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Nah und fern Juli 29, 2006, 22:57

Posted by Lila in Land und Leute.
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Es ist ja ein bekanntes, aber absurdes Phänomen. Wenn man nur weit genug entfernt von einem fallenden Ziegelstein lebt, bildet man sich ein, dieser Ziegelstein muß partout dem Menschen auf den Kopf gefallen sein, den man dort kennt. Daheim dagegen kann es Ziegelsteine regnen, man fühlt sich ganz normal, “ach, was sollte uns schon passieren?”

Der zornige junge Mann, der in Seattle eine Frau erschossen und fünf weitere, teilweise sehr schwer verwundet hat, “weil er so eine Wut auf Israel hatte”, hat uns schwer erschreckt. Wir haben nämlich Familie in Seattle, in der jüdischen Gemeinde dort. Und so waren wir natürlich besorgt, daß es jemanden getroffen hat, den wir kennen. Was natürlich keineswegs so war. Die Verwandten in Seattle hingegen sind krank vor Sorge um uns, weil hier doch die Raketen fallen. Man versichert sich gegenseitig, “macht euch um uns mal keine Sorgen, wir passen schon auf uns auf - aber IHR, seid ja vorsichtig!!!”
Juden stehen überall an vorderster Front. Es reicht, an einer Synagoge, einem jüdischen Gemeindezentrum vorbeizugehen, den Polizeischutz zu sehen, damit die These vom “symmetrischen Haß” zerplatzt (”Juden und Muslims hassen einander gegenseitig gleich stark”, oder “Israelis und Araber hassen einander gleich stark”, je nach Anlaß). Es hat wohl den einen oder anderen irren Juden oder Israeli gegeben, einen Baruch Goldstein, also mir fallen auf Anhieb drei Gelegenheiten ein, in denen ein Jude bzw Israeli aus Haß auf Moslems bzw Araber zur Waffe gegriffen und getötet hat. Oh, und einmal wurde eine Gruppe Fanatiker festgenommen, bevor sie einen Anschlag auf eine Mädchenschule durchführen konnten, das weiß ich auch noch. Es gab bestimmt noch mehr. Es sind jedesmal Einzeltäter oder winzige Gruppen, die nichts mit dem Mainstream zu tun haben, Haßtäter, wie es sie in jeder Gesellschaft gibt. Sie werden als Kriminelle gesehen und im jüdischen Staat strafrechtlich verfolgt, als Terroristen bezeichnet und gelten als krasse Außenseiter. Es besteht trotz ihrer Existenz kein Grund, Moscheen in aller Welt mit Polizeischutz zu versehen.

Anneka-Anath hat neulich erzählt, daß in ihrer Gemeinde, in Schweden, fast ein Anschlag ausgeübt wurde - im friedlichen Schweden. In Norwegen wird Juden geraten, sich nicht mit Kippa oder Davidstern zu zeigen. Wir wissen schon seit Jahren, daß wir als Israelis im Ausland Ziel werden könnten - es sind schon genügend Anschläge auf Israelis auf Reisen geschehen.

Kurz, der Haß ist nicht symmetrisch. Ich glaube, insgesamt sind die westlichen Kulturen verhaßter, als sie selbst hassen - ich erinnere an die Unruhen um diese dämlichen Karikaturen, welche Haßflammen dem Westen da entgegenloderten. Die Dänen oder Deutschen konnten nicht mit demselben Haß antworten, nicht wahr? Man möchte nur, daß dieser Haß der anderen Seite aufhört, damit man sich verständigen kann, erklären kann, daß es gar nichts weiter auf sich hatte… aber der Haß ist so stark, daß diese Worte nicht durchdringen. Erinnert sich noch jemand, was das für ein Gefühl war, als man die haßverzerrten Gesichter um die brennende deutsche Flagge im Fernsehen sah, obwohl man eigentlich gar nichts weiter Böses wollte? Nur im Rahmen der Redefreiheit irgendjemand ein paar Karikaturen gezeichnet hat?

