Ekelhaft Januar 23, 2007, 18:25
Posted by Lila in Land und Leute.trackback
Ich habe mich bisher zu den Vorwürfen gegen unseren Präsidenten relativ still verhalten, einfach weil es so ekelhaft ist und ich ja nicht zu allem meinen Senf dazugeben muß. Und ich habe einfach mal abgewartet, was bei den ganzen Ermittlungen rauskam. Pfui Teufel, kann man da nur sagen. Ich weiß noch, als Katsav gewählt wurde, waren alle verblüfft: dieser unauffällige Mann statt Peres? Dabei gab es doch genügend Leute, die Peres gern auf sichere Repräsentationspflichten abgeschoben hätte, und Peres wollte es selbst. Aber Peres gewinnt nun mal keine Wahlen, nicht mal zum Kassenführer des Kaninchenzüchtervereins Bat Yam würde er durchkommen. So wurde Katsav Präsident. Er war nicht brillant-peinlich wie Äiser, er war nicht der Gentleman aus der großen Welt wie Herzog, er war halt Katsav. Und bereitete sich, das war absehbar, auf eine weitere Karriere im Likud vor.
Tja, nun wird die schärfste mögliche Klage gegen ihn wohl erhoben werden: Vergewaltigung. Ich habe beim Putzen Radio gehört, daher wußte ich es sofort, als der Beschluß fiel. Allerdings habe ich nicht gemerkt, daß Quarta still in ihrem Zimmer saß und mit ihren rosa Ponies spielte, und alles mit anhörte. Sie kam sofort angeschossen und fragte, “Mama, hat der Präsident jemanden umgebracht?” Ich habe es ihr also kindgemäß erklärt, mit Betonung darauf, daß sie sehen kann, wie Polizei und Recht die Frauen schützen, und daß keiner eine Frau oder ein Mädchen, oder auch einen Jungen, fies anfassen darf. Sie versteht auf ihre Art und Weise, wovon die Rede ist. “Mama, warum will er so viele Kinder von so vielen Frauen? Oder sind sie geimpft, damit sie keine Babies kriegen?” Und dann meinte sie, “Mama, wenn ich seine Frau wäre, dann würde ich ihm bestimmt kein Küßchen mehr geben wollen. Ist ja eklig, wenn er andere Frauen geküßt hat.”
Ja, von allen Seiten ist die Sache eklig, und ich ärgere mich, daß dieser Präsident, statt uns würdig bei nichtssagenden oder vielsagenden Anlässen zu vertreten, nun Themen in unsere Wohnzimmer trägt, die ich eigentlich lieber auf meine Art und Weise aufbringen würde. Nettes Beispiel, das er uns gibt.
Allerdings gebe ich Yoel Marcus recht, daß wir in der Selbstgeißelung unserer Gesellschaft vielleicht zu weit gehen - es sind unter den vielen Anklagen, die über den Köpfen unserer Politiker schweben, auch einige Lappalien, aufgepustete Luftballons, gut, daß es ein Justizsystem gibt. Es funktioniert ja auch. Wir sollten uns also nicht geißeln, sondern uns drauf konzentrieren, selbst die Normen einzuhalten, die wir von anderen erwarten, und Verstöße gegen diese Normen durch Entzug von Wählerstimmen zu sanktionieren, damit den Politikern klar ist, was die Voraussetzung dafür ist, in Israel Einfluß zu haben.
Aber trotzdem - ich finde es unerträglich, daß kaum jemand bereit ist, für seine Verfehlungen einzustehen und seinen Hut zu nehmen. Würdeloser als ein angeklagter Präsident ist ein angeklagter Präsident, der seine Rolle weiterspielt. Pfui Teufel, kann man da nur sagen, und sich mit Grausen abwenden.
Übrigens: ich habe so ein Brummen im Magen, das klingt wie “Rubinstein, Rubinstein”. Mal sehen, wann sein Name in den Ring geworfen wird. Ich fände ihn nicht schlecht, er war der beste Erziehungsminister, den wir in langen Jahren hatten. Natürlich wäre eigentlich eine Frau “dran”. Ist Colette Avital stark genug, sich den Posten zu schnappen? Sie könnte das auch gut machen. Ach, eigentlich egal wer es wird, Hauptsache, ich brauche das widerliche Gesicht von diesem heuchelnden, wie Popel an seinem Stuhl klebenden Kerl nicht mehr zu sehen.


