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Nachgekartet Februar 10, 2007, 12:57

Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.
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Von Zeit zu Zeit gucke ich mir meine Archive an und denke nach, ob ich sie nicht doch irgendwann mal importieren kann. Keine Ahnung, wie Bine das gemacht hat! Und dabei bin ich auf einen Eintrag vom 13. Juni letzten Jahres gestoßen, genau einen Monat also vor dem Libanonkrieg. Damals hat die Air Force mobile Abschußrampen von Qassam-Raketen bombardiert und dabei sind Zivilisten umgekommen.

Ein flüchtiger Gedanke: kommt das davon, wenn man einen Air Force-Mann als Ramatkal (Generalstabschef) hat? Y. war für Gabi Ashkenazi, die Ernennung war umstritten, und wir haben sie sehr intensiv verfolgt. Y. als Fallschirmjäger und Reservist der Infanterie hatte damals gemeint, er hat Sorge, daß Halutz alle Probleme aus der Luft lösen will. Und Peretz hat keine Erfahrung, er läßt sich vielleicht zu leicht überzeugen?

Tatsächlich, es ist genauso gekommen.  Ich dachte schon, ich spreche retroaktiv meinem Mann eine Weisheit zu, die ich mir vielleicht nur einbilde. Also, dafür ist das Bloggen doch wirklich gut: man kann nachprüfen, wie weit man danebengelegen hat – oder eben doch mal richtig.

Perpetuum mobile, oder: Vorsicht, bissige Autorin! Februar 10, 2007, 11:06

Posted by Lila in Land und Leute.
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Man kann sich ärgern, auch wenn man es nicht sollte. Der Karikaturenstreit. Die Papstrede. Eine Fußgängerbrücke an der Klagemauer. Egal wie lächerlich der Anlaß, egal wie harmlos, egal ob wirklich Gefahr für die Al Aqsa-Moschee besteht oder nicht – sie spritzen Gift und Galle, sie demonstrieren, werfen Steine, lassen keine Erklärung zu, greifen zu Gewalt, marschieren hinter ihren Anführern her, schreien Haßparolen. Ich weiß, ich weiß, ich sollte nicht sie sagen, es ist häßlich, unaufgeklärt, zeugt von Vorurteilen und jeder einzelne der aufgebrachten Masse mag ein ehrenwerter, einsichtiger Mensch sein, wenn er von der Masse entfernt ist. Aber sie wirken und handeln wie eine uneinsichtige, irrationale, gewaltbereite Masse.


Unmittelbare Bedrohung?

Bei der Errichtung einer Brücke statt einer vor ein paar Jahren eingestürzten Fußgängerrampe wird also vorher gegraben, um sicherzugehen, daß keine archäologischen Funde dabei kaputtgemacht werden. Was ist daran skandalös? Wenn in Rom oder Athen Erdarbeiten vorgenommen werden, ist es selbstverständlich, vorher eventuelle archäologische Funde zu sichern. Ja selbst in meinem Heimatstädtchen Jülich, einst das römische Juliacum, wurde bei den Bauarbeiten zum smarten neuen Einkaufszentrum darauf geachtet, keine Zeugen der Vergangenheit zu beschädigen. Wieso sollte es in der uralten Stadt Jerusalem anders sein?

Ich weiß, unter Israel-“Kritikern“ hat sich die Ansicht durchgesetzt, die Juden seien erst nach 1948 ins Heilige Land geströmt, das vorher Jahrtausende hindurch fest in arabischer Hand war – aber das kommt nun mal davon, wenn in den Schulen zu wenig Wert auf historisches Denken gelegt wird und niemand weiß, wer der König Salomon war und wann er gelebt hat, und wann Mohammed, und wo die beiden jeweils gelebt haben. Von Jesus, dem Juden, ganz zu schweigen – ich denke oft gern, daß er vielleicht auf einem Stein in unserem Garten gesessen hat. Wer in Israel buddelt, der findet vielerlei, und es zieht den „Kritikern“ vielleicht allzusehr den Boden unter den Füßen weg, wenn hier Münzen aus der Erde geholt werden, die in derselben Schrift beschrieben sind wie die Humus-Dose in meinem Kühlschrank. Deswegen ignorieren sie es entweder, sie streiten es ab oder erklären es für unwichtig.

