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Schreibscheu März 24, 2007, 13:35

Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute, Uncategorized.
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Bei uns ist alles in Ordnung, keine Sorge. Ich war krank, aber nicht deswegen habe ich weniger geschrieben - normalerweise hält mich Schreiben bei Laune, wenn ich krank bin. Aber es war eine hektische Zeit, und kein Ende ist abzusehen. Da spare ich Energien ein.

Y. hat einen ziemlichen Karrieresprung gemacht, völlig überraschend - und nun muß er sich einarbeiten und hat viel weniger Zeit für daheim als vorher. Ich freue mich für ihn, obwohl er auch seinen früheren Posten sehr gern hatte, hat er jetzt mehr Entfaltungsmöglichkeiten (von dem besseren Einkommen merken wir ja kaum was, das geht an den Kibbuz und wir kriegen nur ein paar Prozente, ist aber okay so). Außerdem bedeutet es eine Anerkennung, und das sieht man immer gern.

Primus war fast die ganze Woche nicht zuhause: Gadna, Vorbereitung auf die Armee. Er war ja schon zweimal zu Gadna-Treffen für Arabisch-Leistungskurs-Schüler eingeladen, diesmal also reguläre Gadna. Während sich die Gadna-Tage für Arabisch-Schüler mehr um Ausbildung drehten, hat er nun eine richtige Armee-Vorbereitungswoche hinter sich. Mädchen und Jungen zusammen, im Süden des Lands, in einer Basis für Artilleristen. Er meinte, die junge Offizierin, die seine Gruppe leitete, war sehr nett, und es war für ihn wie eine normale Klassenfahrt. Für uns natürlich weniger…

Er muß nun auch Formulare von der Armee ausfüllen, der von uns gefürchtete Tag X rückt näher. Noch anderthalb Jahre, dann ist er dran. Er ist natürlich, wie seine Freunde, begeistert von dem Gedanken, ihm kommt die Armee vor wie ein Zwischending aus Sportlager, Jugendgruppe und Abenteuerurlaub. Y. und ich hegen andere Gefühle, aber wir wollen ihm nicht den Wind aus den Segeln nehmen, da der Armeedienst unvermeidlich ist und wir ihn so gut wie möglich hinter uns bringen müssen… wir sind da mitten in einem schwierigen Prozeß. Ich kann es Deutschen sowieso nicht erklären, also lasse ich es lieber.

Die fünf Tage ohne ihn waren für mich gar nicht schön, noch dazu wo Secundus ebenfalls viel aus dem Haus verschwindet. Wobei er sich nicht nur seinem geliebten Zoo mit Landwirtschaft widmet (ist es nicht lustig, daß ein Junge, der gar kein Gemüse ißt, mir immer selbst gezogenen organischen Kopfsalat mitbringt?), sondern mehr und mehr in die ökologisch bewegten Gruppen der Gegend rutscht. Hier soll ein Biosphären-Park eingerichtet werden, und Secundus und seine Freunde engagieren sich dafür. Secundus nimmt an Treffen mit Lokalpolitikern teil, die dieses Projekt vorantreiben, und kommt stets stolz zurück - er war wieder mal der Jüngste bei so einem Treffen.

Die Mädchen hatten beide einen kurzen Schulausflug - Tertias Ausflug mit der Eisenbahn fiel auf den Tag des Generalstreiks, mußte also umgeplant werden, und Quartas Ausflug in die Gegend des Sharon war natürlich genau an dem Tag, als dort ein Terrorist gesucht und auch gestellt wurde. Also jedesmal eine Gelegenheit für die Glucke, sich Sorgen zu machen. Das kommt hier so oft vor, daß das ganze Land den Atem anhält, bis die Terroristen gefaßt sind. Natürlich bedeutet allein schon die Tatsache, daß die Armee sie sucht, daß bei den Palästinensern Informanten tätig sind oder unsere Aufklärung funktioniert. Was wir alles nicht wissen, denke ich mir lieber nicht zu Ende….

Ich selbst bin wie jedes Jahr um diese Zeit dabei, mir Arbeit an Land zu ziehen. Komisch, einerseits bin ich so überlastet, andererseits suche ich immer den idealen Arbeitsplatz, und der bedeutet natürlich wiederum sehr viel Arbeit. Die einfachen Sachen fallen mir schwer, die komplizierten gehen mir leicht von der Hand. Mal sehen, was nächstes Jahr wird. Ich stöhne wie jedes Jahr, daß ich zum akademischen Lumpenproletariat gehöre, und wieso kann ich nicht einfach einen stabilen, sicheren Job haben? Aber wenn ich einen solchen in Reichweite habe, zweifle ich. Mal sehen.

Wir spüren außerdem die energischen Eingriffe unseres neuen Ramatkal, Gabi Ashkenasi. Er macht die Einsparungen seiner Vorgänger rückgängig, läßt sämtliche Einsatzpläne überarbeiten, setzt gestrichene Einheiten wieder zusammen und läßt auch Übungen wieder machen, die vorher für überflüssig angesehen wurden. So zieht er die Konsequenzen aus den vielen Pannen des Kriegs, und so ungern wir es sehen - es war ja viel angenehmer, als im Vorgefühl einer friedlichen Regelung das Militärbudget zusammengestrichen wurde und wir uns in der Illusion normalen Lebens wiegen konnten - , so nötig ist es wohl.

Für meinen Mann bedeutet das: seine alte Einheit, die vor ein paar Jahren feierlich aufgelöst wurde, wird nun wieder aufgebaut, und die Briefe mit dem dreieckigen Stempel, die schon sehr selten wurden, kommen wieder regelmäßig. Das paßt natürlich zeitlich nicht, andererseits: wenn wir Gabi Ashkenasi und sein Credo wollten, dann dürfen wir nicht meckern, wenn es uns persönlich trifft und wir wieder im müden Alter von Mitte 40 Uniformen bügeln oder tragen müssen. So wird auch in dieser Generation wieder wahr, was mir Y.s Vater prophezeit hat: er war mit Y. im Krieg (sie waren in verschiedenen Einheiten, aber mit ähnlichen Posten), und Y. wird mit seinem Sohn zusammen Uniform tragen. Äh, hoffentlich ohne Krieg.

All dies sind Auswirkungen unserer ausweglosen politischen Lage, auch wenn ich neulich in Haaretz eine schöne Vision gelesen habe, wie man zu einer rationalen Lösung kommt - doch mein Vertrauen in die Palästinenser, eine solche rationale Kompromißlösung ehrlichen Herzens anzustreben, ist ebenso nachhaltig zerstört wie mein Vertrauen in die Außenwelt, insbesondere Europa. Ich weiß spätestens seit letztem August, wie die UN und die EU sich verhalten werden, egal wie bedroht wir sind. (Und ich füge hinzu: auch auf Olmerten würde ich keine müde PikSieben setzen. Der kann nichts außer dahinreden und taktieren.)

Und daß die europäischen Politiker uns nun drängen, die neue Regierung der Palästinenser anzuerkennen, als wäre aus der Hamas Fatach geworden statt umgekehrt (und auch Fatach waren ja keineswegs Pazifisten…) - das ist deprimierend. “Die Front gegen Hamas bröckelt” - in der Tat keine Überraschung. Noch letzte Woche war wieder ein Anschlag in Karni, natürlich in der deutschen Presse keine Zeile wert, durchgeführt von der Hamas - doch der norwegische Außenminister würde uns vermutlich mahnen, doch nicht immer die politische Hamas und die Terrorganisation Hamas zu verwechseln! Wie kann man nur so töricht sein! Selbst wenn die politische Hamas sich ausdrücklich mit diesen Anschlägen identifiziert - wer mag schon so kleinlich sein!

Und der vierjährige Junge, der bei den anhaltenden Auseinandersetzungen zwischen Fatach und Hamas ums Leben gekommen ist - er hatte das Pech, nicht von einer israelischen Kugel getroffen worden zu sein, sonst hätte man im Ausland schon Notiz von ihm genommen.

Europa akzeptiert das palästinensische Narrativ, das Juden als Eindringlinge und Kolonialisten im alten Land Juda diffamiert - da wird uns nicht helfen, daß die historischen Tatsachen anders aussehen. Die anderen Völker haben nun mal nicht so ein langes Gedächtnis wie die Juden - die meisten Deutschen haben ja schon mit dem Holocaust abgeschlossen, wie sollen sie dann verstehen, daß die Vertreibung durch Titus noch gar nicht so lange zurückliegt? Israel ist in den Augen der meisten Europäer und auch Deutschen, aus unerfindlichen Gründen, kein legitimer Staat - eine Sonderrolle für Israel, wieder einmal. Wieso man alle anderen Staaten fraglos anerkennt, aber bei Israel immer das Fragezeichen dahintersetzt - beantwortet es selbst. Leider hat dieses Fragezeichen für uns konkrete Konsequenzen… die sich auf meine Gemütslage niederschlagen.

Kurz, die Weltlage sieht miserabel aus und für uns hoffnungslos, für unser persönliches Leben hat das einschneidende Folgen, die ich mit bangendem, sinkenden Herzen sehe und erlebe. Erklären kann ich es denen nicht, die sowieso meinen, wir sind aus reiner Mordlust aufs Äußerste gefaßt - als würden wir nicht unsere Jugend lieber an der Uni oder mit einem Rucksack unterwegs sehen, als in Uniform. Da fällt das Bloggen schwer, wer mag schon immer dasselbe lesen? Und meine schwarze Stimmung hat sich seit dem Krieg nicht gehoben, sie wird nur immer schwärzer. Das liest sich bestimmt nicht gut.

Vorgestern hörte ich einen Nachbarn erzählen, daß er und seine Familie nächsten Monat nach Neuseeland auswandern. Er hat es satt, er will seine Kinder nicht dem Moloch Armee opfern, sie brechen ihre Zelte ab, er und seine Frau haben schon Arbeit gefunden, in Auckland. Er schwärmte davon, wie billig man dort leben kann, wie ruhig und friedlich das Leben ist - und ich sah es für einen Moment mit schmerzlicher Intensität vor mir. Nur weg von dem Konflikt, von den ewigen Diskussionen, Neuseeland als ganz andere Welt, in der der Nahostkonflikt keine Rolle spielt - wie verführerisch. Ich hörte die Begeisterung in seiner Stimme, eine Begeisterung, die sich natürlich am Alltag eines Tages wird beweisen müssen - auch in Neuseeland wartet ja Alltag - aber ich beneidete ihn fast.

