Qassam-Ticker Juni 29, 2007, 23:26
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Wirds schon langweilig? Und ich mach das nicht mal jeden Tag.
Drei Qassams heute. Keine Verletzten, sie landeten auf dem Feld. Glück gehabt.
Für die Leute, die da leben, ein Russisches Roulette. Für den Rest der Welt, ein No-item. Für mich, ein Anlaß, meinen Ticker zu schreiben. Damit auch meine Leser ein bißchen nachfühlen können, wie sich der Waffenstillstand in Israel anfühlt. Und wer ihn täglich bricht. UND dann noch von uns Strom und Wasser umsonst erhält, und noch weitaus mehr fordert…
Prioritäten Juni 29, 2007, 20:42
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Ich gehe mal davon aus, daß in vielen Nachrichtensendungen die versuchten Anschläge in London Hauptthema sind. Bei uns nicht. Freitagabend ist die längste und wichtigste Nachrichtensendung in allen drei Kanälen. Überall reden sie um kurz nach acht über unseren Ex-Präsidenten Kazav, dessen Rechtsanwälte es geschafft haben, ihn halbwegs rauszuhauen. Da er es geschafft hat, mit Drohungen und Verfolgung die meisten Belastungszeuginnen über Jahre hinweg ruhigzustellen, liegen viele seiner ekelhaften Verbrechen so lange zurück, daß es kaum noch möglich ist, sie hieb- und stichfest zu bezeugen, zu beweisen, nachzuweisen. Darum hat der sonst recht mutige Meni Mazuz, juristischer Berater der Regierung, dazu geraten, die schlimmsten Beschuldigungen aus der Klageschrift wegzulassen - weil sie nicht nachweisbar sind.
Es ist eine einzige widerliche Angelegenheit. Plea bargain bedeutet, daß er “zugibt”, ein paar “kleinere” Übertretungen begangen zu haben - was aber, den Aussagen seiner Söhne und Rechtsanwälte zu entnehmen in seinen Augen absolut harmlos war. Mein Gott, mal ein Küßchen hier, eine kleine Umarmung dort! Was in Wirklichkeit in seiner Umgebung abgegangen ist, ist so ekelhaft, daß Y. und ich den Ton abgestellt haben. Pfui Teufel.
Er hat nicht nur Vergehen aus der Albtraum-Schublade jeder Frau begangen, sondern seinen Status skrupellos ausgenutzt, um seine ganze Umgebung mundtot zu machen. Die reinsten Mafia-Methoden, um eigene Missetaten zu verbergen. Und es müssen viele Leute davon gewußt haben, aber trotzdem haben sie ihn zum Präsidenten gewählt - aus reinem machtpolitischem Kalkül. Es kann einem in jeder Hinsicht die Kotze hochkommen - ich glaube, dieses Wort schreibe ich hier zum ersten Mal hin, aber ehrlich, ist doch wahr.
Außerdem hat er uns allen Schaden zugefügt - hat unser Vertrauen in die inneren Vorgänge auf höchster staatlicher Ebene, das sowieso eher dünn war, vollkommen zerstört, hat als Repräsentant des Staats Israel uns alle bloßgestellt und mit seinen widerlichen Taten beschmutzt, er hat gelogen, betrogen, ist vollkommen aus dem Ruder gelaufen und hat immensen Schaden angerichtet. An die Frauen, die er gedemütigt, ausgenutzt, vergewaltigt, bedroht, eingeschüchtert und erpreßt hat… mag ich nicht mal denken.
Insgesamt ein Pfui Teufel nationalen Ausmaßes. Immerhin erleichtert es mich, daß der Aufschrei im ganzen Land zu hören ist. Die juristischen Feinheiten sind weder mir noch anderen Laien ganz klar - aber es ist ein Skandal, daß Kazav frei rumlaufen wird. “Ich wollte ihn im Knast sehen”, meinte mein Mann grimmig. Oh ja, ich auch.
Interviews mit verhinderten Märtyrern Juni 29, 2007, 17:54
Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.8 comments
In der JPost findet sich ein interessantes Interview mit Dr. Anat Berko. Berko ist eine interessante Frau, erst kürzlich in recht hohem Rang aus der Armee ausgeschieden, promovierte Kriminologin.
Anat Berko
Sie möchte mehr wissen über ein Phänomen, das wirklich schwer zu verstehen ist: die Motive von Selbstmordattentätern. Zu diesem Zweck hat sie in israelischen Gefängnissen einsitzende verhinderte Shaheedim befragt.
Sie hat ein Buch darüber veröffentlicht, The Path to Paradise.