Warum also sollten die Juden nicht ihre Altertümer hüten so wie die Jülicher, Römer und Athener ihre? (Und ich mache hier gar nicht erst die Rechnung auf, wie viele religiöse Heiligtümer anderer Religionen von radikalen Moslems zerschlagen worden sind… denn das wäre immer noch keine Rechtfertigung, es ihnen tit for tat heimzuzahlen!) Da die Moslems dieser Welt aber den Israel-“Kritikern“ ideologisches Futter für ihre Lüge von den Juden-ohne-Verbindung-zum-Land-Israel liefern, ist die Wahrheit ihnen unangenehm, und sie versuchen, diese archäologische Vorsorge und Sicherung so weit wie möglich zu behindern. Auch der lächerlichste Vorwand ist ihnen recht.

Was kümmert es sie, daß diese Fußgängerrampe weit von der Al Aqsa-Moschee entfernt ist? Was kümmert es sie, daß von ihrem angeblich befürchteten Einsturz zuallererst die Klagemauer betroffen wäre, als Überrest des Tempels allen Juden der Welt heilig? Was kümmert es sie, daß die Israelis erklären, zeigen, filmen, und wieder erklären?

Es interessiert sie so wie sie die Motive der Redakteure der Jyllands-Posten interessiert haben, wie der Wortlaut der Papstrede sie interessiert hat und wie sie die Tatsache interessiert, daß Juden aus Rücksicht auf moslemische Gefühle den Juden Zutritt zu ihrem eigenen Tempelberg verwehren! Es kümmert sie kein bißchen. Auf der ganzen Welt sind die Schreihälse wieder unterwegs, „Mit Geist und Blut erlösen wir dich, Al Aqsa!“ Erlösen wovon? Der Waqf verwaltet Al Aqsa und nutzt seine Autonomie dazu, selbst zu buddeln wie die Weltmeister - und damit eventuell die Klagemauer zum Einsturz zu bringen. Außerdem läßt der Waqf jüdische Altertümer verschwinden, um seine Behauptung, daß Jerusalem nie jüdisch war, zu untermauern. Das ist aber okay, oder?

Wer jetzt automatisch wieder in den böses-böses-Israel-Reflex verfällt, wer bei Bildern von steinewerfenden Palästinensern sofort fühlt, daß sie sich zu Recht gegen Unterdrückung wehren – der soll sich mal einen Moment lang ehrlich fragen: wie habe ich reagiert, als es gegen den Papst ging? was habe ich gedacht, als es wegen dieser Karikaturen losging? Kann es nicht diesmal doch sein, daß die Israelis sich normal und angemessen verhalten, die Führung der Palästinenser dagegen und der Moslems überhaupt in zynischer Weise ein Feuer schürt, das sie gar nicht erst hätten entzünden müssen?

Denn wenn jemand Al Aqsa schreit, ist sofort der Mob zur Stelle, bereit, Steine zu schmeißen und zu drohen. „Wir werden Al Aqsa mit unseren Körpern gegen die Zerstörung durch die Juden verteidigen!“ schrillt eine ältere Dame in die Kameras. Es ist hoffnungslos, ihr erklären zu wollen, daß Al Aqsa nicht bedroht ist. Auch Abu Mazen, Mubarak und der König von Jordanien hetzen mit – sie können es sich einfach nicht leisten, ein Wort der Mäßigung oder der Vernunft einzuwerfen.

Die Ausschreitungen werden weitergehen, sich ausbreiten, Todesopfer fordern. Und wofür? Für nichts und wieder nichts, wie bei Sharons Besuch des Tempelbergs. Aber in der nächsten Runde werden sie dann wiederum als Rechtfertigung herhalten. So bleibt das Perpetuum mobile moslemischen Zorns in Gang. Man könnte sich ärgern, sollte es aber nicht, schreibt es sich vom Herzen und hofft, daß irgendwann mal die Einsicht siegt. Hoffentlich bald.

Andere Meinungen zum Thema:

BBC news

FAZ Ausland

FR Online Politik

N-TV (Ulrich Sahm aus Jerusalem)

NZZ Online

Tagesspiegel

Guardian

Yeduda Litani in Ynet

Fox


Und Blogs:

Pajamas Media

Photoserie hier (Snapped Shot)

Meryl Yourish (mehrfach)

Jihad Watch

Lese-Empfehlung Februar 10, 2007, 9:48

Posted by Lila in Land und Leute.
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David Bogner erzählt die Geschichte einer jungen Deutschen, die während ihres Aufenthalts in Israel ein Cello mieten möchte, weil sie nicht aus der Übung kommen will.  Davids Geschichten sind so lesenswert, daß ich sie eigentlich ständig verlinken möchte – und diesmal tu ich es.