Morgenpost Juli 26, 2006, 12:03
Posted by Lila in Land und Leute.trackback
Ich sitze an verschiedenen Aufträgen, die ich fertigkriegen muß, was gut ist, denn so habe ich weniger Zeit nachzudenken. Montag kommt der Auftraggeber und will sich einen ganzen Stapel übersetzter und ausgewerterter Dokumente abholen, er ist Optimist, aber ich auch. Mal sehen, ob ich es auch heute schaffe, mich zumindest für eine Reihe von Stunden zu konzentrieren.
Zu den Nachrichten: daß Kofi glaubt, unsere Armee hätte absichtlich einen Luftangriff auf seinen Stützpunkt geflogen, zeigt, was er von uns hält. Abgesehen davon, daß es immer überflüssig und traurig und eigentlich unausdenkbar schlimm ist, wenn unschuldige Menschen ihr Leben verlieren - wie dämlich müßte denn eine Armee sein, die sowas mit Absicht tut. Es unterlaufen besorgniserregend viele Pannen in dieser ganzen Geschichte. Die Armee war vielleicht theoretisch mit Schubladenplänen für den Fall eines Falles vorbereitet, aber vielleicht war der krasse Übergang von Grenzpatrouillen im kaum gesicherten Jeep zum full scale war auch für sie zu schnell.
Hier wird schon diskutiert, was verkehrt läuft, daß so viele Pannen passieren. Zwei Hubschrauber stoßen zusammen, wegen einer technischen Panne stürzt ein anderer Hubschrauber ab, Truppen eröffnen aufeinander aus Versehen Feuer - mein persönlicher militärischer Berater meint, solche Sachen kommen im Krieg dauernd vor, dazu gibt es sogar Statistiken, aber normalerweise wird es vertuscht. In Israel ist aber jeder Journalist ein kleiner Ramatkal, und trotz Zensur werden diese Vorfälle natürlich veröffentlicht und auch öffentlich diskutiert, so daß jeder sich ein Bild davon machen kann, wie viel schiefläuft (andere Armeen verschweigen das lieber, es ist ja nicht sehr angenehm, und ohne eingehende Untersuchung weiß man auch nicht, wo genau in der sogenannten Kommandokette das schwache Glied sitzt - nach dem Krieg wird hier das große Hauen und Stechen losgehen).
Ich bin also sicher, daß dieser Luftangriff nicht ein kühl geplanter Akt der Aggression gegen die UN war, sondern eine Panne, und zwar eine Riesenpanne. Aber daß Kofi sofort meint, das wäre Absicht gewesen, zeigt, was für ein objektiver Mensch er ist. Normalerweise wartet man mit solchen Anschuldigungen, bis eine Untersuchung eingeleitet ist, und je eher diese Untersuchung stattfindet, desto besser für alle Beteiligten. Noch mehr Tote, denen auch die Untersuchung nichts mehr hilft. Schrecklich, mir graust davor, ich habe davon glaube ich geträumt - fällt mir gerade ein - ich glaube, es sah so aus wie im Schlußbild des Films Troja - ein riesiger brennender Scheiterhaufen. Welche “Sache” ist es wert, daß so viele Unschuldige sterben??? Ich hätte nie geglaubt, daß die Hisbollah es wirklich so weit auf die Spitze treibt.
Nasrallah droht, den Krieg weiter südlich auszuweiten, na klar, nur zu, Nasrallah, gerade jetzt, wo ich alles ordentlich habe! Er sieht vergnügt aus, er ist ein gefährlicher Feind, das wußten wir die ganze Zeit, und noch dazu kann er so ziemlich machen, was er will. Tja.
