottieren? (Wir werden ja jetzt schon so oft boykottiert oder ausgeschlossen - wenn das jetzt gesellschaftsfähig wird, können wir wirklich unter uns bleiben und Gummitwist spielen…) Das Absurde der ganzen Geschichte wird einem beim letzten Satz klar:
Im israelischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie, Kultur und Sport wurde die Personalie erst durch eine Anfrage des Tagesspiegels bekannt. “Er macht einen Fehler. Er täte besser daran, zu kommen, sich umzusehen und so das, was er als Gegenseite begreift, kennen und verstehen zu lernen”, sagte ein Sprecher von Minister Raleb Madschadele. Madschadele steht für grenzüberschreitende Offenheit. Er ist der erste islamisch-arabische Minister in der Geschichte des jüdischen Staates.
Soviel für die Deutschen, die es gerechtfertigt finden, unseren “Apartheidsstaat” zu boykottieren….
Ich habe das Thema übrigens gestern schon in einem Kommentarstrang erwähnt, den vielleicht nicht alle mitgelesen haben. Für das Argument, daß die Familie im Iran bedroht ist, habe ich Verständnis - obwohl das natürlich die, die mit dem Iran sympathisieren, schon aufhorchen lassen sollte. Es spricht nicht für die Zustände dort.
Aber “politische” Gründe sind nichts weiter als reine Hetze und Ideologie. Die Beziehungen zwischen Israel und dem Iran waren bis 1979 gut bis ausgezeichnet. Es ist der Islamismus, der Israel als Feind sieht - in der Geschichte beider Völker gibt es keine Gründe dafür, nichts, was wir den Iranern “weggenommen” oder “angetan” hätten.
Und ein längerer zum Thema Terrorismus verstehen. Das Beispiel der englischen Medien ist ganz aufschlußreich, finde ich. Die BBC hat nicht mal Probleme damit, ihren anti-westlichen Kurs zuzugeben und als eine Art Robin-Hood-Haltung zu verklären. Ähnliche Denkmuster (der Westen ist es selbst schuld, die Gefahr des islamistischen Terrors wird aufgebauscht, die Amerikaner sind es selbst schuld, wir sollten uns von Israel distanzieren, dann kann uns nichts passieren…) höre und lese ich auch in deutschen Medien und in Gesprächen mit Deutschen. Es ist nicht die Mehrheit, das stimmt, und insgesamt halte ich Deutschland für lernfähiger als das Publikum in den UK, wo ja Anti-Israel-Haltungen immer schon schick waren.
Kaum ein Künstler oder Intellektueller, der sich nicht gegen Israel geäußert hat oder engagiert hat. Und mit dem extremen Islam kokettieren oder kooperieren Deutsche wohl insgesamt weniger. (Wobei ich nicht einem Generalverdacht gegen Moslems das Wort rede! Ich sage mit Absicht EXTREMER Islam oder Islamismus. Der Unterschied ist wichtig.) Aber Krönigk meint, daß sich auf der Insel manches eher abspielt als auf dem Kontinent und sie darum ein gutes Lehrstück bietet. Ein erschreckendes.
Wohin das führen wird? Nun, wir werden es sehen.
Gemischte Neuigkeiten - Channel 2, Ynet und ZEIT Oktober 7, 2007, 21:41
Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.3 comments
Die Nachbarn aus Gaza haben heute eine Grad-Rakete abgefeuert, damit kommen sie weiter - bis Netivot. Sie peilen auch Ofakim an, Ashqelon. Eine Grad richtet auch mehr Schaden an. In Kibbuz Kerem Shalom sind acht Mörsergranaten gefallen, wie jeden Tag. Normalerweise wird auch bei uns darüber gar nicht geredet.
Ja ja, wir können bis die Kühe nach Hause kommen mit Abu Mazen verhandeln, im Vorfeld des Gipfels schon Versprechungen und Andeutungen machen…… glaubt jemand, daß das die Katyushas, Qassams und Grads verhindern kann? Da lachen sich die Hamasniks aber kaputt.
