Trübsinn Juni 28, 2007, 0:06
Posted by Lila in Land und Leute, Uncategorized.34 comments
Ja, wieso bin ich eigentlich so trübsinning? Es reicht, auf die Homepage einer beliebigen israelischen Zeitung zu gehen, geben wir uns das volle Menu und klicken wir auf die JPost.
Ein hübsch deprimierendes Stückchen von Barry Rubin über die palästinensische Gesellschaft und die Zukunftsaussichten.
I won’t go into that history of disaster in detail, but suffice it to say that what is happening now fits completely into that pattern.
Put your finger into the wine and flick one drop onto the plate for each item: 1948 war; 1967 war; failed West Bank guerrilla war; September 1970 in Jordan; terrorism; Lebanese civil war; intransigence; internal anarchy; the murder of the first moderates; corruption; incitement to terrorism and intransigence; throwing away the opportunity at Camp David; throwing away the opportunity of 1988 dialogue with the United States; the 1990s’ peace process; and the second intifada. Forgive me for leaving out even more such examples.Is there a pattern? Yes:
By seeking everything, get nothing. Having as one’s goal the destruction of Israel and total victory, rather than a compromise solution, the movement sank ever deeper into the mire.
Glorifying violence and terrorism brought death and destruction on the movement and its followers.· Embracing extremism, incitement, and demonization of Israel brought Hamas as its logical outcome.AND NOW ask yourselves one simple question: Do you really believe that the Hamas coup is going to scare Fatah straight? Are these leaders and ideologues really going to learn their lesson?
Klingt bekannt? Ja, das sage ich auch immer. Ich wünschte, wünschte, wünschte, ich sähe irgendwo am Horizont der palästinensischen Gesellschaft den Hoffnungsschimmer, mit dem ich Rubins und anderleuts Pessimismus verscheuchen könnte. Leider fällt mir gerade nichts Ermutigendes ein.
Dann über die Syrer, unsere lieben Freunde und Gutnachbarn, die sich rührend um die Palästinenser kümmern und sie mit dem versorgen, was sie am meisten brauchen: mit Waffen.
Lebanese Prime Minister Fuad Saniora said Wednesday that Syria was sending weapons to Palestinian refugee camps in Lebanon and vowed to bring up the issue before the Arab League.
“In recent weeks, ammunition, weapons and fighters have been brought to the camps,” Saniora told reporters on a visit to France.
Saniora added that he had asked the United Nations to renew the mandate of international peacekeepers in his country, despite an attack last weekend that killed six members of the force.
Ist es nicht rührend? Die Syrer lassen die Palästinenser nicht vor die Hunde gehen, die Libanesen werden ihre Freude an dem schönen neuen Spielzeug haben.
Lebanon is facing its most serious political crisis since the end of the 1975-90 civil war. Saniora’s Western-backed government and the Hizbullah-led opposition are locked in a fierce power struggle.
Dialogue is the only way to resolve Lebanon’s problems, Saniora said.
“We want Lebanon to be a nation, not a battlefield.”
Ich würde dem Libanon Stabilität und Frieden gönnen. Aber Syrien ist ein unruhiger Nachbar…
Und Iran! Meine Nachbarn, die Palästinenser, freuen sich über die iranischen Atomwaffen. Denn Atomwaffen sind ja noch viel männlicher als was sie so haben. Wortwörtlich kernig.
Iran’s potential acquisition of nuclear arms is favored by majorities in only Pakistan, Bangladesh and the Palestinian territories, a poll released Wednesday showed.
Wie sie sich vorstellen, daß wir bösen, bösen Israelis punktgenau ausradiert werden, ohne daß sie selbst dabei zu Schaden kommen, weiß ich allerdings nicht. Na ja, wie Lord Fawqwaad sagt, sie sind wohl bereit, für das hohe Ziel Opfer zu bringen. … Der Artikel sagt dazu leider nichts, denn eigentlich ging es um eine Beliebtheits-Skala der USA.
The US is still seen favorably in most countries surveyed, including India, Japan, Italy, Israel and many countries in Africa. American culture and technology are widely admired, and many believe a better life can be had by moving to the US.
As the US has waged its battle against terrorism over the past five years, its overall image has worsened. It has dropped from 75 percent favorable in Britain in 2002 to 51 percent now; from 60 percent to 30 percent in Germany; and from 64 percent to 56 percent in Mexico.
