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Perpetuum mobile, oder: Vorsicht, bissige Autorin! Februar 10, 2007, 11:06

Posted by Lila in Land und Leute.
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Man kann sich ärgern, auch wenn man es nicht sollte. Der Karikaturenstreit. Die Papstrede. Eine Fußgängerbrücke an der Klagemauer. Egal wie lächerlich der Anlaß, egal wie harmlos, egal ob wirklich Gefahr für die Al Aqsa-Moschee besteht oder nicht - sie spritzen Gift und Galle, sie demonstrieren, werfen Steine, lassen keine Erklärung zu, greifen zu Gewalt, marschieren hinter ihren Anführern her, schreien Haßparolen. Ich weiß, ich weiß, ich sollte nicht sie sagen, es ist häßlich, unaufgeklärt, zeugt von Vorurteilen und jeder einzelne der aufgebrachten Masse mag ein ehrenwerter, einsichtiger Mensch sein, wenn er von der Masse entfernt ist. Aber sie wirken und handeln wie eine uneinsichtige, irrationale, gewaltbereite Masse.


Unmittelbare Bedrohung?

Bei der Errichtung einer Brücke statt einer vor ein paar Jahren eingestürzten Fußgängerrampe wird also vorher gegraben, um sicherzugehen, daß keine archäologischen Funde dabei kaputtgemacht werden. Was ist daran skandalös? Wenn in Rom oder Athen Erdarbeiten vorgenommen werden, ist es selbstverständlich, vorher eventuelle archäologische Funde zu sichern. Ja selbst in meinem Heimatstädtchen Jülich, einst das römische Juliacum, wurde bei den Bauarbeiten zum smarten neuen Einkaufszentrum darauf geachtet, keine Zeugen der Vergangenheit zu beschädigen. Wieso sollte es in der uralten Stadt Jerusalem anders sein?

Ich weiß, unter Israel-”Kritikern” hat sich die Ansicht durchgesetzt, die Juden seien erst nach 1948 ins Heilige Land geströmt, das vorher Jahrtausende hindurch fest in arabischer Hand war - aber das kommt nun mal davon, wenn in den Schulen zu wenig Wert auf historisches Denken gelegt wird und niemand weiß, wer der König Salomon war und wann er gelebt hat, und wann Mohammed, und wo die beiden jeweils gelebt haben. Von Jesus, dem Juden, ganz zu schweigen - ich denke oft gern, daß er vielleicht auf einem Stein in unserem Garten gesessen hat. Wer in Israel buddelt, der findet vielerlei, und es zieht den “Kritikern” vielleicht allzusehr den Boden unter den Füßen weg, wenn hier Münzen aus der Erde geholt werden, die in derselben Schrift beschrieben sind wie die Humus-Dose in meinem Kühlschrank. Deswegen ignorieren sie es entweder, sie streiten es ab oder erklären es für unwichtig.

Warum also sollten die Juden nicht ihre Altertümer hüten so wie die Jülicher, Römer und Athener ihre? (Und ich mache hier gar nicht erst die Rechnung auf, wie viele religiöse Heiligtümer anderer Religionen von radikalen Moslems zerschlagen worden sind… denn das wäre immer noch keine Rechtfertigung, es ihnen tit for tat heimzuzahlen!) Da die Moslems dieser Welt aber den Israel-”Kritikern” ideologisches Futter für ihre Lüge von den Juden-ohne-Verbindung-zum-Land-Israel liefern, ist die Wahrheit ihnen unangenehm, und sie versuchen, diese archäologische Vorsorge und Sicherung so weit wie möglich zu behindern. Auch der lächerlichste Vorwand ist ihnen recht.

Was kümmert es sie, daß diese Fußgängerrampe weit von der Al Aqsa-Moschee entfernt ist? Was kümmert es sie, daß von ihrem angeblich befürchteten Einsturz zuallererst die Klagemauer betroffen wäre, als Überrest des Tempels allen Juden der Welt heilig? Was kümmert es sie, daß die Israelis erklären, zeigen, filmen, und wieder erklären?

Es interessiert sie so wie sie die Motive der Redakteure der Jyllands-Posten interessiert haben, wie der Wortlaut der Papstrede sie interessiert hat und wie sie die Tatsache interessiert, daß Juden aus Rücksicht auf moslemische Gefühle den Juden Zutritt zu ihrem eigenen Tempelberg verwehren! Es kümmert sie kein bißchen. Auf der ganzen Welt sind die Schreihälse wieder unterwegs, “Mit Geist und Blut erlösen wir dich, Al Aqsa!” Erlösen wovon? Der Waqf verwaltet Al Aqsa und nutzt seine Autonomie dazu, selbst zu buddeln wie die Weltmeister - und damit eventuell die Klagemauer zum Einsturz zu bringen. Außerdem läßt der Waqf jüdische Altertümer verschwinden, um seine Behauptung, daß Jerusalem nie jüdisch war, zu untermauern. Das ist aber okay, oder?

Wer jetzt automatisch wieder in den böses-böses-Israel-Reflex verfällt, wer bei Bildern von steinewerfenden Palästinensern sofort fühlt, daß sie sich zu Recht gegen Unterdrückung wehren - der soll sich mal einen Moment lang ehrlich fragen: wie habe ich reagiert, als es gegen den Papst ging? was habe ich gedacht, als es wegen dieser Karikaturen losging? Kann es nicht diesmal doch sein, daß die Israelis sich normal und angemessen verhalten, die Führung der Palästinenser dagegen und der Moslems überhaupt in zynischer Weise ein Feuer schürt, das sie gar nicht erst hätten entzünden müssen?

Denn wenn jemand Al Aqsa schreit, ist sofort der Mob zur Stelle, bereit, Steine zu schmeißen und zu drohen. “Wir werden Al Aqsa mit unseren Körpern gegen die Zerstörung durch die Juden verteidigen!” schrillt eine ältere Dame in die Kameras. Es ist hoffnungslos, ihr erklären zu wollen, daß Al Aqsa nicht bedroht ist. Auch Abu Mazen, Mubarak und der König von Jordanien hetzen mit - sie können es sich einfach nicht leisten, ein Wort der Mäßigung oder der Vernunft einzuwerfen.

Die Ausschreitungen werden weitergehen, sich ausbreiten, Todesopfer fordern. Und wofür? Für nichts und wieder nichts, wie bei Sharons Besuch des Tempelbergs. Aber in der nächsten Runde werden sie dann wiederum als Rechtfertigung herhalten. So bleibt das Perpetuum mobile moslemischen Zorns in Gang. Man könnte sich ärgern, sollte es aber nicht, schreibt es sich vom Herzen und hofft, daß irgendwann mal die Einsicht siegt. Hoffentlich bald.

Andere Meinungen zum Thema:

BBC news

FAZ Ausland

FR Online Politik

N-TV (Ulrich Sahm aus Jerusalem)

NZZ Online

Tagesspiegel

Guardian

Yeduda Litani in Ynet

Fox


Und Blogs:

Pajamas Media

Photoserie hier (Snapped Shot)

Meryl Yourish (mehrfach)

Jihad Watch

Kommentare»

1. willow - Februar 10, 2007, 12:11

Ein Teil “unserer” westlichen Berichterstatter war auch ganz froh, dass sich die Palästinenser geeinigt haben, nun jetzt wieder allein Israel anzugreifen. Die Erleichterung war in einigen Berichten deutlich zu hören.

Und wenn man der “Gegenseite” glaubt, dann ist der Berg ja sowieso nur wegen Abraham heilig - und weil Mohamad davon geträumt hat. Einen jüdischen Tempel hat es dort nie gegeben - sagt jedenfalls der Mufti von Jerusalem, und der muß es ja wissen…

PS: handelt es sich um den Aufgang auf diesem Bild ganz rechts!?

http://www.scs.stanford.edu/mfreed/picts/Israel/Jerusalem-Kotel.jpg

und da soll von Bauarbeiten eine Gefahr ausgehen? Die spinnen…

2. niels | zeineku.de - Februar 10, 2007, 13:18

“Ein Teil “unserer” westlichen Berichterstatter war auch ganz froh, dass sich die Palästinenser geeinigt haben, nun jetzt wieder allein Israel anzugreifen. Die Erleichterung war in einigen Berichten deutlich zu hören.”

Nun, das könnte auch schlicht die Erleichterung darüber gewesen sein, daß in näherer Zukunft wenigstens die Chance besteht, auf palästinensicher Seite wieder so etwas wie einen Ansprechpartner für Gespräche zu haben, oder?

3. Lila - Februar 10, 2007, 13:21

Woher nimmst Du den Optimismus? Die Einigung von Fatah und Hamas ist ein Mittel, um den Boykott zu beenden, nichts weiter.

Siehst Du irgendwelche Anzeichen für Bereitschaft der Palästinenser, in Gespräche mit konkreten Inhalten einzusteigen? Ich sehe leider keine, aber vielleicht habe ich ja was übersehen?

4. niels | zeineku.de - Februar 10, 2007, 14:17

“Siehst Du irgendwelche Anzeichen für Bereitschaft der Palästinenser, in Gespräche mit konkreten Inhalten einzusteigen?”

Nein. Ich wollte nur darauf hinweisen, daß es notwendige, wenngleich nicht hinreichende Bedingung für fruchtbare Gespräche ist, daß überhaupt ein Gesprächspartner da ist.

5. Sheygetz - Februar 10, 2007, 14:29

In diesen Kontext - Hass und Gewalt und ihre Gründe - passt der Hinweis auf einen Artikel von Alfred Grosser, den ich gerade las, und der im Perlentaucher (http://www.perlentaucher.de/magazinrundschau/2007-02-06.html)
so verlinkt ist:
“In einem aufsehenerregenden und scharfen Artikel kritisiert Alfred Grosser nach langer Vorrede über den mangelnden Mut westlicher Öfentlichkeiten den Staat Israel: “Die Lage in Gaza ist so dramatisch, weil Israel jeden Handel unterbindet, die Fischerei und die Flughafenbenutzung verbietet, die Grenzen immer undurch-dringlicher macht…” Und Grosser schließt sich einem Leitartikel von Ha’aretz an: “‘Die Gewalt ist das Problem. Nicht die Lösung.’ Die Gewalt, die immer mehr nichtjüdische israelische Bürger, immer mehr Palästinenser und so viele Libanesen in die Arme des Terrorismus wirft…”
Der Artikel ist online hier http://www.internationalepolitik.de/archiv/jahrgang2007/februar2007/warum-ich-israel-kritisiere.html
zu lesen.