Trotzdem werden wir hierbleiben, nicht nur wegen der Familie, die wir nicht zurücklassen wollen. Ich habe das starke Gefühl, daß man seinem Schicksal nicht entfliehen soll, und ich habe den Nahostkonflikt geheiratet - bis er nicht gelöst ist, gehört er zu meinem Leben dazu. Aber je aussichtsloser und verzwickter er wird - je mehr Zeit vergeht und je mehr Lösungen probiert werden, die dann schiefgehen - desto deprimierter werde ich. In mir sprechen Optimist und Pessimist miteinander, wie bei Aluf Benn - aber der Pessimist hat das letzte Wort. So wollte ich nie sein, vielleicht, hoffentlich!, hat irgendwann der Optimist die besseren Karten - aber bis dahin habe ich das Gefühl, ich sage immer dasselbe. Und wer will das schon lesen? Ich will es ja auch nicht schreiben. Für diesen jämmerlichen Eintrag habe ich drei Tage gebraucht.

Kommentare»

1. Rika - März 24, 2007, 14:46

Lila,
dein langer bericht und deine einschätzung der lage israels machen mich ganz traurig und mutlos. ich behielte so gerne meine rosenrote brille - und doch weiß ich, dass mein optimismus eher wunschdenken ist, als eine auf den gegebenheiten gegründete zukunftshoffnung. vielleicht ist es nur purer aktionismus, aus dem gefühl der ohnmacht geboren, aber ich werde deine einschätzung allen meinen freunden zumailen, die sich immer noch so elegant des von dir beschriebenen “sonderstatus israel” bedienen. und ich hoffe und wünsche, dass durch deine berichte menschen von ihrer blindheit erlöst werden, an der sie in bezug auf israel dauerhaft leiden! und sie sehen können und werden, wie die gegenwärtige lage tatsächlich ist und welche verhängnisvolle entwickelung in der öffentlichen meinung seit geraumer zeit abläuft - und dann danach handeln!
dein “jämmerlicher Eintrag” ist ein lichtblick im medienmeer der verständnisvollen gleichgültigkeit!
DANKE!

dir und deiner familie wünsche ich glück, bewahrung und segen.
rika

2. janin - März 24, 2007, 16:54

dein “jämmerlicher eintrag” ist grossartig, wie immer. wie dein privatleben unter der politischen auswegslosigkeit leidet, ist weitaus vielsagender und emotional nachvollziehbarer als pseudo-objektive berichterstattungen. ich finde es einerseits sehr stark, trotz angst und militarisierung zu bleiben, andererseits fände ich es sehr schade, wenn du tatsächlich immer trauriger würdest, wie du schreibst. aber du weisst selbst am besten, welcher weg der richtige ist. frühlingsgrüße aus berlin, zur stimmungsaufhellung.

3. willow - März 24, 2007, 17:23

Schön, wieder von Dir zu hören - auch wenn Dein Eintag so traurig ist…Kopf hoch! Always Look on the Bright Side of Life ;)

4. spinakis - März 24, 2007, 17:26

ja, wirklich magniv

5. Heidi - März 24, 2007, 18:16

Endlich wieder ‘Post im Briefkasten’! Ich habe jeden Tag ungeduldig hineingeschaut.
Was da nun aber geschrieben steht, ist natürlich traurig. Ich würde gern jetzt alle positiven Seiten einer Sachlage aufzählen, wie es sonst so meine Art ist, aber hier bin ich überfordert, da finde ich nichts. Sehr schade. Ein wenig Entspannung bringt es, wenn man erst einmal das ‘Glück in den kleinen Dingen’ sucht, man darf sie auf jeden Fall nicht übersehen. Ich hoffe, es kommen bald wieder bessere Tage.

6. doc n - März 24, 2007, 18:17

Lassen Sie den Mut nicht sinken! Optimismus und Utopien sind die Grundsteine einer jeden lebenswerten Gesellschaft!

7. Miriam Woelke - März 24, 2007, 21:22

B”H

Dir faellt es wegen deines Mannes schwerer nicht unbedingt taeglich mit der polit. / milit. Lage in Israel konfrontiert zu werden. Ich dagegen lese nur kurz die Zeitungen und das reicht mir dann auch schon. Zwei Seiten sind sowieso immer dem Mord und sonstigen Verbrechen gewidmet. Dazu noch zwei weitere Seiten mit Bestechungsskandalen.
Da freut man sich doch glatt auf das Fussballspiel heute abend. Israel:England. Die willkommene Abwechselung. :-)

8. Lila - März 24, 2007, 21:31

Oh, Ihr seid lieb, das tröstet ja richtig. Danke!!!!

Wir sitzen vor dem Fernseher, gucken Israel-England (mal sehen, wie hoch wir verlieren, räusper), meine Männer trinken Bier, die Mädchen futtern Pomelo, und ja, ich finde in den kleinen Dingen Trost.

9. eran - März 24, 2007, 23:16

Lila,

DeinText ist sehr beeindruckend.
Mit deine allgemeine Gedanken zur Lage kann ich nur zustimmen
Wünsche dir viel Kraft und Energie.

Ich bin froh, dass Ashkenazi wirklich sol handelt wie du beschreibst. Das heißt, dass sich etwas bewegt.
War auch Zeit, dass ein Golanschik mal die Ruder in den Händen nimmt.

10. Lila - März 24, 2007, 23:23

Und dann haben wir auch noch 0:0 die Engländer besiegt! ;-)))

11. Rika - März 25, 2007, 0:39

“Und dann haben wir auch noch 0:0 die Engländer besiegt! ;-)))”

genau! habt ihr!
ist das ein tag! masal tov!

12. beer7 - März 25, 2007, 1:18

Liebe Lila,

ich war frueher als Du bei der schwarzen Einschaetzung unserer Lage angekommen,aber vielleicht gerade deshalb sehe ich erste, kleine Anzeichen fuer Hoffnung.

Die westliche Welt scheint doch nicht nur lethargisch zusehen zu wollen, wie der Iran sich atomar bewaffnet und Israel dann nur noch bis auf Widerruf existieren kann.

Der naechste Krieg wird voraussichtlich noch 2007 stattfinden (bevor Dein Sohn zum Einsatz kommen wird!). Kriege sind immer schrecklich, aber dieser Krieg wird umso schrecklicher, je laenger er aufgeschoben wird. Vielleicht denken wir in 10 Jahren an 2007 zurueck, so wie wir heute an den ersten Golfkrieg 1991 zurueckdenken…

13. kranich05 - März 25, 2007, 4:10

Wie Du von Deinem “bangenden, sinkenden Herzen” schreibst, weckt mein Mitgefühl.
Wie Ihr Euch dennoch müht, den Krieg immer weiter zu mästen, läßt jeden Gedanken an einen Ausweg sterben.
Wer Freunde hat, die auf den nächsten Krieg hoffen, braucht keine Feinde mehr.
Wer zerbricht den Teufelskreis?

14. Lila - März 25, 2007, 10:31

Siehst Du Kranich, es sind Leser wie Du, die mir die Lust zum Bloggen nehmen. Wir mästen den Krieg? Wären wir nicht zum Krieg gerüstet, gäbe es uns gar nicht mehr. Du weißt anscheinend nicht viel über den Nahostkonflikt - oder beziehst Dein Wissen aus sehr subjektiven Quellen. Meinst Du, wenn wir nur aufhörten, verteidigungsbereit zu sein, würden wir nicht mehr angegriffen? Kannst Du dafür Indikatoren sehen? Angesichts der Rhetorik, Propagandamaschinerie und Aktivitäten von Hamas, Hisbullah und aus Teheran sollen wir uns entwaffnen? Träum weiter. Immerhin muß es schön sein, so genau zu wissen, wer an all dem Schlamassel schuld ist.

Zum Thema Kriegmästen wesentlich relevanter als die Erziehung meiner Kinder: ein Artikel aus der FR über Erziehung a la Hamas.

15. eran - März 25, 2007, 11:56

“Siehst Du Kranich, es sind Leser wie Du, die mir die Lust zum Bloggen nehmen.”

Lila,
Menschen wie Kranisch in ihre Fanatismus und antisemitisches Weltbild wirst du kaum bis gar nicht ändern können (Ein Blick auf seinem Blog reicht aus).
Für die anderen der Leser sollte dein Lust an Schreiben bestehen bleiben.

16. Lila - März 25, 2007, 12:19

Ja aber… schrecklich, wenn man mit “ja aber” anfängt!… ja aber ich will ja nicht nur für Leute bloggen, deren Ansichten ähnlich wie meine sind. (Genaue Übereinstimmungen gibt es ja nie, was auch sehr gut so ist, sonst würde man sich ja fühlen wie im Tal der Echos bei Jim Knopf). Und ich sehe Israel ja auch nicht als unfehlbar, engelhaft rein und untadelhaft. Ich will ja nicht alle Leser verschrecken, die andere Ansichten haben, schließlich sind Meinungen dynamische Konstrukte, die sich dauernd von der Realität korrigieren lassen müssen. Daher sind mir eigentlich Leser wichtig, die anders denken als ich. Und Kranich ist immerhin keiner der berüchtigten Einmalhier-und-Niewieder-Kommenatatoren, sondern taucht regelmäßig auf. Aber wie man die Tatsachen ansehen kann und aus ihnen lesen kann: Israel mästet den Krieg, das ist mir schleierhaft.

Ich zerbreche mir wirklich den Kopf, wie es sein kann, daß unsere Politiker nicht vorhergesehen haben, mit welch elfenhafter Leichtigkeit und Schnelligkeit sich Europas Politiker um die palästinensische Regierung scharen würden - war das nicht absehbar?

Die Forderungen an Hamas sind wirklich absolute Minimalforderungen: Verzicht auf Terror, Anerkennung unseres Existenzrechts als Staat, Einhaltung bereits geschlossener Abkommen, doch nach wie vor sind sie nicht erfüllt. Das hält die edlen Nahostquartett-Spieler aber nicht davon ab, diese Regierung als legitim anzusehen, und, mehr noch, von uns nun “Schritte” zu fordern. Es ist mindboggling, war aber abzusehen. Wieso ist unsere Regierung nicht imstande, so ein Fiasko zu verhindern???? Wir stehen mal wieder als der Hansel da. Als Spielverderber. Wieder einmal sind wir ausgetrickst worden.

