Offene Fragen Januar 27, 2007, 11:23
Posted by Lila in Land und Leute.trackback
Im Gazastreifen wird gekämpft, Zivilisten sterben, darunter ein zweijähriges Kind, insgesamt 14 Menschen. Davon haben vielleicht noch nicht alle gehört, das Medienecho (überprüft an ein paar deutschen Zeitungen im Internet, nichts Umfassendes) ist eher verhalten. Auf vielen Titelseiten findet sich die Meldung gar nicht (auf der Süddeutschen, Kölner Stadtanzeiger…) oder nur klein, oder unter Betonung der Aspekte “Machtkampf“, “Streit” oder “Zusammenstöße” - manche Titelzeilen erwähnen die Toten nicht einmal. Sollte es wirklich so sein, daß Tote nur dann zur Kenntnis genommen werden, wenn sie durch israelische Kugeln oder Raketen ums Leben kommen? Immerhin 14 Tote. Ich frage mich, wie die Schlagzeilen wohl ausgesehen hätten, wenn sie durch “Zusammenstöße” mit uns ums Leben gekommen wären - wenn die Armee zum Beispiel mal auf den Qassam-Beschuß reagierte und Truppen in die Abschußgebiete schickte, was sie ja schon oft genug getan hat (und zwar jedesmal mit wenig Erfolg, darum halte ich es für richtig, daß sie es nicht macht).
Und Kinder? Wenn man in Gebieten kämpft, in denen sich Zivilisten drängen, dann kommen Zivilisten zu Schaden. Das ist schlimm und sollte vermieden werden, so gut es geht. Zu oft hat sich unsere Armee in solche Auseinandersetzungen ziehen lassen, aber daß die Palästinenser keine Probleme damit haben, zeigt sich leider immer wieder. Eine Granate auf ein Wohnhaus gefeuert, in dem eine Familie sitzt? Die Spielregeln der Palästinenser untereinander sind hart. Die Spielregeln der Medien anscheinend auch. Ist es weniger schade um ein zweijähriges Kind, wenn es nicht durch israelische Kugeln ums Leben gekommen ist, sondern “nur” durch interne Kämpfe der Palästinenser untereinander?
Ein paar Stunden später: Die Opferzahlen stehen inzwischen bei 17. SPon findet das keiner Erwähnung wert, nicht mal in der Politik-Sparte. Kann mir das mal jemand erklären?



Die Ignoranz gegenüber dieser Gewalt ist m.E. das Ergebnis eines ganz speziellen Rassismus, der die Araber im Allgemeinen und die Palästinenser im Speziellen als edle Wilde ansieht. Und edlen Wilden sieht man es halt nach, wenn sie über die Stränge schlagen.
Zynisch gesagt: Die Zeitungen wollen doch nicht, daß ihre Freunde an den Pranger gestellt werden…
In der gerade laufenden Tagesschau wird übrigens darüber berichtet, auch im Umfang angemessen.
Ja natürlich Zusammenstöße in Folge des Machtkampfes - was denn sonst? Oder habe ich was verpasst? (www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/nahost-fatah-hamas/89851.asp) Allerdings lese ich da nicht heraus, dass die getöteten Kinder billigend in Kauf genommen worden wären. Kann ich aber natürlich nicht beurteilen, politische Auseinandersetzungen mit Waffengewalt sind immer grausam (und offensichtlich grausamer, wenn sie auf Palästinensischer Seite stattfinden? Weil die auf Kinder keine Rücksicht nehmen?)
Ich verstehe ja, dass als einseitig empfunden wird, wenn der tägliche Kassam-Beschuss nicht in der (int.) Presse auftaucht, aber deswegen ist doch nicht jeder Artikel tendenziös. Selbstverständlich hätte es für mehr Aufregung und Unruhe gesorgt, wenn Israel involviert gewesen wäre, kann doch nicht ernsthaft verwundern.
Ich kann dein „nur“ aus dem letzten Satz zumindest nicht nachvollziehen. Kinder sind tot. Das ist schlimm. Dem wird in diesem Artikel zumindest (o.k., ich lese natürlich nicht alles) auch durch die Kapitelüberschrift Rechnung getragen.
