Gräßlich Februar 25, 2007, 23:57
Posted by Lila in Land und Leute.21 comments
Wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was ein Artikel in der JPost von palästinensischen Schulbüchern erzählt, dann haben wir ein generationenlanges Problem, das wir nicht mehr lösen können.
Hamas has always defined its war with Israel as religious and existential, and now that is what all Palestinian children will learn in school: “Ribat for Allah is one of the actions related to jihad for Allah, and it means: Being found in areas where there is a struggle between Muslims and their enemies. The endurance of Palestine’s people on their land these days… is one of the greatest of the Ribat.” (Islamic Education, grade 12, p. 86-87)
THE PALESTINIAN conflict with Israel is a unique and eternal ribat with a special Islamic destiny: “The reason for this preference [of the Palestinian Ribat] is that the momentous battles in Islamic history took place on its land.”
As to when there will be peace with Israel? Never, according to the schoolbooks: “[Palestine's] residents are in a constant struggle with their enemies, and they are found in Ribat until Resurrection Day.”…
The conflict will eventually end - not with peace, but with Israel’s destruction, effected by Palestinians of all ages and abilities: “Palestine will be liberated by its men, its women, its young and its elderly” (Arabic Language and the Science of Language, grade 12, p. 44).
…
Because Israel has no right to exist, and must be fought and destroyed for Islam, violence and terror against Israel since its founding are justified and glorified as muqawama, resistance: “The tragedy of Palestine of 1948… and afterward the muqawama in which the inhabitants carried acts of most glorious heroism and sacrifice” (Arabic Language, Analysis, Literature and Commentary, grade 12 p. 105).
Wenn das wirklich in den Lehrbüchern steht, und die Quelle klingt glaubwürdig, dann ist es kein Wunder, daß sich solchermaßen indoktrinierte junge Menschen gern und kompromißlos in diesen Konflikt werfen. Und unser Verdacht, daß die Palästinenser keineswegs eine Zweistaatenlösung anvisieren, sondern ganz etwas anderes… scheint ja nicht ganz aus der Luft gegriffen zu sein.
Eine brutale Welt für Mädchen Februar 25, 2007, 23:42
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Uncategorized.48 comments
Ich verfolge diese Themen aus verschiedenen Gründen: weil ich nicht einfach blinde Konsumentin sein will, weil ich meine Mädchen schützen möchte, weil ich für den Unterricht Munition suche. Deswegen sammle ich Artikel und Bücher zum Thema Kommerzialisierung und Standardisierung von Lebenswelten, besonders von Kindern. Dazu gehört die Se*xualisierung kleiner Mädchen, die heute als so normal gilt, daß sie vielen Leuten kaum noch auffällt.
Ich weiß nicht, wie das in Deutschland ist - in dem Ausschnitt Deutschlands, den ich kenne, ist es nicht üblich, kleine Mädchen auf se*xy zu stylen. Auch im Kibbuz laufen die Mädchen in Sportklamotten rum und in Jeans, im Sommer in Mädchenkleidern. Wenn ein Mädchen sich zu sehr aufdonnert, fällt es auf - nicht angenehm. Das ist hier nicht Sitte. Auch meine Freunde und Freundinnen außerhalb vom Kibbuz sind entweder freakig-künstlerisch-bunt oder konservativ-elegant - und stecken ihre Kinder ebenfalls nicht in Lolita-Fräckchen.
Aber in Israel hat sich in breiten Schichten der Frecha-Chic durchgesetzt, ein geradezu aggressiv auffälliger Kleidungsstil, der selbstbewußten, tadellos gewachsenen jungen Frauen schmeichelt - aber sonst fast niemandem. Ich wende schon fremdschämend die Augen ab, wenn die Verkäuferin im Schuhladen meines Vertrauens vor mir auf die Leiter klettert, ein nettes Mädchen, aber warum sie eine leichte Pummligkeit um die Mitte nicht diskret verdeckt, sondern per Tiefflieger-Jeans und Rippenfrei-Pulli der Welt entgegenstreckt…. noch dazu an einem kühlen Tag mit Gänsehaut…. da finde ich irgendwie nichts Schönes dran.
Auch die älteren Frauen, gern mit rotblondiertem Haar und Plastiknägeln, ziehen sich hier oft enthüllend an. Wenn sie es sich leisten können, adraba, ich bin die letzte, die Damen meines Alters in die berühmten “gedeckten Farben” stecken möchte. Ist eben Geschmackssache. Aber es rutscht natürlich recht leicht ins Ordinäre ab, dieser Stil verliert nämlich das Spielerisch-Neckische, wenn eine ältere Dame ihn trägt.
