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Abends im Hause Rungholt Juli 18, 2007, 21:54

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
24 comments

Wir haben wieder mal jugendliche Besucher - zu Pessach hatten wir ja zwei jüdische Schüler aus Berlin, jetzt für drei Tage zwei Jungens aus London. Ich hör sie so gern sprechen! Heute nacht sind sie mit ihrer Gruppe und den Jugendlichen des Kibbuz am Meer, schlafen draußen. Gestern abend haben sie im Schwimmbad getobt und hinterher großes Abendessen gemacht. Ganz nett, wieder ein bißchen Englisch zu sprechen. Lustig, es ist wohl immer so, daß einer schweigsam ist und der andere redselig. Die Jungens finden den Schweiger netter, der ist so cool!, aber die Mutter findet natürlich den Reder netter und fragt ihm Löcher in den Bauch. “So, und was machen deine Eltern? hast du Geschwister?” Wie schrecklich war es, wenn meine Mutter (oder Oma…) diese Frage stellt, wie natürlich plumpst sie mir heute aus dem Mund…. und ich höre gern die Antworten.

Das Harry-Potter-Fieber steigt auch bei uns beständig. Alle großen Kinder haben in den letzten Wochen sämtliche Bände noch mal gelesen (auf Ivrit) und alle Filme noch mal gesehen (auf Deutsch oder Englisch). Wir sind also reif für den fünften Film und den siebten Band. Ich habe die ersten Bücher so gern gelesen, die letzten beiden fand ich fast unlesbar (ich les sie auf Englisch, was ich genieße: “that´s mental”).

(Meine Lieblingsfiguren: Rons Eltern, Lupin, MacGonagal. Welches sind Eure?)

(Meine Lieblingsszenen: Mr. Weasley zu Besuch bei den Dursleys, fasziniert von Elektrizität. SEHR gelacht. Und im Feuerkelch, die Aufgabe im See. Sehr gut die Schilderung der Kiemenatmung.)

Primus bekam seinen ersten Harry Potter vor vielen Jahren zum Geburtstag geschenkt, und zwar von meinem Schwager (jeder Leser hier weiß, daß ich für meinen lustigen Schwager eine riesige Schwäche habe - auch für Y.s Schwester). Ich hatte die deutschen Bücher mit dem wunderbaren Umschlag schon bei meinem kleinen Bruder gesehen, aber nicht gewußt, ob das nur Hype ist oder wirklich gut. Primus, der bis dahin zu meinem Leidwesen nicht viel las, nahm das Buch in die Hand. Schlug es auf. Sah noch einmal auf und sagte danke. Und ist seitdem Leser.

Er ist von Harry Potter zur Literatur gereift, er liest Kafka und David Grossman und SF und was er finden kann. Das Nette dabei: er steckt seinen Vater an. Mich hat er übrigens mit der Pottermania angesteckt: er hat mir eines Tages aus der Bücherei die deutsche Ausgabe mitgebracht. Auch ich habe skeptisch angefangen, aber flups-schwups war ich drin und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Secundus gehört, hm, zu der Gruppe der “Harry Potter und nichts als Harry Potter”-Leser. Andere Bücher machen ihm weniger Spaß. Er liest, aber zu einem richtigen Leser ist er nicht geworden. Mit Primus kann ich über Bücher richtig sprechen, er hat einen Sinn für Motive, Stil, Spannungsbögen, lauter Sachen, die echte Leser beobachten, während sie Spaß haben. Secundus ist es genug, wenn es Gute gibt, Böse, die besiegt werden müssen, viel Spannung. Ihm reicht der Märchencharakter, und natürlich die wunderbar geschlossene Welt.

Tertia war schon vor Harry Potter Leserin. Ich freue mich, wenn sie mit dem typischen unruhigen Leserblick durchs Has streift, “Mama, empfiehlst du mir was?” Leider liest sie keine deutschen Bücher. Ich habe ihnen ja ganze Bibliotheken vorgelesen, aber dafür sind sie jetzt zu alt. Tertia kriegt von mir die Bücher geschenkt, die ich als Mädchen geliebt habe, Anne auf Green Gables, Vier Schwestern, und kauft sich, leiht sich ständig neue Bücher. Es ist ein Fest für sie, in die gutsortierte Kibbuzbücherei zu gehen und sich einzudecken. Quarta ist noch zu jung für so dicke Bücher, aber sie guckt die Filme und kennt und weiß natürlich alles.

Obwohl die Jungens schon ein bißchen über diese Geschichten erhaben sind - sie wollen nun auch wissen, wie es zu Ende geht. Also hat jeder von uns sein Szenario ausgebreitet. Y. und ich haben beide unabhängig voneinander gedacht, ob Rowling nicht doch am Ende zum ausgelutschten “war ja alles nur ein Traum”-Ende greift - “und die Narbe hat er, weil er sich mal den Kopf an der Tischkante gedötscht hat”, meinte Y.

Primus meint, “egal wie das Buch ausgeht - es gibt eine Enttäuschung. Wenn Voldemort stirbt - dann ist das ein typisches Ende, der Held siegt. Wenn Harry stirbt - war alles umsonst und das Böse siegt. Wenn keiner von beiden stirbt - dann will sie einfach noch ein paar Bände anhängen. Und wenn beide sterben - wieso liest man sieben Bände, wenn am Ende beide sterben?” Er ist also skeptisch, ob der letzte Band wirklich ein Höhepunkt wird.

Tertia meint, ihr ist es egal, und wir müssen unbedingt in den Film gehen, und wir haben es ihr versprochen. Quarta meint, und sie kommt mit!, und es ist gar nicht zu gruselig! (Letztes Mal bin ich mit ihr parallel in einen Disneyfilm gegangen.) Schließlich meinte Y., der noch nie ein Potterbuch in der Hand hat und meint, zehn Pferde könnten ihn nicht dazu bringen!, “am Ende stellt sich raus, daß Voldemort eigentlich Harrys Vater ist”. Große Heiterkeit. “Au ja, Abba!” Ich sehe schon, jedes andere Ende wird als Enttäuschung aufgenommen werden…

PS: Sehr amüsant dazu das SPon-Forum - das erste und vermutlich einzige, das ich lächelnd durchgeblättert habe!