Naja, in diesem Falle hat das ja nichts mit Selbstgeißelung zu tun. Ein solcher Mann (aber da sind wir uns sicher alle einig) gehört vor Gericht, unabhängig von Staatsangehörigkeit oder gesellschaftlicher Position. Im Übrigen geht es ja nicht um ein durch die Presse verursachtes „schlechtes Ansehen“, sondern um das notwendige Aufzeigen von Fehlentwicklungen und die Chance auf Wiederherstellung des guten (oder eines besseren) Ansehens. Wenn ich mir in Deutschland zum Beispiel das Gezerre um die CSU derzeit ansehe, die massiven Vorwürfe gegen Steinmeier, die Scheinheiligkeit Berliner Politiker ums Anti-Raucher-Gesetz, etc. pp.: Eigentlich spielt die Nationalität doch überhaupt keine Rolle! Die Art von Aufmerksamkeit hielte ich in jedem anderen Staat für genauso geboten.
Marcus meint mehr die Tendenz, uns über Formalien oder Lappalien ebenso aufzuregen wie über wirkliche Skandale - von denen wir im Moment aber wirklich mehr als genug haben. Olmert hat es geschafft, bei jedem Job, den er gemacht hat, seine Weste noch ein bißchen zu bekleckern. Ist kaum noch als ehemals weiße zu erkennen… Die Geschichte mit Ramon ist allerdings seltsam und keiner weiß, was dahintersteckt. Aber schon Sharon steckte ja bis über beide Ohren in Skandalen. Einfach zum Kotzen. Und Marcus findet Kotzen nicht konstruktiv, womit er recht hat. Aber ich kotze trotzdem.
Und natürlich gibt es überall Geschichten, oder fast überall. Aber Katzav ist schon der Gipfel…
Vielleicht ist es nicht immer konstruktiv, erleichtert aber ungemein.
Dass man sich die Verhältnismäßigkeit immer vor Augen halten muss, ist klar. Aber an allem und jedem etwas zu bekritteln zu haben, kann ja auch als durchaus liebenswerte Komponente betrachtet werden.
B”H
Ich finde es ganz einfach unverschaemt von Katzav, so an seinem Posten zu kleben und nicht zurueck zutreten. Hoffentlich schmeisst ihn die Knesset raus.
Er hatte wohl gehofft, dass der oberste Anklaeger Menny Mazuz seinen Fall ad acta legt. Pech gehabt.
Miriam
Wenn Du gerade Channel 1 geguckt hast, dann weißt Du, daß die Knesset einen Teufel tun wird. Jeder denkt, was das für Konsequenzen das für ihn haben würde und da ist ihnen lieber, K. beurlaubt sich selbst - von K. ein toller Trick, denn solange er technisch Präsident ist, kann keine Anklage erhoben werden. Also bis Ende seiner Amtszeit ein Weiterhangeln.
Masus jedenfalls scheint seine Aufgabe ernst zu nehmen. Hat ja eine Menge Arbeit…
Iss zwar ein schwacher Trost - aber letztlich ist mir ein Land, in dem auch hohe Politiker vor Gericht gestellt werden immer noch viel lieber als eine (wie auch immer geartete) Diktatur, in der “soetwas” (und Schlimmeres) auch ständig vorkommt, aber völlig selbstverständlich unter den Tisch gekehrt wird…
B”H
Warten wir einmal heute nachmittag die Pressekonferenz von Katzav ab. Sein Anwalt verkuendete gestern, sie haetten neue Beweise fuer seine Unschuld.
Aber die Knesset wird ihn rausschmeissen.
