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Breaking news! ihr wißt es als Erste! November 27, 2006, 20:51

Posted by Lila in Land und Leute.
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So steht es geschrieben:

Die Waffenlager der Hisbollah sind wieder gefüllt

Jetzt sind wir aber sprachlos, nicht wahr? Wie kann das sein? Oh nein, wer hätte das gedacht! Was nun?

Wie? Keiner ist überrascht? Keiner fällt jetzt um vor Schreck? Oh, peinlich, ich dachte, ich überrasche meine Leser mal.

Die Auf- und Nachrüstung begann bereits in den ersten Kriegstagen. Laut US-Geheimdiensten auf der Route Iran, Syrien, Libanon.

Wir erinnern uns: als die ganze Welt über die Aggressivität Israels den Kopf schüttelte, die doch tatsächlich sich das unverschämte Recht vorbehielten, die Hisbollah bei der Wiederbewaffnung zu stören!  (Ich war zu der Zeit in Deutschland, oh Mann, was hab ich mir da nicht alles anhören müssen von den Friedensfreunden…)

 Nach dem Ende der israelischen Luftblockade erreichte angeblich die erste iranische Waffenlieferung Beiruts internationalen Flughafen am 8. September.

Ja, diese Luftblockade… ein brutaler Akt der Aggression, um die Zivilbevölkerung zu schikanieren. Genau diese Luftblockade meine ich.

Mit den Waffenlieferungen während und nach Ende des Krieges wurden nur die Lager der Hisbollah wieder aufgefüllt. Ein Großteil der Hisbollahwaffen waren lange vor dem Krieg geliefert worden. Zwischen 1992 und 2005 bekam Hisbollah insgesamt 11.500 Raketen aus dem Iran. Dazu 400 Granaten, sowie entsprechende Raketen-Abschussrampen. Über die Jahre wurden rund 40 verschiedene Raketentypen geliefert. Im Jahr 2005 kamen große Mengen von Anti-Flugzeugraketen vom Typ Sam-7, die C-802 aus chinesischer Produktion und Boden-Boden-Raketen vom Typ Fajr und Shahin mit einer Reichweite von 150 Kilometern. Außerdem soll es noch Raketen neueren iranischen Typs geben, die eine Reichweite von 250 bis 350 Kilometern besitzen, mit deren Einsatz Hassan Nasrallah während des Kriegs gedroht hatte, falls Israel das Zentrum Beiruts bombardieren würde. In den Kämpfen im Juli und August benutzte Hisbollah modernste Panzerabwehrwaffen, auf die die israelische Armee offensichtlich nicht vorbereitet war.

Ob wir auf den nächsten Krieg genügend vorbereitet sind oder sein können, wage ich zu bezweifeln.  Auch bei der nächsten Runde, die so in zwei, drei Jahren zu erwarten ist, werden unsere Freunde im Norden sich wieder zwischen Zivilisten verstecken, nachdem das diesmal so gut funktioniert hat!, und auch dann werden wir von der internationalen Gemeinschaft verdammt werden, wenn wir uns wehren. Dieser Testdurchlauf im Sommer war gar nicht so dumm. Die Hisbollah weiß jetzt genau, egal was passiert, weder UNIFIL noch die libanesische Regierung tut ihnen was.

Und für ein paar Resolutionen gegen Israel ist so eine Aktion immer gut. Gerecht muß sein.

Also, das waren doch keine breaking news. Das war der immergleiche alte Blabla.

Kommentare»

1. arabrabenna - November 27, 2006, 22:22

Habe gerade eine Mail an einen Zeitungsfritzen der Sächsischen Zeitung geschrieben wegen seines sehr einseitigen Kommentars zur Waffenruhe.
Ich schicke dir den Auszug lieber nicht, ist genauso zum Galle überlaufen.
Ich will dir sagen, daß es doch noch paar deutsche gibt, die sich besser informieren und Israel sehr mögen. Ich bete fast täglich für euch und euer Land. Man kann sonst so wenig tun, außer dem Versuch, andere auzuklären.
Und das wollen auch nicht grade alle. Viele wollen gar nicht nachdenken!

2. Lila - November 27, 2006, 22:27

Das finde ich aber sehr bewundernswert von Dir. Ich lasse meine Galle nur hier ins Blog laufen, ich habe keine Kraft zum Leserbriefschreiben.