Mir wird schlecht davon. Ich habe das Gefühl, wir sind in schlechten, unsicheren Händen, unsere Regierung wird nicht verhindern können, was als nächstes kommt. Was kommt als nächstes? Internationale Sanktionen gegen Israel, weil wir die Regierung nicht anerkennen, die uns auslöschen will? Ich sehe es kommen.

Und dann sind mir Leute wie Kranich einfach zu viel. “Kriegsmästen”, was für ein Wort. Wie wenn man Gänse stopft. Ich sehe eher, daß eine Illusion des Friedens uns in den widerstrebenden Rachen gestopft wird - eine Illusion, die uns den Tod bringt, den anderen aber eine Delikatesse verspricht.

Und, liebe Ruth, aus diesem Grunde traue ich auch der politischen Linie Iran gegenüber nicht. Sobald es den Europäern opportun erscheint, werden sie wieder die iranische “kritische Freundschaft” pflegen.

17. grenzgaenger - März 25, 2007, 12:23

liebe lila,

lasse dir nicht die lust zu schreiben nehmen. leute wie kranich sind in der deutschen meinungsbildung wohl die mehrheit, aber nicht unter deinen leserInnen !

was deine schilderung der situation angeht sind wir einer meinung. das wird dich jetzt bestimmt voellig ueberraschen :-)

viele gruesse, gute woche,
grenzgaenger

p.s. kranich: wer ist “ihr” ?? ich war schon oft in israel, aber ein “ihr” habe ich da noch nicht getroffen, sondern immer ein breites, demokratisches spektrum an meinungen.

18. Lila - März 25, 2007, 13:26

Ich habe ein paar Tage lang keine Nachrichten, Zeitungen, Blogs zu mir genommen, bin heute von der Masse des Materials zum Thema “Der Islamismus, der Westen und ich” geradezu überwältigt.

Berliner Verwaltungsrichterin hält Nasrallah-Plakate auf Demo für Ausdruck von Meinungsfreiheit (erinnern wir uns, daß eine israelische Flagge dagegen eine unzulässige Provokation darstellt!)

Wie die UNRWA mit deutschen Steuergeldern Terroristen finanziert und das Flüchtlingsproblem ins Unendliche perpetuiert, natürlich alles aus den besten Absichten.

Und hier ist zum oben erwähnten Interview mit den Kindern, die zur Karriere als Shahid vorbereitet werden, ein Video.

Zur Verbreitung von Haß im Internet.
Besonders nett sind die Leserbriefe, die alle ins selbe Horn trööten: die WAHRE Bedrohung geht nicht von Islamisten aus, sondern von den USA (und ihrem tückischen Helferlein, Israel). Genau entsprechend den Umfrageergebnissen, wen die Deutschen für die WAHREN Feinde halten.

Und ein interessanter Artikel über die Lehren des Kriegs.
(für mich interessant, weil mein Mann Anteil an der Ausarbeitung eines Plans hatte, der dann nicht umgesetzt wurde - sehr zu seinem Erstaunen und Entsetzen während des Kriegs)

Hm,

19. grenzgaenger - März 25, 2007, 14:10

hm ?

:-)

20. Lila - März 25, 2007, 14:16

Keine Ahnung, beim Multi-Tasking geht schon mal ein Hm verloren!

21. mona lisa - März 25, 2007, 15:16

Die Begeisterung, wenn man etwas Neues beginnt, ist normal und sicher auch notwendig, damit man überhaupt etwas verändert. Doch was ist dann im ganz normalen Wahnsinn des Alltags? Komme ich nicht immer wieder in Situationen, die mich (ver-)zweifeln lassen, in denen ich nach Lösungen suchen, menschlich bleiben muss. “Der Nahostkonflikt gehört zu meinem Leben - bis er gelöst ist”. Ja, das so klar zu schreiben, ist doch schon ein wichtiger Schritt, eine klare Aussage, Ansage,bei der du - so wie ich es erlebe in deiner Familie einen wichtigen Rückhalt hast. Ich bin sicher, dass du die Kraft und Ausdauer hast, weiter mit Hoffnung auf Besserung durch die Welt zu gehen und an deiner Stelle für eine bessere Welt zu sorgen. Pessimusmus, Mutlosigkeit etc. gehören dazu.
Wenn ich lese, dass du sich nach einem sicheren Job sehnst - habe ich mich sofort gefragt, ob dir dies nicht auf Dauer zu langweilig wird, dass die Kreativität, die du an den Tag zu legen scheinst, vielleicht nur möglich ist, weil du keinen festen Job hast.
Wenn du dich in dem, was ich schreibe, nicht siehtst, dann vegiss es, ich nehme dich als ungeduldige, mutige, kreative Frau wahr, die in der Lage ist, sich wie Münchhausen immer wieder am eigenen Schopf aus “beschissenen” Lagen herauszieht. Bitte: den Mut nicht verlieren.

22. Lila - März 25, 2007, 17:12

Aber hier ist die Meldung schon: Solana, stets auf dem Posten, fordert Verhandlungen mit dem Iran.

“We want to get in touch with Dr. Larijani, this morning if we can, to try to find a route that would allow us to go into the negotiations,” Solana told reporters on the sidelines of a European Union summit. “The door is open for negotiations, let’s see if together we can go through.”

“We want to be as generous as possible,” Solana said.

Nicht als ob ich daran Zweifel haette.

Woher soll man bei der Tendenz, die sich da abzeichnet (Israels Feinde sind legitim, Israel ist es nicht), Hoffnung nehmen?

23. grenzgaenger - März 25, 2007, 17:26

…. gute frage, leider …. !

trotzdem gute woche, grenzgaenger

24. eran - März 25, 2007, 17:28

Lila,

Zu deinem Kommentar 16.

Erstens sind natürlich Meinungsvielfalt und Debatten einer Bereicherung. Aber so wie wir vielleicht erkennen können, dass Israel nicht unfehlbar ist, so scheint die Linie eines Kranich zu sein Israel bzw. USA ist für alles fehlbar auf der Welt (Siehe sein Blog).

Zum anderen, was hätte unsere Politiker unternehmen sollen in Bezug auf die europäische Geilheit die palästinensischen Terrorregime diplomatisch und finanziell zu unterstützen?

Es war nur eine Frage der Zeit.
Diplomaten, die die Hamas besuchen wird der Empfang von israelischer Seite laut Livni verweigert. Viel mehr Macht hat Israel leider nicht.

Europa hat Israel bereits schon lange verkauft und verraten. Von diesem feigen Gebilde kann man nichts mehr erwarten. Die zukünftige Nahostpolitik der USA ist entscheidender. Aber ich vertraue auf die Palästinenser. Sie sind Meister des Jahrzehnten langen Zerstörung eigener Chancen auf Fortschritt.

25. grenzgaenger - März 25, 2007, 17:38

mhhh, wir sollten eine selbsthilfegruppe fuer nahost-konflikt-geschaedigte aufmachen. “nkg” hoert sich doch toll an, oder ?

:-)

26. Lila - März 25, 2007, 17:49

Na ja, Eran, das ist ja ein zweifelhafter Trost. Als yaffat nefesh möchte ich die Palästinenser ja nicht auf der Schußfahrt in die Selbstzerstörung, sondern im hübsch kontrollierten Slalom von Verhandlungen sehen. Gib du mir was, wuusch ums Törchen, geb ich dir was, wuusch das nächste Törchen. Und so.

Wenn unsere einzige Hoffnung die Suizidliebe unserer Gegner ist - dann sieht es wirklich schlimm aus. Und diese Schmollecken-Politik, die gefällt mir schon gar nicht.

27. eran - März 25, 2007, 19:13

Lila,
die Palästinenser haben die freie Wahl auf welchen Weg sie sich begeben. Ich sehe nicht, dass sie von dem jetzigen Kurs abweichen und die Situation ändern wollen.

28. Lila - März 25, 2007, 19:28

Nein, wieso sollten sie auch? Sie werden ja für ihren jetzigen Kurs rundum positiv verstärkt und belohnt.

29. david - März 25, 2007, 19:43

Lass den Kopf nicht hángen!
מוכרח להתגבר. צריך לקוות. עם ישראל חי

30. eran - März 25, 2007, 21:18

“Nein, wieso sollten sie auch? Sie werden ja für ihren jetzigen Kurs rundum positiv verstärkt und belohnt.”

Richtig, Deshowitz zeigt in seinem Buch Plädoyer für Israel, dass diese Methode schon in den Dreißiger funktionierte und sich bis heute fortsetzt.
Deswegen habe ich auch keine Hoffnung, dass sich dieser Kurs in kürze korrigiert wird.

31. Ralph - März 25, 2007, 22:09

Hallo Lila,
du bist der Meinung, dass die EU die neue Regierung der Palästinenser nicht anerkennen sollte und den Boykott aufrecht halten sollte?
Ich bezweifele allerdings, ob das die richige Strategie ist.
Ich bin der Meinung, dass die EU damit eine Lücke lassen würde, die arabische Staaten nutzen könnten, um weiter Stimmung zu machen. Oder sehe ich das von hier aus falsch?

Desweitern können wir nicht demokratische Wahlen verlangen und wenn uns das Ergebnis nicht passt, dieses nicht anerkennen.
Damit verliert das Konzept Demokratie jede Glaubwürdigkeit.

Ich befürchte, dass ein weiterer Boykott kein Schritt in Richtung Befriedung ist, sondern nur die Hardliner stärkt.
Es ist eben eine ziemlich verfahrene Situation.

An dieser Stelle möchte ich mich für Deine Texte bedanken. Sie haben für mich persönlich die selektive Berichterstattung der Medien gerade gerückt.

32. April - März 25, 2007, 22:57

Ach, ach, auch wenn du schwarz siehst, ist der Eintrag nicht jämmerlich. Er ist sehr gut geschrieben und du solltest dein Bloggen mal so sehen, dass Außenstehende, Europäer, Deutsche … einen Einblick bekommen, wie das Leben bei euch wirklich ist. Ich möchte manche wirklich mal in deiner/eurer Situation sehen …
Vielen Dank für deine Einblicke in das leben im Kibbuz und in Israel.

33. Lila - März 25, 2007, 23:09

Lieber Ralph,
mehrere Dinge.