6. willow - Februar 10, 2007, 14:56

Ja klar, auch wenn sich im Gaza die Terrorgruppen gegenseitig bekriegen ist natürlich der Jude Schuld… das gipfelt dann in Schlagzeilen wie die des Spiegel

“Israel droht mit Selbstverteidigung”

Und die einzigen “guten Israeli” sind Leute wie Uri Avnery …

7. sven - Februar 10, 2007, 15:02

Lila,

“Da die Moslems dieser Welt aber den Israel-”Kritikern” ideologisches Futter für ihre Lüge von den Juden-ohne-Verbindung-zum-Land-Israel liefern, ist die Wahrheit ihnen unangenehm, und sie versuchen, diese archäologische Vorsorge und Sicherung so weit wie möglich zu behindern. Auch der lächerlichste Vorwand ist ihnen recht.”

Das halte ich tatsächlich für eine falsche Verallgemeinerung. Ich denke nicht, dass “die Moslems dieser Welt” das behindern, ideologisches Futter für Lügen liefern etc.

Dein Urteil über gewalttätige Massen ist sicher richtig, und das Problem mit dem “sie” besteht mE eher nicht darin, dem einzelnen in der Masse damit womöglich Unrecht zu tun.

MfG Sven

8. Lila - Februar 10, 2007, 15:08

Niels: wir sind da, allerdings deutlich griesgrämiger und mißtrauischer als zu Oslo-Zeiten. Mal sehen, wann sich ein zuverlässiger Partner auf der anderen Seite zeigt. Sollten die Saudis dazu imstande sein, die Palästinenser zu Pragmatismus und Zuverlässigkeit zu coaxen oder zu coachen, soll es mir sehr recht sein.

Sheygetz: natürlich hat sie die Lage der Palästinenser in den letzten Jahren brutal verschlechtert. Die Frage ist nur, ob es nicht eher die Intifada war, die dazu geführt hat, daß Israel zu diesen Maßnahmen greifen mußte, um die Terrorwelle einzudämmen. Davor erlebte Gaza nämlich eine vielversprechende Blüte mit Hotel-Neubauten, Rückkehr von Emigranten und einer gewissen Euphorie. Wenn man sich den Oslo-Prozeß ansieht: es war nicht zwangsläufig nötig, die Intifada wieder anzfangen. Es wurde für zweckmäßig gehalten. Viel Spielraum hatte Israel da nicht.

Daß wir natürlich immer wieder überprüfen müssen, ob eine restriktive Maßnahme wirklich nötig ist, ob es nicht eine Möglichkeit gibt, Terror fernzuhalten, ohne die Grenzen zu schließen -das ist selbstverständlich. Bestimmt tun wir da nicht immer das Maximum - auch unsere Regierung ist erstmal den eigenen Bürgern verpflichtet, nicht den Palästinensern, und alle Interessen im Auge zu halten, ist gar nicht so einfach.

Ich erinnere an die vielen, vielen Anschläge an den Grenzübergängen. Was hättest Du getan? Ich weiß es nicht. Für sich selbst kann man Risiko eingehen - aber wenn man die Verantwortung für eine Bevölkerung trägt, die sich nicht wehren kann?

Ich glaube einfach nicht, daß ohne Intifada die Israelis nie zu einer friedlichen Regelung gefunden hätten. Ich glaube, daß wir ohne Intifada, Terror und Gewalt heute mit den Palästinensern so weit wären wie mit den Jordaniern.

Hypothesen, ich weiß. Zugeständnisse an Terror gebären normalerweise aber neuen Terror - und nicht Frieden.

Willow, ich glaube, diese unsterbliche Schlagzeile war beim Focus. Der Spiegel dagegen hat mal getitelt: “Sharon droht mit Truppenabzug”. Auch schön.

9. Lila - Februar 10, 2007, 15:10

Lieber Sven,

ich habe schon vorsichtig genug formuliert, absichtlich angemerkt, daß ich nichts gegen Individuen sagen will und sogar in der Titelzeile gewarnt - aber bitte, ich bin noch immer zu scharf. Korrigier mich. Nenne mir doch bitte mal einen führenden, einflußreichen Kleriker, Geistlichen oder Lehrer des Islam, der sich frisch und frank zum Existenzrecht Israels bekennt. Eine Gemeinde, eine Strömung, einen Teil der islamischen Welt.

10. sven - Februar 10, 2007, 15:22

Lila,

Was ich sage ist lediglich, dass ich nicht denke, dass “die Moslems dieser Welt” sich so verhalten, da wir keine so sichere Aussage über mehr als 1 Milliarde Menschen treffen können, von denen wir die meisten ja gar nicht kennen. Damit behaupte ich nicht, dass es so jemanden gibt, von dem Du sprichst oder dass es ihn nicht gibt.

MfG Sven

11. Lila - Februar 10, 2007, 15:30

Ach lieber Sven, guck sie Dir an. Die Unruhen wegen der Karikaturen und der Papstrede sind um die ganze Welt geschwappt. Irgendwann verwischt sich dann die Grenze zwischen unzulässiger Verallgemeinerung und wishful thinking….

Kann sein, daß ich heute zu schwarz denke. Vielleicht fehlen mir ein paar Kohlenhydrate oder Serotonin oder ein paar Stunden Schlaf. Aber vielleicht ist es auch wirklich so, daß islamischer Fundamentalismus auf dem Vormarsch ist, und daß sich mit ihm nicht diskutieren läßt, keine Kompromisse möglich sind und unsere ganzen westlichen Instrumente zur Konfliktlösung nicht greifen. Wäre doch immerhin möglich.

12. sven - Februar 10, 2007, 15:47

Lila,

“Ach lieber Sven, guck sie Dir an.”

Es ist mir unmöglich, alle Muslime anzugucken bzw. ihr Handeln zu beurteilen, da ich dafür keine Grundlage habe.

“Die Unruhen wegen der Karikaturen und der Papstrede sind um die ganze Welt geschwappt.”

In der Tat, dh. überall auf der Welt gab es Muslime, die daran teilgenommen haben.
Wobei es in Europa selbst -was Demonstrationen und Gewalt dabei anging) bemerkenswert ruhig blieb (das drastischste, was mir im Gedächtnis blieb an europäischen Demos war eine in London (ich glaube knapp 1000 Teilnehmer) wo zu Mord aufgerufen wurde). Wenn es “die Muslime der Welt” gewesen wären, die beim Karikaturenstreit ausgerastet wären, was meinst Du, ob Europa noch stehen würde? Aus meiner Sicht spielen die Medien in diversen Ländern eine entscheidende Rolle beim Aufheizen der Proteste- sie haben wenn ich es richtig verstanden habe, sehr verkürzt und aufputschend berichtet. Was selbstverständlich keine Entschuldigung ist für diejenigen, die Gewalt ausüben, Steine oder Molotow-Cocktails werfen.

“Aber vielleicht ist es auch wirklich so, daß islamischer Fundamentalismus auf dem Vormarsch ist, und daß sich mit ihm nicht diskutieren läßt, keine Kompromisse möglich sind und unsere ganzen westlichen Instrumente zur Konfliktlösung nicht greifen. Wäre doch immerhin möglich.”

Das mag sein, nur ist es in meinen Augen eine andere Frage, denn ich sehe nicht, was das daran ändert (ändern würde), dass wir mE keine so allgemeine Aussage über +1 Milliarde Menschen treffen können, von denen wir die meisten nicht kennen. Wie soll ich jemand mir Unbekanntes, dessen Handeln ich auch nicht kenne, beurteilen? Und diese Situation trifft zumindest für mich auf die Mehrzahl der Muslime zu.

MfG Sven

13. Lila - Februar 10, 2007, 16:09

Lieber Sven, Deine Sorgfalt in Ehren… aber irgendwann muß man verallgemeinern, sonst kann man zu gar keiner Einsicht mehr kommen. Wir sind nun mal keine Monaden, sondern jeder von uns gehört Gruppen an. Stimmt, es ist problematisch, und ich finde es auch dankenswert, daß Du darauf beharrst.

Aber ob ich nun sage “Leidener Feinmaler”, “Jugendliche aus Problemgebieten”, “Einwandererfamilien”, “deutsche Mütter” oder “Karnevalsjecken” - ich generalisiere immer.

Mag sein, daß der Anteil der Moslems, die an Krawallen und künstlicher Aufregung beteiligt sind, geringer ist als in den Medien erkennbar ist. Aber wo sind die, die sich energisch dagegenstellen? Sie sind unsichtbar. Das kann mehrere Gründe haben: die Passivität der schweigenden Mehrheit, Angst, innere Zustimmung mit den Krawallmachern.

Und damit geraten wir allesamt ins trübe Wasser der Hypothesen.

14. sven - Februar 10, 2007, 16:16

Lila,

“Aber wo sind die, die sich energisch dagegenstellen? Sie sind unsichtbar. Das kann mehrere Gründe haben: die Passivität der schweigenden Mehrheit, Angst, innere Zustimmung mit den Krawallmachern.”

Ja, ich frage mich das auch öfters, woran es liegt. Ich weiss es nicht.

Zu den ersten beiden Abschnitten: Sicher muss man abstrahieren, um zu Schlüssen zu kommen. Es muss vermieden werden, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen oder nicht sehen zu wollen. Aber die Bäume vor lauter Wäldern nicht zu sehen, ist auch problematisch. Ach ja, schlaue Sprüche…

MfG Sven

15. Lila - Februar 10, 2007, 16:17

…weswegen ich auch abweichende Meinungen verlinkt habe…und zwar en masse.

16. sven - Februar 10, 2007, 16:23

Was ich auch immer bewundernswert bei Deinen Eintragungen finde, eine Meinung zu haben, sie deutlich zu vertreten und “trotzdem” die anderen Meinungen zu sehen und darauf hinzuweisen.

17. Lila - Februar 10, 2007, 17:09

Und hier eine Meinung zum Thema, aus Haaretz.

Ein Gespräch mit dem Historiker Barnavi - Linker, früherer israelischer Botschafter in Frankreich:

“The very fact that people kill in the name of religion is frightening. Western society is incapable of understanding the phenomenon, of truly grasping it, let alone fighting it.”

Why is that?

“Western society is searching for rational reasons to explain a phenomenon that is basically irrational. It sees people killing in the name of God, but tries to understand the religious motivations from outside the religious system. The other reason is tolerance and openness to the other, as an ideology to be adhered to at any price. Even to the point of accepting the other’s anger. The reason for this is clear - It’s the great guilt syndrome in wake of colonialism and imperialism.”

Reading Barnavi’s book, one gets the feeling that the violent Islam of Al Qaida frightens him less than the young woman in the head-covering on the streets of European cities. “The Arab world has tried everything - liberalism, socialism, pan-Arabism - and everything failed. The secret to the West’s happiness is secularism. If I had to find a reason for the West’s leap forward, I’d say it is secularism. It is the possibility of separating the earthly from the divine and giving the human spirit full autonomy.

