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Aus dem Kuriositätenkabinett… Februar 13, 2007, 14:09

Posted by Lila in Land und Leute.
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das sich Wirklichkeit nennt.

In Kanada findet nächste Woche ein besonders cooler akademischer Event statt, wer noch nichts vorhat…? Es ist die Israel Apartheid Week, eine Art Verdammungs-Festival. Verschiedene Universitäten (Oxford, New York) mit umtriebiger Studentenschaft und Fakultät genießen das Privileg, eine Woche lang Israels Charakter als kolonialistischer, aggressiver, expansiver, rassistischer und wirklich weltbedrohlicher Staat dargestellt, analysiert und scharf verurteilt zu sehen. Endlich!

Nachdem doch der Rest der Welt aus Angst vor den zionistischen Strippenziehener schüchtern den Mund hält, die Medien alle Schuld am Konflikt einseitig den Palästinensern zuschieben, eine UN-Resolution nach der anderen auf die armen Araber niederregnet, die sich ja schließlich nur wehren!, und nachdem Israels drohendes Winken mit der Atombombe der ganzen Welt Albträume bereitet. Wo wird dieses waffenstarrende, krakengleiche Imperium, das sich einen Großteil des Nahens Ostens schon einverleibt hat, haltmachen? Und alles nur, weil sie die Pottasche aus dem Toten Meer haben! Damit halten die Israelis die Welt an der Leine. Denn wer die Pottasche hat, der sitzt am längeren Hebel. Israel braucht nur zu drohen, die Pottasche-Preise in die Höhe zu treiben - und die Welt kuscht. Sonst würde die westliche Welt ja zusammenbrechen. Kein Blut für Pottasche!

Kurz, diese Zusammenhänge sind so himmelschreiend, daß eine Israel-Apartheid-Week dringend notwendig ist. Die nächste findet wie gesagt in Montreal statt. Ehrengast? Der israelische Knesset-Abgeordnete Jamal Zakhalka von der Balad-Partei wird dort Reden schwingen und Israels ganze Bosheit anprangern. Wie er es in einem brutalen Apartheids-Staat bis zur Parlamentsmitgliedschaft und dem Doktorgrad in Pharmazie geschafft hat, und warum ich ihn noch nie in der Knesset habe hören können und er sich auch sonst nicht durch großes Engagement hervorgetan hat - das wird sein süßes Geheimnis bleiben. Und ich will doch sehr hoffen, daß kein blinder, verhetzter, haßerfüllter Student es wagen wird, ihn danach zu fragen.

Denn wer stört sich an der Wirklichkeit, wenn das Kuriositätenkabinett so schön ist?

Kommentare»

1. mischpoke - Februar 13, 2007, 15:33

Das wäre glatt hier in Schweden auch möglich.
P.S. Kuriositätenkabinett hatten wir gerade in Museumskunde - Einführung in die Museologie :)

2. willow - Februar 13, 2007, 16:36

Ja, solche Boycottaufrufe kommen immer wieder, ob es nun die Universitäten sind oder schwedische Minister…

Gerne findet man dann geniali Geistesblitze wie

“Sue Blackwell, an English lecturer from Birmingham University, said: “Most Israeli academics serve in the army’s reserve forces.

“Most support the state’s suppression of the Palestinians or at least don’t speak out against it.”

Delegates voted for more dialogue with Palestinian academics and unions. “

3. beer7 - Februar 15, 2007, 1:23

Pottasche haben die Jordanier uebrigens auch, denn auch sie sind Anrainer des Toten Meers und verfuegen ueber Verdunstungsbecken etwa von halber Groesser von denjenigen der Dead Sea Works. Und bei der Technologie haben ihnen die Israelis kraeftig unter die Arme gegriffen. Einen offiziellen Grenzuebergang gibt es beim Toten Meer zwar nicht, aber ich weiss, dass sich Vertreter der beiden Firmen regelmaessig treffen, ohne dass sie ueber Akaba oder die Kennedybruecke fahren…

Nachdem ich lange Jahre fuer die Tochterfirma Dead Sea Magnesium gearbeitet habe, weiss ich, wie sehr auch die DSW von den Weltmarktpreisen fuer Pottasche abhaengt.