Neues von den Kindern September 16, 2007, 21:41
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Uncategorized.trackback
Kontroverses und Politisches kann ich gerade nicht ab, aber bestimmt brennt die Welt auf Neuigkeiten von meinen genialen Kindern. Ich habe gerade Lust, ein bißchen von ihnen zu erzählen. Wer sie nicht kennt, armes Leben!, kann ja einfach drüberweglesen…
Primus kam heute schweißüberströmt und strahlend wieder, am späten Nachmittag. “Ich vermisse mein navivas“, grinste er. Navivas? Oh. “Na, wie war´s?” Er mag es gern, wenn ich ihn das frage, denn dann kann er sich aussuchen, was er mir erzählt. Also, wie war´s?
Er war wieder bei “Acharai”. Das ist so eine Art freiwilliger sportlich-kerniger Vorbereitungskurs auf die Armee. Ich weiß, ich weiß, meinen Lesern stehen die Härchen auf den Armen jetzt im rechten Winkel ab, mir auch Leute, aber was soll ich machen, der Kerl wird nächsten Sommer eingezogen und er möchte gern fit sein! Und ich möchte gern, daß er so gut vorbereitet wie nur möglich ist, damit er es leichter hat.
Primus hat seine bewegungsscheue Phase längst hinter sich - das war eine Folge der Brille, die ihn jahrelang hemmte. Y. meinte, das war bei ihm genauso. Jedenfalls ist er schon lange begeisterter Sportler, alle meine Kinder haben in Sport immer eine Eins. Er hat es genossen, so richtig gezwiebelt zu werden, mit Liegestütz und Sprints und weiß der Himmel. Jungens messen sich ja gern aneinander, und er konnte mir genau sagen, wie schnell seine Freunde gerannt sind und wie fit sie sind.
Er ist auch groß und kräftig, auf die 1,90 wird er wohl kommen, hat jetzt die Haare lang und sieht aus wie ein wilder Küstenräuber. Neulich hat er mich gefragt, ob ich was dagegen hätte, wenn er sich einen Ohrring machen läßt. Ich fand die Idee gut, denn mit seinen Hochwasserhosen und langen Haaren fehlt ihm dann nur noch das Tuch um den Kopf und der Dolch zwischen den Zähnen für den perfekten Piratenlook. Er hat gelacht, aber vielleicht macht er es trotzdem.
Wie alle israelischen Eltern bin ich bereit, ihm in diesem letzten Jahr der Kindheit jede Freiheit zuzugestehen. Mitte Juni 2008 ist der Termin. Er überlegt, ob er nicht noch vorher ein Jahr Freiwilligen Sozialdienst einlegt. Das würde zwar bedeuten, daß sich auch das Ende des Militärdiensts nach hinten verschiebt, aber er hätte ein Jahr Übergang - Verantwortung und Selbständigkeit einerseits, aber noch nicht in Uniform. Mal sehen.
Secundus ist nach wie vor verbissen fleißig im Bauernhof, stellt Käse und Joghurt her, die er nicht ißt, und zieht organisches Gemüse, das er nicht ißt. Er verkauft es mit viel Erfolg. Nachts zieht er mit seinen feinen Freunden durch den Kibbuz. Die Jungens machen Quatsch, ich bin mir sicher. Secundus weiß, daß er nur bis elf Ausgang hat und am Wochenende bis eins. Er hält sich auch dran. Also fast immer. Wenn er es nicht schafft, ruft er an. Er weiß, daß ich nicht schlafe, bis ich nicht alle vier Köpfchen auf den Kissen weiß…
Neulich rief Y.s Kollege Ari ihn entnervt an. “Wo sind unsere Söhne?” Sein Dritter und unser Secundus sind seit dem Babyhaus allerbeste Freunde. Y.s Herz sank schon, “wieso, hast du einen Verdacht?”. Immerhin hat die Gruppe unserer Söhne in den letzten Monaten eine Glastür kaputtgemacht, einen Getränkeautomaten geknackt (noch in derselben Nacht haben sie aber ihren Gruppenleiter angerufen, um es zu bekennen) und im Schwimmbad eine Duschkabine mit Klopapier ausgekleidet (danach hatten sie dort einen Monat lang Putzdienst). Gut, daß Secundus bei keiner dieser Aktionen beteiligt war - eigentlich ein kleines Wunder, aber er war immer gerade woanders. Aber Ari fragt Y. schon mal öfter beim Frühstück düster, “na, habt ihr auch einen Brief vom Erziehungsausschuß gekriegt?” Öh, also bisher noch nicht…
Als Ari also fragte, wo unsere Söhne sich rumtreiben, klang das eher dräuend. Doch dann meinte Ari, “wenn ich weiß, daß mein Lump von Sohn mit deinem Secundus zusammen ist, dann bin ich beruhigt”. Er meint, Secundus hat einen guten Einfluß auf seinen Sohn! Ich habe diesen Ari noch nie sehr gut leiden können, den Sohn auch nicht sehr, aber dafür hätte ich ihn küssen können. (Hab es aber nicht getan).
Tertia hatte Geburtstag, ich habe das Wochenende kuchenbackenderweise verbracht. Den eigentlichen Termin haben wir in Deutschland gefeiert. Da das Kind neue Ohrlöcher hat, nachdem die ersten ihr vor zwei Jahren wieder zugewachsen waren, bin ich mit meiner Schwester Ohrringe kaufen gegangen. Meine Schwester weiß natürlich, wo man schöne Ohrringe kriegt. Eine fast vergessene Obesession meiner Jugendzeit stieg in mir auf, und vollkommen enthemmt kaufte ich: ein Paar für Tertia, eins für mich! und wieder eins für Tertia…. war ein schöner Geburtstag.