Haben wir, als nun Ehud Olmert als Amon Goeth gezeichnet wurde, in einer norwegischen Zeitung, angefangen, norwegische Touristen zu jagen oder norwegischen Lachs zu verbrennen? Na ja, kann man einwenden, Ehud Olmert ist nicht mit Mohammed zu vergleichen, von seiner Wichtigkeit her, aber nehmen wir mal das zweite Element der Karikatur, nämlich den Holocaust… und sagen wir mal, Holocaust-Vergleiche oder Späße treffen Juden und Israelis doch an einer sehr sensiblen Stelle… und mit besonderem Enthusiasmus wurde dieser weder sehr humor- noch geschmackvolle Scherz hier nicht begrüßt. Aber wir haben einfach nicht dieselben Reserven an Haß und Wut, jetzt rumzurennen, in die Luft zu ballern, die norwegische Botschaft anzuzünden oder in dramatischer Geste alle blonden Touristen zu bedrohen. Das können wir nicht, das geht nicht, das haben wir nicht in uns.

Hindert das irgendjemanden daran, an die These vom symmetrischen Haß zu glauben? Nee, man braucht nur in die Foren zu gucken, was ich ja schon eine Weile nicht mehr mache (und darum glaubt mir nicht!), da ist ein großer Anteil der nicht einmal bewußt Israel-feindlichen Aussprüche so in etwa, “na ja, die da unten sind ja wie zwei tollwütige Hunde ineinander verbissen, ich bin für niemanden und gegen niemanden, will nur, daß alle friedlich leben können, aber dazu sind diese beiden Kontrahenten wohl nicht imstande, wer kann da schon durchgucken”, jeder hat ja mal so Sprüche gehört. (Und nur nebenbei: mir sind diese Art Sätze viel lieber als viele andere Sprüche, denn wer so redet, gibt zu, daß er den Konflikt zu kompliziert findet und sich keine Meinung anmaßt - ist mir tausendmal lieber als die Allzuvielen, die keine Ahnung haben, was daherlallen und eine felsenfeste Meinung haben!)

Es müßte eigentlich reichen, an die vielen, vielen Seattle-Ereignisse zu denken, an die nicht abreißende Kette von Gewalttaten gegen jüdische und israelische Einrichtungen und Menschen, um zu empfinden, daß die Gleichung nicht stimmt. (Auch der Täter von Seattle war ein Einzeltäter und wohl kaum repräsentativ für den Mainstream der Muslims in den USA.)  Außerhalb der jüdisch-israelischen Gemeinschaft aber wird die Bedrohung durch Haßtäter aller Art, organisierte oder spontane, oft nicht wahrgenommen (oder aber rationalisiert mit einem hilflosen “na irgendwas werden sie schon getan haben, daß sie so gehaßt werden” - was in dem Moment versagt, wo der Sprecher dieser Worte seine Flagge verbrannt sieht…). Doch für Menschen, die sich innerhalb dieser Gemeinschaft befinden, ist das Gefühl der gegenseitigen Sorge, ob nah oder fern, sehr vertraut. Juden und Israelis, ob in Lund, Sydney, Haifa oder Seattle, ob vor Zionismus glühend oder post-zionistisch inspiriert, wissen, daß sie jederzeit dazu herangezogen werden können, Rechnungen zu begleichen, die sie gar nicht aufgemacht haben - ob es der Tod Christi ist, die Finanzpolitik eines Fürsten, die Wirtschaftsprobleme eines Landes oder die militärische Strategie der israelischen Armee. Nah oder fern, irgendein Grund zur Sorge findet sich immer.

Also, paßt gut auf Euch auf! Um uns macht Euch keine Sorgen, hier passiert eh nichts, aber bei Euch….

Kommentare»

1. ein Jude - Juli 29, 2006, 23:31

Liebe Lila,

Ich habe absolut keine Ahnung, ob der Hass symmetrisch ist, aber du solltest nicht vergessen, dass die Kibbutznikim lieb, nett und tolerant sind. Es gibt genug Juden, die einen abgrundtiefen Hass auf alles arabische oder islamische haben. Ich kenne da so einige…

2. Lila - Juli 29, 2006, 23:48

Ja, das weiß ich, ich kenne ja nicht nur liebe, brave Kibbuznikim. Aber es gibt doch nur relativ wenige, die sich mit Sprenggürteln, Gewehren oder Nägelbomben in die feindlichen Massen mischen, um den abgrundtiefen Haß auszuleben…

Und ich war doch sehr beeindruckt, als ich Hoders Eindrücke in Israel las -der iranische Blogger, den Lisa eingeladen hatte. Er war verblüfft, wie freundlich er überall begrüßt wurde. Insgesamt, auch wenn hier genausoviel verkniffene “Hasser alles Anderen” leben wie überall sonst, hat Hoders Erfahrung mich doch überzeugt, daß hier keine großen Haßreserven zu finden sind.

