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No news is good news Mai 16, 2007, 9:33

Posted by Lila in Land und Leute.
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Erinnert sich noch jemand an die Grabungen am Mugrabi-Tor? Hm, diese Grabung, mit der die Israelis den Tempelberg und die darauf gebauten Moscheen tueckisch zum Einsturz bringen wollte, nicht wahr? Da war doch was. Haben wir wirklich lange nichts mehr von gehoert. Graben die noch? Sie graben. Aber die Unruhen?Ohne Unruhen wird ueber die Grabungen nichts berichtet. Sie haben keinen Nachrichtenwert.

Inzwischen haben alle Untersuchungen gezeigt, dass an allen Anschuldigungen nichts dran war. Die Unruhen und Proteste waren, wie Lila gleich gesagt hat, pure Propaganda. Doch wollen wir wetten? Der Schmutz, der nach uns geworfen wurde, bleibt trotzdem kleben. Wenn wir in ein paar Jahren nachfragen, werden die Leute sich an die Unruhen erinnern und dass Israel die Moslems irgendwie gekraenkt oder geaergert hat. Dass die Anschuldigungen pure Verleumdung waren, ein Vorwand fuer Randale, daran wird sich keiner mehr erinnern.

Das zumindest ist mein Eindruck - aus langjaehriger Erfahrung gewonnen.

Kommentare»

1. yenz - Mai 16, 2007, 10:34

Ich denke jeder der die Nachrichten damals gelesen hat, hat sehr wohl mitbekommen, dass die Al-Aqsa-Moschee nicht gefährdet sein kann.
Auch in ein paar Jahren wird niemand die Israelis dafür verurteilen.

Wenn man Deine Texte liest könnte man meinen die ganzen Deutschen Medien wären Anti-Israelisch eingestellt.
Das glaube ich nicht, dennoch sind die Leute hier mit dem Thema Mittleren Osten übersättigt, es gibt kaum eine Nachrichtensendung in der nicht über dieses kleine Land berichtet wird.
Es wäre sicherlich auch nicht im sinn Israel wenn über jede Rakete hier in den Medien berichtet würde. Schließlich finden diese nur in einem kleinen Teil Israels statt - und Israel braucht ein friedlicheres Image, damit endlich wieder mehr Touristen den weg in Euer schönes Land finden.

Über einen Anschlag in Irak wird unter 20 Toten kaum noch berichtet.

2. Chajm - Mai 16, 2007, 10:45

„Wenn man Deine Texte liest könnte man meinen die ganzen Deutschen Medien wären Anti-Israelisch eingestellt.” ja genau, diesen Eindruck kannn man haben, wenn man sich all die Berichte anhört und anschaut und nur selten liegen diejenigen Blogger, die kritisch damit umgehen auch falsch.
„Schließlich finden diese nur in einem kleinen Teil Israels statt” sagenhaft diese Verniedlichung die charmant darüber hinwegtäuscht, dass der Raketenbeschuß stattfindet. Ach diese Selmordanschläge, es war doch nur ein Attentäter… Auch wenige Funken reichen, um das Pulverfaß zur Explosion zu bringen… ausgelutschte Metapher, aber hier durchaus passend…