Natürlich wäre eine internationale Friedenstruppe eine gute Lösung - wenn sie nicht als willige Erfüllungsgehilfin der Hisbollah agiert. Wir haben ja schon einige Erfahrung mit internationalen Steigbügelhaltern, die terroristischen Aktionen Rückendeckung geben. Aber wenn es Truppen sind, die selbst kein Interesse daran haben, daß die Hisbollah und hinter ihr Teheran das Haupt weiter erheben - dann könnte es funktionieren. Natürlich habe ich ein bißchen bitter lächeln müssen, als ich die folgenden Sätze las:
Sollte dennoch, auf Wunsch der Israelis und der libanesischen Regierung, eine internationale Truppe entsandt werden, warnt Palmer Harik, könnte diese gar zum Ziel von Anschlägen werden. Bereits jetzt kursieren in Beirut Gerüchte, die Hisbollah erinnere an die US-Marines, die 1983 per Sprengstoffanschlag zum Abzug aus Beirut getrieben wurden, als 241 US-Soldaten an einem Tag getötet wurden.
Das GAR hat mich zum Lächeln gebracht. Ja, so weit könnte es kommen, man stelle es sich vor! Für uns ist die Vorstellung eines Sprengstoffanschlags eine so alltägliche Sache, eine solche Alltagsfurcht, daß es mir vorkommt, als würde jemand sagen, “ja es könnte sogar zu einem Autounfall kommen!” Ein Autounfall ist schlimm, aber keineswegs ungewöhnlich. Ebenso ist es mit Sprengstoffanschlägen. Sie sind sehr schlimm, aber keineswegs ungewöhnlich. Nur aus der Ferne, da scheint die Vorstellung, eventuell einem solchen Anschlag zum Opfer zu fallen, wie eine ganz extreme Möglichkeit.
Bei den nächsten Sätzen verliert sich aber jedes Lächeln.
Aber was, wenn Israel einfach so lange weiter auf die Hisbollah und deren vermutete Infrastruktur einbombt, bis die Islamisten zu schwach sind, sich auch nur gegen eine internationale Truppe zu wehren? In europäischen Diplomatenkreisen wird vermutet, dass genau so das Kalkül der USA aussieht - und dass Israel aus diesem Grund noch ein wenig freie Hand gelassen werden soll bei seiner Kampagne im Libanon. Der humanitäre Preis wäre freilich immens: Weitere wahrscheinlich hunderte Zivilisten müssten sterben, “Kollatteralschäden” im Kampf gegen die Hisbollah. Zynisch, aber nicht ausgeschlossen - so lautet deshalb in Diplomatenkreisen die Einschätzung dieser Theorie.
So etwas Ähnliches habe ich gemeint, als ich gestern (gestern erst?) geschrieben habe, daß ich nicht weiß, was hinter dem Lächeln und der Höflichkeit liegt. Es ist keineswegs auszuschließen, daß das der Deal ist. Israelische Soldaten und Zivilisten stehen in der Frontlinie, hauen ordentlich auf die Hizbollah drauf, dabei verlieren sie ihre letzte moralische Glaubwürdigkeit und werden endgültig zum schuldbeladenen Paria der Welt - aber sie halten damit den ersten Ansturm der Hisbollah und Teherans im vielzitierten langen Kriegszug des fundamentalistischen Islams auf. Wunderbar, nicht wahr? Wir machen für Euch die Drecksarbeit, und Ihr habt dafür das Recht, uns zu verachten, zu tadeln und uns prächtige Reden über den Wert der Friedfertigkeit zu halten. Ja, ich halte es durchaus für möglich, daß das Kalkül ist, oder das es zumindest eine kleine Rolle spielt.
