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Oh, die Unmenschlichkeit! Juni 19, 2007, 17:15

Posted by Lila in Land und Leute.
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MDA ambulances on Tuesday crossed into the Palestinian side of Erez Crossing in the Gaza Strip to evacuate 15 casualties from Monday’s shooting incident at the crossing, in which Fatah military commander Jihad Madhun was killed when soldiers responded to an attack by Hamas operatives on a nearby military outpost.The casualties were set to be taken to Barzilai Hospital in Ashkelon.

Bin ich mal gespannt, ob die deutschen Medien sowas auch mal erwähnen. Die Rettungssanitäter und Fahrer, die die Palästinenser aus dem Gazastreifen ins Krankenhaus Ashkelon gebracht haben, haben dabei ihr Leben aufs Spiel gesetzt. Und das für Leute, die ihnen den Tod wünschen – auch die Fatah wünscht uns bekanntlich nichts Gutes.

 

Und zum „Totalembargo„:

 

Meanwhile, the army also allowed ten trucks of food and two trucks of medical supplies from the UN World Food Program to enter the Strip. The trucks crossed into Gaza via Kerem Shalom Crossing.

 

Col. Nir Press, commander of the IDF Coordination and Liaison Administration, supervised the trucks’ entry.

IDF spokesman Shlomo Dror said that barring any „interference“ from Hamas, aid would continue to enter Gaza from Israel in the coming days.

 

Meanwhile, Agriculture Minister Shalom Simhon urged Defense Minister Ehud Barak to find way of facilitating the delivery of agricultural produce from Israel to Gaza.

 

Several hundred trucks have been sent back to Israel since Hamas’s military takeover of the Strip, costing Israeli agriculture some NIS 20 million a week, Army Radio reported.

 

Aber schwafelt nur weiter, ihr Kommentarschreiber in Foren und Leserbriefen, von der Unmenschlichkeit Israels, den Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die hier die Regel sind.

Wie gut, daß ich den Glauben an eine letztendliche ausgleichende Gerechtigkeit retten konnte. Sonst könnte ich manchmal verzweifeln.

 

 

Update: ich glaube, ich weiß jetzt, woher die wohlmeinenden Israel-Kritiker ihre Munition beziehen. Von Al Jazeera. Denn da wird folgendermaßen getitelt:

 

Israeli tanks enter Gaza

Israeli tanks have crossed into Gaza near a key crossing point where at least 500 Palestinians are trapped, trying to flee from the territory since Hamas took it over.

The Israeli military said it had entered Gaza on Tuesday at the Erez (Beit Hanoun) crossing for a „limited time“.

 

Israeli civilian medics had begun to evacuate wounded and ill Palestinians at the crossing who are looking to flee to the West Bank.

 

An Israeli army bulldozer was seen knocking down concrete barriers at the crossing and shots were fired from the Israeli side of the border.

 

As the Israeli military action, the Fatah moved to break off all contacts with Hamas.

 

Weil aus Sorge um das Leben des Rettungspersonal eine Eskorte der Armee die Rettungsarbeiten begleitet, wird gleich eine militärische Aktion draus. Demnächst werden die Israelis für diesen brutalen Übergriff bestimmt wieder international verwarnt. Die Panzer rollen in Gaza!

 

Es ist also eigentlich kein Wunder, daß bei einer solchen automatischen Interpretation die Israelis als militante Aggressoren gesehen werden. Auch in Deutschland genießt Al Jazeera anscheinend Respekt, bei der Deutschen Welle oder Spiegel International jedenfalls liest man schon mal „das arabische CNN“. Aber so richtig ehrlich würde ich diese Berichterstattung doch nicht nennen. Ich sollte öfter mal Al Jazeera lesen und überprüfen, wie viele deutsche Journalisten eigentlich aus dieser recht trüben Quelle schöpfen.

 

Wenn ich mir vorstelle, was im umgekehrten Falle los wäre – wenn verletzte Israelis auf die Hilfe der Hamas angewiesen wären…

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Nun, hat der Leser im Geiste geantwortet, „aaaber aber, von den Palästinensern erwarten wir gar nicht erst Menschlichkeit!“, dann frage ich: wieso eigentlich nicht? Wie können wir je mit Menschen Frieden schließen, Verträge schließen, von denen niemand die grundlegendste Menschlichkeit erwartet? Und liegt in der völligen Befreiung der Palästinenser von Verantwortung für ihre Taten nicht auch eine Beleidigung? Wann wird der Westen sie ernst genug nehmen, ihr Handeln nach den Maßstäben zu bewerten, die für andere gelten?

