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Wortwahl Mai 22, 2007, 13:46

Posted by Lila in Land und Leute.
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Ja, ja, ich bin in Schwung - Feiertage, Aufholen beim Nachrichtenlesen und etwas geplagte Närwen sind dafür verantwortlich.

Ein Wort, das mir schon öfter aufgestoßen ist: Abriegelung.

Die israelische Armee riegelt unterdessen die Palästinensergebiete ab. Damit sollen während eines jüdischen Feiertags Selbstmordanschläge verhindert werden, teilte die Armee mit. Palästinenser aus dem Gazastreifen und dem Westjordanland dürfen damit nicht nach Israel einreisen.

Also: Abriegelung = keine Einreise der Palästinenser nach Israel. Gucken wir uns mal die Karte an.

Wenn wir die Grenzübergänge von den palästinensischen Gebieten nach Israel sperren, riegeln wir damit nur ein Land ab - nämlich Israel. Wir lkönnen nicht nach Syrien oder in den Libanon, höchstens nach Jordanien und Ägypten, aber auch das sind im Moment für Israelis keine lockenden Ziele. Ansonsten haben wir das Meer.

Ich würde sagen, “abriegeln” ist eine ziemlich drastische Wortwahl für ein Schließen der Grenzen. Die Palästinenser hassen uns so, wozu sollen sie nach Israel einreisen wollen? Wie oft hat es blutige Anschläge zu Feiertagen gegeben. Ist es da nicht verständlich, daß die Armee die Grenzübergänge schließt?

Aber wir haben keine Kontrolle über Jordanien und Ägypten. Die könnten ihre Grenzen doch aufmachen. Da hat es viel weniger Anschläge gegeben als bei uns. Wir können die palästinensischen Gebiete gar nicht abriegeln, wir haben den Schlüssel zu den anderen Türen nicht. Nur zu uns. Man könnte auch sagen, per Terror riegeln die Palästinenser UNS ein. Wir sind Gefangenge der Terrordrohungen.

Dasse Gleichsetzung von Grenzenschließen und Abriegeln erinnert mich immer etwas an den alten Witz aus dem Englischunterricht: “Fog over Channel, continent isolated”.

Kommentare»

1. jakobo - Mai 22, 2007, 14:42

Nunja.. Lila.. wenn Du Dir überlegst.. in der EU ist es
ganz Normal, dass Osteuropäer nicht an Ihre Arbeits
plätze zum Beispiel in Deutschland können es wird
ihnen einfach Verboten hier zu Arbeiten und um
schwarzarbeit zu verhindern werden die Grenzen
abgeriegelt und hat es nicthmal Selbstmordatentäter
oder Kassams gebraucht.

Die Grenzen werden abgeriegelt und für jeden hier
ist das normal und verständlich.

Jakobo

2. jakobo - Mai 22, 2007, 14:43

PS.:
Allerdings werden hier die Grenzen abgeriegelt und nicth
Osteuropa ein sehr sehr großer Unterschied….

3. Der ____weiler - Mai 23, 2007, 1:25

In der FAZ ist ein Artikel über den Beschuss von Sderot. Darin wird der Beschuss von Sderot als eine Auswirkung palästinensischer Flügelkämpfe beschrieben. Es bezeichnen also nicht alle Sderot als eine “Siedlung”, was ein kleiner Trost sein mag.

4. Sheygetz - Mai 23, 2007, 2:54

Irgendwie habe ich den Eindruck, Du bist auf dem besten Weg zu einem “Anti-Defamation-Blog” zu mutieren. Jedenfalls haben die “medien-analytischen” Posts doch eine hohe Frequenz. Vielleicht sind’s ja die “Närwen”, aber was du hier an Argumenten bringst, ist Pilpul.

So rein von der Semantik her, magst du ja recht haben. Wenn ich jemanden daran hindere, zu mir zu kommen, ist das eine AUSsperrung. Besser? Besonders gewinnend hört sich auch das nicht an, und darum war’s dir doch schlußendlich zu tun, oder?

Andererseits… bedeutet diese AUSperrung denn nicht de facto auch eine ABsperrung der Gebiete? Seit wann wären denn Palästinenser völlig frei in Rafah die Grenze zu überschreiten? Und an der Grenze zu Jordanien gäbe es keine Zahal-Patroullien? Nach meinem Kenntnisstand kann man auch an diesen Grenzen kaum von einem ungehinderten Grenzverkehr (und ich füge hinzu: von wem dann auch immer behindert) sprechen.