Setz den Link hier aber ruhig rein, wenn Du willst, daß der Mann vielleicht noch ein paar Reaktionen bekommt… die Welt ist klein heutzutage, und vielleicht finden ja auch Leute, daß er recht hat. Nur gute Argumente, die sollte er schon haben…

3. Lila - November 27, 2006, 22:32

Hier zum Beispiel
http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/spezial/dossiers/nahostkonflikt/49827/index.php
schreibt eine Dame, die anscheinend nicht viel Ahnung hat, wovon sie redet. Aber eine Meinung, die hat sie.

“Als ob dies nicht schon Schaden genug anrichtet, lassen das Olmert-Kabinett oder auch die gedemütigten Militärs unverdrossen Kampfflugzeuge aufsteigen. Zum einen, um die internationale UN-Truppe und insbesondere die beteiligten Deutschen zu ärgern. Zum anderen, um mit Tiefflügen über libanesischem Gebiet die Regierung in Beirut zu reizen. Gestern erhielt die libanesische Armee erstmals nach Kriegsende wieder den Befehl, auf die Eindringlinge zu feuern.”

Wer weiß, was für ein Ressort sie betreut hat, bis man sie Kommentare zum Nahostkonflikt schreiben ließ. Gruslig, gruslig.

4. arabrabenna - November 27, 2006, 23:21

Ich kann oline bei der SZ diesen Kommentar leider nicht finden. Tut mir leid!
Da schreib ich es dir mal schnell auf, da mein Schatz auf Arbeit muß und den Laptop mitnimmt.
Von einem Uwe Peter (nur ein Auszug): “Immerhin,es gibt Einsichten: Das eine Waffenruhe auch die Freilassung des im Juni des in den Gazastreifen entführten Soldaten Gilad Schalit beschleunigen könnte, wie Israels Premier Ehud Olmert meinte, ist eine davon. Schließlich war die israelische Offensive im gazastreifen überhaupt erst gestartet worden, nachdem palästinensische E xtremisten den israelischen Soldaten entführt hatten. Hätte Olmert diese Erkenntnis schon ein paar Monate eher gehabt, wärenmöglicherweise die mehr als 300 Palästinenser und fünf Israelis noch am Leben, die seit Beginn der Militäraktion im Gazastreifen getötet wurden.”
Und so bewunderswert von mir ist das nicht. Ich habe mir vorgenommen, auf solche Kommentare oder Berichte zu reagieren und da mache ich das jetzt auch.

5. Carsten - November 28, 2006, 15:20

Sorry, aber unter den nicht vertretbaren, aggressiven Akten der IDF versteh ich sowas wie die massenhafte Entsorgung alter Streubomben-Bestände in libanesischen Wohngebieten (”Der Ausputzer”, Spiegel 43/2006; leider nur gegen Bezahlung online) oder den Abwurf von Phosphorbomben über selbigen.

Dass Istael etwas tun musste, dass Israel wahrscheinlich sogar militärisch reagieren musste, ist mir klar. Nur: Muss so ein Mist wirklich sein? Man sieht nicht gut aus bei sowas, egal wieviele Bombardements man vorher mit Flugblättern angekündigt hat.

Und: Ja, auch die Hisbollah hat Streubomben eingesetzt. Aber der Verein ist eh pervers und drauf aus, Leiden anzurichten. Ein weiterer Punkt auf der Anklageschrift macht den Braten da auch nicht mehr Fett.

6. Lila - November 28, 2006, 16:04

Lieber Carsten, da stimme ich absolut mit Dir überein. Das Trauerspiel, das sich nun bei der Ermittlung zu diesen vollkommen überflüssigen Akten ergibt, ist ebenfalls nicht dazu angetan, unsere Moral zu heben. Da spielt die Armeeführung gerade das alte Kinderspiel “Schlapp hat seinen Hut verloren”. “Sechs hat ihn nicht, zwei hat ihn”. “Zwei hat ihn nicht, fünf hat ihn”. Und so weiter. Jeder meint, ein anderer Teil der Kommandokette hat den Einsatz angeordnet. Da kann einem schon schwummerig werden. http://www.haaretz.com/hasen/spages/789900.html