Miriam
Er wird sich selbst beurlauben, um Zeit zu gewinnen. Ich glaube nicht, daß er zurücktreten wird - den besten Zeitpunkt dafür hat er verpaßt. Und ich glaube auch nicht, daß die Knesset ihn rausschmeißt - außer Shelly Yachimovitz und Zehava Gal-On ist keiner wirklich daran interessiert. Die werden alle sagen, “ach, wäre er doch mal zurückgetreten, ja was denn nun?” und werden abwarten, bis seine Amtszeit abläuft.
Aber wenn Du mit Deiner optimistischeren Einschätzung Recht behältst, dann freue ich mich darüber. Weiß auch nicht, wann ich den Glauben an die Menschheit verloren habe
muß irgendwann neulich passiert sein… als ich gerade nicht aufgepaßt hab.
Oha, ich muß mich korrigieren: es kann sein, daß sie ihn doch rausschmeißen. Und zwar, um Dalia Itzik aufzuhalten - die wäre nämlich seine Vertreterin im Falle einer Selbstbeurlaubung (”nifzarut”, wie nennt man sowas auf Deutsch?), und könnte allzu selbstverständlich in diese Rolle reinrutschen…. was weder Rivlins Anhängern noch Peres´ gefallen dürfte.
Aber aus Ehre und Anstand? חחחחחחחח……
Und weißt Du was? Ich habe den Libai eigentlich immer für einen ganz vernünftigen Mann gehalten, er ist mir als fairer, sachlicher Vermittler a la Livni in innerparteilichen Krächen aus seiner Politiker-Zeit noch in Erinnerung. Aber gestern konnte man ein Spektakel sehen, das man lieber nicht gesehen hätte. Also ich habe keinen Respekt mehr vor einem Mann, der längst entkräftete, wolkige Vorwürfe gegen die klagenden Frauen wieder in den Raum stellt, um Katzav reinzuwaschen. Ein juristisches Katzenklo, in dem die Häufchen nur verscharrt werden, aber noch eindeutig riechbar sind.
Ist Trackback bei dir nicht aktiviert? Oder was mache ich falsch? habe grade dazu etwas auf meiner Seite geschrieben.
Haaretz gibt mir (leider) recht: President Moshe Katsav told Knesset Speaker Dalia Itzik on Wednesday that he intends to declare himself temporarily incapacitated, following the decision by Attorney General Menachem Mazuz to indict him on a series of charges, including rape and sexual harassment.
Temporarily incapacitated - niftzarut smanit. Wie gefürchtet. Na ja, hatte ich etwa Schamgefühl bei einem solchen Typus erwartet….?
Kann eigentlich nicht seine Immunität aufgehoben werden, damit er auch als Präsident angeklagt werden kann?
Noch ekliger fände ich - vorausgesetzt er hat die ihm zur Last gelegten Taten begangen - wenn er nun einfach den “Spieß” in gewohnt männlicher Manier umdrehen und sich als “Opfer” darzustellen versuchte. Das wäre eine erneute Eredniedrigung und Verhöhnung der Opfer.
Aber ja, das hat er gerade eine volle Stunde lang gemacht. Es war atemberaubend, alle sind schuld und verfolgen ihn mit Bosheit und Rachsucht (wofür übrigens Rache…?), die Polizei, die Medien (er ist einem Journalisten fast an die Gurgel gegangen, ganz großes Kino), der Generalstaatsanwalt, natürlich die verlogenen Weiber, die sich gegen ihn verschworen haben - aaaah, er hat geschäumt vor Wut und Vorwürfe wiederholt, die lang schon widerlegt sind. Sie wollten ihn alle nicht als Präsident, weil er Misrahi ist - das hat ihn wohl schwer getroffen, daß viele Leute Peres besser fanden.
Ach, er glaubt wohl selbst dran. Er und seine Frau, mit tränenumflortem Blick an seinen Worten hing. Trauriges Schauspiel.
Ich bin auch ganz entruestet ueber die Selbstdarstellung als Opfer, die Katzav in der Pressekonferenz hingelegt hat. Mein Mann wurde ganz irre und meinte, er versteht nicht, wie jemand so bloed sein kann, die ganze Geschichte selber anzustossen, indem er die Frau, die er mutmasslich vergewaltigt hat, wegen Erpressung anzeigte. Ich brachte Beispiele von Maennern, die imstande waren sich einzureden, dass ihre Opfer von ihnen hin und weg waren und dass sie den Akt selber gewollt und provoziert hatten. Aber in so eine Psyche kann er sich nicht hineinversetzen, was mir im Ganzen natuerlich lieber ist.
