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Keine guten Aussichten Dezember 8, 2006, 10:54

Posted by Lila in Bloggen, Land und Leute.
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Vielleicht sollte ich ja wirklich dabei bleiben und Nachrichten aller Art ignorieren, nur noch persönliche Blogs lesen und mich in meine kleine Welt zurückziehen. Irgendwie addieren sich die verschiedenen Items zu so einem düsteren Bild, daß man wirklich nicht darüber nachdenken mag.

Deutschland. Daß der Antisemitismus von zwei Seiten die Juden in die Zange nimmt, dürfte nichts Neues sein. Wann werden nicht-betroffene Deutsche dagegen so heftig protestieren wie gegen manches andere? (mag hier keine Beispiele geben…. denkt euch was….doch die Nachrichten sind häßlich, und ich bin froh, daß wir damals nicht nach Deutschland gegangen sind! wie würde ich mich fühlen, wenn das mein Kind wäre!!).

Chajm und Jüdisches Berlin berichten davon, doch haben sich nicht-jüdische Blogs des Themas angenommen? Zumindest hier habe ich beim Recherchieren doch eins gefunden! und es gibt bestimmt noch mehr…. oh ja, danke JüBe, die gibt es durchaus. (Aber manchmal scheint die berüchtigte Antisemitismuskeule mehr Emotionen auszulösen als der Antisemitismus selbst…)

So einVorfall geht Deutsche etwas an, zumindest sofern sie vorhaben, ihr eigenes Gesicht außerhalb Deutschlands zu zeigen. Nicht nur bei uns wird auf rechtsradikale und antisemitische Vorfälle besonders empfindlich reagiert - wobei die Berichterstattung immer die Deutschen hervorhebt, die Zivilcourage und moralisches Rückgrat zeige. Kann es Deutschen wirklich egal sein, was man über sie denkt? (Wenn man schon keinen anderen Grund hat, sich über die Zunahme antisemitischer Gewalt zu entsetzen).

Doch das ist kein deutsches Problem allein. In Australien urinieren moslemische Schüler auf die Bibel (habe ich natürlich bei Aussie Dave zuerst drüber gelesen). Das Erschreckende daran ist, wie sich die Reaktionen der jeweiligen Schulleitungen gleichen: oh, das haben sie doch nicht so gemeint. So der australische Schulleiter: Mr Doutie said he did not believe that the boys realised the significance of their act. Und die deutsche Schulleiterin empört sich mehr über die Pressereaktion als über den Vorfall selbst:

Das Medieninteresse kam, nachdem der Konflikt schon lange bearbeitet und befriedet war - und zwar im Wesentlichen zwischen den beiden Mädchen, natürlich mit Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer, der Eltern, der Polizei und dem Jugendamt. Die Medien kamen erst zirka zwei Monate später. Durch Zufall. Und sie kamen überfallartig. Wir wurden mitten aus unserem Tagesablauf und aus dem Unterricht herausgerissen und sollten auf der Stelle mehreren Reportern bekannter Zeitungen Auskunft geben.

Welch dramatische Wortwah: aus dem Unterricht herausgerissen! Später sagt sie sogar “einbrechen”, also ein krimineller Akt. Und das wegen so einer Bagatelle!

Der Konflikt zwischen den beiden Mädchen - ursprünglich eine Eifersuchtsgeschichte - war längst in der Schule bearbeitet worden. Die “Täterin” und die Schule waren dann jedoch auf Fotos in den Medien zu erkennen. Jeder wusste nun, wer beteiligt war. Das Mädchen musste in der Schule wegen der Berichterstattung Spießruten laufen. So wurde der Konflikt wieder aufgebrochen, personalisiert und zunehmend ideologisiert.