Und warum machen wir das? Ja, weil wir keine Wahl haben. Wir sind angegriffen worden, und wir können nicht noch einmal, wie 1991, tatenlos dabei zusehen, wie andere kämpfen, weil unsere Beteiligung eine eventuelle Koalition sprengen würde… wie sich bestimmt noch mancher erinnert. (Ja, und es gab damals Leute, die uns diese Zurückhaltung als Feigheit auslegten, wie wir es machen, ist es verkehrt, so ist es nun einmal im Leben…)
Ich erinnere alle, die meinen, wir sind zu schnell losgesprungen, an Metzuba, an Rajar. Wir hätten schon eher zurückschlagen können, haben das aber aus vielerlei Gründen vermieden. Aber was zu viel ist, ist zu viel, und der 12.7. war zuviel. Wir sind zum Handeln gezwungen, wobei man über die Art des Handelns durchaus verschiedener Meinung sein kann - das sind wir hier in Israel auch, war es nun sehr klug oder sehr dumm von Peretz und Olmert, die ersten Eskalationsstufen zu überspringen und gleich “in echt” in den Krieg zu ziehen? Ich maße mir da kein Urteil an, ich verstehe zu wenig von diesen Dingen, und ich glaube, erst im Nachhinein wird sich zeigen, ob die richtige Strategie war oder nicht. (Na ja, und vielleicht stimmt es ja auch gar nicht, diese zynische Theorie….)
Vermutlich, und ich bitte auch Leute, die hier zum ersten Mal mitlesen und sofort gern bereit sind, das Allerschlimmste von mir anzunehmen (”entmenschte Israelin frohlockt über Tod ihrer Feinde, die sie seit Jahr und Tag mit glühendem Haß verfolgt - da muß ich jetzt einen Kommentar zu schreiben!!!”)… vermutlich war mit der Taktik der Hisbollah, sich inmitten von Zivilisten einzunisten, der Tod der Unschuldigen besiegelt und egal, wie wir es angefangen hätten, oder wie es jemand anders angefangen hätte - es wären unbeteiligte Zivilisten gestorben. Daß es zum großen Teil Menschen sind, die selbst die Hisbollah gehaßt und gefürchtet haben, Menschen, deren Tapferkeit und Zivilcourage bei der Zedernrevolution aus der Ferne bewundert haben, macht diese Tode nur noch schrecklicher und bitterer, ich kann es gar nicht richtig einsacken lassen, sonst halte ich diese Situation gar nicht weiter aus.
Also, ich bin leider überzeugt, daß Nasrallah das genauso geplant hat, daß jeder, der ihn angreift, dabei Unschuldige tötet, und zwar besonders grausam tötet. Es sind ja nicht nur die Bomben Israels, die die armen Menschen zerreißen, sondern auch die Waffen in den Bunkern unter ihnen, die die Opfer treffen. Waffenlager in Wohnsiedlungen, ich komme da nicht drüber weg. Es gibt keinen Weg (außer, die Hisbollah räumt freiwillig), diese Waffenlager zu vernichten, ohne dabei die Zivilisten zu schädigen. Da können wir SMS schicken, Flugblätter abwerfen und die Leute warnen, sie sollen abhauen, wie wir wollen - es werden immer Menschen zurückbleiben.
Und außerdem denke ich, daß hier ein grausamer Fehler in der Strategie der Armee liegt: sie hätten der Zivilbevölkerung Fluchtwege lassen sollen und nicht als erstes die Fluchtwege bombardieren sollen. Trotz der Sorge, daß dann die entführten Soldaten auf geradem Weg nach Syrien oder sonstwohin gebracht werden, daß auf diesen Wegen Hisbollahleute und Waffen nach Süden strömen - daran hätte jemand denken sollen. Ich glaube, auch wenn es im Moment noch viel zu früh ist, den Finger auf einzelne Entscheidungen zu legen und zu sagen, “richtig”, “falsch, aber verständlich” und “falsch und unvertretbar” - mir scheint, wenn die Armee wußte, wie massiv sie würde bombardieren müssen, um die Raketen auszuschalten (und sie fallen ja immer noch!), hätte sie nicht als erstes die Fluchtwege abschneiden dürfen. Hoffentlich wird jemand für diese Entscheidung, die viele Menschenleben gekostet hat, den Hut nehmen müssen. Denn so unvermeidbar es nach den Angriffen durch Raketen war, diese Raketenlager anzugreifen, so vermeidbar war es wohl, die Menschen, die unfreiwillig auf diesen Lagern leben, wie in einer Falle festzuhalten.