 

Zweites Update:

 

Einem aufmerksamen Leser (siehe Kommentar-Thread) verdanke ich den Hinweis auf eine Meldung der Frankfurter Rundschau, die die Al Jazeera-Meldung ungeprüft übersetzt und fast wörtlich abdruckt. Vergleicht und seht selbst, wie ihr informiert werdet.

 

Israelische Panzer sichern Gaza-Grenzübergang

 

Gaza (rtr). Israelische Panzer sind am Dienstag in den von der radikal-islamischen Hamas kontrollierten Gazastreifen eingedrungen. Ziel der Aktion sei die Sicherung des strategisch wichtigen Grenzübergangs Erez, sagte ein Sprecher der israelischen Armee. Dort war zuvor bei einer Schießerei ein palästinensischer Extremist ums Leben gekommen. Zehn Menschen erlitten Verletzungen.

Eine Planierraupe der Armee riss Absperrungen an dem Übergang nieder. In Erez harren seit Tagen etwa 150 Menschen aus, die in das von der gemäßigten Fatah kontrollierte Westjordanland flüchten wollen. Einige von ihnen hoffen auch auf medizinische Behandlung in Israel.

 

Sogar das Bild ist dasselbe wie in Al Jazeera. Ich werde mich jetzt mal auf die Suche nach anderen deutschen Medien machen, die euch Al Jazeera unkritisch ins Haus liefern. Ich gebe zu, ich finde das schockierend, und wäre ich energischen Muts wie Ruth, würde ich einen Protestbrief schreiben.

 

Hallo, ich habe die Quelle schon. Reuters, natürlich.  Und ebenso kritiklos übernommen von der FAZ.  Dort verwurstet mit anderen Agenturmeldungen.

 

Versteht ihr, deutsche Leser, mit was für Material ihr gefüttert werdet?

Blogs und Privatsphäre Juni 19, 2007, 12:25

Posted by Lila in Bloggen.
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In Haaretz erzählt ein Artikel von einer Mutter, die durch Zufall den Blog ihres Sohnes findet – einer Lehrerin, die sich unschmeichelhaft mit vollem Namen im Blog einer Schülerin wiedererkennt und ähnlichen Dilemmata. Wie reagieren? Was tun? Weiterlesen? Reagieren? Ansprechen? Ignorieren?

Ich habe die Blogs meiner Kinder nie gelesen. Primus führt seinen wohl noch weiter, obwohl er mehr auf Messenger oder ICQ umgestiegen ist. Aber nach wie vor schreibt er in seinem Blog und bekommt auch Kommentare. Secundus sitzt wenig vorm Computer, er hat seinen Blog mit Witzen und Rätseln ein paar Monate treu geführt, aber dann zugunsten von Arbeitsstunden in der Landwirtschaft, Tennis- oder Fußballspielen und allgemeinem Rumhängen in seinem Clubhaus aufgegeben. Beide Mädchen haben ein bißchen mit der Idee rumgespielt und sich wunderbare rosafarbene Blogs eingerichtet, aber schnell wieder aufgehört.

Aber die Blogger in der Familie sind Primus und ich. Primus fährt regelmäßig nach Tel Aviv, wo im Azrieli-Center große Treffen von Israblog abgehalten werden – Israblog ist das größte Blogportal, soweit ich weiß.

Nun habe ich mich aber ehrlich gefragt – wäre ich in größerer Versuchung, Primus´ Blog zu lesen und mir so einen Blick hinter die Familienkulissen zu schaffen, wenn Primus nicht auf Ivrit schriebe und nicht in grünen Buchstaben auf schwarzem Grund? Nein, ich glaube es nicht. Ich habe das Gefühl, Primus erzählt mir schon so genug aus seinem Leben. Meine Mutter hat mein Tagebuch nie gelesen, ich konnte es rumliegen lassen, wo ich wollte. Da konnte ich mich immer drauf verlassen.