Hier ein anderer „tendenziöser“ Artikel, um auch mal positive Perspektiven (ich gebe zu: Träume; aber die können ja auch wahr werden, hin und wieder) in den Blick zu nehmen: http://www.tagesspiegel.de/politik/nachrichten/nahost-wirtschaftszone-davos-peres/89795.asp
Ah, oder dieser, den ich ganz besonders schön finde: „Arabische Helden des Holocaust“, mit dem erster Araber unter den rund 21.000 Gerechten auf Yad Vashem: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID6349858_REF1,00.html
Liebe Lila,
glaubst Du, dass Du darauf wirklich eine ehrliche Antwort wissen willst? In den Kommentaren wirst Du sie wohl nicht finden, weil hier nur Pros geduldet werden und wer hier kritische Anmerkungen macht, wird als dämlicher Gutmensch von den Stimmen eines erstaunlichen Hasses niedergeschrien.
Wenn Du an einem kritischen aber fairen Gedankenaustausch interessiert bist, hast Du meine Email-Adresse. Ich hätte Interesse an einem solchem, aber in diesem Blog Kritik zu äußern, ist nicht gut für die geistig-seelische Verfassung. Hier wird zu scharf und zu blind geschossen. Hier ist zuviel Einseitigkeit und Hass, (womit nicht Du gemeint bist).
Ich würde mich über einen Emailaustausch freuen, aber hier meine Gedanken zu äußern, empfinde ich für mich persönlich als gesundheitsschädigend.
Freundliche Grüße
Martin
liebe lila,
errst mal SORRY fuer den zynismus, ist nicht boese gemeint, hat aber aktuellen anlass …..
*zynismus ein*
glaubst du wirklich die hiesigen nachrichten wuerden ueber ein pal. kind berichten das durch die kugeln der eigenen leute getroffen wurde ? das kann man doch nicht machen, das weltbild der guten pazifistischen gutmenschlein durcheinander zu bringen, noch dazu an einem solchen tag wie heute wo literweise krokodilstraenen geweint werden um dann zur tagesordnung ueberzugehen ! ?
der fall waere erst interessant wenn die boese, menschenverachtende, rassistische israelische besatzungsarmee ein armes, unschuldiges pal. kind getoetet haette, natuerlich in voller absicht, denn die juden sind ja nun mal so, spaetens seit diese ganz boesen menschen ein stueck land geklaut haben um dort ihren staat zu errichten, natuerlich voellig ohne grund, denn an der schoa waren sie wahlweise selbst schuld oder es hat sie nicht gegeben. und dann gruenden die boesen juden auch noch eine armee die jetzt die armen, unschuldigen palaestinenser unterdrueckt. aber eigentlich waren sie doch auch vorher schon so.
das vielleicht auch auf der anderen seite irgend etwas falsch laeuft kann doch nicht sein, oder ?? das passt doch ueberhaupt nicht ins weltbild.
komisch ist nur das die boese israelische besatzungsarmee aus gaza abgezogen ist, noch dazu die boesen, militaristischen siedler vertrieben hat und seitdem in gaza der teufel los ist.
ich dachte immer wenn die israelische besatzungsarmee gaza verlaesst herrscht dort ruhe und froehlichkeit, alle fassen sich ans haendchen und schliessen frieden, so haben es die medien doch immer verkuendet und die koennen doch nichts falsches sagen, oder ?
ach, ich habe die loesung: was sich in gaza abspielt ist alles von den zionisten inzeniert um die armen, unschuldigen palaestinenser schlecht aussehen zu lassen. die juden sind schliesslich immer an allem schuld, oder ?
*zynismus aus* —- es ist zum heulen !!
langsam, aber sicher denke ich wirklich das israel sich nur und ausschliesslich auf sich selbst verlassen kann, sonst ist das land verlassen. juedische menschen haben sich schon einmal auf die hilfe von anderen verlassen, mit dem ergebnis das wir kennen …
nur stellt diese erkenntnis wiederum mein weltbild auf den kopf, leider …. bisher dachte ich eigentlich in einem umfeld zu leben in dem es auch pro israelische kraefte gibt und ein kampf sich lohnt.
lohnt er sich wirklich ?
liebe gruesse,
grenzgaenger
21 Tote. Auf der SPon-Titelseite nichts, nicht ein Wort (Auf der Auslandseite ist es fünfte oder sechste Meldung, noch nicht aktualisiert, Überschrift: PALÄSTINENSER-STREIT -
Hamas friert Gespräche mit Fatah ein). ARD-Seite: unter “Weitere Meldungen: Wieder Tote bei Schießereien im Gazastreifen”.
