ähm, vielleicht hab ichs net verstanden… am Ende stand etwas, dass ich mir als “der Tod” übersetzt habe… und dazu Deine Überschrift… hmmm…
bei mir ist das Video übrigens bei dem Bild hängen geblieben, dessen Inhalt wir jetzt feiern
Hast Du schon richtig verstanden. Tod in der Kunst - eines meiner liebsten Themen. Und ich wäre für mein Leben gern im Rijksmuseum, wo gerade eine Vortragsreihe zu diesem Thema stattfindet. Wieso leb ich so weit vom Schuß????
aha… jeder hat ja verschiedene Hobbies oder auch Vorlieben!!!
“Wieso leb ich so weit vom Schuß????”
versteh ich net! Was meinst Du, weit vom Schuß? Öh, hmmm… meinst Du, dass das ungewöhnlich ist!? Ich finde schon. Tod in der Kunst…darüber hab ich mir noch nie Gedanken gemacht. Wenn ich ehrlich bin, dann sind Deine Kunst-Blog-Einträge auch so ziemlich das Einzige, was ich je über Kunst gelesen habe *räusper*
Aber: ich habe letzte Woche mein 4 wöchiges Praktikum an einer Hörgeschädigtenschule beendet. Dort habe ich u.a. den Kunstunterricht besucht. Jawohl. Ich muss noch einen kleinen Eintrag über die tolle “Pelztasse” von Meret O. machen …
Ich meine mit weit vom Schuß, daß ich in Israel lebe, wo man die Kunstwerke der Zeit, die mich interessieren, an einem Tag angucken kann. Hier gibt es jede Menge toller Museen und Altertümer und Ausgrabungen en masse, aber “meine” Zeit ist nun mal 1580 bis 1850. Und da sind wir recht dünne gesät. Auch große Ausstellungen kommen meist nicht nach Israel, die Versicherung für die Bilder wäre unbezahlbar. Ist also eine Sensation, wenn mal ein Tizian nach Jerusalem verliehen wird. Und bei einer großen Ausstellung stehen die Israelis kilometerweit Schlange.
So lese ich mit Neid, was es in Antwerpen, Essen, Düsseldorf, Köln, Dresden, Amsterdam, Frankfurt…. immer zu sehen gibt. Und tu mir ordentlich leid!
1580-1850… da könnt ich ein wenig zur Geschichte sagen und vielleicht von dort auf die Kunst schließen, abba von Fachwissen kann da nicht die Rede sein. Lustig, ich bin richtig neidisch auf die Altertümer. Hab mir hier in Köln bisher nur das römisch-germanische Museum angeschaut, war ein Mal in Xanten und ansonsten nur in Ephesus. Sowas find ich spannend bis zum Abwinken. Abba 1580….
wir müssten für ein paar Ausstellungen mal tauschen!
Arme Lila… ich will jetzt kein Salz in Wunden streuen… aber zu dieser Jahreszeit ist A´dam besonders schön (auch wenn ich mehr auf modernere Kunst stehe und nich so auf alte Flamen) - und zu Pessach scheinen auch eine Menge Leute aus Israel in Mokum zu sein.
Das laesst mich nicht kommentieren, Dein fieses fieses Blog, also hier:
Liebes Ringelstrümpfchen, nur ein einziger der Kommentare (in Deinem Blog) bezieht sich auf das Bild selbst - mit Verlaub. Auch Deine Kommilitonen beziehen sich nicht auf das Bild. Alle reden nur über Tatsachen oder Meinungen, die außerhalb vom Bild existieren. Damit sind sie als Interpretationsschlüssel für das Bild erst in zweiter Linie relevant. Jede Interpretation wird nur an einem Maß gemessen - und das Maß ist das Bild selbst. Wenn das Bild Deine Interpretation trägt, dann hat Deine Interpretation Hand und Fuß (kann natürlich trotzdem aufgrund von fehlenden Informationen falsch sein).
