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Search engine terms März 3, 2007, 22:32

Posted by Lila in Kunst.
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Ach, ich kriege wie jeder Blogger schnell eine Sammlung der absurden Suchbegriffe zusammen. Doch eines freut mich: daß immer wieder Leute, die nach dem Junius-Bassus-Sarkophag oder Rubens suchen, bei mir landen. Dann stelle ich mir gleich das verzweifelte Studentengesicht vor, das sich aufhellt, wenn Rungholts Gestade erreicht sind.

Ich schreib viel zu wenig über Kunst. Das muß sich ändern!!!! Junius Bassus, ich bin schon unterwegs!!!

Nachgeholt März 3, 2007, 21:54

Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.
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Neulich war hier im Blog ein Kommentar, den ich absichtlich unbeantwortet gelassen habe. Ich hatte nämlich so ein Gefühl, daß es sich wieder mal um die beliebte Spezies der “Ich-guck-mal-rein-und-laß-meinen-Dampf-ab”-Kommentare handelt. Normalerweise ist so ein Kommentator damit zufrieden, es mir so richtig gezeigt zu haben, und sucht sich lohnendere Gefilde. Im Laufe der Zeit habe ich mir abgewöhnt, auf solche Köder anzuspringen, denn dann habe ich entweder einen Überzeugungs-Troll (also keinen gewöhnlichen Troll, der nur provozieren will, sondern jemanden, der aus Überzeugung trollt und nicht diskutiert) - oder aber alle springen auf die Diskussion an, während der Kommentator im virtuellen Nirwana verschwunden ist.

Ruth hat ihm geantwortet, aber mein Gefühl hat mich nicht getrogen, der Kommentator hat nicht reagiert. Gucken wir uns also diesen Kommentar mal an, er ist nämlich ein Musterbeispiel, ein Schulbeispiel anti-israelischen “Diskussions”niveaus.

Mein Beitrag war der über Demographie und Opferzahlen, und er bot traurige, aber unbestreitbare Tatsachen. Die meisten toten Araber gehen, im Gegensatz zur Wahrnehmung der Öffentlichkeit, nicht auf Rechnung Israels, sondern auf Rechnung anderer Araber. Daß die Medien nicht darüber berichten, macht die Leute nicht wieder lebendig - und die Brutalität, mit der Araber Araber exekutieren, läßt uns mit unseren ebenfalls nicht feinen Methoden wie zimperliche Waisenknäblein aussehen. Ich erinnere an die Kinder des palästinensischen Aufklärungsoffiziers, die auf dem Weg zur Schule alle drei von Scharfschützen abgeknallt wurden.

Nein, sowas machen wir nicht. Nervöse Soldaten töten Kinder, die sie für Terroristen halten, sinnlose Kugeln treffen in Häuser und töten Kinder, das sind tragische, von niemandem gewollte Zwischenfälle, die unser Gefühl noch quälender machen, endlich aus diesem Albtraum, der Nahostkonflikt heißt, aufzuwachen. Aber als Strategie unter Gegnern, wie Hamas und Fatah, vor einer Schule drei Kindern aufzulauern und sie kaltblütig zu erschießen - das ist schon ziemlich erschreckend. In den europäischen Medien aber ging diese Geschichte irgendwie unter! Oder hat jemand von meinen Lesern eine Erinnerung daran?

Also um diese Zustände ging es in meinem Eintrag - Zustände, die mich empören, weil sie zeigen, daß vielen sogenannten Unterstützern der Palästinenser diese selbst wurstegal sind - nur wenn es gegen Israel geht, sind sie für die Palästinenser, aber was andere ihnen antun, zählen sie nicht mit. Ich glaube, damit übertreibe, lüge und hetze ich nicht - es ist eine traurige Tatsache, die mich auch als Palästinenserin empören würde. Mit solchen Freunden, solch selektiver Solidarität kommen die Palästinenser nicht weit!

In den Kommentaren ging es dann um den Knick in der Optik, den Fehlglauben, daß, wer der Palästinenser Bestes will, Terrorversteher sein muß - ich bin der festen Ansicht, daß das genaue Gegenteil der Fall ist. Wer FÜR die Palästinenser ist, muß GEGEN den Terror sein. Soweit war die Diskussion also mehr oder weniger gediehen, als sich ein Kommentator gedrungen fühlte, sein Debüt auf Rungholt folgendermaßen zu geben:

Uebertriebene Religion im Alltag ist immer schlecht, egal ob es islamische, juedische oder sonst eine andere ist.

