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Zwei junge Frauen Oktober 2, 2007, 19:30

Posted by Lila in Land und Leute.
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bleiben mir im Gedächtnis, wenn ich mich an Ahmedinijads Besuch in den USA erinnere.

Über Karnit Goldwassers Courage, in einer Pressekonferenz Ahmedinijad zu konfrontieren und nach dem Schicksal ihres Mannes zu befragen – darüber haben andere Blogger berichtet, Miriam und Liza.

(Auch unsere Medien, natürlich, haben darüber berichtet – vielleicht auch deutsche?)

karnit2.jpg

Karnit wird aus der Pressekonferenz geführt – weil sie keinen Presseausweis hat. Keiner denkt daran, sich mit ihr zu solidarisieren oder darauf zu bestehen, daß Ahmedinijad die Fragen nach den von der Hisbollah entführten Soldaten beantwortet.

Das zweite junge Gesicht, das mir immer im Gedächtnis bleiben wird, ist das von Shiri Negari. Ich habe ihr Bild bei amerikanischen Bloggern gefunden (an der Verspätung merkt man, daß ich nicht allzuviel Zeit zum Bloglesen habe!). Michelle Malkin und Meryl Yourish möchte ich dafür danken, daß sie das Bild verbreitet haben.

shiri.jpg

Wer schon länger bei mir mitliest, weiß, daß ich Shiri öfter schon erwähnt habe. In den albtraumhaften Tagen der Intifada, als der Tod aus allen Richtung näherkam und man jeden Morgen sein Herz mit eisernen Reifen halten mußte, um überhaupt aus dem Haus zu gehen, die Kinder in die Schule zu schicken und den Tag irgendwie zu überstehen… in diesen Tagen habe ich viele Erlebnisse gehabt, die mich tief erschüttert haben. Die vielen, vielen Toten – ich kenne noch viele Namen und Gesichter, wir dürfen sie nie vergessen.

Shiri Negari. Ich werde den Tag nie vergessen, als sie starb. Wir saßen im Auto, die Fahrgemeinschaft von Studenten und Mitarbeitern der Hochschule aus allen Kibbuzim, ein Büs´chen voll. Natürlich hörten wir Radio. Man wartete ja immer auf die Namen, die Namen. Als Shiris Name fiel, sagte eine Studentin, “ich muß zur Beerdigung”. (Jüdische Beerdigungen sind ja immer sofort, am besten noch am selben Tag). “Ich war mit Shiri in Südamerika. Wir haben zusammen unsere Rucksack-Tour gemacht. Sie war das hübschste Mädchen, das ich je gesehen habe”. Und sie erzählte uns ein bißchen von Shiri. Sie hat nicht richtig mit Tränen geweint, das haben wir damals nicht, also nicht in der Öffentlichkeit. Aber eine bestimmte Art von Fassung ist schlimmer als Tränen.

Ich wartete also abends bei den Nachrichten auf den obligatorischen Bericht über Shiri, ihre Familie, den Verlust. Der Arzt, den man damals so oft sah, daß wir alle ihn sofort erkannten, war Prof. Rivkind vom Hadassah-Krankenhaus, der damals dort die Notaufnahme leitete. Er erzählte unter Tränen, daß er sie nicht retten konnte. Er konnte sie noch fragen, wie es ihr geht, und sie sagte, gut. Aber ihr Inneres war zerfetzt, ihre Lunge war leer und weiß wie ein Schmetterling auf dem Röntgenbild. Sie starb ihm unter den Händen. Seine Tränen, seine Trauer – das war wie ein Zeichen. Für Juden ist jedes Menschenleben wertvoll und eine ganze Welt. Um jeden Menschen müßte man eigentlich trauern, als wäre er das einzige Opfer – wir haben es versucht, nicht nur ich.

Ich erinnere mich an die gutaussehende Neueinwanderin aus Rußland, die nur ihre Tochter hinterließ – Yelena Konrav, sie war etwas älter als ich, und ihr lächelndes Gesicht hat sich in mein Gedächtnis gebrannt, ich weiß nicht mal warum, aber ich hätte sie gern kennengelernt. Natürlich erinnere ich mich an fast jedes einzelne Kindergesicht, an Danielle, Gal, Noam, – die unschuldigsten Opfer des Terrors. Oh, die Familien, die Eltern, Kinder, Großeltern verloren. Die Ehepaare, die Geschwister, gemeinsam starben. Die alten Menschen. Die Opfer, die verstümmelt, verkrüppelt, verbrannt, traumatisiert unter uns weiterleben.