Oder, um ein ganz anderes Beispiel zu bringen: hätte ich, als waschechte Deutsche, nicht in 20 Jahren Israel-Erfahrung (und hey, ich bin schon seit vielen Jahren nicht nur im Kibbuz!) nicht auch mal mit Haß gegen Deutsche in Berührung kommen sollen? Aber das ist mir so selten passiert, daß ich mich an die zwei Male noch genau erinnere. Nein nein, es ist typisch für EinenJuden, daß die Selbstkritik sofort einsetzt, und das ist ja auch richtig so. Chas ve chalila und schon morgen begeht ein unberechenbarer Irrer eine Tat… und da es viel mehr Muslims gibt als Juden, mag auch der absolute Anteil von Irren eine Rolle spielen.. aber ich sehe diesen Haß hier in Israel nicht aktiv am Werk.

3. Marlin - Juli 29, 2006, 23:48

Hm.. ich wär geneigt, Lila zuzustimmen. So ganz symmetrisch isses wohl nich..

Das kann auch daran liegen, daß das Land in dem Ihr lebt, etwas zivilisierter ist, nicht jeder ne Knarre rumliegen hat, und die Führung abgewählt werden kann.

Aber.. ein jude hat sicher auch recht, wenn ich mir die orthodoxen Siedlungsfanatiker anschaue.. die nehmen sich da verm. nicht viel zu ihren Gegenparts… naja.. aber die haben auch Waffen zur Hand.. ;)

4. anmerker - Juli 30, 2006, 1:27

Liebe Lila,

ich frage mich, wo Du die Aussage vom symmetrischen, gleich starken Haß findest. Ich kenne die Aussage vom gegenseitigen Haß vor allem als psychologisierende Reduktion, die einerseits über die Schuldzuweisungen des Täter-Opfer-Denkens wenigstens hinaus sein will, anderseits wie dieses die Beziehung auf subjektive Haltungen, wohl auch der Anschaulichkeit wegen, reduziert und hierbei nicht weiter differenziert. Aber das ist nicht ganz dasselbe wie die explizite Behauptung gleich starken Hasses — es ist zum Beispiel nicht so falsch wie die Behauptung, Haß gebe es überhaupt nur auf einer Seite, denn es läßt noch Differenzierungen zu, was die These strikter Symmetrie nicht mehr täte.

5. Juebe - Juli 30, 2006, 2:18

Die Realität widerlegt die Hypothese vom symmetrischen Hass. Dazu braucht man sich nur die Solidaritätsdemo mit Israel am Freitag und die Demo am Samstag von Palästinensern, Libanesen und Arabern anschauen. Dort wurden anti-israelische Parolen gebrüllt und “Tod Israel” skandiert und bei der Tagesschau ging das als “friedliche Demo” durch (Näheres in meinem Weblog).

Ich habe in den letzten Tagen so einige anti-jüdische Grafiti gesehen aber kein einziges anti-palästinensisches oder anti-arabisches.

“Jude” gilt auf Berliner Schulhöfen als Beschimpfung. Ich habe noch nichts darüber gehört, daß “Araber” oder “Palästinenser” ein Schimpfwort ist.

Letztes Jahr habe ich zum ersten Mal gehört, daß zwei jüdische Jugendliche von einer öffentlichen Schule auf die jüdische Oberschule wechselten, weil es ihnen zu viel war, was ihnen an alltäglichem Antisemitismus geboten wurde.

Ziemlich genau vor drei Jahren mußte Dieter T. seinen koscheren Lebensmittelladen in einem bürgerlichen Viertel von Berlin schließen wegen fortgesetzter Übergriffe erst von Neo-Nazis und später von arabischen Gruppen. Seine Frau zahlt heute noch die Schulden ab. Ich habe noch nie gehört, daß Lebensmittelgeschäfte von Libanesen, Palästinensern oder Arabern irgendwelche Übergriffe erlebt hätten.