Eine seltsame Einleitung, denn es ging nicht um Religion im Alltag, überhaupt nicht um Religion, sondern um politischen Machtkampf zwischen Gruppen und die Strategien, derer man sich dabei bedient. Sei´s drum, jedem fällt manchmal auf Stichwort was ein, das er dann loswerden muß.

Aber was heißt “übertrieben”? Wer entscheidet das? Der Kommentator selbst? Wem schaden fromme Christen, fromme Juden, fromme Moslems, in ihrer alltäglichen Religionsausübung? Warum die Nennung aller drei monotheistischen Religionen? Meldet sich hier Nathan der Weise zu Wort? Nicht ganz.

Wenn es in Israel immer noch Busse gibt, in denen Frauen u. Kinder hinten sich hereinquetschen muessen, um die orthodoxen Juden ungestoert vorne beten lassen zu koennen, zeigt dies, dass diese Leutchen immer noch nicht im 21 Jh angekommen sind.

Diese Leutchen! Die Juden natürlich. Ja, diese Busse, die sind ein Skandal. Ich habe zwar noch nie einen gesehen, sie sind ungefähr so häufig wie Zeugen Jehovas in Deutschland und überhaupt nur in ganz bestimmten Vierteln Jerusalems anzutreffen, aber wenn wir schon über “übertriebene” Religionsausübung sprechen - DAS ist das Beispiel! Mir würden ja prügelnde Lehrnonnen, korrupte Religionsminister in Israel, pädophile Priester, zynische Sekten, Haßprediger in Moscheen, Selbstmordattentäter zu Allahs Ehren, ja mir würden jede Menge Leute zum Thema “Mißbrauch der Religion” einfallen - na gut, die haben mit “übertriebener Religionsausübung im Alltag” nichts zu tun. Ich finde sie aber allesamt schlimmer als diese Busse in Jerusalem, die ja niemand benutzen muß, der nicht partout darauf aus ist, sie zu nutzen.

Aber die Katze ist aus dem Sack. Man hört förmlich das Aufatmen. Diese Leutchen! Diese Juden! Diese Israelis! Und dann kommts.

Noch eine Anmerkung, der Krieg Olmerts gegen Libanon war ein unverantwortlicher, unverzeihlicher Zerstoerungskrieg ohne jede Balance gegenueber den Stoerungen die libanesiche Terroristen in Israel anrichteten. Der Krieg hat entgueltig alle Moeglichkeiten fuer friedliche Beziehungen in NO zerstoert, die Hinterlassenschaft Olmerts ca. 1 Mill. unexplodierter Streubomben in Suedlibanon zeugt von den ruecksichtslosen, menschenverachteten Kriegsmethoden des Staates Israel.

Er gehoert genauso, wie sein Kollege Bush vor ein intern. Kriegsverbrechergericht, da sie mehr Terroristen, mehr intern. Terror, mit ihren Aktionen hervorbrachten, als vor den jeweiligen Kriegsbeginn.

Der Krieg Olmerts gegen den Libanon? Es ging doch wohl gegen Hisbollah- und viele Libanesen wären sehr gekränkt, wenn man sie mit der Hisbollah gleichsetzen würde! Die libanesische Armee sollte laut UN-Beschluß die Hisbollah unter Kontrolle halten, hat das aber nicht getan. Die Hisbollah hat uns angegriffen. Es war sogar ihr Vorteil, als Guerilla-Organisation rechtliche Narrenfreiheit zu genießen. In einem regulären Krieg gegen den Libanon hätte es Gefangenenaustausch und -besuche gegeben, die libanesische Armee hätte längst nicht alles gemacht, was sich die Hisbollah erlaubt hat - auf israelischem Staatsgebiet Soldaten zu kidnappen ist ja wohl ein casus belli.

