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Ein Vortrag März 7, 2007, 22:16

Posted by Lila in Land und Leute.
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Die Zahl der hochinteressanten, spannenden Vorträge, die ich in meinem Leben schon verpaßt habe, ist Legion. Regelmäßig schickt mir das Bucerius-Institut der Universität Haifa Einladungen zu Themen, die mich brennend interessieren. Sie laden Experten ein, deren Bücher ich lese, und die sich die Mühe machen, bis nach Haifa zu kommen. Und was tue ich? Ich geh nicht hin, weil es um sechs Uhr abends ist, genau wenn ich von der Nach-der-Arbeit-Wäsche-machen-Phase in die Abendessen-vorbereiten-und-an-Blogeintrag-denken-Phase gleite. Um diese Zeit ist bei mir nichts zu machen, ob es Wolf Biermann ist oder Josef Joffe, ich bin nicht hinter Bügeleisen oder Salatschüssel hervorzulocken.

Doch heute, heute, heute war das anders. Die Einladung lautete diesmal höchst verlockend:

Forthcoming Events

Wednesday, March 7, 2007

Prof. Stefanie Schüler-Springorum
Institute for the History of German Jews, University of Hamburg
Die Beste aller Welten. Juden in Königsberg 1870-1933
Perfect World. Jews in Königsberg 1870-1933

The lectures will be held in German
Keller House, Keller Street 2, Carmel Center, Haifa, 17:30 - 19:00

Da muß ich hin. Nicht in der Uni, sondern einem kleinen Kulturhaus auf dem Carmel. Auf Deutsch! Da kommen bestimmt interessante Leute zusammen. Und dann Königsberg - ein enger Freund von Y.s geliebten Großeltern war alter Königsberger, veröffentlichte ein Buch über seine Kindheit und Jugend, und da sein Briefwechsel mit seinen Freunden im Kibbuz zeitgeschichtlich wertvoll war, wandte sich eines Tages eine junge Forscherin an die Familie. Sie war an den Briefen interessiert, weil sie ihre Dissertation über die Juden in Königsberg schrieb. Wie hieß die junge Frau? Richtig geschlossen, Stefanie Schüler-Springorum.

Später, vor ein paar Jahren, hatten wir dann mal Besuch von einem jungen Forscher, der mit Schüler-Springorum zusammen eine Ausstellung organisierte, in der ebenfalls Y.s Familienmitglieder auftauchten. Es ist ironisch, daß die gesamte israelische Familie diesen historisch hochinteressanten Geschichten relativ gleichgültig gegenübersteht, während ich es hochinteressant finde. Der Ausstellungskatalog, nebst einigen Aufsätzen des jungen Forschers und auch von Stefanie Schüler-Springorum, hat einen Ehrenplatz in meiner Büchersammlung.

Ich setzte also Hebel in Bewegung und sorgte dafür, daß der Haushalt auch ohne meine Anwesenheit nicht zusammenbricht (enttäuschend einfach!). Dann begab ich mich ins Keller-Haus in der Keller-Straße. Es füllte sich, wie erwartet, mit wunderbar gemischtem Publikum: zum einen die überaus höflichen, gepflegten, sich aufrecht haltenden alten Yeckes. Wie erstaunlich ist der Anblick eines Mannes, der sich zur Begrüßung seiner Bekannten erhebt - junge Israelis haben diese Feinheiten der Lebenskunst längst zugunsten authentischer Rüpelhaftigkeit abgelegt. Und dann schwirrten ein paar jüngere Menschen umher, die ich unschwer als Deutsche orten konnte.

Wo kommen in Haifa so viele junge Deutsche her? Kamen sie mit der Dozentin, sind sie ihre Studenten, studieren sie in Haifa, sind sie nur zeitweise da? Jedenfalls war es auf einmal eine ganz seltsam un-israelische Welt, in der eine ältere Dame mit klassisch schöner Hand höflich murmelt, “entschuldigen Sie vielmals”, wenn diese Hand etwas zittert und Kaffee über meinen Rucksack schüttet, und in der ein israelischer Dozent deutsch radebrecht, um die Gastdozentin vorzustellen.