“The West is not Christianity; it’s the possibility of being liberated from Christianity. The secular structure is the only one that enables each individual to believe what he wants, or not to believe, without sticking a knife in his neighbor’s chest.

“In contrast, the slogan of the Muslim Brotherhood is ‘Islam is the Solution.’ This is Islamism essentially. The moment you say ‘Islam is the Solution,’ then Islam must be imposed. Since this is a universalistic religion that aspires to conquer the world, it has all the elements for Al Qaida and all the crazies. Al Qaida is just an example, only the most visible part of the story. It’s not true that I consider them less dangerous than the young woman. But between the woman’s headscarf, which is a political matter and therefore so frightening, and Al Qaida, the line is not necessarily direct, but it exists nonetheless.”

Barnavi wants to stress that he is not talking about a struggle by the Western world against Islam, but “a struggle by civilization against barbarism. I say that without allies among the Muslims, and there are many of them, we will not be able to triumph in the struggle. They themselves are frightened and don’t feel that they have allies among us. There are more and more Muslim intellectuals, in France, too, who are starting to make their voices heard.

“The problem is not with Islam, but with the way in which it is being interpreted. You can see the same thing in Judaism. What does the Judaism of [the late extremist rabbi Meir] Kahane have in common with that of [Hebrew University professor] Avi Ravitzky? The texts are the same. But each one reads what he wants in them. If you quote the prophets, you’re ‘Peace Now,’ and if you quote Joshua, you’re an annexationist. It’s that simple. People are running to the Koran to try to understand how fundamentalist Islam works, but that’s not all you’ll find there.”

So what exactly is the Europeans’ problem? That they don’t take these extremists seriously enough, or that they see American imperialism as a bigger threat to their culture?

“That’s a symptom of the disease. The moment you hate the Americans more than you hate Al Qaida, it’s impossible to defend yourself from Al Qaida. The intellectual and moral confusion between a band of fanatic murderers acting in the name of God, and the conservative and unintelligent administration of a large democracy, is dangerous.

“After the terror attack in Madrid, there were big demonstrations that threw Prime Minister Aznar out of office. The scenes from the demonstrations showed protestors holding signs that read: ‘Killer.’ The ‘killer’ wasn’t Al Qaida, it was Aznar. The guilty party wasn’t those who did the killing, but the person who sent troops to Iraq. Debating whether to send troops to Iraq is a political issue of the first rank, but this moral and intellectual inversion is frightening.”

Ganz interessante Thesen, nicht wahr?

18. niels | zeineku.de - Februar 10, 2007, 17:33

Liebe Lila,

“Niels: wir sind da, allerdings deutlich griesgrämiger und mißtrauischer als zu Oslo-Zeiten.”

das kann ich sehr gut verstehen.

“Mal sehen, wann sich ein zuverlässiger Partner auf der anderen Seite zeigt.”

Hoffentlich bald. Ich rechne allerdings realistischerweise schon damit, daß es noch eine ganze Zeit dauern wird…

19. buchstaben, wörter, sätze - Februar 10, 2007, 17:33

Der Streit um den Tempelberg

20. gingit - Februar 10, 2007, 19:41

Oh sehr schön, du bist auch bissig. Habe deinen Artikel grade erst entdeckt, nachdem ich mich auch schon ausgek*tz hatte - zwei Doofe, ein Gedanke…

Bin ausnahmsweise so frei, mich zu verlinken! ;-) Schönen Gruß!

Grabungen bringen Klagemauer zum Einsturz! http://mivtzaatid.wordpress.com/2007/02/10/grabungen-bringen-klagemauer-zum-einsturz/

21. Lila - Februar 10, 2007, 20:24

Ausnahmsweise, so. Bin Dir wohl nicht gut genug, versnobte Judaistin שכמוך

Ja komisch, irgendwie reißen mehreren Leuten bei so unglaublich platt erfundenen Lügen die Hutschnur. Doch nichts ist so frech erfunden, daß es nicht von irgendjemandem geglaubt wird.

Fox news:

Israeli police stormed the grounds of Islam’s third-holiest shrine Friday, firing stun grenades and tear gas to disperse thousands of Muslim worshippers who hurled stones, bottles and trash in an eruption of outrage over Israeli renovation work nearby.

Hä??? Drittheiligster Schrein des Islam schön und gut, aber der heiligste Ort des Judentums steht da auch noch rum. Was sagt Fox News dazu, daß die Heilige Stätte durch Steinewerfer entweiht wird? Ach nee, das sind ja worshipper. Wer geht mit Steinen in der Tasche zum Gottesdienst?

Vergessen wir es. Fox hat ja auch noch nicht korrigiert, daß israelische Bulldozer keineswegs auf libanesisches Gebiet eingedrungen sind, sondern auf eigenem Grund und Boden beschossen worden sind.

22. mischpoke - Februar 10, 2007, 20:34

Liebe Lila und liebe Gingit, nicht böse sein, aber ich hab Euch mal zu uns geklaut (äh von uns zu Euch verlinkt - heisst das so) trotz Schreibverbot wegen blöden Arm. Der König ist gerade Putzgeld in der Preschool verdienen samt Kleinstvolk, grosse Jungs haben wir verkauft. Liebe Grüsse aus dem nun schon fast nächtlichen Lund und shavua tov. die Mischpokenregierung

23. Miriam Woelke - Februar 10, 2007, 21:07

B”H

Wir waren gestern mittag einige Hundert Leute incl. Presse mit Satellitenschuesseln aus aller Welt und wir standen gegenueber der Klagemauer auf einer Anhoehe. Live sahen wir das Steineschmeissen der Palis und die Reaktion der israel. Polizei mit Traenengas.
Der Himmel war voll Rauch und Steinen. Aber keine kleinen Kieselsteine, sondern grosse Pflastersteine und Hozlstuecke flogen durch die Luft.
Es war graesslich mit anzusehen, dass diese Brueck soviel Wirbel verursacht und anscheinend wird nur ein Grund fuer eine neue Intifada gesucht. An der Brueck wird schon monatelang gebaut und niemand regte sich bisher auf.

Miriam

24. gingit - Februar 10, 2007, 21:59

Wenn es denn nur von “irgendjemandem” geglaubt würde, na schoin. Dummerweise glauben es so ziemlich alle. Ich habe jedenfalls noch niemanden getroffen, der es nicht geglaubt hat. Auuu.
Kopfschüttelnd zurück bleibend.

Ich will nicht unken, bubu, aber mich erinnert das an die Stimmung in .N’s Familie im Norden (und vieler weiterer, mit denen ich gesprochen habe) im letzten Sommer. Die einhellige Aussage, dass es nicht vorbei ist, nur eine Frage der Zeit, wann es weiter geht. Und jetzt eben Bomben auf israelischem Territorium im Norden, Raketen aus Gaza, die Westbank blubbert. Und keinem fällt es auf. Ihr Bösen, Ihr.

25. Lila - Februar 10, 2007, 23:12

Gingit, ich habe das Y. erzählt, der hat gesagt, Du sollst den Leute sagen, na klar machen die Israelis den Tempelberg ratzkaputt, nur wie dämlich sind sie, daß sie dafür so einen ömmligen kleinen Bagger nehmen, wo es doch mit einer F 16 viel schneller ginge.

Neeee, sag gar nichts.

26. Peter - Februar 10, 2007, 23:31

Liebe Lila,

ich verfolge Deinen Blog nun schon seit ein paar Monaten (Blog Award!), ohne meinen Senf dazu zu geben. Ich nehme diesen Eintrag zum Anlass, doch mal was zu schreiben.

Vorweg: ich gehörte zu jenen Linksintellektuellen, die die israelische Politik oft mit Kopfschütteln betrachten. Nicht zuletzt durch Deine Berichte haben sich einige Meinungen bei mir geändert. Ich bin zwar wahrscheinlich immer noch links und intellektuell und blicke mit steiler Sorgenfalte aus der Ferne in die palästinensischen Flüchtlingslager - aber was bei Euch da abgeht, raubt mir den sonst gern empörten Atem.

Bei Deinem Blog über die angeblichen Giftgas-Ballons habe ich noch einigermaßen herzlich lachen können; aber zusammengenommen mit den Steinewerfern vom Tempelberg und vielen anderen Meldungen (Karikaturen, Papstrede etc.) ergibt das für mich das beunruhigende Bild, dass die überwiegende Mehrheit der (OK: sichtbaren) muslimischen Welt nicht einfach nur leicht reizbar ist (”Ach ja - der leicht entflammbare Wüstensohn!”), sondern schlichtweg Krieg will.

Wie so etwas funktioniert, sieht man en miniature bei Hooligans: Fünfzig BVB-Fans treffen einen Schalker (rein hypothetisch!). Der hebt vorsichtig grüßend die Hand - und wird dafür plattgemacht. Er hätte auch wegrennen (”Er provoziert uns!” ;) oder gar nichts machen können (”Er ignoriert uns!”). Der Anlass ist wurscht.

Aus folkloristischer Perspektive wäre das überaus vorhersagbare Verhalten von muslimischen Geistlichen und Politikern unterhaltsam, wenn sie sich über irgendeine “Provokation” des Westens (incl. Israel) echauffieren. In den Al-Dschasira-TV-Ausschnitten weiß man auch bei abgeschaltetem Ton, wann sie beim Refrain angekommen sind (”Tod Israel! Gott ist groß!”). Ohne rechten Zeigefinger könnten die das wahrscheinlich kaum aussprechen. Aber irgendwie scheint der Schwachsinn tatsächlich Methode zu haben.

Hier bei uns geht das allerdings immer noch etwas moderater zu, was vielleicht an der leicht begriffsstutzigen deutschen Hartleibigkeit liegen mag (”Nu regnse sich man nich so auf, junger Mann.”). Dennoch fängt es an, auch hier seltsame Blüten zu treiben: Heute lese ich, dass die “Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion” die Einladung zu einer Begegnung mit der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) ausschlug - und zwar mit der Begründung, dass es “erheblichen Klärungsbedarf” gebe. Tja. Dazu fiel nicht einmal dem Bischof Huber was ein, der sonst auf alles was weiß.

Kurz und weniger gut: Verständigung und Frieden scheint zur Zeit nicht oberstes Ziel in der islamischen Welt zu sein. Eher das Gegenteil.

Ich sage das, ohne die US-amerikanische Paranoia zu teilen, die ich für einen Teil des Problems halte. Aber dem verzweifelten Pessimismus, den ich auf diesen Seiten gefunden habe, muss ich leider beipflichten.

