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Der Ungenannte Juli 3, 2007, 21:40

Posted by Lila in Land und Leute.
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Wer erinnert sich an Harry Potter? an das Entsetzen, das der ahnungslose Junge auslöst, weil er den Namen Voldemort einfach so ausspricht? Oh nein, alle anderen haben Scheu und Angst. Ein Zeichen für Harrys Kraft, Voldemort zu besiegen, ist seine mangelnde Scheu vor dem Namen. Voldemort. Habs gesagt und bin noch am Leben.

Es gibt Leute, die den Namen Krebs nie aussprechen. “Die Krankheit” ist das höchste, zu dem sie sich aufschwingen. Tabu, tabu, tabu. Jules Vernes Helden Lord Glenarvan und seine Gruppe entkommen den Menschenfressern, nachdem sie durchschauen, wie Tabu funktioniert, und sich das klug zunutze machen.

Als ich gestern “Aus dem Nahen Osten” schrieb, fiel mir wohl auf, daß die Worte “Araber” und “Moslem” oder “Muslim” nirgends auftauchten, weder in den englischen noch deutschen Zeitungen, die ich allerdings nur kurz durchblätterte. Diese Scheu fiel mir auf. Ich hätte das Gefühl gehabt, zu weit zu gehen, wenn ich spekuliert hätte, daß dahinter eine klare Anweisung steckt. Und ich hoffe noch immer, diese Meldung ist eine Ente.

 

Gordon Brown has banned ministers from using the word “Muslim” in ­connection with the ­terrorism crisis.

The Prime Minister has also instructed his team – including new Home Secretary Jacqui Smith – that the phrase “war on ­terror” is to be dropped.

The shake-up is part of a fresh attempt to improve community relations and avoid offending Muslims, adopting a more “consensual” tone than existed under Tony Blair.

However, the change provoked claims last night that ministers are indulging in yet more political correctness.

The sudden shift in tone emerged in comments by Mr Brown and Ms Smith in the wake of the failed attacks in London and Glasgow.

Mr Brown’s spokesman acknowledged yesterday that ministers had been given specific guidelines to avoid inflammatory language.

Officials insist that no direct links with Muslim extremists have been publicly confirmed by police investigating the latest attempted terror attacks. Mr Brown himself did not refer to Muslims or Islam once in a BBC TV interview on Sunday.
Ms Smith also avoided any such reference in her statement to MPs yesterday.

Oh ja, ich wäre da auch sehr vorsichtig! Am Ende werden die Araber oder Moslems noch böse. Und man weiß ja, wie gefährlich das ist. Deswegen: nichts sagen, so tun, als wüßten wir gar nicht, woher die Festgenommenen kommen.

Ob man das nun Vogel-Strauß-Taktik nennt oder zum ebenso ausgenudelten Bild der drei Affen greift – in gewisser Hinsicht ist das symptomatisch. Solche Anweisungen von höchster Stelle sind es, die Leute wie Majid Allam dazu bewegen, Europäern Duckmäusterum, Feigheit vor dem Feind und Anbiederung vorzuwerfen. Und so ganz ist es wohl nicht von der Hand zu weisen, daß diese Furcht, empfindliche Moslems zu kränken, gerade schon absurde Formen annimmt.

Mich verblüfft das besonders angesichts der (arme Leser, Ihr wißt schon, was jetzt kommt!) scharfen Töne, die britische Politiker und Professoren und Gewerkschaftler anschlagen, wenn es um Israel geht. Vor uns haben sie eben keine Angst.

Kommentare

1. willow - Juli 3, 2007, 22:11

“Des Kaisers neue Kleider” liebe ich ja noch viel mehr… sie haben wirklich *nichts* an – wenn wir uns nur trauen, es zu sehen.

2. Piet - Juli 3, 2007, 22:53

Hmmm… die scharfen Töne aus GB (die ich nicht teile, aber das muss ich hoffentlich nicht erst betonen) richten sich gegen Israel, nicht gegen „die Juden“. Von den mir bekannten Moslems heißt keiner die Terror-Anschläge gut oder rechtfertigt sie in irgend einer Hinsicht, ganz im Gegenteil, und vermutlich dürfte das auch für den größten Teil der Moslems gelten.

Nicht alle Moslems also über einen Kamm zu scheren finde ich ehrlich gesagt eine Selbstverständlichkeit – eher traurig, das extra betonen zu müssen. Warum sollten wir diejenigen, die in der Regel eh schon ausgegrenzt sind, ein weiteres mal stigmatisieren, statt ihnen unsere Solidarität zukommen zu lassen (endlich mal!) und uns gleichzeitig ihrer Solidarität zu versichern?

Ob Majid Allam (who ever that might be) das nun als Duckmäusertum empfindet oder nicht, ist mir dabei ziemlich Wurscht. Traurig für ihn, wenn er nicht zu unterscheiden weiß! (Dass zwischen Einstellungen/Taten und Interpretationen derselben (Schwäche, z.B.) Welten liegen können, weiß Israel doch selber ;-) ).

3. Loco - Juli 3, 2007, 23:34

Sollte man nicht trennen zwischen “islamisch” bzw. “muslimisch” einerseits und “islamistisch” andererseits? Nicht jeder Moslem ist schließlich ein Saladin oder Bin Ladin – allerdings auch nicht jeder ein weiser und weltoffener Denker.

4. Norbert - Juli 4, 2007, 0:23

Hat das nicht eher etwas damit zu tun, dass die Anschläge auf eine bestimmte Wirkung in der Presse abzielen und man den Attentätern nicht den Gefallen tun möchte, genau so zu reagieren, wie sich diese das wünschen? Die Täter möchten als Repräsentanten und Speerspitze einer großen Masse gesehen werden, sie stattdessen als strafrechtlich handelnde Individuen zu sehen scheint mir nicht völlig falsch zu sein.
Mir fällt die (wahre?) Geschichte von einer Selbstmordwelle in der Antike ein, die unter jungen Frauen um sich griff. Die Mode endete schlagartig, als verfügt wurde, dass künftig die unbekleideten Leichname öffentlich zur Schau gestellt werden sollten.
Nicht, dass ich diese Methode auch für islamistische Attentäter empfehlen möchte – aber das Ziel muss doch sein, die imaginären Vorstellungen dieser Leute zu durchkreuzen, das ein Nachleben als Held und Märtyrer für den Glauben beinhaltet. Das aber kann nur mithilfe der Muslime gelingen. Es muss sogar von ihnen ausgehen. Dazu ist durchaus Druck von Nicht-Muslimen nötig und hilfreich. Aber der darf nicht so aussehen, dass er die Risse zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen noch vergrößert, sonst ist er kontraproduktiv.

5. jim - Juli 4, 2007, 0:59

“Vor uns haben sie eben keine Angst.”

Eine beeindruckende Analyse, ein mit Sicherheit vollkommen zutreffender Aspekt, Kompliment!

6. Manfred - Juli 4, 2007, 5:20

“Sollte man nicht trennen zwischen “islamisch” bzw. “muslimisch” einerseits und “islamistisch” andererseits?” … Ja, ich denke, das sollte man. So wie wir ja auch trennen zwischen Apfelbaum und Apfel, zwischen Alkohol und Alkoholismus, zwischen Antijudaismus und Antisemitismus, zwischen Ursache und Wirkung.

Es hat keinen Sinn so zu tun, als habe der Islamismus keine Wurzeln in der Religion, auf die er sich beruft. Wenn der islamistische Terror dem koranischen Ethos so offensichtlich und unbestreitbar ins Gesicht schlagen würde, wie häufig behauptet wird: Woher kommt es dann, dass es Millionen Muslime gibt, die das offenbar nicht wissen, und für die Bin Laden daher ein Volksheld ist? Woher kommt es, dass sich palästinensische Eltern freudestrahlend zum “Märtyrertod” ihres eigenen Kindes beglückwünschen lassen? Warum empfindet keiner der Millionen Muslime, die die Mohammed-Karikaturen als Beleidigung empfunden haben, es als Gotteslästerung, wenn der Name Gottes im Zusammenhang mit der Ermordung von Menschen angerufen wird?