Nun zum Vortrag. Er war hochinteressant, wie erwartet. Königsberg, wie lang ist das her, wie weit ist das weg! Ostpreußen ist so abgebrannt wie Pommerland, wir kennen es nicht mehr, es ist untergegangen. In der ersten Zeit nach der Einigung Deutschlands (unter Bismarck, yaani, 1871) schien in Königsberg möglich zu sein, was es sonst nirgends gab: eine deutsch-jüdische Harmonie. Überreste eines deutschen Liberalismus, der sich noch aus der Paulskirchenzeit gerettet zu haben schien, verbanden sich mit weltläufig-osteuropäisch orientiertem, selbstbewußtem Judentum (teils litauisch-aufgeklärter Herkunft, oder eben deutsch-jüdisch).

Die wirtschaftliche Lage der Stadt, die durch Handel und Weiterverarbeitung osteuropäischer Rohmaterialien reich wurde, gab Juden und Christen die gleichen Chancen. Juden engagierten sich in der jüdischen Gemeinde, der jüdischen Wohlfahrt, saßen gleichzeitig im Magistrat und nahmen am nichtjüdischen Vereinsleben teil.

Kurz vor der Jahrhundertwende verkündete der Königsberger Bürgermeister stolz, daß die Stadt die Leistungen der jüdischen Bürger nicht würde missen wollen, und daß die wenigen Verblendeten, die noch beim Judenhaß ausharrten, eine schwindende Minderheit bildeten. Dabei lobte er besonders das Engagement der Juden bei der allgemeinen Wohlfahrt und in bürgerlichen Posten in der Stadtverwaltung. Er erwähnte dabei zwar nicht die Rolle der jüdischen Frauen, doch Schüler-Springorum betonte, wie sich eigentlich ein Großteil des sozialen Engagements aus der jüdischen weiblichen Wohlfahrt entwickelte. (Was niemanden wundert, der die Geschichte der deutschen Fürsorge- und Sozialarbeit kennt).

Nun weiß man, wie die Geschichte weitergeht. Der Vortrag behandelte nur die Zeit bis 1933, und man sollte meinen, bis dahin sollte doch wenigstens eine Fassade der Harmonie von Juden und Christen weiterbestanden haben - doch dem ist nicht so. Nach dem Verlust des Ersten Weltkriegs, der Einrichtung des polnischen Korridors, mit dem Zusammenbruch des Wohlstands der Stadt und wachsendem Nationalismus fanden antisemitische Parolen Gehör - oder, je nach Glauben ans Gute bzw Böse im Menschen, tauchte der alte Antisemitismus wieder auf. Der seit der Haskala bestehende Bund zwischen Juden und Christen, zum beiderseitigen Besten, zerbrach, zersprang, explodierte. Antisemitische Haßtaten kamen schon lange vor 1933 vor.

Der für mich traurigste Teil des Vortrags war über die Aufklärungs- und Verständigungsabende, zu denen die jüdische Gemeinde die nichtjüdischen Mitbürger einlud, und über deren Verlauf viele erhaltene Nummern des Königsberger Gemeindeblatts aus den 20er Jahren berichten. Es kamen wohl nichtjüdische Mitbürger, aber nicht um zuzuhören, sondern um “die Juden zu ihrem eigenen Besten in höflicher Weise über ihre Fehler und Irrtümer zu belehren”. Gewiß waren diese wohlmeinenden Kritiker keineswegs traurig, als die Juden schließlich in Viehwaggons verfrachtet und abtransportiert wurden (es überlebten nur sehr, sehr wenige). Schließlich konnte es einen ja nicht wundern - so uneinsichtig, wie die Juden nun einmal waren!

