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Ermutigend April 14, 2007, 11:47

Posted by Lila in Uncategorized.
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Ich kann nicht behaupten, daß ich den Tod Filbingers, die Rede des baden-württembergischen Ministerpräsidenten und den Sturm um seine Worte genau verfolgt hätte. Ich habe dafür im Moment nicht die Zeit. Aber ich habe mitgelesen und mir meine Gedanken gemacht.

“Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Regimes ebenso wenig entziehen wie Millionen andere.”

Eine solche Aussage überrascht mich natürlich nicht. Wer sich ein bißchen mit den Nachwirkungen des NS-Regimes in deutschen Köpfen beschäftigt hat, kennt die fatale Neigung der Nachgeborenen, ihre Familiengeschichte zu schönen. Harald Welzers “Opa war kein Nazi” zeigt die klassischen Mechanismen auf, die ich auch aus Gesprächen kenne.

Eigentlich tun mir die Leute eher leid, die sich selbst in die Tasche lügen müssen, um die Vergangenheit verschwinden zu lassen- aber die Tatsache, daß sie wissen, “Nazi-sein ist nicht so doll” zeigt immerhin ein grundlegendes Verständnis. Immerhin strunzen sie nicht mit Opas Parteiabzeichen, das halte ich ihnen zugute.

(Mir persönlich geht es natürlich eher gegen den Strich, daß aus der erlogenen weißen Wäsche das moralische Recht abgeleitet wird, der ganzen Welt oder eben mir zu predigen, wie sie ihre Angelegenheiten zu regeln hätten - aber jedem Tierchen sein Pläsierchen.)

Ich besitze einen hochinteressanten alten Film über die Stadt, in der ich aufgewachsen bin. In den 1930er Jahren ging ein Jülicher Bürger mit seiner kleinen Kamera durchs Städtchen, über den Schloßplatz, die Promenade und durch den Brückenkopf und filmte. Es ist faszinierend, zu sehen, wie hübsch unser Land war, bevor es von der Antwort auf Coventry und Guernica und letztendlich von Autohaus und Praktiker verwüstet wurde. Eine richtige Feuerzangenbowlen-Idylle, die vom rührigen Geschichtsverein als Video herausgegeben wurde - mit Material aus Archiven ergänzt, die zeigen, was nach Kriegsende noch übrig war.

Von Zeit zu Zeit jedoch tanzen über die Bilder der feinen Kleinstadt weiße, gekritzelte Schatten. Die Stimme aus dem Off erklärt im schönsten Rheinisch, daß der Besitzer des Films nach dem Krieg die überall sichtbaren Hakenkreuzflaggen verdecken wollte. Ich denke mir jedesmal, was für eine Metapher für den Umgang mit dem Schandfleck. Dadurch, daß wir ihn überpinseln und unkenntlich machen, helfen wir niemand. Der Betrachter sieht statt dessen diesen Fleck, der schlimmer auffällt als die Hakenkreuzflagge selbst. Ein hilfloser Versuch der Leugnung, des Verbergens, der niemanden täuscht.

Doch zurück zur Rede. Oettinger bringt es also nicht fertig, den politischen Opa Filbinger als das zu sehen, was er zur NS-Zeit war - ich bin keine Historikerin und maße mir nicht an, nach ein paar Zeitungsberichten zu urteilen, ob er nun überzeugter oder nur teilweise überzeugter Nationalsozialist oder aber Mitläufer war. Gegner war er jedenfalls nicht, sonst hätte er wohl nach dem Krieg seine damaligen Ansichten revidiert oder selbstkritischer reagiert, als seine Geschichte aufflog. (Und daran erinnere ich mich noch.)

Als Privatperson tut er mir sogar ebenfalls leid, weil er nie eingesehen hat, daß es vielleicht doch keine Rufmordkampagne war. Es muß schrecklich sein, sich zu Unrecht verfolgt zu sehen, und es ist schade, daß er nie den Abstand zu sich selbst gewonnen hat, die Kritik an ihm zu verstehen. Er hätte der jüngeren Generation ja durchaus etwas Wertvolles sagen können - Überheblichkeit und Selbstgerechtigkeit sind ja auch keine schönen Züge, und wäre er nur erbarmungslos ehrlichmit sich selbst gewesen, hätte er sich dagegen glaubhaft zur Wehr setzen können.

Filbinger hätte also ein gutes Beispiel geben können, wie man mit einer mehr als fragwürdigen Vergangenheit würdevoll und verantwortungsvoll umgeht. Die Verhärtung der Fronten und die ganze Filbinger-Apologetik sehe ich als verschenkte Chance, zu einer menschlich reifen und ehrlichen und knallharten Einschätzung der NS-Zeit zu kommen. Wie verdruckst und verlogen der deutsche Diskurs um diese Zeit und ihre heutige Einschätzung ist, kam in der Jenninger-Farce deutlich zum Vorschein - es war nicht möglich, dem Mann den benefit of doubt zu geben und sachlich zu diskutieren, obwohl er etwas ansprach, das durchaus disussionswürdig ist. Gudrun Brockhaus´ Buch über das Faszinosum NS-Ästhetik ist ja auch interessant und ehrlich.

