Blödsinnig Oktober 11, 2007, 9:04
Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis, Kibbutz, Kinder, Katzen.45 comments
Wann wird das Thema Mutterschaft (sieht ohne -t auch prima aus!) mal ohne das Tremolo in der Stimme abgehandelt?
Aber Hitler zum Trotz sei gesagt: Warum soll die Kindererziehung, die schwerste Arbeit, die in der Gesellschaft verrichtet wird, nicht wieder hochgehalten und geehrt werden?
So schreibt eine Juristin namens Tönnies in der FAZ, in einem Artikel, der von Blödsinn nur so wimmelt, aber ich bin mal gnädig (hab auch gar keine Zeit!) und picke mir nur diesen Satz raus.
Die schwerste Arbeit, die in der Gesellschaft verrichtet wird? Oha. Welch Superlativ. Ich glaube nicht, daß die mütterliche Kindererziehung die schwerste Arbeit ist. Sie ist schwer, aber sie ist auch befriedigend.
Sterbende Angehörige pflegen - das ist schwer. Anderleuts Kinder erziehen, unter Beschuß der sorgenden Eltern - das ist schwer. Jeden Tag anspruchsvolle Leute bedienen - das ist schwer. Kranken eine schlimme Diagnose mitteilen - das ist schwer. Einen kleinen Betrieb führen, der gegen die Großen kämpfen muß - das ist schwer. Eine Theorie entwickeln, die allen anderen widerspricht - das ist schwer.
Oh, es gibt viele schwere Arbeiten ohne Heiligenschein, ohne automatische Anerkennung. Da gibt es keinen Wettbewerb, keine Preise und keine Superlative. Das Leben ist überhaut ziemlich schwer, oder? Aber werden die anderen schweren Dinge anerkannt, mütterliche Mühen aber unter den Teppich gekehrt?
Mütterliche Erzieungsarbeit ist immer von der Umwelt gewürdigt worden, machen wir uns doch nichts vor. Die 68er haben auch Kinder gehabt und sie genossen und Bücher über Erziehung gelesen und wollten ihre Kinder glücklich sehen und sind mit ihnen verreist und haben sie nackig rumspringen lassen. Sie waren auch stolz auf ihre Kinder und haben das Beste für sie gewollt. Über das Wie kann man streiten, die Moden in der Kindererziehung wechseln…
Der immer wieder konstruierte Gegensatz NS-Zeit vs. 68er ist noch dazu historisch ungenau. Zwischen Mutterkreuz und Kinderladen schob sich nämlich eine hochinteressante Periode, ich würde sie die Würmeling-Phase nennen. Daß gegen die rebelliert wurde, ist recht verständlich. Wer ein Mutterideal favorisiert, das mit Erwerbstätigkeit nicht zu vereinen ist, sollte sich harmloserweise lieber mit Würmeling als mit Magda Goebbels schmücken. Würde ich mal so empfehlen. Soo arm ist unsere deutsche Geschichte denn doch nicht, daß man nur die Wahl zwischen bösen 68ern und noch böseren Nazis hätte.
Aber es sind nicht die 68er und wohl auch nicht Würmeling oder Magda Goebbels, die den Eltern die Lust am Kinderkriegen ausgetrieben haben, sondern die zunehmende Schwierigkeit, in einen Lebenslauf all die Maximalforderungen zu stopfen, die im Umlauf sind: beruflicher Erfolg, erfüllte Partnerschaft, Wohlstand (Eigenheim, zwei Autos, Auslandsreisen muß doch sein!), und dann eben auch noch Kinder… Da läßt eben mancher etwas weg. Es können auch Kinder sein.
Meine kinderlosen Freundinnen sagen: “es hat irgendwie nie gepaßt, und dann war es zu spät”, “ich wollte keine Kinder”, “ich mag keine Kinder” - in Variationen. Keine von ihnen hat gesagt, “Mutterschaft ist überholt, die 68er haben das deutlich gezeigt” oder “ich bin grundsätzlich gegen Mutterschaft, weil sie mich versklaven würde” oder anderen ideologischen Kram.