In der ZEIT war heute ein Artikel über die Soldaten des Zweiten Libanonkriegs. Ich kenne natürlich selbst jede Menge solcher jungen Männer, auch Frauen (die im Artikel nicht vorkommen). Das Trauma, der Einbruch der feindlichen Umwelt, die sonst im Fernsehen stattfindet, ins eigene Leben. Wir erziehen unsere Jugendlichen (natürlich nicht in jeder Bevölkerungsgruppe gleich) insgesamt wie die ganze westliche Welt: MP4-Player, Internet, Tokyo Hotel-Konzerte, Schule, Sport, Reisen, Sprachen, der Versuch einer gewissen Weltläufigkeit. Man mag den Hedonismus oder die Oberflächlichkeit beklagen, in die unsere Jugend reinwächst und die sie gar nicht selbst erschaffen hat - ich persönlich finde junge Leute unter 20 viel anregender als uns, mit ihrer kompromißlosen Kritik und ihren wilden Ideen.
Diese Art Erziehung bereitet natürlich unsere Jugend nicht auf den Einsatz im Krieg vor. Das ist unsere Stärke, daß wir eine westliche, zivile Gesellschaft haben, trotz der allgegenwärtigen Soldaten überall. Daß wir nicht mit monolithischen Feindbildern leben, unsere Medien kritisch sind und der Diskurs laut und lebhaft. Daraus erwächst Kreativität, die sich ja immer wieder zeigt - ich kriege selbst vieles nicht mit, erst durch den Rundbrief von ILI… Ich glaube auch, daß wir letztendlich deswegen überleben werden - WENN wir überleben.
Aber für den einzelnen, jungen Studenten, der seine Freunde sterben sieht, ist der Schock groß. Ich kenne mehrere junge Männer mit “helem krav”, shell shock. Mir scheint, die in der ZEIT interviewten jungen Männer zeigen verschiedene Symptome. Die Tragödie ist, daß wir uns diesen Konflikt nicht ausgesucht haben, daß er uns jeden Tag seit Gründung des Staats und schon vorher aufs Auge gedrückt wird. Unsere Soldaten gehen da rein mit dem Gefühl “ein brera”, wir haben keine Wahl.
Beim Lesen der Leserkommentare in der ZEIT kommen einem natürlich die grünen Gruselpocken am ganzen Körper incl. Fußsohlen. Die Feindseligkeit, die aus manchen Leuten ausbricht, ei ei ei. Sie sind nicht imstande, sich dem Artikel zu widmen, sie kommen mit ihrer Haudrauf-Argumentation. Seltsames Phänomen, das mir in allen Talkbacks auffällt.
Nur wenn es um das Thema Alimentenzahlungen und Sorgerecht geht, ereifern sich Leser ähnlich giftig. Vermutlich sind es immer dieselben Verdächtigen, die sich da äußern. Ich hab die Kommentarseite nicht bis zu Ende gelesen. Aber es scheint manchen Leuten einfach nicht klar zu sein, daß die Gründung des Staats Israel fair war und kein Verbrechen, daß im Nahen Osten genügend Platz sein sollte für uns alle, und daß die Aggression eindeutig von einer Seite ausgeht. Die einen dürsten nach Kampf und Auseinandesetzung, die anderen sehnen sich nach Frieden. Die einen sehen dem Sterben in ekstatischem Stolz zu, die anderen wollen leben und trauern um jedes unersetzliche Menschenleben. Das dringt irgendwie nicht durch.
Auch wenn die Autoren das nicht beabsichtigt haben, hat mir dieser Artikel die ganze Tragödie des israelischen Friedenswunsches vor Augen geführt, und die Unmöglichkeit, Frieden zu erreichen. Ich hoffe sehr, im letzten Punkt irre ich mich.
Und in Ynet: wieder ein Christ ermordet im Gazastreifen. Hört Ihr von sowas in Deutschland? Wohin soll das führen, der Kampf des extremistischen Islam gegen andere Religionen oder moderate Angehörige der eigenen Religion?
Und außerdem: während der Feiertage sind sieben Selbstmordanschläge verhindert worden. Mauer, Checkpoints - die deutschen Bischöfe erinnert das an das Warschauer Ghetto. Ich kann mich nicht erinnern, daß die polnischen Juden Selbstmordattentate verübt hätten - aber vielleicht wissen die Bischöfe ja etwas, das ich nicht weiß?