Du mußt als erstes das Bild genau angucken. Wer sitzt wo? Wer ist oben, wer unten? Wer in der Mitte, wer an der Seite? Wer ist besonders herausgehoben? Wie?
Vergiß alles, was Du über Pilgrims und Natives weißt.
Erst dann hast Du etwas über das Bild gesagt. Der historische Kontext (wie nahmen P. und N. einander wahr) kann Dir Anhaltspunkte geben, aber nicht mehr. Es kann immer sein, daß der Künstler gerade GEGEN die herrschende Meinung seiner Zeit einen Standpunkt fand.
Das Bild ist zu klein, um es auf die Schnelle beurteilen zu können. Es zeigt aber, wie ich sagen würde, eindeutig die eurozentrische Haltung des Malers, was kein Übel ist, denn der Maler ist nun mal westlich und kein Native. Er stellt die Natives aber nicht negativ da, das würde ich nicht sagen. Eher als Edle Wilde - die positivste Weise, wie Westler Nicht-Westler wahrnehmen konnten, bevor diese sich gegen diese Wahrnehmung wehren konnten.
Die Gruppe der Pilgrims umschließt die Natives, die in der Minderzahl sind, aber in einer bildlich wichtigen Ecke, der rechten vorderen, sitzen. Sie sind Objekte westlicher Wohlfahrt, nehmen die Gaben aber durchaus freundlich an. Sie sehen nicht bedrohlich aus, sondern “domestiziert”.
Auf den ersten Blick wirkt das auf mich wie ein Bild, das zukünftigen Auswanderern gezeigt wurde, um sie positiv auf das Leben in der Neuen Welt einzustimmen. Auch, um zu zeigen, das sich hier eigene Traditionen herausbilden, die den lokalen Traditionen nicht widersprechen, sondern freundlich angenommen werden. Es ist ganz klar ein Bild, das die Geschichte klittert und einseitig darstellt - es stellt die Geschichte aus Sichtweise der Pilgrims dar und wird infolgedessen auch von den Bewunderern und Nachfolgern der Pilgrims kritiklos rezipiert. Es erfüllt also bis heute, bis zu den Teilnehmern Deines Kurses, seine Funktion. Keine schlechte Leistung. (Es handelt sich übrigens um einen Druck, vermutlich Kupferstich, und vermutlich nach einem Ölgemälde hergestellt und zur leichteren Verbreitung gestochen.)
Interessant die Reaktionen auf Deine Interpretation. Wie sehr Menschen doch dazu neigen, ihre eigenen Meinungen auf ein Bild zu projizieren. Und wer meint, Du als Frau, Immigrantin, Weiße, Mutter, Ringelstrumpf oder sonstwie hättest kein Recht, Deine eigene Interpretation zu finden - der argumentiert ausschließend, damit also unakademisch und sogar rasssistisch. Es gibt keinen Menschen, dem man das Recht absprechen kann, zu einem Bild seine eigene Interpretation zu entwickeln. Die Aussage, “du willst uns unsere Helden kaputtmachen” ist ein sicherer Indikator, das der Mensch, der dieses Aussage macht, mehr an der Aufrechterhaltung seiner eigenen vorgefaßten Meinung interessiert ist als an neuen Informationen. Eigentlich kann man mit solchen Menschen nicht diskutieren, deswegen solltest Du Dir das nicht zu Herzen nehmen.
Vergleiche mit der Überquerung des Delaware, ebenfalls kein Schnappschuß, sondern ein inszeniertes Bild eines historischen Ereignisses, das den Betrachter emotional ansprechen und “engagieren” will. Ansich nichts Schlechtes, jedes Bild vom Osterhasen will dasselbe, nur sollte man sich dessen bewußt sein. Ebenfalls berühmtes Beispiel: die Fotografien von Gettysburg, von denen wohl einige getürkt waren. Das festzustellen, wie Du getan hast, ist ein grundlegender kritischer Akt und Du solltest Dein Recht darauf ruhig verteidigen. Wie sonst kann man zu einer realistischen Einschätzung kommen?