Vielleicht bin ich paranoid, meinetwegen, aber ich bin mir sicher: wären nach Schießereien mit Zahal 21 Tote zu beklagen, wäre das eine Schlagzeile auf der Titelseite wert. Hoffen wir, daß es nie wieder dazu kommt und ich keine Gelegenheit haben werde, meine These bestätigt oder widerlegt zu sehen.
Und der Verdacht mit den “edlen Wilden” scheint mir einleuchtend. An die Palästinenser werden andere Maßstäbe angelegt. Das ist eine Art der Verachtung, die den Palästinensern nicht hilft. Sie würde niemandem helfen, aber besonders den Palästinensern, von denen ihre Situation verantwortungsvolles, langfristiges, überlegtes Handeln fordert, schadet sie sehr.
Darüberhinaus, und das ist sehr bitter hinzuschreiben, aber in solchen Situationen drängt es sich mir leider auf… seit dem Mythos vom Bethlehemer Kindermord werden Juden gern als Kindermörder verleumdet. Die Blutverleumdung des Mittelalters, die ägyptischen Filme über israelische Soldaten, die arabischen Kindern die Augen herausschneiden, Mohammed Dura - Greuel, die den Juden und ihrer politischen Inkarnation, den Israelis, ungerechterweise zur Last gelegt und geglaubt werden. Es fällt mir schwer, das zu sagen, denn 1. sieht es allzusehr nach der sog. “Antisemitismuskeule” aus, mit der manchmal die Diskussion über historische Linien abgewürgt wird (dabei gehört zu jedem Konflikt seine Entstehungsgeschichte) und 2. klingt es so, als würde ich ableugnen, daß im Nahostkonflikt schon viele palästinensische Kinder verletzt wurden und gestorben sind. Das streite ich nicht ab, und um jedes einzelne Menschenleben, nicht nur von Kindern, tut es mir leid - besonders aber von Kindern. Wer hier mitliest, weiß, daß ich Iman Haj nie vergessen habe.
Ich habe mir dazu noch keine endgültige Meinung gebildet, es wäre wirklich zu bitter, wenn dem so ist. Es freut mich auch jeder Kommentar, der meiner Schwarzseherei begründeten Zweifel entgegensetzt, so daß ich denken kann, vielleicht irre ich mich ja. Aber achten wir mal gemeinsam darauf, wie über tote (palästinensische) Kinder im Konflikt mit Israel vs tote Kinder in jedem anderen Konflikt berichtet wird…
Gräßliche, gräßliche Nachrichten. Ich hoffe, der ganz große Bürgerkrieg kann aufgehalten werden - Abbas gegen Hanija, wo soll das hinführen???? Wir verfolgen es mit großer Sorge. 500 Tote seit Anfang der Auseinandersetzungen - mein Gott.
In “Tagesschau” um 18:30 wars die Erstmeldung, wenn ich richtig aufgepasst habe.
“heute” um 19:00:
Kurnaz - syrisches Folteropfer - Mindestlöhne - Brandenburgische CDU - Fluglotsentarifstreit - Holocaust-Gedenktag - Protestmarsch gg. Irak-Krieg in Washington - Weitere Nachrichten kurz und knapp: Kämpfe in Gaza - …
Interessant, wie unterschiedlich die Bedeutung der aktuellen Entwicklung in den verschiedenen Nachrichtenredaktion bewertet wird.
Das ist ja wirklich interessant! Bei uns, Channel 2, war es Erstmeldung, und im Studio war Suliman Ashafi (wie man am Namen hört, selbst Araber), der kompetente und stets menschliche “Mann am Ort” in Gaza. Er berichtet von dort seit Jahren und er klang sehr, sehr besorgt. Ich hoffe, sie treiben es nicht auf die Spitze - challas.
Guten Abend LILA,
mit Sorge lese ich Ihren Eintrag und die Kommentare dazu.
Wir wissen doch schon längst, wie Medien berichten und wenn wir die Inhalte untereinander vergleichen schleicht sich ein unheimliches Gefühl ein. Israel ist einerseits für mich (Wien) so weit weg und andrerseits doch so nah. Außer verbaler Anteilnahme kann ich nichts tun, das klingt hart, aber so ist es. In unmittelbarer Nähe hingegen dafür kann ich etwas tun und ich bemühe mich auch darum, aber liegt es nicht daran, dass wir Tag täglich Kriege, Mord- und Todschlag innerhalb von vielen Familien aus den Medien mitverfolgen und weiterhin alles über die Welt und uns ergehen lassen und ZuschauerInnen bleiben?