Es gibt nur zwei Moeglichkeiten: Entweder Katzav ist ueberdies ein Dummkopf oder Mazuz ist Teil einer grossangelegten Verschwoerung gegen ihn. Von diesen beiden Optionen scheint mir die erstere doch plausibler.
B”H
Eines wundert mich jedoch an der Mitlonenet Aleph (eine der vergewaltigten Frauen) und vielleicht kann mich jemand aufklaeren. Kann ja sein, dass ich was verpasste.
Wieso hat sie ueberhaupt zugestimmt, mit Katzav ein Verhaeltnis einzugehen ? Ich meine, es gibt doch wohl kaum einen Job, fuer den soetwas wert waere. Wieso ist sie nicht gegangen ?
Miriam
Wir wissen noch gar nicht viel über Aleph I und Aleph II. Es geht nicht um ein romantisches Verhältnis, sondern um se*uelle Belästigung und Vergewaltigung. Zehn Frauen, die einander nicht kennen, haben übereinstimmende Beschreibungen von Katzavs Vorgehen gegeben, ähnlich wie es ja auch bei Itzik Mordechai war. Solche Männer haben immer dieselben Taktiken. Er hatte immer eine Lieblings-Mitarbeiterin, die er angehimmelt hat und über die alles laufen mußte. Er hat sie mit Karrierechancen geködert, bis er dann deutlicher wurde, und die Frauen sich das entweder hilflos gefallen ließen oder gingen. Auch die, die gingen, mußten ihm Dankesbriefe schreiben, sonst bekamen sie kein Zeugnis und keine Empfehlung.
Aleph ist ja gegangen, als ihr das klarwurde. Hast Du mal ein Interview mit ihrer Rechtsanwältin gehört? Ich habe lange Zeit keine Stellung dazu bezogen, auch aus Ekel vor dem Thema, aber wo es nun auf der Kippe stand, habe ich ein bißchen nachgelesen. So wenig wir wissen - wenn man ein bißchen über die Dynamiken solcher Geschichten weiß, und wie schwer es den Frauen fällt, sich den Befragungen auszusetzen - es klingt alles sehr, sehr übel. Und Meni Masus ist kein Bluthund.
Übrigens: wenn man gesehen hat, wie Katzav gegen Sukenik ausfällig wurde, mag man sich nicht ausmalen, wie er Frauen bedroht hat, die ihm untergeben waren und Angst hatten, er geht gegen sie vor. Er behauptet ja, eine der Frauen sei Prostituierte. Wie kommt er dann dazu, sie zur Büroleiterin zu machen???
Stimmt alles nicht zusammen, seine Version. Sein Auftritt hat seine Glaubwürdigkeit zumindest bei mir sicherer durchlöchert, als alle Zeitungsberichte es konnten.
Ich habe in einer frueheren Firma das mal ziemlich nahe miterlebt. Eine junge huebsche Frau bekam eine Stelle, fuer die sie offensichtlich nicht qualifiziert war. Sie nahm sie an. Einmal lief sie weinend aus seinem Buero. Ein paar Wochen spaeter war offensichtlich, dass ein Verhaeltnis entstanden war. Noch spaeter, als ich schon nicht mehr dort arbeitete - ich blieb nur 3 Monate -, hoerte ich, dass sie von ihrem Freund, mit dem sie zusammengelebt hatte, auf die Strasse gesetzt worden war. Dieses Maedchen hat zugestimmt, aber unter deutlichem Druck. Sie hatte eine Karrierechance erhalten und fand den rechten Augenblick nicht, sich zu wehren. Spaeter war sie dann schon so verwickelt, dass sie wohl selber nicht klar erkannte, wie sie genoetigt wurde. Aus Unterlagen und Geruechten in derselben Firma weiss ich, dass sie nicht die Erste war: Eine andere junge Frau ist ausgeschieden mit einer Abfindung, die ungefaer 50x so hoch war, wie ihr zugestanden haette.