Olmert, man mag von ihm halten was man mag (und ich halte von jeder leeren Farbtube im Studio seiner Frau mehr als von ihm, um das mal so offen zu sagen), ist auf seinen Sessel gewählt worden, um Siedlungen in der Westbank aufzulösen, nach dem Modell der Räumung des Gazastreifens (vergessen wir nicht, daß damals auch zwei Siedlungen im nördlichen Samaria geräumt wurden - ja wenn man jetzt wüßte, wo das ist! Bei mir um die Ecke). Der Krieg hat Olmert ebenso unerwartet getroffen wie mich - und wie den Verteidigungsminister. Die Kopflosigkeit der Kriegsführung beweist schon, wie sehr wir uns damit abgefunden hatten, regelmäßig beschossen zu werden - und auch heute sind wieder Qassams gefallen! Das sauge ich mir also nicht aus den Pfoten. Wir werden angegriffen, pausenlos.

Auch vor Olmerts Amtsantritt

Und wie ich auch schon öfter gesagt habe: auch low scale-Angriffe stellen Angriffe dar. Wenn man nicht reagiert, so wie wir das aus falsch verstandener Rücksicht auf die allzu schnell empörte Weltöffentlichkeit wieder und wieder tun, dann nährt man nur den Eindruck: hier mal eine Rakete, dort mal ein Bömbchen, das müssen die Israelis nun mal hinnehmen. Ja es heißt Waffenstillstand! Die Feinde Israels fühlen, daß sie geradezu ein verbrieftes Recht darauf haben, uns zu beschießen, zu bombardieren, rhetorisch zu vernichten und gegen uns zu hetzen. Das dürfen sie. Die Israelis aber dürfen sich nicht wehren - das nicht, dann steht die Weltöffentlichkeit auf wie ein Mann und drängt zum Waffenstillstand.

Der Waffenstillstand, wie ich in meinem schon mal mißverstandenen Beitrag Es ist schwer… Ende Juli geschrieben habe, ist eine Farce. Die Weltpolizei UN hat dafür gesorgt, daß die Hisbollah sich wiederbewaffnen konnte -

Man wird uns nun zu einem einseitigen Waffenstillstand zwingen, keiner hat die Weitsicht, zu erkennen, was das bedeutet - die Hisbollah bewaffnet und durch unsere Torheit gestärkt zu belassen, wo sie ist. Die nächste Runde wird die Hisbollah mit dem Kredit der Welt, schönen neuen Waffen und einem kalten Lächeln beginnen. Wann? Das ist doch egal. Ich habe das Gefühl, die Uhr tickt.

Genau so ist es gekommen. Der Focus sagt das vor zwei Wochen so:

Trotz des Einsatzes der deutschen Marine und Kontrollen auf dem Festland soll die Hisbollah ein halbes Jahr nach dem Krieg mit Israel ihr Waffenarsenal wieder mehr als aufgefüllt haben.

Besonders elegant das “soll”. Vielleicht stimmt es ja nicht. Immerhin patrouillieren dort unsere tüchtigen deutschen Jungs in Blau!

Aber der Kommentator, um zu ihm zurückzukehren, hat davon noch nie gehört. Daß die Hisbollah mit ihrer Taktik Israel geradezu dazu gezwungen hat, zivile Gegenden anzugreifen - ist ihm entgangen. Daß in der Berichterstattung schwer getrickst wurde und auch in Israel massive Schäden entstanden - nur eben die Israelis ihre Leute schützen und nicht als Köder für feindliche Angriffe benutzen - all das ist ihm unbekannt, oder egal, oder er glaubt es nicht.

Zur Berichterstattung gibt es durchaus kritische Stimmen, das kann man alles nachlesen.

Vermutlich wäre Herr Nasrallah zufrieden mit dem Ergebnis einer aktuellen Studie, für die Medienforscher vom 21. Juli bis zum 3. August vier deutsche Nachrichtensendungen von ARD und ZDF ins Visier genommen haben. Bei der Auswertung von 334 Beiträgen Sendungen „Tagesschau“, „Tagesthemen“, „heute“ und „heute-journal“ zu Nahost, kommt sie zu dem Schluss: „Die Täter der Hisbollah tauchen in den Hauptnachrichtensendungen ähnlich selten auf, wie die israelischen Opfer der Hisbollah-Raketen“. Vor allem aber fehle es fast stets an Hintergrund.

Auszüge aus dieser Studie auch hier.