Ich hätte gerne etwas Schöneres gesagt.

Aber mir fällt nichts ein.

Gruß,

Peter

27. willow - Februar 10, 2007, 23:31

Es gibt auch in unseren Zeiten noch richtige Wunder… der Spiegel berichtet tatsächlich halbwegs richtig und sachlich über die Vorfälle!

“Muslimische Hetze gegen Bauarbeiten”

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,465550,00.html

28. Lila - Februar 10, 2007, 23:47

Lieber Peter, ja, ich weiß es auch nicht, ich war eigentlich immer total optimistisch, aber spätestens seit letztem Sommer falle ich immer wieder ins schwarze Loch.

Was übrigens, um den kleinen Nebensatz nicht zu übergehen, sagst Du zu den Flüchtlingslagern in Syrien und Jordanien?

Wer, meinst Du, hat ein größeres Interesse daran, die Palästinenser in Flüchtlingselend zu halten:
die Israelis (denen das nur Ärger bereitet)
oder die palästinensische Führung bzw andere Araber (die die Flüchtlinge somit als Pokerkarte gegen Israel in der Hand haben)?

Welche Rolle spielt die UNRWA? Warum haben NUR die palästinensischen Flüchtlinge eine eigene Organisation, die es trotzdem nicht auf die Reihe kriegt, ihnen ein vernünftiges Leben zu ermöglichen? Wieso zahlen die an Tausende von Mitarbeitern Gehälter, wenn das Geld doch so knapp ist?

Glaub nicht, ich habe die Antworten, ich weiß es selbst nicht. Aber daß das nicht alles nur israelische Bosheit oder Dummheit ist, liegt wohl auf der Hand. Schau Dir die Karte an: in Israel “proper” gibt es keine Flüchtlingslager. Da sind Flüchtlinge integriert worden - übrigens auch die jüdischen aus arabischen Ländern.
(Ich kann nicht nachprüfen, ob dieser Link stimmt - aber ich werde mal versuchen, mehr darüber rauszufinden. Immerhin interessant. Obwohl ich natürlich für eine einvernehmliche Lösung des Problems bin.)

Ist also nicht alles so einfach - und ich weiß, daß der typische Linskintellektuelle es auch nicht einfach liebt…

Ich schlage mir selbst oft genug vor den Kopf, was hier schon alles für Unsinn beschlossen und durchgeführt worden ist! wie in jedem anderen Land auch! nur hat es hier immer gleich so schreckliche Folgen. Wir würden unsere Scherzhaftigkeit VIEL lieber an Dosenpfand, Mautpflicht und ähnlich schöne Spielchen wenden. Aber wir kriegen die Kurve nicht raus aus diesen existenziellen Problemen, in denen jeder Fehler fatal ist - es ist gräßlich.

29. Peter - Februar 11, 2007, 0:59

Liebe Lila,

danke für den o.g. Link. Er würde gespenstisch ins Bild passen: die Lager sind kein langandauerndes Provisorium wie die nackte Glühbirne in meiner Speisekammer. Sie sind eine Art Dauerjoker in diesem seltsamen arabischen Spiel, und längst sind sie unverzichtbare Einrichtung. Hätte man sie nicht, könnte man nicht um den westlichen Zorn der Gerechtigkeit buhlen. Nach dem Prinzip: “OK., sie übertreiben. Aber sieh doch die armen Kinder!”

Ich weiß, ich werde zynisch. ‘Tschuldigung. Aber das wirklich Teuflische an der Angelegenheit ist, dass die Menschen dort offenbar gelernt haben, Opfer Israels zu sein, anstatt zu begreifen, dass sie arabische Trumphkarte sind.

Sie werden sich nicht integrieren. Sie werden Euch nicht anerkennen. Weil, wie ich heute irgendwo lesen durfte, “der Araber nicht gern sein Gesicht verliert”. Er verlöre es, gebe er sein Lager-Dasein auf.

So wie es aussieht, sind in diesem Konflikt beide Seiten in einer klassischen Double-Bind-Situation: Palästinenser haben die Wahl zwischen unerträglichem Leben und Verliererstatus, und Israel macht sowieso alles falsch, egal, was es tut. Auch wenn’s nichts tut. Fatal.

Für so eine Situation gibt es tatsächlich keine Lösung. Ich finde es beinahe süß, wenn Käp’tn Angela gebetsmühlenartig gemeinsame Lösungsstrategien einklagt, wobei allen Beteiligten klar sein muss, dass das “gemeinsam” zwar gut, die “Lösung” aber diplomatisch unmöglich ist. Sagen kann sie das natürlich nicht - sonst müssten wir D tatsächlich noch am Hindukusch verteidigen.

Oh je. Ich wünschte, ich hätte als depressiver Bücherwurm mehr zu bieten als das! Aber vielleicht beginnt der eine oder andere hier die Dinge anders zu sehn. Auch, wenn’s weh tut. Jesaja und Jeremia hatten auch keinen leichten Job, mit ihren Botschaften anzukämpfen gegen die etablierten Verlautbarungen (”Friede, Friede! - Und ist kein Friede.”).

Pass auf Dich auf!

c.u.

Peter

30. Lila - Februar 11, 2007, 1:21

Danke, danke. Aber ich hoffe trotzdem, es wird eine kreative Lösung gefunden, um einen Kompromiß auszuhandeln, bei dem die Araber und besonders die Palästinenser nicht “ihr Gesicht verlieren” müssen. Es sind doch schon andere Völker von solchen Bäumen wieder runtergeklettert. Und viele arabische Nachbarländer haben sich mit uns arrangiert, offen oder weniger offen. Die haben doch auch keine Lust auf die Muslim brothers.

Mein Mann dachte, in einer seltenen Anwandlung von Optimismus, daß nach der relativen Pleite des 2. Libanonkriegs ein Fenster aufgeht, weil doch die Araber endlich feiern konnten, daß sie uns aufs Haupt geschlagen haben. Das wäre ihre Chance gewesen, einen Schritt in Richtung “dann wollen wir mal nicht so sein” zu wagen oder so. So hat Y. mich jedenfalls getröstet. Aber gekommen ist nicht viel - auch von uns nicht, weil wir uns sofort in selbstquälerischem Ausmisten sämtlicher Augiasställe gefallen haben.

Ich verfolge Merkels Bemühungen nicht - sollte ich vielleicht mal tun.

Aber ich sehe durchaus, daß wir zu diesem Mist auch beigetragen haben. Als Abu Mazen ins Amt kam, ja schon bei seiner ersten Amtszeit - da hätten wir vielleicht was machen können, ihm Zugeständnisse machen, so daß seine Position nicht gefährdet wird, ihn gleichzeitig einbinden.

Hätte das geklappt? Ich glaube, Sharons dummes Wort vom Hähnchen, dem noch keine Federn gewachsen sind, hat viel kaupttgemacht. Das kann man nicht mit einem Regierungschef machen, besonders nicht mit einem, von dem man eigentlich was will.

Andere Fehler: die teuflisch unsensible Reaktion nach dem Tod der 13 arabischen Bürger. Da hätte ein Schulterschluß stattfinden müssen, da hätten Minister zu den Beerdigungen erscheinen müssen - das habe ich schon oft bedauert, daß da nichts, nichts gekommen ist.

Ob all das uns aber hätte retten können? Alle Rücksichtnahme auf die arabische Ehre - hätte sie das mit unserer Existenz versöhnt? Man kann schon von weniger schlaflos werden!

31. beer7 - Februar 11, 2007, 10:08

Lila,

zum Amtsantritt von Abbas wurden pal. Gefangene freigelassen. Heruntergespielt wurde diese Geste von Abbas, der vor einer isr. Umarmung Angst hatte.

Die Ruecksichtnahme auf die arabische/muslimische Ehre wuerde bedeuten zu Zustaenden wie im Osmanischen Reich zurueckzukehren, wo Juden und Christen einen niedrigeren Status als Muslime hatten.

32. Lila - Februar 11, 2007, 13:41

Das stimmt natürlich, habe ich auch oft genug erwähnt - daß jeder palästinensische Politiker an Statur verlöre, wenn er bei den Israelis zu herzlich aufgenommen würde - er würde in Kollaborateurs-Verdacht geraten.

Aber gibt es keine sachlich-freundlich-erwachsene Art der Kommunikation? Immer dieser Eiertanz, furchtbar. Ich hoffe, irgendwann ist das vorbei. So wie es im Moment aussieht, können wir wirklich nichts recht machen.

33. Tanja - Februar 11, 2007, 21:23

Wow, das ist wieder einmal ein Wahnsinns-Beitrag hinter dem enorm viel Denk- und Lesearbeit steckt. Chapeau et merci!

34. E. - Februar 11, 2007, 23:00

Weiss jemand, ob folgender Artikel korrekt ist? Sollte er es sein, entbehrte die Besorgnis der Muslime um die Stabilitaet des Tempelbergs nicht einer gewissen Ironie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Tempelberg#Kontroverse
“In den letzten Jahren hat die muslimische Waqf begonnen, illegal eine große unterirdische Moschee in den sogenannten Ställen Salomos zu bauen. Dabei wird mit großem Baugerät gearbeitet.
(… ;)
Viele Archäologen fürchten auch, dass diese Arbeiten zur Destabilisierung des Tempelbergs und der Klagemauer führen. Im Herbst 2002 wurde eine Beule von ungefähr 70 cm im südlichen Mauerteil des Komplexes festgestellt. Man fürchtete Schäden oder einen Einsturz des Mauerteils. Da der Waqf keine eingehende israelische Kontrolle erlaubte, kam es zu einer Vereinbarung mit Israel, dass eine Gruppe jordanischer Ingenieure die Mauer im Oktober untersuchen konnte. Nach ihrem Gutachten erfolgten Mitte 2003 die entsprechenden Reparaturen.”

35. Lila - Februar 11, 2007, 23:14

Aber ja ist er korrekt. Diese Kontroverse beschäftigt die Medien hier immer wieder. Und Du wirst sehen, wenn da wirklich was einkracht, werden sofort alle Israel beschuldigen.

Als ob Israel die Klagemauer zum Einsturz bringen wollte! Ungefähr so wahrscheinlich, als würden die Kölner den Dom kippen.

36. E. - Februar 12, 2007, 3:50

Ganz langsam bitte, damit ich das auch wirklich richtig mitkriege. Ist ja nicht ganz einfach, dieser Logik zu folgen.