Aber wenn ich wüßte, daß Y. einen Blog hat, würde ich da nicht reingucken wollen, auch wenn er gar nichts mit mir zu tun hat? Ich weiß es nicht. Hinge davon ab, ob er es wollte oder nicht. Bei Eheleuten ist das was anderes, ich hoffe doch, wenn er echte Probleme mit mir hätte, würde er mit mir drüber sprechen, und nicht einen Blog eröffnen.

Mit Kindern ist das anders. Sie müssen sich von uns abkoppeln, sie haben manchmal auch negative Gefühle den Eltern gegenüber. (So ist jedes meiner vier Kinder sicher, daß alle anderen unfair bevorzugt werden und ich immer nur ihn bzw sie bezichtige. „Dem Primus läßt du alles durchgehen! Nur weil er der Älteste ist! Die Quarta kann sich alles erlauben! Nur weil sie die Jüngste ist! Auf den Secundus bist du nie böse, immer hast du Verständnis für ihn! Immer nimmst du die Tertia in Schutz, auch wenn sie Unrecht hat!“ Man beachte die IMMER-NIE Sprache….) Wenn ein anonymer Blog ihnen hilft, sich bei Gleichaltrigen auszuheulen über ihre verständnislosen Eltern, dann würde ich das gar nicht sehen wollen.

So wie ich ein Gespräch zwischen Jugendlichen über die Eltern nicht würde hören wollen. Wir haben über unsere Eltern geklagt, und wenn ich mich recht erinnere, haben meine Freundinnen mir sogar geholfen, mich mit meinen Eltern abzufinden, ja sogar gute Seiten an ihnen zu entdecken. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit einer Freundin – jede von uns fand die eigene Mutter ziemlich schrecklich, aber die jeweils andere eigentlich ganz cool. So ein Austausch hilft Jugendlichen, die eigenen Eltern mit ein bißchen mehr menschlichem Verständnis, ja mit Nachsicht zu betrachten und sie sogar irgendwann wieder schätzen zu lernen.

Nein, in diese Prozesse, die sich teilweise online abspielen, würde ich weder als Mutter noch als Lehrerin eingreifen wollen. Die Beispiele in dem Artikel sind so abschreckend taktlos, daß mir graust.

Many parents …. closely follow their children’s postings, either out of curiosity or a sense of responsibility. A study published last month in the British paper The Times, found that about half the parents in the United Kingdom try to monitor the sites their children visit. Many parents go as far as to open a page for themselves on MySpace and „offer their friendship“ to their own children, in order to spy on them or test their openness to reveal personal information on the Internet.

One thing that is clear is that even when the Web pages are accessible to all, youth usually do not intend to share their secrets with their parents and teachers.

Efrat, the mother of a teenage daughter, came to this realization after a difficult crisis with her daughter. Efrat, too, had discovered that her daughter was secretly writing a blog. When Efrat began to read it, she encountered two more surprises: It turned out that her daughter was a lesbian and was blaming Efrat for all the emotional turmoil she was feeling. Efrat did not know how to talk to her daughter about the blog’s contents, and decided respond on the blog itself, identifying herself by name, i order to defend herself against all the accusations the daughter had made. The daughter was shocked by this intervention, and responded with rage that went beyond the limits of cyberspace.

Erinnert mich immer an die schöne alte Geschichte vom Tanzstundenball, als ich mit dem gräßlichen Typen tanzte, der mich für den Abend aufgefordert hatte, und meine Eltern mit den Eltern meiner Freundin Sigrid zusammensaßen. „Ich weiß alles über meine Tochter“, rühmte sich Sigrids Mutter, „wir haben überhaupt keine Geheimnisse in der Familie“. „Überhaupt keine?“, meinte mein Stiefvater schwer beeindruckt, „also ich weiß nicht, ob man das von uns auch sagen kann. Sind Sie sich da wirklich sicher?“ „Aber klar. Ich lese doch heimlich Sigrids Tagebuch“. (Was bei uns natürlich zum geflügelten Wort wurde. Ich habe das Sigrid übrigens nie verraten. Aber die schockierte Reaktion meiner Eltern und das endlose Amüsement zeigten mir dann, daß ich beim Eltern-Lotto doch eine recht hohe Nummer gezogen hatte…).