Also eine ganze Reihe verpaßter Chancen. Ich dachte zu Anfang, nach der Oettinger-Rede, daß das eine weitere Peinlichkeit in diesem Marathon der Unfähigkeit, die deutsche Vergangenheit “frontal anzunehmen”, darstellt. Dann kamen die empörten Stimmen vom Zentralrat der deutschen Juden, zuverlässig wie ein Wecksignal, das niemand hören will, und die Nachkommen und Angehörigen von Filbingers Opfern, und ich dachte, “na prima, wenn das jetzt die einzigen sind, die die Rede furchtbar fanden, dann rechtfertigen sie Oettinger in den Augen vieler Deutscher”.

Was nicht bedeuten soll, daß diese Empörung sich nicht äußern sollte. Wo aber sind die empörten Nicht-Juden? Eben die Enkel der Parteimitglieder, die zu Widerstandskämpfern umgelogen wurden?

Und oho, es kommt was nach. Nicht nur die Nachkommen der Opfer, auch die Nachkommen der Täter machen den Mund auf. Wieder einmal zeigt die Kanzlerin Flagge. Ich gebe zu, ich hätte ihr nicht zugetraut, daß sie mir so gut gefallen würde. Aber sie macht eine rundum gute Figur, unvergleichlich besser als Schröder. Und auch Historiker pochen auf die Tatsachen, die sich nun mal nicht wegretuschieren lassen.

Ich weiß nicht, was bei einer Umfrage unter Deutschen rauskommen würde. Ob nicht viele sagen würden, “ach der arme Filbinger, es war doch alles nicht so schlimm, wo bleibt endlich der Schlußstrich”. Vielleicht denken viele doch so. Und vielleicht sind viele nach außen Empörte nur froh, Oettingern aus werweißwas für Gründen eins auswischen zu können. Wir können einander ja nicht ins Herz sehen.

Aber ich weiß eines. Wenn wir Deutschen insgesamt nicht mehr verdruckst murmeln, “Opa war kein Nazi, und Oma auch nicht, die waren immer dagegen, und jetzt laßt mich in Ruhe damit”, sondern wenn sie sagen, “leider waren Opa und Oma Nazis, ändern kann ich es nicht und es gefällt mir auch nicht, aber jetzt denken wir mal gut nach, was ich mit diesem Wissen anstellen kann” - dann sieht Deutschland besser aus. Und wenn diese Diskussion jetzt geführt wird, nicht nur an der parteipolitisch opportunen Oberfläche, dann sollte mich das freuen.

PS: Nicht weit weg vom Thema - ein Interview in Haaretz mit Maxim Biller. Ich kenn ihn nicht, aber scheint ja ein heiterer, ausgeglichener Mensch zu sein. Seine Einschätzung Deutschlands ist ziemlich brutal. Na ja, ich bin ja länger weg als er und habe die ganzen letzten 20 Jahre kaum mitgekriegt.

Kommentare»

1. Marlin - April 14, 2007, 12:29

Tja.. Filbinger. In meiner Meinung zu ihm wurde ich geprägt durch Ottos “Peter, Paul and Mary” :D So leid es mir tut. Es kam vor kurzem eine Doku über ihn, in der erzählt wurde, dass er wenigstens einige Todesurteile abzumildern versuchte, die unter ihm und mit ihm entstanden sind.

Naja. Mehr weiß ich im Grunde auch nicht.

Schlimm genug, dass in beiden deutschen Staatsgebilden solche Figuren zu hohen gesellschaftlichen Rängen aufsteigen konnten.

Und Oettinger?
Der ist mir seit dem Wahlkampf um B-W absolut unsympathisch. Buärks.

Wie der aussieht, wie der geht und wie der spricht! :D

Deswegen bin ich auch nicht sehr schockiert über diesen Mist, den er verzapft. Da kommt bestimmt noch einiges, allerdings nicht in diesem Zusammenhang.

2. Lila - April 14, 2007, 12:38

Ich seh die ganzen Leute ja nicht im Fähnsehen und habe keine Ahnung, wie sie sprechen oder aussehen. Ich bin bei Genscher ausgestiegen und mir fehlt die Nahwahrnehmung. Sind für mich alles nur Namen. Ist manchmal ganz hilfreich.

3. RZ - April 14, 2007, 16:15

Natürlich war Fillbinger Opfer einer Stasi-Rufmordkampagne. Plus einer Kampagne von Journalisten, die es so hingedreht haben, sein Ausspruch “was früher Recht war kann heute nicht Unrecht sein” habe sich nicht auf das preußische Militärgesetz berufen, sondern auf die Naziherrschaft. Von den Leuten des 20.Juli 1944 war Fillbinger für ein Amt vorgesehen. Und auch sonst verstehe ich nicht, was man ihm vorwirft. Etwa, daß er in Kriegszeiten daran beteiligt war, Deserteure zum Tode zu verurteilen? Ja, sehr ungewöhnlich, gab es nie und nirgends, nur bei den Nazis…

4. willow - April 14, 2007, 18:04

“Eigentlich war doch alles gesagt über Hans Filbinger. Er war nicht der Obernazi, zu dem ihn seine Gegner gemacht haben, aber ein Widerstandskämpfer war er erst recht nicht. Auch als betagter Mann, der auf ein erfolgreiches Lebenswerk als Ministerpräsident Baden-Württembergs zurückblickte, sind ihm nie Worte der Reue über die Lippen gekommen. Er war mit sich im Reinen. Das sprach bis zuletzt gegen ihn.”