Die westlichen Gesellschaften ringen sich laaaaaangsam zu der Erkenntnis durch, dass wir des westlichen Antisemitismus nicht Herr werden, solange dessen religiös-kulturelle Grundlage, nämlich die antijüdische Tendenz des Neuen Testaments, nicht kritisch hinterfragt wird. Es wird spannend sein zu sehen, wie lange es bis zu der Erkenntnis dauert, dass der Islamismus die Welt mindestens so lange heimsuchen wird, wie der Koran nicht kritisch gelesen wird und sich auch keiner traut, dies zu verlangen.

7. Add a link - Juli 4, 2007, 6:55

Ich glaube, Lila, der neue britische Premierminister gibt bisher wenig Anlaß, von einer “Vogel-Strauß-Taktik” zu reden.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/meinung/analysen_aus_der_zeitung/?em_cnt=1165694&sid=18c90a7f8a2ce202782b82511f92c48e

Daß das unzivile Gerede vom “war on terror” seitens der britischen Regierung aufgegeben wird, ist doch auf jeden Fall ein Fortschritt. Der Weg von der Kriegsverliebtheit, die die Metapher inspiriert, bis zum tatsächlichen Krieg hat sich in der jüngsten Geschichte als recht kurz erwiesen.

Im Moment (“the terrorism crisis”) zu vermeiden, die Assoziation von Terrorismus und Islam zu bekräftigen, während die Polizei noch ermittelt und nach ihren eigenen Kriterien der Sorgfalt Beziehungen zwischen den Anschlagsversuchen und religiösem Extremismus noch gar nicht bestätigen kann, kann durchaus als Ausdruck verantwortungsvollen Regierens gelesen werden. Eine Tabu über Realität ist das noch lange nicht; es ist ein Spekulationstabu, das einer Regierung nicht schlecht ansteht.

Übrigens nennt eine Deiner Quellen Jack Straw den britischen Außenminister, während Straw tatsächlich Justizminister ist; Außenminister ist David Miliband.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/?em_cnt=1163684&sid=ad7898d07f6ae9a54fdc6fe35ea441d2

8. Lila - Juli 4, 2007, 7:18

Zum Unterschied zwischen Islam und Islamismus: ich achte in meinen Beiträgen immer darauf, die Begriffe auseinanderzuhalten. Ich meine auch, ich habe oft genug betont, daß das erste Opfer des Islamismus der nicht-islamistische Moslem ist. Die angeordnete Nicht-Erwähnung der Tatsache, daß die Terroristen Moslems und Islamisten und Araber waren, steht dann einer vernünftigen Einordnung der verschiedenen Konzepte gegenüber. Wenn die Presse nicht mal erwähnen darf, daß sie Moslems waren, wie soll sie dann den Unterschied zwischen Moslem und Islamist erklären? Denn es gibt garantiert genügend Leute, die das verwechseln.

Meine Quelle zu Jack Straw ist übrigens alt. Er war damals Außenminister. Und Ken Livingstone hat sich auch Äußerungen gegen Juden geleistet.

Was den Ausdruck “war on terror” angeht, halte ich ihn auch für irreführend und phrasenhaft. Krieg ist verglichen mit dem Kampf gegen den Terror eine einfache und geregelte Angelegenheit mit klaren Adressen und Zuständigkeiten, zwischen Staaten, mit Kriegszielen und klar defnierbarem Ende. Der Terror dagegen ist so amorph und schwierig zu fassen, daß ein Krieg gegen ihn sinnlos ist. Weswegen ich KAMPF gegen den Terror sage.

Mich vor der Aussage zu drücken, daß ich Terror gern bekämpft sehe, halte ich dagegen für unehrlich. Man kann sich natürlich auf den Standpunkt stellen, daß man Terror nicht bekämpfen, sondern verstehen und als expressive Geste gekränkter, unterdrückter und bedauernswert unreifer Völkerschaften respektieren sollte. Für diesen Standpunkt finden sich bestimmt Stimmen. Aber ich halte es für sinnvoller, Terror zu bekämpfen.

Die Frage ist, WIE. Ich halte Sprachregelungen aller Art nun mal für kontraproduktiv.

9. Add a link - Juli 4, 2007, 8:09

Eine Regierung sollte eine einheitliche Sprache sprechen, und sie darf sich überlegen, welche. Pauschal über “Sprachregelungen aller Art” kann ich nicht urteilen.

10. willow - Juli 4, 2007, 9:27

Tja, nicht nur die Bemühung den Namen von “du weisst schon wem” zu vermeiden ist eine schöne Parallele … auch das Verdrängen der Einsicht, daß der Gemeinschaft der Krieg erklärt wurde ist vergleichbar.

Und natürlich wird der Überbringer schlechter Nachrichten bestraft… wie kann man nur einen “clash of cultures” herbeireden, oder durch unziviles Gerede vom “war on terror” die Vernichtung von 1,5 Milliarden Moslems vorbereiten!? Wir müssen nur ganz viel vom Frieden reden und uns fest bei den Händen halten, dann wird schon alles gut…

Heute Morgen habe ich in den Zeitungen zu dem Anschlag in Jemen gelesen (sinngemäß ) “durch solche Anschläge erreichen die Terroristen, daß westliche Touristen mehr und mehr islamische Länder meiden”. Was naturgemäß auch Ingenieure, Techniker, humanitäre Helfer einschließt. Darüber hinaus werden religiöse und ethnische Minderheiten “vertrieben”. Damit tritt ein ähnlicher Effekt ein wie im Gaza, die Neugeborenen kennen ihren “Feind” nicht mehr persönlich sondern nur noch aus der Propaganda.

Es gibt mit Sicherheit keine Organisation die Gewalttaten radikaler Islamisten weltweit koordiniert, aber das scheint auch unnötig – offenbar reicht es, wenn die Ansicht vermittelt wird “wir müssen gegen die Ungläubigen kämpfen, dort wo wir gerade sind und mit den Mitteln, die uns gerade zur Verfügung stehen”. Den Rest besorgen dann besonders eifrige Jünger vor Ort.

11. steff - Juli 4, 2007, 13:46

“…zwischen Alkohol und Alkoholismus…”

Schöner Vergleich. Und das im Gegensatz zu den anderen sogar ganz unironisch. Denn tatsächlich ist nicht jeder, der alkoholische Getränke trinkt, Alkoholiker.

Ich würde mich sogar zu der wahrscheinlich extrem gewagten Hypothese durchringen: bei weitem nicht jeder.

12. Lila - Juli 4, 2007, 14:03

Bei weitem nicht jeder Alkoholtrinker ist Alkoholiker, und längst nicht jeder Moslem ist Islamist. Unbestritten.
Daß sich so wenige empörte Moslems finden, die gegen Terror demonstrieren, im Vergleich zu empörten Moslems, die gegen dänische Karikaturen protestieren, mag daran liegen, daß sie Angst haben vor ihren fanatisierten Glaubensbrüdern.
Denn sie haben vermutlich schon gelernt, daß Moslems, die von Islamisten abgeschlachtet werden, wenig Aufmerksamkeit erregen und nicht auf Hilfe rechnen können.

http://www.iht.com/articles/ap/2007/05/21/america/NA-GEN-US-UN-Israel.php

13. willow - Juli 4, 2007, 14:53

Ein richtig interessantes Feuilleton im Deutschlandradio

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/641723/

da wurde tatsächlich im Dradio “Voldemort” gesagt… immerhin!

14. Manfred - Juli 4, 2007, 15:37

Auch die anderen Vergleiche sind nicht ironisch. Der gemeinsame Nenner ist, dass wir es mit Phänomenen zu tun haben, die durchaus deutlich voneinander unterscheidbar sind, die aber – und deswegen klingen sie tatsächlich ironisch, und das ist natürlich Absicht – miteinander kausal verbunden sind in dem Sinne, dass das jeweils erstgenannte Phänomen die notwendige (aber nicht hinreichende) Voraussetzung des letztgenannten ist.

