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Wechselnde Schicksale April 18, 2007, 22:38

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Uncategorized.
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der Schülerseele in Israel. Regelmäßige Lehrerstreiks legen das Schulsystem lahm, aber in aufregend unvorhersehbaren Konstellationen. Mal nur die Lehrer der einen Gewerkschaft, dann die der anderen. Mal in den Städten, mal nur im Süden, mal in einer Art Fleckenteppich, der morgens in den Nachrichten durchgesagt wird und dem die Schüler hoffnungsfroh folgen. Mal sind es nur die Grundschulen und Kindergärten (für Eltern eine echte Katastrophe, denn die Kleinen kann man nicht allein lassen), mal die Mittel- oder Oberstufe. Bei diesem Streik gab es eine Unterbrechung für Yom HaShoah und noch eine als Vorbereitung für Yom HaZikaron - aber dann soll der Streik weitergehen.

Die Lehrer arbeiten in Israel unter schweren Bedingungen, kriegen wenig Geld und haben ein geringes Ansehen - gesellschaftliches Ansehen wird nun mal in Geld ausgedrückt. Weil der Lehrerjob so wenig lukrativ ist, reißen sich die Besten der Jahrgänge nicht darum - in der Lehrerausbildung, an der ich ja ein paar schöne Jahre mitarbeiten durfte, sammeln sich teilweise leider junge Leute ohne wirkliches Interesse am Lehren oder Lernen. Obwohl der Bildungsetat groß ist, fließt das meiste Geld nicht zu Kindern oder Lehrern, sondern in irgendwelche bürokratischen Monster - überall gibt es doppelt und dreifach gemoppelte Erziehungsausschüsse, die das Geld aufsaugen. Daß die Verwalter der Staatskasse sich frechweg nicht an Abmachungen halten, kommt noch erschwerend hinzu.

Ich kann die Lehrer verstehen, die ihrem Unmut Ausdruck geben - aber warum immer nur in Streiks, das verstehe ich nicht. Denn es hebt ihr Ansehen bei der Nicht-Lehrer-Bevölkerung nicht gerade. Und das tut mir leid. Mehr Geld und mehr Respekt gehen Hand in Hand, und ich fürchte, durch so viele Streiks erwirbt man sich weder das eine noch das andere.
Ähnliches gilt übrigens auch für die Studenten, nur daß über deren ewige Streiks sich niemand auch nur ärgert. Sie streiken nun schon seit hm, zwei Wochen?, zehn Tagen?, ohne daß es jemanden kümmerte. Zu Anfang standen sie noch mit Schildern und Trööten am Uni-Eingang, jetzt ist der Campus voll mit strebsamen jungen Leuten in der UB, auch wenn sie die Veranstaltungen boykottieren - und es kümmert keinen Menschen. Dabei haben auch die Studenten durchaus Grund zur Klage. Gegen alle Versprechungen werden die Studiengebühren wieder erhöht - die auch so schon eine Hürde darstellen. Sollten wir nicht, als Vorsorge für die Zeit, in der unsere endlos erscheinenden Ölvorräte zur Neige gehen, nicht doch ein bißchen auf die Bildung der jungen Generation setzen…?

Aber wenn die Studenten schon in Festtagsstimmung den Verlust der hart bezahlten Unterrichtsstunden zelebrieren, kann man von Schulkindern erst recht kein Verständnis dafür erwarten, daß ein Streik ihnen schadet. Nur die Erstkläßler mit ihrer rührend ungebrochenen Begeisterung finden Streiks doof. Ich werde nie vergessen, wie mein Secundus erwartungsfroh auf die Eröffnung seines ersten Schuljahrs wartete und morgens fast weinte, wenn er hörte, daß der obligatorische Post-sommer-hols.-Streik wieder mal verlängert wurde. Man sollte nicht glauben, daß es dasselbe Kerlchen ist, daß sich heute triumphierend vor mir aufbaute, “morgen wird in der Oberstufe wieder unterrichtet, wegen Abi, aber bei uns nicht!” Das hähä-hähähä in Richtung seines großen Bruders war unüberhörbar. Quarta findet es überhaupt eine Schweinerei, daß an der Schule der Großen gestreikt wird und bei ihr  nicht, “und das ist NICHT fair!”.

Primus arbeitet ein bißchen für sein Abitur, aber die meiste Zeit arbeitet er im Schafstall oder dem Dish wash im Dining Room, Stunden sammeln für Führerschein und Abschlußfahrt nach Polen. Secundus genießt den Streik, indem er stundenlang im landwirtschaftlichen Betrieb der Schule arbeitet, “jetzt haben wir schon vier neue Zicklein! und sooo viele Radieschen!”. Er bringt mir immer organisch gezogenes Gemüse mit, Babysalat oder Eisbergsalat. Ironie des Schicksals, denn er ißt nur beige! Tertia ist vom Streik weniger begeistert, ihr fehlen die Freundinnen aus der Umgebung, mit denen sie am Telefon das Kichern nachholt, das ihr in den Mathestunden nun entgeht. Nur Quarta ist noch eifrig dabei. Trotz ihrer Eifersucht auf die Großen und deren Privileg, bestreikt zu werden, hat sie noch Spaß an der Schule.