Im Publikum saßen übrigens ein paar rechtzeitig geflohene Königsberger. Der allertraurigste Teil kam nämlich nach dem Vortrag, als eine beklommene Stille herrschte, bis die erste Frage kam. Eine alte Dame fragte mit rauher Stimme, “Wissen Sie, was mit den Königsberger Juden später passiert ist? Ich habe niemanden mehr finden können”, und Schüler-Springorum bestätigte, daß kaum jemand überlebt hat. Wer nach Frankreich oder Holland geflohen ist, wurde dort gefangen und abtransportiert. Die Zurückgebliebenen kamen entweder zur Zwangsarbeit oder wurden gleich ermordet. Nur in Theresienstadt überlebten ein paar. Aber ansonsten wurde in Königsberg reiner Tisch gemacht mit den Juden. Im Publikum nickten viele Köpfe.

Dann fragte ein Mann, “meine Frau ist nämlich aus Königsberg, wissen Sie, Spedition Ew. und Hel,, mein Schwiegervater hatte einen christlichen Kompagnon”, was aus den jüdischen Friedhöfen geworden ist. Eine Frau aus dem Publikum antwortete - nichts mehr übriggeblieben. Die Synagoge ist auch weg - und drei Leute sagten im Chor, “das Waisenhaus steht aber noch”.

Ja, so sieht es aus. So war das. Ja, meine armen Leser, ihr könnt sagen, daß ich nicht normalit bin, sondern obsessivit und paranoidit. In diesen “wohlmeinenden Kritikern”, da habe ich meine Deutschen wiedererkannt. In den SA-Schlagetots erkenne ich nur Fratzen, erkenne ich den menschlichen Abgrund, der in uns allen lauert, unabhängig von nationaler Mentalität - da wendet man sich nur mit Grausen ab, aber bekannt kommen sie mir nicht vor. Doch die selbstgerechten Besserwisser, die guten Bürger, die zu den todgeweihten Juden in den Aufklärungs- und Verständigungsabend gehen, und statt zuzuhören ihre Predigten loslassen, um wenig später kalt zuzusehen, wie die Juden ermordet werden - da wurde mir auf einmal ganz schwach. Ich hatte das Gefühl, die kenne ich. Sagt mir, daß ich Unrecht habe, daß ich Gespenster sehe. Am besten bringt mir ein paar gute, handfeste Beweise. Im efshar.

Kommentare»

1. medbrain2001 - März 7, 2007, 22:42

i efschar

2. beer7 - März 8, 2007, 9:33

iefhar

Europa erteilt uns wieder selbstgerechte und besserwisserische Vortraege und lehnt sich gleichzeitig zurueck fuer das zu erwartende Spektakel.

3. Schoschana - März 8, 2007, 10:37

iefshar. muss ich leider auch sagen. das ist nicht nur in der tagespolitik nachzuvollziehen, sondern auch in persönlichen begegnungen.

4. StefanHH - März 8, 2007, 11:11

Kein Problem Lila. Natürlich sage ich dir gerne, dass du Unrecht hast (und hoffe, dass ich damit Recht habe). Der Antisemitismus besteht zwar zu einem leider noch zu hohen Prozentsatz auch in Deutschland weiter. Im Tagesspiegel hat Vornbäumen das heute schön treffend als A…quote bezeichnet. http://archiv.tagesspiegel.de/drucken.php?link=archiv/08.03.2007/3125678.asp

Aber man würde es heute nicht noch mal zulassen, dass er sich in jenen mörderischen Vernichtungswahn steigert. Beweise kann ich leider nicht anbieten, sondern nur eine Überlegung: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es schon genug Antisemitismus und dennoch konnten sich (trotz aller Hinweise und Beweise!) die Alliierten und sonst auch anständige Menschen im 2. Weltkrieg nicht vorstellen, dass der Holocaust gerade stattfand. So jedenfalls erkläre ich mir den Umstand, dass z.B. die Bahngleise nach Auschwitz nicht von ihnen bombardiert worden sind. Sicher, vielen, der Schweiz, wohl auch den USA war es nicht wichtig, was den Juden an Diskriminierung in Deutschland widerfuhr. Und das hat sich durch den Holocaust geändert.

