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Von den Kindern Mai 15, 2007, 23:32

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Morgen wird Primus gemustert. Gestern war er wieder mal zu einem Sehtest, er hat ja seit vielen Jahren eine Brille, und seine Augen haben sich wieder verschlechtert. Quarta fragte sofort: “heißt das, daß du blind wirst? Das macht nichts, dann lese ich dir abends vor, und wir dressieren dir eine Blindenkatze. Das wär doch viel besser als ein Blindenhund”. Sie war geradezu enttäuscht, daß er nicht erblindet, sondern nur eine stärkere Brille braucht. Den ganzen Abend kam sie immer wieder auf ihre Idee zurück - sie will eine Blindenkatze dressieren.  Das Kind hat Ideen.

Mal gucken, was für ein gesundheitliches Profil Primus hat. Je höher das Profil, desto stolzer der Jung und desto besorgter die Mutter. Denn hohes Profil bedeutet gefährlichere Einheit. Übrigens ist das höchste Profil 97%. Drei Punkte gehen automatisch wegen der Beschneidung ab.

Secundus kam heute strahlend nach Hause. “Weißt du, was ich werden will, Mama? Endlich weiß ich es. Ich will gar nicht Tierarzt werden. Ich will Landwirt werden”. Und erzählte mir begeistert von seiner Arbeit im Betrieb, und wie  gut er melken kann, und wie seine Gurken gedeihen, und wie aktiv er in der Arbeitsgruppe Biosphären-Park ist - eine Gruppe, die aus Erwachsenen besteht, geleitet vom Landrat. Secundus ist da immer der Jüngste. Er ist sehr stolz darauf, und mich haben schon mehrere Leute darauf angesprochen, wie toll sie es finden, daß er sich so engagiert. Da erzähle ich ihnen nicht, daß die Klassenlehrerin weitaus weniger begeistert ist. Secundus interessiert sich überhaupt nicht mehr für Mathe und Englisch.

Er macht manchmal blau, um zu seinen Ziegen und Gurken zu gehen, und macht sich über die Getreidesorten und die Baumwolle des Kibbuz Gedanken. Übrigens gibt es hier beide Sorten von Landwirten: stolze alte “Falachim”, die ohne formale Ausbildung auf dem Feld alles gelernt haben, und Agronomen von der Uni. Obwohl wir ein Industrie-Kibbuz sind, haben wir sehr erfolgreiche landwirtschaftliche Zweige: Macademia-Nüsse, Avocados, Weizen, Schafe, Sonnenblumenkerne. Alle in den schwarzen Zahlen.  Da könnte er sofort anfangen, die Falachim würden sich freuen.

Tertia dagegen kam sorgenvoll an. Sie will Geld verdienen. Ihr Bat-Mitzva-Geld will sie nicht angreifen, sie ist sparsam, aber sie möchte gern ein bißchen eigenverdientes Geld haben. Hm. Das ist im Kibbuz gar nicht so einfach. Man nimmt hier kein Geld für Nachhilfestunden oder Babysitten, “lo mekubal”, das macht man einfach nicht. Aber ihre Freundin aus Yokneam, die verdient sich so Geld! Tja, aber wir sind Kibbuzniks. Wir geben ihr Geld, und sie arbeitet ja auch, aber mit nebenher Geld verdienen ist leider Essig.

Trotzdem kam das Gespräch in gute Bahnen. Tertia hat ja viele Talente, und sie möchte nun gern Schmuckdesign lernen. Vielleicht finde ich ja einen Kurs für sie. Sie hat so geschickte Finger und macht schon auf ihrem kleinen Perlenwebrahmen hübsche Sachen. Eines Tages wird sie sie auch verkaufen wollen. Sie wartet auf die Privatisierung des Kibbuz.  Im Moment möchte sie übrigens Geld in der Hand haben, um Primus was zu kaufen, der bald Geburtstag hat. “Der schenkt mir immer so viel und hilft mir”, meinte sie. Die beiden verstehen sich gut, Primus und Tertia.