Zu den demokratischen Wahlen: auch mit demokratischen Wahlen können undemokratische Kräfte gewählt werden, Beispiele aus der Geschichte fehlen nicht. Niemand ist verpflichtet, demokratisch gewählte Nicht-Demokraten anzuerkennen. Wenn ich nicht irre, ist auch Haider demokratisch gewählt worden, trotzdem haben ihn andere Regierungen boykottiert. Es ist unser gutes Recht, auf Minimalforderungen zu bestehen, als da wären, s.o.

Leider werden die Hardliner bestärkt, egal was wir tun. Auch die Räumung des Libanon hat die Hardliner bestärkt, weil sie durch jedes Nachgeben Wind in den Segeln bekommen.

Etwas ausweglos, wir können nichts tun, was die Hardliner NICHT bestärken würde. Oder erinnerst Du Dich an eine Handlung Israels, die die Hardliner NICHT ausgenutzt hätten? Dem Oslo-Prozeß haben wir die zweite Intifada zu verdanken…

Zum finanziellen Boykott: es ist die Frage, wie man auf die Wahl der Hamas reagieren sollte. Ich finde, den Geldhahn zuzudrehen, wenn eine Terrororganisation ans Ruder kommt, ist keine drastische Maßnahme. Solange die Hamas sich nicht wie eine demokratische Partei gebärdet, kann sie auch nicht so behandelt werden.

Hast Du ihr Grundsatzprogramm gelesen? Willst Du sie mit Deinen Steuergeldern finanzieren? Ich finde, man kann ruhig Bedingungen stellen, wenn man Gelder gibt. Sonst kann man ja gleich einen Blankoscheck ausstellen. Und wozu hilft das?

Das ist aber diskutabel, es gibt Leute, die sagen, auf alle Fälle, egal was sie tun, müssen wir den Palästinensern die Stange halten, sonst treibt die Verzweiflung sie nur noch weiter in den Extremismus.

Ich persönlich bin eher der Ansicht, der heutige palästinensische Extremismus und Maximalismus (”alles oder nichts” ;) ist eine Folge der international sanktionierten Verantwortungslosigkeit - egal was von ihnen gefordert wurde, am Ende wurden die Forderungen aufgegeben, so daß die Palästinenser sich nie an ein berechenbares, mit Konsequenzen verbundenes, verantwortliches Handeln gewöhnen mußten oder konnten. Wem das am meisten geschadet hat? Ihnen selbst natürlich.

Aber wenn man sich nun mal zu einem Boykott durchgerungen hat, und diesen dann mit drei absoluten Minimalforderungen verbunden hat - dann darf man den Boykott nicht einfach aufheben, auch wenn die Forderungen nicht erfüllt sind. Dann wäre es besser gewesen, sich auf den Boykott gar nicht erst einzulassen.

Noch immer sitzt Hamas in der Regierung, noch immer hält Hamas an ihrer totalen Ablehnung des Existenzrecht Israels fest, noch immer hat Hamas dem Terror nicht abgeschworen und führt ständig Anschlagsversuche durch. Trotzdem haben sich die europäischen Regierungschefs durch die optische Täuschung der Einheitsregierung nur allzuleicht von diesen Forderungen abbringen lassen - und werden in Kürze empört von Israel selbiges verlangen.

Und was können wir machen? Gar nichts. Wenn wir nachgeben, lachen die Hamasniks sich ins Fäustchen und haben einen weiteren Etappensieg errungen - einen von vielen. Wenn wir nicht nachgeben, isolieren wir uns politisch noch mehr und haben wieder den Vorwurf zu beantworten, daß wir den “Friedensprozeß” aufhalten.

Welchen Friedensprozeß bitteschön? Wo redet irgendjemand außer Solana hier von einem Friedensprozeß? Wann hätte je ein Hamasnik sich zu einem Friedensprozeß bekannt? Alles Gerede. Die Hamas kriegt wieder ihr Geld, kauft davon noch mehr Waffen, und wir stehen im Schmollwinkel.

Für die Palästinenser lautet die Moral von der Geschicht: wir kriegen was wir wollen, auch wenn wir keinerlei Auflagen erfüllen.

Ist das wirklich die Botschaft, die die internationale Gemeinschaft den Palästinensern senden will? Anscheinend ja.

Überrascht bin ich nicht, aber glücklich macht es mich auch nicht.

PS: Und wie versteht man diesen Satz von Abu Mazen zum Thema Gilad Shalit:

“We have a responsibility to keep him alive,” Abbas told a joint news conference with U.S. Secretary of State Condoleezza Rice. “We are sure he is in good condition and alive, and we want to return him alive.”

WE? Er sagt damit eigentlich glasklar, daß er weiß, wer Shalit gefangenhält und wo. Wo bitte ist das Rote Kreuz, das darauf bestehen müßte, Shalit zu sehen? Mit seinem WIR gibt Abu Mazen zu, daß die palästinensische Regierung an dieser Aktion (auf unserem Staatsgebiet einen Soldaten zu kidnappen) beteiligt ist. Zumindest als Mitwisser. Und da sollen wir drüber hinweggehen?

Haaretz faßt es so zusammen:

The international community imposed a boycott on the Palestinian government after Hamas took power last year to try to force the Islamic group to renounce violence, recognize Israel and commit to existing peace agreements. The new government’s platform does not explicitly meet any of those demands.

34. Rika - März 25, 2007, 23:20

welche lücke,
Ralph,
würde die eu lassen? eine finanzielle? darauf ist die pa nicht angewiesen, sie werden doch ohnehin in der hauptsache von arabischen staaten und dem iran in jeder nur erdenklichen weise gesponsert - über welche wege und kanäle auch immer!

die eu muss sich weigern, mit einer palästinensischen “regierung” zusammen zu arbeiten, die dafür gesorgt hat, in den schulbüchern den staat israel schlicht zu ignorieren - vermutlich beschreiben sie darin den angestrebten endzustand, nachdem sie die juden ins meer getrieben haben. die eu kann nicht mit einer palästinensischen “regierung” zusammen arbeiten, die den holocaust leugnet und juden mit nazis auf eine stufe stellt. die eu kann nicht mit einer “regierung” der palästinenser zusammen arbeiten, die terror für legitim im kampf gegen die “besetzung” israels hält.
und das müßte meiner meinung nach die EU SEHR LAUT UND DEUTLICH IMMER WIEDER SAGEN !

nicht das wahlergebnis ist das problem, sondern das programm der gewählten!
und an befriedung, Ralph, ist es doch letztendlich NUR ISRAEL gelegen.
uns und allen halbwegs des lesens fähigen menschen müßte doch längst klar sein, dass die hamas KEINEN frieden will und uns wie einen tanzbären an der nase durch die arena zerrt!
und auch dass müßte meiner ansicht nach endlich laut und deutlich gesagt werden!
aber die “eu” leitet sich nach wie vor in erster linie von dem gemeinsam besiedelten kontinent ab und ist noch weit davon entfernt, ein politisches gebilde zu sein, trotz der großen feierlichen bekenntnisse zu einem starken und geeinten europa!! es gibt zu viele verschieden eigeninteressen und zu viele süppchen, die von zu vielen köchen gekocht werden.
die eu könnte nur an profil gewinnen, wenn sie es denn endlich fertig brächte, mit einer stimme zu sprechen und die hamas zu ächten!

35. david - März 25, 2007, 23:25

“Desweitern können wir nicht demokratische Wahlen verlangen und wenn uns das Ergebnis nicht passt, dieses nicht anerkennen.”

Überhaupt nicht - niemand ist gezwungen eine Regierungspartei anzuerkennen, die ein Parteiprogramm hat, wie Harakat al-Muqawama al-Islamiyya. Im Gegenteil. Aus einer kriminellen Bande wird nicht einfach durch ein paar schlechte Politker-Darsteller eine legitime politische, geschweige denn eine demokratische Partei.
Nach deiner Logik hätte man ja auch Hitler-Deuscthland akzeptieren müssen, schliesslich haben sich die Deutschen - auf welchen umwegen auch immer - ja demokratisch für die NSDAP entschieden.

Der Wahlsieg der Hamas zeigt einfach, dass es die Demokratie in dieser gesellschaft noch nicht geschafft hat und einen weiten Weg vor sich hat, bis sie bei den Leuten angekommen ist, die seit dem Kindesalter nichts anderes hören als “Islam ist die Lösung”.

36. arabrabenna - März 26, 2007, 8:01

und leider lernen sie nicht, selbständig zu denken oder gar zu hinterfragen! Das könnte nämlich tödlich enden! Hier in Deutschland hat mir mal ein aus dem Gaza stammender beduine gesagt:” Ich möchte keinen Krieg. Ich möchte Frieden, aber das darf ich nicht sagen, dann werde ich getötet.” Und wenn mich nicht alles täuscht, dann ist es unter der demokratisch gewählten regierung noch gefährlicheer geworden.

37. willow - März 26, 2007, 9:29

Ich finde das Gerade davon, daß die palästinensische Bevölkerung für die Hamas-Wahl in Sippenhaft genommen wird und nun hungern muß nur noch zum Speien… verlogener geht es nicht. Laut UN haben sich im Vergleich zum Jahr vor der Hamas-Wahl die Zahlungen nahezu VERDOPPELT, insbesondere die EU ist sehr großzügig. Zusätzlich haben eine ganze Reihe westlicher Staaten noch zusätzliche Nothilfen locker gemacht - hier z.B. der deutsche Beitrag:

http://www.netzeitung.de/ausland/591831.html

Wie gesagt, zusätzlich zu den offiziellen Geldern, und ähnliches könnte man von fast allen westeuropäischen Staaten berichten. Und dann kommen noch die Zahlungen aus der islamischen Welt in unbekannter Höhe - die Palästinenser schwimmen im Geld. Die Welt bezahlt sie sehr gut, so daß sie sich ganz auf ihren historischen Kampf um die Vernichtung Israels konzentrieren können!

Die Verlogenheit insbesondere der europäischen Politiker ist inzwischen unerträglich….

38. willow - März 26, 2007, 9:50

Schöner Artikel auch bei Liza:

http://lizaswelt.blogspot.com/2007/03/die-lehren-der-geschichte.html

Ganz so würde die Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul ihre Ansichten zur Situation im Nahen Osten vielleicht nicht formulieren; gleichwohl hält sie das Beharren auf das Existenzrecht Israels grundsätzlich ebenfalls für ein echtes Friedenshindernis….

wie gesagt, zum Speien.

39. Jakobo - März 26, 2007, 11:27

Warum denken alle immer so abstrakt? Ich meine jetzt
wegen “demokratie” und “wenn einem das Wahlergebniss
nicht passt…”?