Oh, und meine Kinder, die Großen, freuen sich: Streik! Streik! Lehrerstreik! Und er wird lang diesmal. Verrückte Welt.
Pet peeve Oktober 7, 2007, 18:31
Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis, Rat und Tat, Uncategorized.14 comments
Endlich ein Buch (von der Linguistin Deborah Cameron), das den immer wieder zitierten BS von den genetischen Unterschieden in der Kommunikation von Männern und Frauen entzaubert. So bequem es ist, wenn jedes Geschlecht sich seufzend in seine Ecke zurückzieht, der Mann mit der Bohrmaschine und sein Frauchen mit dem Telefonhörer - so zerstörerisch wirken sich diese Mythen des Alltagslebens auf Beziehungen auf. Denn man braucht sich dann gar keine Mühe zu geben, den zottigen Kerl mit der Bohrmaschine zu überzeugen. Der weiß ja sowieso, daß wir unberechenbare Plappermäulchen sind. Steht ja bei Gray.
Ich habe tatsächlich schon Leute getroffen, die diese Bücher richtig ernstnehmen und sogar in Diskussionen zitieren. Natürlich habe ich, als ich so ein Buch geschenkt gekriegt habe, es auch gelesen - allein schon, um mich so richtig herzlich zu ärgern.
Dabei macht mich besonders nervös, wie einfach es sich die Schreiber machen. Sie schildern unsere prähistorischen Vorfahren als Fred und Wilma Feuerstein: er jagt und brummt und kämpft, sie hält die Höhle in Ordnung, wickelt die Kinder in Pelze und sammelt quasselnd mit ihren Freundinnen Beeren und Pilze. Ergo ist Frau Sammlerin, Mann Jäger.
Ein wunderbarer Zirkelschluß. Da unsere Vorfahren so rücksichtsvoll waren, keinerlei schriftlichen Dokumente zu hinterlassen, tobt sich die menschliche Phantasie an den Überresten aus. Niemand weiß genau, ob in der Urhorde nicht auch die Frauen jagten und die Männer sammelten. Obwohl in allen Prähistorischen Museen und Buchillustrationen der höhlenzeichnende Mann und die im Kochtopf rührende Frau gezeigt werden, spiegeln diese Rekonstruktionen nichts anderes wider als die Realität, die ihre Erschaffer im Kopf hatten.
Sich auf diese Projektionen zu berufen, um heutige Kommunikationsmuster damit zu erklären, ist mehr als gewagt. Wir würden das in Bezug auf menschliche Gesellschaften nicht mehr durchgehen lassen, glaube ich. Aber wenn es um Männer und Frauen geht, wo wir ja alle einen Hausschatz von Dönekens zur Verfügung haben, greifen wir gern auf so schlichte Erklärungen zurück. Aber stimmt es?
Great sheaves of academic papers, says Cameron, show that the language skills of men and women are almost identical. Indeed, the central tenets of the Mars and Venus culture – that women talk more than men, that men are more direct, that women are more verbally skilled – can all be debunked by scientific research. A recent study in the American journal Science, for instance, found men and women speak almost exactly the same number of words a day: 16,000.
Warum also, wenn die Fakten so sind, werden diese Erklärungen trotzdem gern geglaubt? Es ist leichter, meint Cameron, Konflikte auf Kommunikationsprobleme zurückzuführen als auf echte Probleme, die man dann lösen muß. Oder man müßte akzeptieren, daß man sich nicht einig ist. Da haben Venus-Mars-Theorien etwas Beruhigendes.
“There has been a revolution in gender politics – there is much more blurring between the roles of men and women – and I think a lot of men and women are uneasy about that. Books like Mars and Venus tell us that although men and women may be very similar on the outside, we are profoundly different on a deeper level – that we’re ‘hard-wired’ differently.”
Also, es lohnt sich vielleicht, diesen Artikel zu lesen, auch wenn man Camerons Buch nicht lesen mag, wenn man, wie ich, von diesen Theorien die Nase voll hat, die die Welt so einfach und unveränderlich und übersichtlich machen.