Ich habe keine Zeit zu schreiben, eigentlich, und öffne auch gar nicht erst meinen Bookmark-folder “deutsche Zeitungen”, beschränke mich auf SPon, da habe ich schon genug Stoff zum Nachdenken… Daß Fischer sich von den Bildern, die uns anklagen, nicht die Sicht verstellen läßt auf unsere Zwangslage, das ist eine große Erleichterung. Vielleicht hört ja doch jemand zu, im bequemen Chor derer, die Appeasement fordern.
Die Kämpfe seien ein Stellvertreterkrieg, den die Hamas und die Hisbollah im Auftrag Syriens und Irans führten. Sie dienten dem Hegemonialanspruch dieser beiden Staaten.
Nach Ansicht des früheren Außenministers eröffnet der Krieg trotzdem die Möglichkeit, am Ende zu einem umfassenden Frieden zu kommen. Dazu müsse Israel “aus einer Position der Stärke heraus” die Initiative ergreifen und ein “umfassendes Friedensangebot” an all diejenigen machen, die zur Anerkennung des jüdischen Staates und dauerhaftem Gewaltverzicht bereit seien. Bisherige Kontroversen um Gebiete und Siedlungen würden nach diesem Krieg ohnehin als überholt erachtet.
Das ist die optimistischste Einschätzung, die man haben kann, und es ist ja auch meine heimliche Hoffnung, mit der ich mich tröste: ein freier Libanon, eine starke libanesische Armee, unterstützt von einer internationalen Truppe, die sich zurückziehen kann, sobald die Libanesen die Sache selbst in der Hand haben. Die Hisbollah entmachtet, die Phantasien der Mullahs auf den Boden der Tatsachen runtergeholt, und Israel genau wie Libanon in sicheren internationalen Bündnissen, die Israels Isolation in der Gegend endlich aufheben.
Ja, was dann aus den Plänen einer Räumung der Westbank wird, das ist die große Frage. Nachdem sowohl Gaza als auch der Südlibanon geräumt als Abschußrampen genutzt wurden, wird selbst mir schwummerig bei dem Gedanken, Jenin und Ramallah in Händen dieser Gruppen zu sehen. Das müßte also vermutlich ebenfalls unter internationaler Beteiligung gemacht werden - und mit aktiver Teilnahme Abu Mazens. Ich kann nur hoffen, es kommt so weit.
Während ich schreibe, fallen die Raketen auf Kiriat Bialik. Ich habe die Nachrichten, Channel 10 und 2 abwechselnd, auf stumm gestellt, wieder, lese nur den Lauftext und sehe die Bilder. Wir hören Beethoven, auf Quartas Wunsch, die mit ihrem Playmobil-Reiterhof das ganze Wohnzimmer füllt. Sie singt leise mit und weiß Gott sei Dank nicht, was ich im Fernsehen sehe. Tertia liest in ihrem Zimmer. Draußen ist es heiß und still, wir hören keine Hubschrauber, keine Flugzeuge. Ich hoffe, es bleibt still hier und überall. Ich hoffe, wir alle haben es bald hinter uns.
Und jetzt an die Arbeit.


Na, wenn auch noch bei den Rettungsarbeiten weiter geballert wird, auf einen festen Posten, der nicht erst seit kurzem dort steht, dann kann man die -in der Tat vorschnelle- Vermutung (nicht Anschuldigung) Annans zumindest verstehen.
Für den -wahrscheinlichen- Fall, dass es ne Panne war, sollte man sich aber in der Armeeführung mal überlegen, was für bekloppte Vollidioten die Befehle geben bzw. ob die nicht leicht überfordert sind.
Nach so nem Ding zuerst gleich wieder lange und ausführlich auf die bööse bööse UN zu schimpfen ist jedenfalls reichlich daneben.
Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Die UN hat eine lange und nicht sehr glorreiche Geschichte der einseitigen Parteinahme gegen Israel, das wird doch dadurch nicht aufgehoben, daß mitten in einem heftigen Krieg jemand eine Fehlentscheidung getroffen hat.