B”H
Dass mit Suknik ist schon der Hammer gewesen. Endlich zeigte Katzav einmal sein wahres Gesicht.
Vor zwei Monaten oder so gab es in der Wochenendausgabe von MAARIV einmal ein mehrseitiges Interview mit der Anwaeltin von Aleph, Kinneret Barashi. Die beiden kennen sich noch aus der Schulzeit, haben sich zufaellig wiedergetroffen und Barashi bestaerkte Aleph zur Anzeige.
Kinneret Barashi ist ein Frischling auf dem Rechtsgebiet und das ihr erster richtiger Fall. Bisher hat sie sich aber sehr gut geschlagen.
Wieso man sich aber auf Sex wegen eines Jobs einlaesst, verstehe ich immer noch nicht.
Miriam
Ja, die ist noch ganz jung, die Barashi, macht aber einen ganz guten Eindruck. Ihre Reaktion gestern auf die Vorwürfe war sehr gelassen, habe ich sie für bewundert, gerade weil sie ja mit Aleph befreunet ist.
Ich kenne die Umstände dieses Falles nicht so genau, Miriam, aber ich habe ähnliche Geschichten schon gesehen. Eine junge Frau ist erstmal geschmeichelt, daß der Chef sie so toll findet, und er lobt sie zuerst mal für ihr Talent, für ihre Tüchtigkeit, dafür, daß sie so rundherum toll ist. Bis sie merkt, daß es unangenehm ist, hat er ihr schon das Gefühl gegeben, daß sie ihn ermutigt hat. Und so weiter. Die jungen Frauen kapieren vielleicht nicht, was los ist, oder glauben, sie haben die Lage unter Kontrolle. Und der Mann, besonders wenn er, wie in solchen Fällen leider typisch, das nicht zum ersten Mal macht, achtet schön darauf, daß sie sich kompromittiert, d.h., daß er ihr sagen kann, “aber alle haben doch gesehen, daß du mit mir freiwillig Kaffee trinken gehst, wer würde dir glauben, daß ich irgendwas mache, wozu du mich nicht ermutigt hast?” etc.
Die Mechanismen laufen über Machtgefälle. Die Frau ist subaltern, will gefallen. Bis sie kapiert, wo sie die Grenze ziehen muß, ist die Grenze schon überschritten, und der Mann wird unangenehm. Die KollegInnen, die das haben kommen sehen, sind keine Hilfe - vielleicht waren sie auch eifersüchtig, schon wieder so ein junges Ding vorgezogen zu sehen, und haben hämisch auf ihren Fall gewartet. Büros können ja Löwengruben sein!
Natürlich bewirbt sich eine junge Frau nicht für einen Bürojobs bei einem wichtigen Mann, um sich zu prostituieren. Denk mal an die vielen jungen Soldatinnen, die sich diese Jobs ja nicht mal aussuchen. Aber für den Chef ist das ein Flor, aus dem er sich nur auszusuchen braucht. Bis vor ein paar Jahren war das ja alles noch gar nicht strafbar. Da hieß es, ein Mädchen, bei dem sich Männer was rausnehmen, ist es selbst schuld. Sie könnte ja nein sagen. Oder sich braver anziehen.
Viele Männer aus dieser Generation, und auch ihre Frauen, sehen das immer noch so. Die junge Frau ist schud. Du konntest gestern bei Katzav sehen, daß er genau so denkt.
Auch hier im Kibbuz gab es ein paar dirty old men, die ihre Pfoten auf Volunteers, Mädchen von außerhalb oder Angestellte gelegt haben - Frauen, die sie als schutzlos angesehen haben. Die jungen Frauen und Mädchen reagieren hilflos - besonders, wenn sie aus dem Ausland kommen und nicht wissen, was hier Sitte ist. Vielleicht ist das ja in Israel so üblich? Im Kibbuz ist es dann die Frau, die mit den Volunteers arbeitet, die darauf achten muß, daß sie nicht zum Freiwild werden.
