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Einen Blick werfen Februar 22, 2007, 21:09

Posted by Lila in Land und Leute.
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nach Sderot, in diese kleine und besondere Welt, die unter Bedrohung lebt und doch versucht, das Beste draus zu machen. Für mich hier im Norden und ohne unmittelbare Bedrohung ist das auch schon weit weg – wenn ich auch das Milieu sehr gut kenne. Das Sapir College ist in ganz Israel hochgeschätzt. Mir gefallen natürlich besonders die Schilderungen des Zusammenlebens, auch der Gelassenheit der Israelis. Das kenne ich sehr gut.

Und die Bedrohung – ja, die wird vergessen. Dabei läuft der Qassam-Ticker ständig. Aber eben nur in Sderot, in den Medien nicht. Vergessene Zivilisten in Israels Süden, bis das Unglück kommt – chalila.

Radio hören Februar 22, 2007, 18:28

Posted by Lila in Bloggen.
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Vor ein paar Wochen bin ich auf verschlungenen, doch eindeutig blogroll-belegbaren Wegen in die Klauen des BBC geraten. Leichtsinnigerweise habe ich mich bereiterklärt, ein paar Sätze zu sagen, obwohl ich doch gar nicht radiophon bin und mein Englisch auch eher rumpelt, weil ich es nur schriftlich benutze. Außerdem, auch wenn das jetzt unglaubwürdig klingt!, bin ich eigentlich mehr ein Konsens- als Konflikt-Mensch. Mich in einer Diskussion im Radio mit Leuten aus aller Welt in gepflegtem Englisch zu balgen, ist eigentlich nicht meine Vorstellung von einem schönen Feierabend. Ich habe also mein Sätzchen ausgestoßen, durchgeatmet und mich schnell aus dem Luftraum gestohlen. Have your say. Ach, lieber nicht.

Seitdem ruft BBC regelmäßig an, normalerweise zu Themen, die mit Nahost zu tun haben. Ich habe sie sofort weiterverwiesen, an einen jungen, disputationsfreudigen Kollegen, der wie ein fröhlicher Stier auf jedes kontroverse Thema zugaloppiert, schnaubend und hufschlagend. Mein erster Instinkt dagegen ist immer, „in Deckung“. (Der Kollege erstarb übrigens in Ehrfurcht vor mir, als ich ihn um Erlaubnis bat, seine Telefonnummer an die BBC weiterzugeben – er dachte bestimmt, ich bin eine ganz wichtige Frau!)

Na, heute abend machen sie ein Programm übers Bloggen, naja, wo zum Schluß auch ein bißchen übers Bloggen gesprochen wird. Im Anschluß an die Geschichte des ägyptischen Bloggers, der zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Ob die Menschheit glaubt, daß Bloggen die Menschheit und die Welt verändern kann. Der junge Mann, der mich fragte, ob mir dazu was einfällt, wußte ja nicht, was für ein Wespennest er angestochen hat. Seufz. Ich habe mich bereiterklärt teilzunehmen, diesmal aber unter Blognamen. Als Bloggerin fühle ich mich nämlich halbwegs kompetent. So gesehen bin ich froh, daß es auf Englisch ist und mir keine neuen Leser einbringen wird, die mir schnell und laut erklären wollen, daß ich in einem Apartheidsstaat lebe und eigentlich Massenmörderin bin.

Aber was glaube ich denn nun eigentlich wirklich? Hab ich eine Meinung? Kann Bloggen die Welt verändern? Ach, ich glaube, nichts kann unsere Welt verändern, leider, wir sind wie wir sind und verstehen uns selbst kaum, geschweige denn andere. Aber wenn ich daran denke, wie im Libanonkrieg trotz allem ein Funke menschlichen Gefühls zwischen Unbekannten aufleuchtete, wenn sie gegenseitig ihre Blogs lasen – das warn kleine Funken, doch sie waren warm und gaben auch Licht.

Wenn man die Möglichkeit hat, Medienberichte durch Augenzeugenberichte zu ergänzen, zu korrigieren, zu bereichern – und das zu jedem Thema – dann ändert das schon etwas in der Weltsicht des Bloglesers. Ich lese Zeitungen heute anders, ich suche mir Originalquellen, ich entwickle eine kleine Antenne dafür, wer subjektiv-ehrlich und wer unehrlich ist. (Fehlgehen kann man immer).

Der komische Effekt am Bloggen ist ja, daß man das Gefühl hat, man „kennt“ die Blogger. Mir ging es ja so, als ich im Fernsehen nach dem Anschlag in Tel Aviv Lisas Gesicht sah und sofort rausplatzte, „die kenne ich aber!“ Persönlich kenn ich sie nicht, aber ich kenne ihre Gedanken zu Themen, über die sie vielleicht mit ihren Nachbarn nicht spricht. Deswegen ging es mir bisher vielleicht immer so, daß Treffen mit anderen Bloggern „im wahren Leben“ ausnahmslos glatt und herzlich gerieten. Ich habe inzwischen schon eine ganz stattliche Anzahl Blogroll-Bewohner in natura gesehen und mich mit jedem von ihnen wohlgefühlt. Vielleicht habe ich einfach eine nette Blogroll?

Also, Bloglesen führt zu der Illusion, daß man den anderen kennt. Und wenn man dann einen Blogger „von der anderen Seite“ Dinge aussprechen hört, die die eigene Seite zurechtrücken, dann ist das ein kleiner Effekt. Und wenn man dann sagt, „na ja, Privatmenschen sehen eben mal gerade bis vor ihre eigene Haustür“, dann gilt das auch für einen selbst. Und manchmal sagt mir der ehrliche Blick durch das private Türchen mehr als ein generalisierter, aus der Ferne zusammengebrauter „allgemeingültiger“ aus hundert unscharfen Kameras.