Zum Naqba-Tag Mai 15, 2007, 21:09

Posted by Lila in Land und Leute.
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So gut könnte ich es gar nicht sagen. Avinery in Haaretz. Nicht Uri - Shlomo.

Nachschlag: auch Dershovitz bringt es recht gut auf den Punkt.  Ohne Ablehnung des UN-Teilungsplans keine Naqba. Ohne Kriegserklärung an Israel keine Naqba. Alle Probleme der Palästinenser heute sind aus ihrem Wunsch, auf Biegen und Brechen den jüdischen Staat zu bekämpfen, zu erklären.

Wenn ich schon mal Nachrichten gucke… Mai 15, 2007, 20:29

Posted by Lila in Land und Leute.
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… häufen sich die Katastrophen. Neun Tote im Gazastreifen (die Zahlen sind noch nicht ganz klar): Fatah und Hamas schießen einander brutal ab (”tachachuham” nannte das ein Augenzeuge - sie wurden durchlöchert). In Sderot ist ein Haus, wie schon lange zu erwarten, direkt getroffen - auch wenn die Raketen primitiv sind, werden Menschen verletzt, wenn eine direkt einschlägt. Wie die Leute in Sderot damit leben, keine Ahnung. Drei Verletzte heute abend - der Beschuß hält an.

Zwei durchgedrehte Brüder aus Tel Aviv haben einen arabischen Taxifahrer brutal ermordet, nur weil er Araber war. Der Bürgermeister von Jerusalem, wo der Taxifahrer gelebt hat, will dessen Hinterbliebene als Terroropfer anerkennen - zu Recht, denn Terror ist Terror, und Mord aus nationalistischen Motiven ist ein Akt des Terrors.  Daß das nicht automatisch passiert, liegt wohl daran, daß diese Täter-Opfer-Verteilung selten ist.

Außerdem innenpolitische Häkeleien, wie im Spiel “Schlapp hat seinen Hut verloren”. Eins hat ihn nicht, sieben hat ihn. Sieben hat ihn nicht, vier hat ihn. Und so weiter. Ich war es nicht, DER war es. Ich war immer dagegen - DER hat den Entschluß gefaßt. Ich bin ideal an meinem Posten - DER soll gehen.

Katzav versucht sich reinzuwaschen, Ramon sucht einen neuen Job als Finanzminister (es kann sogar sein, daß er das ganz gut macht - sehen wir mal), alle wollen Präsident werden, großes Theater.

Wieder mal stehen wir vor einem Dilemma: der Beschuß der Grenze zu Gaza zieht sich seit unserem Rückzug hin, anderthalb Jahre. Je schärfer die Konflikte im Gazastreifen werden, zwischen Gruppen, Parteien, Organisationen, Sippen…., desto heißer wünscht man sich dort wieder einen gemeinsamen Feind. Der beste, einzige Kandidat für diese Glanzrolle: wir. Wie wollen sie uns in den Konflikt reinziehen? Per Raketenbeschuß. Wenn wir die Armee reinschicken, dann spielen wir diese Rolle, nach dem Script von Hamas, Fatah, den Märtyrerbrigaden, Jihad….. Aber andererseits: wie lange kann sich ein suouveräner Staat beschießen lassen, ohne sich zu wehren, besonders, wenn das Überleben dieses Staats von seiner Wehrhaftigkeit abhängt und diese schon arg beschädigt ist?

Übrigens würde mich interessieren, wie prominent diese Toten in den deutschen Nachrichten sind. Nicht, als ob es an den Tatsachen etwas ändern würde - wir sind ohnehin Feind Nummer eins in Augen der Europäer und können uns nicht leisten, für die schönen Augen ausländischer Journalisten oder Fragebogen-Ausfüller unsere eigene Sicherheit zu riskieren. Da können wir auch durch Zurückhaltung, wie wir sie ja wieder mal monatelang unter Beschuß an den Tag legen, keinen Blumentopf gewinnen.

Channel 2 hat einen Scoop: vor laufender Kamera fällt eine weitere Rakete. Ein Verletzter.  Ach nee. Sind die Abende nicht ruhiger, wenn ich keine Nachrichten gucke???