Aber selbst wenn, drittens, dem nicht so wäre, Einwohner von Gaza oder Nablus problemlos nach Amman oder Kairo kämen, so bieten die Anrainer-Staaten bekanntlich nicht die Arbeitsmöglichkeiten, um die es bei der Einreise nach Israel wohl doch in aller Regel geht. Oder wollen die alle Tanten in Bat-Yam besuchen und auf der Dizengoff shoppen.

Deine Frage “Ist es da nicht verständlich, daß die Armee die Grenzübergänge schließt?” mutet hier vor diesem Publikum doch recht rhetorisch an. Klar, ist das nachvollziehbar - auch, wenn es denn nun eine Abriegelung wäre. Und “per Terror riegeln die Palästinenser UNS ein.” … nun ja …die Anzeigetafeln in Lod sprechen da glaube ich eine andere Sprache. Aber wie du schon sagtest, Du warst halt “in Schwung” :-)

5. Lila - Mai 23, 2007, 9:57

Sheygetz, mag Pilpul sein, aber viele kleine Pilpulim machen eine allgemeine Stimmung aus. Es ist nun mal ein Unterschied, ob man sagt, “Israel schließt die Grenzübergänge wegen Angst vor Terroranschlägen an den Feiertagen” oder “Israel riegelt die palästinensischen Gebiete ab”.

Und daß Jordanier, Syrer, Libanesen und Ägypter den Palästinensern nicht helfen, sondern sie nur weiter ins Elend stoßen, ihnen nur den “Ausweg” Terror lassen, sie nur mit Waffenlieferungen, aber nicht mit Arbeitsplätzen unterstützen, oder nur rhetorisch - genau das trägt zu ihrer Situation bei. Und doch wird immer an UNS appelliert, die Situation der Palästinenser zu verbessern.

Warum frage ich, “weswegen wollen die Palästinenser überhaupt nach Israel”? Weil sie in Israel in Krankenhäusern behandelt werden, weil sie dort jahrelang arbeiten konnten (daß sie es nicht mehr können, haben sie mehr dem Terror als jedem anderen Aspekt zu verdanken) - lauter Dinge, die ich einerseits sehr gut finde, andererseits ist es aber viel verlangt von uns.

Die Anzeigetafeln in Lod? Viele Leute können sich keine Flüge leisten. Klar, es gibt Leute, die fliegen oft. Aber ich kenne viel mehr Leute, die dir genau aufzählen können, wann sie das letzte Mal “im Ausland” waren. Wenn ich mich an meine eigene Schülerzeit erinnere, und wie wir einfach, sobald die ersten von uns den Führerschein hatten, für ein Wochenende nach Amsterdam oder London gefahren sind - oder wie leicht man per Interrail rumreisen konnte - das ist ein Lebensgefühl, das wir nicht haben. Fliegen ist teuer, erst letzthin gibt es ein paar Billiglinien. Das Lebensgefühl ist keineswegs so wie in Europa.

Wenn ich meine Studenten gefragt habe, wer von ihnen schon mal in einem großen europäischen oder amerikanischen Museum war - dann war es nur ein erschreckend kleiner Teil, der überhaupt je im Ausland war. Und viele haben nach der Armee die EINE große Reise gemacht - nach Südamerika oder in den Fernen Osten. Sie waren vielleicht in Paris, Prag oder New York - aber selbstverständlich ist das nicht. Israelis sind so reisehungrig, weil das Land so klein ist und das Reisen so teuer.

Und daß die Palästinenser von allen Seiten mißtrauisch beäugt, umzingelt, in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden, noch viel mehr als wir - das tut mir sehr leid, und ich stelle es mir entsetzlich vor. Den Grund dafür kennst du selbst. Als ich nach Israel kam, zu Zeiten der ersten Intifada, gab es noch genügend Leute, die regelmäßig in die Gebiete fuhren, und Leute aus Jenin arbeiteten bei uns im Kibbuz.

Das ist vorbei, und es kommt nicht wieder. Ich wünsche ihnen ihren eigenen Staat, und daß sie ihn in Weisheit und Selbstbewußtsein führen, aber ich wünsche mir eine Grenze zwischen uns. Und Du, in Deutschland, hinter den sicheren Grenzen, die die EU um sich gezogen hat, kannst mich dafür gern verurteilen.

Per Terror und per Sprachregelungen riegelt die Welt uns ab und ein. Der Ausdruck “Abriegelung” macht uns zu Gefängniswärtern - und genau dieselbe Vorstellung steht hinter allen Boykottaufrufen.