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/zum_opfer_umgelogen/

5. jakobo - April 15, 2007, 2:52

Lila:
Du nimmst ja den Fall als stellvertretend. Wenn ich ehrlich
sein soll, ich rede im Alltag mit Deutschen nicht über sowas.
Es interessiert mich einfach nicth und es hat auch keine
bedeutung für mich. Selbst bei Leuten die ich als gute
menschen einschätze und die ich etwas besser kenne.
Für mich ist das eine art grenze es gibt da keine kommunikation
und ich glaube es gibt nichts was sie mir sagen könnten und
was mich überzeugen würde. Und es gibt auch nicths was
ich ihnen zu sagen hätte. Wenn ich jemanden kennenlerne
und er erfährt dass ich jude bin und es kommen wieder mal
solche themen auf… ich sag einfach ja und ja.. es interessiert
mich einfach nicht mit deutschen über sowas zu reden.

Jakobo

6. Blog von Matthias Oomen - April 15, 2007, 3:11

[...] in interessanten Blogs. Hab ich doch gerade eben nach Oettingers Grabrede gesucht und bin bei dieser jungen Frau gelandet, die es sofort verdient hat, in meine Linkliste zu [...]

7. dirk - April 15, 2007, 8:07

In solchen Momenten fällt mir immer wieder auf wie wenig Selbstreflexion nicht nur die Täter während der NS-Zeit und der Nachkriegszeit, sondern auch die Nachfolgegenerationen haben.

Gerade bei einigen bürgerlich-liberalen Blogs, von denen ich es nicht vermutet habe, bemerke ich, dass man entweder eine rein juristisch-positivistische Argumentation fährt, Nebelkerzen zündet oder Scheingefechte führt. Und das alles um zu sagen, dass Filbinger kein Nazi war.
Mir kommt die ganze Debatte auch sehr gespenstig vor, zum einen hat es diesen “Und täglich grüßt das Murmeltier…”-Touch, zum anderen kann ich mir lebhaft vorstellen, wie sich die Leute nach dem Krieg selbst die Persilscheine ausgestellt haben. Ich muss vielleicht sagen, dass ich den Skandal in den 70ern nicht mitbekommen habe, war damals noch lange nicht auf der Welt.
Daher finde ich es sehr interessant jetzt die Debatte zu verfolgen, die sich wahrscheinlich bei jedem kleinen Haus- oder Blockwart ähnlich abgespielt hat, der auf seine damalige Position angesprochen wurde.
Als erstes ist der Vorwurf selbst eine Unverschämtheit (”Rufmord”) und der gegenüber war ja eh Kommunist, also lügt er ja eh. Dann ist der Vorwurf ja eh übertrieben (”falsch dargestellt”, “Kampagne von Journalisten”). Mit eindeutigen Belegen konfrontiert, ist man dann nur in die NSDAP eingetreten, um die eigene Familie zu schützen im Herzen ist man ja gar kein Nazi gewesen. Auch sehr “nett” ist der Hinweis, dass man eigentlich auch schon immer gegen das Regime war (”Von den Leuten des 20.Juli 1944 war Fillbinger für ein Amt vorgesehen.”). Da nur Filbinger etwas davon wusste kann man dem wohl den Wahrheitsgehalt der “jüdischen Vermachtnisse” der Hessen-CDU beimessen.
Auch wird dann gerne auf den ein oder anderen verwiesen, dem man doch geholfen hat, in dem man ihn nur zu lebenslänglich “verknackte”. Das war doch richtig gnädig.
Auch nett sind dann so Aussagen à la “Er hat doch nichts illegales gemacht” aus denen man die Fratze des moralbefreiten Rechtspostivismus anblicken kann. “Er hat sich nur auf das gültige preußische Militärgesetz berufen”, welches aber die Grundlage für den opferreichsten und menschenverachtensten Krieg der Geschichte gebildet hat. Das das ganze in einem totalitären Staat unter dem Primat der faschistischen Kriegspolitik angewendet wurde, dazu reicht es dann im Kommentar nicht mehr. Dass die Wehrmachtsdeserteuere mittlerweile (nach viel zu langer Zeit) rehabilitiert wurden und diese Urteile nun auch juristisch als NS-Unrecht gelten, scheint gar keine Rolle zu spielen.

Filbinger hat sich als Militärrichter soweit einer Diktatur angedient, dass der Fall eigentlich eindeutig ist. In seiner Position hat er das NS-Regime aktiv unterstützt und selbst wenn er nicht direkt einen Soldaten zum Tode verurteilt hat, war die Militärrichterschaft existentiell für das Führen dieses Angriffskrieges.
Solange man keine glaubwürdigen Quellen hat, dass er seine Existenz riskiert hat, um Menschen zu retten, hat er auf seinem Posten in grundsätzlicher Übereinstimmung mit der Diktatur gehandelt und war daher ein Nazi. Ob groß oder klein ist da auch egal.