Zu einem ähnlichen, aber anders gelagerten Thema (den Fehlern, Pannen und Irrtümern, die überall vorkommen, bei militärischen Einsätzen aber besonders schlimme Folgen haben), hat sich vor ein paar Tagen Adloyada Gedanken gemacht. Schade, ich finde ihren Eintrag nicht mehr, er war sehr klug und hat mir aus der Seele gesprochen. Ich suche ihn noch mal.
Da wie bereits erwähnt mein Mann ähnlichen Vorfällen mehrmals nur knapp entkommen ist, kann mir niemand vorwerfen, ich dächte zynisch über diese Dinge (na ja, kann schon…). Man darf die beiden Dinge nicht verwechseln, Entscheidungen oder Pannen, aber ich persönlich denke, wenn allein schon durch den Pannenfaktor bei unseren vielen, allzuvielen, ungewollt vielen Einsätzen so viel auf dem Spiel steht - dann muß man den Rest der Operation so streng wie möglich unter Kontrolle halten. Und der Einsatz von Streubomben gehört nicht zu akzeptablen Mitteln, egal was der Gesetzestext sagt.
Mal gucken, was bei den Ermittlungen rauskommt. Halutz wird seinen Hut nehmen müssen, so oder so.

7. Carsten - November 28, 2006, 16:52

Wollen wir hoffen, dass es wirklich Fehler und Pannen waren - ich traue Armeen da eher weniger. Und auch den Aufklärungswillen bezweifle ich da immer - aber das schriebst du ja auch schon.

Aber: Danke für die Antwort;) Das ist genau der Grund, aus dem ich hier so gern mitlese und mitdiskutiere: Wenn ich mich gerade schön über deine Sicht der Welt aufrege -in diesem Fall gingen mir Worte wie “Paranoia” durch den Kopf- dann wird das hier sogleich entkräftet.

8. Lila - November 28, 2006, 17:07

Da gibt es doch diese blöde Sprichwort, “daß du paranoid bist, bedeutet noch lange nicht, daß niemand dich verfolgt…” Das geht mir hier so manches Mal durch den Kopf.

Wir haben hier unseren Glauben an die Armee hm, nicht verloren, das können wir uns nicht leisten!, aber an die Führung bestimmt. Das geht tiefer als der Zweifel an Peretz (dessen Inkompetenz selbst einer so überzeugten Zivilistin wie mir übel aufstößt - er hätte zu Beginn des Kriegs sagen sollen: Leute, das ist mir eine Nummer zu groß, laßt jemanden dran, der mitreden kann… was er natürlich nicht getan hat) oder an Halutz (der als IAF-Mann es sowieso bei allen anderen Einheiten sehr schwer hatte und der überdies einen problematischen Führungsstil zu haben scheint).

Muß ich mal drüber schreiben… dabei sitze ich eigentlich an was anderem.

Weißt Du was, wenn die Bundeswehr-Einsätze so langandauernd und so fordernd wären wie die der IDF, und wenn sie unter so grellem Scheinwerferlicht stattfänden (wobei das israelische Publikum selbst, seine Intellektuellen und Bürger und Journalisten, als kritische Beobachter in erster Reihe stehen) - dann sähe auch der deutsche Soldat nicht so aus, wie sich das der Friedensaktivist daheim vorstellt. Oder was meinst Du?

9. Carsten - November 28, 2006, 20:56

Dessen bin ich mir sicher - auch so kommt ja schon immer mal wieder was hoch. Man denke da an die (an sich mE harmlose) Totenkopfsache, an die Foltervorwürfe und was man da sonst noch so über den Afghanistan-Einsatz zu berichten weiß. Oder bei einem der Balkan-Einsätze, als dann irgendwann die Vorwürfe wegen Prostitution Minderjähriger aufkamen…

Alles Sachen, die recht schnell wieder aus der Öffentlichkeit verschwunden sind - aber dennoch hast du recht: Der Unterschied besteht nicht in der menschlichen Qualität der Soldaten (Wie dumm und verblendet müsste jemand sein, um dies zu behaupten?) und Soldatinnen, immerhin sind beides Wehrpflichtarmeen. Sondern darin, dass die IDF wirklich dort Einsätze hat, wo -entschuldige bitte die Wortwahl- die Kacke am Dampfen ist.