Also: Die Jungs buddeln da in aller Ruhe eine unterirdische Moschee in den Tempelberg, dass die Mauer Beulen kriegt. (Illegal, aber das lassen wir der Einfachheit halber weg. Auch das mit den Schaeden, die man erst aufgrund eines jordanischen Gutachtens beheben darf, im Folgejahr.) Wenn aber vor der Mauer eine eingestuerzte Rampe (aeh - ach nein, das war ja ein Erdbeben) durch eine Fussgaengerbruecke ersetzt und dabei moegliche archaeologische Funde gesichert werden sollen, dann bruellen die Grossbuddelmeister Zetermordio, der Tempelberg werde einstuerzen und damit die Moschee, die darauf stehende, wohlverstanden? Schicken ihre Soehne zum Steineschmeissen? Und die folgen dem Ruf auch noch?

Entschuldige, Lila, ich muss jetzt erst mal in die Tischkante beissen.

37. Lila - Februar 12, 2007, 8:17

Das Ärgerliche daran ist nicht, daß die palästinensischen Strippenzieher alle Mittel einsetzen, um gegen uns zu hetzen. Das Ärgerliche ist, daß die westlichen Medien die volle Wahrheit nicht kennen oder nicht nennen, und damit doch irgendwie ein Schatten auf unseren Ruf fällt.

Vor lauter Neutralität vergessen sie zu erwähnen, daß der Tempelberg Tempelberg heißt, weil da ein Tempel stand. Ein jüdischer. Viele, viele Jahrhunderte vor Mohammeds Geburt. Daß der Tempelberg “a Muslim Holy Site” genannt wird, ist Indiz dafür, daß das palästinensische Narrativ sich durchgesetzt hat, die moslemische Sprachregelung als neutral, ausgewogen und angemessen empfunden wird.

Eine Tischkante reicht nicht, um diesen Irrsinn zu verdauen.

38. nordstadtsafari - Februar 12, 2007, 14:36

Restauration und Revision

Ein Poster auf den Internetseiten der Issedin Al-Kassam-Brigaden. Die Aufschrift: “Gegen den Versuch, die Al-Aqsa-Moschee jüdisch zu machen.”
“Geh’ heute bloß nicht auf den Tempelberg”, schrieb mir meine Mutter vor ein…

39. Lila - Februar 13, 2007, 0:32

Bei der Jerusalem Post ein Editorial, das betreffs UNRWA zu ähnlichen Ergebnissen kommt wie ich. Diese Organisation perpetuiert das Flüchtlingsproblem und tut nichts zu seiner Lösung.

Wie nahe den arabischen Staaten ihre armen palästinensischen Brüder gehen, zeigt die folgende Aufzählung der Gelder, die an die UNRWA fließen:

Of UNRWA’s $462 million 2006 budget, $137m. came from the US, $41m. from Sweden, $27m. from the UK and $12m. from Denmark. Saudi Arabia, the world’s richest oil-producer, managed to scrape a mere $1.2m. Smaller Kuwait managed a tad more with $1.5m., still a drop in its overflowing oil bucket. The rest of the Arab states are even less generous. Oil-rich Bahrain spared no more than $30,000. Indeed the Arab world’s share has declined. In the 1980s it financed 8% of UNRWA’s outlay. By 2006 it put in less than 3%.

Interessant, nicht wahr.

Wobei der Artikel leider zu erwähnen vergißt, daß es palästinensische Flüchtlingslager in Jordanien, Syrien und dem Libanon gibt. Wie hat Israel das nur fertiggebracht?

40. Fusel - Februar 13, 2007, 2:16

Hallo Lila,

du glaubst nicht was gerade passiert ist. Ich habe eine Gegendarstellung zu dem Artikel von Uri Avnery auf Indymedia.de gepostet und die wurde einfach entfernt. Ich habe nicht polemisiert und mich u.a. auf Quellen aus Haaretz berufen, die du hier angegeben hast. Ich kanns echt nicht fassen, was an dem Artikel auszusetzen war, da ich in keinster Weise aggressiv oder verleumdend geschrieben habe.

liebe Grüße

(konsternierter) Fusel

41. Sascha - Februar 13, 2007, 3:01

Hi Lila, mal ein Gedanke und eine Frage zu der Situation der Baumaßnahmen. Wurden die relevanten muslimischen Stellen (diese Waqf und wer sonst wichtig ist) rechtzeitig über das Vorhaben informiert und dabei die “Harmlosigkeit” des Baus erklärt?

Ich frage das, da in deinem verlinkten NZZ-Artikel darauf hingewiesen wird, dass 1996 vor der Sache mit dem Tunnel eine entsprechende Absprache mit der palästinensischen Seite wohl auch nicht stattfand.

42. E. - Februar 13, 2007, 3:56

Ehrlich gesagt, diente die Tischkante fuer einmal dem Unterdruecken eines anderen Impulses. Die Abstrusitaet der Situation reizte mich zu schallendem Gelaechter. Welches Gesicht wollen diese Hysteriker eigentlich noch zu verlieren haben?

Was mich nebst der Uhrzeit dann doch in die Tischkante beissen liess, war der Umstand, dass es sich eben nicht um Friedensmarschierer handelt, die schlimmstenfalls sich eine Arthrose laufen, sondern um einen gewalttaetigen Mob, der anderer Leute Leben gefaehrdet. Ich kann trotz aller Anstrengung keinen wesentlichen Unterschied zu Hooligans entdecken. Dass man Hooligans Schranken setzt, leuchtet in Europa jedem ein. Tragen sie aber eine Kufiya, werden sie automatisch zu “Freiheitskaempfern”, die zu allen Mitteln greifen duerfen, auch zu Mord und Totschlag, egal, wie abstrus ihre Befuerchtungen und Forderungen sind.

Was die europaeischen Medien betrifft, so tippe ich auf “nicht nennen”. Von einigen der Journalisten weiss ich, dass sie die Verhaeltnisse vor Ort aus eigener, jahrelanger Erfahrung kennen, die kulturellen wie die politischen und sozialen. Sie berichten wissentlich einseitig und verfaelschend. Ihre Berufsehre scheint das nicht zu kratzen, verleihen sie doch “der Wahrnehmung der ‘Betroffenen’ eine Stimme”. Das laesst sich so schoen knackig aufbereiten. “Heilige Staette des Islam” klingt ohnehin praegnanter als “Ort, der fuer Christentum, Judentum und Islam von grosser religioeser und historischer Bedeutung ist”, und es macht jede weitere Erklaerung ueberfluessig. “Heilige Staette des Islam”, und schon ist jedem klar: Man muss Ruecksicht nehmen auf Irrationalitaet und Empfindsamkeit der “Unterdrueckten”, sie sind so leicht erregbar. Dass sie selbst seit Jahren archaeologische Funde zerstoeren, die mit Judentum und Christentum in Zusammenhang stehen, erwaehnt man besser nicht. Es wuerde ebenso wenig ins Bild passen wie die Bomben und Raketen oder die veruntreuten Milliarden.

Was mir fast noch mehr aufstoesst: Mob und Hetzparolenbrueller kriegen Medienaufmerksamkeit, so viel sie wollen. Wer aber leiht denjenigen Palaestinensern eine Stimme, die vernuenftig und verantwortungsbewusst handeln? Von ihnen hoert man sehr, sehr selten etwas. Waere ich Palaestinenser, so wuerde ich mir Sorgen machen um die Auswirkungen dieser fehlenden Praesenz.

43. E. - Februar 13, 2007, 4:27

Das ist tatsaechlich interessant mit den Beteiligungen am UNRWA-Budget. Runde 30 % vs runde 3 % – wie lautet nochmal die beliebte Parole auf diesen Massenkundgebungen?

Das da habe ich besser auf den Punkt gebracht nie gelesen:

“In other words, UNHCR’s job is to help governments settle refugees. UNRWA’s job is to help governments perpetuate a refugee problem which, UNRWA points out, has now been extended over four generations.”

(Ja, auch ich bin anfaellig fuer knackig Verkuerztes :) )

44. Lila - Februar 13, 2007, 7:46

Zum Procedere der Grabungen: vor ein paar Tagen war ein langer, ausführlicher, sehr geschichtslastiger Artikel in Haaretz zur Geschichte, Sein und Werden ;-) des Mughrabi-Tors.

Ich weiß nicht mehr genau, wie der legale Status ist, und ich finde leider den Link nicht mehr. Statt dessen ein paar andre Links, die mir bei der Suche in die Finger fielen.

Caroline Glick in der JPost meint, alle nötigen Informationen wären weitergegeben worden,

eine palästinensische Seite erklärt die ganze Arbeit für höchstgefährlich und meint, man hätte nichts davon gewußt,

die Ägypter tuten ins gleiche Horn,

Jordanien ebenfalls,

die Empörung allseits ist groß…

Shragai in Haaretz ärgert sich

Hier kann man einer Archäologin Fragen stellen, die Antworten kommen bestimmt in den nächsten Tagen - solange das Interesse noch heiß ist.

NY Times bringt ein paar arabische Statements zur angeblichen Neu-Errichtung des Tempels

hier Material zu den Problemen mit den Ausgrabungen des Waqf, die keinerlei Proteste zur Folge haben,

eine Gruppe nicht objektiver Juden, die HarHabayit-Gruppe, die den Verzicht der Juden auf ihr Heiligtum zugunsten der viel später gekommenen Moslems nicht verschmerzen kann dokumentiert den Vandalismus der Archäologen, die alle Spuren jüdischer Vergangenheit ausradieren wollen, und ihre Karte ist nützlich, auch wenn man den politischen Kompromiß mit dem Islam für richtig hält,

und grrrr, trotzdem finde ich das Gesuchte nicht.

Guten Morgen!

45. Lila - Februar 13, 2007, 7:47

Fusel - wie kommt es nur, daß ich nicht überrascht bin?

46. Fusel - Februar 13, 2007, 11:12

Ja, so wirklich überrascht war ich ja zugegebener Maßen auch nicht mehr. Uri’s Artikel kommt ins NEwswire und meiner fliegt raus. Ihc habe auch die BEgründung: Mein Artikel sei in die KAtegorie ‘Debatte über den Nahostkonflikt’ einzuordnen und die Mods bei Indy hätten sich vor drei Jahren schon dagegen entschieden weiter die Plattform für solche Debatten darzustellen.