Der Holocaust hat uns allen bewusst gemacht, wozu Menschen fähig sein können. Umso wachsamer sind viele Menschen geworden. Kurz gesagt: auf die selbstgerechten Besserwisser kommt es nicht an, weil die “moralische Mehrheit” bei aller Kritik an Israel und den Juden einer weiteren Katastrophe nicht tatenlos zu sehen würde.

Und was heißt eigentlich in euren Beiträgen “iefshar” bzw “iefhar” bzw. “Im efshar”?

5. StefanHH - März 8, 2007, 11:13

Zugegeben, irgendwie klingt mein Beitrag wie das berühmte Pfeifen im dunklen Wald.

6. grenzgaenger - März 8, 2007, 11:41

ja, der wald ist sehr dunkel und wird nicht heller. leider kann ich deinen optimismus nicht teilen, stefan. auch nach der schoa wurden genozide hingenommen, massaker wie in screbenica wurden zur kenntnis genommen ohne eine entsprechende reaktion. ich weiss wirklich nicht woher europa seine selbstgerechtigkeit nimmt wenn es darum geht israel zu verurteilen. ich gebe dir recht in dem punkt das antisemitismus kein deutsches problem ist, sondern ein weltweites. das macht die sache allerdings nicht besser und der wald bleibt dunkel, ich weiss nicht ob pfeifen auf dauer etwas aendert. wie kommst du uebrigens auf den gedanken die menschen seien wachsamer geworden ? ich habe eher das gefuehl die menschen nehmen weniger zur kenntnis als frueher, mit zunehmender informationsflut scheint die reaktionsfaehigkeit zu sinken. israel “geniesst” ein ueberdurchschnittlich hohes medien”interesse”, aber wo bleibt der aufschrei bei anderen konflikten in denen nebenbei gesagt viel mehr menschen zu schaden kommen ? wo war der aufschrei in ruanda, in tschetschenien, ganz in aktuell in dafur ? ich habe keine antwort darauf, leider, und erwarte auch nicht das dieser aufschrei noch kommt …. ansonsten kann ich nur ruth zustimmen. traurig, aber wahr im dunklen wald zu leben ….

7. Rika - März 8, 2007, 12:08

ich denke,
Stefan,
ein wesentlicher unterschied von damals zu jeute besteht darin, dass es in allen teilen der bevölkerung dieses - wenn auch komplizierte - problembewußtsein gibt: die shoa hat stattgefunden unter federführung der deutschen regierung und mit tatkräftiger unterstützung oder billigung oder teilnahmslosem zusehen des größten teils der bevölkerung. wir sind seither durch die tatsachen selbst gezwungen, so oder so dazu stellung zu nehmen. das passiert in unterschiedlichster weise und ich vermute, dass die persönlichen stellungnahmen zur shoa in etwa gleich verteilt sind wie die damaligen einstellungen zur judenvernichtung selbst: von mitmachen, über zustimmen,teilnahmslosem zusehen, wegschauen bis hin zur gegenwehr.
meine hoffnung aber ist, genährt durch die tatsache, dass die politiker eindeutig gegen antisemitismus in welcher form auch immer reden, dass das gewicht der mitmacher und zustimmer in der öffentlichkeit geringer geworden ist und diejenigen, die sich wehren, mehr und mutiger!
das denke ich sogar auch wenn politiker nur sonntagsreden halten!
es gibt keine öffentliche hetze, kein anstacheln der “volkswut” mehr, kein aufrufen zur missachtung jüdischen lebens oder zur zerstörung jüdischen eigentums.

trotzdem bleibt immer die angst vor einem rückfall in die barberei, die auf der verbalen ebene ja doch latent lauert!

