Nur kurz, Februar 3, 2007, 22:14
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.6 comments
weil wir gleich auf den Friedhof zur Jahrzeit von Y.s Großmutter gehen - trotz Regen.
Später: natürlich ist aus dem Eintrag nichts geworden, wir waren auf dem Friedhof - die ganze riesige Familie zusammen, mit Regenschirmen und ohne. Der Friedhof liegt im Wadi unter unserem Haus - wenn man sich das Headerbild anguckt, in Richtung links. da liegt ein Wäldchen und darin der Friedhof. Er ist sehr schön, verwunschen und einer meiner Lieblingsorte im Kibbuz. Manchmal, ganz selten, wenn ich ganz allein sein will, dann gehe ich dort hin und setze mich still auf eine Bank. Das ist dann auch anstelle der Gräber in weiter Entfernung, die ich nicht besuchen kann.
Danach haben wir den Geburtstag meiner kleinen Nichte gefeiert. Y. hatte die Geschenke für sie besorgt, er ist genial begabter Geschenkefinder, und für den kleinen Bruder hat er ein kleines, weiches Löwenjunges als “Stuhlgeburtstag” besorgt (so hießen in meines Vaters Familie die Bescherungen für die Geschwister des Geburtstagskindes, denen eben nicht auf dem Tisch, sondern auf Stühlen Geschenke beschert wurden…). Der kleine Löwe war der große Erfolg, der Kleine ließ sein “tulli” nicht mehr los und war still beglückt.
Wir sind eine große Familie, und bei jedem Treffen bringt die Jugend jemand mit, neue Freunde und Freundinnen, die beim Eintritt in das Gewimmel entsetzt zurückprallen. Trotz der grausamen Verluste der Shoah hat jede Generation das Ihre dazugetan, einen festlichen Raum zu füllen. Das Andenken an die Großmutter mit ihrer etwas barschen Art und ihrem zynischen Humor, den nicht alle Leute im Kibbuz zu schätzen wußten, mit ihren unglaublich begabten Händen und ihren blanken Augen, die alles sahen - das Andenken war unausgesprochen dabei. Besonders die ausgeprägte Familienähnlichkeit ihrer Nachkommen fällt auf - als Y. und seine Geschwister zusammensaßen, jubelten die Kinder, denn sie sehen aus wie drei Ausgaben eines Menschen. Der manchmal beinharte Humor hat sich an alle drei vererbt.
Familie ist schön. Im Sommer heiratet eine junge Cousine. Das Leben geht immer weiter. Die junge Generation der Familie erinnert sich nicht mehr an die Zeit, als ich noch nicht hier war, für sie gehöre ich zum Leben wie für mich meine Onkel und Tanten, ob angeheiratet oder nicht. Ich bin dankbar, daß wir uns alle gut verstehen, daß es nicht diese gräßliche Lästerei gibt wie in manchen anderen Familien: sobald jemand raus ist, fangen alle anderen an, über ihn herzuziehen. Das gibt es weder in meiner deutschen noch israelischen Familie. Firgun, firgun, einer freut sich am Erfolg des anderen und nimmt Anteil an seinen Sorgen. Es gibt keine familiäre Witzfigur, keinen Außenseiter, keine Zickereien.
Nachdem die Feier vorbei war, mußten wir vom Haus meines Schwagers durch den strömenden Regen nach Hause rennen. Es war nicht kalt, nur eben sehr naß. Nur Quarta hatte einen Regenschirm und quengelte, “warum darf ich nicht auch naßwerden, ich will den ollen Regenschirm zumachen!”, bis wir nachgaben. Mit großem Kichern sind wir alle durch die Ströme und Pfützen geplatscht. Dann haben wir alle der Reihe nach gebadet und geduscht, und alle warten nun auf mich, daß ich mit meinem heißen Getränk mich zu ihnen setze.
Morgen fängt die Woche wieder an, mit viel Arbeit. Aber es war ein schöner Shabat.