15. Add a link - Juli 4, 2007, 20:47

willow, Du sagst unter Nr. 10 im zweiten Absatz: “Und natürlich wird der Überbringer schlechter Nachrichten bestraft… wie kann man nur einen ‘clash of cultures’ herbeireden, oder durch unziviles Gerede vom ‘war on terror’ die Vernichtung von 1,5 Milliarden Moslems vorbereiten!? Wir müssen nur ganz viel vom Frieden reden und uns fest bei den Händen halten, dann wird schon alles gut…” (Auslassungspunkte von Dir)

Da Du, wenn auch unmarkiert, meine Worte zitierst, muß ich Dich verstehen, als würde mit der Kennzeichnung des Ausdrucks “war on terror” als eines unzivilen Geredes ein Überbringer schlechter Nachrichten bestraft. Dies ist falsch. Erstens überbringt die Rede vom “war on terror” keine Nachricht; zweitens wird mit der Kennzeichnung als unzivil niemand bestraft, es wird lediglich eine Norm behauptet. — Weiter tust Du so, als sei mit meiner Charakterisierung der Phrase als unzivil der Vorwurf verbunden gewesen, mit ihr werde “die Vernichtung von 1,5 Milliarden Moslems” vorbereitet. Ich weiß das leider nicht ernst zu nehmen und lasse es als Manifestation einer zu Extremen neigenden Phantasie unkommentiert stehen. — Dasselbe gilt für den dritten Satz.

Was Deine projizierte Frage angeht, “wie kann man nur einen ‘clash of cultures’ herbeireden”, so kann ich nur sagen, daß gerade angesichts von existierenden Konflikten in den Kontaktzonen von Kulturen es allerdings unreflektiert (andernfalls aber aufwieglerisch) zu nennen ist, wenn diese Konflikte als Konflikte der Kulturen im ganzen dargestellt werden. Solche Rede hat in der Tat ein Potential zur self-fulfilling prophecy, der Vorwurf des Herbeiredens ist deshalb vollkommen gerechtfertigt. Dasselbe gilt natürlich für Huntingtons “Clash of Civilizations”.

Daß die neue britische Regierung im Bewußtsein ihrer Verantwortung solches Herbeireden zu vermeiden trachtet, ist in meinen Augen keineswegs zu kritisieren. Daß ihre Mitglieder sich nicht, nach Deiner Phantasie, “fest bei den Händen halten” (ist das übrigens Bayerisch?), daß die Regierung vielmehr handelt, kannst Du aber durchaus dem Text hinter dem ersten der Links entnehmen, die ich oben gesetzt habe.

16. willow - Juli 4, 2007, 21:17

Hmmm, wie weiter? Ich glaube nicht, daß Huntington den “clash of cultures” erfunden hat, den gab es schon vorher, und auch Politiker und Wissenschaftler, die entsprechendes auch geäußert haben.

Das Ganze kreist doch darum, ob wir dieses “der Islam gegen den Rest der Welt” akzeptieren oder ob wir es als Verschwörungstheorie abweisen. Die von mir gern verlinkte Karte http://chromatism.net/bloodyborders/ scheint schon darauf hinzudeuten, daß es irgendetwas gibt, daß islamische Staaten und Regionen irgendwie in gewalttätige Aktionen treibt – auch der Blick in die Geschichte zeigt, daß ein “guter Moslem”, der den Anweisungen seiner heiligen Schriften folgt, auf die eine oder andere Art auf die
Weltrevolution hinarbeiten muß.

Die Frage ist doch, warum solche Ansichten in unseren Medien sehr schnell unter den Tisch gekehrt werden – auch wenn sie falsch sind, warum wird nicht darüber gestritten? Ich glaube, das was im Moment stattfindet ist einfach “Apeasement”, vergleichbar der Haltung Britanniens zu Zeiten des Münchner Abkommens. Die damalige Stimmung läßt sich durchaus mit der heutigen vergleichen.. man hat irgendwie das Gefühl, der Gegenseite Unrecht zugefügt zu haben, redet die Agressivität klein, will alles tun, um den Frieden zu bewahren (Pech für die Tschechen…) und überhaupt ist doch all die Propagand der “Falken” kontraproduktiv.

Heiner Geissler sagte mal (damals war er noch nicht bei Attac) “der Pazifismus der 20er Jahre hat Auschwitz erst ermöglicht”.

17. willow - Juli 4, 2007, 21:24

Ich bin mir nicht sicher ob es mir gelungen ist, meine Gedanken in Worte zu fassen. Hier fühlte ich mich verstanden:

http://debatte.welt.de/kommentare/27249/die+terroristen+wollten+frauen+toeten?highlight=%2C

18. Lila - Juli 4, 2007, 22:02

Ja, der Artikel ist interessant. Schwieriges Thema, man will ja wirklich niemandem Unrecht tun. Ich persönlich ganz bestimmt nicht. Ich habe ja ständig mit Menschen aller Religionen und Ethnien zu tun, und darauf möchte ich nicht verzichten. Ich habe ja schon erzählt, daß ich aus Angst, jemanden zu Unrecht zu beschuldigen, darauf verzichtet habe, Hilfe gegen einen mir in dem Moment höchst verdächtig aussehenden Mitpassagier zu rufen. Ich hab es nicht fertiggebracht, eventuell einen Unschuldigen zu Boden geworfen zu sehen. Ich habe mich geschämt, ihn überhaupt zu verdächtigen. Das war vor fünf Jahren, als jeden Tag Busse in die Luft flogen, auch auf meiner Linie – in einem Sammeltaxi in Haifa. Und oh my, er sah verdächtig aus, mit Anorak im warmen Frühling…. Genug.
Aber die stete Weigerung, die Aussagen militanter Moslems und Islamisten ernstzunehmen, scheint mir nicht weniger diskriminierend zu sein als es eine Weigerung wäre, mit ihnen an einem Tisch zu sitzen und eine Mahlzeit zu verzehren. Oder eine brutale Generalverdächtigung.
Add a link, ich verstehe es wirklich nicht. Die Terroristen selbst zitieren ständig den Koran, berufen sich mit ihrem letzten Atemzug im Schrei Allahu Akbar auf ihren Gott, für sie ist dieser religiöse Hintergrund von enormer Wichtigkeit – wieso ist es dann okay, ihn zu verschweigen? Weil eine sachliche Darstellung oder differenzierete Analyse vielleicht falsch aufgefaßt würde? Meinst Du im Ernst, man sollte das Publikum immer nach dem niedrigsten gemeinsamen Nenner beurteilen?
Damit hast Du ja gleich sowohl den Medienkonsumenten als auch die Moslems patronisiert.
So wie es bei einem Ehrenmord oder einem sogenannten “Mord mit romantischem Hintergrund” (unsägliche, Gott sei Dank abgeschaffte Sprachregelung von Journalisten alter Schule zu Mord als Endpunkt einer Beziehung oder Ehe) nicht verschwiegen wird, ob Männlein oder Weiblein die Tat begangen hat – so wie es bei einer Schießerei in der Westbank nicht schamhaft verschwiegen wird, daß israelische Soldaten es waren, die aus Versehen einen mit Spielzeuggewehr “bewaffneten” Jugendlichen erschossen haben – so wie nicht verschwiegen wird, daß es deutsche Neonazis sind, die Ausländer verprügeln – so wie beim Namen genannt wird, wenn bestimmte Anhänger eines Fußballklubs für ihren Vandalismus berüchtigt sind — so sollte man ja klar aussprechen dürfen, daß es Gruppen gibt, die den Islam für ihre Ziele instrumentalisieren. Oder ihn uminterpretieren. Oder seine ureigentlichen Intentionen in die Tat umsetzen. Wie auch immer. Und über die Standpunkte muß man dann diskutieren, am besten mit Moslems.
Diese ewigen Eiertänze, dieses tralala-tun-wir-so-als-wäre nichts, das finde ich unerträglich. Und schlicht falsch. Wie sollen die Moslems, deren Zorn ja so gefürchtet wird, eigentlich je an einem Dialog teilnehmen, wenn ihr Problem mit Islamisten nicht mal erwähnt werden darf?
Laß es Dir von einer pathologisch Konfliktscheuen sagen: es nützt alles nichts. Ein schwärender Konflikt geht irgendwann auf, das ist wie ein Pickel. Er wird nicht schöner dadurch, daß man ihn überschminkt. Und der Konflikt ist nun mal da. Wir haben ihn ebensowenig gewollt wie einen Pickel. Aber wenn er nun mal da ist, muß man damit fertigwerden.