Ich habe denen jetzt nochmal geschrieben, dass Uri’s Artikel ja auch nichts anderes als eine Debatte darstellt, halt nur von einem anscheinend angenehmeren Sichtwinkel. Mein Artikel sollte halt eine Gegendarstellung sein, die sich auch auf Quellen beruft, ist aber anscheinend nicht veröffentlichbar. Bin mal gespannt ob und was sie darauf antworten.

bis denne

Fusel

47. Anna (AvS) - Februar 13, 2007, 12:53

Fugngerbrcke, Klagemauer und Moschee

Da Lila dazu so einen guten Artikel geschrieben hat, möchte ich mal nichts dazu sagen und einfach nur um Lesen ihres Artikels bitten:http://rungholt.wordpress.com/2007/02/10/perpetuum-mobile-oder-vorsicht-bissige-autorin/ …

48. Anna - Februar 13, 2007, 12:56

manueller trackback:
http://avs.blogianer.de/post/aus_aller_welt/2007/02/13/fu-g-ngerbr-cke-klagemauer-und-moschee

49. willow - Februar 13, 2007, 15:38

Ich hatte schon davon gehört, daß “die” im Tempelberg buddeln, aber das Ausmaß und auch die Rücksichtslosigkeit beim Vernichten nichtislamischer Funde - erschreckend. Irgendwie erinnert mich das an die Buddha-Statuen in Afghanistan…aber das schien der “Weltöffentlichkeit” ja auch nicht so wichtig.

50. Homo Ludens - Februar 13, 2007, 21:31

Lila, Du sagst: “Da die Moslems dieser Welt aber den Israel-”Kritikern” ideologisches Futter für ihre Lüge von den Juden-ohne-Verbindung-zum-Land-Israel liefern, ist die Wahrheit ihnen unangenehm …” Die Wahrheit sei den Moslems dieser Welt unangenehm, da sie die Lüge fütterten — das kann man doch wohl nur so verstehen, daß sie an dieser Lüge ein Interesse hätten und darum zu ihr beitrügen, oder? Schlichter formuliert: Sie seien Lügner, die Moslems dieser Welt?

51. willow - Februar 13, 2007, 21:48

Eine Gegenfrage sei doch erlaubt: Warum behauptet das religiöse Oberhaupt der Muslime für Jerusalem einen jüdischen Tempel hat es dort nie gegeben ? Warum wird eine historische Besiedlung dieser Gegend durch die Juden vernein? Warum bemühen sich die Moslems, wo sie nur können, vorislamische Baudenkmäler und Kunstschätze “verschwinden” zu lassen - wie im Bamian?

Einige sagen, den Moslems sei das Lügen gegenüber Nichtmoslems ausdrücklich erlaubt …. Taqiyya nennt man das wohl. Andere vermuten eher, sie sind inzwischen Opfer ihrer eigenen, verwirrenden Propaganda.

52. Lila - Februar 13, 2007, 21:49

Lieber Homo Ludens,
wie nett, einen Satz aus einem Blog von ca. drei Jahren rauszureißen und mich dabei zu “ertappen”, daß ich die Moslems dieser Welt, alle und ohne Ausnahme, der Lüge zeihe! Was für ein Heldenstück.

Also: wenn es Moslems gibt, die die Verbindung der Juden zum Land Israel bestreiten, so lügen diese Moslems aus Eigeninteresse, oder sie sind unwissend und indoktriniert, von irgendwelchen Außerirdischen anscheinend, die ein Interesse daran haben, diese Verbindung zu vertuschen, abzuleugnen und vergessen zu machen.

In der Tat liegt schon in der Darstellung des Tempelbergs als allein islamischem Heiligtum eine Lüge, und auch in der Unterstellung, Juden würden die Zerstörung der Klagemauer in Kauf nehmen, um der Al Aqsa Moschee zu schaden.

Sag selbst, hätten die Juden nicht 1967 die Moscheen auf dem Tempelberg einfach abreißen können, statt ihre Verwaltung dem Waqf zu übergeben?

Wobei allerdings manche Menschen diese unbestreitbaren Tatsachen trotzdem abstreiten. Da kann man nichts machen.

Damit fällt auch nicht der Schatten einer negativen Aussage auf all die Moslems dieser Welt, die friedlich und gelassen anerkennen, daß sich Araber und Juden dieses Stück Land, an dem sie beide so hängen, nachbarschaftlich teilen können, ohne Drohungen, ohne Vernichtungs- oder Allmachtsfantasien. Diese Moslems sind meine natürlichen Verbündeten und ich bin dankbar, daß es sie gibt - nur traurig, daß sie so still sind, oder daß es so wenige sind.

Da ich gerade von einem festlichen Treffen mit moslemischen Freunden komme, kann mich der implizite Vorwurf, ich würde Moslems hassen und ihnen Unrecht unterstellen, nicht sehr jucken (hab sogar ein neues arabisches Wort gelernt - bajat, die Kehrschaufel).

53. E. - Februar 14, 2007, 0:28

Homo Ludens, manche Moslems scheinen nun mal eine ganz eigene Auslegung des Begriffs “Wahrheit” zu haben. Auch solche, von denen man annehmen koennte, sie haetten eine Reputation zu verlieren. Fuer ein Beispiel zum Thema Tempelberg siehe Abschnitt “Adnan Husseini” in:
http://archives.arte-tv.com/hebdo/archimed/20010529/dtext/sujet3.html

54. arabrabenna - Februar 14, 2007, 0:51

Als die muslimischen Proteste wegen der Buddelei losgingen dachte ich nur (als alter Obelix Fan):”Die spinnen, die Moslems!” (wobwi ich natürlich nur die Protestierenden und ihre Aufwiegler meine). Nur ist die Lage leider viel zu ernst für so ein Denken, aber es rutscht mir denn doch hin und wieder mal laut raus. Und dann finde ich es noch schlimm, daß Israel sich für alles rechtfertigen muß über Dinge, die eigentlich ganz normal sind und, so sie in andren Ländern geschehen, auch als normal angesehen werden.Ich frage mich manchmal was geschähe, wenn Israel die Dinge einfach selbstbewußt durchzöge, punkt.

55. E. - Februar 14, 2007, 4:34

Falls sich jemand dafuer interessiert, was auf dem Tempelberg wo liegt, aus welcher Zeit es stammt und wo die Waqf-Bauarbeiten stattinden, hier eine Uebersicht (von Dr. Mazar, der Archaeologin, die Lila oben verlinkt hat):
http://www.har-habayt.org/templemountm.jpg

Bilder von den Bauarbeiten:
http://www.har-habayt.org/newp.html

56. Tiqvah Bat Shalom - Februar 14, 2007, 18:09

Das die “Palästinenser” bzw. überhaupt die Islamisten einen neue Grund für der Intifada Nummer 3 suchen ist uns ja hier in Israel sehr wohl bekannt! Es ist nur die Frage, was diese “Ehre” zukommen soll! Das in Mekka nichts anderes geschah als sie sich zusammen geschlossen haben und als Verbündete gemeinsam gegen Israel sich verschworen haben, war uns jeden nicht schwer zu erraten sein, da der Friedensgeier Abbas schon zuvor dazu aufgerufen hat. Er sagte genau dass man als Brüder einender nicht bekämpfen sollte, sondern gemeinsam verbunden gegen der Fein der Islam, somit gegen Israel und Juden kämpfen solle

Dieser Aufgang der eventuell als Grund für d. 3. Intifada benutzt wird, sollte die Touristen in erste Linie helfen. Das was so provisorisch hingebaut wurde, ist durch d Regen ziemlich unsicher geworden. Touristen gehen wohlbekannt nicht in Gänzemarsch sondern stürmen meistens.. Durch das Regen nachgiebig gewordenes Holz kann nicht zu große Belastung ertragen. Wenn da eventuell durchrechen würde, wären wir die Christenmörder wenn welche dadurch um Leben kämen.

Ich las ein sehr gute Artikel diesbezüglich: http://www.ksta.de/html/artikel/1171275741068.shtml

Sicherlich haben die “Palästinenser” und sonst alle die uns anprangern wegen d Brücken bau und die vorherige archäologische Grabungen Unrecht!
Dennoch ist dabei das schlimmste das, das der UNO; EU usw. Israel dazu zwingen will dass sich büke und die Terrorristen über sie kommen lassen solle, um das liebe “Frieden” und natürlich d Öl und Gas willen unabhängig davon dass sie sehen was sie tun, und wesen sie uns ausliefern wollen!

Doch sie kennen dem nicht, der Israels Schutz und Hilfe ist, und wissen nicht, dass ER für SEIN Volk und Land eintreten wird, und wehe denen die SEIN Volk vernichten wollen, oder die Mördern ausliefern!

Tiqvah Bat Shalom

57. Homo Ludens - Februar 15, 2007, 0:57

Liebe Lila,

weder vollbringe ich Heldentaten, noch bin ich darauf aus, Dich bei etwas zu ertappen. Es ist einfach so, daß die Textstelle, die ich zitiert habe, mein moralisches Gefühl in dem Maße verstört hat, daß ich nicht schweigen konnte. Wie ich mich im Sommer empört habe, als Du den getöteten UN-Soldaten nachgerufen hast, sie hätten Euch besiegt. Aber ich warte bestimmt nicht auf Gelegenheiten.

Ich habe zur Formulierung eines einzelnen Satzes gesprochen. Nicht zu anderem, wozu sich unter Umständen etwas hätte sagen lassen, insbesondere nicht zum Tempelbergthema, zu dem ich außer vielleicht einer Frage zu einem Detail nichts beizutragen hätte. Ich habe im übrigen keinen Grund, Deiner Darstellung der Sachlage nicht zu glauben. – Es ist daher aber auch völlig abwegig, und es ist eigentlich ungeheuerlich, wenn Du an mich die Frage richtest, ob „die Juden nicht 1967 die Moscheen auf dem Tempelberg einfach“ hätten „abreißen können“. Als ob ich der Meinung wäre, „die Juden“ – oder Israel – wollten die moslemischen Heiligtümer attackieren! Die Unterstellung, die Du mir machst, ist so offensichtlich grundlos, daß ich sie gerne als Bewegung des Augenblicks ansehen würde, die Du nicht ernst meinst, wenn ich nur wüßte, ob Du so etwas nicht doch glaubst. Jedenfalls wünschte ich, Deine Antwort im ganzen wäre etwas weniger ad hominem.

Also etwas mehr zur Sache. Ein möglicher moslemischer Leser muß sich doch als Kategorie behandelt und moralisch herabgesetzt fühlen, oder? Ich spreche von dem Satz, wie er da steht, nicht von Deinen Motiven und auch nicht davon, was Du an anderer Stelle sagst. Ich mache keine Unterstellung zu den Gefühlen hinter Deiner Formulierung, sondern ich spreche von den Worten. Ich appelliere an Deine Verantwortung für Deine Worte. Ein Leser, der sich qua Religion zum Lügner gestempelt sieht, wird sich nicht unbedingt für Deine Innerlichkeit interessieren. Ihn verletzen nicht Deine Gefühle, sondern Deine Worte – Worte, die keinen nichtdiskriminierenden Sinn zu ergeben scheinen, auch wenn Du ihnen anderswo widersprichst. Der Kontext kann über die Bedeutung nur entscheiden, wo die Worte Raum dafür lassen.