(Leider noch nicht ins Deutsche übersetzt, auch bei Deutsch-Amazon nur auf Englisch erhältlich.)
Ihre Eltern kommen aus dem Irak, weswegen sie als Kind Arabisch lernte. Sie meint zwar, es ist nicht gut genug, aber es hilft ihr, das Vertrauen der verhinderten Selbstmordattentäter zu gewinnen, in deren innere Welt sie Einblick gewinnen will. Außerdem hilft es, daß sie eine Frau ist. Denn einer Frau öffnet man sich leichter, man kann mit ihr emotional kommunizieren, sie wird sofort als verständnisvoll wahrgenommen und nicht in erster Linie als feindlich.
She found that being a woman was definitely an asset in terms of connecting with people and getting them to open up.
“As a woman I felt that I represented a wife, a mother, a sister and a friend, which altogether brings intimacy and does not cause conflict. The conversations could be much more open and go in the direction of feelings.”
Dasselbe Schema machen sich natürlich die Auftraggeber weiblicher Shaheedim zunutze. Junge Frauen, schwangere Frauen, Mütter, ältere Frauen - sie alle sind schon als lebende Bomben eingesetzt worden, zwar noch nicht im selben Ausmaße wie ihre männlichen Kollegen, aber zunehmend öfter. Berko meint, oft sind es Frauen, die etwas “gutzumachen” haben - Ehefrauen, die des Ehebruchs verdächtig sind, junge Frauen, die keinen Mann finden. Durch den Akt des Selbstmordanschlags retten sie ihre Reputation und fliehen aus dem Leben. Manchmal, so der Verdacht, werden sie regelrecht dazu gezwungen.
The world is probably going to see more and more women in the role of suicide bombers because it is so easy to send them. The Western world is focused on the male as a terrorist, not a female.
Berko concluded that the problem for the Western world, seen especially in Iraq, is that suicide bombers are not afraid of killing other Arabs when they act.
Ja, auch das ist eine Seite der Anschläge, die man kaum versteht. Ich habe auch immer gern Sammeltaxis mit arabischem Fahrer gewählt (von denen mich manche immer noch kennen und freundlich grüßen, obwohl ich auf der Strecke längst nicht mehr fahre), da habe ich mich immer sicher gefühlt. Das war zwar verständlich, aber doch ein Irrtum. Es hat genügend arabische Opfer gegeben, davon läßt sich ein Attentäter selten abbringen. Einmal im Norden hat ein Shaheed kurz vor der Explosion zwei arabische Mädchen gewarnt, und sie sind aus dem Bus ausgestiegen. Aber sonst - auch in Ägypten und Jordanien, vom Irak ganz zu schweigen, macht es der lebenden Bombe nichts aus, wen sie mitnehmen, Araber oder nicht.
Der Versuch, das Unverstehbare (gibt es das Wort?) selbst zu verstehen, zeigt, daß die üblichen Erklärungsmodelle (Armut, Verzweiflung, Unterdrückung…) eine sekundäre Rolle spielen.
The idea is that the shahid is not dead, but will continue his life in Paradise, under much better conditions. Everything that is forbidden to him on earth is allowed in Paradise. The men dream of the 72 “eternal virgins” with translucent skin and black eyes that they will have as their women. The women [suicide bombers] dream of being able to choose their husband in Paradise. This is especially true in cases where there is some kind of blemish on a family. The suicide bomber, then, also redeems the honor of his tribe. And he envisions all the admiration poured over him and his family after his death, with posters of him hung everywhere.
But there’s another point about the inner world of the suicide bombers. Their psyches resemble those of drug addicts and compulsive gamblers. Muslims talk about the ” duda,” - the “worm” that crawls into their heads and infiltrating their thoughts. The moment someone begins contemplating becoming a suicide bomber, it becomes an obsessive thought that takes control of his mind.
….Suicide bombers and their dispatchers are not mentally ill. It’s true that among them there are a few who could be called “borderline.” And, of course, it’s easier for us to say they are crazy and be done with it, because it’s so hard for us to understand their rationale.
Your mentioning their rationale brings me to radical Islam. How much of their behavior is rooted in their religion, and how much a distortion of it?
The fact is that not all Muslims become suicide bombers. There are some people, among them religious leaders, who provide the moral justification for killing women and children, which is otherwise forbidden by the Koran, as is suicide. But the minute it is considered neither killing nor suicide, but rather “self-sacrifice,” there’s no problem doing it. In other words, as long as it’s jihad against the infidels - whether they be Americans, Israelis or anyone else - it is acceptable.