Ist es nicht so, dass wir – die Zivilgesellschaft – eindeutig die Mehrheit bildet, die so genannte MACHT? Wir wissen das und schauen zu.
Mittlerweile haben web-logs Millionenzahlen erreicht – Menschen, die schreiben, Menschen die von vielen weltweit gelesen werden – vielleicht wäre es an der Zeit, dass wir endlich ein einziges Thema alle web-log VerfasserInnen gemeinsam, eine weltweite Kampagne zum Thema „FRIEDE“ starten? In der Kürze würde die Würze liegen… (Each one reach one …). An uns liegt es, wir wollen es nur noch nicht wahrhaben.
„Wie müßte die Welt erst aufatmen - dachte ich damals zum erstenmal - wenn es allenthalben hieße: die Waffen nieder - auf immer nieder! …“
„DIE WAFFEN NIEDER“ – Bertha von Suttner
http://www.literature.at/elib/www/wiki/index.php/Die_Waffen_nieder_(Bertha_von_Suttner)
Mit herzlichem Gruß,
Malune
Update Sonntag früh: 24 Tote. Keine Erwähnung auf SPon-Titelseite. Auf der ARD-Titelseite unter “weitere Meldungen”. BBC News: Titelseite oben. Welt, Politikteil: nix. FAZ, Politikteil, Ausland: nix. FR online: überall gesucht, Gazastreifen nicht gefunden. Guardian: nichts. n-tv.de: nichts. Süddeutsche, Politkteil: nichts. Hamburger Abendblatt: kurze Notiz, immerhin. Eine Agenturmeldung also gibt es - bleibt nur die Frage, was macht man damit?
NZZ hat einen Kommentar zur Lage (Israels politische Skandale geben den radikalen Palästinensern Auftrieb - na gut, jeder hat das Recht auf seine Meinung, und irgendwie muß Israel daran schuld sein, wenn sich Fatah und Hamas gegenseitig totschießen. Ohne Olmerts Chaos wären die nie auf die Idee gekommen!) Kölner Stadtanzeiger: Fehlanzeiger. Tagesspiegel, Politikseite: nicht aktualisierte Meldung von vor zwei Tagen, “Hamas stoppt Dialog mit Fatah”.
So sieht es aus, wenn Palästinenser Palästinenser töten.
Die Meldung kam gestern in der Hauptausgabe der Tagesschau - die, bei allem Interne-Hype, für Deutsche immer noch die Nachrichtenquelle Nr. eins ist. Es wurde sachlich berichtet, kein Kommentar, keine Wertung.
Kennst Du eigentlich das ausgezeichnete Tagesschau-Blog?
http://blog.tagesschau.de/
Hier machen Redaktion und Chefredaktion der wichtigsten deutschen Nachrichtensendung immer wieder transparent, warum was wie vermeldet wird. Israel war noch nicht Thema, kann aber noch werden.
Vielen Dank, sofort geblogrollt! Tageszeitungen kann ich ja leider nur per Internet abchecken, hier haben wir kein Kaffeehaus mit raschelnden Zeitungen.
Israel hat für 18 aus Versehen getötete Unschuldige eine Verwarnung der UNO eingefangen, nachdem die USA eine Resolution per Veto gestoppt haben. Nur zur Erinnerung. Dabei hat Israel sich entschuldigt und die Verwundeten in israelische Krankenhäuser gebracht. Aber da schlugen die Wogen der Empörung über das “Massaker” haushoch.
[...] Offene Fragen « Letters from Rungholt Wenn palästinensische Kinder von Palästinensern getötet werden, schweigt die Welt. (tags: rungholt israel palästina gewalt kinder) [...]
Auf SpOn ists jetzt die erste Meldung.
Boker tov, kann man da nur sagen…. die lesen eben hier mit.
Bradley Burston in Haaretz zum Thema:
In the newsroom, we wait for it every morning, hoping that it won’t come.
Then it does. Same time, every morning. The first notice from the wire service is as economically laconic as it is horrifying. A car bomb. A bus bomb. A truck bomb. An open market. A mosque. Dozens feared dead. Some days, scores.
The world can live with it. The world has nothing to say about it. Many Americans, even those who want an immediate end to the U.S. military presence, can live with it.
Perhaps most troubling, Muslim holy men can live with it.