Nein, die Gründe für Kinderlosigkeit sind entweder persönlich oder biographisch, aber doch nicht ideologisch. Eine gesellschaftliche Ächtung der Mutterschaft hat es doch nie gegeben, das ist ein Hirngespinst. Aber stimmt es, daß das so schwer ist, diese Arbeit der Mutter?
Ja, es ist schwierig, man schläft nachts nicht, Impfen ist schrecklich, Trotzalter, Hausaufgaben, alles üble Sachen, die einem das Leben vergällen… ach wirklich? Eltern, sagt, bin ich die einzige, die sich durch ein Mamaliebdrücken und einen stolzen Blick auf die Blockflöten-Solistin mehr als entschädigt fühlen? Wenn doch nur jede schwierige Aufgabe in der Gesellschaft so vergolten würde…
Also, wenn ich was nicht leiden kann, dann ist es diese Heroisierung der Mütterlichkeit. Brrrrr. Und hätte ich noch keine Kinder, würde mich das vermutlich ziemlich abschrecken.
Hintergrund Oktober 11, 2007, 8:55
Posted by Lila in Land und Leute.3 comments
zur Geschichte des akademischen Boykotts gegen Israel, und warum er nicht durchgekommen ist. Nicht etwa, weil die Initiatoren sich besonnen hätten. Sondern weil der Boykott gegen geltendes englisches Recht verstoßen hätte.
Die beiden britischen Akademiker, Hirsh und Pike, die gegen den Boykott am heftigsten gekämpft haben, werden nun in Haaretz interviewt. Hirsh ist Jude, Pike nicht.
“Even people who oppose Israel’s policies thought that the idea of the boycott was idiotic,” says Pike in reply to a question about his participation in the campaign as a non-Jew. “My area of research in philosophy is the principles of justice, and this was clearly unjust. I thought it was important for non-Jews to voice their opinions aloud too.”
Das finde ich auch. Interessanterweise sind auch unter den Inititatoren des Boykotts Juden, die sich besonders energisch vom ungeliebten jüdischen Staat abgrenzen wollen.
Über die Diskussionskultur der Anti-Israel-Aktivisten:
Pike says that they threatened to sue him, called him “a Zionist scab” and some even decided that he was actually Jewish. “Many people said that I was getting money from the Israeli embassy,” he says, “which is really untrue. I lost friendships during this period. In previous discussions in the union they told me, ‘Jon, you’re wrong.’ This time, they said, ‘Jon, you’re a liar,’ and that’s a big difference.”
Im Kampf gegen Israel sind alle Mittel recht, persönliche Angriffe und Unterstellungen eingeschlossen. Es geht nicht um Argumente oder Sachverhalte, sondern um Weltanschauung und moralische Überlegenheit. Kommt mir bekannt vor! Und zum Thema Boykott und antisemitische Motive:
Hirsh says he is not certain that the motivation of those who proposed the boycott was anti-Semitism, but he’s certain that the proposal itself is an anti-Semitic act.
“Boycotts against Jews have a very long history. You have to note the fact that nobody who proposed the boycott proposed boycotting American academia for the invasion of Iraq, Russians academia for the occupation of Chechnya, or Chinese academia for what is happening in Tibet. Using other, stricter standards towards Jews is a discriminatory and racist act.”
Auch wenn der Boykott also offiziell nicht durchgeführt werden kann - israelische Wissenschaftler stoßen häufiger in Europa auf gläserne Wände, hinter denen es nicht weitergeht. Man kann nicht genau sagen, ob es nun der Name einer israelischen Uni im Lebenslauf ist oder ein akademischer Grund, weshalb ein Professor nicht eingeladen, ein Papier abgelehnt wird.