(Es sage auch keiner, ich würde nur die Opfer unserer Seite betrauern. Das stimmt nicht. Ich habe schon oft über Iman Hadjo geschrieben – wie sich über den Bus, in dem ich die Nachrichten hörte, entsetztes Schweigen legte – während über unsere Toten gejubelt wurde – und über Khalid Salah und seinen Sohn, deren Tod auch in Israel Bestürzung auslöste. Es sind viele unschuldige, unbeteiligte Menschen in diesem Konflikt gestorben. Menschen, deren Tod unsere Armee vielleicht hätte vermeiden können, Menschen, die am Leben hätten bleiben sollen. Ich glaube manchmal, mir tun diese Todesfälle mehr weh als den politischen Führern, die ihre Leute als Geiseln, menschliche Schutzschilde und Bauernopfer einsetzen…)

Ich habe sie nicht vergessen, die Erinnerungen liegen ganz nah unter der Oberfläche, es reicht ein Kratzer an der Oberfläche wie Shiris Bild, und es ist alles wieder da.

Shiri, die auch Menschen im Alltag wie ein Engel erschien, wurde mir unvergeßlich. Ihre Familie stellte eine Seite zum Gedenken ins Internet, ich habe sie auch schon öfter verlinkt. An den Reaktionen auf das Plakat in Columbia erkenne ich, daß nicht nur ich Shiri nicht vergessen kann.

Ich bilde mir nicht ein, daß Ahmedinjad wie ich tickt oder wie ein anderer normaler Mensch, der ein unschuldiges, tapferes junges Gesicht anguckt und sich denkt, “ich würde alles tun, um diese Menschen zu beschützen”. Weder Karnit Goldwasser noch Shiri Negari bedeuten irgendetwas für ihn. Wir alle sind nur Zahlen, Feinde, kleine störende Punkte auf einer Landkarte. Aber wir dürfen selbst nicht so denken.

Bei der Suche nach den Links zu den Namen und Geschichten der Opfer bin ich auf ein paar interessante Diagramme gestoßen, auf einer Seite über den Terror.

Wann haben wir noch mal diesen Zaun gebaut…?

Es tut mir leid, daß dieser Eintrag so traurig geraten ist. Aber das ist für mich ein Grund zu bloggen: in Erinnerung rufen. Menschen, Ereignisse, Gesichter, Gefühle.
Und wenn ich mir in Erinnerung rufe, wie hoffnungslos die Lage im Jahr 2002 aussah – wir dachten alle, der Terror geht nie vorbei, das geht jetzt immer so weiter. Und doch haben wir Wege gefunden, damit fertigzuwerden. Vielleicht werden wir auch eines Tages eine Lösung für das Problem Ahmednijad finden, für Hamas, Hisbollah und die anderen. Und am liebsten wäre mir persönlich eine defensive Lösung, wie der Zaun.

Kommentare

1. grenzgaenge - Oktober 2, 2007, 19:44

“Über Karnit Goldwassers Courage, in einer Pressekonferenz Ahmedinijad zu konfrontieren und nach dem Schicksal ihres Mannes zu befragen – darüber haben andere Blogger berichtet, Miriam und Liza.

(Auch unsere Medien, natürlich, haben darüber berichtet – vielleicht auch deutsche?)”

liebe lila,

ich glaube nicht das deutsche medien den besprochenen vorgang berichtet haben. es kann natuerlich auch sein das ich etwas verpasst habe. gerade weil ich in den deutschen medien nicht gehoert und gelesen habe hat mich die nachricht in miriams blogg aufmerksam werden lassen.

viele gruesse,
grenzgaenger

2. Lila - Oktober 2, 2007, 20:06

Warten wir mal auf Add a link – wenn der Rurdorfer Hinkende Bote was darüber geschrieben hat, wird AAL es finden…

3. Blogen bildet « grenzgaenge - Oktober 2, 2007, 20:20
4. StefanHH - Oktober 2, 2007, 21:57

Ich vermute mal, dass grenzgaenge da nichts wesentliches verpasst hat. Denn mir fällt momentan auch kein Medienbericht ein, der das aufgegriffen hat. Bleibt also der Rurdorfer Hinkende Bote meine letzte Hoffnung.

Und stimmt, dieser Eintrag von dir ist etwas traurig geraten. Aber wie sollte es auch anderes gehen bei einem solchen Thema. Es ist eben genau das, was einen zivilisierten Menschen von diesem Typen aus dem Iran unterscheidet. Wir trauern halt um die Toten…

5. arabrabenna - Oktober 3, 2007, 0:19

Bitte mach weiter so! Gerade, weil in den Medien so viel über Tote nur in Zahlen berichtet wird (siehe Irak), sind Bilder von einzelnen Personen wichtig. Jeder ermordete hatte eine Familie. Zahlen stumpfen ab, die Geschichte eines Menschen, sein Lächeln, seine Träume…die setzen sich fest und das ist wichtig, damit Menschen wachgerüttelt werden! Die Masse wird es leider nicht sein, aber wenigstens ein paar.

6. Add a link - Oktober 3, 2007, 0:52

Das denkt Ihr Euch so. Das kam mir schon in Deinem Artikel so vor, LLL. Jeder andere kann doch auch bei Google “karnit elat eingeben, das ist doch nicht wirklich schwierig, oder? Habe zu tun.