So wie einige um diesen simplen Fakt herumlavieren, wirkt es echt peinlich. Und genauso dürfte die Rechtfertigung auch direkt nach dem Krieg geklungen haben. Das ist schon ziemlich arm und verdammt unreif nicht mit der Schuld der Vorfahren umgehen zu können.

Jedem ist doch offensichtlich, dass man ab einer gewissen Position im Staat, grundsätzlich mit dessen Werten übereinstimmt und Öl fürs Getriebe des Regimes war.
Man muss sich nicht mit jedem Punkt des Wahlprogramms voll und umfassend identifiziert haben, um Nazi zu sein. Denn dann darf man auch Fragen ob Hitler überhaupt Nazi war.

8. willow - April 15, 2007, 11:23

In diesem Punkt scheinen wir uns weitgehend einig zu sein… aber richtig wichtig wär es, noch einen winzigen Schritt weiterzugehen:

Die obengenannten Verhaltensweisen, dieses Zurecht- und Schönlügen der Vergangenheit ist doch nicht auf die “Aufarbeitung” des Nationalsozialismus beschränkt. Wenn ich beispielsweise in D. die erfolgreichen juristische Bemühungen sehe, die in der Medienöffentlichkeit durchsetzen sollen, daß entlassene RAF-Verbrecher eben nicht mehr als Verbrecher, Terroristen, Mörder bezeichnet werden dürfen…

Oder die Aufarbeitung der DDR-Zeit! Natürlich waren nicht alle Parteimitglieder überzeugte “Täter” - aber bitteschön, wer in staatstragender Position (wie z.B. Richter oder Staatsanwälte es eben sind !) nicht nur mitgemacht hat, sondern letztlich entscheidend dazu beigetragen hat, ein Unrechtsregime erst zu ermöglichen (man beachte die Urteile gegen echte oder vermeintliche “Staatsfeinde” in der DDR) der kann sich doch heute nicht als Wiederstandskämpfer hinstellen… dachte ich. Wurde aber eines Besseren belehrt, das scheint durchaus zu funktionieren. Die Menschen vergessen und verdrängen offenbar schnell. Und die Nachgeborenen (wir!) wären sowieso alle Wiederständler gewesen… bilden sie sich ein.

Und viele vergessen darüber, daß sie sich nicht vergangenen Bedrohungen stellen müssen, sondern den Bedrohungen der Zeit, in der sie leben. Es ist sicher richtig, der Verbrechen der NS-Zeit zu gedenken und ein Wiedererstarken dieser Kräfte zu bekämpfen - aber es genügt wohl nicht.

9. Piet - April 15, 2007, 11:36

Nuja. Entgleisungen wird es immer wieder geben. Der Sturm der Entrüstung aus allen Lagern, sogar aus dem der Union (immerhin!), ist entsprechend groß, hätte mich auch gewundert, wenn nicht. Und der wird, denke ich, auch nicht eher abklingen, als bis Öttinger seine Falschaussage, Filbinger sei ein Gegner des NS-Regimes gewesen, korrigiert hat - oder zurücktritt.

10. RZ - April 15, 2007, 17:55

@dirk

Deine Argumente erinnern mich an zahllose Diskusionen, die ich über Israel oder die USA geführt habe. Immer wussten die Leute genau bescheid, ohne die Fakten überprüft zu haben. Die Fakten waren aber angeblich eh nicht wichtig, weil “das ja jeder weiß, das die Amis für Öl morden und die Juden/Israelis die Nazis von heute sind”. Das ist “jedem doch offensichtlich”. Alles andere ist “herumlavieren” um “diesen simplen Fakt”, “Nebelkerzen zünden” oder “Scheingefechte führen”. Wie kann man es nur wagen, diese allgemein bekannten Wahrheiten ketzerisch in Frage zu stellen? Welch’ finstere Motive, welch’ verabscheuungswürdige Gesinnung steckt wohl dahinter?

“Als erstes ist der Vorwurf selbst eine Unverschämtheit (”Rufmord”) und der gegenüber war ja eh Kommunist, also lügt er ja eh.”

Verblüffend. Nun wird wohl sogar schon bestritten, daß die Stasi derartige Desinformation betrieb? Klar, würden die ja niemals machen, sowas fieses.

“Dann ist der Vorwurf ja eh übertrieben (”falsch dargestellt”, “Kampagne von Journalisten”)”

Wir können ja mal eine Umfrage machen. Wetten, daß 90% der Leute dieses aus dem Zusammenhang gerissene Zitat auf die NS-Herrschaft beziehen? Aber nein, die deutsche Presse würde ja niemals aus dem Zusammenhang reißen, verdrehen, einseitig oder bewusst irreführend berichten. Siehe z.B. die vorbildhafte Berichterstattung über USA und Israel.

