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Heiser, hektisch…. noch was mit H? Januar 9, 2007, 14:15

Posted by Lila in Bloggen, Kunst, Uncategorized.
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Manchmal kommt so viel auf einmal zusammen, und die Pflichtenliste wird so lange, daß man zu gar nichts mehr Lust hat. Täglich gehen bei mir neue Pflichten ein, immerhin eine habe ich heute schon erledigt, und das war ein anstrengender Vormittag in meiner Rentner-VHS. Auf diese Stunde, über Munch, habe ich mich sehr gründlich vorbereitet, denn die Mischung von Krankheit, Angst und Erotik ist nicht leicht zu verdauen. Aber es war dann doch sehr interessant. Heute war der Laden rappelvoll, es waren viele Besucher dabei.

Die Vorbereitung war so gründlich, daß sie am Ende die halbe Nacht einnahm, es lebe der Perfektionismus der Schlaflosen!, und morgens mußten ganz früh drei Ladungen Käsewaffeln gebacken werden - in Quartas Klasse werden gerade Nahrungsmittel durchgenommen, und jede Familie ist einmal dran, muß also Rezept und ausreichend Futtermittel in die Klasse schicken. Quarta kreuzte also heute mit ihren Käsewaffeln auf, und als ich sie in der Pause besuchen kam, stürzten sich sofort drei Lehrerinnen auf mich. Sie hatten das Rezept (200 g Butter, 4 Eier, Backpulver, 200 gr Mehl (ich nehm Vollkorn, wird knuspriger), geriebener Käse, gehackte Petersilie, Pfeffer und Salz, lauwarmes Wasser - wenn die Konsistenz stimmt, rein damit ins Waffeleisen!) in ihre Lehrerkalender kopiert, brachen in Begeisterungsstürme aus, und auch die Kinder aus der Klasse meinten alle, mmm, wie lecker. Oh du liebes Waffeleisen, meine Geheimwaffe.

Natürlich sitzt mir die Unterrichtsstunde noch etwas in den Knochen: Munchs von der Schwindsucht geprägtes Familienleben, das sich in seiner Kunst so deutlich niedergeschlagen hat, war für manche meiner Zuhörer gut vorstellbar. Eine Frau erzählte mir in der Pause, daß ihr Mann an TB gestorben ist, “na ja, er war ja auch so abgemagert, als er aus dem Lager kam”, und sie sagte ganz leise, “22 Kilo nur. Keine zehn Jahre später war er tot”. Auch andere Zuhörer hatten Assoziationen zu dem Thema.

Dem blinden alten Mann, der so treu meine Stunden verfolgt, auch wenn er nichts mehr sehen kann, habe ich übrigens einen ganzen Stapel Hörbücher geschenkt. Obwohl ich die selbst geschenkt bekommen habe, von der Sprecherin selbst, einer der genialsten Frauen der Branche - aber ich glaube, sie würde nichts dagegen haben, wenn sie wüßte, daß ihre Arbeit nun in der Blindenbücherei hier im Norden Israels kursiert.

Ach ja, und es kommen immer mehr und mehr jüngere Leute. Jede Woche kommt jemand dazu. Ich bin noch immer heiser, diese verflixte Erkältung, an der ich in Deutschland laboriert habe, bin ich noch nicht los. Elende Krächzerei. Aber trotzdem muß ich den schwindelhohen Pflichtstapel anfangen abzuarbeiten. Wer weiß, wann ich wieder ruhigen Gewissens bloggen kann! Herrje.