Liebe Grüsse aus dem auch heissen Lund, wir denken immerzu an Euch. Bleibt stark und passt auf Euch auf.
Anneka & Co.
P.S. In Norwegen hat die jüdische Gemeinde die Anweisung gegeben nicht mit Kipa rauszugehen oder diese zu verstecken, kein hebräisch in der Öffentlichkeit zureden und ja keine Davidsstern um den Hals zu haben, es kam schon zu ûbergriffen auf jüdische Mitbürger von arbischen Mitbürgern
bei uns ist nur rausgekommen das Hakenkreuze öffentlich auf Demos erlaubt (laut Gerichtsbeschluss)sind, nachdem bei der paläst. Demo in Malmö welche gezeigt wurden.
Liebe Anneka-Anath, dann paßt mal gut auf Euch auf. Übrigens glaube ich, daß im Moment überall Warnungen an jüdische Gemeinden rausgehen, weil Nasrallah mehr oder weniger verhüllt gedroht hat, jüdische oder israelische Ziele im Ausland anzupeilen. Nach den Erfahrungen von Argentinien ist das durchaus ernstzunehmen. Und überhaupt, wenn verschiedene Organisationen kooperieren, dann sind Juden und Israelis überall das Ziel, es ist ja schon genug passiert. Tfu tfu tfu.
hallo lila,
eigentlich wollte ich mich aus den diskussionen heraus halten. die stets präsente antizionismus-keule, die jeden, der sich kritisch gegenüber der strategie israels äussert in eine ecke und zwar die rechte stellt, macht es mir madig.
trotz meines verständnisses dafür, dass israel sich gegen die bedrohung zur wehr setzt, gibt es m.e. viel zu viel begleitschäden; nicht nur im libanon. zu viele pannen, die die kritik geradezu herausforden. nein, der “bewaffnete konflikt” wird das problem nicht lösen, er bekämpft symptome.
ich kann mir nicht vorstellen, dass ein ausschalten der hizbullah zu einer stabilisierung der lage in nahost führt, da der hass derer, die israel vernichten wollen nur weiter geschürt wird.
aber auch ich habe natürlich keine lösung parat. sitze hier in meinem warmen büro, sass nie in einem bunker und musste noch nie flüchten.
deine beiträge zu lesen, rückt vieles zurecht. danke dafür.
herzliche grüße & pax
george
Ein sehr interessanter Text, Lila.
Wie man´s macht, macht man´s verkehrt. Für Isreal stimmt das auf jeden Fall.
Aber ich finde es richtig, daß jetzt mal Härte gezeigt wird. Gegen diese Leute (Hisbollah, Hamas, etc.) ist das der einzige Weg. Alles andere wird als Schwäche ausgelegt und zur Attacke geblasen.
Siehe Iran. Westen will verhandeln. Nichts passiert. Nordkorea (obwohl nochmal etwas anderes) Westen möchte gern verhandeln, nix passiert.
Das dumme ist nur, daß die Herrschaften sehr fest im Sattel sitzen.
Oder inmitten von Zivilisten.
Ich vermute, die Hisb ist ähnlich wie die Mafia. In einem Gebiet ausgebreitet wie ein Krebsgeschwür. Selbst wenn man als kleiner Mann dort gegen sie wäre, könnte man nichts tun. Und nicht notwendigerweise weil man Angst um sein eigenes Leben hat.
Nein, man hat Familie und will sie gesund bleiben lassen. (gesund heißt aus dem Fokus der Mafia/Terrororganisation heraushalten)
Und dann sitzt man in einem Teufelskreis.
Und selbst wenn die Angriffe der IDF kommen, kanst Du vielleicht nicht weg, weil Du sonst abgeknallt wirst. Nicht von Bomben, sondern von AK-47ern..
Ich bin recht überzeugt, daß es nicht wenigen Libanesen so geht.