Tja, es ist eben eine Sache, abstrakt einen Krieg gegen den Terrorismus zu verkünden, und eine andere, das dann umzusetzen. Und wiederum eine dritte, zuzugucken und zu kritisieren….
Auch der Tod von 12 Palästinensern in Auseinandersetzungen mit der Armee kann mich nicht freuen.
The IDF said IAF aircraft fired at a group of armed Palestinian operatives who were headed towards IDF troops. Several of the gunmen were reportedly killed.
Earlier, troops from the Givati infantry brigade, backed by tanks and armored vehicles, swept into the southern Gaza Strip under cover from attack helicopters and took up positions on the outskirts of Khan Yunis.
As the troops entered the Palestinian territory, they encountered fierce resistance and came under gunfire and anti-tank fire. The IDF said that it had shot and killed at least two armed Palestinians in the southern Gaza town.
Also Wednesday, eight Kassam rockets fired from northern Gaza landed in and around Sderot and eight mortars landed in open areas in the western Negev. No one was wounded in the attacks.
Ad infinitum. Sie feuern täglich Raketen wahllos auf zivile Ziele, wir schicken irgendwann Soldaten rein, es entwickeln sich Kämpfe, dabei kommen Bewaffnete um und immer wieder auch Unbeteiligte. Ich weiß, es gibt immer wieder Leser, die mir das nicht glauben, aber wer hier länger mitliest und -verfolgt, was wir alles einstecken, bis wir zurückschießen… der wird mir vielleicht eher glauben, wenn ich sage: ohne Qassams und andere Angriffe aus dem Gazastreifen - keine israelischen Soldaten dort und keine Toten. Es ist keine “Spirale” der Gewalt, sondern ein Pfeil, ja ein Pfeilhagel, eindeutig aus der einen in die andere Richtung.
Und schließlich der traurige, traurige Abschluß. Der Abgeordnete der Nationalreligiösen Partei , dessen Tochter während der großen Terrorwelle in Jerusalem bei einem Anschlag ums Leben kam, hält es für gerechtfertigt, die Mörder seiner Tochter freizulassen, wenn dafür Gilad Shalit wieder nach Hause kann.
MK Yitzhak Levy (NU/NRP) announced on Wednesday morning that he would prepared to support the release of his daughter’s killers in return for captured IDF soldier Cpl. Gilad Schalit.
Levy - whose daughter, Ayelet Hashahar Levy, was killed by a car bomb in Jerusalem in November 2000 - sent a letter to Prime Minister Ehud Olmert, urging him to include the perpetrators of the attack in a prisoner swap deal, on the condition that they then be banished from Israel.
Das ist das jüdische Ethos - das in ausländischen Medien gern als Fratze der Vergeltung gezeigt wird, garniert mit dem konsequent falsch benutzten Zitat vom Auge und vom Zahn - aber in Wirklichkeit sucht der gläubige Mann Levy keine Vergeltung und keine Rache, sondern nur Schutz der israelischen Bevölkerung vor weiteren Anschlägen. Er möchte bestimmt keine weiteren Opfer eventuell freigelassener Terroristen sehen, und es ist leider bekannt, daß die meisten freigelassenen Terroristen weiter aktiv bleiben - ich weiß die genauen Zahlen nicht mehr, aber sie waren erschreckend.
Doch für Levy bedeutet das, daß er damit leben kann, wenn die Mörder seiner Tochter frei sind, solange sie nur daran gehindert werden, weiter zu morden. Er ist bereit, für einen höheren Preis einzustehen als viele andere Menschen. Ich weiß nicht, wie viele Angehörige von brutal ermordeten Opfern sich für die Freilassung der Täter aktiv einsetzen würden - es schreibt sich leicht hin, spricht sich leicht aus, aber es kann nicht leicht gewesen sein.
Und trotzdem - würde eine deutsche Zeitung so eine Meldung überhaupt für meldenswert halten, fände sich bestimmt der Schreiberling, der sofort daraus eine Saga der Rachsucht und des Rassismus machen würde. Arme Terroristen! Israel will sie nicht reinlassen! Das ist brutalste Apartheid! Sofort boykottieren!
Und dabei soll ich nicht trübsinnig werden?