“It’s hard to know what’s more disturbing: the barbaric sectarian murders by Sunnis and Shiites in Iraq, or the deafening silence with which these mass murders are received in the Muslim world,” Thomas Friedman wrote in the New York Times last week.
“Where is the Muslim Martin Luther King? Where is the ‘Million Muslim March’ under the banner: ‘No Shiites, No Sunnis: We are all children of the Prophet Muhammad.’”
Closer to home, in the space of a long weekend, 24 people were killed in fighting between Hamas and Fatah gunmen, among them a two-year-old and a six-year-old.
Spiritual leaders have done little to calm tension. In fact, it may be argued that if there is one element in the Holy Land that has kept compromise at arm’s length, it has been the uncompromising radical rigidity of influential religious figures.
Where, indeed, are the clerical voices preaching for rapprochement, for understanding, for compromise?
Ja, auch die islamischen Führer, die über jeden von Israel getöteten Moslem in eine Ekstase der Trauer und Empörung geraten, haben nichts zu von anderen Moslems Getöteten zu sagen. Sehr bitter, daß menschliches Leben nicht in jedem Fall gleich viel wert ist. Muß man sich dagegen nicht empören?
Sollte es wirklich so sein, daß Tote nur dann zur Kenntnis genommen werden, wenn sie durch israelische Kugeln oder Raketen ums Leben kommen?
Ich befürchte, ja. Ehrlich gesagt habe ich die Hoffnung in dieser Richtung schon lange verloren. Die Medien sind ja meist ein Spiegel der “doitschen Volksmeinung” und die Leute wollen ihre Vorurteile eben bestätigt wissen und da passen Palästinenser als Täter eben nicht so ganz in das Weltbild. Der Täter muss eben immer ein Jude sein. Jedenfalls für die ganzen “Israelkritiker” hier.
Ich komme gerade von der Demo gegen Herrn A. aus Teheran und da waren nur so 1000-1500 Menschen. Ok, es hat übel geregnet und gestürmt, aber das war schon etwas wenig. Wäre das eine Demo gegen die pöhsen Israelis und Amis gewesen, dann wären sie alle da gewesen, die Friedensfreunde…
Ganz schön deprimierend…
Ich bin nicht sicher, daß das repräsentativ ist - im Vorfeld dieser Demo waren wohl zu viele Auseinandersetzungen. Ich muß ehrlich sagen, daß mich dieses Plakat auch nicht vom Sessel gerissen hat - ich finde, man kann es sich auch zu leicht machen. Ich mag diese Nutzung der Shoah einfach nicht, sie ist menschliche geschmacklos und politisch gesehen ein Bumerang.
Aber deprimierend ist es schon. Das deutsche Volk hat so gesehen klar Partei ergriffen. Gut, daß wir nicht drauf angewiesen sind.
Und oh wie froh, wie froh, wie froh bin ich, daß wir in Israel leben!!!
Keine Frage: das Plakat war sehr unglücklich und der Streit im Vorfeld hatte eher etwas mit “Machtspielchen” zu tun, denn die Bahamas-Leute fühlten sich wohl ausgeschlossen und schmollten dann. Dazu kommt noch der Streit innerhalb der jüdischen Gemeinde, weil Frau Knobloch angeblich den Kontakt zur Basis verloren haben soll.
Wir leben in einer schlimmen Zeit.
Hallo Lila, vielleicht ist es doch nicht so schlimm wie Du glaubst, sogar unser lokales “Käseblatt” hat heute eine ganze Sonderseite, als Thema des Tages über Palästinenser gegen Palästinenser gebracht. Auch über den Tod des Zweijährigen. Schade, daß ich es nicht verlinken kann. Die Überschriften lauten:
- “Bruderkrieg im Gazastreifen”, mit Untertitel “Blutiges Wochenende
verschärft den Palästinesnserkonflikt zwischen Hamas und Fatah.
Bei schweren Gefechten sterben zwei Dutzend Menschen - darunter
ein zweijähriger Junge”
- “Der Countdown für den Nahen Osten läuft” , zitiert Rudolf
Dressler und verweist auf D.I.N.O, Deutsche Initiative für den
Nahen Osten (dino-muenster.de)
- “Papst fordert Ende der Gewalt”
-”Neue Impulse für Friedensprozess”
-”Muslimischer Minister in Israel”
-”Harte Lektion: Ein Jahr Hamas”
Soweit ich erkennen kann, wird in keinem Artikel Israel die Schuld gegeben.
