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Ich kann nicht anders Dezember 13, 2006, 23:35

Posted by Lila in Land und Leute.
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Zu diesem Bild fällt mir einfach automatisch dieser politisch korrekte Ausdruck ein, den ich neulich gelernt habe:

a-kiss-is-just-a-kiss.jpg

Multi-Kulti-Schwuchteln.

Ah, zu schön. Wem das Appetit auf mehr gemacht hat, der wird bei Aussie Dave bedient.

(Schmeißt ruhig was nach mir, ich hab mich schon geduckt!)

Schuldienst Dezember 13, 2006, 15:01

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen, Land und Leute.
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Heute war ich lehrende Mutter in Quartas Klasse. Die Lehrerin, jung und voller Ideen, hatte mich und eine arabische Mutter eingeladen, über Weihnachten und das Opferfest zu sprechen, in den letzten beiden Stunden. Zuerst also erklärten die arabischen Kinder (insgesamt fünf) und die Mutter die Herkunft des Fests, seine Symbole, Sitten, und kulinarischen Höhepunkte. Dann erzählte ich ein bißchen von Advent und Weihnachten, wie es in Deutschland Sitte ist - da die meisten nur amerikanische Weihnachtsfilme kennen, wenn überhaupt, oder irgendwelche News-Items über Motorrad-fahrende Santa Clowns… fanden sie es interessant. Ich hatte unseren Adventskranz und Adventskalender mitgebracht, und eine Auswahl unserer Weihnachtsbücher, die ich auf den Tischen verteilte. So kriegten die Kinder einen ersten Eindruck. Ein Mädchen, deren Mutter Schwedin ist, erzählte, wie sie feiern.

Dann wurde gebastelt: jedes Kind beklebte den unteren Teil einer durchgeschnittenen Mineralwasserflasche mit Buntpapier, Sand rein, Kerze rein, sah ganz prima aus als Kerzenhalter. Zum Schluß zündeten wir die Kerzen an, aßen die Opferfest-Plätzchen, die die andere Mutter mitgebracht hatte, und sangen ein Chanukka-Lied über Licht. Denn der Lichterschmuck ist das gemeinsame Element der drei Feste - außer dem familiären Aspekt natürlich und der allgemeinen Aufregung.

Ich muß doch lachen, wenn ich mir vorstelle, wie verblüfft die Einmal-Touristen, die hier manchmal durchziehen und mir ihre Meinung zum Rassismus in Israel vor die Füße schmeißen, geguckt hätten, wenn sie das gesehen hätten. So stellt man sich dann Israel doch nicht vor. Wie ärgerlich. (Und wie viele arabische Eltern liefen gestern an der High school rum!)

Rauschender Applaus, Lob und Respekt Dezember 13, 2006, 10:35

Posted by Lila in Land und Leute.
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für die Zurückhaltung Israels, wo sind sie? Seit dem sogenannten Waffenstillstand sind 20 weitere Raketen gelandet, und täglich versuchen Terroristen irgendwo, ihr blutiges Handwerk auszuüben, und irgendwie machen die Anstrengungen der Palästinenser, ebendiesen Terroristen ebendieses Handwerk zu legen, keinen sehr energischen Eindruck.

Wo sind sie denn nun, die schlauen Leitartikler, die immer so lauthals Zurückhaltung von uns fordern? Fällt ihnen auf, daßwir gerade ihrer Forderung nachkommen? Ach was. Die warten nur drauf, daß wir reagieren. Dann haben sie wieder was zu schreiben. Solange wir nichts tun, sind auch sie still. Und das führt dann irgendwann zu der Illusion vom pausenlos stampfenden Monster im Nahen Osten, dem wutschnaubenden, entfesselten Bullen Israel.

Ah, meine Metaphern geraten vollkommen aus den Fugen. Tut mir leid. Schiebt es auf den Frust der Hausfrau, die nie dafür gelobt wird, wenn es sauber ist und das Essen auf dem Tisch steht - aber sobald was schiefgeht mit der Kritik der Familie leben muß. Oder erwähnt irgendein deutsches Medium die Tatsache, daß eine einseitige Waffenruhe  ihrem Namen nicht gerecht wird - weil es keine richtige Ruhe ist?

Angriff in dreifacher Formation Dezember 13, 2006, 1:22

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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Heute also — Elternsprechtag an der High school unserer drei Großen. Innerhalb von zwei Tagen werden sämtliche Eltern durchgeschleust! Wir haben uns einen genauen Plan erstellt, wie wir die Attacke am besten reiten, und haben Primus als Assistent angeheuert. Er hat mir beim Schlangestehen in einem Gebäude geholfen, während Y. im anderen Gebäude die LehrerInnen belagerte. Alle anderen Gebäude, ebenfalls voll mit Lehrkörper aller Arten, haben wir gestrichen. Eine effiziente Truppe konzentriert sich auf die Hauptlinien.

