Diskussion über Grenzen Januar 13, 2007, 23:53
Posted by Lila in Bloggen.5 comments
Schade, so gemischte Diskussionen werde ich in meinem Blog nie haben können, einfach weil Deutsch eine zu eingeschränkte Plattform ist. Auf ein paar Umwegen bin ich auf dieses faszinierende Blog gestoßen, und darin wiederum auf diese super-spannende Diskussion. Drima aus dem Sudan macht sich Gedanken über den Zionismus. Leser aus Bahrain, Marokko, ein palästinensischer Leser aus den USA… antworten. Da kann man sich festlesen und in Trance klicken. Oh Freuden der Blogosphäre.
Ich will noch immer nichts beschreien, Januar 13, 2007, 19:09
Posted by Lila in Land und Leute.2 comments
aber aus Barghoutis Zelle kommen die ersten nüchternen Töne, die man seit dem Hamas-Fatah-Wahlkampf hören konnte.
Barghouti told Barakeh that the least the Palestinians can accept is a state along the 1967 borders with its capital in Jerusalem, the return of refugees and release of prisoners.
“This will be a state small in size, but large in honor and freedom,” he said.
Barghouti also addressed the internal situation in the Palestinian Authority and the conflict between Fatah and Hamas.
He said that significant progress had been made towards establishing a Palestinian unity government, adding that its formation would lift the aid embargo from the Palestinians and strengthen the peace camp in Israel.
Wenn er mit gewaltlosen Mitteln die Interessen seines Volks verfolgt, ist das absolut legitim und kann von uns nur begrüßt werden - das “Friedenscamp” umfaßt nämlich große Teile der israelischen Bevölkerung, auch der Rechten, die Kriegstreiberpartei ist nicht groß (wie alle Umfragen zeigen - und auch der gewonnene Wahlkampf Olmerts).
Ich war vielleicht doch nicht total delusionär, als ich zaghafte Hoffnungen auf Barghouti setzte? Allein für “opposition to harming innocent civilians on either side”, diese Selbstverständlichkeit eigentlich, ist man bereit, ihm Beifall zu klatschen. (Die Frage ist nur: wie definiert er unschuldige Zivilisten? Es heißt ja oft, in Israel gibt es keine, weil alle entweder bei der Armee sind, waren, sein werden oder hätten sein sollen… womit der schöne Satz von seinem Glanz verlöre.)
Eine weitere offene Frage ist die Flüchtlingsfrage - die verdient einen eigenen Eintrag mit Links, die ich im Moment nicht zusammensuchen kann! Aber ganz so einfach (”erfüllt unsere Maximalforderung, oder gar nichts”) sind Verhandlungen nun mal nicht. Doch halten wir Barghouti zugute, daß er mit Maximalforderungen den Boden für harte Verhandlungen vorbereiten will, eine bekannte Taktik, die auch unsere Leute oft genug befolgt haben - mit wechselndem Erfolg. Irgendwo muß immer Luft für Kompromisse drin sein, das ist ja selbst beim Handeln auf dem Shouk so, sonst kommt kein Handel zustande.
Doch da hat sein Gesprächspartner nicht nachgebohrt, oder die Zeitung hat es nicht gedruckt. Interessanterweise war sein Gesprächspartner der arabische Knesset-Abgeordnete Barakeh. Wenn diese Abgeordneten konstruktiv zwischen Palästinensern außerhalb von Israel und dem israelischen Staat vermittelten, so schwer ihnen das fallen mag und so heikel das auch ist, würden sie sich bleibende Verdienste erwerben.
Messen wir Barghoutis Aktivität nach seiner (vermutlich bevorstehenden) Freilassung also an seinen schönen Worten.
Ratespiel für Hochbegabte Januar 13, 2007, 18:31
Posted by Lila in Land und Leute.11 comments
Wer ist schuld an dem Fast-oder-doch-schon-Bürgerkrieg zwischen Fatah und Hamas?
a) seine Mutter (wessen auch immer)
b) Fatah und Hamas
c) Israel
d) der Treibhauseffekt
Richtig, c) natürlich. Wie könnte es auch sein, daß ein palästinensischer Politiker auch nur ein einziges Mal in den Spiegel gucken und “ich Idiot” brummen könnte, wenn etwas schiefläuft? Es waren immer die anderen, na ja, eben immer Israel. Ich bin mir sicher, auch wenn er sich mit seiner Frau verkracht, sind wir dran schuld. Egal wie, am Ende guckt immer der zionistische Igel aus der Furche und ruft “ich bin allhier”!

Default für Erstbesucher dieses Blogs: Ich weiß, ich weiß, auch andere Politiker sind nicht groß in Selbstkritik. Aber sie wechseln wenigstens manchmal den Sündenbock oder tun wenigstens so, als gäbe es einen logischen Zusammenhang, statt wie Pavlovsche Hunde immer nur Israel, occupation, Israel, occupation zu klagen. Und damit das klar ist: ich wünsche mir selbstkritische, unideologische, pragmatisch-kühle Politiker für die Palästinenser selbst, in ihrem eigenen Interesse. Denn bevor die palästinensische Führung nicht anfängt, wie erwachsene Menschen Langzeit-Auswirkungen ihrer eigenen Äußerungen und Entscheidungen in Betracht zu ziehen, bevor sie nicht die schlichten, vitalen Interessen ihres Volks wichtiger nehmen als ihren urtümlichen Haß auf uns, hat kein Kind in Gaza ein Butterbrot in der Hand. Und darum geht es mir. Verschont mich also mit empörten Emails, bitte, dies eine Mal.