Lila,
ich kann mir nur schwer vorstellen, dass deutschland oder die eu sich raushalten würden, wenn israel angegriffen wird und noch weniger kann ich glauben, dass sie sich gegen israel stellen würden - auch wenn die ewiggestrigen während des libanonkrieges sich ihr antisemitisches mütchen kühlten und auch heute noch in ihren blättern und websites die braune keule schwingen.

mit zahlen kann ich das nicht belegen, es ist mein hoffen gegen jede hoffnungslosigkeit, mein singen gegen den wind oder
Stefan,
mein pfeifen im wald.

habe noch mal mein eigenes schreiben nachgelsesen. es ist doch eher das
pfeifen im wald.

8. StefanHH - März 8, 2007, 12:09

Du hast völlig Recht, grenzgaenger, die Aufschreie nach Screbenica und auch Dafur habe ich nicht gehört. Die Wachsamkeit oder Aufmerksamkeit ist insoweit extrem selektiv. Und es ist natürlich ein sehr subjektives Empfinden meinerseits, dass viele Menschen bei aller Kritik an Israel dennoch das Existenzrecht des Staates Israel unangetastet sehen wollen.

Jenseits der deutschen Medien habe jedenfalls ich die Erfahrung gemacht, dass Israel nicht so extrem negativ bewertet wird, wie es die Medien vorgeben und wie es die Umfragen behaupten.

Vielleicht schließe ich auch nur von mir auf andere. Aber ich habe den Eindruck, dass es heute durch das Internet (z.B. wikipedia) einfacher ist, sich schnell und umfassend über Hintergünde zu informieren, die in den deutschen Medien zu kurz kommen. Dass das Internet auch so genutzt wird, sehe ich bei einigen Leuten im Bekanntenkreis.

Aber stimmt wohl, dass das immer noch zu wenig ist. Besonders wenn ich mir diese Tölpeltruppe deutscher Bischöfe ansehe, die geschichtsvergessen und bar jeglicher Kenntnis durch das Heilige Land verbal so rumstolpern, dass mir vor Kopfschütteln schwindelig wird.

Wo wir gerade Screbenica erwähnten. Der Konflikt hat damals das komplette Versagen Europas aufgezeigt, dass es einfach eine Schande ist. Wir brauchten wieder mal die USA, um das Probelm zu lösen, nachdem UN, EU und alle anderen Buchstabenkombinationen versagt hatten. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass die USA zu Israel stehen und seine Existenz notfalls auch verteidigen werden. Für einen deutschen Europäer ist das angesichts der europäisch-jüdischen Geschichte leider ein Armutszeugnis.

9. StefanHH - März 8, 2007, 12:12

@ rika

Danke, dass du es auch ungefähr so optimistisch siehst wie ich.

Wenn sich noch mehr mit unserer Ansicht finden, wird es im Wald ganz schön laut werden.

10. beer7 - März 8, 2007, 16:30

Rika und Stefan,

die Eu, allen voran Deutschland, haben heute ihre Handelsinteressen im Iran deutlich hoeher auf ihrer Prioritaetenliste plaziert als die Verhinderung iranischer Atomwaffen, obwoh (oder klammheimlich weil?) der Iran das Ziel - die Vernichtung Israel - deutlich und wiederholt ausspricht.

Die Gleise nach Auschwitz wurden nicht bombardiert, nicht weil sich “anstaendige Menschen” den Holocaust nicht vorstellen konnten (der war damals laengst bekannt), sondern weil diesselben “anstaendigen Menschen” im stillen lieber weniger Juden gerettet sehen wollten. Auch das kann in Dokumenten nachgewiesen werden.

11. beer7 - März 8, 2007, 16:36

Hier ein Link dazu: http://www.historyplace.com/pointsofview/speeches-auschwitz-anniv.htm

12. StefanHH - März 8, 2007, 18:09

Und etwas ausführlicher dazu auch http://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust#Haltung_der_Alliierten unter 3.2 Haltung der Alliierten. Mein Argument ist damit ziemlich erledigt. Und dennoch glaube ich nicht, dass der Westen Israel oder die Juden im Stich lassen würde. Und ich glaube deshalb auch nicht, dass wir es zulassen werden, dass der Iran Atomwaffen bekommt. Es wären moralische Verbrechen, derer sich hier niemand schuldig machen möchte.

