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Eine Sternstunde März 26, 2007, 22:38

Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis, Uncategorized.
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in meiner lehrenden Karriere habe ich gerade erlebt. Ich bin noch immer ganz gerührt.

Letztes Jahr habe ich mit meinen hochbegabten Schülern den Holocaust-Gedenktag mit einer besonderen Stunde gewürdigt (der Link klemmt ein bißchen, muß man so ein bißchen runterscrollen). Ich habe ihnen mein Material über Erziehung in NS-Deutschland, über Propaganda, Ideologie und Verbrämung mörderischer Absichten vorgestellt. Die Schüler waren beeindruckt, auch, weil ich natürlich Originalmaterialien mithatte, und weil ich ehrlich auf ihre Fragen antwortete: wie das ist, in einem Land mit einer solchen Geschichte großzuwerden, wie ehrlich sich Deutsche damit auseinandersetzen, ob ich im heutigen Deutschland noch Überreste dieser Ideologien sehe und so weiter. Es war eine der besten Stunden, die ich je gegeben habe - was nicht nur an mir lag.

Das Besondere an Hochbegabten ist nämlich nicht ihr IQ-Bingo-Meter, sondern ihre Einstellung: sie sind imstande zu begreifen, daß der Lernstoff kein Allergen ist und die Lehrperson kein geborener Feind. Sie sehen durch die altbekannte Formation - Schüler als Schildkröte oder Diamant, Lehrer auf verlorenem Posten gegenüber - hindurch und sind neugierig darauf, was man ihnen erzählen will. Und sie geben was wieder.

Als heute abend eine meiner ehemaligen Schülerinnen anrief, habe ich etwas wiederbekommen. Sie erinnert sich noch so gut an diese Stunde, und sie hat mit ihrer Lehrerin darüber gesprochen. Sie wollen mich an die Schule einladen, im Rahmen der besonderen Aktivitäten zur Vorbereitung des Yom HaShoah. Denn die Frage, wie kommen Menschen dazu, anderen Menschen brutalstes Unrecht anzutun und noch zu glauben, sie tun damit etwas Gutes, gehört ebenfalls dazu. Ich habe natürlich zugesagt, die Lehrerin wird mich anrufen. Ob vor einer großen Gruppe Schüler, von denen bestimmt viele die “oh Gott nicht schon wieder n Vortrag”-Haltung zur Schau tragen, die Stunde so gut wird wie vor einem Jahr in meiner kleinen Gruppe Hochbegabter - das kann ich natürlich nicht garantieren.

Aber ich saß nach diesem Gespräch zu Tränen beglückt auf dem Sofa. Wer unterrichtet, der sät und sät, in der Hoffnung, daß eines Tages die Saat aufgeht, auch  wenn wir es nicht mehr sehen und miterleben dürfen. Mit diesem Telefongespräch habe ich sehen können, daß etwas gekeimt ist. Das macht mich sehr, sehr glücklich und dankbar, daß ich so feine Schüler unterrichten durfte. Sie haben mich bestimmt zu einer besseren Lehrerin gemacht, als ich vorher war.