Besonders kritisiert Media Tenor die für die Medienwirkung wichtige Fragestellung Täter/Opfer. Im Bericht heißt es: „Täter ist in erster Linie Israel, Opfer in erster Linie die Zivilbevölkerung im Libanon.“

Das ist also alles nicht so einfach. Wenn man seine Informationen nur aus dem deutschen Fernsehen bezieht, dann weiß man eben nicht alles. Ist leider so.

Und was die Streubomben angeht: die Heuchelei, mal wieder Israel als einzige Nutzer dieser zweifellos zu bannenden Waffengattung herauszustellen, ist leider, leider typisch. Lesen wir mal nach:

Die erste eingesetzte Streubombe war die deutsche „Sprengbombe Dickwandig 2 kg“ kurz SD 2 aus dem Zweiten Weltkrieg.

Die Streubombentechnologie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg von den Vereinigten Staaten, Russland und Italien weiterentwickelt. Bei unverändertem Grundprinzip wurden verschiedene Arten von Streubomben für spezielle militärische Zwecke entwickelt und auch für andere Einsatzarten als den Abwurf von einem Flugzeug umgesetzt.

In großen Mengen wurden von verschiedenen Seiten Streubomben in den Kriegen in Korea, Vietnam, Afghanistan, sowie im Kosovo, Libanon und an anderen Kriegschauplätzen eingesetzt.

Sehr unschön, ganz gewiß. Ich bin auch dafür, diese Art Waffen nicht mehr einzusetzen. Übrigens ist innnenpolitisch der Einsatz dieser Streubomben, wenn sie denn so stattgefunden hat, höchst umstritten. Peretz bestreitet, ihn angeordnet zu haben - im Gegenteil, er meint, er hat es unterbunden. Irgendwas ist da sehr schief gelaufen, aber bis der Aufklärungsausschuß zu einem Ergebnis kommt, hört wohl wieder mal keiner zu.
Eines jedoch sollte man bedenken, wenn man die bösen Israelis tadelt:

Produziert und eingesetzt werden Streubomben von zahlreichen Nationen, unter anderem auch von Frankreich, Deutschland, Großbritannien, der Schweiz und Israel.

Deutlicher:

Selbst wenn ein Einsatz von Streumunition von Seiten der Bundeswehr nicht geplant ist, gehören deutsche Firmen nach wie vor zu den führenden Produzenten dieser Waffen und der zugehörigen Abwurfsysteme. Nach dem Rüstungsbericht der Kirchen vom November 2006 steht Deutschland außerdem auf Platz vier der weltweiten Rüstungsexporteure.

Aha. Es verdienen also Deutsche am Einsatz von Streubomben. Aber wer kehrt schon gern vor der eigenen Tür?? Und wie bequem, wenn man den Einsatz von Waffen moralisch verurteilen kann, ihre Herstellung dagegen der eigenen Wirtschaft Gewinn bringt! Man schlägt gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klatsche. Und kann im vollen Bewußtsein der eigenen Fleckenlosigkeit Israel als Quelle des Terrors ausmachen. Oh, und die USA natürlich.

Muß das schön sein, wenn die Welt so einfach im Kopf sortiert ist. Dann reicht ein Schlüssel aus, um alle Türen zu öffnen.  Oder zu schließen.

Purim März 3, 2007, 16:16

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Gestern geschrieben:

Es ist Purim, und meine Jüngste hat den Kotzvirus. Gestern fing es an. Jetzt liegt sie erschöpft auf meinem Bett, in der Hand ein kleines Briefchen, das sie uns geschrieben hat. Seit sie schreiben kann, finde ich fast täglich auf dem Kopfkissen, neben dem Spülbecken oder in meiner Arbeitstasche ein Briefchen, mit Blumen, Katzen oder Hunden verziert, auf dem sie mir mitteilt, wie sie mit ihren Eltern zufrieden ist. Durchaus nicht immer zur Gänze. Aber heute schon.

Sie wird ihr Polizistinnen-Kostüm also nur zur Feier im Kibbuz tragen, und morgen zur Geburtstagsfeier mit der erweiterten Familie. Auch Tertia ist krank, sie hustet und atmet schwer. Wie gut, daß wir immer eine Reserveflasche Ventolin im Haus haben - auch eine ehemalige Asthmakranke muß damit rechnen, es von Zeit zu Zeit zu brauchen. Wenn ich den Inhalationsapparat höre, steigen in mir die Erinnerungen an endlose Nächte auf, drei kleine Kinder, von denen zwei kurzatmig, eines dagegen ausgewachsen asthmatisch war… ich habe viele Bücher beim Rattern des Apparats gelesen, in vielen schlaflosen Nächten. Bei den Jungens waren die Probleme mit zwei Jahren vorbei, bei Tertia im Grundschulalter.