Ein kleines Gespräch, etwas kurios Juni 19, 2007, 0:02

Posted by Lila in Land und Leute.
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Neulich traf ich eine Kollegin. Sie erzaehlte mir strahlend, daß sie ein Enkelchen hat, das erste! Oh, ein Baby! Ich fragte sofort die nötigen Informationen ab: wie war die Geburt? wie schwer? wem sieht die Kleine ähnlich? wie heißt sie? Alles wurde stolz referiert, doch bei der Frage nach dem Namen verdüsterten sich die Zuege der stolzen Oma etwas. „Na ja… also es ist ja ihre Sache… alle finden den Namen etwas komisch… also die Kleine heißt Amalia“, meinte sie schliesslich.

Amalia! Das ist doch ein schöner Name! Sogar eine hebräische Bedeutung kann man in ihm finden, Amal-ia, Werk Gottes. Und wenn sie sich spaeter daran stoert, kann sie sich immer Mali nennen – es gibt doch recht viele Malis, auch wenn das normalerweise von Malka kommt. (Malka, die Königin). Kurz, ich fand Amalia hübsch – wenn ich persönlich auch bei diesen Namen immer die Form auf -e bevorzuge, Amalie, das klingt wie Frauen aus Dichtung und Wahrheit… aber das geht auf Ivrit nicht.

Na ja, es ist ja nicht so, als ob sie was gegen ausländisch klingende Namen hat, meinte die Oma. Sie selbst heißt Avigail, ein kernig-biblischer Name und typisch für ihre Generation. Ihre Eltern, mit typisch deutschen Vornamen gesegnet, hebraisierten den Familiennamen – wie so viele Familien hier. Aus Goldschmidt wird Paz oder Zehavi, aus Silberberg Caspi, aus Freudental Oshri oder Simcha und aus Steinberg Even. Die Kinder dieser Eltern wurden, wie Avigails ganze Generation, mit den Namen biblischer Nebenfiguren beglückt – also nicht mehr Leah, Rachel und Avraham, sondern Yoav, Ayelet und Avishag. In jeder Familie gibt es mindestens eine Michal, Yael oder Anat – meist alle drei. (Wetten werden angenommen).

Oder, fast noch beliebter, hebräische Bezeichnungen aus der Natur. Ja, ich kenne wirklich eine Frau, die Gachlilit heißt, also Glühwürmchen, eine Rikma, was Stickerei oder Gewebe heißt, einen Shivion, die Gleichheit (Egalite), und es gibt wohl kaum eine Blume oder einen Baum, der nicht als Vorname verwendet wurde. Ich kenne Dutzende von Nurit (eine Art großer roter Butterblume), Kalanit (Anemone), Oren (Kiefer), Yuval (Flußarm), Maayan (Quelle), Tal (Tau)… das sind weitverbreitete Namen. Aus diesem Repertoire wurden in den letzten Jahrzehnten die Vornamen gewählt, mit denen die meisten nicht- religiösen jüdischen Israelis rumlaufen.

Und solchen durch und durch hebräischen Großeltern werden nun auch Enkel geboren, denen man schon am Namen anhört, daß die Eltern sich überlegen, wie macht der Name sich außerhalb Israels? Die meisten jungen Eltern bevorzugen heutzutage Unisex-Namen, die sich außerhalb Israels bestimmt seltsam anhören – Mädchen heißen Ofek, Horizont, oder Elul (ein Monatsname) oder Tom (Unschuld), Jungen dagegen Netta (die Pflanze) oder Noga (Venus – ja ich kenne zwei Jungens, die Noga heißen!). Aber eine Minderheit gibt eben „auslandstaugliche“ Namen, Kim, Dorin, Maja, Eden. Amalia ist so gesehen ein echter Exotenname.

Nachdem wir uns so eine Weile ausgetauscht hatten über Namen, Mode und Modenamen, seufzte sie und meinte, „na, du hast mich getröstet. Du bist die erste, die den Namen Amalia spontan schön fand“. Wenn Amalia eines Tages den hebraisierten Namen ihrer Großeltern wieder eindeutscht, ist sie von der Gründergeneration ununterscheidbar. Ein Zirkelschlag der besonderen Art.