7. Lila - Oktober 3, 2007, 1:01

Änder sofort Deinen Namen in Add NO link too busy!!!

Ich dachte immer, Deine esoterischen Links kämen aus viel abgelegeneren Quellen als schnödem Gugl. Bin enttäuscht.

:cry:

8. jim - Oktober 3, 2007, 1:46

Versteh ich nicht, komisch – der Spiegel hatte es gebracht, am 26. Okt., okay – such ichs also,

http://service.spiegel.de/digas/servlet/find

SPIEGEL ONLINE – 26.09.2007 (7577 Zeichen)
Von Marc Pitzke
Uno-Auftritt: Ahmadinedschad unplugged
Er wurde dämonisiert, beschimpft, ignoriert – aber bei seinem Trip durch New York wurde Irans Staatschef Ahmadinedschad auch wohlwollend beklatscht. Dabei ging in all dem Trubel fast unter, welche Unsäglichkeiten er wirklich von sich gab. mehr…

find ichs nicht mehr, Server-Fehler – nehm ich googl

Uno-Auftritt: Ahmadinedschad unplugged – 2 – Politik – SPIEGEL …
Zweieinhalb Tage lang wurde Irans Staatschef Ahmadinedschad in New York … Zur Verbindung Irans mit der Hisbollah: Karnit Goldwasser, die Ehefrau des …

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,507931-2,00.html

klick ichs an – gleiches Ergebnis:

SERVER-FEHLER 404
Dokument nicht gefunden

Versteh ich nicht.

9. Add a link - Oktober 3, 2007, 1:49

Oh, ich habe auch einmal aus Lust und Laune tausend Titel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek (wie das Ding jetzt heißt) für Dich durchgesehen und die mageren Erträge dann gepostet, ohne daß sie irgendwie gewürdigt wurden. Aber meistens ist natürlich Google das beste. Wenn man allerdings Zeitungsartikel zu Sderot sucht, empfiehlt es sich vielleicht eher, die Suchmaschinen der Zeitungen zu nutzen … Nur, bei karnit goldwasser siehst Du mit Google gleich, daß es einfach nichts Aktuelles gibt, leider. (Wobei Du von Israel aus wahrscheinlich Deutsch als Suchsprache einstellen müßtest, während ich hier trotz neutraler Einstellung in erster Linie deutsche Ergebnisse bekomme.)

10. Add a link - Oktober 3, 2007, 1:52
11. Lila - Oktober 3, 2007, 1:54

Ich such immer englisch.

Wenn ich Zeit und Geduld habe, wühle ich mich durch die Zeitungen. Hab so einen Bookmarkfolder. Mit Readern und Feedern hab ich es nicht, ich muß das Layout sehen, sonst “spricht” es nicht zu mir.

Tausend Titel? Katalog der Deutschen Nationalbibliothek? Im Marbacher Literaturarchiv warst Du aber nicht? Die Bibliothek in Krakaw soll auch sehr ergiebig sein.

Oh, es tut mir leid. Wie schäbig von mir.

12. Lila - Oktober 3, 2007, 1:54

Karnit im Spiegel ist mir entgangen. My bad.

13. jim - Oktober 3, 2007, 1:54

soweit war ich schon, klick doch mal, ausserdem wär er kostenlos, der Artikel.

Wie gesagt, ich verstehs nicht.

14. jim - Oktober 3, 2007, 1:59

11. Lila – Oktober 3, 2007, 1:54

12. Lila – Oktober 3, 2007, 1:54

bist ja urrasch, beim Schreiben … ;-)

15. Add a link - Oktober 3, 2007, 2:01

Scheint, als müsse man sich erst einloggen.

16. Lila - Oktober 3, 2007, 2:03

Blindtippen is your friend.

Schneller tippen als denken is your enemy.

17. Add a link - Oktober 3, 2007, 2:06

RSS und so habe ich auch nicht. Bin darüber hinaus zu denken, ich sei da irgendwie hinter der Zeit. Die wichtigsten Zeitungen habe ich in der Symbolleiste, nur Ha’aretz nicht, weil sie kein Logo in der URL-Leiste hat. Wir werden immer visueller, das liegt mir eigentlich gar nicht.

18. Philologisches Klo - Oktober 3, 2007, 20:44

free speech in der UN

Fast alle Welt erfreut sich momentan an der freien Rede an der Columbia University oder in der UNO in NYC, auch für Schurken. Karnit Goldwasser, die Gattin des seit einem Jahr von der Hizbollah entführten israelischen Soldaten Ehud Goldwasser (INFO)…

19. grenzgaenge - Juli 16, 2008, 19:15

http://www.youtube.com/watch?v=mDaTM0XXuJc

das video habe ich gerade gefunden. finde ich sehenswert !


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