Das Herz blutet. Die Täterin ist keine Täterin, der Vorfall kein Vorfall, und natürlich hat inzwischen das Opfer die Konsequenzen zu tragen - sie hat die Schule gewechselt. Besonders interessant aber, wie auch Chajm sofort gesehen hat, diese Passage:

Natürlich hat der Konflikt eine antisemitistische Komponente. Aber der Auslöser war etwas anderes: Die Schülerin, die nun als Täterin dafür verantwortlich gemacht wird, hat mit Antisemitismus wenig zu tun. Das ist eine Vereinfachung der Medien. Man hat jemand, die ist namhaft und noch dazu Kopftuchträgerin. Das passt genau ins Bild - das ist dann sozusagen ein Stellvertreterkrieg. Genauso wie die jüdische Schülerin auch Stellvertreterin für jüdische Interessen ist. Das zeigt sich daran, dass sich die jüdische Gemeinde in vielerlei Hinsicht stark gemacht hat für diese Schülerin.

Die jüdische Lobby mal wieder, die sich einmischt. In den Augen der Schulleiterin sieht es so aus: auf der einen Seite die zu Unrecht beschuldigte “Täterin” mit ihrem Kopftuch, auf der anderen Seite die sich stark machende jüdische Gemeinde, die einen Stellvertreterkrieg führt, und die aggressiv einbrechende, vereinfachende Presse. Puh. Ziemlich starker Tobak für eine Pädagogin, muß ich sagen. Wenigstens weiß sie, mit wem sie es sich nicht verderben darf. Denn: wie viele moslemische SchülerInnen hat sie, und wie viele jüdische? Wenn sich die Jüdin auf die jüdische Oberschule flüchtet, ist das Problem für die Schulleiterin gelöst. Donnerwetter.

Aber: das kann doch mit dem Islam nichts zu tun haben. Oh nein. Der Islam ist doch eine Religion des Friedens. Israel zieht nun mal wegen der ständigen, gänzlich unmotivierten Gewalt gegen die Palästinenser, die seit Jahrzehnten keinen dringenderen Wunsch haben als Frieden, Frieden, Frieden, den Zorn der Welt auf sich. Das sind die schon selbst schuld.

Und die explosive Wut der islamischen Welt auf den Westen? Das sind wir alles selbst schuld, warum sind wir ihnen auch technologisch und wirtschaftlich überlegen, warum haben wir eine säkulare Kultur entwickelt, warum leben wir nach der kapitalistischen Ethik der Bildung, des sozialen Aufstiegs und der sozialen Freizügigkeit? -Das provoziert sie nun mal, da gehen sie auch schon mal auf die Barrikaden für ein paar Karikaturen oder ein Papstzitat. Kann man aber mit dem Pinkeln auf die Bibel nicht vergleichen - das eine war eine perfide Provokation westlicher Medien, das andere die naive Zornesäußerung irregeleiteter Jugendlicher. Und Zusamnenhänge? Die gibt es überhaupt nicht. Außer man leidet unter Verfolgungswahn, Islamophobie oder sonstigen Störungen. (Ach, freue ich mich auf die Kommentare, die ich bekommen werde!)

Der westliche Wunsch, den aggressiveren Elementen des Islams mit unendlicher Einfühlung und Geduld zu begegnen, scheint stärker als jede Realitätswahrnehmung zu sein. Gute Zeiten für Juden, kann man da nur sagen.

Und was die Stellung des jüdischen Staates in der Welt angeht, sieht es nicht viel besser aus. James Baker schlägt eine Nahostkonferenz ohne Beteiligung Israels vor - ohne dieses lästige kleine Land kann man wirklich prima den Neuen Nahen Osten planen! (zuerst gelesen bei Yourish)

Baker says goal is to ‘reach agreement without Jewish pressure’.

Danke, Baker, daß du so offen gesagt hast, was einer Befriedung der arabischen Welt gar so lästig im Wege steht. Auch James Baker weiß genau, mit wem er sich´s nicht verderben darf. (Fairerweise hier Yossi Sarids Ansicht zu Bakers Bericht, da ich Sarid schätze, werde ich mir die Sache noch mal durch den Kopf gehen lassen - muß aber jetzt los).

Nein, das sind keine guten Aussichten. Kann einem glatt einen schönen, sonnigen Morgen vermasseln.

