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Abendnachrichten Juli 22, 2006, 23:42

Posted by Lila in Land und Leute.
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Ich muß unwillkürlich grinsen, wenn ich den Artikel in SPon lese, über die Artillerie. Anscheinend haben sie oben an der Nordgrenze die ausländischen Korrespondenten eingeladen und ihnen ein bißchen gezeigt, wie das so geht mit den Totachim, wie heißen die Dinger auf Deutsch? Artilleriekanonen. Es ist schon verrückt, dieser Armeeslang, der uns hier bis zum Überdruß aus den Medien entgegenschallte. In den ersten Tagen war es ganz unerträglich, da war kein Zivilist im Fernsehen zu sehen, inzwischen hat sich das etwas entspannt. Ja sogar Frauen ohne Uniform wurden schon wieder gesichtet, ahoi! Auch deswegen gucke ich in letzter Zeit ganz gern Channel 10, da ist die ZivilistInnendichte höher.

Doch ich sehe, daß Gebauer gut zugehört hat. Ido Nechushtan heißt der General, mit dem er gesprochen hat. Nechuschtan (Nechoschet) heißt übrigens Kupfer, und ich kann mir gut vorstellen, daß Nechuschtans Großeltern noch irgendwo in Deutschland gelebt haben und Kupferberg hießen… Da das Hebräische keinen Unterschied zwischen den Buchstaben P und F kennt, wird ein anderer bekannter Mann in der Armee (herrje, was macht der noch mal?) “Couperwaasser” genannt, obwohl auch seine Großeltern bestimmt Kupferwasser hießen. Doch das nur nebenher, ich habe nun mal ein Ohr für Namen und kann mich still beömmeln, wenn es heißt, Couperwaasser. Außerdem kennt vielleicht jemand die Zeile aus Yerushalaim shel zahav, shel nechoshet ve shel or…


Ich möchte aber doch, von meinem allwissenden Spezialisten für Zahal en gros und en detail hinzufügen, daß heutzutage kein Schuß einfach so abgegeben wird. Im Gegensatz zu den idyllischen Szenen in Kriegsfilmen, der beliebten Karnevalsverkleidung Kaubeu oder der populären Vorstellung vom Krieg ballern die Artilleristen nicht einfach so rum (im typisch israelischen Blutrausch, oder wie? ist das Wort zufällig gewählt, oder klingen da nicht doch die Mazzot nach, die ja bekanntlich mit Blut von Christenbabies auch erst so richtig knackig schmecken….jammi…). Alles ist technologisch gesteuert, um Fehlschüsse so gering wie möglich zu halten. Wenn eine Katyusha abgefeuert wird, wird ihre Abschußbahn per Radar aufgezeichnet und analysiert, um genau festzulegen, von wo aus sie abgefeuert wurde. Dieser Punkt, genau per GPS bestimmt, wird dann per Computerterminal als Ziel gewählt und genau dorthin gefeuert. Kein Schuß, über den die Soldaten nicht Rechenschaft abgelegen könnten. Die Vorstellung, daß wie im Ersten oder Zweiten Weltkrieg Bombenteppiche gelegt werden, daß es den Israelis egal ist, wer da unten wohnt, muß also korrigiert werden. Daß natürlich trotzdem nur fehlbare Menschen diese Technologie bedienen, ist klar.
Allerdings sagt Ido auch klipp und klar: wer auf einer Bombe schläft, der ist Ziel. Puh. Die armen Menschen, die ahnungs- und schuldlos auf Nasrallahs Bomben schlafen gegangen sind und von unseren Bomben geweckt werden, die tun mir so leid, ich kriege sie nicht aus dem Kopf. Auch Y. sagt, “betzaar rav”, mit großem Bedauern. Der Unterschied zwischen ihnen und uns ist nicht grundsätzlich, wie ich schon gestern festgestellt habe: auch Verluste der israelischen Zivilbevölkerung sind einkalkuliert.

Und die Stimmung, die ist genauso, wie ich sie heute früh in meinem Kommentar zum eiskalten Rücken beschrieben habe. Am Ziel aber ließ auch er (Peretz) keinen Zweifel. “Wir kämpfen diesen Krieg, der uns aufgezwungen wurden, bis zum Ende”. Dieses Gefühl haben wir auch, allerdings weiß der liebe Himmel, wann das Ende ist. Und sogar meine Einschätzung, daß Nasrallah uns viel besser versteht als der Westen, und daß er sein Späßchen hat an dem Krieg, sogar die bestätigt sich in diesem Artikel: Es gehe ihm (Nasrallah) gut, die Hizbollah freue sich auf den weiteren Kampf mit der israelischen Armee.