Die gewählte oder nicht gewählte gute oder schlechte
Verwaltung der PA erkennt die existenz Israels nicht
an und versucht mit terror Israel als STaat zu schwächen.
Das ist alles was interessiert und das ist es was boykotiert
werden muss.

Das ist was ganz konkretes, konkrete Handlungen und
aussagen der pal Administration. Nichts abstraktes.

Da irgendwelche abstrakte Dinge ins Spiel zu bringen
lenkt nur von den Tatsachen ab. (Zumal dieses Abstrakte
Zeug sowieso auch sehr weit interpretierbar ist, eigentlich
wie man gerade lust hat)

Jakobo

40. Ralph - März 26, 2007, 13:49

@Rika (34):
Da muss ich dir leider zustimmen. Die EU wird auch auf diesem Gebiet zu keinem gemeinsamen Entschluss kommen.
Wenn überhaupt, wird man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen können.

Ralph

41. Ralph - März 26, 2007, 14:13

@david (35):

Ok. Du sagst, dass niemand gezwungen ist, eine gewählte Regierungspartei anzuerkennen. Kann man so machen, wenn man die daraus folgenden Konsequenzen akzeptiert.

Nehmen wir mal an in Ägypten würde Mubarak zurücktreten und freie und geheime Wahlen abhalten. Da gebe ich dir Brief und Siegel, dass dann diese fundamentale Moslembruderschaft die absolute Mehrheit bekommen würde.

Was soll der Westen dann tun? Sie nicht anerkennen, weil sie radikal sind? Der Westen mahnt aber doch die ganze Zeit freie Wahlen an und wenn diese dann durchgeführt werden, bekommt das Wahlvolk aus dem Westen zu hören, dass es nicht reif für die Demokratie ist, weil sie ja die “falschen” Leute wählen. Da sagen doch diese Wähler, meiner Meinung nach, zurecht, dass der Westen mit zweierlei Mass misst.

Natürlich ist es für Israel im konkreten viel schlimmer. Aber das ändert nix daran, dass wir hier einen grundsätzlichen Zielkonflikt haben. Darauf wollte ich mit meinem Kommentar eigentlich hinaus.

Ralph

42. beer7 - März 26, 2007, 14:30

Es geht doch gar nicht um “nicht anerkennen”. Kein Mensch streitet ab, dass die Hamas gewaehlt wurde und jetzt die Regierung stellt.

Es geht darum, dass keine PA-Regierung einen Rechtsanspruch auf Finanzierung aus dem Ausland, hochrangige Politikerbesuche usw. hat. Solche Bonusse werden an Regierungen verteilt, die man belohnen moechte, aber nicht per Giesskanne gleichermassen an alle.

Waehlen duerfen die Palaestinenser, wen sie wollen. Paedagogisch wertvoll waere es, wenn sie auch die Konsequenzen ihrer Wahl zu tragen haetten. Aber da ist ja vor allem die EU vor.

43. beer7 - März 26, 2007, 14:36

Apropos Aegypten: Dessen Zustimmung zum Frieden von Camp David mit Israel wurde vonJimmy Carter zu einem grossen Teil gekauft.

http://ipsnews.net/news.asp?idnews=36884

“”Egypt has received billions of dollars in U.S. financial aid since it signed the 1979 Camp David Agreement in exchange for putting its policies at the service of the U.S.,” Hagras told IPS. “They call Egypt a ’strategic ally’ of the U.S., but America’s only real strategic ally is Israel.”

Egypt has received more than 2 billion dollars in financial assistance annually from the U.S. since signing the pact with Israel. In return, Egypt has honoured the peace agreement and implemented a number of major economic reforms aimed at liberalising the economy.”

Wuerdest Du nun argumentieren, dass diese Finanztransfers zu Gewohnheitsrecht wurden und die USA fortfahren muessen, sie zu leisten, auch wenn die Verpflichtung zu politischem Wohlverhalten nicht mehr eingehalten wuerde?

44. Jakobo - März 26, 2007, 14:48

@ Ralph:
Bitte erklär mir das nochmal mit dem Zielkonflikt.
Ich glaub ich hab da was nicht verstanden.
Was für einen Zielkonflikt soll ich haben?

Jakobo

45. Lila - März 26, 2007, 15:09

Soweit ich Ralph verstanden habe, fragt er: was ist uns (dem Westen) lieber: ein rechtmaessig gewaehlter Anti-Demokrat oder ein undemokratisch ans Ruder gekommener Pseudo-Demokrat? Wen anerkennen wir?

46. Ralph - März 26, 2007, 15:11

@beer7 (43):
Ich glaube hier besteht ein Missverständnis darüber was ich ausdrücken will.
Auf moralischer Ebene bin ich absolut mit Dir und Lila einer Meinung. Das ist gar keine Frage.

Ich will mit meinen Einwürfen nur zum Ausdruck bringen, dass moralisches Verhalten reales Handeln der Gegenseite nach sich zieht, welches sehr negative Folgen haben kann.

Ich stelle nur die Frage, ob man immer für sein moralisch integeres Verhalten diese Folgen in Kauf nehmen soll.
Oder ob man von Fall zu Fall ein Kompromiss zwischen moralisch korrektem und “realpolitischem” Handeln finden soll.

Ralph

47. Jakobo - März 26, 2007, 15:18

Sorry, Lila.. war die Frage nicht ursprünglich,
wen erkennt die Hammas an oder nicht an?

Ich bin der meinung, dass wenn die Palestinänser
eine Islamistische Regierung wollen, dann sollen
sie sie haben und glücklich damit werden. Zum
einen ist das ihr Recht und zum anderen interessierts
mich nicht.

Ist immer noch die Frage was hat Israel damit zu tun?
Und das interssiert mich schon. Die Entführung sowie
der Beschuß der aus Gaza kommt sowie die Atentade
sind feindliche Übergriffe auf einen suveränen Staat.
Und jeder suveräne Staat hat das Recht sich dagegen
zu verteidigen. Punkt. Wo ist da ein zielkonflikt?

Das ist der Punkt. Diese feindlichen übergriffe müssen
aufhören. In diesem Zusammenhang ist die offiziele
Annerkennung Israels durch (welche auch immer gewählt
ungewählte gute schlechte kommunistische kapitalistische..)
PA zweitrangig. Weil die Annerkennung nur wichtig ist,
wenn sie verhandelnt wollen. Wenn sie verhandeln wollen
dann müssen sie ihren verhandlungspartner anerkennen.
Wenn sie nicht verhandeln wollen spielt es keine rolle ob
sie Israel anerkennen oder es bleiben lassen. Das hat aber
nichts damit zu tun, dass die feindlichen übergriffe gestoppt
werden müssen.

Da gibt es keinen Zielkonflikt.

Übrigens gibt es auch keinen Zielkonflikt zwischen Hammas
anerkennen und Mercedes nach Dubai verkaufen, oder
zwischen Hamas anerkennen und aufträge für deutsche/
europäischen Firmen in den PA zu holen. Oder zwischen
Hamas anerkennen und seinen strategischen Fuß in den
Türspalt naher osten zu stecken.

Da gibts auch keinen Zielkonflikt.

Jakobo

48. Ralph - März 26, 2007, 15:26

@Lila (45):
Genau das meine ich.
Anderes Beispiel, gleiches Grundproblem:

Nehmen wir an, die USA stürzen die regierende Familie in Saudi-Arabien und bei freien Wahlen werden die Extremisten gewählt und dies bei einer demokratische Wahl, Diese neue Regierung wirft natürlich die USA (deren Militärstützpunkte) aus dem Land.

Wäre eine US-Regierung bereit, diese für sie negativen realpolitschen Folgen zu tragen, da sie ja ihr moralisches Ziel die Verbreitung von Demokratie erreicht haben.

Ralph

49. willow - März 26, 2007, 17:00

Wer sagt eigentlich immer, es würde um die Anerkennung der Hamas-Regierung gehen? Und auch eine gewählte islamistische Regierung in Ägypten oder Saudi-Arabien müßte anerkannt werden…

Die Frage ist doch: Hat eine Bevölkerung, die einer Hamas zur Regierung verhalf eine Art “Rechtsanspruch” auf unvorstellbar hohe Alimentierungen seitens der westlichen Welt, insbesondere der ach so moralischen EU? Bei Ägypten ist der Deal “Ihr schließt Frieden mit Israel - wir geben euch viel Geld.”. Warum soll ein Palästina unter Hamas sehrsehrsehr viel Geld bekommen, obwohl es sich weigert, auch nur minimale Zugeständnisse (prinzipielles Existenzrecht Israels… ;) einzugehen. Nicht zu reden davon, daß die Hamas regelmäßig erklärt, “der Westen” sei (neben Israel natürlich) der Feind, den es zu zerstören gilt…

Irgendwie sieht das fast schon nach einer Schutzgeldzahlung seitens der EU aus… jämmerlich.

50. Ralph - März 26, 2007, 17:41

@willow (49):
Warum die EU gegenüber der Hamas nicht zu härteren Sanktionen bereit ist, verstehe ich auch nicht. Da konnten sich die Regierungschefs wohl nicht einigen, mal wieder.

Da hat wahrscheinlich jede Regierung ihre eigenen Interressen.

Ralph

51. Thatcher - März 26, 2007, 19:30

Schön, dass Du wieder postest, Lila. Dein Urteil über die feigen Europäer teile ich vollkommen, obwohl ich leider da mittendrin sitze. Wer solche Verbündeten hat, braucht keine Feinde.

Dabei haben auch wir solche aggressiven Jungaraber in unseren Städten - wenn man genau weiß, in welchen Zeitungen man lesen muss, kann man mittlerweile täglich Berichte über Menschen finden, die mit Messerstichverletzungen im Rücken ins Krankenhaus kamen und den Täter nicht kennen. Der islamische Hintergrund dieser Taten wird dabei von den Medien konsequent verschwiegen, aber als Zwischen-den-Zeilen-Leser weiß man trotzdem irgendwann Bescheid. So erhofft man sich den inneren Scheinfrieden noch ein paar Monate oder sogar Jahre erhalten zu können.