Eine echte Krise wäre hier eingetreten, wenn Secundus hätte zur Schule gehen müssen, während seine Geschwister in Saus und Braus schulfrei haben. Er behauptet, vor ein paar Jahren habe es mal so einen Fall gegeben - Geschwistergehirne speichern jede Ungerechtigkeit des Schicksals genau auf. Na ja, bei der Schul-Fortuna dieses Lands zieht jeder Schüler mal das Große Los und kann nach den Frühnachrichten Juhu schreien. Während die Eltern stumm auf dem Tische herumblicken.

Gestern war es das Wetter, April 18, 2007, 13:22

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heute ist es ein Terrorist, der durch Haifa gejagt wurde. Wir sitzen hoch ueber Haifa und hoeren den ganzen Tag Sirenen. Ich kriege natuerlich nichts mich, so Leute wie mich nennt man auf Ivrit “astronautit”, weil ich von der Erde abgekoppelt in anderen Sphaeren schwebe. Aber als es dann Entwarnung gibt, hoere ich es auch. “Wo haben sie ihn geschnappt?” “In Neve Shaanan” “Iiiih, da wohnt meine Schwester!” Und sofort ab ans Telephon.

Gut, dass sie ihn gefasst haben. Und jetzt hoffe ich wieder auf ein paar ruhige, normale Tage.

Nach der Nachrichten-Pause April 17, 2007, 19:45

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lohnt sich das Lesen so richtig. Ich finde Bonbons.

In an interview with Washington Post columnist Robert Novak published on Monday, Hamas Education Minister Naser al-Shaer was quoted as saying that “previous attempts at peace were ruined by suicide bombers. Now, we look forward to a sustained peace.”

According to Novak, “Shaer signaled that the regime recognizes Israel’s right to exist and forgoes violence - conditions essential for talks about a viable Palestinian state adjoining Israel - even if Hamas does not.”

Donnerwetter. Ein Hamasmann, der nicht für alles Israel verantwortlich macht? Zusammen mit dem saudischen Journalisten macht mir das großen Eindruck. Tatsächlich, es scheint Leute zu geben, die bereit sind, auch mal die andere Seite der Medaille anzugucken und sich zu überlegen, was sie selbst dazu tun können, damit dieser unerträgliche Zustand ein Ende hat.

Ob Shaer sich aber klargemacht hat, daß er ja auch noch nach Hause zurückkehren muß? Er hat sich bestimmt nicht eben beliebt gemacht.

Boah, April 17, 2007, 18:33

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der Himmel ist braungelb. Alle Bäume haben sich eine schrillgrüne Tönung zugelegt.

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(Diese roten Blüten sind es übrigens, die die Papageien anlocken. Vorhin turnte doch mithilfe seines Schnabels wieder so ein Kerl durchs Geäst. Leider war die Batterie gerade alle.)

Man sieht nicht weit. Die Luft ist voll Sand.

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Ich werde mich, egal wie lange ich hier lebe, nie an diese faszinierend-gräßlichen Wetterlagen gewöhnen.

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Nein, die Kamera bringt diese Farbe nicht richtig raus. Es sieht aus, als hätte jemand per Photoshop unsere Welt orange-grün eingefärbt. Adjust color! Sand, geh weg!


Wenigstens weiß ich, was ich morgen machen werde. Staubwischen.

Nichts hinzuzufügen April 17, 2007, 17:04

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habe ich diesem Artikel von Amnon Rubinstein.

The abduction of the soldiers, the refusal of their captors to permit the International Red Cross to visit them, their complete isolation from the world and the lack of any knowledge regarding their health is one of the most serious crimes being perpetrated by the Palestinian terrorist organizations.

What could be more natural, then, than for the celebrated international human-rights organizations, who rush to condemn Israel for crimes real and imagined, to cry out in protest against this ongoing cruelty to the soldiers’ families?

Doch Menschenrechts-Organisationen aller Arten haben sich bisher nicht zu einer eindeutigen Verdammung der Geiselnahme von Gilad Shalit, Ehud Goldwasser und Eldad Regev durchringen können. Tja, unter den Blinden ist der Einäugige vielleicht König - aber wenn man zufällig außerhalb des königlichen Gesichtsfelds liegt, kann einen das nicht trösten. Oder sagen wir mal so: als Täter machen uns die Menschenrechtsorganisationen mit großem Eifer aus. Als Opfer sind wir unsichtbar.

Was dem Ansehen besagter Menschenrechtsorganisationen natürlich weltweit keinen Abbruch tut.

