Abendliche Runde Mai 27, 2007, 22:21
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.6 comments
Schon seit Jahren drehen Y. und ich abends gern eine Runde um den Kibbuz, manchmal auch anderthalb. Zwischendurch mußten wir mal aufhören, weil ich gesundheitliche Probleme hatte, aber inzwischen geht es wieder, und wir nehmen uns fast jeden Abend, wenn er aus der Fabrik kommt, eine gute Dreiviertelstunde frei und gehen raus. Die Kinder kommen gut ohne uns zurecht - ist doch schön, große Kinder zu haben. Wir sehen das nicht als sportliche Betätigung, setzen keine Stöcke ein und geraten nicht aus der Puste. Ich würde es einen angenehm flotten Spaziergang nennen, meist um die Zeit des Sonnenuntergangs.
So umkreisen wir den Kibbuz mindestens einmal, auf immer verschiedenen Wegen. Dabei treffen wir jedesmal jede Menge anderer Paare, die auch zusammen unterwegs sind. Heute fiel mir wieder auf, daß diese Paare, genau wie wir, diese Runde zur Kommunikation nutzen. Sie laufen nicht stumm nebeneinander her, sondern sind richtig intensiv in ihr Gespräch versunken. So wie wir auch. Wir holen den Tag nach, den wir getrennt verbringen. Meist reden wir von der Arbeit, manchmal von den Kindern. Wenn wir Ärger hatten, reden wir uns den von der Seele. Wenn wir Erfolg hatten, teilen wir ihn. Wenn uns eine Idee durch den Kopf geht, entwickeln wir sie im wandelnden Gespräch.
Und da dachte ich mir so, also, es stimmt wirklich, Verheiratetsein ist doch schön. Na ja, jede Art von Partnerschaft. Man freut sich miteinander, bibbert umeinander, feuert einander an, bemängelt auch ohne Angst vor Kränkung, und hat ein wunderbares Wir-Gefühl. Ich genieße jeden Tag. Nicht, als ob es ohne Mann kein Glück gäbe oder ein Mensch ohne Partner ein armseliges Würstchen wäre. Das ist Quatsch und das wollte ich nicht sagen. Aber als ich heute diese Parade der gesetzten, ins Gespräch versunkenen Ehepaare sah, die durch die Abendluft laufen und sich austauschen, und das fast jeden Tag, da habe ich deutlich empfunden, daß eine gute Beziehung das Leben unendlich bereichert.
Und eigentlich müßte ich die schöne Landschaft mal photographieren, durch die wir da abends gehen. Aber nee, eine Kamera nehme ich nicht mit, und es ist auch nicht mehr hell genug.
Ach ja, und dann haben wir heute endlich die Schleiereule (tinshemet) gesehen, auf die wir seit Jahren lauern, hinten am Schafstall in der alten Scheune. Es war noch Licht, sie kam rausgeflogen, die Eichelhäher (urvani) kamen empört angeflogen und hetzten sie wie den Uhu Schuhu durch die Bäume, es war ein Riesenspektakel. Wir haben sie schon so oft gehört, und jetzt habe ich sie gesehen. Ein Glückstag.
Das Mädchen mit der Magersucht Mai 27, 2007, 0:20
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.34 comments
Ich sehe nicht oft in meine Statistik rein, aber immer wenn ich sie angucke, sehe ich, daß der Eintrag über die Magersucht und die junge Frau aus dem Kibbuz, die darunter leidet, immer wieder gelesen wird. Ich weiß nicht, wie Leser hierher gelangen, aber wer wissen möchte, wie es ihr jetzt geht, für den ein Update.
Sie hat überlebt, wie, weiß keiner. Es ging auf und ab und auf und ab, die Eltern wurden grau dabei und die Brüder fingen an zu weinen, wenn man sie fragte, wie es ihr geht. Ein Teil ihres Darms ist abgestorben und mußte entfernt werden. Weitere OPs warten auf sie. Sie ist mal im Krankenhaus, mal zuhause. Wenn sie zuhause ist, wankt sie nach wie vor in besessenem Lauf um den Kibbuz. Sie kann sich kaum auf den stöckerigen Beinchen halten, aber sie muß laufen. Ich weiß nicht, ob jemand sie davon abhalten könnte, wenn ihre eigene Schwäche es nicht kann. Weit kommt sie nie, und oft ist es nicht, aber ich sehe sie aus der Ferne, wenn sie den Feldweg entlangmarschiert.
Zu Shavuot habe ich sie das erste Mal seit langem aus der Nähe gesehen. Ihre Eltern und Brüder haben sie mitgebracht. Ich mußte mich abwenden und heulen, als ich sie sah. Mein Gott, was ist aus dem kleinen Mädchen geworden, das ich früher kannte. Ihre Haut ist wie Leder, ihr Gesicht wie in Teile geschnitten. Unter den Wangenknochen geht ein scharfer Schnitt. Ihre Augen sind hohl, der Hals so mager, daß man nicht weiß, wie er den Kopf hält. So magere Gesichtchen habe ich nicht mal in der Frühgeborenen-Abteilung gesehen. Und die Beine, das Becken. Die Hosen schlottern. Wahrhaftig, sie ist zum Skelett abgemagert. Und doch: sie sprach mit alten Freunden, sie lächelte sogar etwas. Ihre Haare sind nach wie vor wunderschön, dick und rotblond. Fangen das Licht. Ein Lichtblick.
Ich hoffe so sehr, sie schafft es, sie übersteht alle OPs und kommt irgendwie aus dieser teuflischen Krankheit heraus. Oh, ich möchte sie wie ihre Altersgenossinnen sehen, arbeitend, studierend, mit Freund oder einfach nur in einer Freundinnengruppe auf der Wiese sitzend. Als ich sie sah, mußte ich an die vielen, vielen Mädchen und zunehmend auch Jungen, an die Frauen denken, all die Menschen, die mit Eßstörungen aller Art leben. Und ich wünsche uns allen, daß wir diesem Irrsinn nicht weiter Vorschub leisten durch gedankenlose Bemerkungen und sinnloses Bejubeln brutaler Diäten. Wir haben nicht alle eine Schuhgröße oder Haarfarbe, wieso sollten wir also alle eine Taillenweite haben?
Netzkarte Mai 27, 2007, 0:05
Posted by Lila in Bloggen.10 comments

Hab ich hier gefunden, wo es überhaupt immer interessante Karten gibt. (Als Frau eines Karten-Fans habe ich Sinn für Karten aller Arten.)
Die Web-Gemeinschaften sind nach Größe und ihrer Lage auf der Windrose eingezeichnet, also nicht so willkürlich, wie es auf den ersten Blick aussieht. Praktiker im Norden, Intellektuelle im Süden. RL (real life)-Orientierung im Westen, Web-Inhalte im Osten. Da bin ich vermutlich irgendwo süd-süd-westlich angesiedelt. Rungholt ist ja versunken und nur noch auf alten Karten zu finden.