Ich glaube ihm ohne weiteres, daß das stimmt. Die Hisbollah besteht aus skrupellosen Guerillakämpfern (sie haben bisher jedenfalls noch keine Warnungen abgegeben, bevor sie geschossen haben), aber kämpfen können sie. Wir gürten unsere Lenden und wissen, daß wir Soldaten verlieren können. Wir wissen genau, welche jungen Vettern, Neffen und Freunde der Familie wo kämpfen. Y., der für viele junge Soldaten im Kibbuz ein Ansprechpartner ist, hat schon mehrere von “seinen” Jungens angerufen. Die meisten jungen Kibbuzniks dienen ja in Sonder- und Eliteeinheiten und sind damit in großer Gefahr. Ich weiß, daß die Soldaten mich Zivilistin schützen sollen, aber mir ist dabei sehr, sehr unbehaglich. Überhaupt, in einer Gesellschaft zu leben, in der mein Leben ohne Einsatz anderer stets gefährdet ist! Das ist schrecklich.

Der mentale Übergang von friedlich zu finster-entschlossen, den ich sogar an mir selbst feststelle (wobei er bei mir sehr mild ist und ich nach wie vor vom Charakter her mehr zu hoffnungsvollem Trödeln und Kommunikationsversuchen neige…) widerspiegelt sich auf ebenfalls unwiderstehliche Art und Weise in unserem Verteidigungsminister, dem linken, friedensbewegten, immer etwas unbeholfenen Amir Peretz. Ich habe das Gefühl, dieser Mann wird eines Tages auf diese Phase in seinem Leben mit großen Augen zurückblicken und sagen, “Mensch, was ist da bloß in mich gefahren, ich habe ja gedacht, gesprochen, gehandelt wie ein Militär!” Mir hat der Spruch gefallen, In every field of dry brush a match is hiding, says Amir Peretz, and one day it will be lit and ignite a big fire. The match happened to be lit on my shift, and it’s my job to put out the flames. Me, of all people, he says – a man of peace and of morality, who wants to improve relations, who talked about building a diplomatic axis that would vanquish the violence. It turns out that I am the one who in these two months have had to handle what other defense ministers wouldn’t see in 20 years.

Ja, das ist Ironie des Schicksals, wirklich. Amir Peretz, der kleine Feuerwehrmann. (Hoffentlich kann er seinen Drang zum Streiken diesmal bezähmen!!!) Alle Verteidigungsminister vor ihm waren Männer mit dicken Falafeln auf der Schulter. Nur einmal war Dalia Rabin, die Tochter von Itzhak, stellvertretende Verteidigungsministerin, da war der Mythos ihres Vaters sogar stark genug, das “Handicap” ihres Geschlechts zu überwinden. Nun, mit der heutigen Generation von Karriereoffizierinnen könnten wir irgendwann auch mal eine Frau in diesem Posten sehen (eine Frau OHNE militärische Erfahrung hätte natürlich nicht die Spur einer Chance, man kann ja nicht alle Hürden auf einmal überspringen! und Frauen müssen ja sowieso besser qualifiziert sein als Männer, um dieselbe Stellung zu erlangen – in der Politik zumindest).

Ja, so ist das also mit dem militärischen Denken. Interessant, daß sämtliche Diplomaten, die nun ihrerseits eine friedliche Offensive starten, mit den Israelis, Ägyptern, Palästinensern (Abu Mazen) und allen möglichen sehr sympathischen Leuten sprechen wollen, die allesamt an einer rationalen Lösung interessiert sind – aber nicht mit Teheran, die hinter den Kulissen an allen Strippen zieht, die aufs Ganze geht und in ein paar Jahren auch für den Westen zu einer Bedrohung wird. Das erinnert doch sehr stark an den uralten Witz von dem Mann, der unter der Laterne ein Fünfmarkstück (ja, sooo alt ist der Witz schon) sucht. Warum unter der Laterne, wenn er das Geld doch in der finsteren Gasse verloren hat? Ja, in der Gasse, da sieht man doch nichts.