Und was hat das mit uns zu tun? April 17, 2007, 14:30

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Irgendwie muß man doch die Kurve von internationalen Neuigkeiten zum heimischen Fernsehschirm finden. So fiel mir nach dem katastrophalen Tsunami vor zwei Jahren auf, daß in Deutschland die deutschen Opfer, die Österreich (wir flogen über Wien nach Hause) die österreichischen und in Israel die israelischen Opfer eine wichtige Rolle spielten. Das ist auch ganz natürlich, schließlich macht man sich Sorgen und wo soll man die Informationen hernehmen?

Das Blutbad an der Uni in Virginia hat einen israelischen Winkel. Die israelischen Zeitungen schreiben darüber. Am Holocaust-Gedenktag hat ein Holocaust-Überlebender dort sein Leben verloren. Ein rumänisch-israelischer Professor, der sich dem Amokläufer in den Weg gestellt hat. Er hat Menschenleben gerettet und sein eigenes geopfert. Und das, während hier die Trauer- und Gedenkfeiern liefen. Ein mutiger Mann.

Und noch ein Wort zu der neu entflammten Diskussion um Waffenbesitz und -gebrauch: auch in Israel haben viele Menschen eine Waffe. Es können ja auch außer mir praktisch alle schießen (ich sollte eigentlich mal die alten Bilder meiner Schwiegermutter beim Handgranaten-Training hier reinsetzen ;-) ). Amoklauf kommt aber nicht vor. Wohl mal Schießereien, aber auch sehr selten. Hier braucht man einen Waffenschein, den man regelmäßig verlängern muß - und zwar mit Schießprüfung. Ist wohl eine Mentalitätssache. Hm, ich sehe in meiner Umgebung auch selten Männer machomäßig mit der Waffe im Gürtel rumrennen. Den Sicherheitsoffizier des Kibbuz, aber außer ihm niemand. Da sind wir wohl mehr auf der europäischen Linie, trotz Militärdienst und -image.

Kriegsvorbereitung April 16, 2007, 20:28

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In den Nachrichten: ein hohes Hisbollah-Mitglied teilt uns mit, daß jede Aktion der Hisbollah auf Anweisung Irans stattfindet. Nicht, als ob wir das nicht gewußt hätten. Aber wenn die Hisbollah wirklich nur ausführendes Organ der iranischen Regierung ist, dann können wir die nächste Runde von Anfang an als Krieg ansehen. Dann kämpfen wir nicht, wie im letzten Sommer, gegen eine amorphe Terrororganisation, die auf fremdem Staatsgebiet operiert und uns damit die Hände bindet - sondern gegen einen Staat.

Ich denke mal, wenn der nächste Angriff kommt (wobei die Einschätzungen, wann es dazu kommen wird, schwanken - ich mag da keine Prophezeiungen äußern, rechne aber nicht unbedingt im nächsten Sommer damit), werden wir erwägen müssen, ob das nicht eine Kriegserklärung des Iran an uns bedeutet. Denn die Äußerungen heute waren natürlich ebenfalls von Teheran abgesegnet.  Sie zeigen uns schon mal ihre schönen, glänzenden Waffen.

Auf einen neuen Krieg habe ich keine Lust, wirklich. Aber die Hisbollah scheint Spaß dran zu haben.

Yom haShoah, 10:00, Sirene April 16, 2007, 12:44

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Jedes Jahr wieder schrecklich. Was müssen erst die Überlebenden fühlen.

Verblüffend April 16, 2007, 9:21

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Die Jerusalem Post zitiert ausführlich aus einem Artikel, den ein saudischer Journalist in einer kuwaitischen Zeitung veröffentlicht hat - dabei geht es um das Rückkehrrecht für die palästinensischen Flüchtlinge. Es ist verblüffend und faszinierend, ihn zu lesen. Seine Einschätzung der Flüchtlingsfrage entspricht so sehr der meinen, daß ich gedacht habe, ich träume, als ich das las. Wenn ein saudischer Journalist zu diesem Schluß kommen kann und ein kuwaitisches Publikum das lesen kann, dann habe ich trotz allem Hoffnung, daß die arabische Liga eine positive Rolle spielen kann.

Der Artikel ist auf englisch, aber lesenswert als sachliche und selbstkritische Einschätzung eines verzwickten, umstrittenen Sachverhalts. Würden seine Ideen umgesetzt, nämlich Einbürgerung der Flüchtlinge mit vollen Rechten in den Ländern, in denen sie immer noch elend dahinvegetieren müssen - als menschliche Pfänder und Druckmittel -, dann könnten wir hier echte Fortschritte sehen. Ich hoffe, diese Art der sachlichen, konstruktiven Betrachtung setzt sich allseits durch.

Also, ich habe den Artikel jetzt dreimal gelesen und staune immer noch…

Später: ich habe den Link repariert und gleich noch einen Link zum Thema Saudis: sie boykottieren Israel immer noch, ha ha. Allerdings kann es kaum überraschen, daß die Regierung mit einem aufgeklärten Journalisten nicht Schritt hält.