Und darin ist auch mein Misstrauen gegenüber Armeen begründet: Das sind idR verdammt große Institutionen, die Dinge tun, die man eigtl. nicht gern tut. Also Menschen töten und verletzen (was der gemeinsame Nenner aller Armeen ist), Dinge kaputtmachen und dergleichen mehr. Wer davor keine Skrupel hat, hat ohnehin schon tiefstes Misstrauen verdient. Und der Rest dürfte da unter einem solchen Stress stehen, dass auch da Fehler und Fehlverhalten zu erwarten sind. Zumal ja auch stets die andere Seite noch bedacht werden muss - die ja genau das gleiche vorhat.

10. Lila - November 28, 2006, 21:11

Ein Thema, das hier immer wieder hochkommt, sind Selbstmorde von Soldaten, die den Unterschied zwischen ihrer friedfertigen Erziehung und der Maschinerie, in der sie sich wiederfinden, nicht aushalten. Wer Glück hat, landet in einer guten Einheit, in der die Soldaten Freiraum haben, auch Kritik äußern können etc. Wer Pech hat, der findet sich in der Hölle wieder, verwandelt sich in einen Menschen, der er nie sein wollte, und zerbricht.

In zwei Jahren ist mein Ältester dran. Dann dürft Ihr mir alle das Händchen halten.

11. Carsten - November 28, 2006, 21:13

Mein ältester Freund ist gerade da - und hat sich verpflichtet, für vier Jahre. Von daher drück ich dir schonmal im voraus die Daumen:)

12. arabrabenna - November 29, 2006, 0:28

Uns geht es doch gut, hier in Deutschland - keiner muß zur Armee!!! Daßich als Mädchen nicht eingezogen werde, war vor vielen Jahren der Grund, warum ich dann doch lieber kein Junge sein wollte.
Wenn ich in Israel leben würde, hätte unsere älteste die Armeezeit gerade hinter sich und zwei wären gerade da. Ich kann mir das nicht vorstellen! Und dann noch diese bscheidene Situation. Ich hätte dauernd Angst und würde beten wie ein Weltmeister. Wie geht es all den Müttern in Israel?

13. Carsten - November 29, 2006, 20:39

Niemand ist hier von Rechts wegen verpflichtet, Kriegsdienst zu leisten. Insofern geht es uns, geht es mir als jungem Menschen in potentiell wehrpflichtigem Alter wirklich viel besser als es bspw. in Israel wäre. Aber ich beobachte, auch im Freundeskreis, eine zunehmende Amerikanisierung der Armee: Es gehen die Alternativlosen hin. Wer sonst keinen Job findet oder zu finden meint, geht zum Krieg - weil es da eben sichere Arbeit gibt, weil die in Zeiten umfang- und zahlreicher werdender Auslandseinsätze mehr Leute brauchen.

14. Lila - November 29, 2006, 21:29

Ja, und das ist schlimm, denn dann wird die Armee zu einem Sammelbecken für Menschen, die aufgrund ihrer Lebenssituation nicht die Instrumente haben, der Armee kritisch gegenüberzustehen.

So gesehen, gesellschaftlich gesehen, ist die israelische Armee eigentlich gut dran, weil sie zwar nicht ganze Jahrgänge einzieht (ein Teil geht auch hier nicht zur Armee), aber doch einen guten Durchschnitt. Eben Leute, die Schießen geil finden, und Leute, die es gräßlich finden. Und es ist gerade der Prozentsatz an Soldaten, die vielleicht in einem anderen Land verweigern würden, hier aber in Anerkennung der Situation des Landes den Dienst leisten und sich Nischen suchen, gerade diese Leute sind es, die ich als positive Elemente der Armee empfinde.

So Leute wie ein Freund von uns, der Friedensaktivist war, bevor er eingezogen wurde und der geradezu irrwitzige Ideen zur Rettung der Welt hatte. In keine Armee der Welt würde ein etwas durchgedrehter Pazifist zur Waffe greifen. Er mußte es, und die Armee hat davon nur profitiert.

Aber die jungen Männer und Frauen zahlen einen hohen persönlichen Preis. Es sind lange und schwere Jahre.