3. Lila - Mai 16, 2007, 12:07

Yenz hat aber trotzdem recht, Chajm. Es ist ein Dilemma. Ich sage ja selbst auch zu Touristen, kommt nur, es ist alles friedlich. Und dann klage ich, dass nicht ueber jede Rakete berichtet wird. Das kann ich nicht abstreiten, da sind wir ein bisschen schizophren, es laesst sich eben nicht alles aufloesen, und Yenz hat das ganz richtig beobachtet.
Auch mit dem Irak - das ist graesslich, wirklich. Ich meine ja auch, dass ueber den Nahostkonflikt 1. zu viel und 2. immer dasselbe berichtet wird.
Aber wie komme ich zu dieser pessimistischen Einschaetzung der deutschen Medien?
Zwei Beispiele fuer immer wieder benutzte Formeln:
1. “Der Besuch Sharons auf dem Tempelberg”…. der bestimmt kein besonders kluger Zug war, der aber trotzdem keineswegs zu spontanen Ausbruechen des Volkszorns fuehrte, sondern einfach nur ein lang gesuchter Vorwand war, siehe Mugrabi. Sharon war damals ein abgewirtschafteter Oppositionspolitiker und seine leere Geste bedeutetet keine echte Gefahr fuer irgendjemand. Ohne den Willen zur Intifada und die Ueberzeugung, dadurch Punkte zu gewinnen, waere es nie zu den Gewaltausbruechen gekommen. Trotzdem benutzen die auslaendischen Medien immer diese Formel, die suggeriert, dass Sharons Besuch tatsaechlich ein logischer Grund oder Ausloeser fuer die Intifada war - und kein Vorwand.
2. “die Entfuehrung der beiden Soldaten…” Da war noch ein bisschen mehr als dieser Vorfall, bei dem eine Grenzpatrouille auf unsrem Staatsgebiet angegriffen wurde und zwei Soldaten verschleppt wurden, deren Spuren seitdem unauffindbar sind. Gleichzeitig wurde der Beschuss des Nordens, der schon vorher anfing, stark ausgeweitet. Alle Bewohner des Nordens sassen in den Bunkern. Es ist wohl etwas verstaendlicher, dass wir das als casus belli gesehen haben, als nur die “Entfuehrung zweier Soldaten”.
Es gibt noch viel mehr Beispiele, in denen stereotype Formeln benutzt werden, die der komplexen Wirklichkeit nicht gerecht werden und suggerieren, Israel haette auch anders reagieren… oder Israel haette verhindern… oder Israel haette nicht provozieren… oder sonst etwas sollen oder koennen.
Und ob die ganzen deutschen Medien anti-israelisch eingestellt sind? Nein, natuerlich nicht. Weder Broder noch Sahm noch Gisela Dachs, das waere wiederum eine fiese Vereinfachung von mir, das zu behaupten. Aber vielleicht andere schon. Na gut, dann gleicht sich das aus.
Aber wenn ich mir die deutlich anti-israelische Stimmung in Deutschland angucke, frage ich mich, welche Informationen kommen dort wie an und werden wie verarbeitet? Und dann komme ich zu solchen Urteilen, die vielleicht schief sind.
Danke jedenfalls fuer das kritische Lesen, Yenz. Genau dafuer blogge ich ja ;-))))

PS: Wo hab ich heute noch mal ueber die BBC gelesen und ihre Tendenz, den Israelis immer alles in die Schuhe zu schieben? Ach ja, in der ZEIT, in einem Artikel ueber die zunehmende Emotionalisierung (dort dooferweise “Feminisierung” genannt) der Medien. Beispiel: die BBC/Reporterin, die den kranken Arafat mit Traenen in den Augen scheiden sah…. ZU ruehrend.

4. Chajm - Mai 16, 2007, 12:20

Langfristig sorgt aber eine einseitige Berichterstattung (Israelis führen diese oder jene Aktion aus, Israel rückt wieder in den Gaza-Streifen ein etc.) für eine einseitige Sichtweise des Konfliktes und schnell ist der einzige Schuldige für das Dilemma ausgemacht. Solange es aber Blogger gibt und Seiten bei denen nahezu jede Information verfügbar ist, stellt das ersteinmal kein Problem dar.
Ein gutes Beispiel für die einseitige Sichtweise durch „Unterinformation” ist eben die „Entführung”…

5. david - Mai 16, 2007, 15:19

ich glaube nicht, dass es sich ein Medium leisten kann, über etwas zu berichten, das niemanden interessiert. Im Gegenteil - man versucht möglichst genau heraus zu finden, was die Leute lesen und anschauen. Auf Webseiten ist die Auswertung keine rocket science, im Printbereich geben Verlage viel Geld aus, um über Analysen und Marktforschung die Interessen heraus zu finden. Schliesslich wollen sie ja gelesen werden.
Demnach zu urteilen, gibt es also schon ein breites Interesse in der Nahost-besessenen Welt an Nachrichten aus Israel - aber eben nur an bestimmten Nachrichten, nämlich an schlechten. Oder gar an irgendeinen revanchistischem Unsinn.

