Heute neu Juni 25, 2007, 23:29
Posted by Lila in Land und Leute.trackback
Gestern habe ich viele, viele Stunden am Laptop gesessen und gearbeitet wie eine Irre. Irgendwie brach alles auf einmal über mich herein, und bis morgens halb fünf konnte ich nicht aufhören. Ich mußte und wollte einen ganz bestimmten Berg abtragen, und das habe ich getan. Deswegen war nicht genügend Kapazität fürs Bloggen frei.
Heute hab ich meinen Vortrag hier im Kibbuz gehalten, zum ersten Mal vor jüngerem Publikum. Ich habe meinen Kopf durchgesetzt, es durfte kommen wer wollte. Und es war brechend voll. Weil ich “im wahren Leben” so ein stilles unauffälliges Mäuschen bin, haben viele Leute hier gar nicht mitgekriegt, daß ich durchaus schon mal Vorträge vor Publikum gehalten habe und mir das wirklich nichts ausmacht. Eine Frau meinte vorher, ob ich aufgeregt bin, und warum ich nicht meinen Schwiegervater und meine Schwägerin eingeladen habe… neee. Die dachte sicher, ich mach das zum ersten Mal.
Es hat Spaß gemacht, da habe ich glaube ich einen festen Job. Lustig, jahrelang habe ich denen das immer wieder angeboten, aber sie haben immer wieder gesagt, “ach lieber nicht, bei uns gibt es viele, die keine Kunst mögen”, und so habe ich immer nur den alten Leuten Vorträge gehalten. Das hat sich heute wohl geändert. Sie mußten aber erst von Leuten aus der ganzen Umgebung hören, daß es sich lohnt, es mal mit mir zu versuchen. Das ist ganz lustig gelaufen, um viele Ecken.
Ja, und dann die Nachrichten. Wie gesagt, zu Gilad Shalit kann ich gar nichts sagen, diese Aufnahme ist ein brutaler Schlag in die Magengrube einerseits, aber andererseits ist es ein Lebenszeichen, und auch ein Anhaltspunkt. Die Hamas, so wie es auch die Hisbollah immer getan hat, spielt mit den Gefühlen der Angehörigen, hetzt die Familien und die Regierung aufeinander und hat ihr Späßchen dabei. Ich bewundere die Shalits und auch die anderen Familien unendlich für ihre Besonnenheit, ich würde glaub ich Amok laufen. Selbst Btselem findet die Umstände seiner Geiselhaft empörend.
Olmerts Rede in Sharm war die beste, die ich von ihm je gehört habe. Was nicht viel sagt, er ist kein Demosthenes. Auch zu lang war sie, er redet immer zu viel, aber er hat die israelische Position zu großen Teilen korrekt wiedergegeben. Irgendwann kam er ein bißchen vom Thema ab, aber er hat die Bühne benutzt, um bei Mubarak und König Abdullah einen schlanken Fuß zu machen, mit den Saudis zu flirten und ein paar Good-will measures anzukündigen. Schade, daß er seinen Appell an die Palästinenser nicht auf Arabisch sagen konnte, daß wir ihrer Staatsgründung nicht im Wege stehen, wirklich nicht. Wir warten seit Oslo darauf, daß sie sich abkühlen, beruhigen und wir endlich Tacheles reden können. Heute war kein Tacheles. Heute waren schöne Worte und das braucht man auch. Vor allem, wenn danach etwas nachkommt.
Ob sich die Ex-Wähler von Abu Mazen von der Solidaritäts-Demo für ihn beeindrucken lassen? Schwer zu sagen. Ich bin da nicht sehr optimistisch. Kann genausogut sein, daß ihm das “auf der Straße” noch weiter schadet.
Das war also mein Tag heute.


Ich war, und bin immernoch beeindruckt von Olmerts Rede in Berlin, genauer von diesen zwei Absätzen:
Wir haben daraus gelernt und uns diese Lehre genau eingeprägt: Wehe dem Schwachen und Schutzlosen. Wehe dem, der den Drohungen keinen Glauben schenkt. Wehe dem Gleichgültigen, der sich nicht darauf vorbereitet, den Gefahren zu trotzen. Wehe dem, der sich in falscher Hoffnung sonnt, der die Gefahr verleugnet und sich auf die Wohltätigkeit Fremder verlässt.
Und so werden wir von unseren Toten, den sechs Millionen, angehalten, alles Menschenmögliche zu tun, damit der Staat Israel das genaue Gegenteil, der diametrale Gegensatz zu der Bösartigkeit der Nazis wird. Er soll auf den ewigen Werten der Thora des Volkes Israel und der biblischen Propheten basieren: Auf der Ehre des Menschen und dessen Freiheit, auf sozialer Gerechtigkeit, auf menschlicher Moral, auf der Heiligkeit des Lebens und auf beständigem Streben nach Frieden.
Ich frage mich, wie es sich der Ministerpräsident erlauben kann, mal eben so die Freilassung von 250 palästinensischen Häftlingen zu versprechen. Entweder die Häftlinge sind nach geltendem Recht zu Haftstrafen verurteilt, so dass sie ihre Strafen absitzen müssen, oder Israel benutzt sie als ein Faustpfand, das es je nach politischer Nützlichkeit einsetzen kann. Und wer entscheidet überhaupt darüber, wer freigelassen wird und wer weiter sitzen muss, und welche Gegenleistungen werden wider alle schlechten Erfahrungen von den Palästinensern erwartet?
Klar ist, dass Gefangene der Hamas oder anderen islamischen Organisationen immer Faustpfände sind, kann man von einer rechtsstaatlichen Justiz in diesen Kreisen doch nirgends sprechen. Islamische Radikale zeichnen sich auch in Europa immer wieder dadurch aus, dass sie glauben, Gefangene seien Faustpfände, deren Freilassung man etwa als Bedingung für Wohlverhalten fordern könne. Selber haben sie natürlich weder Skrupel, jemanden gegen Geld laufen zu lassen, noch, ihm zu Terrorzwecken vor laufender Kamera den Hals durchzuschneiden.
ich schätze Ulmert und Abbas machen dieses tamtam lediglich, um vom eigentlichen Thema in Sharm el Shekh abzulenken: der Palestinensische Staat ist tot und begraben, ermordet von den korrupten Patriarchen der arabischen Gesellschaft, begraben von den Gangs in Gaza City.
Alle Zugeständinisse Ulmerts sind so grosszügig gar nicht: Viele der freigelassenen Terroristen sind in den arabischen Städten als Kollaborateure und Spione mit dem Tode bedroht. Die anderen Zugeständnisse wie Bewegungsfreiheit, Anerkennung der PA-Regierung, Stromversorgung für Gaza, Überweisung von festgesetzten Geldern - das alles dürfte von kurzer Dauer sein, da es ein paar militante Spinner wieder ausnutzen werden.
Ja, das haben wir alles oft genug gesehen… man hofft nur immer beim Zuhören, daß es mal jemand auf der anderen Seite kapiert, was wir eigentlich sagen….