19. buchstaben, wörter, sätze & mehr ::: andreas streim - Juli 5, 2007, 16:53

Sprechverbot

Eigentlich ein klarer Fall für Henryk M. Broder: Offenbar hat der neue britische Premierminister Gordon Brown seine Regierung angewiesen nicht von “Moslems” in Bezug auf die mutmaßlichen Terroristen in Großbritannien zu sprec…

20. Add a link - Juli 6, 2007, 1:09

willow, also, ich bin ein ziemlicher Medienignorant. Ich verstehe in gewissem Sinne nicht, warum manche eine journalistisch so schlechte Sendung wie die Tagesschau ansehen, zum Beispiel. Aber in seriösen Zeitungen etwa wie der FAZ wird doch kontrovers über den Islam diskutiert. Sofern ich Medien nutze, kann ich Dein Urteil nicht bestätigen. Aber, wie gesagt, ich bin einfach nicht einmal ein schlechter, sondern leider überhaupt kein Beobachter der Medien.

Hier ging es ja aber nicht um die Medien, sondern um die britische Regierung, die, während ihre eigene Polizei noch zu keinen Ergebnissen über religiös-politische Hintergründe des Attentats gekommen ist, sich verbietet, darüber zu spekulieren. Das scheint mir guter Stil zu sein. Etwas anderes wäre es, wenn Erkenntnisse unterdrückt würden, aber dafür gibt es doch keine Anzeichen. Gordon Brown scheint ein mutiger und bedachter Mann zu sein, der die Briten ehrlich darauf vorbereitet, daß der Terror so schnell nicht wieder aufhören, daß er wahrscheinlich sogar zunehmen wird und daß es stark zu sein gilt. Und ich hoffe, daß er selbst stark genug sein wird, um dem Druck zum Aktionismus, der bei jedem Anschlag unvermeidlich aufkommt, zu widerstehen. Auf jeden Fall scheint er frei von der Versuchung, der Megalomanie der Terroristen eigene Omnipotenzphantasien entgegenzusetzen. Vielleicht hat er das Standardwerk von Louise Robertson gelesen:

Terrorismus ist eine Kommunikationsform: Terroristen wollen Aufmerksamkeit und am liebsten eine Reaktion, die die Gerechtigkeit ihrer Sache bestätigt und ihnen aus der Gemeinschaft, für die sie zu kämpfen beanspruchen,
Sympathien einbringt bzw. das Ansehen ihres Gegners beschädigt. Manichäer wie Bush spielen dem in die Hände. Aber denk nur daran, wie bei uns in Deutschland die viel besonnere Regierung Schmidt es nicht zu vermeiden vermochte, der RAF Sympathien zu verschaffen. Du erkennst heute noch jeden Sympathisanten leicht an dem Ausdruck “Deutscher Herbst”. (Übrigens ein Ausdruck, in dem die Haltung der expliziteren heutigen Antideutschen schon vorgeformt ist.) Nein, es ist wichtig, die Terroristen gesellschaftlich zu isolieren und zu delegitimieren. Die Terroristen sind eine kleine Minderheit in der islamischen Welt. Der Islam gegen den Rest der Welt, das ist eine Ambition der Terroristen, es kann keine Ambition von uns sein. Stell Dir einfach vor, Deutschland hätte nicht nur die Terroristen, sondern die ganze Linke bekämpft, alle Sympathisanten und alle Sympathisanten von Sympathisanten … Und wenn es andere Probleme mit islamisch geprägten Menschen gibt (Ehrenmorde z. B. haben allerdings wenig mit der Religion und viel mehr mit der Verwandtschaftsorganisation zu tun), dann muß man sich natürlich damit auseinandersetzen, aber ohne dies mit dem Terrorismus durcheinanderzuwerfen.

Mit Pazifismus und Appeasement hat dies alles wenig zu tun (wegen Pazifismus kannst Du Dich immer an Lila wenden ;) ), vielmehr mit Augenmaß und Effektivität.

Lila, über das nun schon Gesagte hinaus: Ich habe gar nichts dagegen, sich mit den religiösen Hintergründen der islamistischen Terrorgruppen zu beschäftigen. Ich habe gar keine Zweifel, daß sich im Islamismus Widerstände gegen die Moderne zeigen, die im Koran angelegt sind. Ich kann nur kompetent nicht viel dazu sagen. Aber man darf nicht vergessen, daß gleichwohl die meisten Muslime keine Terroristen sind; es gibt keinen Grund, ihnen Bekenntnisse abzuverlangen oder dergleichen.

21. willow - Juli 6, 2007, 11:59

Hmm, wenn “Terrorismus ist eine Kommunikationsform” ist, dann wollen die Terroristen also einfach nur reden? Sprengstoffanschläge als Form des Dialogs? Na gut, letzlich ist auch Propaganda irgendwie eine “Kommunikationsform”… aber was spricht dagegen, soetwas einfach “Waffe” zu nennen? Ist es sinnvoll zu verschleiern, daß wir schon mitten in einem Krieg sind? Der entscheidende Unterschied zwischen dem Terror der RAF und dem heutigen besteht meiner Meinung nach einfach darin, daß die RAF keinen Rückhalt in der “Normalbevölkerung” hatte.

Die Tat soll Aufmerksamkeit auf das Anliegen der Terroristen (d.h. einer Kriegspartei) richten, sie soll Anhänger mobilisieren, sie soll den Gegner (insbesondere die gegnerische Bevölkerung) verunsichern und zu einer Änderung seines Verhaltens bewegen. Manchmal soll der Gegner erpresst und zu Zugeständnissen gezwungen werden, manchmal soll er provoziert werden, damit seine Repressionsmaßnahmen den Terroristen weitere Sympathisanten in die Arme treiben.

Es ist wie in dem Mao-Zitat “Einen bestrafen, hunderte erziehen!”.

“Aber man darf nicht vergessen, daß gleichwohl die meisten Muslime keine Terroristen sind; es gibt keinen Grund, ihnen Bekenntnisse abzuverlangen oder dergleichen.”

Nun, zynisch gesagt waren “damals” die wenigsten Deutschen in der SS, selbst in der NSDAP war nur eine Minderheit. Auch iIn der der Sowjetunion, China, Kambodscha oder auch der DDR waren immer nur winzige Minderheiten an Grausamkeiten beteiligt. Man sollte also die Verbrechen der Faschisten, Bolschewisten, Maoisten etc. nicht verallgemeinern, für die einfache Bevölkerung gibt es keinen Grund, Stellung zu beziehen oder sich gar von bestimmten Verbrechen zu distanzieren – obwohl sie in ihrem Namen begangen wurden (und werden)!?

22. Lila - Juli 6, 2007, 12:32

Add a link, zu Deinem Satz

“Aber man darf nicht vergessen, daß gleichwohl die meisten Muslime keine Terroristen sind; es gibt keinen Grund, ihnen Bekenntnisse abzuverlangen oder dergleichen.”

Wie schon erwähnt, erwarte ich keine Bekenntnisse von irgendjemandem. Aber ich frage mich natürlich schon, wie kommt es eigentlich, daß die vielen Moslems, die auf der Straße sind, wenn es um Proteste gegen “Beleidigung des Islam” geht, nicht mal gegen Terrorangriffe demonstrieren? Bis ich die erste große Massendemo von Moslems gegen die Vereinnahmung ihrer Religion durch Islamisten sehe, gehe ich davon aus, daß sie das goutieren. Denn demonstrieren können sie ja durchaus – gegen alles, was als Islamophobie wahrgenommen wird.

Aber da einer der Gründe der Islamophobie der Terror ist, wäre es doch mal sinnvoll, sich dagegen energisch zu verwahren? Wobei ich die Zivilcourage der Moslems, die das tun und ihre Stimme gegen den Islamismus erheben, sehr respektiere. Aber es sind immer nur einzelne, isolierte Stimmen.

Und bei aller Entschlossenheit, den Moslems in meiner Umgebung nie mit Vorurteilen zu begegnen, frage ich mich manchmal schon, warum da nicht mehr Stimmen des Protests sind – wenn der Islamismus doch dem Islam so fremd ist.

23. Hannes - Juli 7, 2007, 1:58

“Ich habe gar nichts dagegen, sich mit den religiösen Hintergründen der islamistischen Terrorgruppen zu beschäftigen. Ich habe gar keine Zweifel, daß sich im Islamismus Widerstände gegen die Moderne zeigen, die im Koran angelegt sind. Ich kann nur kompetent nicht viel dazu sagen.”