Um diese Worte geht es mir. Denn ich weiß, daß sie Deiner tieferen Haltung widersprechen, Lila, und ich würde ich mich freuen, wenn Du sie noch einmal prüfen wolltest.

58. beer7 - Februar 15, 2007, 1:29

Homo ludens,

die “schweigende Mehrheit” der Muslime weltweit schweigt leider so nachdruecklich, dass Zweifel entstehen koennen, ob sie die Mehrheit ist.

Welche Demonstrationen gegen Terroranschlaege, welche Proteste gegen die Holocaustleugnung des Irans, welche “not-in our-name” Aktionen gegen den kriegerischen Jihad haben denn stattgefunden?

Die “schweigende Mehrheit” ordnet sich durch ihr Schweigen der “lauten Minderheit” unter.

Bist Du eigentlich ab und zu auch auf Seiten wie Electronic Intifada und Muslimmarkt und bestehst dort darauf, dass sensibel formuliert wird, um die Gefuehle eines womoeglich mitlesenden Muslims nicht zu verletzen?

59. Lila - Februar 15, 2007, 9:30

Homo Ludens, wo bleibt denn Dein empfindliches moralisches Gefühl, wenn ein ägyptischer Politiker meint, man muesste uns mit der Atombombe ausradieren? Bist Du dann auch in tiefster Seele empoert?

Und was die Frage mit der Handlungsweise 1967 angeht: das sollte eine rhetorische Frage sein. Ich habe Dir nichts unterstellt, herrje! Ich habe versucht klarzumachen, wie absurd die Unterstellung ist, die von moslemischer Seite lauthals und endlos wiederholt ist, Israel wollte die Al Aqsa Moschee zerstören. Hätte Israel diese Absicht, dann wäre es schon längst geschehen. Statt dessen behandelt Israel die moslemischen Empfindlichkeiten mit einer Rücksichtnahme, auf die Dhimmis in arabischen Staaten nicht rechnen können. Die Einsetzung des Waqf ist ein Beispiel.

Jetzt klar?

Und Ruth hat den Nagel auf den Kopf getroffen: solange Moslems, insbesondere Islamisten, aber eben auch eine große schweigende Mehrheit von Moslems, nach wie vor aus religiösen Gründen (darum sage ich hier nicht Araber - außerdem ist der Iran nicht arabisch) die Auslöschung Israels fordert und nach jedem Anlass greift, um dem Haß gegen uns freien Lauf zu lassen - da wundert es dann doch, wie sorgsam Du darauf achtest, daß ich nur ja nicht eventuell den Falschen treffe.

Keine Sorge, ich erkenne einen nicht von Haß verzerrten Moslem, wenn ich einen sehe. Aber wenn der König von Jordanien so schrille Töne anschlägt - da stimmt ja wohl was anderes nicht als nur Lilas leichtfertige Verallgemeinerungen, die Dein moralisches Gewissen so zutiefst verstören.

Wenn ich das einzige Element bin, das Dich in dieser Geschcihte dermaßen erschüttert, würde ich sagen, Du hast ein bemerkenswert robustes Gewissen.

60. Homo Ludens - Februar 18, 2007, 1:08

Robustheit, liebe Lila, brauche ich wohl eher im Ertragen von absurden Anwürfen. — Öffentliche Äußerungen setzen sich der Kritik aus, und ich muß mir nicht das Recht verdienen, Dich zu kritisieren. Ich brauche mich auch nicht dafür zu rechtfertigen, daß ich Dein Blog lesenswerter finde als Blog X oder Blog Y. Hier bin ich, hier handle ich.

Was ich sonst vielleicht gerne sagen würde, wäre persönlich und gehört nicht hier hin.

61. Lila - Februar 18, 2007, 1:36

Komisch aber, daß Du immer auf der Matte stehst, wenn Du meinst, ich würde “die Moslems dieser Welt” (wo ich schon durch die Formulierung versucht habe, Distanz aufzubauen) angreifen.

Darf ich mich selbst zitieren:

Ich weiß, ich weiß, ich sollte nicht sie sagen, es ist häßlich, unaufgeklärt, zeugt von Vorurteilen und jeder einzelne der aufgebrachten Masse mag ein ehrenwerter, einsichtiger Mensch sein, wenn er von der Masse entfernt ist. Aber sie wirken und handeln wie eine uneinsichtige, irrationale, gewaltbereite Masse.

Darauf Deine Antwort:

Ein möglicher moslemischer Leser muß sich doch als Kategorie behandelt und moralisch herabgesetzt fühlen, oder?

Ich appelliere an Deine Verantwortung für Deine Worte. Ein Leser, der sich qua Religion zum Lügner gestempelt sieht, wird sich nicht unbedingt für Deine Innerlichkeit interessieren. Ihn verletzen nicht Deine Gefühle, sondern Deine Worte – Worte, die keinen nichtdiskriminierenden Sinn zu ergeben scheinen, auch wenn Du ihnen anderswo widersprichst.


Bist Du sicher, daß Du in diesem Falle Deine Perspektive richtig eingestellt hast? Wieso empörst Du Dich nicht gegen Worte wie die von Raid Salah, sondern immer nur über mich? Und dazu mit gewaltigem moralischem Donner.

Verstehe dies: wir sind die Angegriffenen, die Verleumdeten, die, über die Lügen verbreitet werden. Wir antworten mit Aufklärung, mit Webcams, Einladungen an alle Welt, uns zu kontrollieren, mit dem verzweifelten Versuch, unseren Namen irgendwie sauber zu halten - vollkommen zwecklos. Aber die Moralpolizei wartet nur darauf, daß uns ein unbedachtes Wort über Moslems entschlüpft!

Nun, Du scheinst Deine Reaktion angemessen zu finden und stehst dazu. Das ist Dein Recht. Ebenso ist es mein Recht, mich über Deine moralischen Maßstäbe zu verwundern.

Meinst Du nicht, wir hätten auch mal Gelegenheit, uns herabgesetzt, als Kategorie behandelt zu fühlen? Oder siehst Du wirklich immer nur die andere Seite? Glaubst Du wirklich, irgendwas, das wir tun könnten, könnte den Zorn und Haß der Moslems, jawohl, DER MOSLEMS als allgemeiner Kategorie, besänftigen? Wo siehst Du irgendeine Spur von Empathie von moslemischer Seite uns gegenüber? Nirgends. Mir fällt keiner ein außer Sari Nusseibeh, und der ist total isoliert.

62. Homo Ludens - Februar 18, 2007, 3:10

Liebe Lila,

wäre es nicht etwas billig, wenn ich mich hier über Raid Salah empören würde? Außerdem kann ich es schlicht nicht, denn empören kann ich mich nur über Menschen, mit denen mich etwas positiv oder negativ verbindet, die ich nicht nur beobachte.

Und ich habe mich nicht “mit gewaltigem moralischem Donner” empört, sondern ich habe sehr sachlich gefragt. Die Frage war rhetorisch nur insofern, als ich wirklich keine andere als eine diskriminierende Interpretation des Satzes sehe, von dem allein ich gesprochen habe: “Da die Moslems dieser Welt aber den Israel-’Kritikern’ ideologisches Futter für ihre Lüge von den Juden-ohne-Verbindung-zum-Land-Israel liefern, ist die Wahrheit ihnen unangenehm …” Aber die Frage — “das kann man doch wohl nur so verstehen, daß sie an dieser Lüge ein Interesse hätten und darum zu ihr beitrügen, oder?” — diese Frage war echt, insofern sie methodisch war: Gibt es eine konsistente Lesart, die nicht darauf hinausläuft, alle Moslems an der Lüge beteiligt zu sehen? Du weißt, Lila, daß ich immer großen Wert darauf lege, niemanden auf eine Interpretation seiner Worte festzulegen, wenn andere konsistente Interpretationen möglich sind. Aber umgekehrt kann man auch einer Interpretation nicht ausweichen, die alternativlos ist. Man muß sowohl der Kontextoffenheit der Sprache Rechnung tragen wie der Kontextunabhängigkeit, ohne die es überhaupt keine Sprache gäbe. Und eben wegen der relativen Autonomie der Sprache muß man die Bedeutung der Zeichen klar von den Motiven des Sprechers unterscheiden, wenn beide Ebenen natürlich auch nicht ohne Beziehung sind. Ich könnte mir vorstellen, daß Du zum Beispiel mit den “Moslems dieser Welt” auf die “Kinder dieser Welt” angespielt hast und das dominierende Motiv dabei war, die Moslems, die für die Propaganda verantwortlich sind, etwas wohlwollend-maternalisierend Kindern anzugleichen, so “Distanz aufzubauen”, wie Du jetzt sagst, was vielleicht nicht ganz angemessen ist, aber sicher nicht mein Problem. Aber zugleich hast Du qua Formulierung den Kreis der Angesprochenen eben entgrenzt auf alle Moslems, “die Moslems dieser Welt”, und Du hast Dich an dieser Entgrenzung jedenfalls nicht gestört (oder nicht entscheidend gestört). Frag Dich selbst: Würdest Du diesen Satz Deinen moslemischen Freunden vortragen? Es war diese sprachliche Entgrenzung, auf die sich meine fragende Kritik bezogen hat, vielleicht schroff, jedenfalls direkt, aber nicht donnernd.

Die Sätze, die Du hier nun zitierst, sind meine Antwort auf Deine Replik, die ad hominem ging. Sie sind defensiv, indem sie verdeutlichen sollen, worum es mir mit der ursprünglichen Kritik ging: Sie sagen, daß ich von den Worten spreche und von deren Implikationen, nicht von Deinen Motiven und Deiner Innerlichkeit. Und zugleich habe ich an der hypothetischen Figur des moslemischen Lesers die verletzende Kraft Deiner Worte veranschaulichen wollen. Was anderes als eindringlicher werden soll ich tun, wenn Du meine ursprünglichen Worte ignorierst?

Die Worte, die Du zitierst, beziehen sich nicht auf Deine Einleitung, wie Du es hier darstellst. Obwohl ich auch diese Einleitung für höchst problematisch halte, habe ich sie ignoriert. Du sagst dort ja ungefähr: Ich sollte es nicht, aber ich tue es trotzdem. Das ist zumindest sehr ambivalent. Ist das wirklich eine Entschuldigung, oder ist es sozusagen strafverschärfend? Es beweist Vorsatz, würde ich sagen. Privat ist es anders. Privat muß man sich auch einmal fallen lassen können, gerade um wieder Kraft zu sammeln und sich aus solchen Gefühllöchern zu befreien. Aber öffentlich, glaube ich, geht das einfach nicht. Öffentlich verletzt man, und der Trost, den man findet, ist plumpe Bestätigung im Negativen. Oder man stößt eben auf Kritik.