Tertia und ich leihen uns ja sowieso gegenseitig Ohrringe und neuerdings auch Nagellack und Lipgloss. Ich hab mir die Nägel ewig nicht lackiert, eigentlich nie regelmäßig, aber diese neumodischen Pastelltöne sehen dezent genug aus. Tertia und ich verstehen uns in letzter Zeit richtig gut, es ist schön, eine heranwachsende Frau im Haus zu haben. Mancher vielsagende Blick wird gewechselt… manchmal glaube ich, sie ist die einzige im Haus, die mich sofort versteht. Sie meint dasselbe. Es ist schön, wie sich nun das Mutter-Tochter-Verhältnis langsam und sacht ins Erwachsen-Freundschaftliche wandelt.
Außerdem hat sie ein neues Hobby, sie macht Schmuck. Natürlich hat sie zum Geburtstag mehr Perlchen geschenkt gekriegt, als China Einwohner hat - alle winzigklein. Außerdem Bücher, Draht, Zange, Schließen und alles, was dazugehört. Sie sitzt stundenlang mit meiner Sticklupe und frickelt sehr hübsche kleine Ketten, Halsbänder, Armbänder und Ohrringe zusammen. Im Moment meint sie, sie will Goldschmiedin werden und Schmuck entwerfen und machen. Geschickt genug dafür ist sie, auch geduldig.
Und Quarta, meine Motte? Ihre Ohrlöcher, ebenfalls die zweite Runde, sind schon zugewachsen, sie hat es nicht durchgehalten, die Knöpfe länger drinzubehalten. Trotzdem sammelt sie ebenso eifrig Ohrringe wie Tertia. Sie ist nach wie vor eine kleine Elster, und alles findet seinen Weg in ihre verschiedenen Schatztruhen und -kisten. Ich staune, wie viele kleine, glitzernde, rosa Dinge dieses Kind besitzt. Heutzutage gibt es aber auch SO niedliche Sachen für Mädchen, das hätte ich auch toll gefunden. Sie hat ihr Feriengeld in Deutschland natürlich in Schleichtiere und Prinzessin Lillifee umgesetzt… und sammelt weiterhin schöne Steine, Schäfchen und alles, was damit zu tun hat, Einhörner und Delphine und Schlüsselanhänger und alles was mit Pferden zu tun hat und… alles was ihr gefällt.
Quarta ist das einzige Kind, das meine Neigung zum Trödeln geerbt hat. Ach, wie gut kann ich sie verstehen, wenn sie jede Minute langsam vertändelt, nur um den unangenehmen Anfang des Tags rauszuzögern! Wie muß ich selbst mich morgens dazu zwingen, überhaupt aus den Augen zu gucken. Während ihre Geschwister und ihr Vater den Tag forsch anfangen, träumt sie, mit der Haar- oder Zahnbürste in der Hand.
Dabei ist ihr Schulbus als erster dran. Sie mußte seit Schulbeginn schon zweimal mit ihren großen Geschwistern im Bus der Großen mitfahren und dann über die Brücke in ihre Grundschule laufen. Jedesmal hat sie es knapp geschafft. Wir haben ihr das mit Absicht nicht erspart, denn vielleicht lernt sie ja nun im 3. Schuljahr endlich, daß es eine Bedeutung hat, wenn Mama sagt, “mach voran, der Bus wartet nicht”. Denn auch sie wird ja größer, auch wenn wir es kaum glauben. (Da sie es aber genau auf den Glockenschlag geschafft hat, mußte sie nicht mal die Peinlichkeit des Zuspätkommens erleiden…)
So, ich habe ein paar Tage diesen Eintrag nicht gepostet, aber nun mach ich es doch. Und zwar bevor ich noch anfange, Dönekens von den Katzen zu erzählen…



Du schreibst nur noch selten von den Kindern. Weil sie älter werden?
Nein. Sondern weil sie mir hochnotpeinliches Halsgericht angedroht haben, falls ich es tue.
Verratet mich also nicht.
Aber von der Freundin Primi sprichst Du ja auch gar nicht mehr …
Nein, die ist auch nicht mehr aktuell. Manchmal ICQen sie noch, gerne bittet sie ihn um Hilfe vor Mathearbeiten… und dann hilft er ihr auch. Aber er hat die Enttäuschung schnell überwunden. Er hat viele “gute Freundinnen”, aber an Die Einzig Wahre traut er sich wohl gerade nicht ran. Hab ich so Andeutungen entnommen.
Secundus dagegen hält sich, was Mädchen angeht, vollkommen bedeckt. Er ist sehr oft mit samtweicher Stimme am Telefon, aber wenn ich auch nur fragend gucke, sagt er nur MAM-ma, in diesem ungeduldig-resignierten Ton, und geht in sein Zimmer. Schade, früher hat er mir alles erzählt, das ist im Moment vorbei.
Na ja, die Mädchen werden mir alles erzählen, hoffe ich…
‘türlich.
Lila, welches der Kinder ist dieses:
http://www.flickr.com/photos/rungholt/724665228/in/set-72157600656498608/
ich dachte, ich sehe meinen eigenen Sohn … würde dir gerne ein Foto schicken, aber wohin?
Das ist der Primus, steht auch drüber. Fotos zum Vergleichen willkommen!
lilale777@yahoo.com
Du könntest ja auch mal wieder paar Fotos veröffentlichen…
Au ja … Oder von Dir und Deinem treuen Husaren.
Ha, Deine Mama-Geschichten liebe ich.
Ach, wenn mir das schon durch den Kopf gegangen ist — Off topic, das Ende aus Kubricks Wegen zum Ruhm, kennst Du das?
http://www.klangundkleid.ch/themen/stanleykubrick/ein-treuer-husar.asp