Eine wichtige Entscheidung Dezember 8, 2006, 9:03

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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steht heute an. Ich habe mal wieder Dienst an der Wahlurne, ausgerechnet bei so einer heiklen, viel diskutierten, kontroversen Abstimmung. Vermutlich werden wieder die Chaverim in Trauben um unseren Tisch stehen und lauthals streiten, das war ja schon öfter so, aber ich kann mich an keine Entscheidung erinnern, die so umstritten gewesen wäre wie diese.

In einer unserer Fabriken steht eine Neustrukturierung an - d.h., ein Investor “von außen” bietet uns an, in uns zu investieren. Damit würde das schon arg angenagte Mitspracherecht der Chaverim innerhalb der Fabrik endgültig vorbei sein - es ist auch heute schon nicht mehr das, was es mal war - als sich in der Cafeteria die Kibbuzmitglieder unter den Fabrikarbeitern trafen und abstimmten. Schon längst sind die einflußreichen Posten in der Fabrik mit “ßchirim”, also von außen kommenden und bezahlten Leuten, besetzt. Wir haben eine Partnerschaft mit einer internationalen Firma, die für uns die Materialien vertreibt. Und nun der Investor.

Die Entlassungswelle neulich, die nicht so hart traf wie gefürchtet, aber eben doch Entlassungen bedeutete, das war eine vorbereitende Maßnahme und gehörte wohl zu den Forderungen des Investors. Seitdem wird zweimal pro Woche in der Kibbuz-Vollversammlung über diesen Investor, seine Beteiligung, die Bedingungen, die Zukunftsperspektive und eventuelle Alternativen diskutiert. Und das,  während auch die Privatisierung des Kibbuz selbst noch ansteht! Alle sind leidenschaftlich bei der Sache. Y. meint, im Dining Room kam es zu stürmischen Szenen zwischen denen, die in der Beteiligung des Investors die letzte Rettung für eine seit Jahrzehnten falsch geführte Firma sehen, und denen, die darin den endgültigen Untergang sehen. Er versucht, so sachlich wie möglich an die Entscheidung heranzugehen. Ich habe natürlich keinerlei Bedenken, unsachlich zu urteilen - schließlich ist mein Urteil von keiner Sachkenntnis getrübt, ebensowenig wie das der meisten Stimmberechtigten.

Komischerweise ging es dem Kibbuz gut, solange ahnungslose Chaverim per Instinkt die Dinge steuerten - ich sehe noch die energische alte Frau mit der Alzheimerkrankheit vor mir, die zu allen Versammlungen ging, immer eifrig mitstimmte, ohne zu verstehen worum es ging, aber deren Stimme selbstverständlich immer mitgezählt wurde. Seitdem wir uns aber auf Außenstehende, auf Experten, auf Leute mit Hochschulabschlüssen in Management und BWL, auf teuer bezahlte Berater verlassen, geht die Kurve sacht doch unaufhaltsam abwärts. Was will mir das sagen?

Es sagt mir einerseits, daß der Markt zu Zeiten der vollkommenen Beteiligung der Chaverim an allen Entscheidungen anders aussah. Es war die Zeit des internationalen Boykotts,  der ja erst Mitte der 90er Jahre endete, und auch dann nicht mit einem Schlag. Bis dahin waren wir mit unseren Produkten der einäugige König. Seitdem hier auch die internationalen Marken, die uns vorher aus Furcht vor dem Boykott durch arabische Länder gemieden hatten, zu kaufen sind, ist es viel schwieriger geworden. Dann die schwierigen Jahre der Intifada, Schwächung des Shekel zwischendurch, als es furchtbar teuer war, Rohstoffe zu kaufen und hier zu produzieren, während importierte Konkurrenzware billiger war - und noch dazu mit dem Cachet “von draußen”, aus der großen Welt… das Israelis immer unwiderstehlich finden.  Jeder Streik der Hafenarbeiter, jedes Problem am Zoll… das merken wir.  Die guten Zeiten, in denen wir den Markt beherrschten, werden nicht wiederkommen. Was wird aber statt dessen kommen?

