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Große Liebe November 28, 2006, 19:00

Posted by Lila in Kunst.
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Ach, ich liebe Emblemata, diese Bildsammlungen des Barock. Alle Tugenden, Weisheit, Ermahnungen in kernig-knappe Formeln gefaßt, dazu ein Bild und ein Vers. Das war damals allen geläufig, so wie unsereiner heute kommerzielle Logos erkennt und nicht erst nachschlagen muß, wenn uns ein swoosh begegnet. Es ist nicht immer ganz leicht, das im Unterricht zu vermitteln, ich glaube, manchmal haben meine Zuhörer mich im Verdacht, daß ich allzu leichtsinnig interpretiere - dabei bin ich methodologisch keineswegs von der Symbolsucher-Truppe. Sondern mißtraue eher Interpreten, die aus jedem Brötchen den Eucharist lesen. Da bleibt ja nichts mehr übrig, das der barocke Künstler noch malen kann, einfach aus Interesse am Bild.

Sinnepoppen, 1614

Aber bei Emblemen ist die Sache klar. Die sind symbolisch gemeint, sie beziehen sich auf antike oder christliche Quellen, und sie hinterlassen ihre Spuren in der Kunst. Natürlich ist es wunderbar, in den Originalen zu schnüffeln oder wenigstens gute Reproduktionen durchzublättern. Aber ich freue mich, daß das Internet mir ermöglicht, von zuhause aus diese wunderbaren Bilder zu sehen und sie besser zu verstehen. Wer diesen Spaß teilt, kann beim Utrechter oder Glasgower Projekt interessante Materialien finden. Übrigens kann man diese Embleme durchaus als Form der Visuellen Kommunikation sehen. Die Verfertiger der Bilder wollten allgemeinverständliche, nützliche Bilder anfertigen (und nicht etwa ihr stürmisches Innerstes zum Ausdruck bringen). Auch für Designfreaks also ganz interessant.

Ganz verrückt geht es zu bei den Hypnerotomachia Poliphilii, einem der schönsten Bücher, die je gedruckt wurden (hundert Jahre vor den barocken Iconologien und Emblemata). Oh, wenn ich eines Tages mal reich bin, dann kaufe ich mir eine prachtvolle Ausgabe dieses “Liebeskampfs im Traum”. Übrigens kann man Poliphilos Geschichte hier nachlesen, allerdings im Rahmen einer Seite, die behauptet, Alberti sei der Verfasser. Was ich für weit hergeholt halte. Doch die Bilder dieses Buchs sind überall in der westlichen Kultur wiederzufinden. So wie man beim Lesen von Shakespeare oder Goethe denkt, “der redet ja in Zitaten”, bis einem aufgeht, daß die Zitate ja genau von ihnen stammen… so geht es mir beim Betrachten der Hypnerotomachia. Sind die Emblembücher logisch, klar und moralisch, ist Poliphilos Geschichte wirr, vieldeutig und jenseits der Moral. Mir gefällt beides, das mahnende Wort und der Blick in die Traumwelt.


Hypnerotomachia Poliphilii, 1499

Kommentare»

1. irtica - November 28, 2006, 22:29

http://irtica.wordpress.com/2006/11/28/radikal-senin-papandir/
helloo