Ich weiß: Dennoch ist die Lage für Israel bedrohlich und sie wäre katastrophal, wenn der Iran solche Waffen entwickeln würde. Für mich aus der Ferne ist Optimismus leichter zu bewahren als für jemanden, der geografisch unmittelbar von der Situation betroffen ist.

13. medbrain2001 - März 8, 2007, 19:39

Hallo StefanHH,

im efshar = wenn möglich

i efshar = nicht möglich

efhar war glaube ich ein tippfehler

14. StefanHH - März 8, 2007, 22:35

Vielen Dank, medbrain2001. Ich kann zwar null hebraisch, aber wnigstens wollte ich verstehen, worum es geht.

15. Heimo - März 11, 2007, 8:10

„ich kann mir nur schwer vorstellen, dass deutschland oder die eu sich raushalten würden, wenn israel angegriffen wird und noch weniger kann ich glauben, dass sie sich gegen israel stellen würden“

da glaube ich eher, dass Europa im ‚Falle eines Angriffs ’ so zögerlich & unentschlossen handeln würde, dass eh schon alles zu spät wäre, nach all den mehrmonatigen Beratungen zur Beschlussfindung im EU-Gebilde, bis sich dann eine halbherzige Handlungsweise durchringt – man denke nur an die Berichterstattung im letzten Libanonkrieg, die aus französischer Sicht schon wesentlich negativer als hier in Deutschland ausgefallen ist. – Da werden erst mal Schuldigkeiten ausgelotet, bevor man sich endlich mal entschließt einzugreifen zu ähnlich nutzlosen Aktionen etwa, wie zur Zeit Unifil in Libanon, die weitere Waffeneinschleusungen nicht verhindern kann & das auch keineswegs als ihre Aufgabe sieht – Bully USA handelt da schon wesentlich entschiedener & im Zweifelsfall auch aggressiver & wird wohl von Israel als der eher oder einzig verlässliche Bündnispartner gesehen im Gegensatz zum unentschlossenen Europa.
Ja und Lila, dein: „Doch die selbstgerechten Besserwisser, die guten Bürger, die zu den todgeweihten Juden in den Aufklärungs- und Verständigungsabend gehen, und statt zuzuhören ihre Predigten loslassen, um wenig später kalt zuzusehen, wie die Juden ermordet werden - da wurde mir auf einmal ganz schwach„
Ich empfinde das ähnlich – ein Großteil meines Bekanntenkreises hat für Israel allenfalls nur noch ein Achselzucken übrig (das Thema über das man nicht spricht, aber irgendwie schon so seine vorgefasste Meinung hat, ohne allerdings genaueres darüber zu wissen) – zwar meist nicht vollmundig, aber dennoch mit einer kleinen Randbemerkung, über die Mauer oder was die mit den Palästinensern machen, oder, die haben denen ja das Land gestohlen– aber das haben sie alle schon irgendwo, irgendwie, irgendwann einmal gehört –

Rikas: „meine hoffnung aber ist, genährt durch die tatsache, dass die politiker eindeutig gegen antisemitismus in welcher form auch immer reden, dass das gewicht der mitmacher und zustimmer in der öffentlichkeit geringer geworden ist und diejenigen, die sich wehren, mehr und mutiger! „ –

das ist auch meine Hoffnung,, aber ich hoffe, dass die Decke der offiziellen Haltung anhält, denn wehe Politiker wie einst Möllemann oder LePenn etc. gewännen Oberhand & dumpfes Volksempfinden dürfte wieder laut seine Stimme erheben, dann wären nur allzu viele hierzulande sehr schnell bereit diese moralisch-ethische Nettikette of political correctness zu durchbrechen – es gibt wohl immer einen Untersatz einer lauernden unzufriedenen sprachlosen Menge, die sich im Zweifelsfall .jedwelchen Volksverhetzern anschließt, die ihnen eine Erfolgschance aus ihrem miserablen Leben bei Liquidierung eines klares Feindbild-Zieles aufzeigt. .