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Berko steht der arabischen Mentalität nicht vollkommen fremd gegenüber, mit ihrer scharfen Unterscheidung zwischen Männern und Frauen, dem großen Gewicht auf Männlichkeit und Virilität. Ihre irakischen Eltern kannten auch solche Vorurteile.
Even I, the daughter of Iraqi Jews who made aliya to Israel, am personally familiar with this East-West divide. As a girl growing up in such a household, I felt it very strongly. There were many things that were hard for my father to accept, such as when I became an IDF soldier. Eventually, he got used to it and even came to admire my military career. But in the beginning, he couldn’t reconcile himself to it. This has nothing to do with education or a lack thereof. It’s an issue of mentality.
…
But look, even Sheikh Ahmed Yassin acknowledged that his daughter was the most successful of all his children. I interviewed him while he was in prison for five hours straight in December 1996, and he told me that he was aware of the fact that his daughter was the smartest of his children. And he said he would allow her to go abroad and study and lecture, but only under certain conditions. I asked him what those were. He said that he wouldn’t let her wear a skimpy teeshirt when she gave a lecture. I wanted to tell him, “Sheikh Yassin, even Western women don’t wear skimpy tee-shirts when we give lectures.” Other conditions were that he would make sure she was accompanied by a chaperone. In other words, even Yassin was aware that women are capable, but still they have to be guarded.
…
One of the sheikhs said to me, “The West is like a watermelon. When you open it up, it looks really beautiful, because you don’t see its worms.”
They also think of Western women as loose and cheap. They think of the Western family unit as declining - not solid as it is in Eastern culture. In Eastern culture, the family unit is very strong and it provides a sense of empowerment to its members, who are a source of support for one another at home and outside the home. So, they think of themselves as much more moral than Westerners.
Das ist interessant. Ich saß neulich mit einer gemischten Gruppe am Tisch: arabischen Studentinnen und deutschen Wissenschaftlern und Besuchern. Die jungen Araberinnen fragten nach, was denn im Leben der Deutschen die Familie für eine Rolle spielte. Sie waren aufrichtig erstaunt zu hören, daß für die deutschen Besucher ihre Eltern, Kinder und Geschwister sehr wichtig sind. “Ich dachte immer, in Europa sind die Familien total zerrüttet, und keiner hat Familiensinn. Jeder lebt woanders, Kinder tun, was sie wollen, keiner hilft dem anderen”, meinte eine junge Frau. Wohl gemerkt: eine israelische Araberin, die gerade an der Uni promoviert, also nicht von aller Welt abgeschnitten ist. Aber so tief sitzen die Vorurteile.
Ich mußte an mich halten, um nicht scharf zu reagieren - daß man nicht unbedingt bereit sein muß, seine Schwester für “Befleckung der Familienehre” umzubringen, um Familiensinn zu demonstrieren… aber das wäre taktlos gewesen. Die junge Frau hätte es auch nicht verstanden. Ich glaube auch, wenn ich sie noch mal träfe und fragte, was sie zu den Familienbeziehungen in Europa denkt - ich glaube, sie hat ihre Meinung nicht geändert. Dafür war das Gespräch nicht tiefgehend genug, und Worte allein ändern nicht viel. Leider.
You say that their family unit is a source of mutual support. Yet many Muslim women who escaped to the West have reported on widespread violence and incest within the Muslim-Arab family - as well as the common practice of honor killing. This fits in with what you said about everything’s being “shameful,” but contradicts your claims of parents protecting their children.
You’re talking about incest within Arab society. But I was speaking more generally about martyrs. One young woman I had interviewed in prison was released. Suddenly, I saw her there again not long afterwards. She said she had been sexually abused by a family member and when she complained about it, she was beaten up by another family member. So, what she did was bring a knife to a checkpoint and make sure the Israeli soldiers saw it. She told me they didn’t want to arrest her, but she insisted. In jail, she said, she is treated better than at home. Her jailer, she said, is nicer to her than her mother, who hit her when she complained about being raped by her brother.
Would she still be capable of blowing herself up and killing women like her jailer?
Oh yes. Look, I interviewed a suicide bomber who told me she had been in a coexistence program for Jews and Palestinians. She told me about all the Israeli girls she liked in the program. She reminisced about her friends Liat and Leah and Lilach, etc. This is a girl who was planning on blowing herself up in Israel. So I asked her if she wasn’t afraid that she might have blown up Liat and Leah and Lilach. And she said, “Oh, I didn’t want to kill them. I wanted to kill Jews.”
Also ich will hier nicht den ganzen lange Artikel rekapitulieren. Einfach mal selbst lesen. Es muß eine faszinierende Arbeit gewesen sein, und ich werde mir Berkos Buch mal ausleihen oder kaufen.