Wir leben so nah an der Fabrik - aus der Luft sieht der Kibbuz wie ein Anhängsel der Fabrik aus, nicht umgekehrt. Natürlich ist die Fabrik nicht die einzige, ja nicht einmal die hauptsächliche Einkommensquelle des Kibbuz - die Chaverim verdienen Geld, wir haben auch andere Unternehmen, und auch die Landwirtschaft bringt viel Geld, besonders die Zweige, auf die wir spezialisiert sind. Trotzdem wird den meisten beim Gedanken unbehaglich, daß in ein paar Jahren ein fremder Hausherr in der Fabrik dem Kibbuz den Geldhahn einfach zudrehen kann. Selbstverständlich ist die Alternative, daß die Fabrik pleite geht und der Geldhahn versiegt, keineswegs verlockender.

Kurz, es geht um Geld, um Einfluß, um die Zukunft des Kibbuz und seiner Mitglieder. Keiner weiß, wie es ausgehen wird. Aber wie immer haben alle eine Meinung. Ich wappne mich für die Abstimmung heute mittag. Es wird bestimmt eine Abstimmung mit Höchstbeteiligung.  Erst heute abend wird das Ergebnis ausgezählt und bekanntgegeben.

Wirklich zu langweilig, Dezember 6, 2006, 20:43

Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis.
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mein Leben. Da planen wir mal endlich einen rein weiblichen Abend, irgendwo in Haifa in einer hübschen Kneipe, einfach nur so zusammensitzen - ha, da wird und wird nichts draus. Mal kann die nicht, dann die andere nicht. Ich glaube, das letzte Mal, daß ich in irgendeiner Form außerhalb der häuslichen vier Wände (oder der Mensa) ein Getränk zu mir genommen habe, war im Sommer letzten Jahres, mit Indica in Berlin.

Dabei bin ich früher eigentlich immer gern weggegangen, zu Konzerten, in Kneipen und Cafes, tanzen und was weiß ich. Es wundert mich gar nicht, daß einige Leser brummen, “wenn die in Deutschland wohnte, würde kein Mensch dieses Blog lesen, da ist ja wirklich nichts los”. Das stimmt. Stille Tage, die ich mir zwischen Computer und Spülbecken teile. (Meinte doch neulich Secundus, als ich die Wasserbehälter auf der Heizung mit Melissenöl aufgehübscht hatte: “Hier riecht es aber mal gut, sonst riecht es immer nach Essen oder Wäsche!” Wem sagst du das, Bub!)

Und was hätte ich, wenn nun dieser mythologische Abend stattfände, zu erzählen? Wir werden unseren Streß-Index vergleichen, wie immer, wenn Frauen verschiedener Gattungen beisammen sitzen. Die jung-aktive Singlefrau, die Geschiedene mit der neuen Beziehung, ich Eheweib - keine von uns würde mit einer anderen tauschen wollen, aber wir anerkennen die anstrengende Seiten einer jeden Situation und geben uns gegenseitig etwas, das auf Hebräisch firgun heißt. Firgun ist kein Kompliment, denn es ist kein charmantes Wort, sondern eine umfassende Haltung. Firgun ist auch keine Bewunderung, denn firgun findet auf Augenhöhe statt. Firgun, walla, muß man nur nach googeln, und schon findet sich eine schöne Definition von einem Psychologen: being happy for the other’s success ( firgun ).

Auch in der J-Post finde ich eine hübsche Formulierung:

“Toda L’firgun‘ he said as the applause subsided. Firgun is one of those Hebrew words that defy exact translation. The closest interpretation of what he said was ’Thank you for not begrudging me” but in point of fact firgun derives from a Yiddish word fargenigen that means enjoyment. The Yiddish word was in turn derived from German. Thus lefargen is to take pleasure in someone else’s achievement.

Damit ist firgun das genaue Gegenteil von Schadenfreude, einem Wort, das es auf Hebräisch als Zusammensetzung gibt, simcha la-ed (und das im Englischen ja bekanntlich als Lehnwort auftaucht). Interessant, daß Firgun per Jiddisch eine deutsche Wurzel hat - Vergönnigung, gewissermaßen. (Danke, Ruth!)

Die Verbform ist lefargen, also firgun geben - ein Firgun-Geber ist ein mefargen, oder eine mefargenet. Ach ja, so ein Firgun-Abend unter Frauen hätte mir mal ganz gutgetan. Nicht als ob es mir zuhause daran mangelte. Aber inter-weibliches Firgun, das hätte ich mir gern gegönnt.