Und vergessen wir nicht die Libanesen, die selbst gegen die Hisbollah gekämpft haben, Zadal, die nach unserem Abzug aus dem Libanon fliehen mußten, und für die ein Sieg über die Hisbollah die Rückkehr in die Heimat bedeuten würde.
Armeen und ihre Waffen setzt man gegen Armeen ein. Gegen Terroristen sind sie nicht geeignet. Das ist bekannt und wird seit Jahren, zum Beispiel beim United States Marine Corps, diskutiert.
Nur führt das zu keinen Konsequenzen.
Bisher sieht die israelische Reaktion so aus:
Ab einer kritischen Häufigkeit von terroristischen Reaktionen folgt der Gegenschlag der Armee.
Dann ist Krieg.
Ist der Krieg durch einen nur diplomatischen Akt beendet und die kritische Häufigkeit nicht überschritten, ist nicht Frieden. Es ist der schlafenden Krieg.
Ich habe den Eindruck, daß ist so ziemlich die einzige Taktik, über die Israel verfügt.
Die terroristische Gruppe der Gegenseite lebt innerhalb der schiitischen Bevölkerung, hat in zivilen Häusern Waffen gelagert.
Terroristen, die auf Rückhalt in der Bevölkerung aufbauen, können nicht unbegrenzt einen Krieg aus der Bevölkerung herausführen.
Ist der Krieg zuende, muß die terroristische Gruppe den Rückhalt in der Bevölkerung auffrischen. Das erreicht sie nicht durch die militärischen, sondern nur durch zivile Methoden des Wiederaufbaues, zu dem auch die Unterstützung der Witwen, Waisen und nicht mehr Arbeitsfähigen gehört.
Die Opfer unterscheiden während des Krieges nicht zwischen den israelischen Waffen und den hisbollah-Waffen. Sie denken nicht, sie wurden Ziel, weil die Waffen Israel bedrohen. Sie denken, wir brauchen Waffen, um gegenüber Israel nicht wehrlos zu sein.
Ein Nachdenken setzt Ruhe und setzt Zeit voraus. Die Ruhe und die Zeit ist nur während des schlafenden Krieges vorhanden, dem Zeitraum, in dem die Hisbollah durch zivile Handlungen ihren Rückhalt in der Bevölkerung wiederaufbaut.
Im Zeitraum des schlafenden Krieges muß gegen die Hisbollah gekämpft werden, aber nicht nur mit militärischen, sondern mit zivilen Mitteln.
Ja, aber wie??? Ich gucke mir die Konferenz in Rom an und frage mich, wieso ist eigentlich nie so eine Konferenz einberufen worden, um den Terror auf uns zu stoppen? sondern nur, wenn es um unsere Reaktion geht? Ich sollte ja froh sein, daß es diese Konferenz überhaupt gibt, und ich bin es ja eigentlich auch (auch wenn es ohne uns stattfindet). Aber wenn das Ergebnis wieder nur so Zeit des “schlafenden Kriegs” ist (den Ausdruck werde ich übernehmen, danke!), dann haben wir nichts gewonnen als eine kurze Zeit der Scheinruhe, und bis zur nächsten Runde haben sich dann unsere Gegner mit Atomwaffen gerüstet. Nette Aussichten.
Vielleicht ist auch das eine Erwägung gewesen, diesmal mehr Register zu ziehen als bisher - gewissermaßen die letzte Station vor der Atombombe.
Die Konferenz ist nicht aktuell einberufen worden, es hat vor einem Jahr eine Vorgängerkonferenz gegeben — Näheres weiß ich aber nicht. Die Termine fallen jedoch zufällig zusammen.
Naja, vielleicht weiß Annan ja mehr, sodaß seine Vermutung doch nicht ganz so unbegründet ist. Jedenfalls sagt er laut CNN:
“Furthermore, General Alain Pelligrini, the U.N. force commander in south Lebanon, had been in repeated contact with Israeli officers throughout the day on Tuesday, stressing the need to protect that particular U.N. position from attack.”