Israelischen Jugendlichen wird auf Schüleraustauschprogrammen ermpfohlen in der Öffentlichkeit kein Ivrit zu sprechen, weil sie sich damit gefährden könnten. Da ich dauernd arabisch auf den Berliner Strassen höre, gehe ich mal davon aus, daß man nicht gefährdet ist, wenn man arabisch spricht.

Vor den Sommerferien 2005 wurden Schüler der jüdischen Oberschule auf einer Exkursion von Schülern einer Schule angepöbelt, die im Programm “Schule gegen Rassismus” ausgezeichnet worden war.

Es gibt keine offizielle jüdische Einrichtung, die nicht bewacht werden müßte. Vor arabischen, palästinensischen oder libanesischen Kulturzentren oder Vereinen habe ich noch nie Polizeipräsenz gesehen.

6. Marlin - Juli 30, 2006, 12:33

Traurig, aber wahr, Juebe..

fürchte ich.. zumindest einige wenige Sachen habe ich so auch gehört und kann ich nachvollziehen.. :(

7. Soeren Onez - Juli 30, 2006, 12:47

Ich denke, bei all diesen Überlegungen muss aber auch in Betracht gezogen werden, wi oben schon mal angedeutet, die vollkommen unterschiedlichen Lebensbedingungen Israels und der Arabischen Welt. Dabei sei Bildung und Meinungsfreiheit/Demokratie besonders hervorgehoben. Menschen ohne Bildung sind einfacher mit Hass zu infizieren als gebildetere Schichten. Dabei will ich nicht Lila widersprechen, ich glaube auch nicht, dass es den symetrischen Hass gibt, aber hier an dieser Stell muss ich dann doch fragen warum ist dies so. Man kann sicher nicht alles auf die Armutskultur zurückdrängen und darin die einzige Erklärung suchen, aber ein Indiz zur Asymetrie ist es doch.

8. niels | zeineku.de - Juli 30, 2006, 13:24

Ich habe noch nie geglaubt, daß in der Region so etwas wie symmetrischer Hass bestehe, aber Dein Artikel, liebe Lila, könnte dennoch etwas differenzierter sein. Zu nennen wäre etwa die Irgun-Bewegung unter Menachem Begin aus der Zeit vor der israelischen Staatsgründung, die durchaus terroristische Aktionen gegen die britischen Mandatstruppen und Araber durchführte.

Ich will mir überhaupt kein Urteil erlauben dazu, wie diese Aktionen historisch einzuordnen oder moralisch zu sehen sind und erst recht will ich mit diesem Hinweis die Verbrechen von Hamas und Hisbollah nicht rechtfertigen oder relativieren, aber doch deutlich machen, daß manchmal erst der spätere Verlauf der Geschichte zeigt, wer als Terrorist geschmäht wird.

9. Lila - Juli 30, 2006, 13:40

Aber Niels, wie ist denn die israelische Gesellschaft mit der Irgun umgegangen? Ich habe ja extra erwähnt, daß es terroristische Elemente hier, wie überall sonst auch, durchaus gibt. Im Gegensatz zu anderen historischen Bewegungen aber sind sie in Israel oder im Yishuv stets marginal gewesen. Nicht etwa die Irgun ist an die Regierung gekommen, sondern Ben Gurion. Ich erinnere an die Geschichte der Altalena. Gibt es eine vergleichbare Ausschaltung terroristischer Elemente zum Beispiel in der PA? Abu Mazen hat seine Altalena noch vor sich, ich denke mir, er hat den Willen, aber er kann nicht.

Begin ist erst 30 Jahre später, nachdem er sich in der Demokratie bewährt hatte, und unter Einsatz schwerer anti-ashkenasischer Rhetorik an die Regierung gekommen. Was ihm zum Sitz des PM verholfen hat, war nicht etwa seine terroristische Vergangenheit, sondern der Zorn der Mizrachiim auf die verfehlte Politik der linken “elitistischen” Regierung. Das kannst Du nicht vergleichen.

In Israel ist keine terroristische Organisation an die Regierung gewählt worden. Begin ist nicht als Kopf der Irgun PM geworden, sondern als Vorsitzender der Likud. Also, differenzieren.

10. niels | zeineku.de - Juli 30, 2006, 14:20

Ob der Kampf gegen die britischen Mandatsstreitkräfte marginal war oder bedeutsam für den weiteren Verlauf der Geschichte Israels, kann ich nicht beurteilen. Ich bin kein Historiker und habe auch keine Detailskenntnisse über die damalige Zeit.