Liebe Grüße

HL

63. beer7 - Februar 18, 2007, 10:54

Homo Ludens,

wenn ich Deine Argumentation recht verstehe, dann “liebst” Du Lila (und Israelis allgemein) einfach und diese Sympathie gibt Dir in Deinen Augen auch das Recht, sorgfaeltig auf sie und uns aufzupassen, damit wir nicht etwa etwas Falsches sagen.

64. Homo Ludens - Februar 18, 2007, 11:33

Nein, Beer 7, erstens schließe ich weder positiv noch negativ auf “Israelis allgemein”, zweitens braucht in der freien Welt niemand sich das Recht zu erwerben, seine Meinung frei zu sagen, drittens habe ich nicht die Absicht zu kontrollieren, wie ich schon in Nr. 57 gesagt habe, und viertens habe ich das Falsche, das Du in Nr. 58 gesagt hast, doch weitgehend ignoriert (”um die Gefuehle eines womoeglich mitlesenden Muslims nicht zu verletzen”, als achte man nicht Gefühle um der Menschen, sondern die Menschen nur um ihrer Gefühle willen!) — wie übrigens auch Dein Blog. Warum glaubst Du eigentlich, mit ad-hominem-Angriffen gegen jemanden, den Du nicht einmal kennst, eine Diskussion entsachlichen und Konflikt schüren zu sollen? Ich schulde Dir keine Rechenschaft und ich gebe Dir keine.

65. willow - Februar 18, 2007, 12:34

Nein Homo Ludens, du schuldest keinem Rechenschaft, denn du kommst anonym und kannst aus dieser Deckung heraus sehr bequem kritisieren. Aber von Lila erwartest du genau diese Rechtfertigung, und sie soll nicht nur sich rechtfertigen, sondern auch “die Israeli” ganz allgemein. Ich empfinde das als ziemlich ungehörig.

Zumal es für viele Probleme durchaus legitim ist von “den Moslems” zu sprechen (ebenso wie von “den Radfahrern” oder “den Alkoholikern” ;) - bei anderen Anlässen hingegen sollte kleine Untergliederungen oder auch einzelne Individuen betrachtet werden. Wenn die Umstände so sind, daß dies möglich ist.

Irgendwie verdrängst du, daß gerade diese Unterscheidung zwischen “Gruppenmitglied” und Individuum in totalitären Gesellschaften etwas schwieriger ist - solange es den freundlichen und zivilisierten und humanistisch eingestellten Moslems nicht möglich ist, sich frei zu artikulieren ohne dafür umgebracht zu werden, solange muß man die “offiziellen Äußerungen” der ganzen Gemeinschaft anlasten…

Vielleicht sieht man das auch irgendwie anders, wenn “die Moslem” einem regelmäßig kollektiv den Krieg erklären…

66. beer7 - Februar 18, 2007, 14:28

Tja, es ist so schoen, das Recht auf freie Meinungsaeusserung in Anspruch zu nehmen. Schwieriger wird es, wenn einem dann aufgrund desselben Rechts Kontra gegeben wird.

Dann gibt es diesen schoenen Trick: Eigene Kritik ist grundsaetzlich “sachlich”, waehrend Kritik an der Kritik nur “ad hominem” und damit pfui sein kann.

67. Lila - Februar 18, 2007, 15:29

Homo ludens, ich zitiere Deine sachliche Kritik mal:

Es ist einfach so, daß die Textstelle, die ich zitiert habe, mein moralisches Gefühl in dem Maße verstört hat, daß ich nicht schweigen konnte. Wie ich mich im Sommer empört habe, als Du den getöteten UN-Soldaten nachgerufen hast, sie hätten Euch besiegt.

Sehr sachlich klingt das nicht, eher wie der Aufschrei einer durch meine Unmoral gequaelte Seele. Es waere auch nett, wenn Du meine Graeuel durch ein Zitat belegen koenntest, dass ich getoeteten Soldaten etwas “hinterhergerufen” habe.

68. StefanHH - Februar 18, 2007, 22:15

@ Homo Ludens

In deinem Beitrag 57 schreibst Du: “Ein möglicher moslemischer Leser muß sich doch als Kategorie behandelt und moralisch herabgesetzt fühlen, oder?”

Zunächst einmal ist eine Pauschalisierung “Moslems aller Welt” hier wohl unbedenklich. Lila wirft den Moslems pauschal vor, eine bestimmte Lüge zu unterstützen. Sie hat nicht gesagt, die Moslems wären Lügner, sondern nur, dass sie die Lüge anderer Personen ideologisch füttern. Der Vorwurf ist durchaus berechtigt, denn mir ist nichts dafür bekannt, dass die Moslems jemals anerkannt haben, dass in Palästina über viele Jahrhunderte Juden gelebt und daher dort auch ein Existenzrecht haben.

Die bewusst hochgespielte Aufregeung über einfache Bauarbeiten auf dem Tempelberg zeigt geradezu, dass die moslemische Welt mehr an der Hetze gegen Israel als an Problemlösungen interessiert ist. Das ist nunmal der sehr deutliche Eindruck der letzten Zeit.

Wer Moslem ist, muss sich dieses Verhalten seiner Glaubensbrüder zurechnen lassen. Er ist Mitglied einer Gruppe, die sich eben so verhält. Es ist quasi das Verhalten der Gruppenmehrheit, das auch dem Einzelnen zugerechnet wird. Das ist übrigens etwas anderes als Schuld, diese ist individuell, nicht kollektiv.

So redet man beispielsweise ja auch davon, dass die Deutschen gegen den Irakkrieg waren, obwohl es durchaus andere Stimmen in Deutschland gab. Man sagt auch, die Deutschen haben den 2. Weltkrieg verloren, obwohl ich als Nachkriegsgeborener daran noch nicht mal mitgewirkt habe.

Ein Moslem sollte vielleicht weniger von Lilas zutreffenden Äußerungen verletzt sein (Lieblingsreaktion der Moslems auf Kritik), sondern über seine Glaubensbrüder beschämt sein. Aber Schuld sind ja immer die Anderen, auch wenn sie Recht haben, denn wie können sie es wagen, das auszusprechen.

Also, was ist dein Problem mit Lilas Äußerungen?

69. Lila - Februar 18, 2007, 22:37

Und um noch einmal den Handschuh aufzuheben: ich habe mir das Recht genommen, über “Moslems” im allgemeinen zu sprechen, weil die aufgebrachten Demonstranten ALS MOSLEMS empört zu sein behaupten.

Ich meine, in diesem Falle Deine Kritik nicht verdient zu haben. Daß ich ärgerlich war, habe ich schon in der Titelzeile benannt, womit jeder Leser meine Worte relativieren kann. Doch wo stimmen meine Fakten nicht?

Würden bestimmte Prediger und Demonstranten ihre Worte mit ähnlich empörender Schärfe wählen wie ich, lieber Homo Ludens, wäre es hier wesentlich stiller und friedlicher. Auf der nach oben offenen Hetz-Skala bewege ich mich nämlich irgendwo um den Nullpunkt, auch wenn Du das anders siehst. Da hauen andere ganz anders auf den Lukas…

Aber das siehst Du nicht, weil Du zu denen ja keine Beziehung hast , von ihnen nichts erwartest, sprich, sie von der allgemeinen Menschenpflicht der Ehrlichkeit und Selbstkritik ausnimmst, sprich: sie positiv diskriminierst, sprich: Du von Israel Besseres erwartest…. wie sehr viele, sehr viele, die auf ihre doppelten Maßstäbe noch stolz sind.

Was soll man dazu sagen?

70. Homo Ludens - Februar 19, 2007, 3:02

Heute kann ich die Zeit nicht aufbringen, noch einmal zu antworten, und viel will ich auch nicht mehr viel sagen, aber Lila, Du bekommst eine Antwort, und StefanHH, Du ebenso. Kann Dienstag werden, etwas Geduld bitte.

71. willow - Februar 25, 2007, 22:59

Da warten wir nun alle (in demütiger Habacht-Haltung) auf ein weiteres Wort des großen Moralisten … aber nein, offenbar sind wir unwürdig.

Ob es ihn auch moralisch verstört hat (wenigsten leicht), daß die Hisbollah sich mit Hilfe und unter dem Schutz der UN wieder aufgerüstet konnte? Wohl eher nicht…

72. Homo Ludens - Februar 26, 2007, 1:19

Danke, willow, für die Gelegenheit, mich zu entschuldigen. Tatsächlich habe ich, persönlicher Umstände halber, im Moment den Kopf nicht frei für die ja eigentlich für Dienstag schon versprochene Antwort, und auf noch unbestimmte Zeit. — Für einen Moralisten halte ich mich allerdings eher nicht. Ich habe auf mein Gewissen nur verwiesen gegen eine gewisse Polemik, gegen die ich die Authentizität meiner Einlassung betonen wollte, also aus defensiven Gründen (”… weder vollbringe ich Heldentaten …”). Ich habe damit weitere Angriffe auf mich gezogen — damit muß ich leben. Freiheit ist wesentlich auch die Freiheit, dem eigenen Gewissen zu folgen. Die Überheblichkeit, die den Moralisten ausmacht, nämlich das Gewissen anderer an seinem eigenen zu messen, ihre Gesinnung anstelle ihrer Handlungen zu beurteilen, ist mir, jedenfalls in meinen helleren Momenten, von denen es vielleicht aber den einen oder anderen gibt, ziemlich fremd. Wenn ich anders zu verstehen war, bedauere ich das. Mir ging es bei Erwähnung des Gewissens, um es noch einmal zu sagen, lediglich darum, daß ich selbst mir die Freiheit, einem Impuls des Gewissens zu folgen und Kritik zu äußern, wo sie mir nötig scheint, nicht nehmen lassen möchte. — Dies also schnell zu diesem Randthema, zur Sache selbst demnächst noch kurz.

73. Jerusalem.... « die meschuggene mischpoke - März 23, 2007, 1:07

[...] http://rungholt.wordpress.com/2007/02/10/perpetuum-mobile-oder-vorsicht-bissige-autorin/ [...]

74. Homo Ludens - Juni 2, 2007, 19:09

Liebe Lila, ich muß Dich um Entschuldigung bitten: Ich hatte hier unrecht. Offenbar war ich damals schon so urlaubsreif, übersensibel, daß ich vor Bäumen den Wald nicht mehr sehen konnte. Tut mir sehr leid, Lila.