Oh, der Kerl mit der Keule kommt wieder, ich muß das erlegte Zebra kochen und ihm den Pelz lausen…
Scharf und schärfer Oktober 7, 2007, 16:50
Posted by Lila in Land und Leute.15 comments
werden die Bilder in Google Earth. In den israelischen Medien wurde mit Besorgnis auf das neue Update von Google Earth reagiert, das wesentlich höher aufgelöste Bilder zeigt als bisher. Vorher sah eigentlich unsere Gegend aus wie das Innere eines grünen Darms, und der Süden wie das Innere eines gelben Darms. Man konnte nicht viel erkennen. Jetzt sind die Bilder schärfer. Wenn wir auch noch so gern mit Überraschung auf das kleine Buckelchen in Dimona blicken würden (Braatmaalfräschä? düüüü gübt es hür nücht!)… ja wer hat denn da ein Kino-Multiplex in Form eines Reaktors in die Wüste gesetzt?… das geht jetzt nicht mehr.
Ich halte aber das abgrundtiefe Entsetzen dieses Artikels für wirklich naiv (oder eine besonders raffinierte Irreführung von Terroristen, die davon abgehalten werden sollen, sich noch schärfere Bilder zu besorgen…). Als ob es nicht vor Satelliten da oben wimmelte, die uns schon längst viel schärfer photographiert haben als Google Earth - und nicht alle Satelliten sind israelische Satelliten, sondern es sind auch welche dabei, deren Besitzer uns nicht freundlich gesonnen sind. Ich glaube, wer wirklich wissen will, welche Farbe die Socken des Verteidigungsministers haben und wo militärisch sensible Einrichtungen sind, der hat schon längst Quellen dafür gehabt.
Und welchen strategischen Zwecken Israels Zweideutigkeit zum Thema Nuklearwaffen dient, ist schon oft genug diskutiert worden. Ob unsere Regierung Atomwaffenbesitz zugibt oder bestreitet - politischer Fallout ist auf jeden Fall die Folge. Deswegen tut sie so, als wüßte sie selbst nicht, was sie nun eigentlich hat. Aber hat wirklich jemand in Israel geglaubt, daß sich jetzt die Welt überrascht anguckt und ausruft: Walla! Also bitte…
Das Internet bietet heutzutage Terroristen jeden Service, den sie brauchen. Wo habe ich noch mal gelesen, daß die Anschläge vom 11.9. gewissermaßen zusammengegoogelt wurden? Im Internet ist jede Menge Information unterwegs. Terroristen benutzen das Internet, um ihre Botschaft zu verbreiten, neue Anhänger zu rekrutieren, Informationen auszutauschen und zu beschaffen. Sie brauchten nicht auf Google Earth zu warten. Abgesehen davon gibt es auch klassiche Spionagemethoden. Google Earth gibt vielleicht jetzt umsonst Zugang zu Informationen, die uns verletzlicher machen. Aber auch Google Earth ist nicht Echtzeit. Die Aufnahmen sind mindestens ein Jahr alt, vermutlich älter, zumindest den Baustellen nach zu schätzen, die ich identifizieren kann - unsere Kläranlage!
Man sieht sogar unser Haus, den Garten. Vorher konnte ich im Garten meiner Mutter den Gartenschirm und vorm Haus das rote Auto erkennen. Aber bei uns nichts - bis jetzt. Es gibt auch kleine Pannen. In der Nähe von Tivon ist eine amüsante Nahtstelle, wo zwei Bilder nicht genau zusammenpassen. Die Straße nach Haifa scheint zu hüpfen. Ein nettes Spielzeug.
We must understand that terms such as “ambiguity” and “state secrets” are being gradually eroded as a result of technological leaps.
All that is left for us to do is internalize the fact that we are transparent and take it into consideration when we undertake any kind of military activity. Just like we got used to the fact that cellular phones are one of the major means for leaking information, we must get used to the notion that the most secret facilities are no longer that secret – and conduct ourselves accordingly.