Zur Fortbildung:

http://hotair.com/archives/2007/05/26/hot-air-introduces-blogging-the-quran/

24. Add a link - Juli 7, 2007, 11:51

Liebe Lila, wir sind uns einig, daß es hilfreich wäre, wenn sich mehr Moslems klar zu den Dschihadisten äußern würden. Wie hier bei Europa um die Ecke, in Istanbul, neulich zu dem politischen Mord an Hrant Dink, als 50-100 Tausend demonstriert haben: “Wir sind alle Armenier.”
http://de.wikipedia.org/wiki/Hrant_Dink
Das hat mich sehr beeindruckt. Aber das kann man hin und wieder anregen, man kann es nicht fordern. Wenn Du bis auf weiteres davon ausgehst, daß die Moslems den Terror “goutieren”, heißt das, daß Du verdächtigst. Das ist natürlich die implizite Forderung eines Bekenntnisses und stärkt nicht das gegenseitige Vertrauen. Terrorismus ist Nervenkrieg, Lila.

willow, Dein Argument zum selben Punkt wäre nur schlüssig, wenn Du voraussetzen würdest, die NS-Verbrechen seien nur im deutschen Namen und nicht von Deutschland begangen worden. Es war Deutschland. Es ist nicht der Islam, der den Terror verübt.

Es freut mich, daß ich zum Hauptthema des Threads, der Sprache der britischen Regierung, keinen Widerspruch mehr finde. Ich habe außerdem einige sehr allgemeine Bemerkungen dazu gemacht, wie man auf Terror reagieren sollte und vor allem hervorgehoben, daß man den kommunikativen Sinn sehen muß. Ich habe nicht gesagt, die Terroristen wollten nur reden, willow. Das wäre ein eingeschränkter Kommunikationsbegriff. Alles Handeln, wenn man es verstehen will, muß als Kommunikation analysiert werden. Das zu vertiefen, führte jetzt zu weit. Doch das bahnbrechende Buch von Watzlawick et. al 1967 ist immer noch zu empfehlen.

Vor dem Hintergrund dieses nicht mehr ganz jungen Buches teile ich übrigens nicht die Einschätzung der FAZ, das Buch von Richardson, das ich oben verlinkt habe, sei sensationell.
http://www.faz.net/s/RubC17179D529AB4E2BBEDB095D7C41F468/Doc~E1DD710B591304567BDC0B683568289AB~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Es ist lediglich die konsequente Anwendung einer noch zu wenig selbstverständlichen Perspektive auf das Thema Terrorismus. Wobei ich nicht weiß, ob Richardson sich mit Watzlawick befaßt hat. Sie kommt aus einer IRA-nahen Familie, lehrt heute in Harvard und hat ein Leben lang den Terrorismus rund um den Erdball erforscht. Sehr zu empfehlen, das Buch. — Man muß die Terroristen verstehen, um ihnen vernünftig antworten zu können. Weggucken hilft nicht.

Natürlich ist Terror, willow, nun, keine Waffe, aber eine Kampftaktik. Es liegt mir fern, dies oder sonst irgendwelche Tatsachen zu verschleiern. Daß wir “mitten in einem Krieg” seien, ist aber keine Tatsache. Und wenn man “mitten in einem Krieg” ist, dann läßt sich das auch unmöglich verschleiern. Unsere Gesellschaften werden auf noch nicht absehbare Zeit mit islamistischem Terror zu tun haben. Es gibt kein Mittel, das zu verhindern. Es liegt aber an uns, ob wir den Terroristen geben, was sie wollen. Du hast völlig recht, daß sie natürlich lieber noch als eine Überreaktion hätten, daß wir uns erpressen ließen. Deswegen spreche ich mich ja zum Beispiel auch immer gegen Gefangenenaustausche aus. Ebenso spielt es ihnen aber in die Hände, wenn wir ihre Bedeutung erhöhen, indem wir einen Krieg gegen sie verkünden, wenn wir ihren Anspruch unterstützen, den Islam zu repräsentieren, indem wir diesen Anspruch anderen Moslems vorhalten usw.

Ich wollte mit meinem letzten Post an einer Stelle übrigens provozieren, allerdings nicht mit dem Wort Kommunikation, sondern mit der Übertreibung, wer vom Deutschen Herbst rede, sei RAF-Sympathisant. Aber ganz falsch war das wohl nicht …

25. Add a link - Juli 7, 2007, 12:26

Add a link (zu Hrant Dink):
http://www.zeit.de/2007/06/KA-Tuerkei

26. willow - Juli 7, 2007, 12:53

“Es freut mich, daß ich zum Hauptthema des Threads, der Sprache der britischen Regierung, keinen Widerspruch mehr finde.”

Da wär ich vorsichtig – hier Meinungen aus Britannien:

“Secret EU guidelines have been drawn up warning governments not to link Islam and terrorism.

The politically correct directives are believed to be behind ministers not using words such as “Muslim’’ about Britain’s terrorism crisis.”

http://rungholt.wordpress.com/2007/07/03/der-ungenannte/#comment-18861

Lerserkommentar: “Isn’t this tantamount to Churchill telling Londoners not to call the foreign bombers overhead ‘Nazis’? “

27. Add a link - Juli 7, 2007, 14:00

Ich meinte eigentlich hier im Thread. Sicher waren nicht alle Piloten Nazis, was soll denn der Punkt dieses vermeintlichen Arguments sein?

28. willow - Juli 7, 2007, 14:26

Mea culpa… ich wollte dies hier verlinken ;)

http://www.express.co.uk/posts/view/12236

ergibt vielleicht mehr Sinn…

29. Add a link - Juli 7, 2007, 15:38

Danke für den Link. Ich schließe mich der Meinung an, daß es hier um Fragen geht, die nicht auf europäischer Ebene entschieden werden müssen. Inhaltlich, was die drei genannten Worte angeht, so ist es zwar so, daß sie in ungeschickter Weise gebraucht werden können, aber sie deshalb einfach zu vermeiden trägt sicher nichts dazu bei, über etwa nötige Differenzierungen aufzuklären. Vernebelnder Newspeak ist das aber, soweit ich sehe, auch noch nicht. Nur ärgerliche Regulierung.

30. willow - Juli 8, 2007, 18:20

Nun, bei aller Ernsthaftigkeit, dies hier ist natürlich der Lacher des Tages

http://www.focus.de/politik/deutschland/galerie_did_10869.html?slide=12

oder sollte das ernstgemeint sein!?

31. grenzgaenge - Juli 8, 2007, 18:31

ich fuerchte es ist ernstgemeint, willow !

leider, leider, leider ……

grenzgaenger

32. willow - Juli 8, 2007, 20:08

Wenn irgendwann mal wieder die Diskussion hochkocht, ob die westeuropäischen Medien, insbesondere die deutschen, irgendwie latent einseitig berichten, das wär ein schönes Argument… wenn Irgendwer böse ist, dann doch der Jude! (Da sie ja keine Antisemiten sind, stecken hinter der Weltverschwörung natürlich nicht die Juden – sondern die Israelis ;) )

33. grenzgaenge - Juli 8, 2007, 22:22

ja, “der jude” ! das ist schliesslich eine gewohnte uebung in deutschland (und nicht nur dort), das muss ja gar nicht mehr neu gelernt wurde. nur das man heute nicht unbedingt mehr “die juden” sagt, sondern eben “israel” und/oder “israel und die usa”. das ist halt die feinere umschreibung fuer die “juden”. man will ja nicht in falschen verdacht geraten. habe gerade in meinem blogg was geschrieben das in die gleiche richtung geht ….

34. Dr. Dean - Juli 9, 2007, 0:58

Ich schätze keiner Hysterie. Und ich schätze keine wohlfeilen völkischen Verallgemeinerungen, und besnders nicht, wenn irgendwer von “den” Juden spricht, “den” Musels, “den” Isralis oder “den” Arabern.

Solche Zeitungen und Medien meide ich. Es gibt genug Kot auf der Welt – da fällt es leicht, um Medien mit grob verallgemeinernder oder sogar verhetzender Sprache eine Bogen zu machen. Ich wüsste, offen gesagt, abgesehen vom munter polternden Broderich, nicht einmal, wo es üblich ist, von “den” Moslems oder “den” Juden zu sprechen.