Weißt Du, wie froh ich bin, daß ich keine englischen Forschungseinrichtungen für meine Arbeit brauche? Mein Bekannter, der englische Kunst bearheitet, ist am Verzweifeln. Ihm wird systematisch die Zusammenarbeit verweigert. Auf seine Briefe wird nicht geantwortet, selbst die Vermittlung des Präsidenten seiner Uni hat nicht geholfen. Mit Israelis arbeiten die nicht mehr zusammen. Ganz einfach.

Jeder Ausdruck in der Berichterstattung, jede subtile Anschuldigung Israels für Dinge, die wir nicht unter Einfluß haben, das sind alles kleine Steinchen in dieser Mauer. Wer sowieso schon gegen Israel ist, wird das lesen und sagen, “diese Israelis, lassen den Palästinensern keine Bewegungsfreiheit”. Statt zu sagen: “und was ist mit den anderen Nachbarn?”

6. Lila - Mai 23, 2007, 10:00

Und zum FAZ-Artikel: da fehlt ein wichtiges Wort. Das Wort heißt Ägypten.

Was ist die Rolle Ägyptens? Der Gazastreifen könnte ja auch von den Ägyptern Hilfe erwarten, Bewegungsfreiheit, Arbeit….

7. Jacobo - Mai 23, 2007, 10:58

Oder auch Jordanien? Immerhin gehörten die sog. Besetzten
Gebiete vorher zu Jordanien. Jordanien hat nur auf den
Anspruch verzichtet was meiner Ansicht nach sehr geschickt
von ihnen war. Jordanien hat dadurch anscheinend seine
Ruhe und zwar mit allen Nachbarn und Großmächten und
auch mit der UN. So wirkt es zumindest.

Und wieso sind Israelies und israelische Firmen verpflichtet
Palästinensern Arbeit zu geben? Und wieso ist es eine
Einschränkung von den Rechten der Palästinenser, wenn
Israel die Grenzen schließt? Niemand wird jemanden
einstellen wenn er nicth Produktiv ist. Warum wird nie
davon berichtet wievel verlust Israel macht, wenn
Palästinenser nicht an ihre Arbeitsplätze kommen?
Warum wird nicht berichtet, dass es ein abwägen
zwischen diesen Verlusten und der Sicherheit geben
muß? Das sind Fragen über die Situation in Israel über
die ich auch nicht sehr viel weis aber wenn man auf
die Medien angewiesen braucht man da nicht auf
aufklärung hoffen.

Seht ihr das nicht so wie ich es oben beschrieben hab?
Ich denke dass an der solchen Haltungen oft einfach
siple Arroganz steckt. Und die europäer sich meinstens
für die einzigen Zivilisierten Länder auf der ganzen
Welt halten und die Deutschen halten sich fotmals sogar
für die einzigen wirklcih zivilisierten in Europa. Diese
Arroganz richtet sich nach meinem Empfinden übrigens
genauso gegen die Palästinenser.

Jacobo

8. Jacobo - Mai 23, 2007, 11:03

PS.:
Ich find eine Wortwahl an sich übrigens auch nicht so
sehr interessant. Aber hinter jeder Wortwahl steckt
irgendwas und das sollte man sich schon anschauen
finde ich.

9. Jacobo - Mai 23, 2007, 11:18

Ich hab letztens im Fernseher übrigens eine Diskussion
gesehen an der auch eine palästinensische und ein
israelischer Vertreter anwesend waren. Die palästinenserin
hat Israel für alle mögliche und unmögliche die Schuld gegeben

Dann hat sie gemeint:
- Seit dem die Siedlungen aus Gaza weg sind, gibt es nicht
mal mehr Arbeit und die Situation ist schlimmer geworden!

Dann hat sich der israelische Vertreter gemütlich zurückgelehnt
und gemeint:
-Also wenn Sie wollen können wir die Siedlungen wieder
aufbauen…

Also ich hab lachen müssen

Jakobo

10. Mynherr Peeperkorn - Mai 23, 2007, 21:44

Hey hallo,

ich lese deinen Blog nun schon eine Weile und deine Sprache gefällt mir sehr gut. Ich frage mich, ob du dich vielleicht auch schon an einen Roman gewagt hast. Sollte dies der Fall sein, schau doch mal auf unserer Webseite vorbei: http://www.hungerkuenstler.ch
Schick uns doch mal was.

Liebe Grüsse,
Mynherr Peeperkorn