“Dass die Wehrmachtsdeserteuere mittlerweile (nach viel zu langer Zeit) rehabilitiert wurden und diese Urteile nun auch juristisch als NS-Unrecht gelten, scheint gar keine Rolle zu spielen.”

Natürlich hast Du Dich z.B. mit den beiden Fällen, in denen Filbinger als Marinerichter Todesurteile ausgesprochen hat (die nicht vollstreckt wurden, da die Verurteilten in Schweden saßen), nicht im Detail beschäftigt. Aber wieso auch? Die Wehrmachtsdeserteure sind ja “mittlerweile rehabilitiert” und die Urteile “NS-Unrecht”. Daß z.B. einer der beiden Deserteure, um seine Flucht zu ermöglichen, einen Wehrmachtssoldaten ERMORDET hat ist nebensächlich. Sie sind edle Helden, Richter Filbinger war ein Nazi, das Urteil Unrecht. Mord an einem Wehrmachtssoldaten ist vermutlich auch ok, denn die sind natürlich auch alle Nazis, da die sich “den Nazis andienten” und “existentiell für das Führen dieses Angriffskrieges waren”.

“Das das ganze in einem totalitären Staat unter dem Primat der faschistischen Kriegspolitik angewendet wurde, dazu reicht es dann im Kommentar nicht mehr.”

Ich sehe die Relevanz nicht. Macht die Naziherrschaft jedes Gesetz, was in dieser Zeit angewendet wurde, zu NS-Unrecht? Sind jetzt z.B. alle Mörder und Vergewaltiger, die in der NS-Zeit aufgrund des Strafgesetzes der Weimarer Republik verurteilt wurden, “NS-Opfer”, das Weimarer Strafgesetz ein “NS-Gesetz” usw?

“Solange man keine glaubwürdigen Quellen hat, dass er seine Existenz riskiert hat, um Menschen zu retten, hat er auf seinem Posten in grundsätzlicher Übereinstimmung mit der Diktatur gehandelt und war daher ein Nazi. Ob groß oder klein ist da auch egal. So wie einige um diesen simplen Fakt herumlavieren, wirkt es echt peinlich.”

Genau! Im Zweifel gegen den Angeklagten. Soll der doch seine Unschuld beweisen. Peinlich, wenn man das anders sieht. Dann ist man offensichtlich ein Fan von Verbrechern…

“Und genauso dürfte die Rechtfertigung auch direkt nach dem Krieg geklungen haben”

Genau. “Dürfte”. Warum die Fakten checken. Weiß ja eh jeder, daß Du recht hast. Und sachliche Richtigstellungen sind natürlich ekelhafte “Rechtfertigungen”, die gefälligst zu unterbleiben haben unter anständigen Menschen.

11. Carsten - April 15, 2007, 18:39

Ich war überrascht von der ganzen Sache. Die letzten Tage war ich in Riga und nicht wirklich mit deutschen Zeitungen beschäftigt - und die lettischen haben derzeit auch wichtigeres zu berichten.

Viel mehr überraschte mich allerdings mein Vater, ein gestandener Konservativer, als ich nach meiner Rückkehr mit ihm telefonierte: Ohne dass ich ihn darauf angesprochen hätte, empörte er sich, wie dumm dieser Oettinger doch sei, wie untragbar solche Äußerungen wären und dass man so ein Element doch schnellstens aus seinem Amt entfernen sollte.

12. Lila - April 15, 2007, 18:46

Weißt Du, was vielleicht dazu beigetragen hat, daß die Diskussion so lebhaft wurde? Die Opfer von Filibingers Urteilen waren keine Juden oder sonstige Vertreter “der Anderen”, sondern deutsche Soldaten. Und das treibt auch Leute auf die Barrikaden, die sonst vielleicht nicht unbedingt mit Fritz Kuhn übereinstimmen würden.

Die Einsicht, daß der NS auch für Deutsche keineswegs “gut” war, hat sich wohl herumgesprochen. Und zwar nicht nur wegen der lästigen Umerzieherei hinterher. Sondern überhaupt.

Und im übrigen sind gestandene Konservative meiner Erfahrung nach kein bißchen eher anfällig für Gedankengut der unerfreulichen Art. Eher im Gegenteil. Mir ist ein gestandener Konservativer lieber als ein selbstgerechter Neo-Linker und Antizionist der hysterischen Prägung. Brr, davon kenn ich einfach zu viele!

13. willow - April 15, 2007, 18:46

@ RZ :

Aber es ist doch erlaubt, einem langjährigen NSDAP-Mitglied (mit durchaus erfolgreicher Karriere in der nicht staatsunnabhängigen Justiz dieser Zeit) vorzuwerfen, daß er damal durchaus NSDAP-Mitglied und somit Nazi war? Und ihm keine “Justizverbrechen” anlasten zu können bedeutet nicht zwingend, ihn, der sich nie so richtig von seiner Nazi-Vergangenheit distanziert hat, nun unbedingt zum Wiederstandskämpfer, zum Feind des NS-Regimes zu stilisieren…

14. Carsten - April 15, 2007, 18:50

Oh ja, die lieben Linken mit Palitüchern und der Haltung gegenüber Israel, die RZ weiter oben beschreibt. Hui, was durfte ich mir da schon anhören, wenn ich mal Verständnis für Israel geäußert habe. Was seid ihr aber auch alle böse!! Schlimm ist das ;)

15. willow - April 15, 2007, 18:55

Besonders, wenn man den betroffenen Palituchträgern sagt, daß sie mit diesem Symbol zu Völkermord und ethnischen Säuberungen aufrufen und sich darauf hinaus mit Leuten solidarisieren, die seinerzeit offen mit dem Nationalsozialismus sympathisiert haben … ;)

16. RZ - April 15, 2007, 18:59

Liebe Lila, was für “Opfer” von Filbingers Urteilen bitte? Nenne mal bitte ein Beispiel.