Ja, die Armee, das ist für junge Kerls erst mal was ganz Tolles - bis man dabei ist und in der Patsche sitzt. Kenne ich. Trotzdem habt ihr allen Grund stolz zu sein: die Tzahal ist die beste Offensivarmee der Welt. Sie hat die Araber so tief gedemütigt, dass sie nun zu diesem hässlichen Terror glauben greifen zu müssen statt zu akzeptieren, dass auch ihr Israelis ein Recht auf einen eigenen Staat habt. Und jedes Mal wieder gelingt es denen, die die Standards der Kriegsführung nach unten durchbrechen, ihre Feinde auf dasselbe, mittlerweile schon unterirdische, Niveau herunterzuziehen.

Die Palästinenser machen aber einen Fehler: Sie betrachten die westliche Art zu kämpfen als die einzige, zu der wir fähig sind, und die Haager Landkriegsordnung und das Kriegsvölkerrecht als das ewige Wort Gottes. Wenn die mit ihrem feigen Terror so weitermachen, dann ist da bald mal eine Revision fällig, was ich schon lange befürworten würde. In jedem Krieg bis Vietnam brauchte sich, wenn die eine Seite eine Konvention verletzt hatte, die andere Seite auch nicht mehr daran gebunden fühlen. Und wenn die westlichen Staaten aus ihren süßen Träumen erwachen und erkennen, dass der Alptraum Djihad auch für sie Realität ist und es richtig eng wird, dann werden deren Armeen anders kämpfen als heute und Israel natürlich unterstützen. Das hoffe ich zumindest.

So, das war mein Senf zu Deinem Artikel. Thanks a lot & have a nice day!

Thatcher

52. eran - März 26, 2007, 19:47

Thatcher,

bei Ihren Kommentar kriege ich starke Bauchschmerzen.

53. Thatcher - März 26, 2007, 20:29

@eran,

können Sie das etwas genauer begründen? Falls es nur eine unglückliche Formulierung war (Palästinenser ziehen Armee auf ihr Niveau herunter), dann tut es mir Leid, ich weiß natürlich, dass der Unterschied noch immer sehr groß ist. Nur - hohe moralische Standards gewinnen selten Kriege.

54. Lila - März 26, 2007, 22:18

Lieber Thatcher, Zahal heißt aber nicht Offensivarmee, sondern Armee zur VERTEIDIGUNG Israels. Israel hat keine territorialen Ansprüche an irgendjemand und ist nicht auf Offensivkriege aus, sondern nur bereit, sich wohl oder übel zu verteidigen. So gut wir können, aber nicht mehr, als wir zur Verteidigung brauchen, zum Übeleben.

Ich glaube nicht, daß es uns gut täte, die Taktiken der Palästinenser zu übernehmen - es fügt uns schon genügend großen Schaden zu, daß die Art der Kriegsführung so brutal ist und es unmöglich ist, Zivilisten zu schützen. Ich sehe ja, wie schwierig es für die entlassenen Soldaten ist, sich wieder ins zivile Leben zurückzufinden.

Wir sind eine kleine Gesellschaft, die Armee ist Teil davon, und ein Wandel der Armee zu einer Truppe gewissenloser Draufschläger ohne ethischen Code, ohne Rechenschaft und Selbstprüfung, wäre für die ganze israelische Gesellschaft fatal. Was das Leben lebenswert macht, sind zivile Werte, und was unser Leben hier lebenswert macht, ist der besondere Charakter der Israelis, die immer noch ein Fragezeichen machen und noch eins und noch eins.

Mal ganz abgesehen davon, daß diese intellektuelle und moralische Tradition der Welt eine lange Reihe von neuen Medikamenten, technologischen Erneuerungen, hochinteressanten Büchern und faszinierender Musik geschenkt hat. Darauf können wir nicht verzichten, auf diese Art der Blüte, und wenn wir im “totalen Krieg” versinken, geht das alles verloren.

Und das täte mir leid…

Hohe moralische Standards allein gewinnen keine Kriege, aber sie machen den Krieg erträglich. Ich habe meine Kinder nicht zu Kriegsverbrechern erzogen, und ich habe keinen Rambo geheiratet.

Nach dem Krieg kommt (hoffentlich) der Frieden, und dann muß man immer noch imstande sein, sich selbst im Spiegel anzugucken - und sich mit dem ehemaligen Feind an einen Tisch zu setzen.

Daß die Palästinenser ihre Jugend kaputtmachen, ihre Kinder mit giftiger Ideologie tränken, brutalste Verbrechen gegen Zivilisten als legitim ansehen und sich keine Reflexion, Selbstkritik, kein Einhalten erlauben - das ist ihr Problem, an dem sie lange knapsen werden. Guck Dir an, wie viele Erfindungen, Medikamente oder Bücher sie in den letzen Jahrzehnten produziert haben - und keiner erzähle mir, daß das alles nur an der Besatzung, der ach so schwierigen ökonomischen Situation oder sonstwie äußeren Faktoren liegt.

Jede Gesellschaft entscheidet sich, ob sie das Gewicht auf Tod oder Leben legt. Wir wählen das Leben, wenn auch unter schwierigen Bedingungen. Die Palästinenser Krieg, Terror und Tod.

Ich glaube nicht, daß wir ihnen das nachmachen sollten.

55. beer7 - März 27, 2007, 12:26

Liebe Lila,

Dein Kommentar gehoert nach meinem Gefuehl ganz nahe zu dem Prinzip des Judentums, wie es in der Parasha Nitzavim (Wochenabschnitt in der Thoralesung, jeweils nach den Eingangswoertern benannt) niedergelegt ist:

I call heaven and earth today to witness against you: I have set before you life and death, the blessing and the curse. Choose life, then, that you and your descendants may live, (Deut.30:19)

Auf Deutsch konnte ich das Zitat leider nicht finden.

Die Beobachtung der Islamisten: “You love life, we love death” ist ja sehr zutreffend. Ihre Schlussfolgerung ist es natuerlich nicht…

56. Choose life! « Blick auf die Welt - von Beer Sheva aus - März 27, 2007, 13:36

[...] Lila von Letters of Rungholt schrieb gestern einen langen Kommentar, warum Israel sich trotz der Bedrohung durch Kraefte, fuer die internationales Recht nur dann [...]

57. Lila - März 27, 2007, 14:07

Liebe Ruth, ich hatte das jüdische Ethos im Hinterkopf. Ich habe mich darauf verlassen, daß das für aufmerksame Leser erkennbar ist.

Das Zitat aus dem fünften Buch Mose ist hier:

Ich nehme Himmel und Erde heute über euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt, damit du das Leben erwählst und am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem ihr den HERRN, euren Gott, liebt und seiner Stimme gehorcht und ihm anhanget. Denn das bedeutet für dich, daß du lebst und alt wirst und wohnen bleibst in dem Lande, das der HERR deinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, ihnen zu geben.

Und mit dem Gehorsam dem göttlichen Gebote gegenüber kommt die Verpflichtung, ethisch zu handeln. Das ist das Rückgrat des Zionismus, das ich zum Beispiel deutlich auch in der Unabhängigkeitserklärung des Staats Israel erkenne.

58. Herbert Eisenbeiß - März 27, 2007, 15:49

Hallo liebe Lila,

lies dir mal hier diesen Artikel durch, da schenkt mal jemand der UN reinen Wein ein und man sieht, wie pikiert diese feinen Herrschaften darüber reagierten.

Da schenkt jemand von UN Watch dem “UN Menschenrechtsrat” mal Klartext ein und fragt sie, wo die denn waren, als Palästinenser Palästinenser töteten - er kritisiert diesen Rat als willfähriges Instrument all der Schlächter der Region, um Israel zu brandmarken; ansonsten aber würde er, obwohl auch in anderen Gegenden, wie z.B. dem Sudan ungeheuerliches stattfinden würde, fein säuberlich den Mund halten, weil es dem Rat schon längst nicht mehr um die Menschenrechte ginge.

Lesenswert!

59. Lila - März 27, 2007, 16:24

Danke für den Link. Puh, wie sie ihr Gesicht zeigen, die Reaktion ist besonders aufschlußreich…

Ich frage mich, wieso die UN bei so vielen Menschen noch das Ansehen genießt, das sie nur ihren Grundsätzen, aber nicht ihrem Handeln verdankt.

60. Jakobo - März 28, 2007, 7:58

Das frage ich mich allerdings auch! Wenn ich an den
letzten Libanonkrieg denke. Von dem als soooo moralisch
respektablen Anan kam wirklcih kein einziger Vorschlag
den Konflikt zu lösen, er hat keinen einzigen Weg aufgezeigt
der zur Linderung beitragen könnte. Das einzige was zu
hören war waren Vorwürfe. MIr ist egal was der über
Israel denkt aber jemand in seiner Position wird dafür
bezahlt, dass er Wege aufzeigt, vorschläge macht
versucht zu vermitteln aber das einzige was der
Zustande bekommen hat waren Vorwürfe gegen
Israel!

Jakobo

61. Lila - März 28, 2007, 9:57

Und das ist nicht das einzige Versagen dieser hochangesehenen Institution. Bei Anan habe ich mich immer gefragt, was dieser Mann eigentlich geleistet hat, um so grossen Respekt zu geniessen. Er hat eine angenehme Stimme und seine Reden klingen sehr sanft und schoen, aber Tacheles - faellt mir gerade keine grosse Leistung ein, die den Anspruch der UN zu Annans Zeit einloesen wuerde.

62. beer7 - März 28, 2007, 11:36

Ganz im Gegenteil, Kofi Annan traegt ein geruettelt Mass an Verantwortung fuer den Genozid in Ruanda

http://www.welt.de/print-welt/article306748/Debatte_Der_Aberglaube_an_die_UNO.html

63. Lila - März 28, 2007, 12:06

Guter Artikel, er spricht mir aus dem Herzen, und die Bezeichnung Aberglaube trifft es genau. Trotzdem werden jetzt viele Leser erschrecken und murmeln: waaas, sogar die UNO kritisiert sie…? Wie KANN sie nur!

Auch Solana, ja sogar die Bischoefe haben eine Art automatisches Noli me tangere. Es KANN einfach nicht sein, dass sie chofshi-chofshi ihren Ressentiments gegen Israel freien Lauf lassen. Sie muessen gute Gruende haben!

64. Herbert Eisenbeiß - März 28, 2007, 12:23

Warum? Nun, die UNO ist zu einer Schwatzbude verkommen; aber dennoch das einzige Gremium dieser Art, das wir haben. So ist es wohl eine Institution mit BTN-Attitüde (Better than nothing).

Man hat es natürlich leicht, aus dem sicheren Deutschland heraus über Israel zu urteilen, wenn man bequem in seinem Sessel wo einfach rumhockt und die ganze Sache auch nur arg gefiltert mitbekommt.