Du hast allerdings vollkommen recht, wenn Du darauf hinweist, daß die Palästinenser sich viel zu schwertun mit der Distanzierung von Terrorismus und seinen Protagonisten.

11. grenzgaenge - Juli 30, 2006, 14:29

liebe leute, es ist ganz komisch - und jetzt WIRKLICH nicht boese gemeint, aber ich habe den eindruck die diskussionen drehen sich immer und immer wieder im kreis, im kreis, im kreis …… mhhhhh, komisch. glaubt ja nicht das ich einnen weg aus dem kreis wuesste. man kann einen kreis schlecht dazu bewegen eine linie oder ein steg zu werden. vielleicht hilft es wirklich nur auf den messias zu warten. aber ich fuerchte der wuerde gleich wieder fluechten wenn er unser menschliches chaos auf dieser, unserer erde sieht …. was ich auch gut verstehen koennte ! euer grenzgaenger

12. grenzgaenge - Juli 30, 2006, 14:30

sorry …. einen weg ….. natuerlich !

13. Lila - Juli 30, 2006, 14:54

Lieber Grenzgänger, nicht nur die Diskussionen drehen sich im Kreis, Kopf und Magen tun dasselbe. Ich habe das Gefühl, aus der Mühle dieser Tage als alte Frau rauszukommen. am liebsten würde ich schlafen gehen und in 30 Jahren wieder aufwachen, bis dahin ist hoffentlich Ruhe und Frieden hier unten.

14. Ärztingattin - Juli 30, 2006, 22:18

zum glück habe ich keine verwandten im libanon! mein hass wäre grenzenlos

15. Wil Mal Was Sagen - Juli 30, 2006, 23:39

Ja, daran kann man schon mal ganz gut erkennen, was für eine Art Mensch du bist.

16. grenzgaenge - Juli 30, 2006, 23:53

aerztegattin, was will uns das sagen ? wenn ich verwandte in nahariya haette ….. oder in haifa ? und nun ? aber stellen sie sich mal vor: ich habe freunde dort ! soll mein hass nun grenzenlos sein ?

17. grenzgaenge - Juli 30, 2006, 23:55

p.s. wenn ich verwandte auf dem mars haette waere mein hass auf den mond grenzenlos … oder so …. na, ist auch egal !!

18. Ärztingattin - Juli 31, 2006, 0:12

und “was für eine Art Mensch” du bist. = Symmetrie
Verrat mir den Unterschied zwischen terroristischen Organisationen und organisiertem Terror

19. Juebe - Juli 31, 2006, 0:12

Pro-Israel-Demo am Freitag in Berlin:

“Während des Zuges riefen einige Passanten den Demonstranten vom Straßenrand aus “Mörder” sowie “Scheiß Juden” zu, bespuckten sie und warfen Gegenstände in Richtung Demo”
http://www.hagalil.com/archiv/2006/07/pro-israel-demo.htm

Bei den beiden Demos von Palästinensern, Libanesen und Arabern kam es zu keinerlei Vorfällen dieser Art.

20. Ärztingattin - Juli 31, 2006, 0:27

grenzgaenger, ich wollte nur meinen beitrag zum grenzenlosen krieg/hass/irrsinn abgeben, ich wusste, sofort bekomm ich zu hören was für eine Art Mensch ich sei! Es ist unglaublich, ICH bin der Unmensch, weil ich JEGLICHE UNMENSCHLICHEN AKTIONEN verabscheue! Ich schäme mich inzwischen Mensch zu sein in solcher Symmetrie

21. grenzgaenge - Juli 31, 2006, 0:28

ach ja, sie koennen einem fast leid tun ……

22. Lila - Juli 31, 2006, 0:31

Tja Ärztingattin, wo warst Du denn, als bei uns jeden Tag die Sprengsätze gegen Zivilisten hochgingen? wo warst Du denn, als in Zarit Häuser von einfachen Bürgern von der Hisbollah bombardiert wurden? als in Sderot zwei äthiopische Neueinwanderer-Kinder auf der Straße von einer Kassamrakete erschossen wurden? wo warst Du denn, als Tali Hatuel und ihre vier Mädchen aus nächster Nähe erschossen wurden, wo warst Du denn da? Da habe ich Dich hier im Blog sehr vermißt!