Diese Mißbrauchsfälle sind zu einem großen Prozentsatz aus einer hierarchischen Beziehung entstanden - Chef und Untergebene, Lehrer und Schüler, Offizier und Untergebene. Es hat nichts damit zu tun, daß die Untergebenen von Anfang an wußten, worauf sie sich einließen. Im Gegenteil. Ein richtiger Grabscher hütet sich auch vor so berechnenden Frauen, die es natürlich auch gibt - er fürchtet, seine Meisterin gefunden zu haben, wenn die Berechnende den Spieß umdreht.
Klingt das in etwa einleuchtend?
Und zu Sukenik: das war köstlich. Hast Du gesehen, wie glücklich der gegrinst hat? Für einen Journalisten gibt es doch nichts Quotentreibenderes, als vom Präsidenten live beschimpft zu werden, während die ganze Nation zuschaut. Du konntest sehen, wie sie sofort darauf angesprungen sind, ich glaube, es war das erste, was Yonit Levy sagte, “hu maashim et ha tikshoret!”. In der JPost hat auch der Journalist, der damals “das Ende des Zionismus” ausgerufen hat, als K. gewählt wurde, ebenfalls mit kaum verhohlenem Behagen auf seinen alten Artikel verwiesen.
Journalisten sind da hart im Nehmen. So wie die Dinge stehen, kann Sukenik sich geschmeichelt fühlen, wenn Katsav ihn beschimpft! (BBC hat ein paar Pressestimmen gesammelt. Volkes Stimme, soweit ich heute mit anhören konnte, war noch ein paar Nummern härter!)
B”H
Wir haben uns doch alle ueber die Beschimpfung gefreut. War endlich mal was los.
Das mit “dem jungen Ding” klingt schon einleuchtend. Irgendwie bleibt aber jetzt fast alles bei der Frau von Katzav, Gila, haengen. Sie sieht man immer so unschuldig dreinblickend. Von Scheidung nicht die Rede. Beide halten weiterhin Haendchen. Jedenfalls in der Oeffentlichkeit. Das erinnert mich an die Clintons.
Das Ende wird fuer beide sein, wieder in Kiryat Malachi zu hocken und die hohe Staatspension zu verprassen.
Miriam
MIr tut die Frau leid. Ich weiß nicht, wieso noch mit ihm zusammen ist - vermutlich kann sie sich nicht vorstellen, den Vater ihrer Kinder zu verlassen und hält die Fassade mühsam aufrecht. Aber es kann wohl kaum etwas Demütigenderes geben als ihre Situation. Wenn sie nicht zusammenbrechen will, muß sie dem Kerl glauben.
Peres meint, die Gerüchteküche brodelte schon seit Jah-ren. Gut, daß man nicht alles weiß. Vor lauter Fremdschämen käm man zu nichts anderem.
Ich hoffe, daß sie sich scheiden läßt, sobald die Sache endgültig klar ist. Nur so kann sie einen Teil der Würde zurückbekommen. Direkt nach den direkten Opfern kommt seine Frau als Opfer - wirklich schlimm. Ich mag mir nicht ausdenken, was so mancher primitiver Mann da so vom Stapel läßt (siehe Putin - gab es da überhaupt Konsequenzen?)
Daß Kazaw nicht den Sessel räumt ist doch klar. Es würde bedeuten, daß er Schuld zugibt. In seiner Welt ist das alles eine Verschwörung.
Ein unfaßbare Schande ist das. War doch Clintons Lewinksy-Geschichte schon als moralischer Schlag für sein Land empfunden worden, aber was ist das für eine Lappalie gegen ein Gewaltverbrechen?! Gab es sowas JEMALS irgendwo?
Aber klar. Was meinst Du, wie wir heute über einen König denken würden, der eine 15jährige Louise O´Murphy “verführt”? Und ob all die vielen Frauen, die Bertie zugeführt wurden, wirklich freiwillig…? Oder der Zar Peter? Oder Katharina? Oder August der Starke? Das gab es immer schon, Ausnutzung der Macht zu egoistischen Zwecken. Wir sind ehrlich genug, den ganzen Dreck ans Licht zu holen, anzugucken und kräftig zu kotzen. (Katzav würde nun sagen: kein Wunder, daß denen nichts passiert sind, keiner von ihnen war Misrahi!)
