Chag ha bikurim Mai 23, 2007, 22:33
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.trackback
Es war schön wie immer. Y. meint zwar, womit er ja nicht allein ist ;-), die Zeremonie auf dem Feld ist langweilig. In der Tat zieht es sich ziemlich, es herrschte Chaos, keiner wußte, wann er dran ist. Zuerst wurde getanzt und gesungen, dann die Pferde mit den Flaggen, dann die neuen Babies (14 an der Zahl, nicht schlecht, wenn auch nicht so gut wie in anderen Jahren), danach kam die Traktor-Parade, ich zog mit zwei anderen “Draußen-Arbeitern” vorbei, einen riesigen Scheck in der Hand… und so zog ein “Zweig” nach dem anderen am Kibbuz vorbei. Ein paar alte Traktoren stockten, das Pferd der Reittherapie-Lehrerin wollte nicht, der Organisator verwechselte die Reihenfolge der Wagen, und der Redner vom landwirtschaftlichen Zweig wollte gar nicht mehr aufhören. Außerdem war unsere Batterie in der Kamera gerade alle.
Aber trotzdem, mir hats gefallen. Inzwischen sind so viele Bilder in der Kamera, die ich eigentlich hochladen müßte, aber das tu ich dann doch nicht…. dabei war es heute so malerisch, das Fest im Feld, im Hintergrund ein arbeitender Mähdrescher, vor dem die Kibbuzniks mit ihren Kindern standen, erklärend…. gebt mir mal einen Tritt, daß ich diese Karte aus der Kamera fische!
Die Kinder sind morgen zuhause, sie haben noch Ferien, aber wir armen Erwachsenen müssen wieder zurück ins Joch. Mir steht morgen ein so stressiger Tag bevor, daß ich am liebsten gar nicht aufstehen würde. Ich merke, daß ich alt werde - ich scheue Streß. Diese Adrenalinsuppe, die vom ständigen Fechten gegen hundert angreifende Feinde kommt, die wünsche ich Douglas Fairbanks oder Errol Flynn an den Hals. Aber nicht mir. Na ja, ich mache dann eben etwas langsamer und gründlicher. Und dann macht es doch wieder Spaß.
Seit man per Handy, Email und Fax jederzeit und überall erreichbar sein muß, jeder sofort Antwort erwartet und überall Mail- und Voiceboxen wimmern, träume ich von einem Schlupfloch, irgendwo. Aber alle Wälder, auch die wildesten, und alle Inseln, auch die fernsten, sind vermessen, satellitenphotographiert und bieten keinen Schutz mehr. Ich lese im Moment wieder mal “Die Kinder des Kapitäns Grant”, wie wunderbar muß das Gefühl gewesen sein, wirklich weit weit weg zu sein und sich so zu fühlen.
(Ich hatte Tertia einen Verne in die Hand gedrückt, als sie über Lesehunger klagte, und während ich ihr erklärte, warum ich als Kind die Kinder des Kapitäns Grant so gern gelesen habe, überkam mich selbst der Appetit. Und so lese ich das alte Buch wieder. Bücher, die ich als Kind gern mochte, haben einen besonderen Schimmer. Hätte ich es als Erwachsene entdeckt, würden mich vermutlich die hohlen Charaktere und der schwere didaktische Einschlag stören. So aber genieße ich die Geschichte, und die Figuren hat mein kindliches Ich damals mit genügend Leben gefüllt, das sie bis heute deutlich sprechen, denken und fühlen.)
Aber für mich gibt es keine einsame Insel mehr, Tristan da Cunha oder die Amsterdam-Inseln. Für uns alle nicht. Deswegen sind Feste so kostbar, weil sie eine kleine Insel sind, auf der man mal sagen kann: liebe Freunde, sprecht mich Donnerstag drauf an, heute ist chag, heute ist Fest.
Und oh ja, ich liebe Shavuot, diese Fest mit den vielen Bedeutungsschichten. Komisch, eigentlich denke ich bei jedem Fest, wenn es kommt: das liebe ich besonders…


Chag sameach noch weiterhin, denn als Diasporrajude, habe ich gerade gelernt, darf ich auch in Israel 2 Tage Shavuot feiern
Ach waere so gerne bei Euch gewesen, auch wenns langweilig war, ich hab ich so auf die Babys gefreut. So gerne ich hier bin, aber nach diesem Kurs, bin ich einfach nur froh , nach Hause zu kommen. Liebe Gruesse Anneka
liebe lila,
das ist wirklich ein problem, es gibt wenig ungewissheiten auf dieser erde seitdem alles wissenschaftlich erforscht ist. hat dieses wissen die menschen wirklich gluecklicher gemacht ? ich bin mir da nicht so sicher.
das problem der erreichbarkeit: nun ja, du weisst das ich dies etwas anders sehe. am schabbes z.b. bin ich nicht erreichbar und ich finde das ich dieses recht in anspruch nehmen darf. koennte das dein gesuchtes schlupfloch sein, auch wenn es nicht schabbat heisst ? bei aller religioesen bedeutung ist ja auch die ruhe ein wichtiger aspekt von schabbes, auch diese hat ja durchaus ihren religioesen UND saekularen sinn. ich denke also der name des schlupfloches spielt keine rolle, es kommt auf den inhalt an ….
liebe gruesse, gut schabbes
grenzgaenger
“Seit man per Handy, Email und Fax jederzeit und überall erreichbar sein muß, jeder sofort Antwort erwartet und überall Mail- und Voiceboxen wimmern, träume ich von einem Schlupfloch, irgendwo. Aber alle Wälder, auch die wildesten, und alle Inseln, auch die fernsten, sind vermessen, satellitenphotographiert und bieten keinen Schutz mehr.”
Ja, Shavuot ist so schoen, schade, dass es als einziges der regalim nicht eine Woche dauert. Schon der milchigen Herrlichkeiten wegen …
ja, vered, die milchigen herrlichkeiten, du hast recht
(mein magen knurrt !!!!)
[...] Lila bedauert, dass es keine einsamen Inseln mehr gibt. Iim Ramonkrater findet man noch die beste Annaeherung, da vielerorts selbst die Mobiltelefone keinen Empfang haben. [...]