23. grenzgaenge - Juli 31, 2006, 0:35

ach, liebste lila, wie war das mit den kreisen ??? und dem steg ????
na ja ……. lg, dein grenzgaenger !

24. Will Mal Was Sagen - Juli 31, 2006, 8:50

“und “was für eine Art Mensch” du bist. = Symmetrie”

Nein. Ich kann mir keine Situation vorstellen, in der ich grenzenlosen Hass gegen ein ganzes Volk oder Land empfinden würde. Also besteht zwischen uns keine Symmetrie.

“grenzgaenger, ich wollte nur meinen beitrag zum grenzenlosen krieg/hass/irrsinn abgeben, ich wusste, sofort bekomm ich zu hören was für eine Art Mensch ich sei!”

Das “was für eine Art Mensch” bezog sich auf “Mein hass wäre grenzenlos”. Ja, ich finde, Leute die “Mein Hass wäre grenzenlos” sagen, müssen sich anhören, was für eine Art Mensch sie sind.

25. Werner - Juli 31, 2006, 9:54

Ich finde es sehr erschreckend wie Einseitig die Berichterstattung in den deutschen Zeitungen ist.
Israel = Böse
Hisb. = tuen nur Böses

Israel und die Juden waren schon immer ein Stein des Anstosses und nun muss ich zusehen wie es sich immer und immer mehr zuspitzt.
Wenn ich hier was Pro Israelisches von mir gebe werde ich sofort schief angeguckt. Meistens von den Zeitungslesern, denen es reicht sich mit Halbwahrheiten und Polarisierten Meldungen abspeisen zu lassen.

Ich bin traurig über viele unmündige Berichtserstatter…

26. Boche - Juli 31, 2006, 10:22

“zum glück habe ich keine verwandten im libanon! mein hass wäre grenzenlos”

Wer so etwas schreibt, hasst längst und ist nur zu feige, sich das einzugestehen.

27. bigberta - Juli 31, 2006, 22:16

Hallo, Lila, zunächst mal Grüße von Rheinländerin zu Rheinländerin. Zur Frage “symmetrischer Hass”: die Formulierung ist natürlich dämlich, aber ich denke, daß Haß auf Juden UND Hass auf Araber zusammen- gehören.Laß es mich mal ganz fies sagen - es gibt Leute, die “bis zum letzten Israeli” ihren Hass auf die Araber, auf alles, was muslimisch ist austoben, und deren “Israel” nur einen Daseinszweck hat: Araber plattmachen! Aber sollte dieses “Israel” (ich setze es in Anführungszeichen, weil ich überzeugt bin, daß Israel noch viel mehr ist, als seine Armee, Entebbe und der Mossad). du wirst deswegen heute abend noch auf meinem blog (auf dem ich Deinen “Natürlich” verlinkt habe) noch etwas zur Olmert-Karikatur und ihren geistigen Zusammenhang mit den Muhammad-Karikaturen finden. Einiges auf meinem blog wird Dir möglicherweise nicht gefallen, aber sei sicher, ich versuche *beiden* Seiten gerecht zu werden (ich habe einen guten Freund und Kollegen, der Libanese ist, mein 87-jähriger Vater (meine Mutter ist letztes Jahr gestorben) hat einen guten Freund, der Israeli ist. Somit würde ich nicht sagen: beiden Seiten gleich fern, sondern möglicherweise gleich nah. Und Du gestattest: wenn ich solche Sachen in den Nachrichten höre, wie, daß die Hezbollah an Einfluss gewinnt, dann zweifle ich dran, daß das, was ich aus dem Libanon wahrnehme, zielführend ist (dämliches Wort, aber mir fällt kein weniger Dämliches ein. “Symmetrie” nach drei Libanesischen Blogs auf meiner blogroll, Deinem und Dutchblog kommt noch mindestens ein israelischer Link. Versprochen. Übrigens: heute abend kommt in den Tagesthemen etwas über israelische und libanesische Blogger und das Internet. Mal sehen, ob ich das aufnehmen, komprimieren und einstellen kann.
LG
BB

28. Lila - Juli 31, 2006, 23:07

Oh, BB, da hast Du natürlich recht, diesen Aspekt, den Außenhaß, habe ich gar nicht in meine Gedankengänge miteinbezogen. Daß es jede Menge Leute gibt, für die das alles Gesocks und Ausländer sind, was außerhalb der Landesgrenzen lebt - da bin ich sicher.