Man kann diese gütig-herablassende Haltung der Pilgrims den Indianern gegenüber also negativ sehen, aber das ist schon Deine Wertung, die aus Deiner eigenen Sozialisation resultieren. Der Künstler jedoch, ich würde schätzen, Mitte 19. Jahrhundert, war sicher, die Indianer positvi dargestellt zu haben. Immerhin ist sie positiver als viele Bilder, die Natives als bedrohlich, aggressiv oder nicht-human darstellen.
Allerdings muß die Interpretation vom BILD ausgehen, alles andere kommt hinterher. Wenn Du aufgrund Deiner eigenen negativen Einschätzung der eurozentrischen Herablassung der Pilgrims allein urteilst, liegst Du auch nicht richtiger als die kritiklosen Bewunderer der Pilgrims.
Also: erst analysieren, dann Kontext vergleichen, dann erst kommt die eigene Einschätzung.
Der im Profil dargestellte Indianer, neben der ihm das Essen reichenden gütigen Frau die Hauptperson des Bildes, ist keineswegs negativ dargestellt. Im konzeptuellen Gefüge der Zeit - nein. Für Dich, als Haltung, die man Indianern gegenüber einnehmen kann - ist diese Einstellung negativ. Denk mal an Karl Mays Winnetou. Heute finden wir es schrecklich, dass er am Ende Christ wird - für May war es die ultimative Heiligsprechung seines Helden.
Guck Dir mal die Komposition an - eine recht klassische Pyramide, auf der einen Seite die Natives, auf der anderen Seite die Frau. Die Spitze des Dreiecks ist leer. Um die Frau herum ist ein Heiligenschein aus Rauch, um den Häuptling ist der Heiligenschein seiner Federn. Der Soldat unterstützt als Rückenfigur mit seiner Lanze die Dreieckskonstruktion, und er sieht nicht so aus, als würde er sie bewachen. Eher wie ein Zuschauer. Seine Lanze findet ihre Entsprechung in dem Pfeil oder was auch immer des hinten sitzenden Indianers - die Waffen ruhen.
Ich würde hier etwas ganz Typisches fürs 19. Jahrhundert sehen: die Rolle der Frau als Mittlerin, als Mütterliche, Spendende und Gütige. Sie überbrückt den Gegensatz zwischen den Männern der gegensätzlichen Gruppen, und typischerweise tut sie es mit Nahrung. Disney gibt Pocahontas dieselbe Rolle, obwohl die historische Pocahontas gar nicht so glücklich war wie die Barbiepuppe aus dem Film. Typischerweise verstärken Hund und kleines Mädchen die zuwendende Geste der Frau. Der Hund sieht so aus, als würde er gleich mit dem Schwanz wedeln - die Gäste sind nicht bedrohlich.
Der Künstler will das Einvernehmen zeigen, aber er zeigt auch, zu welchen Bedingungen es gilt: die Indianer nehmen das gereichte Essen an und bleiben an ihrem Ort. Würde die Frau etwas essen, das ihr die Natives reichen? Könnte das Bild umgekehrt gelten? Wenn nicht, dann hast Du ein Indiz, daß Dein Gefühl richtig war und die Hierarchien eindeutig sind. Daß Deine Kommilitonen das nicht negativ, sondern natürlich und richtig finden, sagt mehr über sie aus, als ihnen lieb sein dürfte.
Herrje, die Kinder sitzen mir im Nacken, das war nur ganz oberflächlich und ungeordnet, ich hoffe, es hilft etwas weiter.
Danke Lila, das war sehr interessant und vor allem lehrreich, Darf ich bitte doch mal an einen Deiner Stunden teilnehmen, ai ich glaub ich muss vorher nochmal aus Ruthenberginstitut und diesmal etwas aufmerksamer. Liebe Grüsse von der Hustinettenbärin
???