Gedenken April 15, 2007, 9:20

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Heute abend beginnt der Holocaust-Gedenktag, Yom haShoah. Meine Kinder sind heute mit weißen T-shirts zur Schule gegangen, weil heute Gedenkfeiern in der Schule stattfinden. Die Lehrer haben dafür ihren Streik unterbrochen.

Was ich davon halte, daß der Botschafter des Vatikans die Gedenkfeierlichkeiten in Yad vaShem boykottiert? Recht wenig. Es zeigt einen bedauerlichen Mangel an menschlicher Größe. Wenn er ein Bildunterschrift in Yad vaShem für unpassend hält, ist das diskutabel - aber es sollte im Rahmen bleiben. Deswegen die offiziellen Feierlichkeiten boykottieren? Schlechter Stil. Noch dazu, wo es die katholische Kirche selbst ist, die wichtige historische Dokumente unter Verschluß hält, so daß man noch zu keinem abschließenden Urteil über die Rolle der katholischen Kirche im Holocaust fällen kann.

Daß einzelne katholische Priester und Ordensleute außerordentlichen persönlichen Mut bewiesen haben und sich für Juden und andere Verfolgte eingesetzt haben,  daß in Deutschland katholische Gegenden und Einrichtungen der NS-Ideologie oft größeren inneren Widerstand entgegengesetzt haben als protestantische - das steht außer Frage.

Aber hat der Vatikan wirklich seine Stimme in voller Lautstärke erhoben, um gegen die massenhafte Vernichtung von Menschenleben zu protestieren? Hat die katholische Kirche vor Ratzinger fertiggebracht, die Juden zu rehabilitieren? Hat das Christentum sich wirklich der Verantwortung gestellt, die es am Entstehen und Blühen des Antijudaismus trägt, Vorläufer des Antisemitismus und manchmal kaum von ihm zu unterscheiden? Man muß nicht mit Goldhagen d´accord gehen, um diese Fragen stellen zu dürfen.  Aber daß die Rolle des Papsts zumindest umstritten ist, wird man wohl feststellen dürfen.  Wobei diese Ambivalenz des Papsts einen Katholiken mehr schmerzen sollte als die Kritik daran.

Immerhin hat der Vatikan sich bei den Juden entschuldigt, ein Zeichen also, daß die katholische Kirche selbst weiß, daß sie mehr hätte tun können. Auch wenn sie davor zurückschreckt, den Papst selbst zu kritisieren.

Protestieren ist schön und gut und muß sein. Aber daß die laut erhobene Stimme des Protests, die man damals so schmerzlich vermißte, sich nun heute erhebt, um eine Bildunterschrift zu kritisieren, das berührt seltsam. Mußte es wirklich der Gedenktag sein, der zum Protest instrumentalisiert wird? Sind die Toten des Gedenkens weniger wert, weil in Yad vaShem unter dem Bild des Papstes eine kritische Bemerkung steht? Sollen der Holocaust und unser Gedenken daran so leicht zu instrumentalisieren sein?

Trotzdem möchte ich glauben, daß der Botschafter des Vatikans sich heute abend, wenn das Land ganz still wird, und morgen, wenn die Sirene läutet, ein bißchen unbehaglich fühlt, daß er nicht dabei ist.

Ermutigend April 14, 2007, 11:47

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Ich kann nicht behaupten, daß ich den Tod Filbingers, die Rede des baden-württembergischen Ministerpräsidenten und den Sturm um seine Worte genau verfolgt hätte. Ich habe dafür im Moment nicht die Zeit. Aber ich habe mitgelesen und mir meine Gedanken gemacht.

“Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Regimes ebenso wenig entziehen wie Millionen andere.”

Eine solche Aussage überrascht mich natürlich nicht. Wer sich ein bißchen mit den Nachwirkungen des NS-Regimes in deutschen Köpfen beschäftigt hat, kennt die fatale Neigung der Nachgeborenen, ihre Familiengeschichte zu schönen. Harald Welzers “Opa war kein Nazi” zeigt die klassischen Mechanismen auf, die ich auch aus Gesprächen kenne.

Eigentlich tun mir die Leute eher leid, die sich selbst in die Tasche lügen müssen, um die Vergangenheit verschwinden zu lassen- aber die Tatsache, daß sie wissen, “Nazi-sein ist nicht so doll” zeigt immerhin ein grundlegendes Verständnis. Immerhin strunzen sie nicht mit Opas Parteiabzeichen, das halte ich ihnen zugute.

(Mir persönlich geht es natürlich eher gegen den Strich, daß aus der erlogenen weißen Wäsche das moralische Recht abgeleitet wird, der ganzen Welt oder eben mir zu predigen, wie sie ihre Angelegenheiten zu regeln hätten - aber jedem Tierchen sein Pläsierchen.)

