Räuber-Rommé Juni 17, 2007, 18:53
Posted by Lila in Land und Leute.33 comments

Ich hoffe, die Einschätzung stimmt, daß es sich bei der neuerlichen Beschießung Kiriat Shmonas um einen Einzelfall handelt - aber wie schön ist doch der Terror! Ein paar Verrückte schießen eine Rakete los, niemand will es gewesen sein, die libanesische Regierung weiß nichts davon, UNIFIL auch nicht, Hisbollah schiebt es auf Palästinenser im Land, und die sind ja sowieso Madjnun und können machen, was sie wollen. Und auf eine Aktion von irgendwelchen Madjnunim kann Israel natürlich nicht reagieren - immer schön “proportional” bleiben.
Als würden alle Rommé spielen und nur einer Räuber-Rommé!

Hab ich doch gleich gesagt. Juni 17, 2007, 11:31
Posted by Lila in Land und Leute.4 comments
Auf mich wolltet ihr ja nicht hören. Ich wußte es doch.
Wer das gerade ununterbrochen wiederholt? Nein, nicht ich, sondern jemand anders.
Ah, es ist Bibi, Netanyahu der Unermüdliche. Ich kann mich ja jetzt Bibi ganz ohne Ehrfurcht nähern, denn er ist ein fellow blogger. Sein Bibiblog kann sich endloser Kommentar-Threads rühmen, ja, das kann ich nicht. Leider sehe ich keine englische Seite, schade, Bibis Englisch ist nämlich gut. Vielleicht das Beste an ihm - denn er kann die israelische Position wunderbar erklären.
Da tritt wieder meine Ambivalenz zu Tage: spricht Bibi im Fernsehen zu uns Israelis, schüttele ich den Kopf. Oh nein, Bibi, dieser Hardliner, dieser Sheriff von Nottingham… Aber höre ich ihn, wie er im CNN oder vor einem ausländischen Publikum praktisch dasselbe auf englisch sagt, nicke ich und sage, das mußten sie mal hören, ach wie gut daß Bibi das so gut erklären kann. Und bevor jemand sich über diese Ambivalenz lustig macht oder sie als tödliche Waffe gegen mich einsetzt - prüfe er sich ehrlich und frage sich, ob es nicht in seinem politisch-weltanschaulichen Inventar ähnliche zweiseitig tragbare Stücke gibt.
Doch das nur am Rande. Bibi also erinnert uns daran, daß ER es war, der den Ausdruck “Hamastan” als erster gebraucht hat, und das scheint zu stimmen. Okay, Bibi, jetzt spricht die ganze Welt davon, wir geben es zu. Und als er es gesagt hat, was haben wir getan? Wir haben gelacht. Das Lachen ist uns jetzt vergangen, stimmt.
Aber trotzdem… wenn ich den alten Clip (stell ich den zum dritten oder nur zum zweiten Mal rein…?) nochmal angucke, lache ich schon wieder.
Zur Erklärung: der Clip ist aus der Zeit des letzten Wahlkampfs, zur Melodie des Hits “Hine ani ba“, “Hier komme ich” von Hadag Nahash. So vor anderthalb Jahren, Februar oder März 2006. Jeder der drei Kandidaten für das Amt des Premierministers stellt sich uns vor.
Als erster tritt Bibi auf, elegant, unterstützt von Ivet Agidor Lieberman. Nur er kann Hamastan stoppen. Smolmert, also Olmert der Linke, wird die Westbank räumen, nur das nicht. “Die Hamas und Iran sind schon um die Ecke….” nett auch, wie Lieberman versteckt wird. Jede Zeile des Texts bezieht sich auf etwas, leider unübersetzbar… jedes Wort ein Nadelstich.
Als nächster kommt Amir Peretz, der Olmert bittet, ihm ein Ressort zu geben, irgendeins… egal was für eins… wie prophetisch, denn er hat genommen, was er kriegen konnte. Ihn unterstützt als DJ Shelli Yahimovitch. Das Megaphon ist ein runnig gag aus seiner Zeit als Gewerkschaftsführer - dabei schreit er so, daß er eigentlich keins brauchte. Auch sein idiotisches Wahlversprechen, Arbeitslosen 1000 Dollar pro Monat zu zahlen, taucht auf. Natürlich kann er 1000 nichts ins Englische übersetzen…
Und dann Ehud… äiye… Olmert, dessen äiye… wirklich auffällig ist! achtet mal drauf!… also Olmert präsentiert sich als idealer Nachfolger Sharons, der Anzug paßt perfekt! Sein Sidekick ist Peres, der damals gerade zu Kadima überwechselte. “Blahblah blahblah blah… egal was ich sage, ich werde Premierminister…”, und so kam es dann auch. Danke, Arik!
Kurz, Bibi hat Recht behalten. Aber auch die Spaßvögel haben Recht behalten.
Und noch ein musikalischer Link Juni 17, 2007, 8:53
Posted by Lila in Muzika israelit.1 comment so far
Ich war neulich auf einem Konzert des Jüdisch-Arabischen Jugendorchesters. Die machen wirklich schöne Musik, und nett fand ich sie auch. Der Video ist ein bißchen cheesy, aber interessant.
Ich schimpfe Juni 17, 2007, 7:51
Posted by Lila in Land und Leute.27 comments
heute mal auf uns. Am Grenzübergang zwischen Gazastreifen und Israel stehen Hunderte von Fatah-Leuten mit ihren Familien und wollen auf israelisches Gebiet - sie wollen in die Westbank fliehen. Israel läßt mehrere Hundert rein - aber nicht alle. Und das ist, um wieder mal Yoram Binur zu zitieren, “go´al nefesh“, ein Abscheu der Seele, es ist wirklich gemein. Denn die Fatah-Männer stehen im wahrsten Sinne des Wortes auf der Abschußliste der Hamas, weil sie mit uns zusammengearbeitet haben. Pfui Teufel über uns, wenn wir jetzt nicht alles tun, um ihnen zu helfen und ihr Leben zu retten.

Flucht aus dem Gazsastreifen - Flucht vor der Hamas

Abschiedsgruß von der Hamas
Es stimmt, die Öffnung der Grenze ist gefährlich, die Hamas hat sich in der Nähe der Grenzübergänge postiert und überhaupt herrscht großes Chaos. Aber die Armee hat schon schwierigere Operationen durchgeführt. Ich hoffe, im Laufe des Tages wird der Übergang wieder geöffnet.
Ja, und ich weiß, daß auch die Fatah eine Terrororganisation ist. Aber wir haben mit ihnen zusammengearbeitet, weil das nun mal der Partner war, den wir hatten, und weil sie zur Zusammenarbeit bereit waren. Sich jetzt darauf zu besinnen, daß sie ja Terroristen sind, und sie vor den Gewehrmündungen der Hamas stehen zu lassen - das ist go´al nefesh.

