Ertrinke in Arbeit, Februar 20, 2007, 0:00
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griesgrämig deswegen – es ist schon mehr, als man beschwingt und im Vollgefühl von Kraft geschafft kriegt, sondern überfordert mich schlicht Egal, es wird auch wieder weniger. Nach einer kurzen Nacht (Kuchen, Geschenke einpacken, Geburtstagstisch für Quarta bat 8….), frühem Aufstehen mit Singen, Kerzenauspusten und Juhu-danke-Mama-Aba-Rufen, hektisch-hektischer Arbeit, chaotischem Nachhauseweg und Ärger über den vergeudeten Tag… sitze ich nun und übersetze noch für morgen. Ich habe ja den Auftrag übernommen, dem Abkömmling einer jeckischen Dynastie beim Entziffern seiner Familiengeschichte in Form von Briefen, Schutzbriefen, Tagebüchern und Notizzetteln zu helfen. Da ich diesen Mann und seine verstorbene Mutter über alles schätze, hänge ich die Übersetzungsarbeit an die Tagesarbeit einfach dran.
Und dann, in all dem Streß, halte ich ein ganzes Bündel Liebesbriefe in der Hand, vom Vater des Auftraggebers an die bezaubernde Mutter geschrieben, als sie gerade jung verheiratet waren. Vor Verfolgung, Enteignung, Auswanderung, Krieg und Sorgen. Er schrieb von einem Kurort aus, auf Hotel-Briefpapier. Anfang der 30er Jahre. Dank Google weiß ich nun, daß es das Hotel noch gibt, und ich erkenne die begeisterten Beschreibungen der Umgebung wieder. Auf morschem Briefpapier bewahrt – und wieder habe ich diese Illusion, daß der Ort vielleicht noch den Menschen bewahrt, eine Spur von ihm. Sein Zimmer, welche Aussicht hatte er?
Ein Kollege fragte mich heute früh, ob ich die Zukunft nicht spannend finde. Hm, na ja, es geht. Aber die Vergangenheit! Die finde ich spannend! Meine Murmeln kullern nun mal alle in dieselbe Richtung – in die Vergangenheit. Eine Wiederentdeckung wie dieses Hotel gibt mir Schwung für noch ein paar Stunden Arbeit.