Nicht wahr, so ist es. Die Ägypter würden die Kämpfe sofort stoppen, so sie könnten. Man braucht sie nicht zu animieren, sie haben selbst kein Interesse daran, daß fanatische Moslems Israel von der Landkarte wischen und hier ein Mullahland einrichten. Da braucht keiner sie von zu überzeugen. Doch ist es leichter, mit den Ägyptern zu reden als mit Teheran. An denen verbrennt man sich lieber nicht die Finger. Auch das amüsiert mich. Was wird aus dieser Initiative rauskommen? Ich wage mal eine Voraussage und sage, wie manch anderes historische Ereignis. Aber vielleicht irre ich mich ja – ich würde mich sehr gern irren, sehr gern das Schießen beendet, die Entführten zuhause und Libanon in einem neuen, friedlichen Aufschwung sehen – ohne Hisbollah in Moscheen, Schulen und Tiefgaragen.

Tja, eigentlich ist mir nicht besser als gestern.

Aber ich habe einen leckeren, ganz einfachen Käsekuchen gemacht, natürlich aus dem Internet, das heißt, eigentlich hat ihn natürlich Quarta gemacht, und ich durfte ein bißchen helfen. Auf dem Blech gebacken, mit Sauerkirschen bestreut, schmeckt er gar nicht schlecht. Das war doch mal ein Lichtblick. Sonst noch Lichtblicke? Oh ja, unter der Couch kann man den Boden lecken und macht ihn dadurch höchstens schmutziger, denn sauberer kann er nicht mehr werden. Und alle meine Freundinnen haben ebenfalls den Putzfimmel, wir lachen am Telefon drüber. Der Streß und die Sorge entladen sich in diesen kleinen Versuchen, das eigene Nest wenn schon nicht sicher, na dann wenigstens sauber zu wissen. Ist doch mal ein Thema für eine Promotion in Psychologie, findet Ihr nicht? Statistisch an Reinigungsmittelverbrauch gekoppelt… würde die Industrie vermutlich sogar sponsern. Los, Leute!

Kommentare

1. eule70 - Juli 23, 2006, 0:40

Es hat keinen Zweck. Ich sehe, hier könnte ich mit meiner Sichtweise der Dinge überhaupt nicht landen. Ich würde nur Spott ernten. Ich lass es.

2. Lila - Juli 23, 2006, 0:55

Lass es.

3. Soeren Onez - Juli 23, 2006, 1:04

Das verstehe ich nicht, warum postest du dann hier? Ich habe mir den Text auf der Eulenseite durchgelesen und versteh nicht, warum sie sich hier nicht mit ihrer Meinung stellt. Vielleicht habe ich irgendwas nicht in dem text verstanden, aber nur weil sie den Konklikt von einer anderen Seite betrachtet, glaube ich nicht, das ihr Meinung fehl auf diesem blog wäre.

4. Lila - Juli 23, 2006, 1:16

Ach weißt Du was, Sören, Eule hat ganz recht. Im Moment hab ich nicht die Nerven dafür, das ganze palästinensische Narrativ (haben uns das Land genommen… vertrieben… etc) mitanzuhören, das ich in- und auswendig kenne, und das gegen Richtigstellungen oder kritische Fragen meist recht immun ist. Das können wir gern ein andermal diskutieren, wenn Eule und ich besserer Laune sind und sie mich nicht, bevor sie noch den Mund aufgetan hat, schon beschuldigt, Andersdenkende mit Spott zu übergießen. Und wenn ich mich wieder sicherer in meinem Haus fühle.

Ich kenne so viele Araber hier, die 1948 nicht geflohen sind und denen es heute prima geht – ich kenne so viele Juden, die im Laufe der 1950er aus arabischen Ländern nach Israel geflohen sind und die hier längst schon integriert sind – daß ich diese ganze Schwarzweißmalerei schlicht langweilig finde. Die Lage war 1948 so verzwickt, daß es ohne gründiche Kenntnisse kaum möglich ist, sich überhaupt ein Urteil zu bilden. Oberflächliche Urteile kann man sich mit einem Google-Klick en masse abholen, in jeder Couleur. Aber Versuche, das mal von allen Seiten zu betrachten? Da müssen schon Bücher her, und nicht zu knapp. Filme, Briefe, Augenzeugenberichte…

Viele Menschen haben damals Unrecht erlitten, und zwar empörendes Unrecht – auf allen Seiten. Wir knacken ja an den Auswirkungen bis heute noch. Aber ganz so einfach ist es nun doch nicht, daß wir von A bis Z die Bösen sind und alle anderen nur Opfer. Wenn Eule meint, daß sie sich mit dieser Meinung hier zum Gespött macht, würde ich das zwar relativieren, weil ich über niemanden spotten will, der sich ehrlich Gedanken über den Zustand der Welt Gedanken macht und sich um andere sorgt – aber es paßt nicht. Nicht gerade jetzt, wo ich vor Sorge nachts nicht schlafen kann.

