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Listig, listig November 25, 2006, 1:38

Posted by Lila in Kibbutz, Kinder, Katzen.
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kann ich auch sein.  Tertia, das arme Kind, hat ihre Zähne von Y. und mir geerbt, und so umwerfend wir auch beide aussehen - die Zähne sind nicht unsere starke Seite. Kurz, sie braucht eine Klammer, und zwei ihrer Zähne müssen geopfert werden, so lautete das Verdikt des Kieferfritzen. Aber sie will nicht, nein, sie hat Angst, das tut weh, und nein, das kommt nicht in Frage. Die geballte Logik von Vater, Zahnarzt, Kieferorthopäden und Zahnarzthelferin prallte an ihr ab wie am Suppenkaspar. Nein.

Bis die listige Mutter kam und sagte, “nein, Tertia, du brauchst keine Klammer. Du bist so ein hübsches Kind, das wäre ja geradezu unfair, wenn du auch noch perfekte Zähne hättest wie meine Schwester.  Laß mal, andere Leute müssen sonst ja verzweifeln.  Ich hab dich auch mit krummen Zähnen lieb, und wenn du später mal so viel Ärger mit deinen Zähnen hast wie ich heute - ach was, das ist ja noch lange hin, das wirst du schon aushalten. Komm, wir vergessen es einfach”.

Muß ich noch erwähnen, daß sie heute die erste Zahnziehung mit Bravour hinter sich gebracht hat und meinte, es war wirklich gar nicht schlimm? Beim Gedanken an ihre zukünftigen Zähne “wie Tante Perfektschön” strahlte sie sogar. Dabei ist sie sonst gar nicht eitel. Ja, vielleicht war meine Methode nicht vom Feinsten, aber … es ist ja nur zu ihrem Besten!

Kommentare»

1. Krocks - November 25, 2006, 9:41

Du respektierst die Entscheidungen Deiner Tochter und bestätigst sie damit in ihrer Eigenverantwortung, das ist doch nicht unfein!

2. kaltmamsell - November 25, 2006, 10:56

Jetzt, wo Du’s schreibst: Meine Motivation fürs konsequente Spangetragen war seinerzeit auch der Gedanke an das hässliche Pferdehasen-Gebiss meiner spanischen Tante, in dessen Richtung sich meine Zähne ganz eindeutig entwickelten. (Plus unerbittlicher Zwang meiner Mutter, mind.)

3. Lila - November 25, 2006, 13:23

Oh je, Unerbittlichkeit ist nicht meine Stärke. Mal sehen, heutzutage gibt es ja diese Klammern, die man nicht rausnehmen kann. Das erspart mir hoffentlich eiserne Konsequenz.

Aber Krocks: ich habe ja gar nicht Entscheidung und Eigenverantwortung meiner Tochter respektiert, sondern listigerweise nur so getan. In Wirklichkeit habe ich an ihre Eitelkeit und ihren Widerspruchsgeist appelliert, also zwei wenig schöne Dinge. (Ihr Widerspruchsgeist ist stärker als ihre Eitelkeit, Gott sei Dank). Sie hat sich den Zahn nur ziehen lassen, weil ich sie nicht dazu gezwungen habe.

4. Ringelstruempfe - November 25, 2006, 15:58

Ich koennte Dir jetzt ganz wissenschaftlich erklaeren, warum Dine Methode funktioniert hat. (Hab mich letzte Nacht naemlich grad durch eine Studie zur Suggestion bei Kindern gekaempft.) Es war vielleicht nicht die feine Art, aber als Mutter moecht ich Dir gern einen Orden verleihen!

5. Lila - November 25, 2006, 16:56

Oh Ringelmutter, wo die Wissenschaft doch sonst nicht funktioniert, wenn man sie an lebenden Kindern anwendet! Und her mit dem Orden, auf meiner Brust ist noch ein Plätzchen frei…

Mir scheint, die PädagogInnendichte hier in Rungholt ist sehr hoch. Du studierst doch Pädagogik, oder?

6. Juebe - November 25, 2006, 20:57

Paradoxe Intervention nennt man das! Weiter so - erspart viel Nerven!

7. Lila - November 25, 2006, 21:02

Paradoxe Intervention? Muß ich mir merken. Klingt sehr gut, sogar auf Hebräisch: hit´arvut paradoksalit. Vielen Dank!

8. mischpoke - November 25, 2006, 21:08

Hallo Du da, wieso soll es Dir eigentlich besser gehen als uns, wir haben im Moment 4 Disskutanten/onkel und stell Dir vor Tertia würde wie Noah Polizeiautos verlangen als Gegenleistung. Der Kerl ist mit nichts anderes zu überzeugen, aus Schön sein macht er sich NOCH nichts. Wie war Euer Shabbes, unsrer grau und schläfrig und seit 2Stunden versuchte Stj. das Aufräumen der Kizis, puh sinnlos.
Na dann auf alle Fälle shavua tov.
Eure Südschweden

9. Krocks - November 25, 2006, 21:12

Aber Lila, daß Du nur so getan hast, ist Dein Problem, nicht das Deiner Tochter. Sie konnte frei nach ihrer Vernunft handeln. Du hast nicht die Vernunft dazu mißbraucht, sie zu dominieren, wie wenn Du ihr vorgegeben hättest, was vernünftig sei und daß sie dies doch bitte einsehen möge. Ich kann auch in dem Autonomiebedürfnis des ‘Widerspruchsgeists’ nichts Schlechtes sehen, ich würde es anerkennen.

10. Ringelstruempfe - November 25, 2006, 21:36

Mein Studium nennt sich hochtrabend “Human Development” with a major in Family studies. Von Haus aus (also in Deuschland) bin ich Paedagogin. Jetzt wird es eine Mischung aus Paedagogin, Therapeutin und Psychologie. Was immer ich fuer mein zweites Studium brauche…
Der Orden ist auf dem Weg…

11. Lila - November 25, 2006, 21:38

Family studies! Das treibe ich auch, nur an Bildern statt an Texten oder Menschen.

12. vered - November 25, 2006, 22:27

Wenn Dein Nachwuchs mal erwachsen ist, Lila, kannst Du Dich um eine Stelle im diplomatischen Dienst bewerben! :-)

13. stefanHH - November 25, 2006, 22:56

Aber natürlich hast du die Entscheidung und Eigenverantwortlichkeit deiner Tochter respektiert. Du hast ja nicht gesagt: “Du machst das jetzt!”. Stattdessen hast du nur die Konsequenzen ihrer Entscheidung deutlich gemacht. Listig, lustig und völlig in Ordnung. Sie hätte ja auf die Superzähne verzichten können und spätere Probleme in Kauf nehmen können mit der Antwort: “Ist mir egal.”

Ähnliches habe ich vor einiger Zeit bei einer Freundin erlebt. Ihre Tochter (6) war nur genervt, dass irgendwas nicht klappte oder nicht zu finden war und klagte dann ganz überaschend über Kopfschmerzen. Die Mutter:” Oh, das ist ja wirklich schlimm, tut es denn sehr weh?” Tochter (gerade am Rumturnen, Spielen):”Ja.” Die Mutter: “Weißt du, dann sagen wir jetzt am Besten deiner Freundin Bescheid, dass sie heute Nachmittag nicht kommen kann. Naja, warten wir erst mal, wie es dir in einer halben Stunde geht.”

Nun rate mal, wie es ihrer Tochter nach einer halben Stunde ging…

14. griessi - November 26, 2006, 0:39

Ja das haben meine Eltern auch oft so gemacht…und im Nachhinein war das meistens auch sehr gut so.