Ausserdem:
“The U.N. observers killed when an Israeli bomb hit their bunker in Lebanon Tuesday called an Israeli military liaison about 10 times in the six hours before they died to warn that aerial attacks were getting close to their position, a U.N. officer said.”
Quelle: http://www.cnn.com/2006/WORLD/meast/07/26/mideast.observers/index.html
Karl
Das wird auch hier gemeldet. Ich nehme an und hoffe, da werden Köpfe rollen, denn wer auch immer der Idiot war, der diese Anrufe nicht weitergegeben hat, muß zur Rechenschaft gezogen werden.
Warten wir die Untersuchung ab.
Ok ok es ist der gute alte SPON der das schreibt, aber die beiden Vorfälle ähneln sich doch schon sehr. Wenn es wirklich stimmt das die UN Blauhelme über 6 Stunden die Angriffe auf ihren seit vielen Jahren bekannten Stützpunkt an ihren israelischen Verbindungsoffiziere gemeldet haben dann kommt man wohl um den Vorwurf des vorsätzlichen Mords an den vier Blauhelmen nicht mehr rum. Ob jetzt aus inkompetenz oder aus Berechnung (wieder mal ein Hisbolah Raketenwerfer in der Nähe gewesen?).
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,428698,00.html
Puh, Verres, es fällt wohl auch alten Freunden schwer, die Aggression gegen Israel zu zügeln. Hisbollah-Abschußrampen sind über den ganzen Südlibanon verstreut, und die “ermordeten” Blauhelme waren da stationiert, um exakt dieses zu verhindern.
Sag mal, hast Du Dich nie gefragt, wie es kommt, daß wir Dutzende von Malen aus dem Südlibanon angegriffen worden sind in den letzten sechs Jahren, während Blauhelme da waren, um die Resolultion 1559 durchzusetzen? Kannst Du mir mal verraten, was die die ganzen Jahre dort gemacht haben? Stillgehalten oder mit der Hisbollah still operiert?
Ich habe es mir bisher verkniffen, weil ich es auch traurig finde, daß diese vier Männer ums Leben gekommen sind, aber ein paar Fragen dürfte man ja wohl auch an die UN richten können. Weißt Du, wie viele schuldlose Zivilisten in Israel ums Leben gekommen sind, weil diese Blauhelme ihren Job nicht getan haben? Wer wird dafür zur Verantwortung gezogen????
Klar die Frage was die UN Blauhelme da im Süden des Libanons eigentlich machen, bzw. noch machen muss mal gestellt werden. In der momentanen Situation ist die ganze UNIFIL Mission nur noch eine einzige Farce und müsste eigentlich als gescheitert beendet werden. Ähnlich wie die der Bundeswehr im Norden von Afghanistan wo sie die größten Opiumfelder der Welt erfolgreich bewacht.
Wenn es aber stimmt das der Beschuss auf den Stützpunkt solange angedauert hat und die israelischen Verbindungsoffiziere immer wieder informiert wurde, dann kann ich Kofi Annans Reaktion jedenfalls recht gut verstehen.
Ich will ja nicht das Recht Israels bestreiten mit diesen Raketenstelunngen der Hisbolah endlich selbst aufzuräumen, alle anderen Wege zum Frieden mit der Hisbolah in den letzten Jahren sind ja gescheitert. Aber der Angriff auf diesen Stützpunkt sieht wirklich nicht eben nach einem Unfall oder Zufall aus.
Verantwortung wird letztlich niemand übernehmen, weder die UN die letztlich vom Willen ihrer Mitglieder zu handeln lebt, noch denke ich das im israelischen Militär hohe Köpfe rollen werden. Man kann nur hoffen das wenigstens die an der UNIFIL Mission beteiligten Länder für sich Konsequenzen ziehen werden und so die UN auch wieder ein Stück weiter verändern. Ähnlich wie z.B. die Niederlande aus dem Scheitern ihrer zu schwach material und mandatsmässig ausgerüsteten Mission in Kroatien Konsequenzen gezogen haben und nun meist auf sogenannte “robuste Mandate” drängen.