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Keine Überraschungen Oktober 10, 2007, 18:48

Posted by Lila in Bloggen.
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Herz Oktober 10, 2007, 10:55

Posted by Lila in Land und Leute.
17 comments

Beim Ausbruch des Kriegs im letzten Sommer liefen hier in Rungholt alle Arten von Reaktionen ein. Eine Leserin, mir bis dahin als verständnisvolle, sympathische, gedankenvolle Frau bekannt, entsetzte mich zutiefst mit einem Angriff auf Israel, der mich fast vom Bloggen abgebracht hätte. Warum wir den Libanon angegriffen hätten, wann Israels brutale Landnahme-Politik und Geiselnahme der ganzen Region endlich aufhört, die ganze Litanei der anti-israelischen Propaganda prasselte auf mich nieder, während ich mir überlegen mußte, wo ich mit den Kindern hingehe, wenn die Raketen hier fallen, denn der Bunker ist zu weit weg. (Ihr werdet Euch erinnern: das Treppenhaus. Gut, daß in unserer Gegend nicht viel gefallen ist!) Das habe ich nicht vergessen. Viele Kommentare habe ich gelesen im Laufe der Jahre, viele vergessen - aber der Kommentar dieser Frau, der von wahrem Haß geschrieben war und uns als wahre Monster darstellte, bleibt mir unvegessen.

Sie schleuderte mir schließlich entgegen: wann wird Israel sich endlich menschlich den Arabern gegenüber betragen? Warum hat Israel kein Herz? Auch diese Frage ist mir geblieben, und ich versuche, wenn Israel sich menschlich den Arabern gegenüber zeigt, das auch zu erwähnen. Wenn palästinensische Opfer, zum Beispiel bei den Kämpfen von Fatah und Hamas, in unseren Krankenhäusern behandelt werden - wenn israelische Rettungsmannschaften auf der ganzen Welt dabei sind, nach Katastrophen zu helfen - wenn israelische Lastwagenfahrer ihr Leben aufs Spiel setzen, um Gaza mit Lebensmitteln und Medikamenten zu beliefern - wenn israelische Offiziere ein palästinensisches Kind retten, nachdem das Auto seiner Eltern von andren Palästinensern mit Steinen beworfen wurde - wenn wir täglichen Raketenbeschuß nicht mit einer Aktion a la Russe beantworten und ganze Wohngebiete dem Erdboden gleichmachen, sondern nur ein bißchen drohen und nach Monaten punktuell reagieren - dann erwähne ich das, weil ich weiß, daß es sonst niemand tut.

Man kann leicht zynisch sein und sagen, ach was, das zählt alles nicht. Tropfen auf dem heißen Stein, unwichtig. Es zählt aber doch. Die 40 irakischen Kinder, die unter einer Herzkrankheit leiden und nun in Holon behandelt werden - jedes von ihnen zählt, jedes von ihnen möchte leben, jedes von ihnen hat eine Familie, für die seine Gesundheit alles bedeutet. Zum Beispiel Mustafa.

One child who was screened Tuesday was 4-year-old Mustafa, who Houri [der behandelnde israelische Arzt] said was diagnosed with a dangerous case of crossed arteries and would need two surgeries in Israel soon to unfold them before they harden.

Mustafa’s mother, a Kurdish woman who identified herself only as Suzanne because she feared retribution, said “traveling to Israel made her anxious … not because I’m going to a country considered an enemy of Iraq, but because I’m afraid of retribution by Iraqi militants, by the terrorists back home.”

“I’m afraid and it’s not easy for me at all, but I’m willing to take the risk to save my beloved son’s life,” she said as she caressed Mustafa.

“Israel is a good country. It’s a country that has mercy on other people,” she added.

Ja, das ist schwer zu glauben, und ich weiß, daß ein Teil meiner Leser es nicht glauben wird oder als Propaganda abtut. Wir sind ein kleines Land, wir kämpfen um unser Überleben, wir könnten, wie es das Vorurteil gegen Juden ja auch behauptet, uns darauf beschränken, “unseren Leuten” zu helfen. Aber das tun wir eben nicht. Jüdische, israelische Ärzte und wohltätige Organisationen sind überall aktiv. Das ist nicht selbstverständlich.

Und das Abartige? Elemente der arabischen Gesellschaft, wie die oben zitierte Mutter sagt, drohen den Menschen, die von Israel Hilfe annehmen, mit dem Tode. Das muß man sich mal vorstellen. Es ist gut möglich, daß Mustafa und seine Mutter, wenn sie aus Holon wieder nach Hause kommen und der Junge, bli ayn rah, geheilt ist, die Familie unter Repressalien leiden muß.