ähm, vielleicht hab ichs net verstanden… am Ende stand etwas, dass ich mir als “der Tod” übersetzt habe… und dazu Deine Überschrift… hmmm…
bei mir ist das Video übrigens bei dem Bild hängen geblieben, dessen Inhalt wir jetzt feiern
Hast Du schon richtig verstanden. Tod in der Kunst - eines meiner liebsten Themen. Und ich wäre für mein Leben gern im Rijksmuseum, wo gerade eine Vortragsreihe zu diesem Thema stattfindet. Wieso leb ich so weit vom Schuß????
aha… jeder hat ja verschiedene Hobbies oder auch Vorlieben!!!
“Wieso leb ich so weit vom Schuß????”
versteh ich net! Was meinst Du, weit vom Schuß? Öh, hmmm… meinst Du, dass das ungewöhnlich ist!? Ich finde schon. Tod in der Kunst…darüber hab ich mir noch nie Gedanken gemacht. Wenn ich ehrlich bin, dann sind Deine Kunst-Blog-Einträge auch so ziemlich das Einzige, was ich je über Kunst gelesen habe *räusper*
Aber: ich habe letzte Woche mein 4 wöchiges Praktikum an einer Hörgeschädigtenschule beendet. Dort habe ich u.a. den Kunstunterricht besucht. Jawohl. Ich muss noch einen kleinen Eintrag über die tolle “Pelztasse” von Meret O. machen
…
Ich meine mit weit vom Schuß, daß ich in Israel lebe, wo man die Kunstwerke der Zeit, die mich interessieren, an einem Tag angucken kann. Hier gibt es jede Menge toller Museen und Altertümer und Ausgrabungen en masse, aber “meine” Zeit ist nun mal 1580 bis 1850. Und da sind wir recht dünne gesät. Auch große Ausstellungen kommen meist nicht nach Israel, die Versicherung für die Bilder wäre unbezahlbar. Ist also eine Sensation, wenn mal ein Tizian nach Jerusalem verliehen wird. Und bei einer großen Ausstellung stehen die Israelis kilometerweit Schlange.
So lese ich mit Neid, was es in Antwerpen, Essen, Düsseldorf, Köln, Dresden, Amsterdam, Frankfurt…. immer zu sehen gibt. Und tu mir ordentlich leid!
1580-1850… da könnt ich ein wenig zur Geschichte sagen und vielleicht von dort auf die Kunst schließen, abba von Fachwissen kann da nicht die Rede sein. Lustig, ich bin richtig neidisch auf die Altertümer. Hab mir hier in Köln bisher nur das römisch-germanische Museum angeschaut, war ein Mal in Xanten und ansonsten nur in Ephesus. Sowas find ich spannend bis zum Abwinken. Abba 1580….
wir müssten für ein paar Ausstellungen mal tauschen!
Arme Lila… ich will jetzt kein Salz in Wunden streuen… aber zu dieser Jahreszeit ist A´dam besonders schön (auch wenn ich mehr auf modernere Kunst stehe und nich so auf alte Flamen) - und zu Pessach scheinen auch eine Menge Leute aus Israel in Mokum zu sein.
Lila,
ich brauch Deine Hilfe! Kunst ist doch Dein Fach, oder?!
Bin ich wirklich so auf dem Holzweg mit der Interpretation des Bildes?
Frohe Ostern und Pesach sameach vekascher Euch allen!
Ringel
Das laesst mich nicht kommentieren, Dein fieses fieses Blog, also hier:
Liebes Ringelstrümpfchen, nur ein einziger der Kommentare (in Deinem Blog) bezieht sich auf das Bild selbst - mit Verlaub. Auch Deine Kommilitonen beziehen sich nicht auf das Bild. Alle reden nur über Tatsachen oder Meinungen, die außerhalb vom Bild existieren. Damit sind sie als Interpretationsschlüssel für das Bild erst in zweiter Linie relevant. Jede Interpretation wird nur an einem Maß gemessen - und das Maß ist das Bild selbst. Wenn das Bild Deine Interpretation trägt, dann hat Deine Interpretation Hand und Fuß (kann natürlich trotzdem aufgrund von fehlenden Informationen falsch sein).