17. Piet - April 15, 2007, 19:56

Ach lieber Gott, willow, erhalte uns unsere Vorurteile… die böse Linke, die gute Rechte… *hackenzusammenschlag* - das ist zwar möglicherweise ganz bequem, aber wenn die Welt so simpel gestrickt wäre…

18. niels | zeineku.de - April 15, 2007, 19:57

“Wieder einmal zeigt die Kanzlerin Flagge.”

Leider allerdings auch Merkel-typisch spät. Lieber erstmal abwarten, was Parteibasis und öffentliche Meinung sagen und sich dann lautstark von hinten an die Spitze drängeln.

19. Matthias Oomen - April 15, 2007, 20:29

Ich habe 20 Jahre in Baden-Württemberg gewohnt. Viele Mitglieder der CDU-Basis dort teilen Oettingers Meinung, seid versichert!

20. Carsten - April 15, 2007, 20:41

@Piet: Ich bezeichne mich selbst als Linken, solche Pauschalurteile brauchst du von mir also nicht zu erwarten. Es gibt nur eine bestimmte Art von Dummheit, die bei Linken eher auffällt. Außerdem: Bei einem Linken mit derartigen Vorurteilen versuche ich noch, jedes Mal wieder bestürzt zu sein. Am anderen Ende (wo Palitücher mittlerweile auch a la mode sind) überraschen mich antisemitische bzw. antiisraelische Vorurteile weit weniger.

21. willow - April 15, 2007, 22:03

@Piet: So ganz verstehe ich deinen Beirag nicht … wo bitte und wie habe ich mich als Sympathisant der Rechten geoutet? Weil ich Palitücher (bei Linken…) als Ausdruck von Unwissenheit und mangelndem Interesse an Informationen über die palästinensische Geschichte ansehe!?

Oder weil ich nicht nur die NS-Geschichte sondern auch die Geschichte der zweiten deutschen Diktatur gerne kritisch aufgearbeitet sehen würde?

22. Piet - April 15, 2007, 22:35

@ willow:
Punkt a. ;-) (Punkt b interessiert mich in diesem Zusammenhang gar nicht so sehr).
Ich weiß ja, dass die 68er- und Nachfolgegesellschaft, Friedensaktivisten, etc. hier z.T. nicht gut gelitten ist, aber manchmal geht mir diese simple Einheitssicht schon gehörig auf den Keks. Mehr wollte ich damit gar nicht sagen…

23. willow - April 15, 2007, 22:52

Achso… wer Palitücher nich mag, iss ein Rechter! Soviel zum Thema “simple Einheitssicht”.

PS: Nein, im Gegenteil, ich selbst schätze mich durchaus als “links” ein - aber ich hinterfrage Dinge, versuche mich zu informieren… lies dir einfach mal durch, was eine sich selbst so nennende “antideutsch-kommunistische gruppe aus berlin” zum Thema sagt:

http://libertetoujours.atspace.com/texte/08-palituch.htm

“Ungefähr um 1936 begann der als Mufti von Jerusalem bekannte Amin el-Husseini, das sogenannte Palästinensertuch bei der Bevölkerung durchzusetzen. Gefoltert und/oder getötet wurden diejenigen, die sich dem allgemeinen Zwang nicht beugen wollten…”

24. Piet - April 15, 2007, 23:09

Ach um Himmels Willen, die sog. „Antideutschen“… bleib mir vom Leib mit denen. ;-)

Nein, wie gesagt, die allzu simple Gleichung Palli-Tuch (als eines der Symbole der linken Alternativbewegung) = Palli-Freund (im terroristischen Sinne) = Feind Israels geht mir auf den Wecker, mehr nicht. Sorry, falls ich dich da missinterpretiert haben sollte.

25. dirk - April 15, 2007, 23:28

@RZ
“Verblüffend. Nun wird wohl sogar schon bestritten, daß die Stasi derartige Desinformation betrieb? Klar, würden die ja niemals machen, sowas fieses.”

Deine Interpretation meiner Sätze ist doch schon gewagt. Wogegen ich mich wehre, ist dass nur weil die Informationen von der Stasi kommen alles falsch und erstunken ist. Nur weil sie an anderen Stellen gelogen haben, muss das hier nicht der Fall gewesen sein. Ad hominem eben.

“Natürlich hast Du Dich z.B. mit den beiden Fällen, in denen Filbinger als Marinerichter Todesurteile ausgesprochen hat (die nicht vollstreckt wurden, da die Verurteilten in Schweden saßen), nicht im Detail beschäftigt.”