B”H
Ich denke kaum, dass sich Gila Katzav scheiden laesst. Heute stehen uebrigens grosse Artikel in der Ausgabe von MAARIV. Die beiden haben ja schon recht jung geheiratet.
Egal ob sie ihm nun glaubt oder nicht, aber sie schaut aus wie eine der Frauen, welche ohne ihren Mann nicht zurecht kommen. Katzav ohne seine Frau dagegen schon.
Ist wohl auch seine Iraki - Mentalitaet, die keinen Ruecktritt zulaesst.
Miriam
Zwischen Verführung, Verhältnissen und Affären, Frauen die sich hochschlafen und *VERGEWALTIGUNG* mache ich dann doch einen kleinen Unterschied.
Und Misrachi oder nicht… es spielt möglicherweise eine Rolle bei der Einstellung gegenüber Frauen als “verfügbar” usw.
Deswegen habe ich ja “verführen” in Anführungszeichen gesetzt. Es ist noch gar nicht lange her, daß solche Vergehen einfach nur als Kavaliersdelikte gehandelt wurden, eben im Rahmen von Verführung, Verhältnis, Affäre - und nicht im Rahmen von Verbrechen. Und nach wie vor werden Gewaltverbrechen an Frauen, die von ihren Lebenspartnern begangen werden, als “Verbrechen mit romantischem Hintergrund” (”al reka romanti”
bezeichnet, womit wohl eigentlich “emotional” oder “affektiv” gemeint ist - ärgerliche Bezeichnung in jedem Fall.
Ich erinnere mich noch an die Diskussion in Deutschland, ob Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe gestellt werden sollte - es gab genügend Leute, die gemeint haben, man solle sich nicht in die intimen Angelegenheiten von Eheleuten einmischen etc, als gäbe es die Trennlinie zum Gewaltverbrechen gar nicht. Als wären das alles nur Nuancen innerhalb einer Beziehung. Wir können froh sein, daß die Grenze heute scharf gezogen wird, und jede Übertretung geahndet werden kann. Das war früher einfach nicht so.
Die Verbrechen hat es immer gegeben - aber sie sind lange Zeit nicht als solche gesehen worden.
Katzav stammt aus dem Iran, nicht aus dem Irak.
Und Clinton hat ausser Levinsky noch einige Frauengeschichten am Stecken. JFK seinerseits war auch nicht gerade zimperlich.
B”H
Es gab schon zur Zeit als Katzav noch im Verkehrsministerium sass Beschwerden ueber ihn. Viele Politiker wussten davon, aber kein der damaligen Angestellten beschwerte sich. Man nahm halt Abstand von ihm. Mitlonenet Alpeh war die erste, die das ganze an die Oeffentlichkeit brachte. Ich moechte nicht wissen, was noch alles in der Knesset so laeuft.
Shavua Tov,
Miriam
Oh ja, auch was bei der Ramon-Geschichte rauskam, war richtig widerlich. Minister, die Praktikantinnen einfach abknutschen, und das gilt als normal. Auch wenn ich die Story selbst für reichlich aufgeblasen halte (da sind noch viele Fragen offen), die Verhältnisse von denen sie erzählen, reichen, um einem den Magen umzudrehen. Und ich kann mir nicht wirklich vorstellen, daß das in anderen Ländern alles gaaaanz gaaaanz anders ist.
Also, meine Mädchen werden weder im Weißen Haus noch im Mishkan haNassie arbeiten oder Praktikum machen, jawohl. Und in der Knesset auch nicht.
Ein Besuch in der Knesset und eine (Nicht-)Enttäuschung
An Tubischwat, einem kleineren Fest im Februar, werden traditionellerweise Neueinwanderer aus aller Welt in der Knesset, dem Parlament, empfangen. Im Ulpan, dem Hebräischsprachkurs, wurde uns davon berichtet. Wer möchte, sollte sich anmelden. Es sol…