Ich besitze einen hochinteressanten alten Film über die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. In den 1930er Jahren ging ein Jülicher Bürger mit seiner kleinen Kamera durchs Städtchen, über den Schloßplatz, die Promenade und durch den Brückenkopf und filmte. Es ist faszinierend, zu sehen, wie hübsch unser Land war, bevor es von der Antwort auf Coventry und Guernica und letztendlich von Autohaus und Praktiker verwüstet wurde. Eine richtige Feuerzangenbowlen-Idylle, die vom rührigen Geschichtsverein als Video herausgegeben wurde - mit Material aus Archiven ergänzt, die zeigen, was nach Kriegsende noch übrig war.

Von Zeit zu Zeit jedoch tanzen über die Bilder der feinen Kleinstadt weiße, gekritzelte Schatten. Die Stimme aus dem Off erklärt im schönsten Rheinisch, daß der Besitzer des Films nach dem Krieg die überall sichtbaren Hakenkreuzflaggen verdecken wollte. Ich denke mir jedesmal, was für eine Metapher für den Umgang mit dem Schandfleck. Dadurch, daß wir ihn überpinseln und unkenntlich machen, helfen wir niemand. Der Betrachter sieht statt dessen diesen Fleck, der schlimmer auffällt als die Hakenkreuzflagge selbst. Ein hilfloser Versuch der Leugnung, des Verbergens, der niemanden täuscht.

Doch zurück zur Rede. Oettinger bringt es also nicht fertig, den politischen Opa Filbinger als das zu sehen, was er zur NS-Zeit war - ich bin keine Historikerin und maße mir nicht an, nach ein paar Zeitungsberichten zu urteilen, ob er nun überzeugter oder nur teilweise überzeugter Nationalsozialist oder aber Mitläufer war. Gegner war er jedenfalls nicht, sonst hätte er wohl nach dem Krieg seine damaligen Ansichten revidiert oder selbstkritischer reagiert, als seine Geschichte aufflog. (Und daran erinnere ich mich noch.)

Als Privatperson tut er mir sogar ebenfalls leid, weil er nie eingesehen hat, daß es vielleicht doch keine Rufmordkampagne war. Es muß schrecklich sein, sich zu Unrecht verfolgt zu sehen, und es ist schade, daß er nie den Abstand zu sich selbst gewonnen hat, die Kritik an ihm zu verstehen. Er hätte der jüngeren Generation ja durchaus etwas Wertvolles sagen können - Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit sind ja auch keine schönen Züge, und wäre er nur erbarmungslos ehrlichmit sich selbst gewesen, hätte er sich dagegen glaubhaft zur Wehr setzen können.

Filbinger hätte also ein gutes Beispiel geben können, wie man mit einer mehr als fragwürdigen Vergangenheit würdevoll und verantwortungsvoll umgeht. Die Verhärtung der Fronten und die ganze Filbinger-Apologetik sehe ich als verschenkte Chance, zu einer menschlich reifen und ehrlichen und knallharten Einschätzung der NS-Zeit zu kommen. Wie verdruckst und verlogen der deutsche Diskurs um diese Zeit und ihre heutige Einschätzung ist, kam in der Jenninger-Farce deutlich zum Vorschein - es war nicht möglich, dem Mann den benefit of doubt zu geben und sachlich zu diskutieren, obwohl er etwas ansprach, das durchaus disussionswürdig ist. Gudrun Brockhaus´ Buch über das Faszinosum NS-Ästhetik ist ja auch interessant und ehrlich.

Also eine ganze Reihe verpaßter Chancen. Ich dachte zu Anfang, nach der Oettinger-Rede, daß das eine weitere Peinlichkeit in diesem Marathon der Unfähigkeit, die deutsche Vergangenheit “frontal anzunehmen”, darstellt. Dann kamen die empörten Stimmen vom Zentralrat der deutschen Juden, zuverlässig wie ein Wecksignal, das niemand hören will, und die Nachkommen und Angehörigen von Filbingers Opfern, und ich dachte, “na prima, wenn das jetzt die einzigen sind, die die Rede furchtbar fanden, dann rechtfertigen sie Oettinger in den Augen vieler Deutscher”.

Was nicht bedeuten soll, daß diese Empörung sich nicht äußern sollte. Wo aber sind die empörten Nicht-Juden? Eben die Enkel der Parteimitglieder, die zu Widerstandskämpfern umgelogen wurden?

Und oho, es kommt was nach. Nicht nur die Nachkommen der Opfer, auch die Nachkommen der Täter machen den Mund auf. Wieder einmal zeigt die Kanzlerin Flagge. Ich gebe zu, ich hätte ihr nicht zugetraut, daß sie mir so gut gefallen würde. Aber sie macht eine rundum gute Figur, unvergleichlich besser als Schröder. Und auch Historiker pochen auf die Tatsachen, die sich nun mal nicht wegretuschieren lassen.