Aber wie hab ich noch mal irgendwo an einer Klotür im Rheinland gelesen? Ausländer rein, Rheinländer raus.

Ich meinte übrigens ncith diese Art von Symmetrie: wenn ich einen libanesischen Salat gegessen habe, dann muß israelischer Nachtisch hinterher. Ich wehre mich nur gegen die naive Annahme, die im Haß der arabischen Welt auf Israel nur ein Spiegelbild sieht und annimmt, in Israel existiert ein ähnlicher Haß auf die arabische Welt. Und obwohl es stimmt, daß es durchgedrehte Leute überall gibt… diese Art Haß gibt es hier praktisch nicht. Ich bin immer erleichtert, wenn ich das auch bei Zeruya Shalev und anderen bestätigt sehe, daß wir das alles durchstehen, ohne die andere Seite zu hassen.

Wenn das alles vorüber ist, hoffe ich, doch eines Tages noch mit den Kindern zum Einkaufen nach Jenin zu fahren oder zu einer Theateraufführung nach Ramallah, und daß Y. mir den Libanon zeigt, mit Zedern und allem. Ich würde am liebsten, wenn der Vorschlag nicht so absolut blöde klänge, libanesische Flüchtlinge hier aufnehmen - so wie Zadal zu uns geflohen ist, so hätte ich auch für die Südlibanesen auf der Flucht gern die Grenze geöffnet. Wir haben schon 250 Flüchtlinge im Kibbuz, und ein paar können sich da noch reinquetschen.

Und zu den Blogs und Bloggern. Interessanterweise übersehen die deutschen Medien mich komplett. Sie gucken sich alle auf Truth laid Bear um, und da sind nur englischsprachige Blogs aufgelistet.

29. bigberta - August 1, 2006, 1:35

Hallo, Lila, guckst Du hier:
http://bigberta.twoday.net/stories/2462794/

Zur Geschichte übrigens: aus meiner Sicht ist dieses ewige Buddeln in Geschichte (ich meine jetzt nicht Auschwitz!!!) auch eine Art der Verweigerung der Gegenwart. Bloß eines: mich macht nachdenklcih, wenn ich jetzt lese, daß die Position der Hizbollah immer fester würde und die Kritiker verstummten. Und ehrlich: wenn ich höre: Iran muß mit an den Tisch, Syrien muß an den Tisch… dann frage ich mich schon, wo das jetzt hingeht…

30. Sandra - August 1, 2006, 12:28

LIebe Lila, ich möchte mich nur bedanken. Du sprichst mir aus der Seele, ich bin dankbar, dass es Dich gibt - und ich finde es schade, wenn Du Dich weniger in Foren bewegst, denn auch wenn sich natürlich die Diskussion “immer im Kreis bewegt”: Ich glaube doch, dass man weiter versuchen muss, mit den Menschen zu reden, ihnen zu zeigen, dass es auch eine andere Sicht gibt - sonst kann man ja gleich aufgeben. Ich glaube, man muss versuchen “zu den Menschen zu gehen”, und nicht warten, dass sie zu einem kommen, um sich überzeugen zu lassen. Man redet gegen Windmühlen - aber vielleicht, vielleicht kann man doch irgendwo in einem Herzen ein Samenkorn des Nachfragens hinterlassen.

31. Lila - August 1, 2006, 14:26

Nur kurz, hier sind so viele gute Kommentare:

BigBerta, ich möchte höflich, aber bestimmt sagen, daß ich Deine Meinung vom “Buddeln in der Geschichte” nicht teile. Bei jedem Fußballspiel gewinnt die Sache dadurch Würze, daß man weiß, wie oft die Holländer und die Deutschen schon gegeneinander angetreten sind und wer mit wem noch eine kleine Rechnung offen hat… ;-) und auch im Privatleben ist die Kindheit ein fester Bestandteil der Identität, ebenso die Geschichten von Groß- und Urgroßeltern. Jeder Arzt fragt Dich, ob Du schon mal operiert worden bist.