Ich hoffe, Eule bezähmt ihren Groll und wenn ich nicht mehr in Gefahr bin, wegen jeder Kleinigkeit kiebig zu werden, treffen wir uns im Guten. Ich bin mir sicher, daß wir in vielen Dingen durchaus einer Meinung sind.

5. Soeren Onez - Juli 23, 2006, 1:23

Da wollte ich natürlich nicht dazwischen. Sorry

6. Libero - Juli 24, 2006, 11:55

@lila

Die israelische Regierung hat ein Konzept für den Umgang mit der Hizbollah und anderen terroristischen Gruppen. Sie hat auch ein Konzept für den Umgang mit den arabischen Regierungen.

Bei dem Konzept des Umgangs mit den Terroristen kann man nur verlieren. Terroristen verschwinden in der Bevölkerung. In einem oder mehreren waffenstarrende zivilen Häuser unter vielen reinen zivilen Häusern. Auch wenn sie offen auftreten, ist es vergebens, von der nicht terroristischen Mehrheits-Gesellschaft zu erwarten, daß Sie sich gegen die Terroristen wehrt. Das wird die Mehrheits-Gesellschaft erst dann tun, wenn die Terroristen den Terror gegen sie selbst ausüben und das passiert selten. Auch für die Mehrheitsgesellschaft fällt ein Brosamen der nichtmilitärischen Unterstützung ab.

In einem solchen Teufelkreis kann man mit Luftangriffe nur verlieren. So zielgenau kann man rein zivile von pseudozivilen Zielen nicht trennen und zwangsläufig sind die meisten Opfer unbeteiligte Zivilisten. Die Alternative, der Einsatz von Bodentruppen, um die Opfer unbeteiligter Zivilisten zu verringern, macht auch nicht glücklich. Vielleicht kann man so die Hizbollah als militärische Macht ausschalten, aber welche Auswirkungen hat das auf den Libanon?

Der Libanon ist als Staat ohnehin fragil und schwach. Wäre er es nicht, wäre die Hizbollah nicht so stark geworden. Insofern sind die Vorwürfe Israels, der Staat Libanon hätte die Hizbollah ausschalten sollen, zwar verständlich, aber unrealistisch. Der Staat Libanon ist allenfalls zu einem schlafenden Bürgerkrieg zwischen seinen Minderheiten fähig, aber zu mehr nicht.

Was sind die Alternativen in der gegenwärtigen Situation?

Eine UN-Truppe im Süden des Libanons sichert vielleicht das Schlafen des kriegerischen Konfliktes zwischen Israel und der Hizbollah. Ein Frieden ist das nicht.

Der wird ja auch nicht zwischen Regierungen, sondern zwischen Menschen aufgebaut. Menschen, die wenig voneinander wissen, sich hauptsächlich als Soldaten oder Terroristen erleben. Solange die Schiiten im Südlibanon die Israelis vor allem als Flugzeuge, Raketen und Soldaten erleben, haben Teheran und die Hizbollahs leichtes Spiel.

Der Libanon ist als Staat zu schwach. Welche Alternative zur Hizbollah oder Amal haben denn die Schiiten des Südlibanon? Was haben sie von Israel oder dem Westen zu erwarten?

Im Augenblick günstigenfalls den schlafenden Krieg. Die geringe wirtschaftliche Unterstützung durch die Hizbollah und den Iran erkaufen Sie mit der ständigen Gefahr des Durchbruches zum virulenten Krieg. Die wirtschaftliche Unterstützung der Schiiten im Libanon durch Teheran ist gering.

Ist es so ein großes Problem, diesen Menschen mehr zu bieten als der Iran?

Die orientalischen Regierungen und die Terroristen verhindern zweierlei. Den Frieden mit Israel und das Wohlergehen ihrer Bevölkerungen.

Kümmert sich irgendjemand wirksam um das Wohlergehen der arabischen Bevölkerungen? Eigentlich niemand. Das ist ein Machtvakuum und es liegt an den Israelis, das sie erkennen, daß sie es füllen können.

Wer sagt denn, daß die Schiiten im Libanon, im Irak und Iran nicht einsichtsfähig sind und nur von ihren Mullahs und Politikern beeinflußbar sind?