Aber ja. Wann wurde der Sputnik I ins All geschossen? Ist schon ein paar Jahre her. Boker tov, würde ich sagen… und ich bin überhaupt nicht besorgt. Verglichen mit militärischen Satellitenaufnahmen ist Google Earth nämlich nach wie vor ein Spielzeug für Amateure. Was der Artikel also verbreitet, nennt man hier Panika! Panika!
Und dann ist es ja auch so, daß der Schuh auch am anderen Fuß paßt. Wer mein Haus sehen kann, dessen Haus kann ich auch sehen. Ätschi!
Und ich glaube irgendwie nicht, daß sich unsere Armee mit Informationen aus Google Earth behelfen muß….
Und wo ist er heute? Oktober 7, 2007, 15:35
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute.4 comments
Fragen über Fragen Oktober 6, 2007, 17:31
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.13 comments
Mama, glaubt du an Gott? Glaubst du, daß Gott alles erschaffen hat? Nu und wer hat dann Gott erschaffen? Soll etwa vorher alles durchsichtig gewesen sein? Und wenn nun einfach jemand Gott erfunden hat und hat es den anderen erzählt? Warum sagt man DER liebe Gott - warum ist Gott ein Mann? Wenn ich sage, Gott, mach, daß ich heute einen guten Tag habe, warum habe ich dann manchmal trotzdem einen blöden Tag? Vielleicht mag Gott mich nicht, weil ich ein Mädchen bin? Wäre Gott nicht netter, wenn er ein Mädchen wäre? Mama, hat es Jesus wirklich gegeben? Und woher weiß man, daß er es wirklich war? Und woher weiß man, daß es mal Drachen gegeben hat? und Dinosaurier? Ach so, wegen der Fossilien…. aber Drachen? Und woher weiß man, daß Hitler wirklich Hitler war und nicht vielleicht jemand anders? Wie hat man ihn erkannt? Ich wußte doch selbst nicht, wie Hitler aussieht, bis ich den Clip von Linkin Park gesehen habe.
Ich hab meine Antworten mit Absicht weggelassen, sie sind nicht interessant, verglichen mit den Fragen, die sie eine nach der anderen auf mich abfeuert. Oh meine Quarta.
(Oh, und der Clip ist natürlich genial. Damit eröffne ich dieses Jahr einen Kurs über visuelle Kultur und visuelle Botschaften.)
Nach den Ferien… Oktober 5, 2007, 23:12
Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis, Land und Leute.3 comments
…ist vor den Ferien, heißt hier die Devise. Nach den Sommerferien fängt am 1. September die Schule wieder an - in ganz Israel, wir haben ja keine Bundesländer, sind ja selbst kaum eins!, und wir haben keine Bayern, die uns immer die besten Ferientermine wegschnappen! (Ich hab Cousinen in Bayern, da hört man den Neid aus Kinderzeiten noch raus….) Oft verlängern die Lehrer die Ferien durch einen Streik. Ich werde nie vergessen, wie enttäuscht Secundus damals war, als er in die Schule kommen sollte, und ein endloser Lehrerstreik verzögerte den Schulanfang! Jeden Morgen hörten wir Radio, nun, fängt die Schule endlich an? Bittere Enttäuschung, wenn es hieß: sie streiken noch.
Aber dann, nach Schulanfang, folgen Rosh haShana, Yom Kippur, das Laubhüttenfest. Zwischendurch ist immer ein paar Tage Schule, dann wieder frei. Ein paar Tage Schule, wieder frei. Sukkot, also das Laubhüttefest, hat den Kindern zehn Tage Ferien beschert. Aber ab Sonntag ist wieder Schule - bis Chanukka, tfu tfu tfu.
Das heißt, wenn die Lehrer nicht schon wieder streiken. Sie haben es angedroht. So hieß es zumindest in den Nachrichten.
Die Nachrichten haben wir heute aber nicht geguckt. Es reichten uns die Schlagzeilen - Al Quds-Tag, flammende Reden in Teheran und Beirut. Man könnte geradezu megalomanisch werden, wenn man hört, wie Ahmedinijad und Nasrallah alles, aber auch alles auf die Existenz dieses Micker-Staats zurückführen. Wir haben uns das nicht angehört. Vielleicht sollte man diesen Reden auch gar nicht so viel Beachtung schenken, ich weiß es nicht. (Zu dem Thema BBC, Kölner Stadtanzeiger.)