Nirgends kommen wir weiter, wenn wir uns nur kurzsichtig auf die Gegenwart beschränken.Ich persönlich liebe die Vergangenheit und widme mich ihr auch beruflich mit großer Begeisterung. Ich glaube, auch beim Nahostkonflikt müssen wir wissen, wer wann wem auf die Zehen getreten ist, um diese alten Schmerzen möglichst zu heilen - und neue Konfliktpotentiale auszuräumen. Wie oft sind neue Kriege entstanden, weil die Friedensverträge neuen Sprengstoff enthielten? Um das zu vermeiden, muß man einander kennen, die Schmerzen und Narben, die jeder mit sich herumträgt, und sagen: das soll nie wieder vorkommen, machen wir einen neuen Anfang.

Und Sandra, zu den Foren: ich bin viel zu dünnhäutig für Foren. Da hört auch niemand dem anderen zu, jeder wird sein Ding los und oft in sehr bösem, gehässigem Ton. Ich nehme mir das viel zu sehr zu Herzen, es ist für mich ja keine theoretische Diskussion, sondern mein Leben. Hier im Blog bekomme ich interessante, von meinen verschiedene Standpunkte zu hören, und der Ton ist ganz anders als in einem Forum.

Ich kann es manchmal nicht fassen, in was für einem Ton Leute in Foren aufeinander losgehen. Nein nein, das ist nichts für mich. Und meine Standpunkte sind ja auch viel zu gespalten - ich bin ja oft gar nicht so sicher, ob z.B. unsere Regierung die richtigen Entscheidungen trifft. Bei einer Rede wie gestern der vonOlmert stehe ich ja nicht auf und klatsche vor Begeisterung, sondern denke, “oh Gott, ich hoffe, er weiß, was er da macht, jetzt nichts wie weg”, höre sie nicht bis zu Ende und gehe statt dessen die Treppen putzen, um die schwarzen Fußstapfen zu besiegen, wenn ich schon die schwarzen Gefühle nicht besiegen kann.

Ich habe große Zweifel, daß Olmert, Peretz und Chalutz wirklich das Format haben, uns aus dieser Geschichte noch irgendwie rauszueisen. Obwohl ich keine alternativen, guten Vorschläge habe und darum erst mal nichts sagen kann. Aber ich kann solche inneren Hin und Her-Dialoge in keinem Forum anbringen, da reicht es, daß jemand liest, ich bin aus Israel, und dann habe ich sie schon alle am Hals. Neee, das geht nicht.

32. bigberta - August 1, 2006, 20:43

Hallo, Lila, da habe ich mich wohl mißverständlich ausgedrückt, die Art von Geschichtsbetrachtung, die Du hier beschreibst, finde ich auch richtig, aber mit “Buddeln” meine ich, wenn man den Rekurs auf Geschichte nimmt, um eine Überlegung aus der Gegenwart platt zu machen. Beispiel: einer sagt, die Hezbollah ist terroristisch, und dann haut ihm einer ein “Irgun” um die Ohren, ohne Sinn und Verstand. Ich hoffe, es kommt jetzt rüber, was ich meine.

Mit dem Ton… na klar. Ich muß bei mir auch mal dazwischenhauen. Ich denke, daß die Leute, die da so auf den Putz hauen, sehr oft nur ihre eigene Bedürftigkeit bedienen. Und dann guck Dir mal die Uhrzeiten an, zu denen die Beschimpfungen da landen. ich kann mir sehr gut vorstellen, daß es auch ganz oft Neid ist. Ich stelle mir vor, wenn Du Dein blog z.B. bei Technorati anmelden würdest, oder Dir eine http://clustrmaps.com anlegen würdest, Du würdest überrascht sein - angenehm überrascht, davon bin ich überzeugt.
LG
BB

33. Lila - August 1, 2006, 20:56

Mein altes Blog war bei Technorati angemeldet, aber wie ich das bei WordPress einbaue, weiß ich schlicht nicht.

Bei mir hauen eigentlich selten mal Leute auf den Putz. Im großen und ganzen kann ich sagen, daß meine Leser mit ihren Einsichten, ermutigenden Worten, ihrer Geduld mit meinen endlosen Einträge und ihren netten Emails im Moment ein Teil meiner Überlebensstrategie sind. Wenn ich nur die deutschen Medien vor Augen hätte, würde ich wohl am Rädchen drehen… also danke!