Du mußt als erstes das Bild genau angucken. Wer sitzt wo? Wer ist oben, wer unten? Wer in der Mitte, wer an der Seite? Wer ist besonders herausgehoben? Wie?
Vergiß alles, was Du über Pilgrims und Natives weißt.
Erst dann hast Du etwas über das Bild gesagt. Der historische Kontext (wie nahmen P. und N. einander wahr) kann Dir Anhaltspunkte geben, aber nicht mehr. Es kann immer sein, daß der Künstler gerade GEGEN die herrschende Meinung seiner Zeit einen Standpunkt fand.
Das Bild ist zu klein, um es auf die Schnelle beurteilen zu können. Es zeigt aber, wie ich sagen würde, eindeutig die eurozentrische Haltung des Malers, was kein Übel ist, denn der Maler ist nun mal westlich und kein Native. Er stellt die Natives aber nicht negativ da, das würde ich nicht sagen. Eher als Edle Wilde - die positivste Weise, wie Westler Nicht-Westler wahrnehmen konnten, bevor diese sich gegen diese Wahrnehmung wehren konnten.
Die Gruppe der Pilgrims umschließt die Natives, die in der Minderzahl sind, aber in einer bildlich wichtigen Ecke, der rechten vorderen, sitzen. Sie sind Objekte westlicher Wohlfahrt, nehmen die Gaben aber durchaus freundlich an. Sie sehen nicht bedrohlich aus, sondern “domestiziert”.
Auf den ersten Blick wirkt das auf mich wie ein Bild, das zukünftigen Auswanderern gezeigt wurde, um sie positiv auf das Leben in der Neuen Welt einzustimmen. Auch, um zu zeigen, das sich hier eigene Traditionen herausbilden, die den lokalen Traditionen nicht widersprechen, sondern freundlich angenommen werden. Es ist ganz klar ein Bild, das die Geschichte klittert und einseitig darstellt - es stellt die Geschichte aus Sichtweise der Pilgrims dar und wird infolgedessen auch von den Bewunderern und Nachfolgern der Pilgrims kritiklos rezipiert. Es erfüllt also bis heute, bis zu den Teilnehmern Deines Kurses, seine Funktion. Keine schlechte Leistung. (Es handelt sich übrigens um einen Druck, vermutlich Kupferstich, und vermutlich nach einem Ölgemälde hergestellt und zur leichteren Verbreitung gestochen.)
Interessant die Reaktionen auf Deine Interpretation. Wie sehr Menschen doch dazu neigen, ihre eigenen Meinungen auf ein Bild zu projizieren. Und wer meint, Du als Frau, Immigrantin, Weiße, Mutter, Ringelstrumpf oder sonstwie hättest kein Recht, Deine eigene Interpretation zu finden - der argumentiert ausschließend, damit also unakademisch und sogar rasssistisch. Es gibt keinen Menschen, dem man das Recht absprechen kann, zu einem Bild seine eigene Interpretation zu entwickeln. Die Aussage, “du willst uns unsere Helden kaputtmachen” ist ein sicherer Indikator, das der Mensch, der dieses Aussage macht, mehr an der Aufrechterhaltung seiner eigenen vorgefaßten Meinung interessiert ist als an neuen Informationen. Eigentlich kann man mit solchen Menschen nicht diskutieren, deswegen solltest Du Dir das nicht zu Herzen nehmen.
Vergleiche mit der Überquerung des Delaware, ebenfalls kein Schnappschuß, sondern ein inszeniertes Bild eines historischen Ereignisses, das den Betrachter emotional ansprechen und “engagieren” will. Ansich nichts Schlechtes, jedes Bild vom Osterhasen will dasselbe, nur sollte man sich dessen bewußt sein. Ebenfalls berühmtes Beispiel: die Fotografien von Gettysburg, von denen wohl einige getürkt waren. Das festzustellen, wie Du getan hast, ist ein grundlegender kritischer Akt und Du solltest Dein Recht darauf ruhig verteidigen. Wie sonst kann man zu einer realistischen Einschätzung kommen?