Die politische Führung ihrer Länder und die gesellschaftliche Struktur verhindern die wirtschaftliche Entwicklung ihrer Länder zum Wohle ihrer Bevölkerung. Das soll man der Bevölkerung dieser Ländern nicht vermitteln können? Wer sagt das? Man hat es noch nicht einmal versucht. In englisch und hebräisch kann man das natürlich nicht vermitteln, aber in arabisch, persisch und kurdisch. Wieso soll es nicht möglich sein, die Saat des Zweifels an der Richtigkeit des Handels ihrer politischen und geistlichen Führung zu säen? Das es ihnen wirtschaftlich schlecht geht, haben sie selbst schon bemerkt.

Wenn man zum Frieden gelangen will, hat es keinen Sinn, ständig das Trennende der Vergangenheit und Gegenwart wahrzunehmen.

Man muß man das Gemeinsame der Zukunft mit den Nachbarn erkennen und das Gemeinsame fördern. Was ist das Gemeinsame zwischen Israelis und Arabern? Zum Beispiel das Leben unter erschwerten klimatischen Bedingungen.

Vor der Einwanderung des jüdischen Volkes war Israel nur ein Land, in dem Milch und Honig fliessen. Das heißt also ein armes Land, in dem nur Vieh und Wildbienen das Leben von Menschen ermöglichen. Durch ein geniales System von Speisevorschriften und Hygienevorschriften wurde aus den eigentlich für die Landwirtschaft gar nicht geeigneten Steppen- und Wüstenlandschaften ein fruchtbares Land. Zwar von fragiler Fruchtbarkeit, ein solches Land verzeiht den rohen Umgang mit seiner Fruchtbarkeit nicht, aber von einer über Jahrhunderte nachhaltiger Fruchtbarkeit. Das ist eine nicht nur im damaligen Umfeld, die Römer und Griechen ruinierten die Fruchtbarkeit der Landschaften, sondern auch im heutigen Umfeld eine einzigartige Leistung.

Die meisten orientalischen Staaten sind das ganze Gegenteil von einem nachhaltig fruchtbaren Land. Das ist auch dem Klima geschuldet, aber nicht nur. Das Klima schafft die Grundlagen für die Vegetation, aber die Vegetation kann im entscheidenden Umfang auch das Klima beeinflußen. Wenn man bestimmte Normen einhält. Die gegenwärtigen orientalischen Landschaften sind eben auch auch das Ergebnis eines rüden, wenn auch unwissentlichen Umgangs mit der Landschaft.

Auch das heutige Israel weiss, wie man Landschaften mit bisher sehr ungünstigen klimatischen Bedingungen so gestaltet, daß es gelingt, daß die Vegetation wieder das Klima beeinflußt. Wüste muß nicht Wüste bleiben. Die orientalische Welt weiss das nur begrenzt, zumal Wissen alleine nicht genügt, man braucht auch eine erhebliche praktische Erfahrung. Diese Erfahrung hat Israel.

Israel hat den arabischen Ländern eine Technologie zu bieten, die es ihnen erlauben, trotz Bevölkerungszuwachs unter ungünstigen klimatischen Bedingungen Landwirtschaft aufzubauen und zu erhalten. Es ist das einzige Land, daß die Technologie auf diesem Niveau beherrscht. Es ist ein Alleinstellungsmerkmal, ein Pfund mit dem man wuchern kann. Nutzt Israel es? Nicht sonderlich.

Das ist mir unverständlich.

Ich habe den Eindruck, Israel hat kein Konzept für den Frieden mit den arabischen Bevölkerungen, ist sich seiner zivilen Stärken für eine solche Wandlung gar nicht bewußt und setzt einseitig auf die militärische Stärke, die aber nur die Abschreckung von Regierungen und Terroristen ermöglicht.

Das der Weg, die arabischen Bevölkerungen für sich zu gewinnen, sehr steinig ist, Abgründe und Sackgassen aufweisst, ist mir bewußt. Es gibt Menschen, mit denen es einfacher ist, ein friedliches Zusammenleben aufzubauen. Wenn man zu nahe der Sonne geboren ist, steht einem oft die eigene Hitzköpfigkeit im Wege. Ich bin auch unter Menschen geboren, die sehr temperamentvoll, auch emotional und unüberlegt agieren und reagieren können. Die gibt es nicht nur in Arabien.

Natürlich wird die Mehrheit des gegenwärtigen Islam einen destruktiven Einfluß haben, aber das war in Europa zur Zeit des starken Christentums auch nicht anders. Erst durch seine Schwächung begann das Destruktive des Christentums zu schlafen bzw. weniger offensichtlich zu sein.


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