Gemütsessen Februar 2, 2007, 10:59
Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.trackback
In den letzten Tagen ist es hier ein bißchen kühler als sonst. Immer noch keineswegs Temperaturen, die mich in den warmen Mantel treiben könnten - mir reicht eine Fleeceweste, wenn ich rausgehe, und ich finde es nicht kalt. Ich leide mehr unter den schrecklichen Heißluft-Heizungen in den Büros, die einen geradezu dörren. Tagsüber habe ich also kein Wintergefühl. Aber abends, wenn es dunkel ist, dann ist es so kalt und winterig, daß man sich über eine Suppe freut. Kürbissuppe, Blumenkohlsuppe, Zwiebelsuppe (”Mama, werden wir jetzt alle betrunken?”), Kartoffel-Möhren-Suppe - so sieht im Moment das Wochenmenü aus. Ich liebe diese Winterabendessen, wenn die Suppenterrine auf dem Tisch steht und die Kinder so richtig zulangen.
Überhaupt, was gibt es Schöneres als so einen Familientisch, wo alle ihren Tag erzählen und dabei Unmengen von Mamas Suppe vertilgen? Ich genieße diese Zeit, denn bald schon wird mein Primus sich selbständig machen. Er wird, wie alle Jugendlichen im Kibbuz, mit 18 eine eigene kleine Wohnung bekommen, im Abiturjahr. Darauf freut er sich natürlich. Und Secundus schläft ja sowieso mindestens dreimal die Woche in der Schule, wo er ja auch arbeitet und an allen möglichen Aktivitäten beteiligt ist. Oft verschwindet er also nach dem Abendessen, “haben eine Aufführung”, “bin im Team vom Kochwettbewerb für Freitag”, “müssen noch ein paar Szenen filmen für die Videowerkstatt”, “muß eine Führung für eine Besuchergruppe im Zoo machen”… Aber beim Abendessen sind fast immer alle zusammen.
Tja, heute scheint schon wieder die Sonne und die Veilchen blühen vor dem Fenster. Mir scheint, diese gemütliche dampfende-Suppe-Zeit ist bald schon vorbei, bevor sie so richtig in Schwung gekommen ist.



B”H
Das heimische Leben im Kibbutz.
Suppe zu der Jahreszeit ist immer gut. Vor allem, wo es von heute abend bis Sonntag wieder regnen soll. Und ich denke lieber nicht an die Kaelte. In Eurer Gegend ist es doch sicher waermer als in Jerusalem.
Dann macht Euch mal einen schoenen Shabbat. Ist ja eh nicht viel los im Kibbutz.
Das was mir im Kibbutz gefallen hat, war die Bibliothek und die Ruhe zum Lesen. Das fehlt im Stadtleben.
Miriam
Oh ja, in Jerusalem wird es richtig kalt. Meine erste Zeit in Israel habe ich in Jerusalem verbracht, und uuuuh, habe ich da gefroren! In den Häusern zog es so richtig, und der kalte Fußboden! So kalt wird es bei uns nicht.
Im Kibbuz ist eigentlich relativ oft was los, wir gehen nur nicht immer hin, oder Y. macht die Tontechnik und das ist dann nicht sehr entspannend. Das Schwarze Brett ist eigentlich immer voll mit Ankündigungen, Einladungen, Plakaten…
Als wir noch nicht so chronisch müde waren, hatten wir auch ein Abonnenemt für Ballett und Konzert, alle guten Aufführungen kommen ja irgendwann auch zu uns in den Norden, und sowohl Yagur als auch Ein HaShofet haben immer ein gutes Programm. Da haben wir wunderbare Sachen gesehen. In den letzten Jahren war der Alltag aber zu anstrengend, und wir raffen uns nur selten abends auf, die Kinder allein zu lassen. Ich nehme mir sofort vor, das zu ändern!
DIE angesagte Diskothek der Umgebung, das Terminal, ist ebenfalls hier in der Nähe - da kommen die Leute aus Haifa angereist und stehen stundenlang an. Angeblich sind die Türsteher so wählerisch, daß es ein Statussymbol bedeutet, da reinzukommen Das haben mir Studenten erzählt, ich weiß nicht, ob es stimmt.
Na ja, wir sind eben nicht Tel Aviv, wir sind eben Landpomeranzen. Das wirklich große Plus hier sind die Ruhe, die schöne Landschaft und die wilden Blumen, die schon rausgucken…
Die Kibbuz-Bibliothek gefällt mir auch, es ist erstaunlich, was für wunderbare Bücher die Vatikim mitgeschleppt haben. Ruhe zum Lesen nehme ich mir allerdings immer. Auch als ich noch in der Stadt gelebt habe.
Ich liebe Suppe, und erst Zwiebelsuppe!
Wenn dich Kälte nicht stört, bist du ein glücklicher Mensch. Leider bin ich dauernd so verfroren. Im Sommer überall diese schrecklichen Klimaanlagen, und im Winter heizt niemand. 19 Grad im Restaurant und niemanden stört es. Puuuuh!
B”H
Shavua Tov.
Soviel Ruhe zum Lesen hatte ich nach dem Kibbutz nie wieder. Schade.
Ich weiss ja nicht, wie gross, bzw. wie gut euer Kibbutz finanziell gestellt ist. Ich war in drei unterschiedlichen Kibbutzim, einmal Volontaer und zweimal Ulpan, und in denen herrschte chronischer Geldmangel. Also war Shabbat immer tote Hose, ausser irgendwelchen bloeden Discos freitags abends.
Manchmal wurden Filme gezeigt oder einmal kam das Orchester aus Rishon. Aber das nur am Monatsanfang, wenn noch Geld da war.
Miriam