Wobei es ja kaum Filbinger Verdienst war, dass die beiden in Schweden dem Tod entkommen waren.
Schön wäre gewesen, wenn du auch auf den Fall Petzold eingegangen wärest, der “ein hohes Maß von Gesinnungsverfall” durch das Ausrufen von “Ihr Nazihunde, ihr seid schuld an diesem Krieg” gezeigt hat. So ein Urteil hätte man auch anders begründen können, wenn man die Ordnung in einem Kriegsgefangenenlager hätte aufrecht erhalten wollen.

Aber das alles ist nur eine rein juristische Perspektive. Darum geht es aber bei einer politisch-moralischen Betrachtung gar nicht. Mao sagte mal “Bestrafe einen, erziehe hundert” und genau das ist das Prinzip des Militärrechts. Als Marinerichter arbeitet man zur Abschreckung der Soldaten in einem nur von der Naziideologie verursachten Angriffskrieg. Deswegen kann ich eben nur meinen Kopf schütteln, wenn man rein rechtspositivistisch an die Sache herangeht. Militärrichter war damals eine politische Arbeit in dem man im wesentlichen mit dem Naziregime übereinstimmen musste und genau so muss man das bewerten.
Und solange man mir nicht belegt, dass Filbinger seine Existenz als Jurist aufs Spiel gesetzt habt, war er einer von den vielen Millionen Nazis die man braucht um ein solches System aufrecht zu erhalten. Und ja, ich weiß nicht, was mein Großvater im Krieg an der Ostfront gemacht hat. Ich würde aber sicher nicht sagen, dass er nicht am Völkermord beteiligt war, würde man mir da ein paar Indizien präsentieren.

Auch finde ich diese juristische und rechtspositivistische Herangehensweise sehr fragwürdig. Ein anderes Extrembeispiel sind die Mauerschützen, die nach DDR-Recht absolut legal gehandelt haben, auch darf jedes Land Menschen (auch mit Waffengewalt) vom dem Grenzübertritt hindern. Nur war die Mauer und der Schießbefehl trotzdem Unrecht (Stichwort: Radbruchsche Formel)

EOD meinerseits.

@Carsten
Das ist ja süß mit den Palitüchern und könnte auch ein netter Stohmann von RZ gegen mich gewesen sein.
Ich find es nämlich prima, dass die Israelis es trotz der permanenten Bedrohung noch schaffen eine relativ freie plurale Gesellschaft aufrecht zu erhalten.

Weiß auch gar nicht warum man das Thema hier anscheiden muss. Nur weil Filbinger für mich ein Nazi ist, gehöre ich noch lange nicht zu den Antizionisten aka “Israelkritikern”. Als links sehe ich mich auch nicht und Palitücher kommen mir nicht ins Haus.

Mein Vater, altes CDU-Mitglied hat übrigens ähnlich wie deiner reagiert.

@willow
Ja das mit der RAF und der Ex-Mörder Geschichte verläuft auch ähnlich, aber das ist natürlich ein ganz anderer Maßstab.

“Und die Nachgeborenen (wir!) wären sowieso alle Wiederständler gewesen… bilden sie sich ein.”

Das bilde ich mir keineswegs ein, das maximale was ich mir vorstellen kann ist die Emmigration, sei es auch nur die innere. Und ja, der Gruppendruck ist natürlich in einer Diktatur sehr hoch. Nur glaube ich nicht, dass ich mich zum Karrieristen eigne, bin dafür doch zu non-konformistisch.

@niels
Als so spät empfinde ich Merkel Reaktion gar nicht.

26. dirk - April 16, 2007, 2:14

Äußerst lesenswert übrigens diese Abhandlung des Militärhistorikers Wette zum Fall Filbinger

http://www.vauban.de/pub/wette.pdf

Eine sehr schöne Zusammenfassung der Belastungspunkte und des Umgangs Filbingers mit diesen. Der Bundesgerichtshof hat übrigens die NS-Militärrichter folgendermaßen charakterisiert:

“Der BGH bezeichnete die in der NS-Militärjustiz tätig gewesenen Richter als “Blutrichter”, die sich eigentlich “wegen Rechtsbeugung in Tateinheit mit Kapitalverbrechen hätten verantworten müssen”. Die Kriegsrichter hätten die Todesstrafe missbraucht und sie hätten als “Terrorjustiz” gehandelt.”

Zitate aus dem Urteil vom 16. November 1995 (5. Strafsenat)

Mehr muss man wohl nicht dazu sagen.
Und RZ würde ich wirklich die Lektüre nahelegen, irgendwann gibt es einen Punkt an dem man die Verweigerungshaltung aufgeben sollte, denn dein Verhalten hier ist nur ein Zurecht- und Schönlügen.

27. willow - April 16, 2007, 9:14

“Nein, wie gesagt, die allzu simple Gleichung Palli-Tuch (als eines der Symbole der linken Alternativbewegung) = Palli-Freund (im terroristischen Sinne) = Feind Israels geht mir auf den Wecker, mehr nicht. Sorry, falls ich dich da missinterpretiert haben sollte.”