ein paar worte zur ILI demo - mein kleiner bericht von der demo findet sich hier:
http://grenzgaenge.wordpress.com/2007/01/29/bericht-von-der-
ili-demo/
liebe lila, es hat im vorfeld der demonstration tatsaechlich auseinandersetzungen gegeben, vor allem haben leute kritisiert deren einzige aktionsform darin besteht wohlklingende reden zu halten oder in ihren geschlossenen zirkeln zu diskutieren mit einer aussenwirkung die gleich null ist. um so mehr freue ich mich das viele juedische gemeinden den aufruf unterzeichnet haben und auch einige arbeitsgemeinschaften der deutsch-israelischen gesellschaft.
was das plakat angeht: es ist sicherlich kontrovers, aber ich kann nicht sehen wo dort die realitaet verzerrt dargestellt wird. meiner bescheidenen meinung nach werden die ziele des iranischen praesidenten klar, deutlich und realistisch dargestellt. und ich denke gerade in unserer virtuellen welt ist es manchmal noetig sachverhalte deutlich vor augen zu fuehren. nebenbei gesagt habe ich auf der kundgebung auch zwei schoa ueberlebende getroffen, die genau diese meinung vertraten. liebe lila, ich will dir nicht auf die fuesse treten und verstehe deine bedenken voellig, gut das du es ausgesprochen hast. nur bin ich anderer meinung, ok ?
und du hast recht in dem punkt das es gut fuer israel ist nicht auf deutschland angewiesen zu sein. sonst koennte man in israel schon mal vorzeitig ins meer springen.
die frage ist halt: was nun ?
es gibt zwei alternativen:
1) resignieren ! zur kenntnis nehmen das man ohnehin keinen blumentopf gewinnen kann, die bedrohung durch den iran wird ohnehin in deutschland nicht wahrgenommen und es ist der grossen mehrheit ohnehin sch…. egal ob israel vernichtet wird oder nicht, viele wuerden sogar beifall klatschen. also: mit einer dose bier auf´s sofa …..
2) kaempfen ! weiterhin aktionen wie den israel tag durchziehen, weiterhin gegen den frust und die wut anschreiben, weiterhin zu demos gehen, weiterhin versuchen entgegenzuwirken.
man muss sich entscheiden, ich glaube der versuch einen mittelweg zu finden ist selbstbetrug !
du weisst wie ich mich entscheiden werden. das bin ich mir selbst schuldig, aber auch meinen mitstreiterInnen und den chaverim in israel !
(gerade an einem so traurigen tag wie heute …)
liebe gruesse,
grenzgaenger
Gestern waren die Meldungen ziemlich weit oben. Ich denke, es stimmt, dass die Meldungen anders wären, wenn die IDF dafür verantwortlich wäre oder es diese Vermutung gäbe.
Dass nicht das Leiden oder die Anzahl der Toten Maßstab für Berichterstattung ist, sieht man ja auch an Irak oder Sudan.
Dass Schweigen ein Zeichen ist, mit etwas leben zu können (wenn ich ihn da richtig verstanden habe), halte ich allerdings für einen Fehlschluss von Bradley Burston. Schweigen kann auch ein Zeichen von Hilflosigkeit oder ganz wörtlich von Sprachlosigkeit sein.
Man sollte auch bedenken, dass man nur den hört, der a) etwas sagt, b) dessen Wort verbreitet wird, c) dessen Wort man hört und d) dessen Wort man wahrnimmt. Diejenigen, die immer alles schon ganz, ganz genau wissen (und auch hier ist wichtig, nicht zu schnell in Schubladen zu schieben, Menschen können sich ja sowieso ändern, auch wenn Gegenbeispiele oft vorkommen), melden sich halt eher zu Wort als die, die ganz unsicher sind, wie sie über etwas denken sollen oder auch die, die nicht wissen, wie sie sich ausdrücken sollen. Am Lautesten sind immer die, die schreien. Am Häufigsten hört man die, die am Meisten reden. Usw. Ich weiss auch nicht, worauf ich mich hier beziehe (wenn überhaupt), aber es schien mir wichtig, das zu erwähnen.
Hoffen wir, dass die Morde und das sinnlose Sterben aufhören.
MfG Sven
[...] Kämpfen zum Opfer, wird nicht nur kein großartiges Aufsehens um sie gemacht (Lila geht auf diese verächtliche Angewohnheit in der Nahost-Berichterstattung ein), die Mörderbanden werden unter Verweis auf die schwierige Lage, in der die palästinensische [...]