Nur Quarta hat noch nie inhalieren müssen, was sie natürlich schade findet. Ich hoffe, bis morgen ist sie wieder fit.

Heute:

Die PurimParty ist ausgefallen - ein Trauerfall im Kibbuz. Wir haben es nicht gemerkt, der Virus hat uns ein Grummeln beschert, das gerade genügte, um uns die Lust am Tanzen zu nehmen. So haben wir erst heute früh gehört, daß wir gar nichts verpaßt haben. Die Party wird wohl ein andermal nachgeholt.

Heute sind wir alle wieder fit, bald kommt die Familie zum Feiern, und ich habe einen ganzen feinen Tisch voll mit Essen vorbereitet. Mir fällt gerade auf, daß die gesamte Familie unseren Geschmack teilt: für Gemüseauflauf, Pies und Pasteten, Suppe, Vollkorn-Oliven-Brot, Salat, Bureka lassen wir Fleisch stehen.  Gut, daß niemand einen enttäuschten Blick über mein Buffet schweifen lassen wird - bei allen Familieneinladungen wird fleischfrei gekocht oder Fleisch ist nur Nebensache. Daher habe ich noch nie an einem Tisch gesessen, an dem Braten serviert wurde. Ißt man in Deutschland noch Braten?

Was für ein schöner Eintrag, von der Kotzerei zum Braten, von der Tanzparty zum Trauerfall. Na ja, man kann ja nicht immer hochpolitisch mit der eingelegten Lanze bloggen…

Todesmutiger Hasenfuß unterwegs März 3, 2007, 12:53

Posted by Lila in Land und Leute.
64 comments

Ebenfalls lesenswert zum Thema Antisemitismus - ein todesmutiger Selbstversuch, mit der Kippa durch Berlin. Man hört den Reporter förmlich vor Stolz auf seinen Heldenmut schwer atmen.  Er analysiert sein Gefühl bei jedem krummen Blick, na ja, er muß ja drüber schreiben. Trotz dieser unfreiwilligen Komik ganz interessant. Ich würde gern sehen, wie sich das in einer provinziellen Kleinstadt anfühlt. Vielleicht machen ja bei dem Versuch noch mehr Leute mit.

Mein Bruder hat große Erfolge mit einer aus Israel mitgebrachten Flagge fürs Auto und einem Zahal-T-shirt gehabt. Manchen Leuten ist das Blut recht hübsch in Wallung geraten. Ich bezweifle, daß eine andere Flagge, egal wessen, so heftige Gefühlsausbrüche zur Folge gehabt hätte. Irgendwie hat der Davidstern anscheinend besondere emotionale Macht.

Mein Mann wird als Israeli eigentlich in Deutschland immer nett behandelt, vielleicht haben die Leute Angst, daß er sonst sofort ein Massaker anrichtet? Höchstens scheue Bemerkungen im Sinne von, “aber in Israel leben doch so viele Juden” habe ich schon gehört, aber die meisten fiesen Bemerkungen muß sich meine arme Mutter anhören, wenn wir wieder weg sind. Leider habe ich öfter schon festgestellt, daß dieselben Leute, die meinen säkularen Mann goutieren, bei Gelegenheit dann ihre Verachtung für kaschrut-haltende, fromme Juden mit Kippa herauskehrten. Nicht angenehm zu sehen, wie der eine Jude gegen den anderen ausgespielt wird.

Kurz, daß in Deutschland unter der moralisch-selbstbewußten Fassade (WIR haben aus der Geschichte gerlernt!) ein leicht aufzurührender Schlick von anti-jüdischem, anti-israelischen Gefühl ruht - das habe ich traurigen Herzens erkennen gelernt. Leicht ist es mir nicht gefallen.

Wer daran zweifelt, kann den Selbstversuch ja wiederholen. Ich stelle gern mein Blog als Plattform für Erfahrungsberichte zur Verfügung!