Aber andererseits: wie viele Blogger und Blogleser gibt es schon, die sich diese Sicht der Dinge gönnen? Nicht sehr viele. Wer außerhalb dieser vielbeschworenen Blogosphäre sein ahnungsloses Unwesen treibt, ja wer nur Blogs liest, nicht aber selbst in dieses seltsame Netz gerät, dem ist das Wort „Wie aus Bloggerkreisen verlautet…“ gänzlich egal.
Aber vergessen wir auch nicht, daß es jede Menge Blogs gibt, in denen es um Hausaufgaben, Partnersuche, Diät oder bunte Wollknäuel geht und nicht um Politik – und die darum nicht weniger interessant sind. Nein, der wahre politische Einfluß eines Blogs ist gering.

Die euphemistischen Worte, die die Deutsche Welle in ihrem Blurb über mich benutzte (Letters from Rungholt meticulously scans the media in the US, Germany and Israel (amongst others) for inconsistencies and errors, and has had a considerable influence on Germany’s perception of the Israel-Hezbollah war with her insiders perspective), haben mich beim Lesen zum Lachen gereizt. Considerable influence? Hab ich eigentlich nur auf die eigene Seelenruhe. Wie viele Leute lesen mit? Wie viele dieser Leser überfliegen nur und denken, „hm, hab ich keine Zeit für“ oder „die ist aber ganz schön einseitig“ oder „bestimmt vom Mossad finanziert“? Und andere sagen, „sie klingt ja ganz nett, wenn sie nur nicht so viel über Israel schriebe, das interessiert mich nicht, wo ist denn mal ein Stück über ihren bezaubernden Mann/Kater/ehemaligen Chef?“ Wie viele Leser klicken sofort weg, ärgern sich still, ärgern sich laut? Wie viele wiederum, die mit mir übereinstimmen, waren eh schon vorher meiner Meinung?

Und ich spreche nicht nur von meinem kleinen Rungholt. Auch größere, einflußreichere Blogs können höchstens eine kleine Einsicht, einen kleinen Anstoß zur Bescheidenheit geben, aber kein Weltbild umstürzen und keine Massen auf die Barrikaden rufen. Kleine Aktionen, ja. Solidarität oder Protest bekunden, das geht. Eine neue Mode verbreiten, eine verrückte Diät, ein peinliches Video – ja. Aber was bleibt davon? Nach einer Woche kommt eine neue Diät, ein neuer Trick.

Ich glaube, am stärksten wirkt vielleicht das Gefühl, „ich kann, wenn ich will, meine Fassung hinschreiben, und vielleicht liest die ja jemand“. Ein Schiffbrüchiger mit Flaschenpost ist vielleicht froher als einer ohne.

Egal wie brisant der Inhalt der Flaschenpost auch sein mag – mit den vier Jahren Haft für den ägyptischen Blogger blamiert sich das Land nur selbst. Für die blogosphärische Aufmerksamkeit allerdings zahlt dieser eine Blogger einen hohen Preis.

Da fällt mir ein lieber Leser ein, der mich mal in den höchsten Tönen dafür lobte, daß ich hier an meiner Regierung rumkrittele. Der hat wohl ein bißchen was verwechselt. Also bei uns sind noch keine Gefängnisse voll mit Bloggern, die verzweifelt an den Gittern rütteln und rufen, „Olmert, ich habs nicht so gemeint! Die Frisur war SCHÖN!!!“ Oh ja, die war schön.

Und noch ein guter Vorsatz Februar 22, 2007, 8:34

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Es stimmt, ich spreche zu viel Hebräisch mit den Kindern. Ich muß muß muß mehr Deutsch mit ihnen sprechen. Quarta ist die einzige, die mir auch auf deutsch antwortet, selten auch mal Primus, aber Secundus und Tertia praktisch nie. Weil die Familiengespräche automatisch auf Hebräisch ablaufen, auch Y.s wegen, fällt mir im Moment der Übergang ins Deutsche unheimlich schwer. Früher, mit Vorlesen und Singen und Malefizspielen, war es einfacher. Aber jetzt, wo die Kinder alle selbst lesen (Quarta hat einen ganzen Stapel Bücher zum Geburtstag bekommen, ein schönes Lesezeichen und eine Leselampe am Bett hat sie sowieso), wo die Großen oft unterwegs sind (Tennis, Gitarre, Klaiver – ganz bürgerlich…und Arbeit im Schafstall und in der Jugendbewegung, weniger bürgerlich)… da lasse ich mich zu leicht vom hebräischen Strom mitreißen.

Ich nehme mir das jetzt ganz ganz fest vor! Sonst verlern ich das Deutsche selbst noch ganz. Schreiben geht ja noch, aber beim Sprechen komm ich schon ins Schwimmen.  Was auch daran liegen mag, daß ich viel englisch schreibe und lese, auch gar nicht selten spreche. Das ist eine ganz schwierige Sache mit der Zweisprachigkeit im Haus, das stellt man sich kaum vor.  Und im Gegensatz zu vielen anderen elterlichen Pflichten und Vergnügen wird es im Laufe der Zeit nicht leichter und selbstverständlicher, sondern schwieriger und anspruchsvoller. Also, wir sprechen ab sofort nur noch des Deutschen.