Nachrichten geguckt, November 8, 2006, 23:28
Posted by Lila in Land und Leute.20 comments
heute habe ich es mir denn doch angetan. Ich mag mir nicht ausdenken, wie es in anderen Ländern gesendet und kommentiert wird, eine Blütenlese haben wir aber auch zu sehen bekommen, “Massaker” kam immer wieder darin vor. Gehört die Absicht zur Definition eines Massakers oder nicht? Ich weiß es nicht.
Jedenfalls ist die Stimmung deprimiert und alle bedauern die zivilen Opfer - Yoav Galant, der Kommandant der Armee Süd, erklärte umständlich, daß zwei Stellen beschossen werden sollten, aus den Qassams abgeschossen werden, und daß in solchen Fällen manchmal eben mit Artillerie geschossen wird, wenn man keine Soldaten reinschicken will. Und die Armee wollte ja nun eigentlich raus, nicht rein. Der erste Punkt wurde beschossen, der zweite auch, aber die letzten beiden Geschosse fielen 500 m vom Ziel entfernt, auf einem Wohnhaus in Bet Chanoun.
Das passiert leider manchmal, auch mein Mann ist so einem Geschoss bei einem Manöver nur um Haaresbreite entkommen (Asson Zeelim I, im Sommer 1990) und einmal auch im Krieg (da hat die Luftwaffe auf die eigenen Leute geschossen). Die Bilder sehen schrecklich aus, ich beneide Galant nicht, daß er nun erklären muß, und ich beneide auch den Artilleristen nicht, der den falschen Befehl gegeben hat. Mit so etwas weiterleben zu müssen, das ist schrecklich und eigentlich unmöglich. Wenn ich mir vorstelle…. lieber nicht.
Doch ich kann mir nicht helfen, wenn ich die palästinensische Führung gegen uns belfern höre. Sie sind gegen Angriffe auf Zivilisten? Wieso beschießen sie dann Sderot? Da sind heute wieder Raketen gefallen. In Sderot leben Zivilisten. Wieso fordern sie Selbstmordattentate? Die gehen ja immer gegen Zivilisten.
Wie kann es sein, daß in der Welt die Sprachregelung der Palästinenser so unkritisch übernommen wird - eine Fehlhandlung mit schrecklichen Folgen unsererseits ist ein Massaker, aber ein Selbstmordattentat, das von vornherein ähnlich schreckliche Ergebnisse einkalkuliert, ist legitimer Widerstand? Es ist typisch, daß bei uns nach dem Tod palästinensischer Zivilisten eine gelähmte, traurige Stille entsteht, unterbrochen nur von dem Versuch, zu verstehen, wie es dazu kommen konnte, und Analysen zur verzwickten Lage (wie sollen wir denn auf den Beschuß aus den vor einem Jahr geräumten Gebiete reagieren? wie auf den Schmuggel viel gefährlicherer Waffen als der Qassams?) . Sollte der Hamas ein Selbstmordattentat mit zwanzig Toten gelingen, wird auf den Straßen Gazas getanzt und gesungen werden, und Baklava verteilt.
Die Palästinenser messen so offensichtlich mit zweierlei Maß, wenn es um zivile Verluste geht, daß es eigentlich kaum zu übersehen ist.Tja, der Reporter Roni Daniel beendete seinen Bericht mit den Worten, “… für die Opfer macht das keinen Unterschied”. Aber für die Betrachter von außerhalb sollte es eigentlich schon einen Unterschied machen.
Ich weiß noch nicht, ob ich die Seelenstärke habe, deutsche Zeitungskommentare dazu zu lesen… hm.
Fast vergessen November 8, 2006, 10:49
Posted by Lila in Bloggen.21 comments
habe ich das BOBs-Dings, diesen Wettbewerb der Besten Blogs überhaupt und aller Zeiten. Ich wußte zwar, daß ich nominiert war, aber weil es doch wirklich viel professionellere, brilliantere und öfter aktualisierte Blogs gibt als meins (mit dem Fertig-Design, an dem nur der Header original ist - und mit meiner Nachkriegs-Verweigerung brisanter Themen…), habe ich mir keine Chance gegeben. Ich bin sowieso nicht der wettbewerbende Charakter und würde meine regelmäßig gelesenen Blogs ebenso ungern in Reihenfolge bewerten wie meine guten Freunde. Na ja, heute habe ich eine Einladung zur Abschlußveranstaltung bekommen, in Berlin, leider ein bißchen weit weg von hier. Und da habe ich mir die Seite mal angeguckt und zu meiner endlosen Verblüffung entdeckt, daß mich treue Leser auf einen ganz feinen Platz gewählt haben! Na gu, 6% ist nicht gerade preisverdächtig, aber wenn ich richtig zähle, ist das der sechste Platz. Gänzlich unerwartet! Da bedanke ich mich aber sehr.