Ich weiß nicht, was bei einer Umfrage unter Deutschen rauskommen würde. Ob nicht viele sagen würden, “ach der arme Filbinger, es war doch alles nicht so schlimm, wo bleibt endlich der Schlußstrich”. Vielleicht denken viele doch so. Und vielleicht sind viele nach außen Empörte nur froh, Oettingern aus werweißwas für Gründen eins auswischen zu können. Wir können einander ja nicht ins Herz sehen.

Aber ich weiß eines. Wenn wir Deutschen insgesamt nicht mehr verdruckst murmeln, “Opa war kein Nazi, und Oma auch nicht, die waren immer dagegen, und jetzt laßt mich in Ruhe damit”, sondern wenn sie sagen, “leider waren Opa und Oma Nazis, ändern kann ich es nicht und es gefällt mir auch nicht, aber jetzt denken wir mal gut nach, was ich mit diesem Wissen anstellen kann” - dann sieht Deutschland besser aus. Und wenn diese Diskussion jetzt geführt wird, nicht nur an der parteipolitisch opportunen Oberfläche, dann sollte mich das freuen.

PS: Nicht weit weg vom Thema - ein Interview in Haaretz mit Maxim Biller. Ich kenn ihn nicht, aber scheint ja ein heiterer, ausgeglichener Mensch zu sein. Seine Einschätzung Deutschlands ist ziemlich brutal. Na ja, ich bin ja länger weg als er und habe die ganzen letzten 20 Jahre kaum mitgekriegt.

Ein wahrer Held April 12, 2007, 22:53

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Caleb Garth.

Middlemarch lesen!

Backformen April 11, 2007, 23:02

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Ja ja, Kaltmamsell inspiriert mich nun mal, unverkennbar. Sie ist zwar sophisticated und bedenkt, wie Engländer und Deutsche auf verschiedene Weise zum gleichen Gebäck kommen, doch ich bin schlichteren Gemüts. Mir fällt gleich ein, wie verblüfft ich war, als ich israelische Frauen (jawohl, nur Frauen, backende Männer gibt es zwar, aber ich habe noch nie einem beim Backen zugesehen) backen sah. Und das war schon ganz zu Anfang meiner Zeit in Israel, als ich Volunteer im Kibbuz-Kindergarten war. Da wurde nämlich fleißig gebacken, viel öfter, als ich es von zuhause gewöhnt war. Und meine Mutter und Oma und Tante sind auch eifrige Bäckerinnen!

Ich bin aber Rezepte gewöhnt, in denen 125 gr Butter angefordert werden. Die Nonchalance, mit der Lili oder Chana anderthalb Glas Zucker in den Teig schütteten, war mir anfangs sehr fremd. “Ja aber was für ein Glas denn?” Ganz einfach, ein Histadruth-Teeglas. Das gab es damals noch in jedem Haushalt, so ein ganz einfaches Glas mit einem Absatz in der Mitte (benannt nach der Gewerkschaft Histadruth, in der angeblich mehr Tee getrunken als gearbeitet wurde). Und mit dem Glas, aus dem auch im Dining Room getrunken wird, mit dem Glas mißt man einfach alles.

Na ja, in älteren deutschen Back- und Kochbüchern finden sich dann auch Angaben wie “ein Schuß”, “eine Handvoll” oder “nach Belieben”. Das wußte ich aber damals nicht und so war mein erster Kauf, als ich mich hier häuslich niederließ, eine Backwaage. Eine deutsche natürlich.

Die Kuchen, die meine Kolleginnen im Kindergarten im Nullkommanichts zusammenrührten, waren leichter und weniger süß als die deutschen. Ich bin schon seit Jahren dazu übergegangen, die Zuckermengen in den Oetker-Rezepten zu halbieren oder noch drastischer zu vermindern, da ist noch nie was passiert. Schmeckt auch besser. Trotzdem wiege ich nach wie vor meist ab. Und stutze, wenn meine Freundinnen über meine Rezepte lachen. “Was meinst du damit, 125 Gramm?”

Außerdem, fiel mir damals auf, kippten Lili und Chana immer ein Glas flüssigen Joghurt, den berühmten Leben (ausgesprochen Läbän), in den Teig. (Ach, damals gab es noch im Dining Room den wunderbaren Leben aus riesigen Tüten, die in große Behälter abgefüllt wurde und den man sich in Schüsseln zum Frühstück holte oder über den Salat gab. Seit wir dort per Portion bezahlen, wird er in mickrigen Bechern verkauft, wo er viel fester und weniger lecker ist. Nostalgie!) Das mache ich seitdem auch, oft ersetze ich einen Teil der Butter durch Joghurt, und es wird lockerer.