Ich finde das einfach mind-boggling, so sehr, daß mir kein deutsches Wort dafür einfällt! Und ich weiß immer noch nicht, woher die immer wieder laut vorgebrachte Klage, daß Israel kein Herz hat und die Araber wie Dreck behandelt, herkommt. (Und: auch arabische Familien haben schon Israelis Organe gespendet, arabische Ärzte haben israelische Leben gerettet, auf dieser Ebene der Zusammenarbeit und Menschlichkeit hat es schon viele nie erzählte Geschichten gegeben.)

Ein israelischer Arzt hat, wie ich gerade gesehen habe, auf Youtube einen Film von seiner Arbeit eingestellt, einen ganz einfachen. Er will sich damit gegen die Forderung der britischen Ärzteschaft wehren,  Israel und israelische Mediziner zu boykottieren. Das schmerzt ihn persönlich, weil er jeden Tag arabische Patienten behandelt und den Boykott als großes Unrecht empfindet.

Ein weiterer Fim aus Youtube, was man da nicht alles findet!, erzählt die von mir damals schon erwähnte Geschichte der jungen Frau, die in einem israelischen Krankenhaus behandelt wurde und sich dort in die Luft sprengen wollte.

Na, und für die, die es damals nicht gesehen haben, noch mal der Film über das palästinensische Kind.

Also, wo ist unser Herz? Vielleicht sind wir doch nicht so durch und durch schlecht und herzlos? Menschen sind gut und schlecht zugleich, Israelis wie alle anderen auch. Woher kommt der Haß, die Verleumdung, der Unwille, das Gute anzuerkennen, woher dieser ewige Schrei nach Boykott?
Ach, man überzeugt eh nur die Überzeugten…

Ich hoffe, Oktober 10, 2007, 0:31

Posted by Lila in Uncategorized.
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der strahlende Glanz, der mich umgibt, ist auch gebührend aufgefallen. Die Luft um mich herum knistert geradezu vor Nobelpreisen.

Vor drei Jahren waren es zwei Professoren vom Technion, die den Chemie-Nobelpreis bekamen. Na gut, mit dem Technion habe ich nicht genug zu tun, um mir das persönlich an den Jackenaufschlag zu heften - außer daß ich da ein paar Mitarbeiter und Studenten kenne. Aber immerhin: Haifa. Neue Heimat! Na ja, fast. Sie warnen jedenfalls regelmäßig vor den katastrophalen Folgen der ständigen Kürzungen im Erziehungs- und Bildungsbudget. Nicht als ob es hülfe: ab morgen fängt hier wieder ein endloser Lehrerstreik an….

Der diesjährige Physik-Nobelpreis geht an einen Jülicher. Alte Heimat! Als ich klein war, kämpfte ich mit dem Namen des väterlichen Arbeitsplatzes: die Kerschungs-For-Anlage. Inzwischen heißt es Forschungszentrum - wie banal. Die Bauern nannten es “dat Atom”. Ich bin nämlich in einem Land aufgewachsen, in dem die Zuckerrüben im Herbst hohe Berge bilden, kein Vokal an seinem Platz bleibt, selbst die Spatzen auf den Dächern katholisch sind, alle Mütter Lehrerinnen und alle Väter Physikprofessoren sind. Da mußte ja wohl mal an einen ein Nobelpreis abfallen. Ich gratulier auch schön!

Einziger Wermutstropfen:  es gibt keine Nobelpreise für Geisteswissenschaften. Herrn Nobel standen die wohl zu fern, und Berthas wohltätiger Einfluß ging nicht weit genug, nun auch noch einen Preis für Historiker zu stiften. Vielleicht dachten sie auch, mit dem Literatur-Preis den Geisteswissenschaften schon genügend zu dienen. Fälschlich, wie ich finde. Denn Literatur-Nobelpreise gehen an schaffende Künstler, nicht an geisteswissenschaftlich Forschende. Es wäre interessant zu sehen, wessen Arbeit da belohnt würde. Zum Verständnis der Welt tragen auch Historiker und andere Geisteswissenschaftler bei. Na ja, so verpassen die Geisteswissenschaften ein jährliches Ereignis, das der Darstellung der Wichtigkeit des eigenen Fachs dient. Schade.

Aber das soll mich nicht verdrießen. Wie schön, Menschen zu sehen, die mit hoher Begabung ausgestattet sind, eigensinning in einem Fachgebiet forschen, das Außenseitern komplett esoterisch zu sein scheint, und dem menschlichen Wissen wichtige, bahnbrechende Impulse geben. Wie schön auch, daß wir in Gesellschaften leben, die diesen Freiraum geben und Forschung unterstützen.