Abgesehen davon (aber das hat mit dem Thema nur noch am Rand zu tun) macht es meine Herkunft mir schwer, besondere Begeisterung zu empfinden, wenn sich politische Diskussionen in Deutschland um den Nahen Osten drehen. Als Deutsche (der ich übrigens auch bin) haben wir genügend eigene Probleme, z.B. einen zum Verfassungsfeind degenerierten Innenminister.

Es mag herzlos klingen, auch wenn es nicht so gemeint ist: Ich danke IHM mit meiner ganzen Seele, dass wir bei uns – sehr weitgehend – von den Problemen verschont sind, die in Israel und seinen unmittelbaren Nachbarn herrschen – und scheinbar sogar (recht viele) Herzen beherrschen. Von der zerstörerischen Kraft von Hass und Gewalt sind wir bei uns vergleichsweise verschont. Weil ich selbst ein recht emotionaler Mensch bin, weiß ich nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich, wie die meisten Israelis, in einer Welt der Feindseligkeit und Bedrohung leben würde – und was das mit mir tun würde.

Ich vermute: Nichts Gutes. Ich wäre zu schwach, um mich dem zu entziehen. Und wie gesagt: Darum bin ich ungemein froh, so herzlos das vielleicht klingen mag, von derlei Albdruck verschont zu sein.

35. willow - Juli 9, 2007, 10:52

@Mr.Dean:

“Solche Zeitungen und Medien meide ich. Es gibt genug Kot auf der Welt – da fällt es leicht, um Medien mit grob verallgemeinernder oder sogar verhetzender Sprache eine Bogen zu machen.”

Welche Zeitungen und Medien differenzieren denn bzgl. “die Israelis” etwas gröber als “israelfeindliche und/oder antisemitische Israeli = gut” “alle anderen Israeli = schlecht” !?

Und “die Juden” sind doch immer nur gut, wenn und solange sie die eigenen Ansichten vertreten – sowie sie abweichlerische Ansichten vertreten (siehe z.B. Giordano) werden sie augenblicklich böse. Israelfreundliche Juden sind automatisch böse.

36. Dr. Dean - Juli 9, 2007, 17:27

willow, vielleicht schreibe ich völlig unklar, ich vermute sogar, dass das der Fall ist. Mir ging es darum, wie die Macht der Gewalt die Herzen bestimmt, wie Verletzungen das Denken prägen. Insofern, sei mir bitte nicht böse, ist Dein Kommantar ein passendes Beispiel. Ich glaube nicht, was Dein geängstigtes bzw. verletztes Herz glaubt, nämlich dass in deutschen “Zeitungen und Medien” alle Juden für “böse” gehalten werden, die irsraelfreundlich sind.

Ich glaube übrigens nicht, jedenfalls nach meinen beschränkten Erfahrungen in meinen Kreisen, dass die in der Israelfrage (furchtbares Wort!) bzw. in Nahostfragen besonders radikalen deutschen Juden sonderlich repräsentativ sind. Wer sich als Trommler für möglichst radikale Maßnahmen hervortut, wer vielleicht zusätzlich noch eine besonders radikale zionistische Idee vertritt oder im Gefolge rechtsradikaler israelischer Positionen steht, der mag dafür seine Gründe haben, vielleicht sogar sehr gute, aber: Ist das gleichbedeutend mit “israelfreundlich”?

Ich weiß nicht. Das Bemühen um “Israelfreundlichkeit” mag ja da sein – aber schwerlich können die radikalen Positionen für sich alleine in Anspruch nehmen, “israelfreundlich” zu sein.

Da mag ich mich natürlich auch irren.

Im Übrigen, aber das wirst Du mir neben dem eben formulierten Widerspruch zu Deiner Auffassung vielleicht zusätzlich zum Nachteil auslegen, wer weiß, vielleicht sogar mit Recht, kann man durchaus der Auffassung sein, dass Giordano sowohl kluge wie auch dumme Sachen sagt.

Doch, und das frage ich Dich, willow: Wer in den deutschen “Zeitungen und Medien” nennt Giordano darum einen “bösen Juden” – oder macht deutlich, dass er dies tatsächlich meint??

Ich kann das nicht erkennen. Aber vielleicht hat das damit zu tun, dass mir Deine sehr spezifische Sichtweise fehlt – die sicherlich nicht zufällig zustande gekommen sein wird. Ich kann nur erkennen, was ich sehe, was sich meiner Aufmerksamkeit nicht entzieht. Eine insgesamt israelfeindliche deutsche Presse kann ich z.B. nicht erkennen.

Vielleicht bin ich ein Dummkopf. Vielleicht aber hat es auch damit zu tun, was ich eigentlich angesprochen haben wollte, nälmlich der Gewalt und ihrer deformierende Kraft. Ich selber, und das wird auch an meiner oft allzu zugespitzten Ausdrucksweise deutlich, wäre ihr hilflos ausgesetzt – es würde mich aggressiv machen und meine Sichtweise prägen, ich würde in einer inneren Welt tausender wahrgenommener Ungerechtigkeiten leben, auf die ich anspringe, schon bei Kleinigkeiten.

Sieh das bitte nicht als Vorwurf. Denn: Mir selbst ginge es so. Wirklich.

37. willow - Juli 9, 2007, 20:01

“Ich glaube übrigens nicht, jedenfalls nach meinen beschränkten Erfahrungen in meinen Kreisen, dass die in der Israelfrage (furchtbares Wort!) bzw. in Nahostfragen besonders radikalen deutschen Juden sonderlich repräsentativ sind”

Ich weiß, du magst den Autor nicht, aber da der Artikel gemau das thematisiert – bitte lesen:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/heinrich/

38. Lila - Juli 9, 2007, 20:18

Zum Thema Medien und Nahost hat Ruth, die Unermüdliche, einfach mal konkret verglichen:
http://beer7.wordpress.com/2007/07/05/berichterstattung-im-vergleich/

39. Dr. Dean - Juli 10, 2007, 15:11

achgut lese ich nicht. Wer direkt zu amerikanischen Christofaschisten wie Ann Coulter verlinkt, hat mir nichts zu sagen, sorry. Weder zu Themen der Geschichte, noch zur Gegenwart. Rein garnichts. Genausowenig wie diese Londoner Professoren (oder wer auch immer).

Im Übrigen glaube ich, unabhängig von diesem fragwürdigen Autorenkreis, dass es durchaus jede Menge Gründe und Anlässe gibt, zu glauben, dass Israel, seine Probleme sowie die nahöstlichen Verhältnisse – sogar recht oft – falsch und ungerecht dargestellt werden.

Eine detaillierte und dabei stets zutreffende und ausgewogene Darstellung dürfte ohnehin, rein konfliktbedingt, ein wirklich schwieriges Unterfangen sein. Ich jedenfalls traue es mir nicht zu. Und es gibt weit und breit kaum einen Autoren, dem ich es zutraue.

Was diese londoner Professoren umtreibt, nun: Zur Hälfte verstehe ich es, meine ich jedenfalls, und zwar als irregeleiteten Beschützerinstinkt, zur anderen Hälfte als Versuch, sich moralisch über andere zu erheben. Weder die Art und Weise, noch die vertretenen Inhalte finden dabei mein Verständnis.

Aber muss ich mich wegen ein paar unwichtigen Knallköpfen, die das Thema verfehlt haben, aufregen? Nein. Ich versuche sie zu ignorieren – genauso übrigens wie die teils von Thinktanks cofinanzierten Hetzer bei achgut (und das, obwohl ich glaube, dass es dort einige talentierte Autoren gibt).

Weder dies – noch das – repräsentieren für mich einen rationalen und von menschlichen Mitgefühl geprägten Diskurs. Man kann es sich schlichtweg gut sparen. Ich und andere mögen – in Grenzen – ein gewisses Verständnis für die zur Schau gestellte moralische (und teils pseudomoralische) Empörung haben, aber in der Sache handelt es sich selten um mehr als Zeitverschwendung. Hellsichtige Extremisten sind etwas sehr Seltenes. Finde ich jedenfalls.

Außerdem finde ich, dass Extremisten oftmals die Gabe besitzen, die Herzen zu vergiften und dort das Gefühl von Ungerechtigkeit bis hin zu Friedlosigkeit oder sogar Gewaltwünschen zur Blüte zu bringen. Da schätze ich nicht.