Freundliche Gesichter Dezember 4, 2006, 1:26

Posted by Lila in Bloggen.
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bei uns zu Besuch, das habe ich gern. Als ich nach Israel zog, stellte sich eine stetige Karawane geliebter Menschen bei mir ein: Freunde, Freundinnen, Bekannte, Familie, Kollegen meiner Eltern, Leute, die mich um drei Ecken kannten… irgendwie fanden alle den Weg zu mir. Viele Leute wollten gern nach Israel, und besonders in den Rabin-Jahren lebten wir ja alle in dem wunderbaren Gefuehl, dass die Nahostkrisenzeit bald schon wie ein boeser Traum hinter uns liegt. Hm ja, bis dann irgendwie das Erwachen in Form von Rabinmord, Intifada und Terrorwelle kam und sich jahrelang kein Mensch mehr in unsere Naehe wagte, ein paar besonders schaetzbare Unbeirrte ausgenommen.

Es macht mir Mut, dass sich die Lage wieder veraendert hat. Ich bin weder vom Statistischen Landesamt noch vom Tourismus-Ministerium und meine Messinstrumente sind subjektiv und damit wissenschaftlich wertlos - doch ich fuehle in den letzten Monaten, im letzten Jahr einen herzwaermenden Anstieg der Besucherzahlen. Die Runde durch den Kibbuz mit den vertrauten Ankerplaetzen mache ich wieder regelmaessig, mal mit Gruppen (Volunteers und deren Angehoerige, Leute, die irgendwie von mir gehoert haben, Gaeste aller Arten), StudentInnen aller Studienrichtungen (wie viele nette Leute kenne ich in Deutschland, die den Kibbuz erforschen - weitaus mehr als in Israel! da kenne ich genaugenommen nur einen), Freunde und Familie, und zunehmend auch Blogfreundschaften. Ist das nett, wenn Stimmen, die man bisher nur im virtuellen Raum gehoert hat, auf einmal durch unser Wohnzimmer klingen!

Allein im letzten Monat waren es, hm, mindestens sieben verschiedene Gaeste, Familien, Leser, Leute, die ich direkt oder auf Umwegen per Blog kennengelernt habe. Wieder ist meine Schlussfolgerung von garstiger Unwissenschaftlichkeit, da der Stichprobenumfang keiner Kritik standhielte. Aber wirklich, sie waren alle nett und ich hatte sie alle gern hier. Ja, Euch meine ich! Die Heldenfamilie mit den Ritterknappen, die mit einzigartigen Geschenken beladene Mischpoken-Mutter, ach, alle wie sie da waren. Jeder hat mich bereichert, mir was erzaehlt, das ich noch nicht wusste, und mich auf die eine oder andere Weise beeindruckt.

Dass sich ueberhaupt wieder Leute nach Israel trauen und so viele den Weg in unsere abgelegene Ecke finden, das freut mich doch. Ich nehme das als gutes Zeichen, bedanke mich und freue mich auf den naechsten Gast.

Zweideutigkeiten Dezember 2, 2006, 21:53

Posted by Lila in Edle Selbsterkenntnis.
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aller Art gehen glatt an mir vorbei, doch es freut mich immer, wenn ich auf eine hingewiesen werde, die ich selbst begangen habe, aber nie bemerkt hätte. So kenne ich zum Beispiel das Emblembuch Sinnepoppen von Visscher-Roemer schon viele Jahre und finde den niederländischen Titel, “Puppen für die Sinne”, genau richtig für ein Buch, das über den Gesichtssinn und spielerisch ernste Konzepte vorstellt. Das Wort poppen ist auch irgendwie nicht auf meinem Radarschirm, obwohl ich schon weiß, was es bedeutet. Sagen wir: es gehört zu meinem passiven, aber nicht aktiven Wortschatz.

Als ich also vorhin einem Backlink zum Kreuzberger folgte, der meine Tüttelei über die Emblemata verlinkt hat, hab ich erstmal garnicht kapiert, was er meint. Der Groschen, der dann fiel, hallte so richtig schön nach. Oh ja. Danke, Kreuzberger!