Die Rede Vitriol zu nennen wäre noch geschmeichelt…
Der Präsident wiederholte zudem seine Forderung, Israel aus dem Nahen Osten zu verlegen. “Die Europäer wollen die zionistische Herrschaft in ihrer eigenen Region nicht ertragen, aber dem Nahen Osten aufzwingen. Gebt ihnen das weite Land von Kanada und Alaska, damit sie sich dort ansiedeln können.”
Na, die Kanadier würden sich bedanken für die zionistische Herrschaft…
“Iran will nur sein Recht im Einklang mit international anerkannten Regeln und als aktives Mitglied der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) wahrnehmen”, sagte er am Freitag in Teheran. “Aus unserer Sicht ist das Atomdossier geschlossen und wir sind nicht bereit, unser unwiderrufliches Recht zur Diskussion zu stellen.”
Immer die gleichzeitige Nennung des zionistischen Geschwürs und des Atomprogramms… Bin ich die einzige, der sich da immer eine geschmacklose Assziation aufdrängt: vielleicht plant er ja, dieses bösartige Gewächs mittels Bestrahlung zu vernichten?
Oh, und ich finde beim Zeitungs-Blättern noch das Dokument von Abbas und Olmert (nicht mehr taufrisch, von vor drei Wochen - im Rahmen der Vorbereitungen für diesen Gipfel im November) (zum heutigen Treffen: hier). Es klingt prima. Das einzige, winzige Problemchen ist, daß beide inzwischen so wenig Autorität haben, daß sie vermutlich nicht mal eine Erhöhung der Hundesteuer durchdrücken könnten, geschweige denn ein Abkommen über so heikle Fragen. Nun, ich kann mich auch irren. Vielleicht, weil sie gerade beide in einer so prekären innenpolitische Lage sind und beides alte Füchse, vielleicht können sie ja was auf die Beine stellen. Aber daß die grundlegende Bereitschaft wenigstens verbal proklamiert wird, ist ja schon mal was.
Der Inhalt des vorliegenden Dokuments stimmt mit schon früher bekannten Zitaten und Absichtserklärungen beider Seiten überein. Die auf Hebräisch verfasste Erklärung hat acht Punkte: Danach will Israel seine Besatzung des Westjordanlands „in einer bestimmten Zeitperiode schrittweise beenden und israelische Siedlungen evakuieren“. Jedes evakuierte Gebiet werde der palästinensischen Autonomiebehörde übergeben, soweit dort Recht und Ordnung herrschten. Sobald Recht und Ordnung auch im Gazastreifen errichtet seien, werde ein Prozess beginnen, durch den Israel „Westjordanland und Gazastreifen als eine politische Einheit“ sehen könne.
Weiter stellt dieses Dokument fest: „Beide Seiten erklären den Konflikt für beendet und sind darauf aus, die breite Unterstützung dafür zu gewinnen“ und alles dafür zu tun, um „jeden Aspekt von Terrorismus und Gewalt von jeder Seite“ zu bekämpfen.
Komisch. Beim Schreiben fällt mir auf, daß sowohl Ahmedinijad-Nasrallah als auch Abbas-Olmert Worte von sich geben. Nichts als Worte. Welche Worte in Taten umgesetzt werden, weiß man noch nicht… man kann nur hoffen, daß es die richtigen sind. Wie selektiv man doch liest. “Nu, das sind nur Worte.” “Oha, immerhin schon Worte.”
So, und morgen ist Shabat. Abends habe ich wieder die Familie hier, und dann geht der Streß wieder richtig los…
PS: Lesenswert: ein Kommentar in der JPost über die Versuchung, A. nicht ernst zu nehmen. Auch und gerade für Europäer, auf die er ja abzielt, interessant. Ein paar weithin unterschätzte Tatsachen über die Rolle bzw negative Rolle des Holocaust bei der Gründung des Staats Israel und über die Rolle der Araber bei der Vernichtung der Juden. Damit man A.s Version der Geschichte (schuldlose, friedliebende Araber bekommen landräuberische Juden aufs Auge gedrückt, weil Europa nach dem Holocaust schlechtes Gewissen hatten) nicht einfach so glaubt. Ich weiß, es gibt auch in Europa genügend Leute, die das glauben. Es widerspricht aber der historischen Wahrheit. In dieselbe Schublade gehört der Europa entlastende Vorwurf, daß in Israel die Bestialität der Nazis wieder aufgelebt sei. Also, vielleicht macht sich ja jemand die Mühe und liest es.