Es kann der beste NO Korrespondent nicht viel ausrichten, wenn seine Berichte nicht angkommen, oder wenn der Ressort-Leiter ein bestimmtes Thema auf der Titelseite haben will.

Robert Guttmann hat auch mal festgestellt, dass selbst bei den öffentlich-Unrechtlichen in Deutschland in den Ressort intern über eine bestimmte Art der Berichterstattung entschieden wird.

Insgesamt bin ich sher müde von dem ganzen Zeug und mittlerweile froh, dass ich mit Kraut-und-Rüben-Medien nichts zu tun habe, sondern nur Fachverlage als Auftraggeber habe. Da gibts natürlich die gleichen Problemen im Kleinen, aber meistens geht es dabei um Technologie und nicht um ideologisch-verbrämte Ressentiments.

6. willow - Mai 16, 2007, 17:33

Tja David, aber auch wenn die Medien nur bringen, was die Leute haben wollen - die Frage bleibt doch: warum wollen die Leute dieses “böse Israeli töten unschuldige Palästinenser”!?

Unbedingt mal wieder lesen:

http://philippika.blogspot.com/2006/04/so-wird-man-nahostkorrespondent-eine.html

7. david - Mai 16, 2007, 17:46

Mit Claudio Casula kannst du mich jagen.

8. grenzgaenger - Mai 16, 2007, 17:47

willow, ich fuerchte die antwort lautet “ja” :-(

danke fuer den link !

gerade an diesem tag (jom jerushalayim) !!

grenzgaenger

9. Jakobo - Mai 16, 2007, 23:16

Ich hab jetzt nicht alle Posts gelesen, aber was mir
vor allem im Zusammenhang mit den ausgrabungen
einfällt ist, dass die UN ja eine Komission geschickt hat
und bestätigt hatte, dass keine Gefahr für die moslimischen
Bauten besteht, haben aber dennoch gefordert (!) dass die
grabungen erstmal eingestellt werden sollten.

Anschließend standen in etwa 80% der Meldungen die
Überschrift: “UN forder stopp der ausgrabungen” und
dann erst im kleingedruckten, dass keine Gefahr für
die muslimischen Bauten besteht.

Mit sowas wird einfach Meinung gemacht.

Jakobo

10. Jakobo - Mai 16, 2007, 23:44

@ Lila:
“Aber wenn ich mir die deutlich anti-israelische Stimmung in Deutschland angucke, frage ich mich, welche Informationen kommen dort wie an und werden wie verarbeitet”

Was hab ich da letztens irgendwo gelesen, dass nur
17% der Deutschen glaubt, Israel ist keine Gefahr für
den Weltfrieden? Nun ja.. ein paar nichtjuden müssen
da ja dabei sein, schon rein statistisch ;-) Is doch super, oder?

Aber wenn man schon diesen ruf hat:
Also da fährt ein Israeli nach London und geht am
Flughafen durch die Passkontrolle…
Der Polizist schaut sich den Pass an und sagt dann:
- ” Ocupation?”
- ” eh.. no, no.. just for vistit.”

:-)

11. jakobo - Mai 17, 2007, 21:12

@ Lila:
Eben war ein Bericht in der Tagesschau über den
israel. Angriff im Gazastreifen. Ich hab ihn nicht ganz
gesehen, aber er klang erfreulich objektiv:
“Der israelische Angriff hat punktgenau getroffen.”

Ich war positiv verwundert. Falls du den Bericht sehen
willst, er ist später auf tagesschau.de zu sehen.

Würde mich freuen zu wissen was du davon hältst.

jakobo