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Ein Abschied Februar 15, 2007, 18:44

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Morgen beerdigen wir die letzte Großmutter, die uns noch geblieben war. Als wir uns kennenlernten, hatten wir vier Großmütter, vier Witwen. Jeder von ihnen verdanken wir viel: Gene, Liebe, Erinnerungen, Vorbild, eine ganze Welt. Jetzt ist mit Y.s Großmutter von Mutters Seite eine unermüdlich fleißige Frau gestorben, die ihre leidvollen Erinnerungen unter festem Verschluß hielt und bis zuletzt Kinder, hübsche Dinge und lächelnde Menschen mochte. Die letzte Urgroßmutter unserer Kinder, nach denen sie noch aus dem Rollstuhl die Hände ausstreckte, und mit denen sie polnisch sprechen wollte, als das Hebräische sie verließ.

Was für ein schweres Leben. Heute wäre sie 90 Jahre alt geworden. Armut, Verfolgung, Verlust des Mannes und der ganzen Familie, Flucht, Einwanderung, Neaufbau, schwere Verletzung eines seither behinderten Sohns im Yom-Kippur-Krieg, Sorge um die Kinder, und immer Arbeit, Arbeit, Arbeit. Der kleine Hof in Kiriat Ekron, den wir letzten Winter mit den Kindern gesehen haben, war für Y. ein Kindheitsparadies, mit Pferdewagen und Hühnerfutter-verteilen – aber für die Großeltern endlose, harte Arbeit. Der Großvater übrigens, der zweite Mann der Großmutter, hatte in einem Todeslager seine erste Frau und drei Kinder verloren – Verluste, für die es keine Worte gab, über die nie gesprochen wurde. Er muß ein sehr stiller, frommer und gütiger Mann gewesen sein.

Ein Sochnut-Haus, wie es die Jewish Agency bitterarmen Einwanderern zur Verfügung stellte, die nach dem Holocaust aus Europa nach Israel kamen

Nach dem Tod ihres Mannes verließ Y.s Großmutter den kleinen Hof und zog mit ihrem jüngsten, kranken Sohn zusammen. In den letzten Jahren hat ihre älteste Tochter, meine Schwiegermutter, sie in den Kibbuz geholt und ihr alles Schwere abgenommen – was die Mutter vorher nie zugelassen hätte. Die letzten drei Jahre waren vielleicht die einzigen, in denen sie es leicht hatte, in denen sie verwöhnt wurde. Wenn ihre vier Kinder bei ihr waren, sangen sie zusammen jiddische Lieder, obwohl sie kein Jiddisch sprechen. Aber sie hatten die Lieder in der Kindheit von der Mutter gehört. Wir werden sie im Kibbuz beerdigen, wo sie so gern war.

Ich habe in meinem alten Blog mal über sie gesprochen – wie sie, als sie langsam verwirrt wurde, geistig wieder in das Haus aus Stein in Polen zurückkehrte, wo ihre Eltern und Geschwister für sie noch lebendig waren. Bis auf eine kleine Schwester, die von polnischen Bauern versteckt wurde, ist die ganze große Familie, das ganze Dorf, im Warschauer Ghetto und in den Lagern ermordet worden. Die Schwestern haben sich erst nach Jahrzehnten in Israel wiedergefunden – jede hatte gedacht, sie sei als Einzige übriggeblieben. Es wird ein schwerer, bitterer Abschied werden für die kleine Schwester. Nun ist niemand mehr übrig, der sich an die Welt ihrer Kindheit noch erinnern konnte.