PPS: Und noch ein Kommentar zu A.s Besuch in Columbia, von einem Alumnus.
Ein Bild Oktober 4, 2007, 11:14
Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.25 comments
Auch wer nicht im Kommentarstrang, dem unendlichen, mitliest, interessiert sich vielleicht für dieses Bild oder hat es im SpiegelOnline vor ein paar Tagen gesehen.
Es stand einen Tag lang auf der Titelseite, als Teaser für den Artikel über den Kriegsphotographen Ziv Koren - der Artikel war interessant. Koren stellt wohl gerade in Berlin aus.
Aber es wird wohl wieder mal mein Bête Noire gewesen sein, der Redaktionsknecht, der den Text dazu verbrochen hat.
Februar 2003. Ein Kind stellt sich mit seiner Spielzeugpistole neben israelische Soldaten, die während einer formellen Zeremonie des Armeekorps Herev Druz in Reihe stehen.
Alles richtig. Nur einen winzigen Umstand haben sie nicht dazugeschrieben: es sind drusische israelische Soldaten. Und in der drusischen Gesellschaft sind Waffenstolz und ein gewisses Machogehabe wesentlich verbreiteter als in der israelischen Mainstream-Gesellschaft.
Ohne Zweifel wird man auch Bilder von jüdischen kleinen Jungens finden, die stolz mit Waffen posieren, auf Panzer klettern oder Jeeps. Aber es hätte vielleicht doch zur journalistischen Sorgfaltspflicht gehört, zu erklären, daß dieses Bild in einen bestimmten Kontext gehört. Ich erkenne ihn natürlich auf den ersten Blick - nicht nur daß der kleine Junge sehr drusisch aussieht, im Hintergrund stehen die Männer in ihrer traditionellen dunkelblauen Kleidung mit weißen Kaffiyehs.
Ich finde beim Blättern in Bildern zwei Photos, die die Situation der Drusen im Nahen Osten ganz gut beleuchten.
Die Drusen im Golan halten sich zu Syrien, entweder aus Überzeugung oder weil sie glauben, daß es vorsichtigerweise besser so ist - wenn die Golanhöhen nämlich an Syrien zurückgehen (when or if…), ist es wohl besser, Loyalität zu Syrien nachweisen zu können. Da Israel eine Demokratie ist, darf man dort ungestört für Syrien demonstrieren, hingegen würde Assad wohl eher ungern Bilder von Olmert sehen (who would?).

Drusen aus den Golanhöhen bei einer Sympathiebekundung für Syrien
Hingegen haben die Carmeldrusen nicht zu erwarten, daß sie einem anderen Regime zugeschlagen werden. Daher erfüllen sie ihren historischen Bund mit den Juden, ebenfalls aus pragmatischen Gründen, mit Militärdienst und sind stolz darauf.

Begräbnis eines drusischen Soldaten im Carmel-Gebirge
Das versteckt sich also ein bißchen hinter dem Bild von Ziv Koren. Ich weiß, im Artikel war dafür kein Platz, und vielleicht war es nicht beabsichtigt, daß der Leser, dem diese subtilen Zusammenhänge unbekannt sind, beim Lesen denkt, “diese Israelis sind aber auch SO militant!” oder was auch immer. Aber wer hier mitliest, interssiert sich vielleicht doch für diese kleine Hintergrundinformation.
(Schade, mit Alt-Rungholt ist die Geschichte meines drusischen Kollegen und Freunds versunken - der in die vor Männlichkeit nur so krachende drusische Form nicht gepaßt hat, bei der Armee nur gelitten hat, weder früh heiraten noch ein Haus kaufen wollte - statt dessen nach einem Besuch im Louvre beschloß, Kunstgeschichte zu studieren - und der heute in Europa lebt. Er ist aus der drusischen Gesellschaft in die jüdische, dann in die europäische geflohen - schade, daß diese Post weg ist!)