Wie es im Moment mit den weiteren Boykottaufrufen steht, dem der Journalisten und der Ärzte in Großbritannien, weiß ich nicht. Die Briten haben uns wirklich auf dem Kieker. Wollen sie ihre moslemische Minderheit glücklich machen, ihre tief verwurzelten antisemitischen Traditionen pflegen oder juckt sie einfach so der Hafer?
Hirsh and Pike have no good answer to the question of why all this happened in Britain of all places. Anyone who has been keeping abreast of public opinion in Europe in recent years could have expected such an initiative in France or Spain, for example, where public opinion is much more belligerent toward Israel.
“I only have a feeling about that,” says Hirsh, “which is based on things I heard at one of the conferences on the subject. Suddenly one of the participants got up and said, ‘how do the Israelis dare accuse us of anti-Semitism? After all, we saved them in the Holocaust.’ The British, unlike other countries in Europe, have no history of collaboration with the Nazis during World War II, perhaps because they never had the opportunity. Therefore their consciences are clearer when it comes to Jews. On the other hand, there are many guilty feelings in Britain about the colonialist past and a feeling that Israel was established because of Britain. This feeling has only been reinforced in recent years in light of the present support of Israel by British and U.S. governments.”
Was natürlich mit der historischen Realität wenig zu tun hat. Aber wen kümmert das? Das britischen Mandat und die Beschränkung der Zahl der Einwanderer hatten den Tod vieler aus Europa geflüchteten Juden zur Folge. Auch in England gab es durchaus Sympathien für Hitler - was geschehen wäre, wenn Hitler den Engländern wirklich Zusammenarbeit oder einen Bund angeboten hätte, darüber kann man nur spekulieren. Aber sich jetzt als Retter der Juden aufzuspielen, dem Staat Israel die eigene dreckige Kolonialpolitik anzuhängen, obwohl Israel gegründet wurde, um Unrecht der Kolonialpolitik auszugleichen - das ist ein echter Knüller.
Auch wenn der Boykott abgeblasen ist - ein gutes Gefühl habe ich deswegen noch lange nicht.
Verblüfft Oktober 11, 2007, 8:37
Posted by Lila in Land und Leute.12 comments
Aus bester Quelle habe ich soeben gehört, daß es in Deutschland Leute gibt, die die globale Erwärmung - dem Mossad in die Schuhe schieben. Logisch, nicht wahr? Mensch, wieso bin ich da nicht von allein drauf gekommen? Das ist wirklich mal eine einsichtige, in sich schlüssige Erklärung.
Ich mußte natürlich sofort nachgoogeln, ob es noch mehr Scharfsinnige gibt, die dieser Verbindung auf die Spur gekommen sind. Dabei stellte sich raus, daß der Mossad die Bin-Laden-Videos zu verantworten hat, den 11. September (was wir alle natürlich schon wußten) und noch alles mögliche andere. Wirklich, wieso mit einem so tüchtigen Geheimdienst ausgestattet, Israel nach wie vor so winzig ist und sich noch nicht gegen seine Feinde durchgesetzt hat, bleibt ein komplettes Rätsel.
Und die Klimaveränderung hat der Mossad nur darum in Gang gesetzt, um eine Ausrede für einen Angriff auf Iran zu konstruieren. War eine Kleinigkeit, wirklich.
Die (englischen) Quellen sind so trübe, daß ich darauf verzichte, sie zu verlinken. Ich würde nach ihrer Lektüre aber davon ausgehen, daß die steigenden Scheidungsraten, der Konsum von Drogen und Psychopharmaka, die vielen Verkehrsunfälle, das Verschwinden von Sitte und Moral bei der Jugend, die Vermehrung der Kriebelmücke in den Rurauen, die Ersetzung des Christkinds durch Santa Claus und des St. Martin durch Halloween, das unmögliche Fernsehprogramm und die Mode der Plateau-Absätze auf die Umtriebe des Mossads zurückzuführen sind. Eindeutig. Fleißig sind die Kerle wenigstens.