Man kann diese gütig-herablassende Haltung der Pilgrims den Indianern gegenüber also negativ sehen, aber das ist schon Deine Wertung, die aus Deiner eigenen Sozialisation resultieren. Der Künstler jedoch, ich würde schätzen, Mitte 19. Jahrhundert, war sicher, die Indianer positvi dargestellt zu haben. Immerhin ist sie positiver als viele Bilder, die Natives als bedrohlich, aggressiv oder nicht-human darstellen.
Allerdings muß die Interpretation vom BILD ausgehen, alles andere kommt hinterher. Wenn Du aufgrund Deiner eigenen negativen Einschätzung der eurozentrischen Herablassung der Pilgrims allein urteilst, liegst Du auch nicht richtiger als die kritiklosen Bewunderer der Pilgrims.
Also: erst analysieren, dann Kontext vergleichen, dann erst kommt die eigene Einschätzung.
Der im Profil dargestellte Indianer, neben der ihm das Essen reichenden gütigen Frau die Hauptperson des Bildes, ist keineswegs negativ dargestellt. Im konzeptuellen Gefüge der Zeit - nein. Für Dich, als Haltung, die man Indianern gegenüber einnehmen kann - ist diese Einstellung negativ. Denk mal an Karl Mays Winnetou. Heute finden wir es schrecklich, dass er am Ende Christ wird - für May war es die ultimative Heiligsprechung seines Helden.
Guck Dir mal die Komposition an - eine recht klassische Pyramide, auf der einen Seite die Natives, auf der anderen Seite die Frau. Die Spitze des Dreiecks ist leer. Um die Frau herum ist ein Heiligenschein aus Rauch, um den Häuptling ist der Heiligenschein seiner Federn. Der Soldat unterstützt als Rückenfigur mit seiner Lanze die Dreieckskonstruktion, und er sieht nicht so aus, als würde er sie bewachen. Eher wie ein Zuschauer. Seine Lanze findet ihre Entsprechung in dem Pfeil oder was auch immer des hinten sitzenden Indianers - die Waffen ruhen.
Ich würde hier etwas ganz Typisches fürs 19. Jahrhundert sehen: die Rolle der Frau als Mittlerin, als Mütterliche, Spendende und Gütige. Sie überbrückt den Gegensatz zwischen den Männern der gegensätzlichen Gruppen, und typischerweise tut sie es mit Nahrung. Disney gibt Pocahontas dieselbe Rolle, obwohl die historische Pocahontas gar nicht so glücklich war wie die Barbiepuppe aus dem Film. Typischerweise verstärken Hund und kleines Mädchen die zuwendende Geste der Frau. Der Hund sieht so aus, als würde er gleich mit dem Schwanz wedeln - die Gäste sind nicht bedrohlich.
Der Künstler will das Einvernehmen zeigen, aber er zeigt auch, zu welchen Bedingungen es gilt: die Indianer nehmen das gereichte Essen an und bleiben an ihrem Ort. Würde die Frau etwas essen, das ihr die Natives reichen? Könnte das Bild umgekehrt gelten? Wenn nicht, dann hast Du ein Indiz, daß Dein Gefühl richtig war und die Hierarchien eindeutig sind. Daß Deine Kommilitonen das nicht negativ, sondern natürlich und richtig finden, sagt mehr über sie aus, als ihnen lieb sein dürfte.
Herrje, die Kinder sitzen mir im Nacken, das war nur ganz oberflächlich und ungeordnet, ich hoffe, es hilft etwas weiter.
Danke Lila, das war sehr interessant und vor allem lehrreich, Darf ich bitte doch mal an einen Deiner Stunden teilnehmen, ai ich glaub ich muss vorher nochmal aus Ruthenberginstitut und diesmal etwas aufmerksamer. Liebe Grüsse von der Hustinettenbärin