Nach zweieinhalb Stunden konnten wir die Listen vergleichen. Unentschieden: er sechs, wir sechs geschafft. Die Klassenlehrerinnen und Hauptfachlehrerinnen haben wir gesprochen. Als ich neben mir zwei Mütter reden hörte, “und zur Kunstlehrerin gehen wir gar nicht erst, was kann die schon erzählen”, wollte mein Puls schon steigen, als ich mir beschämt eingestand: auch wir lassen Kunst-, Musik- und Sportlehrer an diesem stressigen Tag links liegen. Wieso eigentlich? Ich nehme mir vor, das nächste Mal NUR die sogenannten Nebenfach-Lehrer zu beglücken.  Da ist nicht so viel los, denke ich mir mal.

Die Ausbeute? Wir haben, oh danke!, drei sehr nette Große. Primus und seine Geschichtslehrerin (die ich ebenfalls sehr schätze) haben sich richtig gern, und er ist auch gut in Mathe und Geschichte. Hausaufgaben? Fehlanzeige, verbale Brillanz hilft ihm durch. Ja nein, wo hab ich das bloß schon mal gehört…? Secundus ist zwischen seinem schulischen Ehrgeiz und dem Bedürfnis, bei seinen Kumpeln beliebt zu sein, hin- und hergerissen. Wie kann man ihm helfen, beliebt zu bleiben, ohne daß seine Leistungen leiden? Und Tertia ist die Fleißigste von allen, macht stets ihre Hausaufgaben (hört nur gut zu, ihr Söhne!), kichert nur manchmal mit ihren Freundinnen.

Der Schulleiter ist ein netter Kerl, er unterrichtet unsere Kinder und kennt Y. noch von früher, aus der Schulzeit. Überhaupt, wer kennt ihn nicht? Überall klingt sein Name, sobald er erscheint. Die Lehrer erinnern sich noch an ihn, entweder als Schüler oder als Mitschüler. Die Sekretärin hat mit meinem Schwiegervater in einer Klasse gelernt. Für Y. ist die Schule, in der er ja auch gewohnt hat, heimischer Boden. Ich dagegen bin ziemlich überfordert mit der komplexen Struktur der Gebäude und der Organisation. Was ist noch mal der Unterschied zwischen Chonchut (Erziehung) und Chinuch chevrati (Sozialerziehung)? Wieso wird Geschichte im Lernzentrum Eretz Israel unterrichtet? Was bedeutet “drei Einheiten Mathe im Abitur”?

Doch wenn wir erstmal mit den Lehrern zusammensitzen, kommt meine Stunde. Pädaogenjargon habe ich naturgemäß besser drauf und dementsprechend ergiebig sind die Gespräche. Y. stöhnte auf der Rückfahrt, “das ist der Unterschied zwischen Müttern und Vätern! Die Väter kommen rein, na, wie macht sich der Junge, irgendwelche Probleme, danke, tschö. Die Mütter quasseln erstmal mit der Lehrerin über die seelischen Zustände ihres Sprößlings, entdecken dann, daß sie gemeinsame Freunde haben, tauschen die Adresse vom Frisör aus… und vergessen, nach den Noten zu fragen!” Der arme Mann, er hat immer hinter Müttern in der Schlange gestanden, ich dagegen hinter Vätern. Die Zeit aber, die ich dadurch gewonnen habe, habe ich durch intensiven Austausch mit den LehrerInnen wieder verloren. So kam es zum Gleichstand.

Übrigens fällt mir bei solchen Gelegenheiten wieder auf, wie mutter sich im Lauf der Jahre verändert. Als Primus im Kleinkindergarten war, habe ich jedem Gespräch mit seiner Erzieherin mit respektvollem Bangen entgegengesehen. Lobte sie ihn, so hatte ich die Prüfung bestanden. Gab es Probleme, glaubte ich ernstlich, die pädagogisch ausgebildete Frau könnte sie viel besser in den Griff bekommen als ich pfuschende Mutter. Auf Ratschläge hörte ich, und ich hatte das Gefühl, diese ganze Elternschaft und Erziehung ist ein schwieriges Geschäft. Man kann ja so viel verkehrt machen!

Heute bin ich selbst Pädagogin und lasse mich nicht mehr so leicht beeindrucken, was für meinen Seelenfrieden nicht immer gut ist. Ich habe großen Respekt vor der Arbeit der Lehrer, aber ich erwarte keine Wunderlösungen von ihnen. Ja, die junge Lehrerin an der Grundschule, die in Quartas zweitem Schuljahr ihre Feuertaufe absolviert, sieht mich als absolute Respektsperson an - sie hat bei mir studiert.  Aber da ich ja nun weiß, daß auch Pädagogen nur mit Wasser kochen, lasse ich mich von mir selbst nicht mehr als von anderen beeindrucken.  Was weiß ich schon?

Machen keine Hausaufgaben, die Blagen. Wäre Karma nicht humorlos, würde es kichern.