40. willow - Juli 10, 2007, 15:46

“achgut lese ich nicht. Wer direkt zu amerikanischen Christofaschisten wie Ann Coulter verlinkt, hat mir nichts zu sagen, sorry”

Christofaschisten … hmmmmm

Dabei fällt mir ein, ich wollte meine Stammbuchhändlerin ermuntern ein Warnschild anzubringen “Vorsicht! Lesen gefährdet Ihre Unwissenheit!” man weiß ja nie, nachher beschwert sich noch Jemand… ;)

41. willow - Juli 11, 2007, 11:28

“Sie werden also weitermachen, uns zu erklären, der Terror habe nichts mit dem Islam zu tun, ja sei geradewegs das Gegenteil dieser wunderbaren Religion, deren besonders gläubige Anhänger, beleidigt man sie, in dem man ihrer Religion Schlechtes nachsagt, nebenbei zu Terroristen werden. Dann aber gilt, das der Westen Schuld ist, wenn arme in ihrer Ehre verletzten Ärzte Massenmord begehen, da der Westen ja nicht verstehen will, was für eine friedliche und tolerante Religion der praktizierte Islam ist.

Deshalb folge man dem neuen britischen Premier bitte und vermeide es Islam überhaupt mit Terror in Verbindung zu bringen: “Gordon Brown has banned ministers from using the word ‘Muslim’ in ¬connection with the ¬terrorism crisis.”

Oder, noch besser, man folge diesem unseligen Londoner Bürgermeister Ken Livingstone und suche die Schuld bei so genannten Islamophibie, einem Kampfbegriff, den einst Khomenei erfand, um unverschleierte Frauen zu denunzieren, und der heute ein Lieblingswort aller Linksappeaser geworden ist.”

aber http://www.wadinet.de/blog/?p=367#more-367 iss bestimmt auch eine Seite die man nicht lesen darf…

42. Dr. Dean - Juli 11, 2007, 12:22

wadinet gehört mitsamt Herrn Osten-Sacken (oder wie der heißt) sogar ganz sicherlich zu einem Komplex, welcher von rechtsgerichteten Think Tanks cofinanziert wird. So sehr dieser Umstand (um es anders zu sagen: die finanzierte Parteilichkeit) also in der Sache – gerade gegenüber dem dort verlautbarten Wort – zur Vorsicht rät, so tragisch ist das zugleich. Denn der Verein, der hinter wadinet steht, ist ja keineswegs ein Reich des Bösen.

Aber das wadinet-blog mit seinem höchst fragwürdigen Autorenkreis – als Quelle einer ernsthaften und sorgfältigen Meinungsbildung: Das meinen Sie hoffentlich nicht so ganz ernst, oder? Dann kann man ja gleich den Rundbrief von HC abonnieren, nach Möglichkeit auswendig lernen – und den Rest an “Information” aus, ähem, Quellen wie LGF, Daniel Pipes und Daniels, äh, Davids Medienkritik ziehen.

Wie gesagt: Kann man machen. Vermutlich wäre es zugleich unterhaltend, dazu moralisch erhebend, weil es in dieser politischen Welt klare, eindeutige Schurken gibt und sympathische, niemals kritisierbare Helden. Und man selbst, sofern man die dort vertretenen Positionen überwiegend teilt, steht immer auf der richtigen Seite und darf alle übrigen mit größtmöglicher Verachtung betrachten, sowohl diejenigen, die falsch informiert sind, als auch diejenigen, welche anhand abweichender (bzw. anders wahrgenommener) Kenntnisse zu abweichenden Urteilen kommen. Man sieht es auch an der offenkundigen Begeisterung der Teilnehmer derartiger Netzwerke: Eine sehr schöne politische Welt.

Ich wüsste aber keinen wirklich guten Grund, es zu tun – und derlei Quellen Ernst zu nehmen. Verzeihung.

Und dass Sie nicht wahr haben wollen, dass Ann Coulter eine Christofaschistin ist: Das sei Ihnen überlassen. Sie schreiben in Kommentaren ja recht intelligente Dinge – wenn ich also davon ausgehe, dass Sie Ann Coulter politisch akzeptabel finden, oder jedenfalls keineswegs als Christfaschistin einstufen, dann werden Sie hoffentlich dafür gute Gründe haben.

Verzeihung: Haben Sie doch, oder?

43. willow - Juli 11, 2007, 14:50

Naja, wir können natürlich alle, die nicht 100% unserer Meinung sind als Faschisten diffamieren – wir ja auch häufig so gemacht… Wir können allerdings auch Kriterien anlehgen, die sich irgendwie daran anlegen, was z.B. Faschismus/Nationalsozialismus in Theorie und Praxis waren. Fundamentalistischen Islamisten kann man dann schon unterstellen, daß die von ihnen angestrebte Gesellschaftsordnung eine Menge faschistoider Züge hat – ebenso wie so mancher realexistierende “sozialistische” Staat mehr vom Nationalsozialismus hatte als von den durchaus ehrenswerten linken Idealen. Aber wie müßte ich mir dann eine “Christfaschistischen Staat” vorstellen – wie die islamische Republik Iran, nur mit katholischen Vorzeichen!? Und soetwas soll Frau Coulter anstreben? Mal ehrlich, sie als stramm rechts nicht sonderlich unparteiisch und eigentlich ziemlich unsympatisch einzustufen reicht doch, es muß nicht immer wieder der Nazivorwurf sein – zumal das häufig unfreiwillig lustig wirft, wenn gerade Deutsche die US-Amerikaner, Briten, Juden… als Nazis beschimpfen.

Zur Quellendiskussion: Natürlich kann und darf man nicht alles, was so auf Internetseiten steht wortwörtlich nehmen – keine frage. Aber ich hinterfrage ja auch, was ich in Tageszeitungen lese, was in Spiegel, Stern, Focus etc. steht, von den Nachrichtensendungen in Radio und Fernsehen nicht zu reden. Alles gut und schön. Aber wenn ich mich ganz bewußt einseitig informiere, dann bedeutet das auch, daß ich nicht von Informationen behelligt werden möchte, die meinen reinen Glauben erschüttern könnten. Das kann durchaus sinnvoll sein, nicht umsonst galt es in der DDR als schlimmes Vergehen, seine Informationen nicht ausschließlich aus den offiziellen Medien zu beziehen – die Verantwortlichen wußten schon, daß es die Lenkung der Bevölkerung nicht gerade einfacher machte, wenn Westradio und Westfernsehen der eigenen Propaganda entgegenwirken.

Ja, ich habe “honestly concerned” abonniert -und zumindest den Beiträgen gegen Faschismus, Rassismus und Ausländerfeinschaft in Deutschland könntest bestimmt auch du zustimmen. Auch viele Beiträge auf der “Achse des Guten” sind durchaus lesenswert, auch und gerade weil ich nicht jedem der dort vertretenen Standpunkte zustimmen kann und will. Aber das macht ja gerade den Reiz aus… der Preis ist allerdings, daß ich mich gelegentlich von liebgewonnenen Vorurteilen trennen muß – aber das mache ich eigentlich ganz gern…

44. Dr. Dean - Juli 11, 2007, 17:35

Fundamentalistischen Islamisten kann man dann schon unterstellen, daß die von ihnen angestrebte Gesellschaftsordnung eine Menge faschistoider Züge hat

Ja. M.E. wenig überraschend, wenn man die vertretenen Inhalte kennt, und wenig überraschend auch in der allgemeinen Form – denn:

Jede Form des politischen Extremismus hat, in die politische Praxis übersetzt, faschistoide Züge. Ich wüsste im Moment jedenfalls keine Ausnahme davon. Wobei, und das überrascht, wenn man näher hinsieht: Manche Islamisten sind – im Rahmen ihrer Gesellschaftsordnung – Demokraten und Modernisierer. Die Islamisten in Ägypten werden mir damit nicht symphatischer – aber ich halte halt wenig davon, alles über einen Kamm zu scheren. Die Erdogan-Partei in der Türkei hat gewiss viele Islamisten in ihren Reihen – die politische Wirkung dieser Regierungspartei ist jedoch eine andere, als man vorher geahnt hat.

ebenso wie so mancher realexistierende “sozialistische” Staat mehr vom Nationalsozialismus hatte als von den durchaus ehrenswerten linken Idealen.