Auch gestern abend wurde mir eine Zweideutigkeit, die ich vorher nicht wahrgenommen hatte, bewußt. In einer Blödelsendung lachte man sich über ein Nachrichten-Item kaputt, in dem ein Unterhaltungselektronik-Fritze der Anchordame den MP 3-Player Zune vorstellte. “Wenn ich einen Zune habe und du auch, dann können wir uns zusammenschließen und…” Die Anchordame geriet sichtlich aus der Fassung und fragte, “Zune? spreche ich das richtig aus?” Da errötete auch der junge Mann und es folgte ein Moment der Peinlichkeit.

Zune! spricht man aus wie zeee-une! und das ist genau das, was der Kreuzberger in den Sinnepoppen erkannt hat! (Ich finde keine bessere Erklärung als hier, oder hier eine Übersicht mit nützlichen Worten für alle Lebenslagen!) Das wäre mir nie aufgefallen. Und ich war anscheinend die Einzige!

(Es folgten natürlich gleich die Witze über den Ei-Pot, das erklär ich aber nicht, und der Homosexuelle vom Dienst bei dieser Blödelshow meinte, daß der Zune für ihn nutzlos ist, weil er nur mit Etui verkauft wird. Und so fort. ) Doch dieser Moment, als die Nachrichtendame schockiert innehielt, der war wirklich sehr komisch.

Wie der Zune sich wohl hier verkauft?

Grundlos verleumdet Dezember 1, 2006, 15:19

Posted by Lila in Land und Leute.
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habe ich anscheinend vorgestern einen Teil unserer verkaufende Bevölkerung. Gerade kommt Y. vom Einkaufen zurück und erzählt mir ein Stückchen von unserem Bäcker.

Im Kibbuzladen gibt es nur so labberige, schwammige Brötchen, die wir nicht mögen. Zweimal die Woche aber kaufen wir in Yokneam ein, und dann gehen wir immer zum Bäcker. Eigentlich wollte ich immer die Wand hinter der Bäckerin photographieren, die voll mit Bildern von Rabbis und Wundertätern und Segenssprüchen ist.  Sie sitzt meist an der Kasse, ihr Mann und Sohn backen in der Hinterstube.  Die Tür ist offen, und man kann sehen, wie sie arbeiten. Sie schieben die Brote, Brötchen und Teilchen auf den Wagen, auf denen sie gebacken wurden, in den Verkaufsraum, und dort balgen sich dann die Kunden um die Waren. Nein, so knusprig wie beim Bäcker Werrelmann sind sie nicht, aber doch sehr sehr lecker, diese Brötchen.

Heute also ging Y. allein einkaufen. Er stand gerade in der Bäckerei, als eine Kundin reinkam, einen Blick auf den Wagen mit den Brötchen warf und dem Bäckers zurief, “wie sehen die denn aus? Die sind ja dünner als sonst!” Y. wäre das gar  nicht aufgefallen, die Brötchen sahen eigentlich ganz gut aus, na ja, ein bißchen krummer als sonst. Der Bäcker rollte den Wagen wortlos in die Backstube zurück und zeigte seinem Sohn mit einer Handbewegung an: weg damit. Y. rief, “halt halt! Die sehen doch prima aus, ich möchte welche davon kaufen!” Doch der Bäcker war nicht bereit, die weniger als perfekten Brötchen rauszurücken. Y. mußte von einem anderen Wagen nehmen.

Als er an der Kasse stand, meinte die Bäckerin beifällig, “na, sehen die nicht viel besser aus?” Y. fing an zu lachen. “Wenn meine Kinder in der Schulpause Hunger haben, dann interessiert es sie überhaupt nicht, wie die Brötchen aussehen!”  Die Bäckersleute lachten mit, aber das änderte nichts am Schicksal der nicht ganz perfekten Brötchen.  Es gibt sie also auch hier, die Menschen, denen bei ihrer Arbeit nur das Beste gut genug ist, und die ihren Kunden niemals ein krummes Brötchen verkaufen würden.