Ja, es ist nun einmal leider so, die Berichterstattung ist meistens immer gefiltert, verschiedene Medien haben verschiedene Meinungen, die Medien neigen gerne zu Simplifizierungen und es ist immer einfacher, einen Sündenbock zu haben, der schon lange unbeliebt ist. Das ist wohl ein Mechanismus, der in der Psyche des Menschen fundamental verankert zu sein scheint.

Der Staat Israel jedenfalls war und ist in Deutschland nie besonders beliebt gewesen, das ist jedenfalls meine Erkenntnis. Warum? Da mag es vielerlei Gründe geben.

Manche finden schon die Art der Staatsgründung 1948 daneben und sehen diese “fehlerhafte Geburt” als den Hauptgrund für die Querelen und die Verwerfungen, die der Staat Israel seitdem im Nahen Osten verursacht haben soll. Zudem sind nach wie vor Juden nicht überall besonders beliebt, da spielen schon einmal zwei Sachen gleich mit rein.

Andere dagegen lassen sich nicht gerne erinnern. Die Existenz des Staates Israel ist nun einmal auch eine Konsequenz aus den Ereignissen des zweiten Weltkrieges und letztendlich des Holocausts. Inzwischen sterben aber auch die Menschen aus, die noch damit direkt zu tun hatten und es gibt eine starke Sehnsucht der Menschen, unter diesem Ereignis der Geschichte einen Schlußstrich zu ziehen. Nur wenn man dann immer wieder in den Medien Sachen aus Israel hört unter Hinweis auf den Holocaust soll Deutschland dies und jenes tun - nun, viele Menschen fühlen sich dadurch inzwischen einfach genervt. Und diese Genervtheit kann zu Ignoranz und letzten Endes mitunter bei manchen Extremexemplaren in Hass umschlagen.

Was viele dabei vergessen, ist, dass die Interessen, die der Staat Israel vertritt, auch zu grossen Teilen sich mit den Interessen Deutschlands und der EU decken. Geostrategisch ist es ein wichtiges Land und vor allem in Bezug auf die Ölvorräte nicht zu unterschätzen. Wirtschaftlich gesehen wohl auch, da die deutsche Waffenindustrie ein wichtiger Zulieferer für die IDF sind.

Weiterhin ist sicherlich auch ein wichtiger Faktor, warum viele dieses Land so abgrundtief hassen, ganz einfach eines: der pure Neid. Israel wird durch die USA massiv unterstützt, aber selbst wenn es diese Hilfe nicht gäbe, muss man sich nur einmal anschauen, was in diesem Land seit 1948 passiert ist und wie die Menschen dort leben, die Landwirtschaft und Wirtschaft funktioniert und andere Dinge. So schlecht geht es den Israelis wirtschaftlich gesehen nun wirklich nicht, eher das Gegenteil, viele Nachbarländer sind da eindeutig schlechter dran.

Nun ist es allerdings auch müssig, alleine aus der Geschichte heraus ableiten zu wollen, wo jemand ein Bleiberecht hat oder nicht. Wenn das in modernen Zeiten noch von Relevanz wäre, dann würde z.B. auch Ostpreussen und Italien mit Sizilien wieder deutsch werden können; es gehörte ja auch mal früher zu Deutschland. Oder Wien und Trier wird wieder italinienisch, da da früher ja die Römer waren und es römische Gründungen sind. So rum wird kein Schuh draus.

Die Sache ist ja eigentlich diese: es gab damals den UN-Beschluß. Ob es den Arabern nun passt oder nicht, seitdem gibt es den Staat Israel wieder. Also sollten sie sich doch eigentlich damit arrangieren, wie es auch schon andere Staaten getan haben, dadurch ziehen sie mitunter ja durchaus auch ihren Nutzen.

Das israelische Militär zu reizen, ist immer falsch, da es ja in der Gegend die militärische Supermacht schlechthin darstellt. Das ist übrigens auch eine Sache, die die Hisbollah ausgenutzt hat, da sie ja eine paramilitärische Organisation ist und sie einfach dann das Kriegsrecht bequem ignorieren kann (Genfer Konventionen usw.).

Jedenfalls zurück zum Thema: die Palästinenser sollten sich besser mit dem Staat Israel arrangieren, als ihn zu bekämpfen. Es ist auf beiden Seiten viel Leid passiert, dieses gegenseitig aufzurechnen, bringt absolut gar nichts.

Es gab zu der Thematik vor einigen Monaten mal einen interessanten Leserbrief in der New York Times von einem in New York City lebenden Palästinenser; er zeichnete in dem Brief das Bild von den Arabern, wie sie in Saudi-Arabien usw. schon seit 2-3 Generationen lang in Wohlstand und Frieden leben und dagegen das, was den Palästinensern bleibt: Mord und Totschlag. Er bezeichnete die Palästinenser, vor allem aber ihre Führungen im Laufe der Zeit, als Meister im Ausschlagen von geschichtlichen Großchancen auf den Frieden, um nach dem Umwandern dieser wieder tiefer in die Gewaltspirale hineinzusinken. Er forderte die Palästinenser offen dazu auf, endlich mit dem Terror aufzuhören, dem Staat Israel die Hand zu geben, in Frieden zu leben und die Infrastruktur des Gaza-Streifens mit den Militärmitteln aufzubauen, um endlich so zu etwas verhaltenem Wohlstand zu kommen.

Leider wird das so wohl nicht schnell eintreten, da sich in dem Raum einfach zu viele Interessenskonflikte überlagern, obwohl der Konflit Israel+Palästina in erster Linie ein politischer Konflikt wohl ist. Es gibt einfach auch Leute, denen am momentanen Status Quo mehr gelegen ist, da sie daraus Vorteile ziehen, als umgekehrt, und alles daran setzen, ihn weiter zu zementieren, da er ihre persönliche Macht festigt.

Was die Zukunft bringt, weiss leider keiner - Frieden in der Region wäre für alle wünschenswert, ob sich aber alle Parteien wirklich darauf zuverlässig einlassen werden, steht in den Sternen.

65. Schoschana - März 28, 2007, 12:34

“Ich frage mich, wieso die UN bei so vielen Menschen noch das Ansehen genießt, das sie nur ihren Grundsätzen, aber nicht ihrem Handeln verdankt.”

ich kann mir das nur so erklären, dass die meisten menschen eben NICHT videos wie das von herbert eisenbeiß verlinkte sehen, kurz: sich recht wenig tatsächlich um hintergründe scheren. sich vertieft mit politik zu befassen erfordert viel zeit, die sich viele menschen nicht nehmen können oder wollen. man begnügt sich mit schlagzeilen und einem grundvertrauen, bei dem man sich fragt, auf welcher basis es eigentlich steht… vertrauen ist gut, kontrolle besser - aber das erfordert eben eine intensive beschäftigung. und das ist vielfach unbequem, nicht nur aus “terminlichen” gründen, sondern vor allem aus dem grund, dass man dann mit der frage bleibt: und jetzt? was kann ich tun bzw. was ist jetzt von mir gefordert?

66. beer7 - März 28, 2007, 13:25

Ich wuerde noch ein bisschen tiefer graben, Schoschana.
Menschen haben ein Beduerfnis nach einer Hoechsten Instanz und Hoffnung auf Erloesung. Ganz und gar saekulare Menschen haben diese Beduerfnisse auch, muessen sie aber irgendwie innerweltlich unterbringen. Da bietet sich eine Institution wie die UN an.

67. schoschana - März 28, 2007, 15:02

das ist richtig, ruth. dazu kommt noch, dass auch ganz und gar “demokratische” menschen ein bedürfnis danach haben, dinge gelöst zu bekommen - nicht nur erlöst zu werden ;-) -, d.h. dass die “mühselige” arbeit, die nachdenken und aktion erfordert, doch lieber von anderen geleistet wird als von mir selbst (ich schliesse mich da durchaus ein, ich habe diese tendenz auch). die UN also als autorität, der man unkritisch abnimmt, dass sie die “dinge schon richtig macht”.

68. Jakobo - März 28, 2007, 15:42

Aber das ist es doch gerade was ich meinte. Die UN
ist also eine Schwatzbude, is Ok also muss man schaun
was die so schwatzen. Und sie schwatzen echt nur
Müll der keinen deut zur linderung des Konflikts beiträgt.
Wie gesagt nur einseitige Vorwürfe gegen Israel anstatt
sich als verhandlungspartner anzubieten, zu schauen
worauf die Konfliktparteien hinauswollen und wege
aufzuzeigen, vorschläge zu machen usw. eine Art
Rotes Kreuz aber in diplomatischen Sinn. Aber das
alles hat nicht stattgefunden. Nur einseitige Vorwürfe.
Ich finde es gut eine internationlae Schwatzbude zu
haben. Aber als Schatzbude ist die UN ein desaster.

Jakobo

69. beer7 - März 28, 2007, 16:43

Jakobo,

Du hast nach meinem Gefuehl eine Nuance uebersehen. Um mit Neuer zu sprechen:

“One might say, in Harry Truman’s words, that this has become a Do-Nothing, Good-for-Nothing Council.

But that would be inaccurate. This Council has, after all, done something.”

Die UN befoerdert die Agenda von Diktatoren. Das ist nicht nur “unnuetzes Schwatzen”, sondern aktive Politik, zum Schaden der demokratischen Welt.

70. Lila - März 28, 2007, 17:10

Ich gebe zu, ich mag das Wort Schwatzbude nicht. Es ist fuer mich mit der NS-Verachtung fuer demokratische Einrichtungen assoziiert, nach dem Motto “handeln statt reden”. Wer handelt ohne zu vorher zu debattieren, braucht einen starken Mann, der entscheidet.

Darum ist fuer mich die reine Tatsache, dass es sich um ein Diskussionsforum handelt, noch nicht abwertend gemeint. Es kommt darauf an, wer in so einem Forum wie zu Worte kommt, und welche Taten dann folgen.

Aber das Wort Schwatzbude… sollte man mit Vorsicht geniessen.

71. Thatcher - März 28, 2007, 20:34

Ich kann Dich beruhigen, Lila. “Schwatzbude” ist kein Naziwort. Kann sein, dass es von denen mal benutzt wurde, aber geprägt hat das Wort Kaiser Wilhelm II., womit er sein Missfallen an den Rechten des Reichstags zum Ausdruck brachte.