Ich bekam von meiner Schwiegermutter um die Zeit unserer Hochzeit rum ein hübsches kleines Büchlein für Rezepte geschenkt, das ich seitdem treu fülle. Es ist voll mit “Schokoladenkuchen Michal”, “Salzgebäck Zippi” und “Kremschnitt Galina”. Da wird nicht abgewogen, sondern mit Glas und Löffel hantiert. Teilweise ganz seltsame Rezepte, Schokoladenkuchen Michal zum Beispiel wird aus zwei Teigen bereitet, von denen der eine Bitterschokolade, Milch und Butter zusammenkocht und dann weiterverarbeitet. Wird seltsam feucht, der Kuchen, aber ist ein Kinder-Geburtstags-Hit. Anhand dieses Buchs kann man rekonstruieren, wo ich jeweils gearbeitet habe und mit wem, und wessen Kuchen mir gut genug geschmeckt haben, um das Rezept zu erbitten.

An den Kibbuz-Arbeitsplätzen war es immer Sitte, einander Kuchen zu backen, besonders zum Geburtstag oder zu Festen oder nach einer Geburt. Man konnte sich die Kosten dafür sogar erstatten lassen, was ich natürlich nie gemacht habe - ich wußte das sogar jahrelang gar nicht. Außerdem waren ja Mehl, Zucker, Butter, Eier, Backpulver sowieso umsonst - und wer läßt sich schon ein paar Äpfel oder Nüsse erstatten? Ich war stolz, daß ich schon bald einen Namen als Kuchenbäckerin unter den anderen Frauen genoß - alles aufgrund der deutschen Rezepte, die ein bißchen aufwendiger sind als die im Kibbuz üblichen, eben zwei Böden oder aufgeschnittene Torte. Ich verziere natürlich auch gern Kuchen, kindisch wie ich bin, und deswegen waren meine Kuchen immer sehr beliebt. Ich habe sogar mehrmals für Freundinnen die Geburtstagskuchen für ihre Männer oder Kinder backen dürfen, das war eigentlich eine schöne Zeit. Leider nehme ich mir oft heute die Zeit dafür nicht mehr, sondern gucke beim Rezept darauf, daß es schnell geht. Eigentlich schade.

Oh, und die Kindergarten-Geburtstags-Kuchen. Wie viele Eisenbahnen ich in meinem Leben schon gebacken habe! Schön war auch der Swimmingpool zu Primus´ fünftem Geburtstag, mit grüner Götterspeise gefüllt und Kinderüberraschungs-Hippos dekoriert, die sich fett im Schwimmreifen über die Götterspeise treiben ließen. Da war der Geschmack weniger wichtig, Hauptsache, es sieht gut aus.

Ich backe mal treu deutsch, mal mutig israelisch. Dann schmeiße ich Sachen in den Teig, die mir gerade so einfallen. Und irgendwie gibt es Kuchen, die kommen mal hier im Haus in Mode und ich muß sie immer wieder machen (die Zitronenrolle! Heldin meiner Kindheit), und andere sind mal sehr beliebt, um dann nie mehr verlangt zu werden (der Zebrakuchen - da sind die Kinder wohl zu groß für).

Meine Schwiegermutter, die ungern backt und nur “pitzputzey orez” gern macht (Puffreis mit Chalva und Schokolade, wird irgendwie superlecker und ist der süßeste, klebrigste Overkill aller Zeiten… ein Soldaten-Freßpaket-Klassiker), hat uns am Wochenende Windbeutel gemacht, die hier “pachsaniot” heißen. Die gibt es hier also auch.

Aber Bienenstich, Frankfurter Kranz und Buttercreme in allen Formen, die habe ich hier noch nie gesehen. Weil es nämlich keinen Pudding zum Kochen gibt - stimmt nicht, neulich habe ich einen gesehen, aber in einer russisch bedruckten Tüte. Es wird auch, soweit ich das aus meiner Umgebung beurteilen kann, weniger mit Nüssen und Mandeln oder auch Obst gebacken - den typischen Törtchenguß gibt es hier nämlich ebenfalls nicht. Bei Elternabenden sehe ich meistens Schokoladenkuchen, na ja, das ist eben ein Kinder-Klassiker. Auch mit einfachen Streuselkuchen oder Waffeln stoße ich immer auf Gegenliebe.

Plunderteilchen habe ich noch nie gesehen, und heimische Spezialitäten wie Reisfladen oder Riemchenkuchen natürlich auch nicht. Die habe ich auch noch nie selbst gebacken, die kauft man wohl eher. Hier werden Croissants in Bäckereien verkauft, von Israelis werden sie in typischer Abneigung gegen Konsonantenketten an Wortanfang oder -ende Korassonim genannt. (Derselben Abneigung verdankt sich auch die Bezeichnung Korenfleks für Cornflakes - sofern der Purist sie nicht Tirpazim nennt, von tiras, Mais und paz, Gold).

