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Neu-, Stamm-, Mitleser, merket auf Juli 20, 2007, 22:37

Posted by Lila in Bloggen.
26 comments

Ist es Euch schon aufgefallen? Mir scheint, in meinem Blog sind lauter verhinderte Blogger versammelt. Ich empfehle, statt der Beiträge gleich die Kommentare zu lesen. Da findet man viel Stoff zum Nachdenken, Links, Diskussionen - und ich fühle mich manchmal wie Trittbrettfahrerin meiner KommentatorInnen!

Ich wünsche, liebe KommentatorInnen, allen Euren grundsätzlichen, interessanten, wohlüberlegten und klugen Beiträgen ein möglichst großes Publikum. Ich weiß nicht, ob Euch hier jemand findet, in langen, sich windenden Kommentarsträngen - und ob Ihr nicht doch eines Tages lieber entnervt, weil ich Euch immer dazwischenquatsche, eigene Blogs aufmacht… Ein warmes Plätzchen auf meiner Blogroll wäre Euch sicher.

Jedenfalls danke.

Disclaimer: womit ich keineswegs sagen wollte, daß die Kommentare, die hier von Mit-Bloggern hinterlassen werden, geringer zu schätzen sind!!!

Staunenswerte Betrachtungen Juli 20, 2007, 19:11

Posted by Lila in Land und Leute.
9 comments

Alle Achtung, ZEIT. Der Artikel über die weltanschauliche Schlagseite der BBC war lange fällig, und er ist mutig, wenn man bedenkt, wie viele Menschen auf der Welt der BBC blind Glauben schenken.

Meine eigene weltanschauliche Schlagseite führt natürlich dazu, daß ich die folgenden Passagen zitiere:

Die Programme der BBC spiegeln in aller Regel vehementen Antiamerikanismus und eine scharf antiisraelische Einstellung wieder, sie plädieren für mehr Staat und Steuern, Steuerkürzungen und eine geringere Staatsquote werden grundsätzlich für falsch gehalten; auch legt die BBC eine einseitig proeuropäische Haltung an den Tag und neigt dazu, die Gegner, sei es gegen die Mitgliedschaft im Euro oder gegen weitere Integration der EU, erst gar nicht zu Wort kommen zu lassen. Das Weltbild der BBC ist säkular und geprägt von antichristlichen Reflexen; zugleich wird in aller Regel alles unterlassen, was Muslime verletzen oder als Kritik am Islam gedeutet werden könnte. Weshalb selbst die Auseinandersetzung mit dem totalitären Islamismus unterblieb.

Der Konsens, der bei der BBC herrscht, wird als allgemeingültig betrachtet. Aitken schreibt in seinem Buch, dass er während seiner Zeit bei der BBC umgeben war von Redakteuren, die ihre Auffassungen für so selbstverständlich und richtig hielten, dass sie gar nicht auf die Idee kamen, irgend jemand, der bei gesundem Menschenverstand sei, würde ihre Grundauffassungen nicht teilen. In der Praxis kann das zu einem “totalitären Liberalismus” führen, der abweichende Stimmen und Meinungen nicht erlaubt. Das geschah zum Teil unbewusst, war häufig aber auch eine ganz bewusste Entscheidung.

Durch die Korridore von Broadcasting House weht die Ideologie des Multikulturalismus, oft verbunden mit einem moralischen Relativismus, der sich durch Geringschätzung, wenn nicht Ablehnung des eigenen demokratischen Staates auszeichnet. Die Ideologie des Multikulturalismus wurde inzwischen selbst von der „Kommission für rassische Gleichheit“ als gescheitert und kontraproduktiv erklärt; sie habe die “Gräben in der Gesellschaft vertieft und Integration verhindert”, erklärte schon im Jahr 2004 Trevor Philips, der Vorsitzende der Kommission, selbst ein Einwanderer aus der Karibik. Er warnte davor, sehenden Auges in eine “ghettoisierte Gesellschaft abzudriften”.

Die Corporation wies stets eine gewisse Schlagseite auf. Junge Leute, die von den Universitäten kommen, sind zumeist idealistisch und links eingestellt. Doch sorgte der Ethos der Unparteilichkeit lange Zeit für ein Gegengewicht. Ein “kultureller Marxismus”, der in der BBC Fuß fasste, trug dazu bei, dass im Lauf auf der Neunziger die relative Balance verloren ging. Generelle Medientrends, Sensationalisierung, Simplifizierung und Emotionalisierung, die überall in der Industrie um sich gegriffen haben, trugen das ihre dazu bei, den Trend zu verstärken. Verächtlichkeit für Politiker wurde zu einem hervorstechenden Merkmal eines “kritischen” Journalismus, der nur ein Ziel verfolgt, nämlich zu beschädigen, unlautere Machenschaften aufzudecken und der stets das schlimmste von Politikern annimmt: Why is the bastard lying to me ist der Geist, in dem häufig Politiker-Interviews in der BBC geführt werden. Diese Art von Journalismus trägt seinen Teil dazu bei, antipolitische Trends und Verdruss an der Demokratie zu erzeugen.

Aber am besten liest man es selbst. Niemand ist objektiv, und das Unmögliche kann man auch von der BBC nicht verlangen. Aber man kann die Einseitigkeit wirklich übertreiben - besonders, wenn man sie als ausgewogen ausgibt. Sagen wir es so: auch das ehrwürdigste Medium entbindet uns leider nicht von der Notwendigkeit, selbst zu denken.

Ich bin übrigens nicht dafür, die BBC abzuschaffen. Dafür liebe ich ihre Literaturverfilmungen zu sehr.