72. Lila - März 28, 2007, 20:50

Danke für die Aufklärung, ich wußte, daß es aus einer unguten Ecke kommt… aber ist das nicht auch in der Weimarer Republik von Ultra-Rechten benutzt worden?

Der Kaiser hatte wohl eine Vorliebe für plastische Wortprägungen, Rinnsteinkunst ist auch so ein Klassiker.

73. Jakobo - März 28, 2007, 21:59

Unnützes schwätzen will heißen, es nützt nichts um
den Konflikt zu lösen. Im Pragmatischen Sinn.

Klar, was Anan teilweise wärend des Libanonkriegs
gesagt hat war eine Parteinahme.

In wie weit “Die UN befoerdert die Agenda von Diktatoren. Das ist nicht nur “unnuetzes Schwatzen”, sondern aktive Politik, zum Schaden der demokratischen Welt.” so stimmt kann ich nicht
genau beurteilen.

74. willow - März 29, 2007, 9:22

@Jakobo:

Mache Dir einfach mal die Mühe und zähle die UN-Mitgliedsstaaten, die soetwas wie eine demokratische Basis haben… dann wirst Du feststellen, dies trifft mit viel gutem Willen auf maximal ein Drittel der Länder zu. Zwei Drittel sind also mehr oder weniger demokratiefeindlich - und so sehen die Beschlüsse der UN auch aus. Und wenn für einen Menschenrechtsrat China, Kuba, Russland und Saudi-Arabien …. zuständig sind, dann muß man sich über nichts mehr wundern, insbesondere nicht darüber, daß der islamisch-afrikanische Block bisher ausschliesslich Israel kritisiert hat. Man kann es auch wie PSL (mit dem ich eigentlich selten einer Meinung bin!) sagen: Was hat die Uno (in den letzten Jahren) schon geleistet, ausser AIDS nach Kambodscha zu exportieren?

75. Lila - März 29, 2007, 10:38

Und noch eine Tatsache über die UN, die gern übersehen wird: die Staaten sind nach regionalen Gruppen gegliedert. Wer keiner regionalen Gruppe angehört, hat keinen vollgültigen Status. Da sich die Nahost-Staaten geweigert haben, Israel in die Gruppe aufzunehmen …

(wie sie sich übrigens auch in der FIFA weigern und in vielen anderen sportlichen Organisationen… weswegen Israel mit den Europäern spielt.. und nie an einer WM teilnehmen kann, weil wir eben statt gegen Tunesien oder Syrien gegen England oder Deutschland antreten müssen und rausfliegen…doch das nur nebenbei)

…. hatte Israel keinen normalen Status. Die offizielle Seite der israelischen UN-Delegation erklärt das ganz ausführlich.

Es ist eigentlich ein Skandal, daß Israel als einziger Staat so diskriminiert wurde, und der Grund für die vielen Resolutionen ist damit ganz einfach gefunden. Natürlich gehen naive Beobachter, die den Hintergrund nciht kennen, davon aus, daß diese vielen Resolutionen einfach ein Zeichen für Israels außergewöhnliche Schurkenstaatlichkeit ist - dabei reicht es, einmal sachlich und unvoreingenommen zu vergleichen, was die einzelnen Staaten (auch jene, die so freudig Resolutionen gegen Israel ratifizieren) eigentlich selbst für Dreck am Stecken haben.

Wie diese Abstimmungen genau funktionieren, ist hier erklärt.

Die arabischen Staaten haben die UN zu einem Instrument ihres Kampfs gegen Israel umfunktioniert. Das klappt prima. Wir haben ihnen somit den verlogenen, für uns katastrophalen Waffenstillstand vom August 2006 zu verdanken, der der Hisbollah freie Hand zur Wiederbewaffnung gegeben hat und damit die nächste Runde des Kriegs schon einläutet - eines Kriegs, den die Hisbollah stellvertretend für Iran und Syrien führt, wie jeder weiß.

Werden Iran und Syrien dafür vielleicht mal mit einer UN-Resolution belohnt? Aber nein. Es ist immer nur Israel, das die Resolutionen abkriegt. Daß wir sie daher nicht so ernst nehmen wie deutsche Zeitungsleser (die diesen Hintergrund nicht kennen oder nicht glauben oder nicht für möglich halten oder ihn für irgendwie gerechtfertigt halten….), das ist ja wohl klar.

Man fragt sich vieles, wenn man diese Tatsachen kennt… und fröhlicher wird man dabei nicht.

76. Jakobo - März 29, 2007, 14:39

@ Willow:
Versteh mich nciht falsch. Ich sehe es auch so, dass die
UNO nichts besonderes leistet (s.o.). Die frage ging ja ursprünglich
darum, dass Anan als so moralisch und integer gesehen wird
und wir uns hier fragen warum?

Was die regionalen Gruppen betrifft das ist glaube ich
allgemein bekannt, es kümmert nur niemanden. Und
es hält niemand für relevant.

Die Deutschen sind zur Zeit auf ihrem “Wir sind wieder wer”
Trip. Weiter oben habe ich eine einschätzung gelesen,
dass Israel ein wichtiger strategischer Verbünteter des
“westens” ist oder sein könnte. Ich denke nur bedinngt
das das so hinkommt. Habe eher den eindruck dass die
Außenpolitik und die Wirtschaftspolitik in Deutschland
Israel eher als eine Art “Stein im Schuh” sieht. Der Neid
geht hier eher gegen die USA denke ich. Und sie spielen
etwas mit der UN rum, das hat man auch im Jugoslawien
krieg ganz gut gesehen. Wenn sie Russland und China
aus den Entscheidungen raushaben wollen, dann übergehen
sie die UN und wenn sie die USA raushaben wollen, dann
bringen sie die UN wieder ins spiel.

Jakobo

77. Jakobo - März 29, 2007, 14:48

PS: ich find übrigens dass der israelische UN gesander
ziemlich gut geredet hat während des Libanonkriegs.

Was mir noch gerade zu dem Waffenstillstand einfällt.
Lila bei dem Waffenstillstand, wie weit hat da die
israelische Kriegsführung mit reingespielt? Ich meine
was die Annahme des Waffenstillstands gespielt hat?
Ich konnte meinen Augen nicht glauben, als ich gehört
hatte dass Olmert diesen Waffenstillstand als Erfolg
verkaufen wollte.

Jakobo

78. beer7 - März 29, 2007, 15:43

Jakobo,

Ja, das hat mich auch veraerget. Fuer wie bloed will er uns eigentlich verkaufen, als ob wir nicht schon genug Erfahrung mit der UN gemacht haetten. Es war uebrigens nicht nur Olmert, sondern gerade auch Zippi Livni, die sich fuer diesen Waffenstillstand in die Bresche warf.

79. Jakobo - März 29, 2007, 15:53

DAs sich Livni da so eingesetzt hat wusste ich nicht.
Ich hab mir nur die Nachrichten angeschaut und den
Vorschlag für den Waffenstillstand und hab mir gedacht
das ist wirklcih das schlechteste!!! was passieren konnte.
In 2-3 Jahren ist es wieder soweit und wir haben einen
Krieg. Wieder ein Versagen der UNO, das stimmt. Wenn
sie wirklcih verhindern wollten, dass die Zivilbevölkerung
gefährdet wird, dann müssen sie für einen Standhaften
Waffenstillstand sorgen. Jetzt haben sie in ein Paar Jahren
wieder etwas wo sie groß ihren Mund aufmachen können
aber in dieser Rolle scheinen sie sich ganz wohl zu fühlen.
Und die Welt lobt ihren hohen Moralischen Anspruch. An
dieser STelle haben wir ja gestern auch angefangen.

Was mich interessiert von Dir und auch von Lila. In wieweit
ihr auch die israelische Kriegsführung von Olmert dafür
verantwortlich macht, dass so ein Waffenstillstand überhaupt
angenommen werden konnte? Wie sieht da die öffentliche
Meinung in Israel aus? Es gab da ja viel kritik in Israel schon
während der Endphase von dem Krieg. Chaotische Befehle,
chaotische Versorgung usw. In Deutschland wurde sowas
mit Begeisterung aufgenommen und die Kriegsgegner haben
sich im Recht gesehen. Aber wie ist da die Einschätzung in
Israel?

Jakobo

80. beer7 - März 29, 2007, 15:59

Jakobo, hinsichtlich der UN solltest Du wirklich mal einen “Parameter-Shift” versuchen. Anstatt dass Du dauernd “Versagen” feststellen musst, koenntest Du als Arbeitshyothese unterstellen, dass die UN-Politik ein klares Ziel hat, die Delegitimation von Israeli, wie Lila oben festhielt. Unter dieser Praemisse wirst Du dann feststellen, dass die diversen “Versagen” eigentlich alle Sinn machen.

81. beer7 - März 29, 2007, 16:06

Auf Deine Frage hin: Es beginnt mit Dan Halutz, der noch von Ariel Sharon zum Generalstabschef gemacht wurde. Als Mann der Luftwaffe hatte er offensichtlich nicht ganz die richtige Einschaetzung, was den Einsatz von Bodentruppen anging.
Es geht weiter mit Peretz, der nun wirklich nicht das Zeug zum Verteidigungsminister hat. Die Ernennung Peretz zu diesem Amt geht aber auf Olmert zurueck, dessen parteipolitische Kombinationen die Moeglichkeit eines ernsthaften Konflikts einfach ausblendeten.

Der naechste Krieg wird uebrigens noch fuer dieses Jahr erwartet.

82. Lila - März 30, 2007, 8:15

Hat noch jemand Zweifel an der “Ausgewogenheit” der UN und ihrer Organe?

Das höchste UN-Gremium äußerte nach einer über vierstündigen, kontroversen Debatte in New York lediglich “große Besorgnis” über die Krise, verzichtete aber auf eine Verurteilung Irans.

Das wäre ja noch schöner, mal einen anderen Staat als Israel zu verurteilen!

83. eran - März 30, 2007, 13:36

Hat noch jemand Zweifel an der “Ausgewogenheit” der UN und ihrer Organe?

hier noch mal ganz eindeutig.

http://www.youtube.com/watch?v=BMEw0lZ3k_Y

84. Lila - März 30, 2007, 14:18

Lieber Eran, danke, hab ich einen Eintrag draus gemacht, denn es wäre schade, wenn dieses Video übersehen würde.

Es ist beim Anhören und -sehen noch gräßlicher als beim Lesen. Haarsträubend!