Ratlos und verwirrt, März 28, 2007, 14:35
Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis.trackback
so praesentiert sich heute mein Arbeitsplatz. Seit gestern abend ist der Zugang zumOutlook-Netz nicht mehr moeglich. Ich dachte erstmal, ich mache was verkehrt, als ich von zuhause nicht einloggen konnte. Doch das erste, was ich hoerte, als ich ins Buero kam, war ein allgemeines Rauschen: “eyn autluuk, eyn autluuk” - unser Outlook funktioniert nicht! Ohne Terminkalender wissen wir nicht mehr, wann wir wen wo treffen und weshalb. Ohne Adressbuch kann ich nicht mal auf meine Gmail-Adresse umsteigen - und auch das wuerde mir nicht helfen, weil meine Kollegen die Mail ja nicht erhalten wuerden.
Es breitete sich also eine Art Hitzefrei-Stimmung aus. Die Sekretaerin raeumt die Schraenke aus, ich habe zum Glueck genug zu tun auch ohne Emails… und ein paar Sachen habe ich eben ausgedruckt und per pedes apostolorum zum Empfaenger getragen, das geht ja auch. Manche Kollegen, besonders solche im Endspurt vor einer Konferenz oder Auslandsreise oder Veroeffentlichung, rannten allerdings sorgengeplagt durch die Korridore. Wie kommt man an die kostbaren Mails mit den Anhaengen dran, in denen das Wissen der Menschheit versammelt ist?
Doch irgendwann gegen Mittag verbreitete sich das Geruecht, dass nicht einfach nur etwas beim Einloggen klemmt. Kollegen behaupten, dass es einen Brand in der elektronischen Kontrollzentrale gegeben hat, und dass ein Teil des Zentralen Nervensystems dahin ist. Das Programm, mit dem Gehaelter bezahlt werden, soll vollkommen demoliert sein, ebenso die gesamte Studentenverwaltung. Natuerlich gibt es Backups, aber es kann eine Weile dauern, alles wieder ans Laufen zu kriegen, ach wie gut, dass ich mit sowas nichts zu tun habe!
Ich weiss ja auch nicht, ob das Geruecht stimmt. Ich sehe im Geiste schon das Chaos vor mir, wenn saemtliche Noten und Pruefungen der Studenten neu eingegeben werden muessen und jeder Stein und Bein schwoert, dass er Statistik II mit Auszeichnung bestanden hat. Das kann ja nett werden. Eigentlich hat das Chaos gereicht, das wir nach dem Krieg hatten, als kriegsbedingt Fristen geaendert, Aufnahmebedingungen gelockert und Studiengebuehren gesenkt wurden, die gesamte Immatrikulation lief per Internet.
Aber wie abhaengig wir von diesem Medium sind, das ist schon lustig. Irgendwann rief die Sekretaerin einer Kollegin an, wo ich denn bliebe - sie hatte sich wohl auf einen Zettel notiert, dass ich um 10 bei ihr bin. Es war halb 12, als sie anrief - ich hatte es ohne Outlook-Pling!!! ganz vergessen. Ich raste schuldbewusst hin.
Dann sahen wir uns ein paar Schriftstuecke an. “Ich schick dir das Ding rueber”, meinte sie, aber dann fiel ihr ein, “wohin????” Ich beruhigte sie, ich habe eine Gmail-Adresse, die ich nie benutzt habe und nun einweihe. “Ah”, meinte sie, “dann ist es ja gut” - doch da sie selbst noch keine internetgestuetzte Adresse hat, nuetzt das auch nicht viel. Ich liess ihr einen Zettel mit der Adresse da.
Ich bin mal gespannt, ob die Geruechte stimmen und saemtliche Daten wirklich weg sind. Wenn es ein Brand war… sieht meine Phantasie sofort den Brandstifter vor mir: einen frustrierten Studenten, der seine niedrige Note in Franzoesisch nicht verwunden hat, einen gekraenkten Professor, der ein Buero auf der haesslichen Seite des Gebaeudes nicht hinnehmen wollte, einen empoerten Verwaltungsfritzen, dem die Leitung eines Ausschusses zur Ernennung eines Ausschusses genommen wurde. Ich habe eben eine kranke Phantasie!
Na, vermutlich war es gar kein Brand, wir sind ja nicht die Bibliothek von Alexandria!, und das Ding laeuft bestimmt bald wieder. Was sich aber bis dahin alles in meiner Mailbox angesammelt hat - daran moechte ich lieber nicht denken.



Wenn es zuviel wird, einfach behaupten, die Mail wär nie angekommen. Evtl. kannst Du zur Abwechslung auch behaupten: “Diese Mail hat irrtümlich mein Spam-Filter gefressen.”. Hilft eigentlich immer…. aber ein Leben ohne eMail? Furchtbar. Fast wie “ohne Internet”. Sozusagen schmerzhafter Entzug.
Hmm, wir haben hier vor einiger Zeit alles auf Linux umgestellt, weil das auch mit der biriketionalen Texteimgabe alles besser klappt und mit den Zeichensätzen sowieso.
Wenns wieder funktioniert: man kann Kontake bei gmail ganz einfach importieren: https://mail.google.com/support/bin/answer.py?hl=en&ctx=%67mail&answer=8301
Ich bin von Gmail ganz begeistert und habe vor, ganz umzustellen. Ich benutze auch den Google-Calender und habe mir ein paar super-praktische kleine Widgets auf Google zusammengestellt. Das ist wirklich ein sehr funktionales und logisches Paket. Leider arbeiten meine Kollegen mit dem schwerfälligen Outlook. (Labels und conversations sind ja SO viel logischer als die vielen Mausefallen, in die ich meine Emails schubsen und locken muß!) Mal gucken.
hallo,
ich habe immer noch einen ganz praktischen kalender in papierform und komme gut damit klar. wenn ich in unterwegs bin habe ich selten den pc in meinem gepaeck und kann dann trotzdem termine vereinbaren weil ich meinen altmodischen kalender im rucksack habe ….
und es ist schon so das man sich abhaengig macht von den neuen technologien die nicht immer gut sein muessen. man kann aber auch versuchen sich weniger abhaengig zu machen, z.b. indem man weniger zeit vor dem pc hockt. spazieren zu gehen kann auch sehr erholsam sein …
schabbat schalom,
grenzgaenger
Lieber Grenzgaenger, da ich in einer Institution arbeite, die per Outlook kommuniziert, Dateien weiterreicht und damit ja oft genug Zeit spart, dann kann ich mich nicht einfach ausklinken. Ich habe auch für einen kleinen Kalender, den ich immer dabei habe, und an der Küchenwand einen großen Familienplaner, in den wir alles eintragen. Aber es ist doch praktisch, wenn Kollegen einen Termin per Outlook mitenander vereinbaren, man braucht nicht mal zu telefonieren. Und während der Arbeitszeit kann ich leider auch nicht spazieren gehen… auch wenn das oft sinnvoller wäre als noch eine Sitzung und noch eine hektische Email.
hallo !
als angestellter eines großen konzerns kann ich mir meinen beruflichen alltag ohne elektronischen termin-, aufgaben- und adress-kalender gar nicht mehr vorstellen.
und ein ‘pda’ kostet heutzutage auch nicht mehr die welt …
lg aus deutschland nach israel,
frank
by the way: deine message- und photo-blogs sind sehr interessant, weil informativ, lila!