Der israelische Backbuch-Klassiker jedenfalls ist Nira Shoier (Scheuer), und viele Leute backen noch nach ihren Rezepten.  Da sie auf Hebräisch schreibt und ich nur nach deutschen Rezepten backe, schreckt mich das ab. Ich habe mir aber eine ganze Reihe guter Rezepte aus den Reklame-Rezeptheften abgeschrieben, die zu Shavuot überall verteilt werden - alles, was mit Quark oder Joghurt hergestellt wird, kann auf mein Interesse hoffen. Israelischer Käsekuchen ist eine Klasse für sich.

Da der israelische Käse viel salziger ist als der deutsche und nicht so fettig, schmeckt gebackener Käsekuchen anders, würziger aber sehr sehr gut. Obwohl mir das Gelatinezeugs zu umständlich ist, mache ich auch öfter Käsesahnekuchen. Aber kalte Käsekuchen, mit Butterkeksen in Schichten in die Form gefüllt und dann im Kühlschrank stehengelassen, sind besonders im Sommer hier sehr beliebt und für faule Mütter wie mich ein einfacher Weg, die Kinder glücklich zu machen. Besonders, wenn die mittlere Käseschicht schokoladig gefärbt ist…

In Israel ißt man Berliner Pfannkuchen (in Berlin Pfannkuchen, überall sonst Berliner genannt…) nur zu Chanukka - in Öl gebacken, als Erinnerung an das Ölwunder. Zu Purim ißt man Hamantaschen, hier Hamansohren genannt, und zu Rosh haSHana Apfel- oder Honigkuchen. Zu anderen Zeiten ißt man das dann nicht mehr, auch Reibekuchen gehören für mich fest zu Chanukka. Im Sommer Reibekuchen essen? Da kann man ja auch gleich Printen oder Spekulatius im Mai essen. Nee nee. Nur Apfelkuchen gibt es bei mir das Jahr über.

Und Pessach? Oy veh. Alle meine Versuche mit Mazzamehl endeten gräßlich. Das geb ich auf.

Wiederum ganz andere Kuchen gibt es bei meiner schottischen Schwägerin. Sie hat einen Lemon Pie im Repertoire, bei der einem der ganze Heroismus des insularen Daseins klarwird. Schmeckt aber toll, mit so einer Füllung.  Also, diesen Passion cake von Kaltmamsell werde ich mir mal näher ansehen… immer darauf bedacht, mein Repertoire zu erweitern.

Pausenfüller April 8, 2007, 6:27

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Unser Seder war schön, genau wie letztes Jahr, nur daß ich dieses Jahr keine Kamera dabei hatte. Aber das Schönste sind sowieso die Lieder, und die lassen sich nicht photographieren. Y. hat die Tontechnik gemacht, Primus hat ihm dabei geholfen und war überhaupt sehr tüchtig, Secundus hat mit den deutschen Gästen gesprochen und sich um sie gekümmert, ich habe meine Zeilen gelesen, aber der Star war natürlich Quarta. Sie hat sehr schön Ma Nishtana gesungen und dann zum Schluß im Chad Gadiya die Katze gespielt.

Wie sie so auf der Bühne stand und sich die Pfoten leckte und zum Sprung bereitmachte, haben ihre Eltern nur den Kopf geschüttelt. Unsere drei Großen meiden jede Bühne, wenn es geht. Y., als Kibbuznik, mußte natürlich seit frühstem Alter auf der Bühne stehen, hat es gehaßt und sich so schnell wie möglich hinters Tonpult verzogen. Ich habe zwar kein Problem, mich vor Publikum zu stellen und was zu erzählen, aber spielen - das ist nicht mein Fall. Aber unsere Tochter genießt es. Endlich mal genug Beachtung für die arme Jüngste.

Dann viel Besuch und Familientage, wie herrlich. Ich habe meine Mailbox konsequent gemieden - bis ich vorhin in Albträumen erwachte. Sofort den Laptop geöffnet und nachgeprüft, wer weiß, was alles auf mich wartet? Alles nicht so schlimm, mir scheint, die ganze Welt feiert entweder Pessach oder Ostern oder beides. Wir haben natürlich gestern Eier gefärbt und ich zieh mir gleich die Hasenohren über und geh sie verstecken. Auch dafür gilt: genau wie im letzten Jahr, und in jedem Jahr davor.  Leider gibt es hier keine Forsythien, die für mich zu Osten nun mal dazugehören, und die Ostergeschichte mildere ich ab. Für Kinder, die den Anblick des gefolterten Jesus am Kruzifix nicht gewöhnt sind und nicht dagegen abgestumpft sind, ist das eine ziemlich harte Kost. Außerdem betone ich, daß Jesus Jude war und zu der Zeit gerade Pessach gefeiert hat. Mein Gewissens-Synkretismus.

Frohe Feiertage also.

Wo ich jetzt gern wäre und warum April 3, 2007, 13:28

Posted by Lila in Kunst, Uncategorized.
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In Amsterdam.