Deutschland von außen Oktober 3, 2007, 9:48
Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.50 comments
Hat nicht beim Chat jemand gefragt, wie Deutschland in den israelischen Medien wahrgenomen wird? Aus verständlichen Gründen liegt das Augenmerk besonders auf fremdenfeindlichen und rassistischen Ausschreitungen.
Some 500 racist attacks were registered in Germany over the past year, a 33 percent increase from the previous year. Most of the incidents took place in former East Germany. Since the reunification, 130 racist murders have been registered, more than a fifth of them in Berlin and the state of Brandenburg. At the same time, radical right-wing and neo-Nazi parties in east Germany have increased their power and entered local parliaments, while opinion polls are reflecting growing xenophobia.
Der Artikel ist kurz, bemüht sich aber trotzdem um Erklärungen für diese Entwicklungen. Keine angenehme Lektüre, weder für Exil- noch Inlandsdeutsche.
Da man ansonsten von innerdeutschen Nachrichten nichts (nein, der Lokführerstreik war hier kein Thema…) und von international-deutschen Nachrichten wenig mitkriegt, wenn man nicht gerade deutsche Zeitungen liest, sieht so das Bild Deutschlands in israelischen Zeitungsleser-Augen aus. Nun kann man sagen, das ist unfair und verzerrt. Wenn man nur alle vier Monate was über Deutschland liest und dann jedesmal anläßlich eines Ausländermords oder einer rassistischen Gewalttat oder eines Siegs einer neo-NS-Partei bei irgendwelchen Wahlen - was weiß man dann über Deutschland?
Ja, und umgekehrt funktioniert das genauso. Wenn in deutschen Medien Israel nur im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt vorkommt, verzerrt das eben die Wahrnehmung. Obwohl wegen des unproportional großen Interesses der Welt an unserem kleinen Land auch der Katsav-Skandal und die Wahl Peres´ zum Präsidenten Erwähnung fanden.
Aber trotzdem, ich weiß auch nicht, wie sich so Dinge wie “Nachrichtenwert” entscheiden. Ich bin da auch selbst nicht konsequent. Einerseits finde ich, die Konzentration auf Konflikte, Gewalt, politischen Sprengstoff oder echten, reduziert die Welt auf ein Polizist-und-Krokodil-Szenario (wobei jeder die Rollen jeweils anders verteilt). Andererseits finde ich auch oft die starke Aufmerksamkeit auf rein symbolische oder äußerliche Vorgänge oder banale Ereignisse störend, wenn die dahinter liegenden Sachverhalte unerwähnt bleiben oder unwichtig werden. Dann wird der Sack gehauen, der Esel erscheint unwichtig.
Worauf soll man sich also konzentrieren: auf die großen, spektakulären, konfliktgeladenen Dinge? auf die kleinen, alltäglichen, zivilen? Beides zusammen? Mal so, mal so?
Es ist also nicht leicht für Journalisten, das gebe ich zu. Für Blogger ist es einfacher, weil wir gar nicht erst so tun müssen, als wären wir objektiv (wobei schon die Auswahl, WAS Nachricht wird oder Reportage, nicht objektiv ist - nicht objektiv sein KANN). Es ist auch einfacher, weil Blogger auch bloggen, wenn mal gerade nichts passiert.
Aber da ist immer noch die Sprachbarriere. So vielfältig und interessant das bloggende Bild Deutschlands sein mag - solange man Deutsch braucht, um deutsche Blogs zu lesen, dringt es nicht weit über die Grenzen des deutschsprachigen Raums. Das ist schade, nicht nur im Falle Deutschlands. Vielleicht kriegt Babelfish ja irgendwann mal Flügel..
Deutsche Leser, saget an: wie deutlich wirkt sich diese Fremdenfeindlichkeit, diese Gefährdung ausländisch aussehender Menschen auf Euer Leben aus? Merkt Ihr was davon? Ist das ein Thema? Oder ist es ein Medien-Phänomen, das mit Euch nichts zu tun hat? Ich frage das, weil ich es wirklich wissen will.




