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Es ist vielleicht Quatsch, September 18, 2007, 22:28

Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis.
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aber ich genieße es noch immer, eine professionelle Identität zu haben, und sei sie auch noch so schlicht. Nicht, als ob ich in den Jahren zwischen Kindern und Neuaufnahme meines Studiums gelitten hätte – ich habe gearbeitet und vergnügt. Außer den Kindern und ihrem Piepsen und Pupsen war mir in den Jahren die Welt sowieso eher egal. Es dauerte eben ein bißchen und dauert auch noch an, meine berufliche Entwicklung.

Aber wer ohne Stolpern in einen Beruf geglitten ist, kann vielleicht gar nicht nachvollziehen, wie großen Spaß es macht, aus einer beruflosen Existenz in eine kompetente professionelle Identitä zu krabbeln. Ich hatte in den letzten Tagen einen Semester-Vorbereitungs-Marathon, bei dem ich meine Ideen und Vorstellungen erklären mußte bzw durfte – hat mir großen Spaß gemacht, die Konzepte vorzustellen, die mir so im Kopf herumschwirren. Noch netter, daß sich nicht etwa schallendes Gelächter oder Kopfschütteln im Raum breitmachen, wat will die denn hier?, sondern alle mich total ernstnehmen – ernster, als ich mich selber nehme. Ich habe es ja durchaus gern, wenn ich aufgefordert werde, meine Konzepte zu begründen – dabei lerne ich immer mehr über meine Motive.
Aber irgendwie entwickele ich im Laufe der Jahre dieses wunderbare Gefühl, daß es vielleicht doch ein paar Dinge gibt, bei denen ich mir sicher bin. Im Treibsand der Meinungen, Erfahrungen, Zweifel und verwirrenden Standpunkte gibt es ein paar Aussagen, hinter denen ich bombenfest stehe und weiß warum. Sie haben alle mit meinem Beruf zu tun. Ich habe Argumente, um sie zu vertreten. Ja ich habe inzwischen sogar eine gewisse Eloquenz im Hebräischen erreicht, so daß ich Nachfragen elegant parieren kann – auch mal mit einem Sprichwort oder Wortspiel.

Ich weiß, ich weiß, das sind alles ganz normale Sachen. Aber auch ein Sonnenuntergang ist eine alltägliche Sache, und trotzdem freue ich mich jeden Tag daran. Und ohne diese Jahre, als alle meine Freundinnen ihre berufliche Laufbahnen einschlugen und ich fröhlich im Kibbuz  arbeitete, wo man mich gerade brauchte  – aber auf die Frage, „und was machst du?“ keine konkrete Antwort geben konnte – also ohne diese Jahre könnte ich vermutlich nicht so ein Späßchen haben. In der Richtung bin ich vielleicht Spätblüherin – obwohl mir mehrere Geisteswissenschaftler versichert haben, daß sie auch erst nach 40 kapiert haben, was sie eigentlich treiben. Denn es geht um Einsichten, die nicht durch Lesen von Texten und kognitives Hopplahopp kommen. Sondern sie reifen so langsam heran, schlängeln sich durch schlammige Tiefen, bis sie eines Tages wie Monets Seerosen an der Wasseroberfläche erscheinen…

Ich hatte ein paar unendlich stressige Tage, und habe noch immer nicht die lange, lange Liste abgearbeitet – im Gegenteil, jedes Treffen, jede Besprechung verlängern die Liste. Aber ich hatte gute Tage, habe vielversprechend nette neue Kollegen kennengelernt und werde im nächsten Jahr wirklich interdisziplinär arbeiten. Ist das nicht toll?  Ich liebe meinen Job, wirklich. Ich kann die verrücktesten Sachen machen und keiner quasselt mir rein, solange ich nur mein Publikum unterhalte.  Fast wie beim Bloggen.