Erstens wird das Pali-Tuch inzwischen auch von den Rechten getragen, die haben schon kapiert, was es bedeutet… ansonsten würde ich z.B. auch Braunhemden nicht wirklich für unbedenklich halten, nur weil Leute aus der selbsternannten “linken Alternativbewegung” sie schick finden. Aber ich halte ja (neben rechter Symbolik) auch Klamotten, welche die Verbrechen des Stalinismus/Maoismus verherrlichen für unappetitlich…

Auf der Suche nach weiteren Artikeln zur Kafiya fand ich den Kommentar eines Angehörigen der “linken Alternativbewegung” welcher das schön zusammenfasst:

“ich trage zwar auch ein palestinensertuch allerdings
ist dies gegen den UN theilungsplan von 1947 gerichtet und den darauf folgenden sechs-tage krieg. …. Die Leute sie ich kenne, welche ein pali-tuch tragen, denken genauso wie ich. Vielleicht wissen wohl doch die meisten was sie tragen?”

http://www.hagalil.com/archiv/2004/09/kafiya.htm
http://www.henryk-broder.de/html/fr_stafflinger.html
http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E1321C032D3484F40B90A57E6757FD9D5~ATpl~Ecommon~Scontent.html

28. Manfred - April 16, 2007, 14:01

@RZ:
Du bist einfach nur peinlich.

29. eran - April 16, 2007, 18:03

Das gerade der Markenzeichen der Linken ein Kleidungsstück, dass eng mit dem Wunsch nach Israels Vernichtung und systematische und unsystematische Mordoperationen an Tausenden von jüdische Zivilisten verbunden ist, ist natürlich kein Zufall. Die Romantisierung von Mord an Juden durch das Tragen des Pali-Tuch ist eine Perversion westliche Linke und für mich persönlich, der mal zwei Terroranschläge nur um Minuten verpasste nicht wirklich weniger anstößiger als wenn Prinz Harry ein SS-Uniform trägt. Nur im Gegensatz zu der SS-Uniform ist das Pali-Tuch der politisch korrekte Ausdruck des Judenhass.

30. Annette - April 22, 2007, 11:43

Um nochmal auf den eigentlichen Anlass zurueckzukommen.
Fakt ist doch, dass Herr Filbinger definitiv kein Widerstandskaempfer war.
Er hat sich auch Zeit seines Lebens nicht von seiner Vergangenheit distanziert.
Das er sich damals nicht aktiv am Wiederstand beteiligt hat, ist ein Thema, aber das wenigstens danach keine Einsicht kam, dass ist doch der Punkt.
Damit ist die Rede des Herrn Oettingers einfach nur voellig daneben.
Worte kann man nicht zuruecknehmen und sich davon distanzieren auch nicht. Gesagt ist gesagt.
Wie man aus Anlass einer Trauerfeier und einer mit Sicherheit vorbereiteten und nicht spontan gehaltenen Rede, so daneben liegen kann ist mir ein Raetsel.
Damit bleibt meiner Ansicht nach nur, dass Herr Oettinger seinen Hut nimmt.

31. eran - April 22, 2007, 17:15

“Damit ist die Rede des Herrn Oettingers einfach nur voellig daneben.
Worte kann man nicht zuruecknehmen und sich davon distanzieren auch nicht. Gesagt ist gesagt.”

Entweder war er Stockbesoffen oder ist einfach nur Stockdumm.

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_friedhof_der_kuscheltiere/

Bei allem Verständnis für die Bedeutung, die dem Zentralrat zukommt, weil er gerade mal 1oo.ooo jüdische Mitbürger repräsentiert, liegt hier nicht doch ein Fall von leichter Selbstüberschätzung vor? Was hätte der Zentralrat gemacht, wenn Öttinger nicht zurückgerudert wäre? Ihn des Amtes enthoben? Ist ein Mann, der seine Sinne nicht beisammen hat und aus einem NS-Kriegsrichter einen Gegner des Systems macht, ein Problem, mit dem der Zentralrat der Juden sich beschäftigen muss? Und bei wem hat sich Öttinger eigentlich entschuldigt? Bei Charlotte Knobloch? Wär eine Entschuldigung bei der Schwester des unter Mitwirkung von Filbinger vom Leben zum Tode beförderten Matrosen Gröger nicht angemessener gewesen? Oder bei den Opfern der NS-Kriegsgerichtsbarkeit, die über 2o.ooo Deserteure und Wehrkraftzersetzer in den Tod geschickt hat?
Braucht Öttinger jetzt alles nicht mehr zu tun. Der Zentralrat hat ihn für koscher erklärt.

32. eran - April 22, 2007, 17:17

Noch Ärgerlich an der Sache ist, dass er nun von Frau Knobloch den Kocherstempel erhielt. (Dieser Satz wurde vom Link verschluckt)

33. Lila - April 22, 2007, 17:59

Was ich von Frau Knobloch wiederum, mit Verlaub, für reichlich anmaßend halte… “Zentralrat der Juden verzeiht Oettinger”. Hm.