Aber sowohl die pummlige junge Frau, der die Röllchen aus der Jeans direkt in mein Gesicht quellen, als auch die ordinäre Großmutter wissen wenigstens, was sie tun. Die kleinen Mädchen aber, die mit “I´m a bad girl”-bauchfreien T-shirts, Miniröckchen, Plateausohlen und klimpernden Kettchen auf die Schlampen-Modenschau geschickt werden, die wissen ja gar nicht, was dieser Outfit betonen soll. Ich bin immer wieder verblüfft, mit welcher Leichtigkeit Mütter ihre Töchter in Outfits stecken, die den kleinen Körper als Ware präsentieren. Wie sie diese unsäglichen Bratz-Puppen kaufen - verglichen mit ihnen ist die altmodisch-brave Barbie geradezu ein positives Rollenvorbild. (Da habe ich mal eine Unterrichtsreihe zu gemacht - Entwicklung der Puppe von der Modepuppe über die Baby- und Krusepuppe und Barbie bis Bratz).
Es ist nicht gut, es kann nicht gut sein für die Mädchen, wenn wir sie auf körperliche Verfügbarkeit und Attraktivität dressieren. Das sind nicht die Eigenschaften, mit denen eine Frau später selbstbestimmt und glücklich leben kann. Daß Models zu Rollenvorbildern werden, ist auch so ein Auswuchs. Können wir den Mädchen denn noch immer keine realistischen, vom Aussehen unabhängigen Zukunftspläne bieten? Statt dem einen Prinzen, der sie bewundert, ein Millionenpublikum, das sie bewundert? Und wenn das Bewundernswerte abblättert, was dann? Und was ist mit all denen, deren bewundernswerte Eigenschaften nicht außen, sondern anderswo liegen? Und auch die Hübschen - sind die denn nur hübsch? Reicht wirklich eine Eigenschaft? Und ist der Frecha-Look dazu angetan, das Hübschsein zu unterstreichen - konterkarikiert er es nicht?
(Zum Wort Frecha ein paar Zitate:
…the female counterpart to the arse–the loud, gum-chewing, short skirt-wearing “frecha”…
…Frecha, Frechot, - Tart. The typical dizzy girl wearing too much make up and short skirt….
Klar?)
Die Frecha (und Bratz-Puppen sind klassische Beispiele für international gültige Frecha-Variationen) ist in meinen Augen kein gültiges Rollenvorbild für Mädchen. Darum kaufen wir weder Klamotten noch Spielsachen oder Accessoires, die mit dieser Art Bilder geschmückt sind. Gott sei Dank, beide Mädchen interessieren sich auch nicht dafür. Ich bin traurig, daß meine alten Puppen unbeachtet rumliegen, erleichtert, daß die paar geschenkten Barbies verstauben, und nie hat jemand nach einer Bratz-Puppe gefragt. Im Gegenteil, meine Quarta kam am ersten Schultag ganz entsetzt wieder und meinte, “Mama, da waren ganz viele Mädchen mit Bratz-Schulranzen! die sind ja so häßlich!” Ich stand also persönlich nicht vor dem Dilemma, wie mit einem Mädchen umgehen, daß auf diesen ganzen Zauber reinfällt und meint, Mädchen müssen so sein. Keine Ahnung, was man dann macht. Den Kindern das ausreden, so daß sie es als Verbotenes desto toller finden?
Je mehr ich über diese Themen lese, desto trauriger werde ich. Denn einerseits ist die Welt für Frauen ja wirklich viel offener geworden, Frauen haben Wahlfreiheit und selbst wenn es noch Leute geben sollte, die an die alten Geschichten mit dem geringeren Gehirngewicht etc glauben, haben Frauen im Alltag das längst wiederlegt. Die Sprüche aus dem 19. Jahrhundert, “ja sollen Frauen denn etwa auch Richter oder Arzt werden???” sind wirklich nicht mehr überzeugend. Wir haben das, wovon meine Oma nur träumen konnte - so gern wäre sie Krankenschwester geworden, und sie wäre eine wunderbare Krankenschwester geworden! Doch sie mußte schon früh von der Schule abgehen. Ihre Brüder konnten wenigstens einen Beruf erlernen, für sie gab es das nicht. Ihre Töchter konnten schon Abitur machen und studieren, von uns Enkelinnen ganz zu schweigen. Das gilt für die gesamte westliche Welt, ob Israel oder Deutschland.
Aber wofür benutzen wir, als Generation von Eltern, die neugewonnenen Optionen für Frauen, ihr Leben zu gestalten? Indem wir unsere Mädchen so dressieren und aufmachen, als stünde ihnen nur eine Karriere als Haremsdame offen. Ist das nicht traurig? Ich empfehle den Artikel, der mein subjektives Gefühl mit Fakten untermauert: über die Auswirkungen der Se*xualisierung kleiner Mädchen. Erschreckende Lektüre, aber ich halte die Frage, wie können wir diese Tendenz stoppen, für hundertmal drängender als die müde alte Diskussion um Krippenplätze oder nicht.