Nun, es gab recht viele Linke in den 50er Jahren, welche z.B. die DDR – trotz echter und/oder vermeintlicher Ideale – als totalitäre und bürokratische Gesellschaftsform ablehnten. Ich wäre daher vorsichtiger, wenn man verallgemeinernd, und dann noch unter Bezug auf realsozialistische Strukturen, von “linken Idealen” spräche. Auf der Realebene vermute ich, zumal mich sehr vieles von Sozialisten und Linken trennt, dass linke – und zumal sozialistische – politische Ideen im Falle ihrer Umsetzung recht schnell in Richtung Bürokratisierung und sogar tendenziellen Totalitarismus enden können. Aber zwangsläufig ist das nicht – und ein Vergleich gerade mit dem Nationalsozialismus halte ich auch im Fall der DDR für verfehlt. Obwohl: Die dort gepflegten Traditionen zur politischen Inszenierung, ähem…

Aber wie müßte ich mir dann eine “Christfaschistischen Staat” vorstellen

Fragen Sie Frau Ann Coulter – ! Weniger schnoddrig beantwortet, würde ich sagen, dass es sich nicht lohnt, sich mit der faschistoiden Ideenwelt von Coulter zu befassen – eine eigene Staatsidee (hatte ich davon gesprochen) würde ihren Tellerrand ohnehin weit überragen. Aber die politischen Vorschläge, welche von dieser “Dame” kommen, eignen sich hervorragend als Beispiel dafür, was eine faschistoide oder gar offen faschistische Rhetorik im politischen Diskurs darstellt.

Ich bin sicher: Wer diese hochgradig extremistische Dame in der Geschmacksrichtung Christofaschismus lobend verlinkt, ist von allen guten Geistern verlassen. Der hier offene Faschismus zeigt sich u.a. an den Vorschlägen zum Umgang mit politischen Gegnern und angeblichen Gefahren (dabei immer schön verallgemeinerndes Gruppendenken anwendend), in der Verheztung gegenüber Menschengruppen, in der jede Idee von Menschenwürde widersprechenden Form politischer Gestaltungsvorschläge. Nein, beenden wir lieber das Thema Ann Coulter. Zeitverschwendung und Ärgernis zugleich. Wenn Sie sich selbst mit der politischen Ideenwelt dieser Dame befassen wollen: Ich rate Ihnen davon ab – es sei denn, sie finden üble politische Hetzer vom evangelikal angefärbten radikalchristlichen Lager interessant.

Bei dieser Dame müssen sie nur ihre Formulierung “die Moslems” mit “die Juden” austauschen. Dann ist man verblüffend genau bei einem Vertreter des Nationalsozialismus.

Wer Ann Coulter vorbildlich findet: hat sich politisch auf das Übelste verrannt.

45. willow - Juli 11, 2007, 19:32

Dennoch finde ich ziemlich bedenklich, wie leichtfertig du den Stempel des “Faschisten” vergiebst (oder auch Verfassungsfeid, Verbrecher etc.), ist irgendwie inflationär… und deine Verweigerung, auch Informationen zu akzeptieren die vom “Westfernsehen” kommen finde ich irgendwie befremdlich. Das ist ja gerade eine der Stärken des Internet. Womit wir wieder beim Eingangstext wären – ohne die Möglichkeiten des Internet, ausländische Zeitungen oder auch Blogs direkt zu lesen (auch die böseren!), könnten “uns” die offiziellen Medien (wobei ich die Nicht-Bürgerlichen ausdrücklich einbeziehe) sehr viel mehr Informationen vorenthalten oder zumindest in stark gefilterter Form vorsetzen. Und ganz ehrlich, im Vergleich zu Indymedia oder auch “Junge Welt” ist doch die “Achse des Guten” zurückhaltend und ausgewogen… man beachte z.B. die Berichterstattung über den Nahen Osten, nur als ein Beispiel.

Apropos: Mit Provokationen ist das ja immer eine Sache, ähnlich wie Blähungen oder Kinder – die eigenen sind generell OK, wenn z.B. Leute oder Parteien provoziert werden die ich nicht mag ist das alles Bestens. Aber wenn dann Jemand kommt und mich und meine Freunde “dizzt” – faschistoid! So gesehen ist Frau Coulter auch nicht mehr als der “Michael Moore” der amerikanischen Konservativen…

46. grenzgaenge - Juli 11, 2007, 19:52

“Dann kann man ja gleich den Rundbrief von HC abonnieren”

stell dir vor, dr. dean, ich habe den rundbrief von honestly concerned abonniert. so was boeses aber auch. weisst du warum ich den rundbrief abonniert habe ? weil ich gelegentlich auch was anderes lesen will als kommentare von dr. dean !

47. Dr. Dean - Juli 12, 2007, 12:20

@grenz…

weil ich gelegentlich auch was anderes lesen will als kommentare von dr. dean !

Hmm. Es ist Ihnen hoffentlich recht, wenn ich Ihre Anmerkung als Scherz auffasse oder jedenfalls nicht als Versuch, ad hominem zu gehen?

@willow
Um nicht im Kreis zu argumentieren – und auch aus Zeitmangel – nicht aus fehlenden Respekt, greife ich mir aus Ihrer Antwort nur einen winzigen Schnipsel raus. Vielleicht kann ich anhanddessen ein paar Punkte besser verdeutlichen.

“Im Vergleich zu Indymedia und Junge Welt”

Ähem. Ich finde: Kein guter Vergleich. Oder, eigentlich doch…

Als ich meine Abneigung gegenüber einseitigem Extremistengeschwätz formuliert habe, hätte man diese beiden dazurechnen können. Als klassische Informationsquelle halte ich diese beiden Medien für ungeeignet, deshalb, weil die meisten dort tätigen Autoren entweder damit beschäftigt sind, Informationen zu verfälschen – und sei es durch extreme Einseitigkeiten, oder sie sind damit beschäftigt, ihre i.d.R. extrem krude Weltsicht zu verbreiten. Mit Linksextremistengeschwätz kann ich nur wenig anfangen.

Und da sind wir – meiner Meinung nach – strukturell genau auch bei dem Problem von HC bzw. dem extremistischen “prowestlichen” Lager. Wer nicht sehen kann, dass dort, teils sehr schlimme, Einseitigkeiten gepflegt werden: der sollte HC auf das Gründlichste vermeiden. Pardon. HC ist einseitig – und verfälscht, zugunsten der eigenen Weltsicht, die Berichterstattung.

Und ähnlich wie bei Junge Welt und Indymedia: Auch dort gibt es nur bedauerlich wenige Bereiche der “Berichterstattung” (i.d.R.: Propagandaverbreitung), welche sachlich informieren – und zudem eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Informationsangeboten darstellen.

Beispielsweise: Bei Artikeln zur israelischen Gesellschaft (in Indymedia oder Junge Welt) würde ich regelmäßig einen Kotzreiz verspüren. Also spare ich es mir. Ich mag es nicht, wenn Autoren versuchen, mich als Leser zu manipulieren oder zu betrügen.

Ganz prinzipiell. Überhaupt ist es schwierig, jedenfalls meiner Meinung nach, wenn Leute Informationen verbreiten, wenn diese – sehr allgemein gesprochen – es auf politischen “Krawall” angelegt haben.

Und wenn man das “Glück” gehabt haben sollte, die hinter HC stehenden Extremisten wie Jörg Haller und seinen christlich-messianischen Freundeskreis persönlich kennenzulernen: Dann wird man HC eher meiden, meine ich.

Sorry, ein Rundbrief von politisch extremistischen Endzeitfreaks: Warum sollte ich sowas abonnieren? Welche Informationen finde ich dort, die mir woanders vorenthalten werden? Ich begreife das nicht.

Dennoch finde ich ziemlich bedenklich, wie leichtfertig du den Stempel des “Faschisten” vergiebst

Wenn Ann Coulter nun einmal eine Christofaschistin ist: Was dann?

Und wo ist die Ähnlichkeit zu Moore? Hetzt dieser auch über Menschengruppen? Fordert dieser auch Bombardierungen und Krieg? Ich wüsste eine Vielzahl sehr guter Argumente gegen Moores Filme und Bücher – aber warum sollte ich ihn dann gleich auf eine Stufe mit christofaschistischen Hassverbreitern stellen?

Ruft Moore auch: “Tötet sie!”? Ich muss das jetzt wohl annehmen.


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